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Lise und ihre Mutter Gabi haben ein eigenartiges Verhältnis zueinander. Gabi gibt Lise bei ihren Eltern ab und Lise wächst bei den Großeltern auf. Eines Tages lernt sie Edi kennen, die große Liebe ihres Lebens. Die Geschichte beginnt mitten im Leben von Lise und erzählt über ihre Erinnerungen mit Humor aber auch ein reales Leben, das nicht immer nur schön ist und seine Probleme mit sich bringt.
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Seitenzahl: 362
Veröffentlichungsjahr: 2025
Pfa Oida
Pfa Oida
Lise Wiesinger
Copyright: Lise Wisinger
Jahr: 2025
ISBN:
Lektorat/ Korrektorat:
Illustrationen:
Covergestaltung:
Weitere Mitwirkende:
Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig
„Diese Frau macht mich wahnsinnig“, dachte Lise. Andauernd muss sie sich irgendwo einmischen und mitmischen, damit sie mitreden kann. Wie wäre es mit eigenen Ideen? Das ist sicher zu viel verlangt von jemanden, der Koffein und Nikotinsüchtig ist und dessen erste Bewegung morgens, der Griff zur Fernbedienung ist, um den Intelligenzsender OE..eh schon wissen einzuschalten.
Die Lise und ihre Mutter haben ein eigenartiges Verhältnis zueinander. Das liegt aber daran, dass die Lise bei der Oma und dem Opa aufgewachsen ist, also bei den Eltern von der Gabi, das ist die Mutter von der Lise. Die Lise war ein fröhliches Kind und das ist sie bis heute geblieben. Sie ist anders als alle anderen, aber das macht die Lise aus. Sie hat Schuhgröße 43, was für eine Damengröße schon eher ungewöhnlich ist und trägt am liebsten Jeans und T-Shirts. Am liebsten hat sie Sachen, die nicht jeder hat und wenn sich die Lise etwas einbildet, dann zieht die Lise das meistens auch durch. Um die zwanzigmal ist die Lise in ihrem Leben bereits umgezogen, und das ist keine Übertreibung. Hat sie bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr bei der Oma und dem Opa gewohnt, kann man fast sagen, dass sie im Durchschnitt alle zwei Jahre übersiedelt ist. Die Lise ist jemand, die ihre Freiheiten braucht, sie könnte sich nicht vorstellen ein Haus zu bauen und bis an ihr Lebensende dort zu wohnen. Die Lise hat schon in mehr als der Hälfte, der österreichischen Bundesländer gewohnt. Genaugenommen in fünf, wobei im Burgenland war sie zwar nur eine Woche, aber gewohnt hat sie trotzdem dort. In Wien hat sie die ersten 30 Jahre ihres Lebens verbracht. Wenn sie heute in Wien auf Besuch ist, was nicht oft vorkommt, wird ihr jedes Mal mehr bewusst, dass sie damals die richtige Entscheidung getroffen hat und aus Wien weggezogen ist. Die Lise ist sich auch sicher, dass sie noch nicht an der Endstation ihres Lebens angekommen ist. Die Lise durfte bei der Oma und dem Opa immer so sein, wie sie war und bis heute ist. Von der Lise kann man auch normalerweise alles haben. Sie ist verlässlich, man kann mit ihr Pferde stehlen und ist offen für Neues.-
-Die Gabi kann man schwer beschreiben, sie hat, seit die Lise sich an sie erinnern kann, ihre Haare gefärbt. Das heißt, dass die Lise nicht einmal die Originalhaarfarbe ihrer Mutter kennt. Die Gabi hat aber auch schon alle Farben durch. Von Blond, über rot, dann schwarz und jetzt, seit sie älter ist trägt sie meistens braun. Früher hatte sie längere Haare, aber nie über die Schultern und seitdem die Gabi über 50 ist, trägt sie die Haare kurz. Die Gabi hat eine Kaffee- und Nikotinsucht im Endstadium. Das heißt, ohne mindestens drei Kaffee allein nach dem Aufstehen in der Früh und zehn weiteren über den Tag verteilt, geht gar nichts. Dazu raucht die Gabi immer ihre Tschick. Wenn sie nicht gleich nach dem Aufstehen ihren ersten Kaffee hat, braucht man sie nicht anzusprechen, weil da ist sie wie ein leerer Akku, Aufnahmefähigkeit gleich Null. Gabi ist auch etwas unbeholfen, wenn sie etwas machen muss, was sie noch nie gemacht hat. Sie wird dann gleich nervös, folglich funktioniert das, was sie machen will, erst recht nicht und die Gabi wird aggressiv. Meistens fällt sie dann in ein Stadium der Frühkindheit, schaut einen an und sagt: „Das geht nicht.“ Die Lise schüttelt dann immer nur den Kopf, weil die Gabi absolut keine Geduld für irgendetwas hat. Ständig zuckt sie mit der Nase und den Augen und macht komische Geräusche. Die Lise sagt, dass sie diese Ticks schon hat, seitdem sich die Lise an sie erinnern kann. In den letzten Jahren hat sie sich aber immer mehr von diesen Ticks angewöhnt und seit einiger Zeit beginnt sie auch schon sich mit ihren Fingern pausenlos aneinander zu reiben und die Nase aufzuziehen. Von wem die Gabi ihre Art und ihr Gehabe geerbt hat, dass weiß keiner so genau. Eigentlich hat sich das schon die ganze Familie gefragt. Manchmal überkommt die Lise der Gedanke, ob sie die Gabi vielleicht bei der Geburt vertauscht haben, weil keiner in der Familie, so ist, wie sie. Für das ist die Ähnlichkeit mit der Oma von der Lise aber leider viel zu groß. Das man das jetzt nicht falsch versteht, jeder Mensch ist anders, aber die Gabi ist wirklich aus der Norm und keiner weiß wie und warum. Die Lise ist auch anders, aber eben anders, als die Gabi anders ist. Die Gabi hat auch eine Brille, besser gesagt hat sie zwei Brillen und diese wechselt sie ständig. Es weiß aber auch keiner so richtig, warum sie das tut und sich nicht gleich eine einzige Brille zulegt, dann würde sie sich das ewige wechseln und den anwesenden viele Nerven ersparen. Wenn man mit der Gabi unterwegs ist, dann muss man sich darauf einstellen, dass sie minutenlang in ihrem Rucksack herumkramt, um die andere Brille zu finden. Sie weiß genau, dass sie sie in den Rucksack gegeben hat