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So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen (Jeremia 6,16). In Zeiten der Angst, der Finsternis und der Verwirrung einen Pfad zu finden, auf dem wir sicher und geleitet gehen können – das ist für viele gerade ein Thema. Wir werden damit konfrontiert, worin wir wirklich verankert sind. Wie können wir nun in diesen Zeiten den Frieden bewahren, wie den Pfad ins verheißene „Land der Ruhe“ finden? Ruthmarie Moldenhauer nimmt uns mit auf ihre Entdeckungsreise in dieses Land. Sie erläutert, wie wir Gottes Herz immer tiefer erkennen können, sodass wir eine unerschütterliche Gewissheit seiner Gegenwart erlangen. Das Gute dabei ist: Gott selbst hat eine große Sehnsucht, ja eine geradezu leidenschaftliche Liebe für uns! Er möchte uns fest in seinem Herzen verwurzeln und uns von dort aus versorgen und führen. Also lassen wir uns doch von dieser Leidenschaft Gottes anstecken! Lassen wir uns doch von unserem himmlischen Bräutigam mit dem „Öl“ versorgen, das uns durch diese Zeiten trägt! Lassen wir uns doch als seine Braut an sein Herz ziehen, um jederzeit seinen Frieden zu erleben.
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Seitenzahl: 291
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Ruthmarie Moldenhauer
PfadFinder
Eine Reise des Herzens in das Land der Ruhe
GloryWorld-Medien
1. Auflage 2021
© 2021 Ruthmarie Moldenhauer
© 2021 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de
Alle Rechte vorbehalten
Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 2017 entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:
BB: Basisbibel 2021NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, 2009SLT: Schlachter 2000ZÜR: Die Zürcher Bibel (Ausgabe 2007)
Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.
Lektorat: Klaudia WagnerSatz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.deFoto: Adobe Stock
ISBN (epub): 978-3-95578-496-6
ISBN (Druck): 978-3-95578-396-9
Der Geist Gottes und die Braut rufen: „Komm!“ Und wer diesen Ruf hört, soll ebenfalls sagen: „Komm!“ Wer Durst hat, der komme! Wer will, der trinke vom Wasser des Lebens; er bekommt es umsonst (Offb 22,17 NGÜ).
Der Geist Gottes und die Braut rufen, und Ruthmarie Moldenhauer ruft mit ihnen. Sie tut das mit ihrem Leben, in Gebetstreffen und bei persönlichen Begegnungen – und auch in diesem Buch.
Bereits auf den ersten Seiten habe ich Gottes Liebesfeuer wahrgenommen und das Sehnen des Vaters nach uns. Ruthmarie lädt uns in seine Gegenwart ein, in seine Heiligkeit, wo wir abgesondert und ungeteilt eins mit ihm sein können. Dazu sind wir berufen. In diesem Einssein mit ihm werden wir gesättigt.
Der Ort der inneren Einheit mit Gott, zu dem wir in diesem Buch entführt werden, ist ein sensibler Platz, an dem wir authentisch und verletzlich sind. Doch Gott liebt uns mit leidenschaftlicher Liebe, und deshalb ist es auch ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit. Die Höhen und sogar die Tiefen unseres Lebens werden dort zu einem Segen für uns, wenn wir sie mit Gott zusammen betrachten. So gelangen wir in seiner Gegenwart zu einem tiefen Frieden und werden in ihm heimisch.
In diesem Buch nimmt uns Ruthmarie mit auf den Weg in die innige Gemeinschaft mit Gott, wo wir uns nach mehr Offenbarung seiner Herrlichkeit ausstrecken können. Und so können die Verse aus dem Propheten Jesaja (noch mehr) zu unserem gemeinsamen Herzensgebet werden:
Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden; was uneben ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, zur Ebene! Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des HERRN hat es geredet (Jes 40,4-5 SLT).
Und wir beten, dass die Täler in unseren Herzen angehoben und die Berge geebnet werden, damit in uns und um uns herum die Herrlichkeit des Herrn sichtbar wird.
Es lohnt sich, durch das Lesen dieses Buches mit Ruthmarie aufzubrechen und den Pfad in die herrliche Gegenwart von Gottes Liebe zu finden, um dort zu einer noch ungekannten Ruhe zu gelangen.
Dr. Carola MichelAbsolventin der Iris Harvest School 12
Vorwort
Prolog
Teil 1: Gottes Leidenschaft
1 Das ungeteilte Herz – und warum Gott mein Herz ungeteilt will
2 Wie Beten und Fasten zu einem Schlüssel werden kann
3 Wie Intimität mein Herz mit dem Herz des Vaters verbindet
4 Wie Gottes Leidenschaft meine Leidenschaft hervorruft
Teil 2: Gottes Wohnort
5 Gegenwart, die Zeit, in der wir Gott finden und er uns
6 Die Gegenwart Gottes, auch und gerade im Schmerz
7 Wo Gott wohnt, redet er auch, und seine Stimme wird zur Lieblingsstimme
8 Identität, die aus der Intimität wächst
Teil 3: Gottes Herrlichkeit
9 Der Erkenntnis nachjagen, weil sie uns das Leben bringt
10 Seine Herrlichkeit im Leiden erkennen
11 Jesus, das Siegel auf meinem Herzen
12 Jesus, die Herrlichkeit Gottes
13 Jesus, das Land der Ruhe
Epilog
Danke
Über die Autorin
Für meine Mutter,
die mir vorgelebt hat, was Hingabe bedeutet.
