Weites Land - Ruthmarie Moldenhauer - E-Book

Weites Land E-Book

Ruthmarie Moldenhauer

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Beschreibung

Wie ein Wind weht die Sehnsucht Gottes nach Freundschaft und Intimität mit Menschen über diese Erde und macht uns hungrig, ihn zu finden. So erlebte es Ruthmarie Moldenhauer. „Lebe von ganzem Herzen …“, waren die Worte, die sie eines Morgens von Gott hörte. Die Folge: Echte Begegnung mit Gott, mit seiner Liebe und Güte, veränderte sie und ließ sie immer besser seine Stimme hören. Es war ein „Weites Land“, das Gott ihr eröffnete, und trotz vieler Höhen und Tiefen, trotz Krankheit und Leid durfte sie erfahren: Gott ist immer gut! Damit ermutigt sie uns, unsere eigene Reise in das hinein anzutreten, was Gott für uns vorbereitet hat. Der meditative Schreibstil der Autorin macht es leicht, sich im Herzen mit ihr zu verbinden und dabei das eigene Herz als Tor zu diesem weiten Land zu entdecken. Inmitten unseres Alltags landen wir beim Lesen in einer Oase des Friedens, den man in das tägliche Leben mitnehmen kann.

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Ruthmarie Moldenhauer

Weites Land

Den Weg des Vertrauens gehen

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

1. Auflage 2019

© 2019 Ruthmarie Moldenhauer

© 2019 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 2017 entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:

LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017SLT: Schlachter 2000ZÜR: Die Zürcher Bibel (Ausgabe 2007)

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Umschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.deFoto: Adobe Stock

ISBN (epub): 978-3-95578-461-4

ISBN (Druck): 978-3-95578-361-7

 

 

Empfehlung

Schon nach den ersten Seiten bin ich völlig abgetaucht, werde aufgeweicht und sanft durchgespült. Hineingenommen in die Erkenntnis der Liebe und Güte Gottes und in den Veränderungsprozess, der stattfindet, wenn ein Mensch sich auf das Mehr von Gott einlässt. Meine Seele saugt es auf, steigt mit ein und geht dieses Stück des Weges mit. Dieses Buch ist eine Bereicherung für jeden, egal, ob du am Anfang des Weges mit Gott bist oder schon mitten in deiner Berufung. Es nimmt dich hinein und führt dich hin zu dem, was einzig wichtig ist: Gott ist Liebe, er ist immer gut! Er ist der Hirte, in dessen Nähe wir sicher durch jedes Tal geleitet werden, auch wenn es dunkel ist und wir selbst nichts erkennen können, angegriffen, herausgefordert werden oder unsere gewohnten Wege verlassen müssen. Diesem Hirten zu vertrauen, ist alles, was wir brauchen, um in unsere Berufung zu gelangen: In das weite Land, das Gott uns verheißen hat.

Dieses Buch ist ein persönliches, zärtliches und zugleich kraftvolles Zeugnis von der verändernden Kraft der Liebe Gottes, eingebettet in wunderbare Wahrheiten des Wortes Gottes, das unser Fundament ist: Jesus, unser Herr.

Beim Lesen wurde ich verändert, ermutigt, gestärkt. Es fühlt sich an, als ob mein Innerstes mit heiligem Salböl getränkt und Verbindungen zu meinem Herzen geknüpft wurden, die vorher noch nicht da waren. Die Liebe Gottes, seine Güte und das Vertrauen in seinen Plan hat ihre Wurzeln tiefer in mein Herz gegraben.

Dieses Buch musste geschrieben werden. Es wird bewirken, wozu es ausgesandt ist, in Jesu Namen!