und trotzdem fragt sie alle anwesenden, ob jemand weiß, wo sie sie hingetan hat. Die Lieblingsfarbe von der Gabi ist Trauerschwarz, diese Farbe hat sie zu jedem wichtigen Anlass im Leben von der Lise getragen. Das ist ein Punkt, der die Lise an der Gabi bis heute aufregt. Egal ob es bei der Taufe, dem ersten Schultag, der Kommunion, die Hochzeit von der Lise oder irgendein Begräbnis war, die Gabi hatte immer etwas schwarzes an. Manchmal macht sich die Lise darüber Gedanken, ob sie sonst nichts anderes anzuziehen hat. Die Gabi hat einen besonderen Gang, richtig normal und schnell bewegt hat sich die Gabi eigentlich nie. Umso älter sie geworden ist, umso mehr hat sie angefangen sich wie in Zeitlupe zu bewegen. Manches Mal steht sie einfach nur da und schaut in die Luft, dann befasst sich die Lise damit, ob es sein kann, dass sie gerade einen Aussetzer hat, oder sich gerade in einer anderen Welt befindet. Die Lise ist auch der Meinung, dass die Gabi manches Mal, so etwas wie einen Tourette-Anfall hat. Sie steht dann einfach irgendwo an der Straße, sagt im ersten Moment gar nichts und wenn jemand vorbeigeht oder mit einem Fahrrad vorbeifährt, dann beginnt sie denjenigen grundlos zu beschimpfen. Sie kennt den aber nicht, das ist ein völlig Fremder für sie. Die Lise hat das schon ein paar Mal miterlebt und zu der Gabi gesagt, dass sie einmal zu einem Arzt gehen und sich durchchecken lassen soll. Die Gabi meinte dann aber nur: „Ich mag den nicht, der ist mir unsympathisch“. Deshalb muss sie einen wildfremden Menschen beschimpfen? Das hat bei der Lise nur Kopfschütteln ausgelöst. Die Gabi hat an allem und jedem etwas auszusetzten. Alles, was anders ist, als die Gabi das akzeptieren will oder für sie passend ist, ist schlecht und muss beredet werden. Egal ob das die Familie oder Fremde betrifft. Die Gabi bemerkt dabei nicht einmal, dass sie mit dieser Ansicht, die meiste Zeit allein dasteht, aber wenn sie sich das einbildet, dann ist das so. Sie verschließt sich für alles, was für sie neu ist. Die Gabi mag keine Veränderungen und ist deshalb auch der Meinung, dass es besser ist, wenn alles so bleibt wie es ist.
Wenn die Gabi etwas überhaupt nicht packt, dann ist ihre Standartaussage: „Pfa Oida!
Die Gabi hat die Lise zu der Oma und dem Opa gegeben, da war die Lise noch keine drei Jahre alt. Die Oma hat immer zur Lise gesagt: „Die Mama hat keine Zeit, sie muss arbeiten.“ Die Oma konnte gut schwindeln. Als die Lise noch klein war, hatte sie, wie jedes andere Kind, ihre Mama am liebsten und es durfte niemand etwas gegen ihre Mama sagen, dass machte die Lise wütend und traurig. Auch die Oma und der Opa, durften kein schlechtes Wort über die Gabi verlieren, dann hat die Lise gleich mit ihnen geschimpft. Aus der Mama wurden bei der Lise irgendwann einmal nur mehr Wörter wie Mutter oder die Frau. Lise ist mittlerweile selbst knapp fünfzig Jahre alt, also bald ein halbes Jahrhundert unter den Lebenden und hat selbst zwei Kinder, die Julia und die Nicole. Beide Mädels stammen aus den Lenden von ihrer großen Liebe dem Edi. Ein Enkelkind, den Manuel hat die Lise auch. Der Manuel ist der Sohn von der Nicole und ihrem Freund, dem Günther. Die Lise besitzt vier Katzen, zwei weibliche Katzen, die Joey und die Nele und zwei Kater, den Gremlin und den Asrael und natürlich den Gigolo, ihren Hund. Das ist ein kleiner Mischling, der ausschaut, wie eine Mischung zwischen einem Pitbull und einem Frosch. Nebenbei arbeitet die Lise auch noch Vollzeit. Zu ihren beiden Kindern, der Julia und der Nicole hat die Lise ein sehr gutes Verhältnis. Natürlich gibt es zwischen ihnen auch manchmal Diskussionen, denn etwas wie ein perfektes Familienleben, wie die Gabi immer behauptet, gibt es in keiner Familie. Die Gabi mischt sich gerne in alles ein, egal ob es die Lise oder aber auch die Julia oder die Nicole betrifft. Seit der Manuel auf der Welt ist, auch beim Manuel. Sie weiß alles besser, hat auch schon immer alles vorher gewusst, nachdem man es ihr gesagt hat, oder sie hat es sich schon gedacht. Sie sagt es zwar nicht, aber sie möchte am liebsten über alles Bescheid wissen. Sagt man ihr einmal etwas nicht, dann wundert sie sich zwar, aber die Lise, die Julia und die Nicole stellen sich dann meistens dumm und sagen dann einfach: „Haben wir dir das gar nicht erzählt? Haben wir wahrscheinlich vergessen.“ Früher war das Verhältnis zwischen der Julia und der Gabi auch besser, aber die Julia war auch Gabis Enkelkind Nummer eins. Sie bekam alles und war für die Gabi auch die Brave und Ruhige. Die Julia war diejenige, die nicht zurückgeredet hat und sich von der Gabi alles sagen hat lassen, was sie tun soll. Die Nicole war das Gegenteil, sie hat sich von niemanden etwas gefallen lassen, ist mit allem und jedem angeeckt und wurde deshalb von der Gabi meistens ignoriert. Die Nicole hat sich auch von der Gabi nichts vorschreiben lassen. Die Gabi hat die Nicole eigentlich immer spüren lassen, dass sie bei ihr nicht erwünscht war. Umso mehr ärgert es die Lise und die Julia, dass die Nicole heute ihr so viele Fotos vom Manuel übers Telefon sendet. Die Lise ist oft der Meinung, dass sich die Gabi ruhig schon viel früher für die Nicole mehr interessieren hätte können, denn als die Nicole mit dem Manuel schwanger war, war es der Gabi auch egal wie es der Nicole geht. Die Gabi hat auch immer betont, dass in der heutigen Zeit in einer Schwangerschaft viel zu viel herumgetan wird, weil bei ihr war das alles anders. Bei der Gabi war immer alles anders. Wenn es nach ihr gehen würde, war früher alles viel besser und heute ist alles nur mehr schlecht.
