Perry Rhodan Neo 283: Weite Ferne - Rainer Schorm - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 283: Weite Ferne E-Book und Hörbuch

Rainer Schorm

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Beschreibung

Vor sieben Jahrzehnten ist der Astronaut Perry Rhodan auf Außerirdische getroffen. In dieser Zeit ist die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen und hat fremde Welten besiedelt, ist aber auch in kosmische Konflikte verwickelt worden. Seit fünf Jahren umkreisen Erde und Mond eine fremde Sonne im Sternhaufen M 3. Außerdem haben die Überschweren das Solsystem und alle terranischen Kolonien besetzt. Mittlerweile sind die Invasoren jedoch verdrängt worden. Im Jahr 2107 wird Perry Rhodan als körperloses Gehirn in den fernen Sternhaufen Naupaum entführt. Auch ein weiterer Terraner, der einstige französische Revolutionär Georges Danton, erlebt das gleiche Schicksal. Gemeinsam suchen sie einen Weg zurück nach Hause. Als Erstes müssen sie herausfinden, in welche Region des Kosmos es sie verschlagen hat. In einem astronomischen Observatorium richtet sich ihr Blick in WEITE FERNE ...

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Seitenzahl: 225

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Zeit:6 Std. 3 min

Veröffentlichungsjahr: 2022

Sprecher:Hanno Dinger

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Band 283

Weite Ferne

Rainer Schorm

Cover

Vorspann

1. Perry Rhodan – Gruppendruck

2. Perry Rhodan – Kontrolle

3. Gayt-Coor – Der Drychasch

4. Perry Rhodan – Basar der Raumschiffe

5. Gayt-Coor – Kredit

6. Perry Rhodan – Am Ziel?

7. Gayt-Coor – Mein Schiff!

8. Perry Rhodan – Umweg

9. Gayt-Coor – Wohin?

10. Perry Rhodan – Tropfsteinhöhle

11. Gayt-Coor – Erstarrt

12. Perry Rhodan – Gast aus der Vergangenheit

13. Gayt-Coor – Schuppenwäsche

14. Perry Rhodan – Der Kreis der Gehirne

15. Gayt-Coor – Im Stalagmitenwald

16. Perry Rhodan – Das Observatorium

17. Perry Rhodan – Reise in die Ferne

18. Gayt-Coor – Messier 87

19. Perry Rhodan – Die KASTA-FREIN

20. Perry Rhodan – Auf dem Weg

Impressum

Vor sieben Jahrzehnten ist der Astronaut Perry Rhodan auf Außerirdische getroffen. In dieser Zeit ist die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen und hat fremde Welten besiedelt, ist aber auch in kosmische Konflikte verwickelt worden.

Seit fünf Jahren umkreisen Erde und Mond eine fremde Sonne im Sternhaufen M 3. Außerdem haben die Überschweren das Solsystem und alle terranischen Kolonien besetzt. Mittlerweile sind die Invasoren jedoch verdrängt worden.

Im Jahr 2107 wird Perry Rhodan als körperloses Gehirn in den fernen Sternhaufen Naupaum entführt. Auch ein weiterer Terraner, der einstige französische Revolutionär Georges Danton, erlebt das gleiche Schicksal.

Gemeinsam suchen sie einen Weg zurück nach Hause. Als Erstes müssen sie herausfinden, in welche Region des Kosmos es sie verschlagen hat. In einem astronomischen Observatorium richtet sich ihr Blick in WEITE FERNE ...

1.

Perry Rhodan

Gruppendruck

Für einen Augenblick war alles schwarz. Tiefste Nacht, absolute, lichtlose Finsternis. Es war, als sei er im Leerraum zwischen den Galaxien verloren gegangen. Dann kehrte er ins Leben zurück.

Die Reize brachen über Perry Rhodan herein wie ein Tsunami: grelle Helligkeit, eine Geräuschorgie und eine wahre Kaskade an Gerüchen.

Er und die anderen wurden vom Interkontinentaltransmitter ausgespuckt und fanden sich inmitten eines Stroms von Reisenden wieder. Yaanztroner, Duynter, Poynkorer und wie sie alle hießen.

Rhodan blinzelte. Die Wahrnehmung eines Yaanztroners unterschied sich deutlich von der eines Menschen. Obwohl sich Rhodans Gehirn mittlerweile gut an den Trägerkörper angepasst hatte, war er manchmal doch überfordert. Am liebsten hätte er die Hände auf die Fledermausohren gepresst. Hände mit zwei Daumen!

Jemand rempelte ihn von hinten an, dann schubste ihn ein fetter Yaanztroner zur Seite. Rhodan stolperte, und nur weil Danton ihn hielt, stürzte er nicht. Die Phasen, in denen er unsicher auf den Füßen war, wurden seltener, aber sie traten zumeist dann auf, wenn sie absolut unpassend waren.