Susanne SchadtAutorin des Buches Wenn Liebe auf Angst trifft

 

Inhalt

Prolog: Die Geschichte des Anfangs

1 Sehnsucht

2 Heimat

3 Raum

4 Könige und Priester

5 Werkstatt

6 Begegnung

7 Loslassen

8 Sturm

9 Leid

10 Warten

11 Herz zu Herz

12 Freiheitswege

13 Wunder

14 Lobopfer

15 Vertrauen

16 Hören

Epilog

Nachlese

Danke

Über die Autorin

 

 

 

 

FürManuelundAnna Lara

 

 

Prolog: Die Geschichte des Anfangs

wenn gott das herz bewegt

Lebe von ganzem Herzen, schreibe und verändere die Welt!1

So höre und lese ich es an einem Morgen im November 2017 und erinnere mich an meine eigene Predigt wenige Tage zuvor: Jeder von uns ist berufen, Geschichte zu schreiben. Was ist die Botschaft deines Lebens?

Es war wie eine Prophetie über mir selbst – die Aufforderung, über das Zeugnis meines Lebens zu schreiben. Über meine Berufung, von der Güte Gottes zu erzählen. Gott begann, mit mir über meine Geschichte zu sprechen und genau so hatte alles begonnen:

Gott hatte begonnen, mit mir zu reden, vor nun sieben Jahren an einem Mitarbeiterwochenende. In der vorangegangenen Woche hatten wir in der Kleingruppe über Mose gelesen, seine tiefe Beziehung zu Gott.

Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mensch mit einem anderen redet (2 Mose 33,11 ZÜR).

Warum rührte mich dieser Satz an diesem Abend so sehr an? Was hatte Gott in mir bereitet? Der Himmel schien offen zu sein über mir wie nie zuvor. Und Gott kam mir entgegen, so nahe, wie nie zuvor.

Der Herr hört, wenn ich zu ihm rufe (Ps 4,4b ZÜR).

Er hörte mein Rufen und sah mein Herz – das Herz, das sich nach dieser innigen Beziehung sehnte, nach einem Reden und Hören wie zwischen Freunden. Ich war nicht vorbereitet auf das, was kommen würde – und doch schien alles vorbereitet zu sein. Seine Herrlichkeit wurde für mich sichtbar, hörbar, greifbar!

Nun sind Jahre vergangen und seitdem ist alles anders geworden. Ich bin in etwas eingetreten, was ich nie mehr loslassen möchte. Gott legte ein neues Lied in meinen Mund, buchstäblich von heute auf morgen. Er goss seine Güte, seine Liebe, seine Gegenwart über mir aus. Meine Beziehung mit ihm wurde vertrauter, inniger und damit auch um vieles reicher. Der Heilige Geist hat mein Denken in ganz vielen Bereichen erneuert und tut es immer noch, denn es musste wirklich erneuert werden. Altes wurde gegen Neues ausgetauscht.

Und über dieses Zeugnis möchte ich schreiben. Schreiben, weil ich es wie eine Berufung empfinde – nein, es ist mehr. Ich empfinde sie nicht, ich will sie glauben, indem ich es tue. Will sie glauben, will es nicht nur einen Versuch sein lassen. Und so schreibe ich heute, ohne überhaupt zu wissen, was daraus werden wird. Aber so sind meine Wege die vergangenen Jahre gewesen. Es waren Wege im Vertrauen, Wege des Glaubens.

Gott hat mich gelehrt, dass sein Wort wie ein Raum ist, in den ich eintreten kann. Es ist die Tür und wird zur erlebbaren Realität durch meinen Glauben. Es fühlt sich oft an, als ginge man durch eine verschlossene Tür, bis sie sich im Hindurchgehen öffnet, durch mein Gehen durchgängig wird. Wir reden viel von geöffneten Türen als den Wegen Gottes. Ich erlebe mehr und mehr, dass Gottes Wege oftmals durch verschlossene Türen gehen. Sie öffnen sich durch meinen Gehorsam.