Für dich, der du hungrig bist nach mehr von Gott.
Du bist berufen
zu einer Herzensbeziehung
mit deinem Schöpfer!
Als ich vor Kurzem in der Fürbitte war, empfing ich vor meinen inneren Augen ein „Bild“. Ich sah, wie Jesus sich und einen dieser „Geliebten Gottes“1 mit einem goldenen Band „verknüpfte“.
Ich schaute mir dieses Band etwas näher an. Es schien mir eine Art Sicherung zu sein, wie man sie auch beim Bergwandern benutzt, um z. B. Kinder auf schmalen Pfaden an steilen Abhängen zu sichern. Doch das Band war sehr kurz, sodass der Geliebte Gottes ganz nah bei Jesus laufen musste. Er konnte den Herrn mit der Hand berühren, so dicht war er ihm auf den Fersen.
Dann „zoomte“ ich meinen Blick näher auf das Band, um mir seine Struktur zu betrachten. Es war aus unendlich vielen, fein gesponnenen Goldfäden gewoben. Purem Gold – eine herrliche, kunsthandwerkliche Meisterarbeit. Mein Herz war absolut fasziniert von der feinen Schönheit dieses „Bandes“, das so viel mehr zu sein schien als nur ein einfaches Sicherungsseil.
Als ich nun Ruthmaries Buch las, hatte ich immer wieder dieses Bild vor Augen. Nicht nur, dass Jesus uns mit einem starken Band sichert, während wir in diesen herausfordernden Zeiten unsere Pfade finden müssen, sondern wir sind ihm dabei so dicht auf den Fersen, dass wir ihn berühren können. Genau dazu inspirieren Ruthmaries Kapitel auf unvergleichliche Weise. Sie will unser Herz aus der Ebene der Verwirrungen und Ängste herauslocken, sodass es sich ungeteilt dem anvertraut, der unsere einzige und wirkliche Sicherheit ist. ER leitet uns auf diesen Pfaden, die sich eigentlich immer erst dann vor uns auftun, wenn wir sein Herz aufsuchen und ihn berühren.
Doch es ist uns noch mehr verheißen als bloße Sicherheit. Folgt man Ruthmarie auf „ihren“ Pfaden durch das Buch und lässt sich von ihrer Sehnsucht nach dem „Mehr“ anstecken, dann führt uns unsere Hingabe in eine so innige Beziehung mit Jesus und dem Vater, dass dieses Liebesband zwischen ihm und uns immer feiner und schöner gewoben wird. Es geht dann nicht länger um uns und darum, unser kleines irdisches Leben irgendwie „auf die Reihe“ zu bekommen. Vielmehr wollen wir ihm den „Lohn seiner Leiden“ zukommen lassen, indem wir ihm von ganzem Herzen unsere Liebe schenken und immer tiefer in die Beziehung mit ihm eintauchen. Seine Gegenwart in unserem Leben wird dadurch zu einer leuchtenden Einladung für andere, sich doch ebenfalls auf die Suche nach diesen Pfaden Gottes zu machen.
Das ist dann auch die allerbeste Grundlage für unsere Beziehungen untereinander. In ganz Deutschland (und darüber hinaus) finden sich gerade viele von uns in kleinen Gruppen zusammen. Ruthmarie schreibt von ihrem „Throne-Room-Prayer“, zu dem sie sich im „Thronraum Gottes“ mit anderen Frauen trifft, um gemeinsam IHM zu begegnen, aber auch, um sich gegenseitig auszutauschen und zu ermutigen. Überall entstehen zurzeit diese „Gemeinschaften der Erwartungsvollen“, wie Matthias Hoffmann sie in seinem neuen Buch nennt.2
Irgendwie scheint hier in Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Europa gerade alles, was das Reich Gottes anbelangt, auf einen bestimmten Punkt hinauszulaufen. Egal, was man hört oder in die Hände bekommt, alles ist inhaltlich ähnlich, nur von verschiedenen Seiten beleuchtet oder anders ausgedrückt. Alle, die es ernst mit Jesus, dem Vater und dem Heiligen Geist meinen, pochen zurzeit extrem auf die persönliche Beziehung, in der Art, wie Jesus selbst sie mit dem Vater lebt(e) – von Herz zu Herz. Nur auf diese Weise kommen wir durch schwierige Zeiten, wenn die weltlichen Systeme ins Wanken geraten. Und dabei werden wir für Erweckung und Ernte vorbereitet. Es ist so spannend!
Dabei geht es auch ums Umkehren bzw. darum, damit aufzuhören, auf „beiden Seiten zu hinken“, mit einem Bein in der Welt und mit dem anderen im Reich Gottes. Ruthmarie nennt es das ungeteilte Herz, und das ist definitiv gerade der Fokus unseres Himmelspapas. Nur noch das tun, was wir ihn tun sehen, nur noch sprechen, was wir ihn sagen hören, das ist das Ziel – die absolute Führung des Heiligen Geistes.