»Ankömmlinge aus Nopaloor: Bitte räumen Sie sofort den Zugangsbereich, und begeben Sie sich zur Weiterreise in die Transferareale.«

Ob jemand auf die automatische Durchsage reagierte, war schwer zu beurteilen. Am Gedränge änderte sich jedenfalls nichts.

Sie hatten den Transmittersteig gerade erst verlassen. Der Weg von Yaanzars Hauptstadt zum Nordpolargebiet war weit. Obwohl Rhodan froh war, dass die Metropole hinter ihm lag, fühlte er sich ausgelaugt. Diesmal hatten sie keinen lokalen, sondern einen Interkontinentaltransfer benutzt. Die Nebenwirkungen waren stärker und vermutlich mit ein Grund für die Wahrnehmungsexplosion. Bei den Kurzstrecken hatte Rhodan meist kaum etwas gespürt. Die psychischen und physisch auffälligen Begleiterscheinungen von Transmitterdurchgängen waren aber in Naupaum anscheinend normal. Was die Ursache dafür war, hatte ihm niemand sagen können, weder Hayvatschyt noch Doynschto und auch nicht Gayt-Coor, der Petraczer. Georges Danton war für solche Fragen ohnehin der falsche Ansprechpartner.

Rhodan fühlte sich eigenartig getrieben, geradezu aufgedreht. Gleichzeitig war es, als habe er Watte im Kopf. Zusätzlich verspürte er einen Druck, den er sich nicht erklären konnte. Etwas Vergleichbares hatte er nicht mal nach seiner Gehirntransplantation in diesen yaanztronischen Körper gefühlt. Lag es an der sonderbaren, fünfdimensional aktiven Membran, die sein Ceynach umschloss und die Doynschto bei seiner Ankunft in der Stalakk-Gehirnbank registriert hatte? Rhodan taumelte leicht, als sei sein Gleichgewichtssinn gestört. Außerdem war ihm übel. Daheim in der Milchstraße war das bei Transmitterpassagen nie geschehen.

Dass sie mitten in einer wild durcheinanderwuselnden Masse aus Naupaumbewohnern steckten, machte es nicht besser. Die Vorstellung, sich in aller Öffentlichkeit übergeben zu müssen, war unerfreulich. Er versuchte, das Unwohlsein wegzudrücken, und konzentrierte sich auf die Umgebung. Der Großteil der Leute ringsum waren Yaanztroner, etwas zierlicher als Menschen, ansonsten aber sehr humanoid. Die auffälligsten Unterschiede zu Terranern waren der grüne, fast den ganzen Körper bedeckende Moospelz und die großen, fledermausähnlichen Ohren. Die Nase war dunkel, ähnelte der eines irdischen Hunds und war ebenso empfindlich. Rhodan sah die Menge nicht nur, er roch sie auch intensiv. Er witterte die Aufregung, die alle beherrschte.

Was ist denn hier los?, dachte er.

Eng ging es auf Yaanzar immer und überall zu. Im Moment jedoch schien sich all das noch zu steigern. Gemurmel, Geschrei, eine wahre Kakofonie aus unzähligen Stimmen waberte über dem Gedränge. Ein Blick nach oben offenbarte einige Flugroboter, die unterhalb der stark gewölbten Hallendecke schwebten, wahrscheinlich Überwachungsmaschinen.

Der Schwindel kam plötzlich und heftig, als er den Kopf in den Nacken legte. Es erinnerte ihn an die Empfindung während eines Erdbebens oder das Schwanken eines Boots bei schwerem Seegang.

Rhodan würgte.

Doynschto beugte sich zu ihm. »Was ist mit dir? Du wirkst, als seist du betrunken. Und irgendwas stimmt mit deinen Augen nicht.«

Rhodan wehrte ab. Er durfte der Schwäche nicht nachgeben. Nicht in diesem Mahlstrom von Lebewesen!

»Atme tief und langsam durch«, empfahl der Zerebralpfleger. Er prüfte Rhodans Puls. Die beiden yaanztronischen Herzen trieben das Blut rasend schnell durch seine Adern. »Zusammenbleiben!«, forderte Doynschto die anderen auf. Er hatte die Fledermausohren angelegt.

Ein Duynter stieß ihm den Ellbogen gegen den rechten Arm. Bevor Doynschto protestieren konnte, war der Mann bereits wieder verschwunden. Er rieb sich die geprellte Stelle. Empört starrte er in die Richtung, in die der Rüpel verschwunden war.

»Los, zur Seite«, sagte Danton. »Sonst werden wir getrennt ... oder zu Tode getrampelt. Wenn er hier zusammenklappt, ist es vorbei. Es ist wie bei einer Massenpanik.«

Die kleine Gruppe arbeitete sich an ein doppeltes, sehr stabiles Geländer heran, das offensichtlich zusätzlich mit Prallfeldern verstärkt wurde.