Mein Gebet im Oktober vor einem Jahr war: „Meinst du das wirklich – Gott?“ Und die vergangenen Jahre hatten mich bereits gelehrt, nach solchen Gebeten aufmerksam zu sein und hinzuhören; dem Gehörten zu vertrauen und zu glauben.

Die Apostelgeschichte hat nie aufgehört … Der Geist ist immer noch hier … Die Apostelgeschichte hörte nie auf, damit du ein Teil davon sein kannst … Schreibe dein eigenes Kapitel.2

1 Vgl. Jennifer A. Miskov, Schreiben in der Herrlichkeit – Lebe von ganzem Herzen, schreibe und verändere die Welt, Grain Press 2016.

2 Jonathan Chan, Der Lehrer und sein Schüler, S.327, 2017.

1 Sehnsucht

Dieses Buch ist meine Geschichte mit Gott; vielmehr ist es ein Teil meiner Geschichte. Ich möchte damit die vielen Jahre vorher nicht klein machen. Und auch, dass Gott erst 2012 mit mir zu reden begann, stimmt so nicht ganz. Es hatte auch vorher in meinem Leben schon diese ganz außergewöhnlichen Erlebnisse mit Gott gegeben, Berührungen, die mich etwas von seiner Art haben sehen und hören lassen. Dort, wo ich nichts sehen, nichts hören konnte, lag es nicht an Gott – es war meine Abwesenheit, mein Nicht-Hinhören.

So wie in dem Film Der Klang des Herzens beschrieben: Ein kleiner Junge hört überall, wo er ist, Musik und fragt seinen Mentor, ob jeder die Musik hören könne. Sein Mentor verneint und meint: „Die Menschen, sie hören nicht hin!“1

Für mich hatte ein neuer Weg begonnen. Gott lehrte mich hinzuhören, hinzusehen, wahrzunehmen, zu empfangen, zu glauben.

Das neue Erleben war wie das Springen von einer hohen Klippe. Es war überwältigend, erschreckend und wunderschön, denn es ging Hand in Hand mit dem Erkennen, wer ER ist. Wie ER ist. Und das ist erschreckend schön, denn seine Schönheit ist seine Heiligkeit.

So fühlte es sich an, als stünde ich plötzlich in einem anderen Leben. Wie wenn man nach langer Fahrt aus dem Auto steigt und in einer völlig neuen, fremden Gegend ist. Fremd und gleichzeitig vertraut, weil man sich schon lange vorher dorthin gesehnt, Bilder davon gesehen, davon geträumt, etwas davon geahnt hat.

Der Herr, euer Gott, schafft euch Ruhe und wird euch dieses Land geben (Jos 1,13b ZÜR).

Das sagte Gott zu Josua. Und er sprach es zu mir, nach diesem Herzensgebet in der Kleingruppe. Sollten wir vielleicht öfter fragen, welches Land uns Gott geben möchte, um dann in diese Ruhe kommen zu können, die uns darin verheißen ist?

Ich ging in dieses Mitarbeiterwochenende, wo Gott begann, mich sehen, empfangen zu lassen und das Empfangene glauben zu lernen.

Er weckt auf, Morgen für Morgen weckt er mir das Ohr, damit ich höre wie ein Schüler (Jes 50,4b ZÜR).

Früh morgens war ich über Wiesen und Felder gelaufen, hörte Gottes Stimme und erlebte abends, wie es bestätigt wurde. Gott hatte an diesem Tag zu unterschiedlichen Menschen auf unterschiedliche Weise Gleiches gesprochen. Im Nachhinein scheint es mir, als wäre es einfach nur für mich gewesen. Gott vergewisserte mich: Ich rede zu dir, du hörst es – nun kannst du es glaubend empfangen. Gott selbst ermutigte mich darin. An diesem Wochenende stellte ich mir die Frage: „Liebe ich Jesus wirklich von ganzem Herzen? Und wo und wie wird diese Liebe eigentlich sichtbar?“