Zum Abschluss von der Julia zur Tierärztin flog die Gabi mit ihr nach Hamburg. „Das war der letzte Urlaub mit dieser Frau,“ sagte die Julia, als sie an Tag eins, am Abend mit der Lise telefoniert hatte. Die Lise lachte, denn die Lise war mit der Julia ein paar Wochen zuvor auf einen Italientrip gewesen. Die Lise wandert gerne und stellt sich solche Touren gerne selbst zusammen. Es ist mit dem FlixBus von Udine zum Gardasee gegangen. Danach ging es mit dem Zug über Mailand nach Genua. Obwohl man über die italienische Bahn immer hört, dass sie nur streiken und Verspätungen hat, ist die Lise der Meinung, dass sie pünktlicher ist als die ÖBB. Die Lise und die Julia haben eine Wanderung über die Cinque Terre gemacht, das sind die fünf bekannten Dörfer entlang der Westküste Italiens unterhalb von Genua. Sie fuhren dann bis nach Pisa und von dort mit der Fähre weiter auf die Insel Elba, wo sie zwei Tage auf einem Campingplatz verbracht haben. Dort sind sie bei der Abreise, weil sie sehr früh zum Hafen mussten, fast mit einem Wildschwein zusammengestoßen. Die Lise ist eine abenteuerlustige Person, die gerne auch risikofreudig reist und Hotels oder Campingplätze erst vor Ort sucht. Da die beiden zu Ostern im Urlaub gewesen sind, ist ihnen das beinahe zum Verhängnis geworden. In Pisa haben die beiden das allerletzte Hotelzimmer ergattert und die Julia hat sich furchtbar über die Lise aufgeregt, weil sie den Ostersonntag schlichtweg ignoriert hatte. Die Julia hat damals auch zur Lise gesagt, dass sie mit der Lise nirgends mehr hinfahren wird. Zu diesem Zeitpunkt war die Julia sogar noch der Meinung, dass die Urlaube mit der Oma viel besser sein würden, weil die Oma, also in diesem Fall die Gabi, das immer besser durchplanen würde als die Lise. Die Lise meinte nur gelassen: „Wir reden, wenn du von Hamburg wieder zurück bist“ und hatte dabei ein breites Grinsen im Gesicht. Die Gabi konnte es in Hamburg keine fünf Minuten lassen, die Julia zu bevormunden und sie wie ein kleines Kind zu behandeln. Die Julia war zu diesem Zeitpunkt bereits 23 Jahre alt, also eine vollständige, erwachsene, mündige Person. Die Gabi ließ die Julia, solange sie mit ihr unterwegs war, nicht aus den Augen. „Pass auf deine Tasche auf! Pass auf, da kommt ein Auto! Du musst hier aufpassen, wenn du in einer anderen Stadt und in einem anderen Land bist“, sagte die Gabi permanent den ganzen Tag zu der Julia. Wenn die Gabi unterwegs ist, dann kann man ihr Verhalten nicht mehr als übervorsichtig bezeichnen, dass fällt schon eher in die Kategorie, paranoid, sagt die Lise immer. Die Gabi glaubt nämlich, dass jeder Mensch, der an ihr vorbei geht, ihre Tasche oder ihren Rucksack stehlen will. Wenn sie mit der Julia unterwegs ist, dann krallt sie sich auch den Rucksack von der Julia und hält ihn verkrampft fest. Einmal als die Gabi die Lise besucht hat, sind die Julia, die Lise und die Gabi bei einer Bushaltestelle gesessen und die Lise hat ihren Rucksack neben ihr stehen gehabt, also eigentlich zwischen ihr und der Gabi. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen und die Gabi hat sich in den Rucksack von der Lise regelrecht verkrampft, als sie ihn festgehalten hat. Die Julia und die Lise haben sich gegenseitig angeschaut und gedacht, was bei der Gabi falsch läuft. Beide haben dann nur den Kopf geschüttelt, sich ihren Teil gedacht und sich von der Gabi weggedreht. Die Julia ist jemand, wenn sie wohin fährt, dann möchte sie auch die Gepflogenheiten und die Esskultur in einem anderen Land oder einer anderen Stadt kennenlernen. Also suchte sie sich zum Essen einen Street Food Markt. Dort konnte man sich durch asiatische, türkische, griechische, indische aber auch typisch deutsche Gerichte durchprobieren. Die Julia hat sich an gefüllte Teigtaschen und Wraps herangewagt, während sich die Gabi, wie sollte es anders sein, sich mitten in Deutschland, ein Brötchen von der deutschen Restaurantkette, Nordsee geholt hatte. Die Julia hat sich maßlos darüber geärgert, weil sie nicht verstehen konnte, warum man sich etwas zu essen kauft, was man an jeder Ecke bekommt und was man sowieso kennt, anstelle das man etwas Neues ausprobiert. Die Lise und die Nicole amüsierten sich über die Erzählungen von der Julia über den Urlaub mit der Gabi und die Lise konnte es nicht lassen und hat die Julia darauf aufmerksam gemacht, wie schlecht doch der Wander- und Campingurlaub mit ihr selbst gewesen ist. Dabei hat sie gelacht und die Julia hat zu ihr am Telefon gesagt: „Ich fahre liebend gerne mit dir auf jeden Campingurlaub, aber mit der Oma nie wieder.