Mit seinem massigen Echsenkörper, der Rhodan frappierend an einen irdischen Tyrannosaurus Rex erinnerte, blockte Gayt-Coor einen Großteil der vorbleiflutenden Menge ab wie ein lebender Damm. Die imposanten Zierfedern an seinem unteren Hinterkopf, die er »Rondur« nannte, richteten sich auf wie das Segel einer irdischen Kragenechse.

Rhodan hielt sich fest. Das Gefühl, unsicheren Grund unter den Füßen zu haben, blieb.

Gleichgültig, was dich belastet, sagte Hayvatschyt in Rhodans Gedanken. Es ist erst nach unserer Ankunft hier aufgetreten. Das liegt nicht an der Transplantation oder dem PGT-Verfahren, da bin ich sicher. Ich spüre nichts.

Hayvatschyt, das Originalgehirn, hatte seine ursprüngliche Zurückhaltung längst abgelegt. Er war ein recht junger Yaanztroner, der seinen Körper für fünf Jahre als Träger eines Ceynachs, eines implantierten Zweitgehirns, zur Verfügung gestellt hatte. Rhodan nutzte Hayvatschyts Körper allerdings nicht aufgrund eines Überlassungsvertrags und als kostenpflichtige Dienstleistung, sondern weil Doynschto ihn als Rettungsinsel benutzt hatte, um Rhodans Gehirn, das von Unbekannten aus seinem ursprünglichen Körper entführt worden war, vor dem Tod zu bewahren. Hayvatschyt hatte sich nur mit dieser Situation abgefunden, weil ihm keine andere Wahl geblieben war. Begeistert war er von dem Arrangement aber keineswegs.

Wie auch?, dachte Rhodan. Er wurde in ein Ceynach-Verbrechen hineingezogen. Er spürte Hayvatschyts Verwirrung.

He, ich tue, was ich kann!, empörte sich der Geist des jungen Yaanztroners. Meine Schuld ist das alles nicht.

Damit hatte er recht.

Das war kein Vorwurf, beschwichtigte ihn Rhodan. Aber meine Frage bleibt: Was ist hier los? Es ist anders als das übliche Gedrängel. Das wirkt beinahe wie ein Aufruhr.

Er sah sich um. Überall standen Gruppen von Raytaren. Sie trugen nicht die üblichen schwarzen Monturen, sondern Uniformen mit blutrot abgesetzten Ärmeln und einem ebenso blutroten Symbol etwa dort, wo das Schlüsselbein saß. Sie waren zudem erheblich schwerer bewaffnet als die Raytaren, denen Rhodan bislang begegnet war. Das wollte bei diesen gefürchteten Ordnungshütern einiges heißen.

Er erkannte Bewegungsmuster, die für bestimmte Arten von Polizeieinsätzen typisch waren. Das ist eine großflächige Absicherung der Transmitterhalle, dachte er. Wie bei einer Bombendrohung oder einem befürchteten Terroranschlag. Wo sind wir da nur hineingeraten?

Die Massen wurden kanalisiert, die Raytaren schufen gut kontrollierbare, zergliederte Areale. An deren Grenzen nahmen sie taktische Positionen ein, beinahe wie Personenschützer.

In der Großtransmitterstation tummelten sich wahrscheinlich Zehntausende Yaanztroner, die die Transmittersteige aufsuchten und verließen. Es war ein stetiges Kommen und Gehen. Die Transmitter setzten unablässig Neuankömmlinge frei oder verschluckten Abreisende.

Die Ankunftshalle war riesig und bestand aus drei miteinander verbundenen Kuppeln. Der Gesamtdurchmesser betrug nach Rhodans Schätzung mehr als hundert Meter. Es war ein Transmitterdom im wahrsten Sinne des Wortes.

Hinter den Raytaren wuchsen die drei Ferntransmitter in die Höhe. Sie ähnelten spitzen, aber massigen Kirchenportalen.

Hayvatschyt ließ sich hören. Die Alarmstufe ist auf Stufe zwei erhöht worden. Siehst du die orangeroten Lichter? Die Maximalstufe eins entspräche einem tatsächlichen Angriff, wie etwa durch die Caddron-Vaga. Das haben wir in der Gehirnbank selbst erlebt. Oder aber wie bei einem offiziellen Auftritt des Raytschas. Das trifft diesmal aber beides nicht zu.

Rhodan seufzte lautlos. Hayvatschyt, ich bin für dein Engagement wirklich dankbar. Ich weiß nun also, was hier nicht los ist. Aber geht's etwas genauer?

Hayvatschyts Empörung fühlte sich für Rhodan an wie eine beginnende Gänsehaut. Ich mag es nicht, wenn du ironisch wirst!

Gayt-Coor zeigte keine Nervosität. Er blickte sich um, als suche er etwas, und züngelte heftig. Schon der sensible olfaktorische Sinn eines Yaanztroners ähnelte eher dem eines Hunds als dem vergleichsweise groben Geruchsvermögen eines Menschen. Der Petraczer indes erspürte mit dem Züngeln noch mal ein Vielfaches an Informationen mehr. Und das Doppelaugenpaar, das in Form zweier nebeneinander liegenden Achten angeordnet war, konnte sich moderat unabhängig voneinander ausrichten und somit verschiedene Dinge gleichzeitig fixieren.