Mir wurde klar, dass es viel mehr gibt als das, worin ich bisher gelebt hatte. Das Bisherige genügte mir nicht mehr. Ich hatte Hunger nach diesem Mehr und erlebte: In meine Hingabe kann Gott sich hineingeben, kann er Gutes und Neues schenken. Erkenntnis, die bisher nur in meinem Kopf gewesen war, weil ihr das Erleben dazu fehlte, fiel nun ungeschützt in mein Herz. Worte Gottes wurden zu einer Wahrheit, die ich praktisch erlebte. Meine Sehnsucht und meine Unruhe, die wurden nun gestillt bei dem, der sie in mich hineingelegt hatte.

höre hinein

Dieses Hineinschauen, Hineinhören in Gottes Herrlichkeit überwältigt mich auch heute häufig und macht mich schwach, kraftlos. Es tut fast weh. Dahinein höre ich das Wort von Paulus:

Und ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird, bis auf den Tag Christi Jesu (Phil 1,6).

Zuzuhören bedeutet, Jünger zu sein, ihn in mein Leben hineinreden zu lassen. Gott selbst möchte vollenden, was er in uns beginnt, diesen Weg mit uns gehen.

So tauche ich Morgen für Morgen ein in das Wort Gottes, weil ich Sehnsucht danach habe und nur dort die Wahrheit über das Leben finde. Immer wieder bin ich bewegt von der Geschichte Gottes mit den Menschen. Ich lese sie mit ganz neuen Augen – oder besser, mit geöffneten Augen des Herzens. Gottes Geist ist es, der das Wort offenbart, der Neues schenkt. Die Liebe Gottes scheint mir in jedem Vers und Kapitel so greifbar, so sichtbar; seine Leidenschaft, seine Treue und Herrlichkeit.

So ist Gottes Wort mein tägliches Brot geworden. Ich hatte einen solchen Hunger, und er sättigte mich. Doch dieses Sattsein bewirkt nur einen noch größeren Hunger, ein tägliches Suchen. Und er ist ein Geschenk. Es ist Gnade, weil Hunger und Durst mich zu IHM treiben. Eine Freundin sagte die Tage, manchmal merke sie erst beim Trinken, wie sehr sie eigentlich Durst gehabt habe.

Es ist diese tiefe Sehnsucht. Nicht nur die Sehnsucht nach dem Erleben und dem Außergewöhnlichen darin. Es ist die Sehnsucht nach Gott – nach IHM selbst. Nach der Begegnung mit dem Einen, dessen geliebte Tochter ich bin. Er hat mein Herz berührt, und nun brennt es für ihn. Von Anbeginn an hat Gott Sehnsucht in mich hinein gepflanzt, damit ich auf SEINE Sehnsucht nach mir antworte. Diese Sehnsucht Gottes nach dem Menschen zeigte sich bereits am Anfang der Geschichte, als Gott in den Garten ging und fragte:

Wo bist du? (1 Mose 3,9b ZÜR)

Das fragte Gott die Menschen, nachdem sie schuldig geworden waren. Gott suchte sie auf, ging ihnen nach, als sie sich vor Scham versteckten, sich ihm eigentlich entziehen wollten.

Gottes Sehnsucht nach mir ruft meine Sehnsucht nach ihm hervor. Was darf mich abhalten? Was hält mich ab, ihm zu begegnen?

sei von Jesus versorgt

Jesus fragte seine Jünger, nachdem er ihnen am See Tiberias nach seiner Auferstehung begegnete:

Kinder, habt ihr wohl etwas zu essen? Kommt her, frühstückt! (Joh 21,5.12)

Jesus hat alles vorbereitet. Er versorgt sie und lädt sie ein, an den gedeckten Tisch zu kommen.

Hunger und Durst sind die besten Voraussetzungen dafür, uns auf die Suche zu begeben, um ihm mehr Raum in uns, in unserem Leben zur Verfügung zu stellen, weil Hunger und Durst uns immer wieder zur Quelle bringen.