Die Verwandlung ist gerade wirklich umfassend, eine Metamorphose eben. Wir wollen unsere Identität nur noch in Jesus finden. Darauf läuft es im Moment bei den meisten Autoren wie auch bei Ruthmarie hinaus. Ich bin total begeistert, denn lange Zeit gab es solche kompromisslose Literatur von deutschen Autoren wenig.
Irgendwie greift zurzeit alles dermaßen gut ineinander, wie es nur der Heilige Geist bewirken kann. Es herrscht Aufbruchstimmung mitten in der Abbruchstimmung der uns umgebenden Welt. Da kann man nur jeden einladen, sich diesem Aufbruch anzuschließen!
Damit habe ich nun den Reichtum dieses Buches noch keineswegs ausgeschöpft. Es sind nur Appetithäppchen. Aber wenn wir wollen, können wir uns zusammen mit Ruthmarie aufmachen, die Pfade des Herzensvertrauens zu finden, die der Herr uns HEUTE vorbereitet hat. So wie er unsere „Vorväter“ auf ihren Pfaden leitete, so führt er uns auch noch in diesen Tagen – hinein ins Land der Ruhe.
Ruthmarie, deine Bücher werden immer stärker! Vielen Dank für diese Reise in das Herz des Vaters, auf die du uns in diesem Buch mitnimmst! Es war eine Freude und Ehre, daran mitwirken zu dürfen, und absolut inspirierend. Von Herzen kann ich dieses Buch empfehlen.
Klaudia Wagner, September 2021
1 Vgl. Teil 3, Kap. 11, Unterpunkt „Vaterherz und Kindschaft“: „Die Passion Translation übersetzt das Wort ‚Gerechter‘ an vielen Stellen mit ‚Geliebter Gottes‘. Ein Gerechter in diesem Sinn ist einer, der sich von Gott geliebt weiß. Es ist jemand, der wie der Jünger Johannes sagen kann: Ich bin sein Lieblingsjünger.“
2 Matthias Hoffmann, Gemeinschaft der Erwartungsvollen, GloryWorld-Medien 2021.
Während ich den Eindruck hatte, dieses Buch schreiben zu sollen, lag das vorherige1 noch beim Verlag und wurde für die Veröffentlichung fertig gemacht. Der Gedanke eines dritten Buches fühlte sich so normal und gleichzeitig sehr befremdlich an, und ich schob ihn erst einmal zur Seite. Doch wenn Gott ein Herz mit seinem Plan füllt, dann lässt es sich kaum aufhalten. Man müsste sich schon mit Gewalt dagegen entscheiden. Und selbst dann … So begann ich also.
Wenn ich schreibe, dann folge ich nicht einem Konzept oder einer eigenen Idee. Es fühlt sich eher so an, als wolle das, was Gott in mich hineingegeben hat, nach draußen, wie bei einem überfließenden Gefäß. Ich weiß noch nicht, was genau herausfließen wird und wie es sich gestaltet. Aber ich folge im Vertrauen diesem Fluss der Worte und Bilder, die in mir entstehen.
Es ist jedes Mal das Betreten eines neuen Pfades und eines unbekannten Landes. Für die Seele ist es eine Herausforderung. Sie läuft gern auf den bekannten Wegen und empfindet dieses Neue als Zumutung, als müsse sie nun auf dem Wasser laufen. Das fühlt sich nicht immer gut an, sondern oft wie ein Versinken. Deswegen strecke ich meine Hand beim Schreiben ganz besonders stark nach Jesus aus, berge mich in seinem Herzen und in seinem Wort, lese viel in der Bibel und überlasse mich ganz ihm. Denn alles, was ich weitergeben will, soll so rein, wie es mir möglich ist, von seinem Herzen kommen.
Und so scheint mir die Dringlichkeit, die ich in diesen Tagen spüre, auch vom Herzen Jesu zu kommen. Ich nehme sein Werben und seine Sehnsucht wahr, unsere Liebe zu wecken. Leidenschaftlich möchte er uns in seine Königskammer ziehen, in die Verborgenheit, wo seine Liebe uns umfängt. Er möchte uns sagen: „Hier bin ich – und will dir zeigen, wer ich bin. Lerne mich kennen – mehr … tiefer … inniger …“
Ich spüre, wie wichtig es in diesen besonderen Zeiten ist, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm zu haben. Und ich sehe auch, wie trocken sich viele Christen in dieser Hinsicht fühlen. Darum wünscht der Vater sich so sehnlich, dass wir die Quellen finden, die mitten in der Wüste aufbrechen, da, wo wir ihn erkennen. Dort finden wir unsere Sicherheit. Dort findet er unser Herz und gießt sich darin aus. Nichts auf dieser Erde ist erfüllender – darum wünsche ich mir, dass du dich mit mir gemeinsam auf die Reise ins Herz des Vaters machst, um diese Quellen zu entdecken.
Leben im Reich Gottes hat immer etwas mit Wachstum zu tun. Doch Wachstum geschieht, du kannst es nicht machen.
Wachstum geschieht, wenn du am richtigen Ort bist, dem Ort der Versorgung, diesem Ort, an dem deine Wurzeln immer tiefer gehen, denn im Reich Gottes geht Wachstum zuallererst in die Tiefe.
In diesem Wachsen in die Tiefe ist uns das Mehr verheißen. Es geht nicht darum, mehr, besser, größer oder stärker zu werden, sondern das Mehr Gottes zu empfangen und uns dann davon verwandeln zu lassen.
Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist geschieht (2 Kor 3,18).
Wenn ich „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ lese, höre ich darin eine Verheißung und will nicht mit dem zufrieden bleiben, wo ich gerade stehe. Vielmehr wird die Sehnsucht in mir zu einer Kraft, die mich voranbringt, sobald ich ihr Raum gebe.
Mein Anliegen ist, dass dieses Buch von der Sehnsucht und Leidenschaft Gottes für uns erzählt und von unserer Antwort darauf. Es ist ein Buch für die, die genauso wie ich nach Gott hungern und dürsten, nach seiner Gerechtigkeit. Es soll ein Herzensbuch der Leidenschaft des Vaters sein – geschrieben aus und über Leidenschaft –, das uns in die Lage versetzt, diese Leidenschaft in uns zu empfangen. Es spricht von der Notwendigkeit, ihn leidenschaftlich zu suchen, ihn mehr und mehr zu kennen und damit in das Land der Ruhe zu kommen.
Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis (Hos 4,6).
Wir brauchen Erkenntnis – eine Erkenntnis Gottes, die uns den Weg zeigt, um in seinen Verheißungen zu leben.
Wir brauchen Erkenntnis über Gottes Herz, um unbeschadet durch die Stürme unseres Lebens zu kommen.
Wenn wir das Herz Gottes begreifen, dann wird auch unser Sinn erneuert, sodass wir in das Land gelangen, das uns verheißen ist – das Land der Ruhe.
Solange unser Herz nicht mit dem Herzen Gottes verbunden ist, werden wir sein Herz nicht erkennen. Es wird dann immer wieder unser Verstand die Oberhand gewinnen und unser Maß an Glauben und Vertrauen bestimmen.
Corey Russell spricht davon, dass geistliche Leiter dazu berufen sind, Gott zu kennen und sich die Zeit für die Ruhe in seiner Gegenwart zu erkämpfen. Sowohl die Gemeinde als auch die Welt benötigen Leiter, die die wahre Erkenntnis Gottes besitzen und die Furcht des Herrn verstehen.2 Dann schreibt er weiter:
Wenn wir die Endzeit überstehen wollen, ohne an Gott Anstoß zu nehmen, müssen wir sein Herz wirklich kennen.3
Ich würde hinzufügen: Egal, welcher Wind uns entgegenweht, wir brauchen dieses Wissen um sein Herz, und zwar gerade in Zeiten, in denen wir unsere Umstände scheinbar nicht mit der Liebe Gottes in Einklang finden und deswegen so leicht Anstoß nehmen an Gott.
Hast du deine Wurzeln tief in das Herz Gottes gegraben, damit sie nichts und niemand dort entreißen kann?
Ja, rufe zu mir um Erkenntnis, denn wenn du weiter danach suchst, wie ein Mann, der nach Silber und an verborgenen Orten nach Schätzen sucht, wirst du die Furcht des Herrn entdecken und die wahre Erkenntnis Gottes finden (Spr 2,4-5 TPT).4
So begann mein Buch „Hineni – Hier bin ich!“. Meine Sehnsucht war, Herzen dafür zu öffnen, mehr von Gott zu erkennen. Heute denke ich, es war ein prophetisches Wort über dieses neue Buch; Gott war bereits damals dabei, es vorzubereiten.
Lasst uns rufen und suchen nach der Erkenntnis Gottes.
Ich glaube, dass wir die Pfade der Vorzeit aus Jeremia 6,16 wiederfinden müssen, auf denen uns Ruhe für unsere Seelen verheißen ist:
So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Glaubensruhe wurzelt in dem Konzept der Sabbatruhe. Das heißt, dass wir von unseren Werken ausruhen. Mehr als einfach nichts zu tun, bedeutet es: Ich kann nichts dafür tun, errettet zu werden, geliebt zu werden. Von seinen eigenen Werken ruht man, wenn man die Erkenntnis gewonnen hat, dass Jesus wirklich alles getan hat.
Wir ruhen in seinem „Es ist vollbracht“.
Es ist nichts mehr nötig und gleichzeitig steht uns nun seine Gegenwart ständig zur Verfügung.
Wir müssen zu Gott zurückkehren, zu seiner Liebe, zu seiner Leidenschaft, die uns auf eine innige Suche führt, damit wir die Erkenntnis Gottes finden und die Furcht des Herrn verstehen lernen. Und alles beginnt damit, uns bewusst zu machen, dass wir eigentlich nichts wissen.
„Selig sind die geistlich Armen“, sagt uns Jesus.5
Dieser geheimnisvolle Gott ist uns oftmals ein Anstoß, weil er uns zeigt, wie klein und schwach, wie verletzlich und zerbrechlich wir eigentlich sind. Aber wenn in unserer geistlichen Armut, dieser Zerbrechlichkeit, die wir in der Gegenwart, aber auch in der Liebe Gottes wahrnehmen, die Lösung zu finden ist, weil wir Gottes wahre Größe erkennen, dann will ich mich loslassen und in seine Weisheit hineinfallen lassen.
