Pfaffenmilch II - Markus Enders - E-Book

Pfaffenmilch II E-Book

Markus Enders

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Beschreibung

Wahre Erlebnisse aus dem Alltag eines homosexuellen Organisten, der viel zu oft auf verkorkste Priester stieß Das klerikale Fiasko geht weiter. Wie auch in seinem ersten Buch beschreibt Markus Enders in Pfaffenmilch II lebendig und humorvoll Anekdoten aus seinem bewegten Leben sowie kleine und große Erlebnisse mit dem katholischen Klerus. Er nimmt den Leser mit in seine Welt und lässt ihn wundern oder Tränen lachen. Das Leben schreibt die besten Geschichten und der Autor braucht bei seinen Erzählungen über Priester und weltliche Bekanntschaften seine rege Phantasie (fast) nicht mehr zu bemühen. Dieses Buch ist eine Anregung für uns alle, uns auch in andere Menschen hineinzuversetzen und zu überlegen, ob wir tatsächlich immer menschlich bzw. christlich handeln oder vielleicht doch unsere Einstellung hier und dort überdenken sollten.

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Widmung

Zu meinem neuen Buch fiel es mir in Bezug auf die Widmung nicht schwer, eine Entscheidung zu treffen.

Eine der wundervollsten Frauengestalten in Rheinhessen, mit der ich ausschließlich tolle Begegnungen und Erlebnisse hatte, Margot Schmid, fiel mir diesbezüglich sofort ein.

Dir liebe Margot, die Du nun schon Deinen zweiten Todestag hattest, möchte ich mein Buch „Pfaffenmilch II“ widmen! Ich erlaube mir auch, die eine oder andere Anekdote über ein paar nette Begebenheiten zu erwähnen. Mit Dir war jede Begegnung wie ein großartiges Fest und unsere Unternehmungen waren voller Freude, so dass ich noch Wochen davon zehren konnte.

Du bist viel zu früh von uns gegangen und hast uns am Tag Deiner Beisetzung den schönsten Sonnenuntergang am Himmel über Rheinhessen gezaubert, den ich je gesehen habe. Mir und vielen anderen bleibst Du unvergessen im Herzen! Auf Wiedersehen!

Monzernheim in Rheinhessen, am Fest des Heiligen Sebastian 2020

Markus Enders

Inhalt

Einleitung

In Pfaffenmilch I hatte ich begonnen, Konflikte mit den kirchlichen Autoritäten in meinem Bereich als Kirchenorganist wiederzugeben und die dadurch für mich entstandenen Probleme aufzuzeigen. Es ging außerdem um Missbrauch durch einen Kaplan in meiner Kindheit und viele verkorkste Priester, auf die ich bei meiner Suche nach einer „Vaterersatz-Person“ immer wieder gestoßen bin.

Oma Klara tauchte in Pfaffenmilch I ebenso immer wieder auf, da sie stets eine große Rolle in meinem Leben eingenommen hat – und dies über den Tod hinaus.

Viele Fragen nach meinem Werdegang in der Zeit nach Salzburg und seit der Rückkehr in die alte, neue Heimat Rheinhessen, sowie weitere illustre Persönlichkeiten, die ich in der Zwischenzeit kennengelernt habe, bewegten mich dazu, eine Fortsetzung aufzuschreiben.

Wer Skandale erwartet, der sollte besser bei der Bildzeitung oder ähnlichem bleiben, aber was ich hier schildere sind, wie zuvor in Teil I, auch alles wahre Begebenheiten. Ich betone dies, da man mir im engeren Bekannten- und Freundeskreis oft vorgeworfen hatte, ich hätte eine blühende Phantasie! Es beruht alles auf Tatsachen und auch in Teil II bleibe ich bei der Wahrheit, ohne direkt jemandem auf den Schlips treten zu wollen, denn das tun sich die meisten der benannten Priester schon selbst. Meine vielgerühmte blühende Phantasie habe ich nur bei der neuen Namensgebung meiner Protagonisten walten lassen.

Hatte ich in Teil I noch gehofft, so manches kirchliches Ärgernis schon in Bälde aus dem Weg geräumt zu haben, so scheint alles wieder in weitere Ferne gerückt zu sein; zumindest, was mein Kindheitserlebnis anbelangt. Also werde ich in den kommenden 10 Jahren wohl auch einen Teil III schreiben müssen, egal was geschieht.