So begann meine Reise mit Sehnsucht, Hunger und Durst nach mehr von Gott – mit der Erkenntnis: Ich habe nicht genug. Ich habe diese ungestillte Sehnsucht nach mehr in mir. Weil ich ihn erlebt und kennengelernt habe wie nie zuvor, weiß ich nun auch, wonach ich mich sehne. Meine Sehnsucht hat nun ein Ziel vor Augen, und ich weiß: Auf dieser Erde wird es nie auf Dauer zur Erfüllung kommen. Doch der Durst meiner Seele, meines Herzens, bringt mich weiterhin Morgen für Morgen in seine Gegenwart.

Man braucht sich um Menschen, die viel Zeit zu Jesu Füßen verbringen, nicht zu sorgen.2

Bis heute ist es für andere oft schwer zu verstehen, warum ich so beharrlich oder eher leidenschaftlich sehr früh morgens aufstehe. Menschen verbinden es immer noch gern mit Disziplin, treu sein zu wollen. Eine Pflichtübung, die Stille Zeit. Doch das ist es nicht. Nur wer die Liebe geschmeckt hat, kann ihre Sehnsucht verstehen, kann verstehen, dass in der Begegnung mit ihm die Fülle verborgen ist und dass diese Verborgenheit mit Gott zu meinem täglichen Brot geworden ist.

Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist …

… sagt Paulus im Römerbrief (Kapitel 5,5). Diese Liebe beginne ich einzuatmen, zutiefst zu glauben. Ich empfange sie vor allem in dieser Zeit in der Verborgenheit. Und so liebe ich die frühen Morgenstunden allein mit Gott. Oft beginnt schon am Abend vorher mein Herz vor Freude darauf schneller zu schlagen. Darin wird meine Sehnsucht sichtbar.

Wenn Jesus in Johannes 7,38 sagt:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen …

… dann ruft er damit etwas ins Leben. Er will mein Leben zu einem Ort werden lassen, von dem aus lebendiges Wasser fließt. Doch zuerst empfange ich selbst dieses lebendige Wasser an diesem verborgenen Ort seiner Gegenwart. In diesem sehr frühen Aufwachen ist eine Verletzlichkeit, die auch heilsam sein kann, in der der Heilige Geist in einer Innigkeit Dinge in mein Leben hineinsprechen kann, was im Alltag oft schwer möglich ist. Was er berührt, wird von seiner Kraft zurechtgebracht. Er will mein Herz reinigen; und immer wieder neu kann ich nur darüber staunen, was er mir Gutes getan hat. Ich lerne, Jesus in all seiner Innigkeit an mich heranzulassen. Diese Innigkeit macht verletzlich, ist aber gleichzeitig heilsam, weil er Salbe auf meine Wunden gibt.

Ich werde dir aus meinem großen Reichtum alles geben, was du brauchst. Nichts kann dich von meiner Liebe trennen.

Noch ahne ich diesen Reichtum nur und trotzdem will ich es im Glauben ergreifen. Empfangen.

Fürchte dich nicht; Abram; ich bin dir ein Schild, ich werde deinen Lohn sehr groß machen(1 Mose 15,1).

Gott offenbarte sich Abraham als großer Preis; Gott selbst war sein Lohn. Sein Reichtum ist seine Gegenwart, seine erlebbare Nähe geworden.

Neigt euer Ohr und kommt zu mir! Hört, und eure Seele wird leben (Jes 55,3).

So wirbt Gott Tag für Tag um unser Herz, denn es ist der Ort der Gottesbegegnung; und Gott möchte seine Gedanken, seine Gefühle dort hineinlegen, damit ich hören, verstehen, folgen lerne. Daraus entspringt das Leben, das mit seinem Geist gefüllt ist, und sein Wort wird mehr und mehr Leben für mich. Es füllt mein Innerstes aus, verwandelt mein Herz und legt seine Wahrheit in mich hinein. So beginnt meine Seele neu zu leben.