Ich bete, dass der Vater der Herrlichkeit, der Gott unseres Herrn Jesus Christus, dir den Reichtum des Geistes der Weisheit und der Geistoffenbarung vermittelt, um ihn durch deine sich vertiefende Intimität mit ihm zu erkennen (Eph 1,17 TPT).6
Der Geist der Offenbarung, der Heilige Geist, berührt unsere Herzen und offenbart uns darin, wer Gott ist.
Dies geschieht an dem tiefen Ort der Intimität mit ihm – eine Intimität, die im Herzen stattfindet. Es ist das „Herzensprinzip“, welches uns das Leben verheißt.
Folge deinem Herzen mehr als allem anderen! Denn davon hängt dein Leben ab (Spr 4,23 BB).
Ich kann meinem Herzen nur vertrauen, wenn es fest in Gott verwurzelt ist, mitten in seinem Herzen. Diese Wurzeln geben mir Halt und Identität; durch sie empfangen wir Nahrung zum Wachsen.
Dort bekommen wir die Offenbarung und Erkenntnis Gottes, die wir so sehr benötigen.
Sehnsucht
Sie ist über dieser Erde.Höre ich sie?Sehe ich,den schweifenden Blick, der sucht?Mich.Dich.Die Leidenschaft ist sichtbarim suchenden Blick des Vatersaus der Höhe,doch ganz nah.Mein Herz schlägt.Ich spüre die Sehnsucht in mir,Sehnsucht nach Heimat,Heimat bei dir.So folge ich meiner Sehnsucht,komme dir nah.Oder du mir?Gegenüber.Von Angesicht zu Angesicht.Dort ist Heimat.Endlich angekommen.
1Hineni – Hier bin ich!
2 Corey Russell, Dem Heiligen nachjagen, S.161, 2006.
3 Corey Russell, Dem Heiligen nachjagen, S.161, 2006.
4„For if you keep seeking it like a man would seek for sterling silver, searching in hidden places for cherished treasure, then you will discover the fear of the Lord and find true knowledge of God.“
5 Vgl. Mt 5,3.
6I pray that the Father of glory, the God of our Lord Jesus Christ, would impart to you the riches of the Spirit of wisdom and the Spirit revelation to know Him through your deepening intimacy with him.
… und wie sie die Sehnsucht in mir weckt, ihn leidenschaftlich zu suchen und lieben zu lernen
Ich liebe dieses Wort aus 2. Chronik 16,9 (BB):
Der Blick des Herrn streift über die ganze Erde. So kann er denen beistehen, die mit ungeteiltem Herzen zu ihm halten.
Dieser Vers berührt mein Herz, wenn ich mir vorstelle, wie Gottes Blick über diese Erde schweift und Ausschau hält. Es ist der Blick eines Vaters, der wartet. Es ist der Blick Gottes, der sucht, der sich nach uns sehnt. Es ist ein Blick voller Leidenschaft.
Weißt du das? Und mehr noch – glaubst du das auch?
In meinem Buch Weites Land habe ich geschrieben, dass Gottes Sehnsucht nach Freundschaft und Intimität mit Menschen über diese Erde weht und uns hungrig macht, ihn zu finden. Seine Liebe, seine Sehnsucht ist es, die uns sucht und ruft.
Vielleicht kennst du das auch, auf einer Großveranstaltung mit jemandem verabredet zu sein. Du kommst dorthin und hältst Ausschau nach einem Freund, dein Blick schweift über die vielen Menschen, und dann entdeckst du ihn und gleichzeitig hebt er den Kopf, schaut in deine Richtung und eure Blicke begegnen sich. Der Moment des Entdeckens und Erkennens kann ein sehr vertrauter, intimer Augenblick sein, ein Moment, der euch beiden gehört.
So erlebte es einmal mein Mann und erzählte es mir im Anschluss an eine Geburtstagsfeier, zu der wir mit etwa vierzig weiteren Gästen geladen waren. In der großen Menge trennten sich bald unsere Wege; wir hielten uns mit unterschiedlichen Menschen, in unterschiedliche Gespräche vertieft und an verschiedenen Orten auf. Als ich einmal den Blick hob und ihn über die Menge schweifen ließ, blieb er an meinem Mann hängen, und anscheinend habe ich in dem Moment, wie er mir später erzählte, gelächelt – für ihn war es ein Moment des Wahrnehmens, der Begegnung, der Verbundenheit.
Das ist auch die Sehnsucht Gottes – dass du den Blick zu ihm emporhebst und dort seinen Augen begegnest. Es gibt diesen Ort, wo die Sehnsucht Gottes und deine Sehnsucht aufeinandertreffen. Doch du musst diesen Ort aufsuchen, den Blick und dein Herz emporheben und die Begegnung zulassen. Du musst der Sehnsucht in dir Raum geben, ohne sie von anderem zuschütten zu lassen. Und so stellt sich mir immer wieder die Frage: Habe ich Sehnsucht nach Gott, nach einer Begegnung? Und können so Gottes und meine Sehnsucht aufeinandertreffen und zu einem Begegnungsort werden?
Die Bibel spricht viel von der Sehnsucht Gottes.
Und sie hörten die Stimme des HERRN, Gottes, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages (1 Mose 3,8).
Und der HERR, Gott, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? (1 Mose 3,9).
Aus der Ferne ist mir der HERR erschienen: Mit unendlicher Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus Güte (Jer 31,3 ZÜR).