Ich wünsche trotzdem allen Lesern viel Spaß bei den Anekdoten, die vielfach etwas sexistisch klingen, aber das ist eben ein Thema, an dem keiner vorbei kommt, egal ob mit oder ohne rotem Kopf!

Markus P. Enders

Autor und Protagonist

Vorwort 1

Ich kenne Markus aus Marzoll, Obb. Damals hatte ich eine Reitbeteiligung an einem Pferd im Stall neben seiner Wohnung. Immer wieder denke ich gerne an die Sonntagvormittage zurück, an denen ich zuerst einen Ausritt unternahm und dann gemütlich mit Markus bei einer Flasche Sekt saß. Wir haben meist sehr viel miteinander gelacht, und auch oft über Gott und die Welt diskutiert.

Die Frohnatur, die bei Markus selbst in Problemsituationen immer die Oberhand behält, hat mich von Anfang an beeindruckt.

An Markus schätze ich außerdem sehr, dass er die von seinen Ansichten abweichenden Meinungen immer achtet, denn es gab und gibt natürlich immer wieder Themen, bei denen wir nicht den gleichen Standpunkt vertreten. Diese Situationen sind meiner Meinung nach besonders im Freundeskreis sehr wichtig und auch lehrreich. Denn dadurch beschäftigt jede/ r sich auch einmal mit der anderen Seite und hört sich diese an. Dabei kann jede Partei etwas dazu lernen. Es kommt auch vor, dass eine/r ohne genug Hintergrundwissen eine falsche Position eingenommen hat und diese dann revidiert.

Es ist schade, dass Markus so weit weg lebt, aber ich freue mich immer wieder über unsere Telefonate, die im Regelfall unsere Lachmuskeln kräftig trainieren. Ich wünsche ihm die Erfüllung seiner großen Lebenswünsche und dass er immer der fröhliche Mensch bleibt, der er ist.

Daniela Brotsack

Lektorin von Pfaffenmilch I + II

Vorwort 2

Gerne bin ich bereit, für dieses Buch ein Vorwort zu schreiben. Markus habe ich vor etwa zwei Jahren kennengelernt. Seither darf ich seinen Weg begleiten und mich an einem authentischen und ehrlichen Menschen immer wieder freuen. Richtig neugierig wurde ich auf sein zweites Buch. In einer klaren, jedem verständlichen Sprache, entführen uns seine Anekdoten und Begegnungen in Welten, die den meisten von uns verschlossen sind. Wer sonst könnte uns die Tür in klerikale Kreise, dabei gleichzeitig, die Tür ins Sexkino öffnen?

Auch gewährt dieses Buch einen Einblick in seine eigene Persönlichkeit. Angekommen bei sich selbst steht er zu dem, was er ist: Ein schwuler Christ, Organist, der gleichzeitig ein Sexkino leitet. Ein Widerspruch? Nein!!! Eine Ergänzung in einem individuellen, authentischen, ehrlichen Leben. Vom Schubladendenken befreite Menschen, die die Vielfältigkeit der Individuen schätzen, können nur begeistert sein. Genauso begeistert seine Art, in der er seine erlebten Anekdoten, aus den beiden Welten, offenherzig und ehrlich erzählt. Trotz all dieser Leichtigkeit im Schreiben empfindet man auch die erlebten Verletzungen.

Warum werden authentische Individuen verletzt? Weil man neidisch ist, dass sie den Mut haben und ihre Authentizität leben? Steckt dahinter der Frust, der Neid, der Wunsch, genauso frei zu sein? Auf jeden Fall regt das Buch zum Nachdenken an. Und im besten Falle hilft die Erkenntnis heraus aus den eigenen Zwängen des angepassten Lebens. Es kann auch eine Tür sein, den Mut zur eigenen Individualität zu finden.