“ Die Julia telefonierte jeden Abend mit der Lise, denn da hat ihr die Gabi erlaubt, dass sie allein spazieren gehen darf. Dieser Hamburg Trip ist zwischen der Julia und der Gabi schon so weit aufgeputscht gewesen, dass die Julia überlegt hat, ob sie sich in einen FlixBus setzen soll und nach Hause fahren soll. Sie hat vom ersten Tag an die verbleibenden Tage gezählt. Die Gabi ist auch eine sehr anstrengende Person, die Lise wusste das und hat versucht, die Julia immer wieder am Telefon zu beruhigen. Endlich ist der Abreisetag gekommen. Die Julia hat sich am Flughafen etwas zu essen kaufen wollen und hat es dann allerdings nicht getan, weil sie der Ansicht war, dass zwölf Euro für ein gefülltes Gebäck doch sehr unverschämt waren. Was hat die Gabi gemacht? Die Gabi hat der Julia aufgezwungen, sich dieses Gebäck zu nehmen und hat das gesagt, was die ganze Familie absolut nicht mehr hören konnte. „Ich zahle dir das.“ Die Julia hat mit ihr deshalb zu diskutieren begonnen, aber die Gabi hat es trotzdem gekauft und zur Julia gemeint: „Das Geld haben wir mit einberechnet, es kostet zwar mehr aber ist berechnet.“ Die Julia hat vor Wut gekocht, weil die Gabi sich schon wieder hervortat, und sich als gut hingestellt hat, was sie nicht für eine perfekte Oma ist. An dieser Stelle muss man einmal betonen, dass die Gabi kein einziges Mal in ihrer möchtegern Oma-Rolle auf die Idee gekommen wäre, die Nicole zu fragen, ob sie mit ihr in den Urlaub fahren möchte. Es sei dahingestellt, dass die Nicole sowieso nicht freiwillig mit dieser Frau, allein in den Urlaub gefahren wäre, aber es zeigt doch Gabis Charakter, dass sie nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet hatte. Die Julia war froh, dass sie endlich im Flugzeug gesessen ist und zählte bis zu ihrer Trennung von der Gabi bereits die Minuten. Sie hat es kaum mehr erwartet, endlich allein im Zug zu sitzen und nach Hause zu fahren, ohne ihrer nervenden Oma.-
Die Lise ist irgendwann auf den Punkt gekommen, dass die Gabi für sie nie da war und sie ihr gegenüber auch kein schlechtes Gewissen hat, nie für sie da sein zu werden, dass hat sich die Lise fest vorgenommen, da kann kommen was will. Die Oma war für die Lise alles, die hat sich um sie gekümmert. Heute noch reden die Julia, die Nicole und die Lise, wenn sie zusammen sind, über früher, als die Oma und der Opa noch am Leben waren. Die Lise kann sich an so viele Dinge Erinnern, die sie ihren Kindern gerne weitererzählt. Oft zieht sie manches auch ins lächerliche, weil sie selbst nicht verstehen kann, dass zwei Menschen, also die Oma und der Opa von der Lise, die für ihre Tochter Gabi und dann für sie selbst und in weiterer Folge auch noch zum Teil für die Julia gesorgt haben, so jemanden, wie die Gabi als Tochter haben konnten. Das versteht sie bis heute nicht. Die Lise hat vieles von dieser älteren Generation auf ihren Lebensweg mitbekommen, da sie ja bei der Oma und dem Opa aufgewachsen ist und trotzdem ist sie verständnisvoller und rücksichtsvoller als die Gabi. Sogar die Oma ist das gewesen. Gabis Generation waren eigentlich die Revoluzzer. Die Gabi Generation trug enge Jeans, war eine Generation, die aus Kettenrauchern und Gasthausgehern ihr Dasein pflegte und den Alkohol als guten Freund hatte. Deshalb ist diese Generation fast gleichzeitig mit der Generation von der Oma und dem Opa ausgestorben. Zumindest sind von denen nicht mehr viele da, die die Lise gekannt hat und sie haben so gesehen ein Viertel ihres Lebens einfach weggeworfen. Diese Generation lehnte sich gegen ihre Eltern auf und wollte ihre Freiheit haben. Andererseits hat diese Generation für die folgenden Generationen, sowie die Lise und in weiterer Folge die Julia und die Nicole absolut kein Verständnis. „Gottseidank muss man nicht immer alles verstehen“, sagt die Lise immer. Die Lise hat im Grunde alles von der Oma und dem Opa gelernt, oder sich selbst beigebracht. Die Gabi war nicht die Person, die mit Kindern umgehen und schon gar nicht einem Kind etwas beibringen konnte und wollte. Wenn die Lise heute so darüber nachdenkt, kommt es ihr eigentlich so vor, als wenn sie der Gabi nur im Weg gewesen ist und in ihrem Leben kein Platz für die Lise war. Es hat damit begonnen als der Papa von der Lise gestorben ist, da war sie knapp vier Jahre alt. Angeblich war sie seitdem bei der Oma und dem Opa. Die Lise weiß allerdings, dass das nicht stimmen kann, da, man glaubt es kaum, sie Erinnerungen hat, als sie etwa zweieinhalb Jahre alt war, bereits bei der Oma und dem Opa gelebt hat und die Gabi mit ihrem Papa in der Straßenbahn getroffen hat. Also folglich hat die Gabi versucht, der Lise eine Geschichte aufzutischen. Das war aber nicht das einzige Mal, das die Gabi so etwas versucht hat. Die Lise merkt bei der Gabi normalerweise immer sofort, wenn die Gabi versucht der Lise etwas zu erzählen was nicht stimmt. Die Lise fragt die Gabi dann nämlich immer Sachen dazwischen und die Gabi muss dann erst immer überlegen, damit sie der Lise nichts Falsches sagt, woran die Lise bemerken könnte, dass sie nicht die Wahrheit sagt. Die Lise erzählt solche Sachen nur ihren Kindern, denn sie möchte die Gabi damit gar nicht konfrontieren, weil sie genau weiß, dass sie es sowieso bestreiten wird und das unnötig zu Streitereien führen würde.