Diese Augen, die über die Erde schweifen, sind die Augen eines Vaters. Es ist ein Vater, der leidenschaftlich liebt, nicht nur so grundsätzlich, sondern jeden Einzelnen ganz persönlich. Es ist ein Vater, der Ausschau hält und sucht, der wartet, wie in der Geschichte des verlorenen Sohnes. Es ist der Vater, der dir entgegenläuft, wenn er dich sieht; der ein Fest feiert, wenn du nach Hause kommst. Es ist der Vater, von dem Jesus leidenschaftlich spricht, zu dem er uns ruft, für dessen Liebe er wirbt.
In seinem Evangelium schreibt Johannes über einige Kapitel hinweg, was Jesus über den Vater zu sagen hat. Er beschreibt die Vater-Sohn-Beziehung so innig, dass die Sehnsucht in uns geweckt wird, diesen Vater zu sehen. Selbst seine Jünger sagen zu Jesus: „Zeige uns den Vater!“ (vgl. Joh 14,8).
Wir können diesen Vater als unseren eigenen kennenlernen – in einer Beziehung, in der es uns an nichts fehlt. Doch es liegt an dir, Jesu Einladung dorthin persönlich anzunehmen und dich für seine Leidenschaft zu öffnen. Dafür ist es wichtig, dass du dein Herz öffnest, um all seine Gefühle für dich wahrzunehmen und zu empfangen.
Gottes Blick schweift über diese Erde, heißt es im Buch der Chronik. Gleichzeitig sind diese Worte Teil einer Geschichte, die nicht nur schön ist. Es geht um König Asa, von dem es zu Beginn der Geschichte heißt, dass er tat, was gut und richtig war in den Augen des Herrn, seines Gottes.1
Asa kümmerte sich darum, dass fremde Götter, fremde Kultstätten des Volkes beseitigt wurden und so wieder eine Ordnung im Volk hergestellt wurde. Das hatte Auswirkung auf die Beziehung Gottes zu seinem Volk, denn sie begannen wieder nach seinen Geboten und Weisungen zu leben.
Es war so, wie es auch in unserem Leben ist – wenn wir nach Gottes Wegen und Willen fragen, nach seinem Herzen suchen, dann bringen wir Ordnung und Frieden in unsere Beziehung mit ihm, und das bewirkt Segen.
Doch dann tat Asa etwas Fatales. Er nahm etwas aus dem Haus Gottes, etwas das Gott gehörte, und opferte es für ein Bündnis mit dem Feind, um Frieden zwischen sich und dem Feind zu schaffen. Sein Anliegen, Frieden zu schaffen, war ja erst einmal etwas Gutes; doch sein Weg dorthin, Kompromisse einzugehen – in diesem Fall, etwas zu nehmen, das Gott gehörte –, brachte großes Unglück über sein Leben. Rein äußerlich brachte es erst einmal Frieden, doch zu welchem Preis? Gott schickte einen Propheten zu ihm, der ihm dieses Wort vom Blick Gottes sagte, der über diese Erde schweift. Und weiter heißt es dort:
Du hast dich in diesem Fall nicht klug verhalten. In Zukunft wird es Kriege gegen dich geben (2 Chr 16,9 BB).
Mit anderen Worten: Weil du dem Herrn nicht von ganzem Herzen vertraut hast, sondern die Sache selbst in die Hand genommen, ja, dem Herrnsogar etwas genommen hast, darum wird es so werden. Es ist die Folge deines Handelns. Es ist die Konsequenz deines geteilten und damit ungehorsamen Herzens. Ein geteiltes Herz, ein Herz, in dem neben Gottes Stimme auch andere Stimmen das Sagen haben, bringt uns in Distanz zu Gott – und damit in Schwierigkeiten.
Immer wenn auf das Wort eines Propheten hin ein Volk, ein Mensch umkehrte, wendete auch Gott sich um. Wie oft lesen wir im Alten Testament diesen Ausspruch: „Wenn mein Volk sich umkehrt, dann werde ich mich auch umkehren.“ Wir kennen es auch aus der Geschichte Davids und aus anderen: Tat jemand ehrlich Buße, dann war auch Gott mit seiner Vergebung und mit seiner Gnade zur Stelle.
Doch Asa tat das nicht. Er wollte die unangenehmen Worte, die ihn in Frage stellten, nicht hören. Sein Herz war verstockt. Und so beseitigte er den Propheten und ging von da an eigene Wege, wurde krank und starb schließlich.
Es ist die Geschichte eines geteilten Herzens. In Asa war etwas geschehen, was sein Herz, das einst vertraut hatte, gehorsam war und nach den Weisungen Gottes gelebt hatte, zu einem zweifelnden Herzen hatte werden lassen, das der eigenen Weisheit mehr vertraute als Gott. Man kann das nicht schönreden, aber man kann sich die Frage stellen:
Warum sucht Gott ein ungeteiltes Herz? Warum sagt er, dass er denen beisteht, die sich mit ungeteiltem Herzen zu ihm halten? Nicht jeder wird krank und stirbt, wenn er ein geteiltes Herz hat; was allerdings immer geschieht, ist eine zunehmende Distanz zu Gott und seinen Weisungen, und damit entfernt man sich von seinem Herzen.