An manchen Tagen habe ich beinahe eine Scheu davor, die Bibel aufzuschlagen, aus Angst davor, mit welcher Macht und Gewalt sein Wort in mein Herz treffen wird. Ich liebe seine Worte und erlebe, wie die Bibel in mir zum lebendigen Wort Gottes wird, wenn sie zu meinem Herzen spricht.

begegne ihm

Sei still, spricht Gott an einem Morgen in meine Unruhe, mein Aufgewühltsein hinein.

Sei getrost! Sei unverzagt. In deinen Umständen.

In meiner morgendlichen Begegnung mit Gott, die zu der wertvollsten Zeit des Tages geworden ist, lerne ich: Diese Zeit soll mir nicht dienen. Sie soll mir nicht in erster Linie Antwort geben auf die Frage: Was lerne ich; was bringt es mir für den Alltag? Viel mehr verwandelt sich diese Zeit in einen Raum, der nur für Gott und mich ist. Einen Raum, wo Gott sein und wohnen darf. Dort wird mein Herz mit Vertrauen angereichert. Manchmal, wenn mein Inneres noch mit dem Menschlichen der vergangenen Tage aufgewühlt ist und ich Mühe habe, es loszulassen, fällt es mir schwer, vor Gott zu kommen. Doch ich empfinde: Für Gott ist es ein Zeichen meiner Liebe, wenn ich trotzdem da bin und seiner Gegenwart glaube, darin gewiss bin. Es ist nicht Gott, der nicht da ist, sondern ich bin es, die in diesen Momenten nicht mit dem Herzen dort ist. Meine Liebe zu ihm lässt mich dennoch bleiben, die unsichtbare Wirklichkeit anerkennen und annehmen, dass er immer da ist – auch ohne ein subjektives Gefühl, ohne eine Erfahrung zu haben, ohne mich richtig fühlen zu müssen. So gebe ich mich hin, wie ich bin und erlebe, dass seine Liebe sich mir zeigt, wenn ich an seine Gegenwart glaube; und das Hineingehen in diese Gegenwart macht mich dann gewiss.

Während ich dort Dinge durchdenke, kann Gott meine Gedanken lenken und formen, und ich lerne, mit meinem Herzen hinaufzuschauen. Dabei erkenne ich: Im Schauen, Sehen und Lieben wird mein Herz dem ähnlicher, den ich anschaue, den ich liebe. Das bedeutet Anbetung.

Es ist der Heilige Geist, der mich lehrt, der mich neue Wege führt. Manchmal durch das, was weise Menschen schon durchlebt und geschrieben haben, aber oft auch einfach durch sein geschriebenes oder gesprochenes Wort. Dazu nutzt er meinen Verstand, meine Vorstellungskraft, meine Fähigkeit und Gefühle und macht sie durch das Hören reifer. Aber es braucht immer den Raum und die Zeit dafür.

Manchmal ist mein Herz zerrissen zwischen diesem tiefen Erleben mit Gott – der Gegenwart des Heiligen Geistes, die mir wie nie zuvor greifbar erscheint – und gleichzeitig einem tiefen Schmerz, ein Leiden an der Welt, an ihrer und meiner Gebrochenheit.

Ich erinnere mich, wie Jahre zuvor jemand ein Bild von mir malte. Es war gut geworden – und richtig, denn in meinen Augen stand die Traurigkeit, die zu dieser Zeit in meinem Herzen war. Die Künstlerin war aber nicht zufrieden und versuchte ein zweites Bild. Sie hatte richtig gesehen, hingesehen, konnte es aber nicht aushalten. Warum fliehen wir so oft vor dem Schmerz? Vor dem, was wahr ist? Gerade dort will Jesus hineinkommen.

