Beschreibung

Dieser in unmittelbarer Nachfolge von Gottfried Kellers Der grüne Heinrich stehende »Erziehungsroman« hat mit seinen erfrischenden, allem Pathetischen abholden Naturschilderungen bis heute nichts an Charme und Farbe verloren.

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Seitenzahl: 229

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Hermann Hesses erste, 1902/03 in Calw und Basel geschriebene und im Januar 1904 bei S. Fischer erschienene Erzählung Peter Camenzind machte ihren Autor mit einem Schlag bekannt. Dieser in unmittelbarer Nachfolge von Gottfried Kellers Der grüne Heinrich stehende »Erziehungsroman« hat mit seinen erfrischenden, allem Pathetischen abholden Naturschilderungen bis heute nichts an Charme und Farbe verloren. Zu den ersten Rezensenten zählte Stefan Zweig: »Ich liebe diese tiefe und mit so wunderbarer Kunst erzählte Geschichte um ihrer Menschlichkeit willen. Es stehen Dinge darin, die ich selbst in meiner Knabenzeit empfunden hatte und wieder verloren ... Und dann die zwei Liebesszenen: die stehen nun wie eigene Geschehnisse in meinem Leben.«

Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw geboren, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Hermann Hesse

Peter Camenzind

Erzählung

Suhrkamp

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2013

Hinweise zur Textgrundlage:

Der vorliegende Text folgt der 27. Auflage 2012 der Ausgabe des suhrkamp taschenbuchs 161.

© 1953 by Hermann Hesse, Montagnola

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Umschlagabbildung: Ferdinand Hodler: Thunersee mit Stockhornkette am Abend (Ausschnitt), um 1912

Umschlaggestaltung: Göllner, Michels, Zegarzewski

eISBN 978-3-518-73572-5

www.suhrkamp.de

Fritz und Alice Leutholdgewidmet

1

Im Anfang war der Mythus. Wie der große Gott in den Seelen der Inder, Griechen und Germanen dichtete und nach Ausdruck rang, so dichtet er in jedes Kindes Seele täglich wieder. Wie der See und die Berge und die Bäche meiner Heimat hießen, wußte ich noch nicht. Aber ich sah die blaugrüne glatte Seebreite, mit kleinen Lichtern durchwirkt, in der Sonne liegen und im dichten Kranz um sie die jähen Berge, und in ihren höchsten Ritzen die blanken Schneescharten und kleinen, winzigen Wasserfälle, und an ihrem Fuß die schrägen, lichten Matten, mit Obstbäumen, Hütten und grauen Alpkühen besetzt. Und da meine arme, kleine Seele so leer und still und wartend lag, schrieben die Geister des Sees und der Berge ihre schönen kühnen Taten auf sie. Die starren Wände und Flühen sprachen trotzig und ehrfürchtig von Zeiten, deren Söhne sie sind und deren Wundmale sie tragen. Sie sprachen von damals, da die Erde barst und sich bog und aus ihrem gequälten Leibe in stöhnender Werdenot Gipfel und Grate hervortrieb. Felsberge drängten sich brüllend und krachend empor, bis sie ziellos vergipfelnd knickten, Zwillingsberge rangen in verzweifelter Not um Raum, bis einer siegte und stieg und den Bruder beiseite warf und zerbrach. Noch immer hingen von jenen Zeiten her da und dort hoch in den Schlüften abgebrochene Gipfel, weggedrängte und gespaltene Felsen, und in jeder Schneeschmelze führte der Wassersturz hausgroße Blöcke nieder, zersplitterte sie wie Glas oder rammte sie mit mächtigem Schlage tief in weiche Matten ein.

Sie sagten immer dasselbe, diese Felsberge. Und es war leicht, sie zu verstehen, wenn man ihre jähen Wände sah, Schicht um Schicht geknickt, verbogen, geborsten, jede voll von klaffenden Wunden. »Wir haben Schauerliches gelitten«, sagten sie, »und wir leiden noch.« Aber sie sagten es stolz, streng und verbissen, wie alte unverwüstliche Kriegsleute.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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