Renate Weldi

Autorin & Freundin

Vorwort 3

Glücklich sein, das ist ein Gut, das alle suchen, aber wenige finden es. Doch was ist Glück überhaupt? Beobachtet man Naturvölker, erkennt man, Glück ist unabhängig vom Lebensstandard, unabhängig von offenen Wünschen, unabhängig vom Partner. Glück bedeutet wohl im Jetzt bei sich angekommen zu sein. Zu wissen, wer bin ich, und dazu zu stehen und es zu leben. In unserer Zeit, in der die Gesellschaft den Angepassten huldigt, bedeutet es aber auch, unangepasst zu sein. Glücklich sein bedeutet damit, die eigene, mir gegebene Individualität zu leben. Was unterscheidet ein wertvolles Gemälde, ein Kunstwerk vom Rest? Was unterscheidet das Gemälde von Drucken und vielfach hergestellten Bildern? Es ist einmalig. Dadurch ist es auffällig und besonders. Dabei ist es jedem überlassen es zu mögen, oder auch nicht. Das mindert aber nicht den Wert. Als ein solches Gemälde, Individuum erlebt man Markus in seinen Anekdoten und Erzählungen. Ein tiefgläubiger Christ, der trotz vieler Verletzungen an seinem Glauben festhält. Ein schwuler Organist, der gleichzeitig ein Sexkino leitet. Dieses Buch zeigt mit viel Humor die daraus entstehenden Begegnungen und Situationen, Enttäuschungen, aber auch Verletzungen. Was ist es, was uns das Buch lehrt? Mutig zu sein, das eigene Wesen zu leben, den Mut zu haben, unangepasst zu sein. Gelebte Individualität ist erfrischend und authentische Menschen sind zu beneiden. Jedem Leser wünsche ich dazu einen offenen Geist, die Entdeckung seiner eigenen Veranlagung, und den Mut, sie zu leben. Und ich danke Markus dafür, dass er die Kraft hat, er selbst zu sein. Das macht ihn interessant und liebenswert. Das Buch nimmt einen heraus aus dem gewohnten und schenkt einen Ausflug in das Besondere.

Verbeia

Medium & Freundin

Wendepunkt

Wie alles im Leben zwei Seiten hat und eine Spirale jemanden im negativen Sinne nach unten befördern kann, so kommt man oft durch die Vorsehung an einen Punkt, an dem Handeln angesagt ist.

Sie Spirale nach unten war an diesem Punkt angelangt und die Vorsehung wollte mir eine Lösung aus der Misere offenbaren. Schließlich bat ich ja auch immer wieder unsere liebe Frau und meine lieben Heiligen um Rat und Hilfe. Pfaffenmilch I war seit September 2010 veröffentlicht und viele Freunde, Verwandte und sonstige Neugierige fragten immer wieder, was nun aus mir werden würde. Die Existenz als Handelsvertreter war durch die in Pfaffenmilch I bereits geschilderten Ereignisse an die Wand gefahren und die ca. 6 Monate andauernde Depression hatte ja auch die Erlebnisse aus der Kindheit wieder zu Tage gebracht.

In den Tagen der hochheiligen Weihnachtszeit telefonierte ich mit meiner ältesten Schwester, die schon in jungen Jahren immer eine mütterliche und freundschaftliche Seite mir gegenüber hegte. Nachdem sie mir offenbarte, dass ich für das Folgejahr mehrere Termine für Familienfeiern einplanen solle, kam es wie ein Blitz: Ich ziehe wieder in die alte Heimat Rheinhessen! Dieser Funke, der mit einer großen Freude des Herzens verbunden war, löste eine Wende aus, wie ich sie vorher kaum erlebte.

Einem Umzug in die alte Heimat stand nun nichts mehr im Wege – außer der Frage, von was ich da leben solle. Via Internet suchte ich eine passende Arbeitsstelle als Bürokaufmann, denn das war ja mein einst erlernter Beruf. Nach kurzer Zeit kamen die ersten Vorstellungsgespräche in der alten Heimat und ein fixes Jobangebot.

Die Kündigung der Wohnung in einem vierhundert Jahre altem Bauernhaus in Marzoll Obb. fiel mir nicht leicht, da ich mich dort sehr wohl und geborgen gefühlt hatte. Den Blick von der Südterrasse hinauf zum Schloss, der Kirche und dem dahinter aufragenden Massiv des Untersbergs, würde ich zwar nachtrauern, aber die Neugierde, wo in Rheinhessen ich landen würde, war viel größer.