»Ein offizieller Besuch«, sagte Gayt-Coor. Er deutete auf einige sich ständig verlagernde Holoflächen. »Heltamosch besucht Yaanzar. Er will wohl auch das Drychasch-Observatorium aufsuchen. Deshalb der ganze Aufwand.«

»Wer bei Louis Quatorze ist Heltamosch, Monseigneur Gayt-Coor?«, erkundigte sich Danton. »Müsste ich ihn kennen?«

Der Petraczer knackte begeistert mit dem Gebiss. Sein Kopf fuhr ruckartig zur Seite. »Monseigneur Gayt-Coor. Gefällt mir immer wieder. Heltamosch ist der designierte Nachfolger des Raytschas. Antorschok ist alt, eine weitere PGT-Prozedur wird für sein Ceynach nicht mehr möglich sein. Auch wenn sich seine Amtszeit noch lange hinziehen kann. In den vergangenen zehn Jahren hat Heltamosch alle anderen Aspiranten ausgeschaltet. Die Nachfolge wird im Raytschat frühzeitig geregelt, das war schon immer so. Niemand will Nachfolgekriege riskieren, Stabilität ist wichtig. Der aktuelle Raytscha klebt allerdings förmlich an seiner Herrschaft. Ich nehme an, Heltamosch muss sich auf eine zähe Wartezeit einrichten. Aber Antorschok ist auch aus anderen Gründen umstritten. Gerüchte über Dinge, die im Verborgenen ablaufen, gibt es bereits sehr lange. Man sagt, Antorschok sei gewissen Kreisen eine Last, derer man sich entledigen will. Was daran wahr ist oder nicht, weiß niemand. Ihr habt doch in Nopaloor ein Attentat auf ihn miterlebt?«

»Ich war nicht dabei«, korrigierte Danton. »Aber das sollten Sie wissen; ich war bei Ihnen.«

Er musterte die wogende Menge fasziniert. Der französische Revolutionär, den ein rätselhaftes Schicksal aus der irdischen Vergangenheit nach Naupaum verschlagen hatte, schien das Chaos ringsum beinahe zu genießen.

Langsam kam Rhodan wieder etwas zu sich. Die Menge floss an ihnen vorbei, und er schaffte es durchzuatmen. Sofort drängten sich andere Probleme wieder in den Vordergrund. In erster Linie die Frage, wo Naupaum eigentlich lag – die fremde Region des Kosmos, in die er und Danton als isolierte Gehirne versetzt worden waren –, ließ sich ohne weitere Informationen nicht beantworten.

Anfangs hatte Rhodan gedacht, sogar gehofft, dass Naupaum vielleicht nur ein Kugelsternhaufen im Halo der Milchstraße sei. Es wäre möglich gewesen. Denn nach wie vor gab es in der irdischen Heimatgalaxis unzählige weiße Flecken mit Bereichen, die noch nie ein Mensch besucht oder gesehen hatte. Eins stand jedenfalls fest: Der Sternenhimmel über Yaanzar war Rhodan komplett unbekannt. Ein starkes Gefühl, das nicht hatte verschwinden wollen, hatte ihm zudem schon früh eingeflüstert, dass er weit weg von zu Hause war. Sehr weit weg.

Für Georges »Roi« Danton galt dasselbe. Als man den Franzosen auf dem Pariser Place de la Révolution enthauptet hatte, waren fremde Galaxien nur »Nebel« im Nachthimmel gewesen. Rhodan fragte sich, wie Danton all das bei geistiger Gesundheit überstand.

Nach dem Kontakt mit der Caddron-Vaga hatte Rhodan endgültig feststellen müssen, dass die Galaxis, die Naupaum umkreiste, definitiv nicht die Milchstraße war. Von der Rebellenorganisation hatten er und Danton zudem den Hinweis auf das Drychasch-Observatorium erhalten. Dies war der Ort, von dem sich nun beide endlich Klarheit versprachen.

»Und warum will Antorschoks Nachfolger zum Drychasch-Observatorium?«, hakte Rhodan nach.

Die Frage blieb unbeantwortet. Ein Triebwerk heulte auf, dann ertönten die ersten Schreie.

»Vorsicht!«, rief Doynschto.

Die Menge spritzte auseinander, und durch die entstehende Gasse raste ein kleines Einsatzfahrzeug. Es trug nur den Fahrer und glich einem platt gedrückten Motorrad – ohne Räder. Es war von einem Prallfeld geschützt und streifte mehrere Passanten, schleuderte sie gegen das Geländer. Zwei weitere solcher Einpersonenschweber folgten.