Die vergangenen Jahre haben mich in mehr Tiefe, Weite und Innigkeit mit Gott geführt, weil es Gottes Sehnsucht ist, uns immer tiefer mit sich zu verbinden. Doch er braucht unser Herz dafür. Ich hatte damals den weisen Rat bekommen: „Mache es wie Maria!“

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort (Lk 1,38).

Und das ist auch heute oft noch mein Gebet und bringt mich manchmal an Orte, an die ich von mir aus niemals gehen würde. Aber genau dort erlebe ich erfülltes Leben.

 

1Vgl. Der Klang des Herzens, Originaltitel: August Rush.

2 Mike Bickle, Nach dem Herzen Gottes, S. 117, 2011.

2 Heimat

weil das beheimatet-sein bei ihm in die wahre berufung führt

Siehe, hier ist ein Platz bei mir, da sollst du dich auf den Felsen stellen (2 Mose 33,21).

Das ist mein Taufspruch und ich beginne neu, nach seiner Bedeutung für mich zu fragen. Wo ist mein Platz bei ihm? Wo ist der feste Fels?

Mit unendlicher Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte (Jer 31,3b).

In den Worten, die Gott zu mir spricht, erlebe ich immer wieder, wie der Himmel offen ist über mir. Diese Worte füllen mein Herz mit so viel Freude und Dankbarkeit. Sie stellen meine Füße in weiten Raum, auf neues Land. Wenn ich das Alte Testament lese, die Propheten, bin ich berührt von der Liebe Gottes, von seinen Verheißungen. Sie schreiben sich in mein Herz.

Von Mose heißt es im Hebräerbrief: „… er hielt sich an den Unsichtbaren, als sähe er ihn.“1

Es scheinen Jahre vergangen zu sein, seit diesem Erlebnis in der einen wichtigen Kleingruppe. Mein Leben erscheint mir so fremd im Vergleich zu früher und gleichzeitig endlich beheimatet. Endlich dort, wohin ich wirklich gehöre.

Eines nur habe ich vom Herrn erbeten, dies eine begehre ich: zu wohnen im Hause des Herrn alle Tage, zu schauen die Freundlichkeit des Herrn und nachzusinnen in seinem Tempel (Ps 27,4 ZÜR).

Herr, ich liebe die Stätte deines Hauses, den Ort, da deine Herrlichkeit wohnt (Ps 26,8 ZÜR).

Nie zuvor habe ich erlebt, was das bedeutet: diesen Ort seiner Herrlichkeit zu begehren und zu lieben; Heimat darin zu finden. Deshalb ist dieses Gefühl der Sehnsucht in mir scheinbar unstillbar; in der Welt tatsächlich unstillbar, weil es nur von dem zu stillen ist, der es in mich hineingelegt hat.

Immer wieder erlebe ich, in Frage gestellt zu werden. Bin ich dabei, weltfremd zu werden? Ja, vielleicht bin ich ein bisschen der Welt entfremdet, mehr beheimatet im Himmel. So spricht eine Freundin davon, ich sei so gehimmelt – also nicht geerdet. Genau das möchte ich sein – gehimmelt! Beheimatet im Himmel und gleichzeitig mit den Füßen noch auf der Erde stehend; anwesend und verfügbar.

Meine Sehnsucht war die tiefe Freundschaft mit Gott gewesen; und nun erlebe ich: Gottes Liebe zu mir und meine Liebe zu ihm bringt diese tiefe Freundschaft hervor. Und diese Freundschaft hat eine Sprache, hat ein Hören und Reden hervorgebracht. Es scheint mir, als lösten sich die Fragen meines Lebens einfach auf. Wenn ich auf ihn schaue, in seiner Nähe bin, erkenne ich, wer ich bin und empfange meinen Wert von IHM; und das hat eine so große Bedeutung und Wahrheit, dass es sich in meinem Herzen verankern möchte. Seine Worte sind es, die mir Heimat geben. Sie verschaffen mir Zugang zu meinem eigenen Herzen und zum Herzen Gottes. Während ich wahrhaftig in die Gegenwart Gottes trete, trete ich auch in die Gegenwart meines eigenen Herzens.