Früher als die Lise noch klein war, war die Familie sehr groß, eigentlich hauptsächlich von der Seite vom Opa, denn der hatte viele Geschwister. Er hatte einen Bruder, den Onkel Josef, und drei Schwestern, die Tante Poldi, die Tante Frida und die Tante Frederika. Es gab immer wieder Geburtstage oder andere Anlässe, wenn die ganze Familie zusammengekommen ist und gefeiert hat. Die Lise erinnert sich gerne an diese großen Familienfeiern zurück. Der Opa hat den Tisch erweitert, was bedeutete, er hat einen zweiten Tisch dazugestellt und der Wohnzimmertisch wurde auf Sockeln gestellt und so erhöht, dass beide Tische auf einer Höhe waren. Die Oma hat dann ein großes Tischtuch darübergelegt und dann wurde aufgetischt. Meist war es so, dass die Cousine von der Oma, die Tante Gisela mit dem Onkel Ludwig und dem Onkel Udo zum Mittagessen gekommen ist. Die Tante Gisela und die Oma von der Lise sind gemeinsam aufgewachsen und haben sich mit dem Besuchen immer abgewechselt. Der Onkel Ludwig war der Mann von der Tante Gisela, aber nicht der leibliche Vater vom Onkel Udo. Seinen Vater hat die Lise nie kennengelernt. Für die drei hat die Oma immer Krautfleckerl gemacht. Die Tante Gisela und der Onkel Ludwig haben sich dann immer viel Pfeffer über die Krautfleckerl gegeben, damit sie richtig scharf waren. Seitdem die Lise das gesehen hat, macht sie das auch, und zwar bis heute. Obwohl die Lise heute Köchin ist, so wie die Oma gekocht hat, kann sie vieles bis heute noch nicht nachkochen. Als die Oma dann gestorben ist, hat die Lise ein paar Sachen von der Oma nachgekocht und sich beim Kosten erschrocken, dass es fast identisch mit dem Geschmack von der Oma früher war. Seitdem ist sich die Lise sicher, dass die Oma mit ihr aus dem Himmel mit kocht. -
-Nach den Krautfleckerln zum Mittagessen haben sich die Tante Gisela und der Onkel Ludwig auf ein Glas Wein gefreut. Der Opa hat immer im Badezimmer einen Kübel mit kaltem Wasser gehabt und dort drin eine Weinflasche eingekühlt. Das waren früher, die großen Doppler1 vom Bauern Wenn die Oma oder der Opa Geburtstag gehabt haben, dann haben sie mit einem Glas Wein angestoßen und davor immer gesungen:“ Hoch soll er leben, hoch soll er leben, drei Mal hoch“. Oder sie haben einfach „Jetz trink ma noch a Glaserl Wein, Holladio“ gesungen, das war für die Lise, als sie klein war, immer lustig, denn damals hat sie auch ein Weinglas in der Hand zum anstoßen gehabt, allerdings mit Wasser gefüllt, aber sie durfte immer mit dabei sein. Die alten Lieder, sind Heurigenlieder, welche die Generation von der Oma und dem Opa früher immer gesungen haben. Alle sind um den Tisch bei der Oma und dem Opa gestanden, haben gesungen, gelacht und angestoßen. Die Tante Gisela hat dazu noch so eine hohe Stimme gehabt und wenn sie gelacht hat, dann hat die Lise automatisch auch lachen müssen.-
-Wenn die Familie auf Besuch kam, kam nie die ganze Familie auf einmal zu Besuch, soviel Platz haben die Oma und der Opa in der Wohnung gar nicht gehabt. Die Oma und der Opa haben am Stadtrand in einem sechsstöckigen Haus im zweiten Stock gewohnt. Gleich in der Nähe vom Wiener Zentralfriedhof. Das waren Wohnblöcke, die wurden in den siebziger Jahren gebaut und da sind die Oma und der Opa damals mit der Gabi von einer kleinen Altbauwohnung hingezogen. Die Gabi war damals etwa zwölf Jahre alt. Die Oma hat immer erzählt, weil sie eine ganz kleine Pension gehabt hat, dass als sie eingezogen sind, die Oma die Miete und Strom allein bezahlen konnte. Die Miete hat damals 900 Schilling betragen, für eine fünfundachtzig Quadratmeterwohnung. In Euro wären das heute um die 65 Euro. Wenn die Oma das nicht erzählt hätte, das würde ja kein Mensch heute mehr glauben, denn heute bezahlt man dafür mindestens 700 Euro (9623 Schilling). Für zweitausend Schilling mehr, hat die Lise damals zum Arbeiten angefangen. Die Zeiten waren früher sicher besser, auch die Lise ist sich sicher das manches besser war, als es heute ist, aber eben nicht alles. Zuletzt hat die Pension gerade einmal für ein bisschen mehr als die Hälfte der Miete gereicht. Die Wohnung hatte eine Loggia und die haben die Oma und der Opa sich, als die Lise noch klein war, verglasen lassen. Der Opa hat dann die Betonwand noch mit Holzlatten verkleidet. Am Boden hat er einen Bodenbelag gelegt und fertig war der Wintergarten. Wenn man in die Wohnung von der Oma und dem Opa hineinkam, stand man mitten im Vorzimmer und gleich rechts war das Zimmer der Lise. Früher hat in dem Zimmer die Gabi gelebt. Die Lise hat lange die Sachen von der Gabi gehabt, weil das Bett und der Schreibtisch damals von einem Tischler angefertigt wurde und viel Geld gekostet hat, das hat die Oma zumindest immer gesagt. Erst als sie um die zehn Jahre alt war, bekam sie ein neues Bett. Der Schreibtisch ist in der Wohnung gestanden, bis die Oma ins Altersheim gegangen ist. Die Lise kann sich noch erinnern, dass am Boden ein gelber Teppich gelegen hat und hinter der Tür eine Fototapete von der Skyline in New York aufgeklebt war. In gelb und schwarz. Wenn man im Vorzimmer