Das Geschrei nahm zu, aber niemand machte Anstalten, etwas zu unternehmen.

Ein Menschen... Nein, ein Yaanztronerleben zählt in Naupaum wahrhaftig nicht viel, dachte Rhodan.

»Wir müssen weg«, sagte Danton. »Wo sind die lokalen Transmitterportale, von denen Sie sprachen? Wir wollten die Zentralstation ohnehin verlassen.«

Rhodan spürte die Ungeduld seines Mitstreiters. Dantons Drang, Licht in seine persönliche Tragödie zu bringen, war wahrscheinlich sogar größer als der seine. Rhodan kannte fremde Welten und Zivilisationen – für Danton indes war alles an ihrer Lage verwirrend, neu und zumeist unverständlich.

Dagegen war meine damalige Begegnung mit den Arkoniden geradezu lächerlich, dachte er. Und dieses Gedränge macht mich noch wahnsinnig!

Gayt-Coor hielt sich eine kleine Fulgmyrergruppe vom Hals, indem er die Zähne fletschte und böse zischte. Die Fulgmyrer waren ebenfalls echsenartig, mit den Petraczern aber nicht verwandt. Die Signale deuteten sie trotzdem richtig. Ihre Rückenkämme verfärbten sich. Sie wichen zurück.

»Zu den Kurzstreckenanschlüssen müssen wir nach unten«, antwortete Gayt-Coor. »Wir müssen näher an den Drychasch heran.«

»Es gibt eine Direktverbindung?«, fragte Danton.

»Du meinst zum Observatorium?«, sagte Gayt-Coor. »Nein, das nicht, aber dafür zum Garrzadosch. Das ist in unmittelbarer Nähe des Bergs Drychasch.«

Der Garrzadosch war eine Art Markt, ein riesiges Ausstellungsareal, wo ein reger Handel mit Raumschiffen aller Art betrieben wurde. Er war somit etwas Besonderes, denn Raumfahrt war in Naupaum eher die Ausnahme. Der Großteil des interstellaren Verkehrs wurde mithilfe eines weitverzweigten Transmitternetzes abgewickelt, das den gesamten Kugelsternhaufen umspannte. Trotzdem legten manche, die zu den wohlhabenden Eliten des Raytschats gehörten, auch Wert auf ein eigenes Raumfahrzeug – und sei es nur, um sich auf Reisen nicht unter den Pöbel mischen zu müssen.

Gayt-Coor hatte es sich in seinen harten Echsenkopf gesetzt, auf dem Garrzadosch jenes Sternenschiff wieder in seinen Besitz zu bringen, das er vor einiger Zeit beim Glücksspiel verloren hatte.

»Sie glauben immer noch, dass Sie Ihr Schiff wiederbekommen?«, fragte Doynschto skeptisch. »Sehr optimistisch. Aber wenn wir hierbleiben, ist das unwichtig. Die Leute werden uns einfach niedertrampeln, wenn die Raytaren weiterhin so untätig bleiben. Wenn sie nicht verhindern, dass eine Panik ausbricht, gibt es noch eine Katastrophe.«

Nicht, dass die Raytaren das scheren würde, dachte Rhodan. So etwas wie Respekt für das Individuum scheint es in Naupaum so gut wie nicht zu geben. Es sei denn, man hat eine hohe soziale Position inne. Aber bisher haben sie die Lage im Griff.

Er setzte sich in Bewegung. Der Abgang zu den Lokaltransmittern lag etwa fünfhundert Meter entfernt, zudem war es ein Nadelöhr. Viele der Ankömmlinge, die über die Interkontinentalverbindungen hierhergekommen waren, mussten ebenfalls weiterreisen. Die Aussicht, sich durch die wogende Masse aus Körpern kämpfen zu müssen, gefiel Rhodan ganz und gar nicht. Taschendiebe sahen diese Situation sicher als Paradies. Dass die Raytaren sich um solche Petitessen kümmern würden, war illusorisch. Taschendiebe waren in einer derart übervölkerten Welt eine verbreitete Profession, das galt nicht nur für Nopaloor, sondern für ganz Yaanzar. Die Masse bot die beste Deckung, die sich ein Dieb nur wünschen konnte.

Es wurde ein Kampf im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder drückten und schoben sich Yaanztroner und andere Naupaumbewohner rücksichtslos zwischen Rhodan und seine Gefährten.

Als sie endlich die Rampe erreichten, die vom Ferntransmitterareal in die tieferen Ebenen führte, war Rhodan durchgeschwitzt, seine Arme und Hüften schmerzten. Wahrscheinlich würde sein Körper am nächsten Tag unter dem grünen Moosflaum mit blauen Flecken übersät sein. Nur Gayt-Coor schien den Rangeleien etwas Positives abgewinnen zu können.

Er genießt das, kann das sein?, wunderte sich Rhodan.