Wie ein Vater seinen Kindern mit Güte begegnet, so barmherzig handelt der Herr an denen, die zu ihm gehören (Ps 103,13 BB).
Das bezeugte König David. Er hatte selbst erlebt, was geschehen kann, wenn das Herz geteilt ist, wenn wir Gott aus Teilen des eigenen Lebens heraushalten: Es bringt Schuld und Not hervor. In Davids Leben wurde es durch Ehebruch, Lüge und Mord sichtbar.
Und ungeteilt soll euer Herz beim HERRN, unserem Gott, sein, damit ihr nach seinen Satzungen lebt und seine Gebote haltet, wie am heutigen Tag (1 Kön 8,61 ZÜR).
So sprach König Salomo zu seinem Volk, der König, der zum weisesten Mann der Erde geworden war. Er wusste wirklich, was wir brauchen, und er wusste auch, dass ein ungeteiltes Herz Segen bringt.
Gott hat Sehnsucht nach uns. Er sucht uns, er liebt uns und will unser Leben segnen. Doch egal, wie wichtig wir ihm sind, das geschieht nicht, indem er einfach Gutes über uns ausschüttet. Sein Segen kommt dorthin, wo Menschen ungeteilten Herzens bei ihm sein wollen.
Sein Konzept ist, sein Herz mit unserem zu verbinden, es tief in seinem zu verwurzeln und uns von dort aus zu führen und zu versorgen.
Wir können Gott nicht immer verstehen, aber wir dürfen ihn erkennen. Das geschieht durch unsere erleuchteten Augen des Herzens. Anders werden wir früher oder später immer scheitern, denn unser Verstand kann ihn nicht fassen.
Im Buch Hosea spricht Gott von der Untreue seines Volkes und seiner eigenen, unbändigen Liebe für dieses Volk. Es ist ein Liebesbrief Gottes, der, wenn du ihn mit dem Herzen liest, auch direkt dort hineinfällt. Als ich in meiner Bibel zuvor die kurze Erklärung dazu las, erschrak ich über die Frage: Brichst du Gottes Herz durch dein Verhalten?
Mehr noch als ein Erschrecken wurde es zu einem Traurig-Sein darüber, dass diese Frage durchaus berechtigt ist. Wie oft breche ich das Herz Gottes, so wie Gottes Herz immer wieder durch das Verhalten des Volkes Israel gebrochen wurde?
Wenn du das Hosea-Buch am Stück durchliest, wirst du zutiefst mit hineingenommen in den Schmerz und den Ruf Gottes. Es ist der Ruf, an sein Herz zurückzukommen, von ganzem Herzen umzukehren, sich neu und tief hinzugeben, hineinzubegeben in seine Liebe. Hosea wird beauftragt, eine „hurerische“ Frau zu heiraten. Seine Ehe soll bildhaft die Beziehung und Treue Gottes und die Untreue des Volkes Israel zeigen. Genauso zeigt es auch unsere Untreue, denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir: Es betrifft auch uns. Anhand dieser Geschichte erkennen wir die tiefe und treue Liebe Gottes, seine Vergebungsbereitschaft, ja, Sehnsucht danach. Und wir dürfen sehen, dass Gott schließlich ALLES dafür getan hat.
Die Bibel sagt, dass es die wahre Erkenntnis über Gott ist, die fehlt, die umkommen lässt. Die fehlende Erkenntnis reißt unser Bewusstsein aus seinem Herzen oder bewirkt, dass wir dort erst gar nicht ankommen. Sie führt in Schuld, in Täuschung, Lüge und Schmerz und damit in die Wüste.
Ich glaube tatsächlich, dass alles, wodurch wir uns von Gott trennen, unser Leben unweigerlich zu einer Wüste macht. Du wirst dann früher oder später den Mangel, die Wüste erleben, auch wenn es augenscheinlich erst einmal gut zu gehen scheint.
Warum lässt Gott dieses halsstarrige Volk nicht einfach umkommen? Warum streckt er sich beständig nach ihnen aus, geht immer wieder neue Wege mit ihnen, damit sie ihn erkennen können? Warum sucht er mich immer wieder auf, lässt mich nicht los? Allein die Liebe kann das, seine Liebe! Diese Liebe kann auch warten; manchmal wartet sie, bis die Erkenntnis zur Umkehr ruft und der Mensch erneut das Angesicht Gottes sucht.
Erkenntnis ist, wahrzunehmen, wer und wie Gott wirklich ist, und was er für uns bereithält.
Und es ist die Erkenntnis der Wahrheit, die Gottesfurcht hervorbringt.
So lasst uns ihn erkennen, lasst uns jagen nach der Erkenntnis des HERRN (Hosea 6,3 ZÜR).
Das Volk Israel versucht immer wieder, durch Opfer die Beziehung zu Gott wiederherzustellen. Doch Gott sagt in Hosea dazu, er wolle ihre Opfer nicht, auch nicht ihr Aufopfern in ihren Diensten; vielmehr habe er an Liebe und Gotteserkenntnis Wohlgefallen. Liebe und Gotteserkenntnis sind ihm mehr wert als alles andere.