weiter gegangen ist, ist bei der nächsten Tür das Schlafzimmer gewesen. Das Bett, das drinnen gestanden ist, war dunkelbraun und die Türen von den Kästen waren elfenbeinfarben, das hat gut zusammengepasst. Das Bett stand an der Wand und links und rechts waren Kästen, einen hatte der Opa und einen die Oma. Der Opa hat dann einmal einen Heimtrainer gekauft, der ist dann vorm Fenster gestanden und der Opa ist darauf jeden Tag seine zwanzig Kilometer gefahren. Das hat er gemacht bis etwa zwei Jahre bevor er gestorben ist. Die letzte Türe auf der rechten Seite war das Wohnzimmer. Wenn man das Wohnzimmer betrat, stand rechts über die ganze länge ein riesiger Wandverbau. Mittendrin war der Fernseher und am Ende befand sich eine Bar. Der Alkohol, der da drin war, war zum Schluss sicher an die vierzig bis fünfzig Jahre alt, da gab es von allem etwas. Obstler, Sherry, Weinbrand und Rum, allein die Flaschen mussten schon Altertumswert gehabt haben. Vom Wohnzimmer aus kam man auf den Balkon, also die Loggia. Da standen eine Sitzbank, ein Sessel und ein Tisch. Solange der Opa konnte, war der Balkon immer voll mit Blumen, das war auch eine Leidenschaft von ihm. Er hat einmal mit der Lise einen Zitronenkern angepflanzt, da war die Lise um die sechs Jahre alt. Der Zitronenbaum trug nie Früchte, aber er stand noch am Balkon, als die Nicole auf die Welt gekommen ist, also etwa zwanzig Jahre später. Der Opa hat auf den Baum, solange er konnte, aufgepasst. Auch so kleine Bäume, aus dem Garten von der Tante Gisela, standen einige Jahre dort. Der Opa hat auch ein Fliegengitter montiert, damit man das Fenster aufmachen konnte, ohne dass Insekten in die Wohnung kommen. In der Ecke vom Wohnzimmer stand die Sitzecke, die bestand aus einer dreier Sitzbank, einer Zweier Sitzbank und einem Sessel. Fauteuil hat die Oma immer dazu gesagt. So gewisse Ausdrücke wie auch Plafond2 oder Trottoir3, werden heute kaum mehr verwendet. Wenn man jüngere Leute fragt, wissen die nicht einmal mehr was das heißt. Die Lise weiß das auch nur, weil die Oma und der Opa diese Ausdrücke immer verwendet haben. Zwischen der Dreier Sitzbank an der Wand, wo immer der Opa gesessen hat, und dem Fauteuil stand der Wohnzimmertisch. Auf dem wurde alles gemacht. Gegessen, gezeichnet, Rätsel gelöst, Briefmarken eingeklebt, die Lise hat dort anfangs ihre Aufgabe gemacht und noch mehr. Die Lise hatte sogar ihren eigenen kleinen Kindersessel, auf dem sie immer gesessen hat. Der war mit rotem Plastik überzogen und als das kaputt wurde, hat die Oma einen Überzug gestrickt und darüber gegeben. –
-Als die Lise ganz klein war, hatte sie einmal beim Arzt einen Hocker gesehen der nur drei Beine hatte und als sie dann zu Hause war hat sie von ihrem Sessel ein Bein abmontiert und wollte sich auch draufsetzen. Der Opa hat damals den Kopf geschüttelt und gesagt, dass der Sessel dafür nicht gemacht ist. Der Lise war das egal, sie hat sich drauf Pudelwohl gefühlt und sich gefreut, dass sie auch einen dreibeinigen Sessel hatte. Der Sessel war schon so alt, dass sogar die Gabi schon drauf gesessen hat. Nach der Lise durfte ihn die Julia noch benutzen und zum Schluss die Nicole. In der Ecke zwischen der Zweier- und dreier Sitzbank, war dem Opa sein Reich. Dort hatte er einen Multifunktionsradio. Das war ein Radio mit Doppelkassettendeck und einen Plattenspieler. Er hatte sich ein eigenes Regal zusammengebaut und in den unteren Kästen hatte er die ganzen bespielten Kassetten. Der Opa hat jahrelang aus dem Radio Musik auf Kassette aufgenommen und sie immer wieder abgespielt. Er hatte auch alte Schallplatten und einen Koffer-Schallplattenspieler. Der muss aus den siebziger Jahren gewesen sein und war gelb-orange. Der Deckel war eigentlich zugleich der Lautsprecher. Zu Weihnachten spielte er immer Weihnachtslieder, aber richtig alte, wie vom Peter Alexander oder vom Heintje. Manchmal sang auch ein Chor oder alte deutsche Schlagersänger. Die Lise ist mit der alten Musik aufgewachsen und vieles von damals, dass sie bei der Oma und dem Opa gehört hat, hört sie heute noch. Das war die Geburtsstunde in die Welt der Musik für die Lise, denn wenn sie heute Musik hört, findet sie zu jedem Lied eine Erinnerung. Jedes Lied hat also eine eigene Erinnerung im Leben von der Lise. Manche machen sie richtig traurig und bei anderen hat sie Spaß sie laut nachzusingen. Die Lise kennt sehr viele alte Lieder, manche hat sie auch der Julia und der Nicole vorgespielt, denn viele Lieder davon kennen nur mehr die wenigsten Leute. Weder die Generation von der Lise und schon gar nicht die von der Julia oder der Nicole. Die Lise kann sich erinnern, dass ihr der Opa einmal, als sie klein war, den Babysitter Boogie vorgespielt hat und als das Baby gelacht hat, wollte das die Lise unbedingt noch einmal hören. Immer wenn die Lise gesagt hat: „Opa noch einmal“, dann hat der Opa gelacht, weil ihm das gefallen hat, dass der Lise die Musik auch gefällt. An das Lachen vom Opa kann sich die Lise noch gut erinnern, denn der Opa hat nicht oft gelacht, aber die Lise hat es oft geschafft, ihn