Oh, Petraczer sind hart im Nehmen, antwortete Hayvatschyt. Keine Schläger, aber einer Rauferei gehen die wenigsten aus dem Weg. Wobei man verrückt sein muss, sich mit einem Petraczer anzulegen. Yaanztroner sind ihnen in aller Regel nicht gewachsen. Es sei denn, man ist ein Raytare ... oder ein Venturer, wenn du dich erinnerst.

Das tat Rhodan nur allzu gut. Galko Tschem, der Gehirnsammler hatte ihm die vierarmigen, kleinköpfigen Schläger auf den Hals gehetzt. Sie waren die Inkarnation der Phrase »Viele Muskeln, wenig Hirn« gewesen. Ein neuer Rempler holte ihn in die Gegenwart zurück.

Sie betraten den Weg, der nach unten führte. Rhodan musste sich zweimal am Geländer der Rampe festklammern. Am sichersten war man direkt hinter Gayt-Coor. Der kräftige Petraczer bahnte ihnen eine Gasse durch das Gewimmel. Dennoch war Rhodan froh, als sie die untere Ebene erreicht hatten.

»Langsam!«, warnte Doynschto.

Direkt in ihrem Weg hatte sich eine Gruppe von Raytaren einige Duynter und Yaanztroner vorgenommen. Die jungen Leute litten anscheinend unter Energieüberschuss; was das anging, unterschieden sie sich von Menschen nicht besonders.

Das ist irre!, äußerte Hayvatschyt entsetzt. Man spielt nicht mit Raytaren, man geht ihnen aus dem Weg. Die müssen aus der Provinz stammen. Und stecken wahrscheinlich mitten in der Hauptmauser. Sie sehen zauselig aus, siehst du?

Die Hauptmauser entsprach etwa der menschlichen Pubertät; offenbar mit allen Nebenwirkungen, die man auf der Erde kannte. Hormonelles Chaos, Selbstüberschätzung und die Unfähigkeit, Risiken korrekt einzuschätzen, prägten auch junge Yaanztroner.

Sie halten das für einen großen Spaß, kommentierte Hayvatschyt. Dabei sind Raytaren für ihre Humorlosigkeit bekannt. Eigentlich müsste man das in diesem Alter bereits wissen. Das wird übel enden!

Die Jugendlichen schienen die anfängliche Zurückhaltung der Raytaren mit Angst oder Unsicherheit zu verwechseln, denn sie begannen, die Polizeitruppe zu provozieren. Dann kam es zu den ersten Handgreiflichkeiten. Etwas flog durch die Luft und zerplatzte auf der gepanzerten Brust eines der Raytaren. Die tomatenähnliche Frucht fabrizierte tiefblaue Flecken, und der Gestank waberte bis zu Rhodan und seinen Begleitern herüber.

Grober Fehler!, urteilte Hayvatschyt sofort.

Die Raytaren legten ihre Zurückhaltung von einer Sekunde zur nächsten ab. Zunächst nutzten sie die Schockstäbe, die mächtige elektrische Schläge verteilten. Als das die Jugendlichen nicht stoppte, gingen die Ordnungshüter zum Nahkampf über. Es dauerte keine halbe Minute, dann lagen sieben junge Yaanztroner und Duynter am Boden, einige regten sich nicht mehr. Bei zweien bewies die Haltung ihrer Arme oder Beine, dass sie gebrochen waren. Bei anderen zuckten die Glieder von der verabreichten Restelektrizität. Die Haare der Moospelze hatten sich aufgerichtet. Wegen der Mauser sah es wie ein heftiger Anfall von Räude aus.

Dann verstand Rhodan, warum Doynschto sie gebremst hatte. Die Raytaren statuierten ein Exempel an anderen Passanten, die zufällig erreichbar waren. Wer ihnen zu nahe kam, wurde verprügelt. Die Brutalität erschreckte Rhodan trotz allem, was er über die Polizeitruppe des Raytschats wusste.

»Warten Sie noch!«, sagte Doynschto und hielt Danton zurück, der nach vorn drängte. »Die Raytaren dürfen nicht auf uns aufmerksam werden. Ein Verdacht reicht aus, um uns tagelang wegzusperren. Und ob wir die Haft lebend verlassen würden, weiß keiner. Die Raytaren sind im Alarmmodus. Sie schlagen erst zu, dann fragen sie ... vielleicht.«

Ist das bei dir zu Hause anders?, erkundigte sich Hayvatschyt in Rhodans Kopf.

Auf der Erde? Das will ich doch hoffen!, antwortete Rhodan. Mein Sonnensystem aber wurde bis vor Kurzem noch von fremden Eroberern kontrolliert ... und die Besatzer dort waren ebenfalls ziemlich brutal. Trotzdem gewöhne ich mich nie an solche Exzesse. Wir können nichts tun, nehme ich an?

Hayvatschyt zögerte. Nein. Es sei denn, du möchtest ebenfalls eine solche Behandlung bekommen. Wie gesagt: Sie diskutieren nicht. Denk bitte daran – das ist mein Körper, der dann malträtiert wird. Ich weiß, wie du kämpfen kannst, aber das sind fünf Raytaren. Schon zwei wären zu viel.