Was Gott sich in seiner Liebe erwählt, dort ist er mit seinem ganzen Herzen. Seine tiefsten Gedanken sind seine leidenschaftlichen Gefühle für uns Menschen. So wird Gottes Herz wie zu einem Wunderland, über das ich immer wieder neu ins Staunen gerate.

vielgeliebt

In einer Nacht träumte ich von meinem schon verstorbenen Vater. Ganz deutlich hält er ein Baby im Arm. Liebevoll in seiner Haltung, seinem Blick. Als ich näherkomme, kommt Unsicherheit in diese Haltung, in das ganze Geschehen, und ich fühle, was ich manchmal als Kind empfunden habe: Er war ein guter Vater, aber er konnte seine Liebe oft nicht so deutlich ausdrücken, wie ich es gebraucht hätte. Und heute nun erlebe ich, dass dieses Bedürfnis von meinem Vater im Himmel gestillt wird, und letztlich auch nur dort wirklich gestillt werden kann. Dankbarkeit und Heilung durchfließen mich.

Eben dieser Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8,1 ZÜR).

Ich bin sein Kind. Ich bin kostbar für ihn!

Im Buch Daniel im Alten Testament wird der Prophet Daniel dreimal angesprochen mit den Worten: „Du vielgeliebter Mensch!“2Was für ein mächtiges Wort – vielgeliebt!

Johannes, ein Augenzeuge, der direkt an Jesu Leben beteiligt war, der von sich als dem Lieblingsjünger Jesu spricht, schreibt:

Wir aber lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1 Joh 4,19).

Gott selbst ist Liebe, und wenn Gott Liebe verschenkt, dann heißt das, dass er sich darin selbst verschenkt. Das ist sein Wesen!

sei verbunden

Jesus sagt in Johannes 15,1: „Ich bin der wahre Weinstock!“

Ich bin, heißt nicht, ich bin wie, sondern ich bin es. Jesus ist der, an dem wir bleiben sollen, wie die Rebe am Weinstock bleiben muss, um ernährt zu werden, um zu wachsen und Frucht bringen zu können. Jesus weiß, wenn wir bei ihm bleiben, angebunden an ihn leben, festhalten, wohnen, dann kann der Heilige Geist unser Herz mit Gottes Gefühlen füllen; mit seinen Worten über uns. Er kann unser Herz mit der Wahrheit über und mit der Wahrheit von Gott berühren, Offenbarung und Erkenntnis schenken, so dass wir mehr und mehr glauben können, was er uns sagt.

Ich erlebe in meinem eigenen, aber auch im Leben anderer: Wir brauchen immer wieder wirkliche Offenbarung in unserem Herzen darüber, wie sehr wir geliebt sind und was das für unser Leben bedeutet. Was diese Liebe in unserem Leben tun und sein möchte. Dabei geht es nicht um Lehre, um Verstehen, sondern um etwas, das tiefer geht: ein Erkennen und auch ein Erleben, weil wir Wahrheiten oft leichter über das Erleben erkennen können. Das ist das Prinzip der Erlebnispädagogik.

So lerne ich mehr und mehr: Wenn mein Glaube die innige Gemeinschaft mit Gott ist, ein Verbundensein, ein Angebundensein an ihn, dann ist dieser Glaube getragen vom Empfangen. Es geht nicht um Antworten, sondern um das, was Gott schenkt, so wie im Bild des Weinstocks und der Rebe. Die Rebe wird versorgt und ernährt, wenn sie bleibt. Sie empfängt alles dafür von dem Weinstock, an dem sie hängt. Lebenserhaltendes Wasser gibt es nur in der direkten, beständigen Anbindung.