ein bisschen zum Lachen zu bringen. Die elektrischen Geräte aus den Siebzigern waren schon einmalig. Sowie die alten Tonbänder, die 8mm Filme oder Videorecorder. Gewisse Sachen aus dieser Zeit hat die Lise heute noch bei ihr im Keller stehen und kann sie aber weder abspielen noch anschauen, weil es die Geräte dazu einfach nicht mehr gibt. Auf dem alten tragbaren Plattenspieler hat der Opa immer vom Frank Zander, das Lied, „Ja, wenn wir alle Englein wären“, vorgespielt und die Oma hat der Lise gezeigt, wie man das tanzen muss, da war die Lise etwa drei Jahre alt. Also den klassischen Vogeltanz. Die Lise hat das dann der Julia und der Nicole auch gelernt. Als die Lise mit den beiden dann, Jahre später, in Tunesien auf Urlaub war, haben sie sogar die französische Version vom Vogeltanz kennengelernt. Einmal waren die Tante Gisela und der Onkel Ludwig auf Besuch und der Opa hat wie immer im Hintergrund seine Kassette laufen lassen und auf einmal hat es das Lied, „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“, gespielt. Das ist ein uralter Schlager von den Nielsen Brothers aus dem Jahr 1965. Plötzlich hat die Tante Gisela angefangen mitzusingen und die Oma hat sich auch dazu hinreißen lassen. Die Lise weiß noch, dass sie das mit einer Hingabe gesungen haben, als hätten sie das Lied selbst geschrieben. Der Opa und der Onkel Ludwig haben dabei geschmunzelt. Der Lise hat das richtig gut gefallen. Heute denkt die Lise, wenn es das Lied schon gegeben hätte, als die Oma und der Opa geheiratet haben, dann hätten sie das ganz sicher auf ihrer Hochzeit spielen lassen. Die Lise hat das auf ihrer Hochzeit, mit dem Papa von der Julia und der Nicole, dem Edi gespielt und er hat das auch mit einer Hingabe gesungen und dabei mit der Lise getanzt. Das waren noch Lieder mit Herz. Man hat gemerkt, dass damals bei der Hochzeit vom Edi und der Lise, beide noch richtig verliebt ineinander waren, und dass, obwohl die Julia schon vier Jahre alt war. Wenn dieses Lied irgendwo gespielt wird, muss die Lise immer an die Oma, den Opa und an den Edi denken. Dabei haben sich die Lise und der Edi eigentlich eher durch Zufall kennengelernt.-
-Wenn die Geschwister vom Opa auf Besuch kamen, dann war das für die Lise aufregend, weil wenn sie diskutiert haben, dann war einer lauter als der andere und jeder sagte zu jedem: „Du bist ja deppat.“ Tja, auch schon damals stritten sich Geschwister untereinander, das hört wahrscheinlich nie auf. Die Lise hat die Oma einmal gefragt, warum der Opa, die Tanten und der Onkel immer so schreien, wenn sie streiten, und da hat die Oma der Lise erklärt, dass die nicht schreien, sondern nur lauter reden, aber sie diskutieren auch und es will immer jeder recht haben. Die Lise hat dann die Oma weiter gefragt, ob denn der Opa recht hat, oder die anderen und die Oma hat dann drauf gesagt, dass natürlich der Opa recht hat, denn die anderen glauben nur, dass sie etwas wissen, aber der Opa weiß es. Die Oma ist immer hinter dem Opa gestanden, da hat sein können was wollte. Die Oma war auf die Familie vom Opa manches mal gar nicht gut zu sprechen, aber das hat die Lise auch erst herausgehört, als sie schon älter war. Der Opa hat einmal etwas zur Oma gesagt und dann ist die Oma richtig fuchtig4 geworden, so hat die Lise sie selten gesehen. Sie hat dann den Opa an den Kopf geschmissen, dass die Familie vom Opa, sich von der Oma immer bedienen hat lassen und an ihren Tisch gegessen hat und hintenrum haben sie dumm dahergeredet. Der Opa muss das aber gewusst haben, dass das stimmt, denn er hat dann kein Wort mehr gesagt, also weiß die Lise, dass die Oma recht gehabt hat. Wenn die Lise damals schon etwas älter gewesen wäre, dann hätte sie der Familie vom Opa auch etwas gesagt. Die Tante Frida war sowieso die einzige, was die Lise gerngehabt hat. Auf die anderen hätte sie auch verzichten können. Die Familie vom Opa, also seine Geschwister kamen meistens erst am Nachmittag zur Jause, da machte die Oma immer Kuchen, Torten oder Biskuitrolladen. Die Oma hat immer etwas gemacht. Wenn die Oma und der Opa mit der Lise zum Opa seiner Familie, egal wohin auf Besuch gegangen sind, hat niemand etwas gemacht. Oft sind dann alle auswärts etwas Essen gegangen und wer hat es bezahlt? Die Oma und der Opa. Apfelstrudel hat die Oma auch oft gemacht. Die Oma hat dann immer schon um fünf Uhr in der früh angefangen, den Strudelteig in der Küche, auf dem Tisch auszuziehen. Die Lise hat lange gebraucht, bis sie draufgekommen ist, dass die Oma den Teig schon am Vortag gemacht hat, weil er sich dann viel besser ziehen lässt. Einmal ist sie in der Früh munter geworden und da hat die Oma gerade einen Apfelstrudel gemacht und die Lise hat zuschauen dürfen. Die Oma hat ihr genau erklärt, wie sie das machen muss. „Der Teig muss dünn, wie ein Blatt Papier sein, aber darf nicht reißen“ hat ihr die Oma erklärt. Sie hat der Lise auch immer wieder gesagt: „Tu zuschauen, dass du etwas lernst, dass du einmal etwas kannst, nicht so wie deine Mama!