Rhodan starrte verbissen auf die Blutpfützen am Boden. Ob die Opfer noch lebten, war nicht zu sagen. Sich gegen den Strom der Passanten ringsum zu stemmen, war anstrengend. Alle, die die lokalen Transmitterverbindungen aufsuchen wollten, waren Zeuge des Vorfalls, die Unruhe nahm zu. Dabei kannten sie die Raytaren und ihr Vorgehen. Nur für Rhodan war die übertriebene Härte eine Überraschung.

»Also langsam, Leute«, sagte er. »Wenn wir ihre Aufmerksamkeit erregen, sind wir gescheitert.«

Gayt-Coor züngelte hektisch. »Zwei sind tatsächlich tot. Den Tod riecht man meilenweit. Halten wir uns weiter rechts. Da könnten wir vorbeikommen.«

Rhodan musterte die Umgebung. Andere Wege zu ihrem lokalen Transmitterportal Richtung Garrzadosch gab es nicht, zumindest nicht in akzeptabler Nähe. Aber sollte die Konfrontation sich in die Länge ziehen, war es vielleicht besser, den Umweg zu nehmen. Rhodan hatte zwar das Gefühl, keine Zeit verlieren zu dürfen, aber diesen Eindruck hatte er schon, seit er in der Stalakk-Gehirnbank erwacht war. Er stand wohl kurz davor, eine Manie zu entwickeln.

»Beeilung!«, drängte Doynschto, als er sah, wie einer der Raytaren über Funk mit jemandem sprach. Der Zerebralpfleger deutete mit einem Ohr nach links, wo ein Strom von Passanten in ausreichender Entfernung an dem Ort der Auseinandersetzung vorbeieilte. »Sie werden den Bereich gleich komplett abriegeln, dann sitzen wir fest.« An diese spezielle Gestik hatte sich Rhodan bisher nicht gewöhnt.

2.

Perry Rhodan

Kontrolle

»Stehen bleiben!«

Perry Rhodan zuckte zusammen. Eigentlich war es Hayvatschyt, der so reagierte. Das Ursprungsgehirn hatte zwar die Kontrolle über den Körper an das Ceynach Rhodan abgegeben, aber die natürlichen und antrainierten Reflexe brachen ab und an trotzdem durch. Denn das vegetative System funktionierte unabhängig davon, wer die Oberhand hatte, das muskuläre Gedächtnis ebenso.

Entschuldige bitte, hörte Rhodan die flüsternde Stimme des Ursprungsbewusstseins. Raytaren!

Rhodan spürte die Furcht, die in diesem Wort lag. Er verstand den jungen Yaanztroner sehr gut. Hayvatschyt hatte in seinem alten Leben mit den Raytaren nie direkt zu tun gehabt, aber die Angst vor ihnen hatte gute Gründe. Die Polizeitruppe war mit absoluter Autorität ausgestattet und setzte diese ohne Einschränkungen durch. Rücksichtnahme, Empathie oder gar Mitleid kamen in Hayvatschyts Erinnerungen im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Raytaren nicht vor, auch wenn es nur Wissen aus zweiter Hand war. Gerade eben waren sie zudem selbst Zeuge davon geworden, dass die Geschichten keine Übertreibungen waren.

Die Stimme klang hart und war laut – aber nicht so laut, dass es allgemeine Aufmerksamkeit erregt hätte. Die typische Tonlage eines Yaanztroners, der es gewohnt war, zu befehlen, die Stimme eines Offiziers. »Verhalten Sie sich ruhig, und drehen Sie sich langsam um!«

Rhodan folgte der Aufforderung. Er wollte alles vermeiden, was als Provokation aufgefasst werden konnte.

Es waren fünf Raytaren, die sich hinter ihnen aufgebaut hatten, allerdings nicht die Gruppe, die zuvor unter den Jugendlichen gewütet hatte. Die Monturen trugen die roten Applikationen und Ärmel zur Schau, die Rhodan bereits aufgefallen waren. Sie gehörten also anscheinend nicht zu den normalen Sicherheitskräften der Transmitterstation. Es waren Yaanztroner, allerdings waren sie sehr viel massiver als normal.

Gut ausgebildet und bis zum Optimum trainiert, dachte Rhodan sofort.

Er roch nach Nervosität. Ein schneller Seitenblick auf Doynschto zeigte ihm, dass der Zerebralpfleger, der ihn aus der Stalakk-Gehirnbank befreit hatte, kurz davor war, durchzudrehen. Eine direkte Konfrontation mit Raytaren war fraglos das Letzte, was er sich wünschte. Doynschto hatte sein gesamtes altes Leben hinter sich gelassen, seine Arbeit sowie den Großteil seiner Ersparnisse verloren, und galt nun als Ceynach-Verbrecher. Seine Nerven lagen blank.