Er möchte, dass du Erkenntnis über ihn hast, eine Erkenntnis, die die Liebe in dir hervorbringen wird – von ganzem Herzen und ungeteilt. Doch erlebte Gott damals, und heute oftmals auch bei uns, Folgendes:
Ich möchte sie erlösen, aber sie reden Lügen gegen mich! Und sie rufen nicht von Herzen zu mir, sondern jammern auf ihren Lagern (Hos 7,13b-14a SLT).
Gott möchte Erlösung, er möchte retten, er möchte unsere Heilung.
… (er) will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1 Tim 2,4).
Der Grund für die Untreue des Volkes Gottes war, wie im Buch Hosea beschrieben, Reichtum, reiche Ernte; je besser es ihnen ging, umso mehr vergaßen sie Gott und machten ihren Reichtum zu ihrem Götzen. Kommt dir das bekannt vor?
Es ist schon fatal, dass uns nicht nur unsere Not, unsere Fragen, sondern auch unser Wohlergehen von Gott wegbringen können; dass wir gerade dann denken, wir bräuchten ihn nicht, und ohne dass es uns bewusst wird, damit beginnen, uns eine Wüste zu bereiten.
Je nachdem, mit welchem Blick du Hosea liest, wirst du von Rache und Strafe lesen oder aber von der Liebe. Doch Gott selbst hat seinen Fokus ganz klar auf seiner Liebe, wenn es heißt:
Mit menschlichen Seilen habe ich sie gezogen, mit Stricken der Liebe, und ich war für sie wie jene, die das Kleinkind an ihre Wangen heben, und ich neigte mich ihm zu, ich gab ihm zu essen (Hos 11,4 ZÜR).
Gegen Rachegedanken sträubt er sich – sein Herz ist es wirklich, Heilung und Wiederherstellung zu bringen.
Mein Herz sträubt sich, all mein Mitleid ist erregt! (Hos 11,8b ZÜR).
Ich werde ihre Abtrünnigkeit heilen; weil ich es will, liebe ich sie, denn mein Zorn hat sich abgekehrt von ihm (Hos 14,5 ZÜR).
Das ist Gottes Herz: Es ist voller Erbarmen, und er hält so viel bereit, um unser Herz damit zu füllen.
Sein Herz jemandem anzuvertrauen, vollkommen loszulassen und zur Verfügung zu stellen – das kostet Mut und Vertrauen. Und ich kann es nur tun, wenn ich in dem anderen etwas sehe, was dieses vollkommenen Vertrauens wert ist.
Heute Morgen las ich die Geschichte über die Rückkehr der Kundschafter, die Mose in das Land Kanaan ausgesendet hatte.2 Ich war wieder einmal zutiefst erschrocken darüber, welches Ausmaß das Reden und Verhalten der Kundschafter in der Geschichte des Volkes Israel hatte. Zum einen ist es die Art und Weise, wie sie über Gott reden, ihn und sein Wort in Frage stellen; zum anderen erschrak ich darüber, wie damit auf höchst wackeligem Fundament eine falsche Glaubensgrundlage gelegt und darüber hinaus noch einem fremden Geist Raum gegeben wurde.
In der Geschichte des Volkes Israel wird ganz klar von einem Geist gesprochen. So heißt es von Kaleb, er habe einen anderen Geist gehabt als die, welche vor den Riesen warnten.
Das ist nicht nur die Geschichte über eine Dummheit von Menschen, über Kleinmut und deren Konsequenzen, sodass sie ihre Verheißung nicht erlangten, sondern über die Macht eines Geistes dahinter.
Ich höre inzwischen in manchem Reden über Gott die Rebellion, die durch Enttäuschung und Unkenntnis entstanden ist, und die sich eine eigene Theologie zusammengebastelt hat. Die Bibel spricht immer wieder von Widerspenstigkeit. Es ist Trotz, der uns von Gott trennen kann, wenn wir an unserem Bild über ihn festhalten wollen. In der Geschichte Moses heißt es: „… sie brachten das Land, das sie erkundet hatten, in Verruf.“ Unser Reden bringt Menschen und manchmal auch Gott selbst in Verruf und kann damit lästerlich, ja, sogar verachtend werden. Und es wirft uns dann immer aus dem Vertrauen heraus.
Und der HERR sprach zu Mose: Wie lange will mich dieses Volk verachten, und wie lange wollen sie mir nicht glauben bei all den Zeichen, die ich in ihrer Mitte getan habe? (4 Mose 14,11).
Das sollte aufweckend und erschreckend für uns sein. In ihrem Falle brachten sie ein Wort, eine große Verheißung Gottes, in Verruf und raubten sich selbst damit die Erfüllung dieser Verheißung. Ein großes Volk durfte nicht in die Verheißung eingehen – aufgrund des Redens von ein paar Männern, die der Wahrheit von Gottes Verheißung nicht vertrauten. Sie trugen ein geteiltes Herz in sich, in dem sie der Furcht mehr vertrauten, als der Verheißung und der Kraft Gottes, und das warf sie aus ihrem eigenen Segen.
Auch der Jakobusbrief spricht von der Folge bzw. der Gefahr eines geteilten Herzens. Er erklärt, dass ein geteiltes Herz instabil und wankend wie die Wellen des Meeres ist.
Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und hin- und hergeworfen wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird, ein Mann mit geteiltem Herzen, unbeständig in allen seinen Wegen (Jak 1,5-8 SLT).