“ Und die Lise hat zugeschaut und auch viel gelernt von der Oma, aber auch vom Opa. Vom Opa hat sie sich vor allem viel technische Sachen und Dinge, die normalerweise ein Mann macht, abgeschaut. Die Lise hat bis heute keinen Mann für etwas handwerkliches gebraucht. Sie hat in einer ihrer vielen Wohnungen, weil sie sehr oft umgezogen ist, die Küche allein aufgebaut oder wenn etwas kaputt war, hat sie es selbst repariert und das hat sie auch der Julia und der Nicole so weitergegeben. Die Lise sagt immer: „Schau das du von niemanden abhängig bist und dir alles allein machen kannst, dann hast du gewonnen.“ Die Lise hat aber auch Fahrradfahren von der Oma gelernt, und dass obwohl die Oma selbst nicht fahren konnte. Die Lise hat damals mit drei Jahren ein grünes Fahrrad bekommen. Auch das hat sie, soweit sie sich noch daran erinnern kann, von der Oma und dem Opa bekommen. Das Fahrrad hatte Stützräder montiert, die man aber, wenn man fahren konnte, auch abnehmen konnte. Doch irgendwann hat der Opa gemeint, dass die Lise fahren lernen muss, also hat er ihr die Stützräder abmontiert. Die Lise hatte Angst und war aufgeregt, weil sie noch nicht allein fahren konnte. Der Opa ist jedes Mal, wenn die Lise am Rad gesessen ist, daneben hergelaufen und hat sie am Sattel festgehalten, aber die Lise konnte nicht alleine fahren. Der Opa ist jeden Tag mit ihr gegangen und die Lise weiß heute, wie anstrengend das für den Opa gewesen sein musste. Mit 1,90 Meter ein Kleinkinderfahrrad halten, die ganze Zeit gebückt, und der Opa ist keine kleinen Runden gefahren, Der Opa ist mit der Lise immer mindestens zwei Stunden unterwegs gewesen. Die Lise hat es trotzdem nicht gelernt. Der Opa war schon am verzweifeln mit der Lise. Dann hat die Oma einmal zum Opa gesagt, dass sie auch einmal mit der Lise fahren wird, dass sich der Opa einmal ausruhen kann. Die Oma hat das dann so gemacht, dass sie die Lise immer angeschubst hat, dass sie eine gewisse Geschwindigkeit gehabt hat. Da hat sie dann ein bisschen gelernt das Gleichgewicht zu halten. Die Oma ist mit ihr genau dieselbe Runde gefahren wie der Opa. Als sie wieder zu Hause angekommen sind, konnte die Lise Fahrrad fahren. Der Opa hat die Oma dann gefragt, wie sie, dass gemacht hat und die Oma hat ihm das lachend erzählt, worauf dann auch der Opa lachen musste. Schwimmen hat die Lise mit anderen Kindern gelernt, aber bevor sie schwimmen konnte, konnte sie tauchen. Beim Eislaufen hat die Oma zur Gabi gesagt, dass die Gabi ihr das beibringen muss, weil weder der Opa noch die Oma Eislaufen konnten, geschweige denn dass sie für das zu alt waren und es einfach zu gefährlich gewesen wäre. Die Gabi hat sich also geopfert mit der Lise einmal in ihrem Leben Eislaufen zu gehen. Bei diesem einen Mal ist es aber auch bis heute geblieben. Wenn die Lise bei vielen Dingen nicht so ehrgeizig gewesen wäre etwas zu erlernen, würde die Lise heute nicht viel können. Ein Eislaufplatz war damals in Schwechat. Da mussten sie mit dem Bus hinfahren und dann noch etwa zehn Minuten zu Fuß gehen. Als die Lise Eislaufen gelernt hat, war sie sicher schon sieben Jahre alt. Die Gabi ist mit ihr dann nach Schwechat gefahren und ist mit der Lise aufs Eis. Die Lise rutschte gleich einmal aus, fiel hin und war sauer, weil sie nicht einmal stehen konnte. Die Gabi sagte zur Lise, dass sie sich am Rand anhalten soll, damit sie nicht ausrutscht. Das tat die Lise dann und als sie stand, sagte die Gabi zu ihr, dass sie versuchen soll langsam zu gehen, sie würde einstweilen ein paar Runden fahren, damit sie wieder hineinkommt. Die Gabi fuhr also und die Lise hielt sich inzwischen am Rand an. Die Gabi konnte fahren, die brauchte nicht erst wieder hineinkommen, dachte die Lise. Sie beobachtete die anderen Kinder, wie die auf dem Eis fuhren. Sie versuchte sich mit dem Eis anzufreunden. Die Gabi kam dann wieder und war bester Laune, im Gegensatz zur Lise. Die Gabi hat sie dann unterm Arm genommen und ist mit ihr am Rand entlang gegangen. Der Lise hat der Tag mit der Gabi am Eislaufplatz überhaupt keinen Spaß gemacht. Die Oma hat sich dann immer zusammengepackt und ist mit der Lise immer und immer wieder zum Eislaufen gegangen. Die Lise war am Eis und die Oma ist im Restaurant gesessen und hat Kaffee getrunken. Wenn die Lise Pause gebraucht hat, hat sie immer eine Bananenschnitte gegessen. Nach ein paar Mal konnte die Lise dann Eislaufen und das auch ohne Gabi. Wenn die Lise so über früher nachdenkt, dann wird ihr eigentlich immer öfter bewusst, dass ihr die Gabi eigentlich überhaupt nichts beigebracht hat. Für die Gabi war es wichtig, dass die Lise alles können sollte, aber es musste ihr jemand anders beibringen. Vielleicht hatte die Gabi keine Geduld dafür, darüber kann die Lise aber nur mutmaßen. Die Lise weiß jedenfalls, dass ihr die Oma und der Opa das meiste beigebracht haben und alles, was sie der Lise nicht beibringen konnten, hat sich die Lise meist selbst angeeignet. Die Lise ist sich sicher, dass sich die Gabi über das noch nie Gedanken gemacht hat, denn für die Gabi war das alles selbstverständlich, das die Oma und der Opa für die Lise da waren.-