Obendrein hat er noch Bekanntschaft mit einer Ceynach-Jägerin gemacht, sinnierte Rhodan. Man sollte denken, schlimmer kann es nicht kommen.

Die Erinnerungen an die Yuloc, ihre furchterregende Maske und die Konflikte mit ihren Artgenossen war frisch. Dass sie den Ceynach-Jägern entkommen waren, hatten Rhodan und seine Begleiter letztlich nur deren internen Streitigkeiten zu verdanken gehabt. Dass Torytrae eine Gefahr blieb, hatten allerdings alle begriffen.

Die roten Lichtpunkte von Waffenzielhilfen markierten ihn und die anderen. Über ihnen hingen zwei augenscheinlich bewaffnete Flugroboter und hatten sie ins Visier genommen.

Die Gesichter der fünf Raytaren waren hart und kantig. Zwei von ihnen wurden von Narben verunstaltet. Die große, schwarze, hundeähnliche Nase des einen klaffte auf der linken Seite auseinander. Was auch immer ihn getroffen haben mochte, es war wohl höllisch scharf gewesen. Die Nase des anderen war unverkennbar mehrfach gebrochen worden.

Ihr Kommandeur stand reglos da und wartete ab.

Er testet unsere Reaktionen, erkannte Rhodan.

Hayvatschyt reagierte überrascht. Wie das?

Rhodan lächelte. Hayvatschyt war unbedarft, was solche Dinge anging. Personen, die man überprüfen wollte, mit Psychospielchen aus der Reserve zu locken, gehörte auch in Naupaum zu den Standards. Ein verunsichertes Gegenüber war einfacher zu handhaben.

Rhodan hoffte, dass die anderen sich nicht allzu auffällig verhalten würden. Eine gewisse Nervosität war normal, damit rechnete der Offizier zweifellos. Aber für Rhodan war schwer einzuschätzen, was der Raytare als ernstlich verdächtig erachten würde. Die Körpersprache der Yaanztroner war in vielerlei Hinsicht anders als die der Menschen.

»Senke leicht den Kopf!«, raunte ihm Doynschto zu. Dass Rhodan den Zerebralpfleger in diesem Umgebungslärm überhaupt hörte, war beinahe ein Wunder.

Eine Unterwerfungsgeste?, dachte er. Bitte schön, das kann er haben.

Er beugte den Kopf. Andere Besucher und Neuankömmlinge, die denselben Transmittersteig benutzten, wichen bereits aus. Eine Gasse bildete sich, dann eine Insel im allgegenwärtigen Gewusel. Niemand wollte in eine Kontrolle hineingezogen werden. Die Leute beeilten sich, außer Reichweite zu kommen.

So schnell wird man zum Paria, dachte Rhodan. Sie müssen uns gar nicht erst separieren. Die Menge tut das ganz von selbst.

Der Offizier schwieg noch immer.

Die Atmosphäre war dick, angereichert mit den Ausdünstungen unzähliger Reisender. Trotzdem empfand Rhodan es nicht als diffusen Gestank. Die feine Nase der Yaanztroner machte daraus vielmehr eine Quelle unzähliger Informationen. Er roch Hektik, Depression und Hoffnung. Im Augenblick dominierten in der direkten Umgebung allerdings Vorsicht und Angst.

»Personenkontrolle«, sagte der Gruppenführer emotionslos. »Treten Sie auseinander.«

Doynschto, Seskatsch und Gayt-Coor gehorchten sofort.

Wir haben uns offenbar verdächtig gemacht, womit auch immer, dachte Rhodan. Hoffentlich ist es lediglich eine Standardkontrolle und keine zielgerichtete Rastersuche. Ich und Doynschto stehen auf einer Fahndungsliste, wenn auch sicher nicht ganz oben.

Georges Danton im Körper Seskatschs hatte weder Rhodans Erfahrung, was die pure Lebenszeit anging, noch in Bezug auf fremde Kulturen. Dantons Kontrolle des Yaanztronerkörpers war recht gut. Aber immer wieder benutzte er typisch menschliche Gesten, wie Rhodan es auch bei sich selbst festgestellt hatte. In der Gegenwart von Naupaumbewohnern wirkte das häufig irritierend. Rhodan vermutete, dass solche Abweichungen dennoch nicht selten waren. Abstimmungsprobleme zwischen Gastgehirn und Trägerkörper mussten eher die Regel als die Ausnahme sein. Er war ohnehin überrascht, wie reibungslos die Integration im Allgemeinen funktionierte. Leider neigte Danton dazu, außerdem Bonmots oder Sottisen in seiner Muttersprache anzubringen. Diese Unsitte hatte er in jüngster Zeit verstärkt, wahrscheinlich um den kognitiven und kulturellen Dissonanzen etwas entgegenzusetzen, eine Art Stütze, die ihn in seinem vorherigen Leben verankerte.