Mein alter Heimatort Freimersheim hatte zu diesem Zeitpunkt keine adäquate Altbauwohnung für mich zu bieten. Das alte Pfarrhaus, in dem ich einst sieben Jahre lang wohnte, war ebenfalls vermietet. Ein Anruf eines alten Klassenkameraden gab die neue Richtung an. Er sagte: „Ei du Doller, sag doch was, Du kansch mei Heisje in Monzerem miete!“ Ganz überrascht von diesem Angebot, welches ich natürlich gleich annahm, konnte ich weitere Schritte einleiten und die Vorsehung meinte es echt mehr als gut mit mir.

Im April 2011 kam der Aufbruch. Die Wohnung in Marzoll übergeben, die Umzugsfirma vollbeladen, stand alles bereit für die Fahrt nach Monzernheim, dem höchstgelegenen Dorf im Wonnegau. Ein Dorf, das romantisch eingesäumt ist von wundervollen Weinbergen und Ausblicke bietet vom Odenwald bis hinauf über Frankfurt zum Taunus hin.

Mein großer Wunsch, dass in meiner Nähe auch wieder eine Kirche sein sollte, wurde auch erfüllt. Im Dorf steht eine fast tausend Jahre alte, ehemalige Wallfahrtskirche St. Alban, die seit 1705 den Namen des neuen Patrons, des Heiligen Johannes Baptist, trägt. Sie steht 100 Meter vom Haus entfernt, also gleich um die Ecke, auf einem ehemaligen, befestigten Friedhof, so wie ich es aus meinem Heimatdorf Freimersheim auch kannte.

Der Einzug ins Haus verlief reibungslos. Nur einen Tag später wäre dieser im Chaos verlaufen, denn da wurde die Straße für viele Wochen wegen Bauarbeiten gesperrt. Glück gehabt! Viel Liebe zum Detail hatte das Haus durch meinen Schulkameraden bereits innen zu einem Schmuckstück gemacht und er ließ es sich nicht nehmen, auch die Außenfassade dementsprechend herrichten zu lassen. Meine kreative Ader und meine Leidenschaft für alte Dinge und Figuren, ließen dann im Laufe kürzester Zeit auch den Bereich des Hofes als einen romantischen, leicht elsässisch anmutenden Hof erscheinen.

Irgendwie seltsam, dass ausgerechnet eine Sandsteinstatue des Heiligen Sebastian in meinem Hof Einzug hielt, wo ich doch in der St. Sebastianskirche zu Salzburg meinen beginnenden Niedergang erfuhr. An ihm hatte ich dennoch immer festgehalten und jetzt war er wieder „fester“ Bestandteil in meinem Umfeld geworden. Ich konnte jedenfalls sagen: Ich bin wieder da, ich bin wieder angekommen im Wohlbekannten, das es doch galt, neu zu entdecken und zu lieben.

Der Hl. Sebastian

Trotz Austritt – Neuer Organistenvertrag

Ein ganz besonderer Geistlicher war bei meiner Rückkunft Pfarrer in meinem Heimatort Freimersheim. Nachdem er mit mir ein Gespräch führte, um herauszufinden, wie ich eigentlich so ticke und er merkte, dass ich keinerlei Gefahr für die Gemeinde darstellte, konnte er mir mitteilen, dass er sich dafür im bischöflichen Ordinariat einsetzt, dass ich für die wieder aufgenommenen Organistendienste auch wieder einen Vertrag bekommen solle.

Die Tatsache, dass ich die Versöhnung mit der Kirche durch einen baldigen Wiedereintritt in dieselbige kundtat, wurde von ihm positiv gewertet und er machte auch keinerlei Druck in dieser Sache. Dafür machten er und seine Sekretärin Druck, dass der Vertrag für mich baldigst zur Unterschrift vorlag. Allerdings konnte ich nicht lange mit diesem Geistlichen zusammenwirken, da er bereits vorhatte, in den Schuldienst zu wechseln.

Dieser nette, sehr spirituelle Priester hatte im vergangenen Sommer sogar den Mut, in seiner Predigt auf meine Person und die Diskrepanzen mit der Kirche, sowie meine Arbeit als Leiter eines Pornokinos einzugehen. Zunächst zu meinem Schrecken, als er meinen Namen erwähnte, denn ich fiel fast vom Orgelbock. Inhalt des sonntäglichen Evangeliums war kurzgesagt: „die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten werden die Ersten sein“. Er meinte hierzu, ebenso kurz zitiert: Er kenne 1. Keinen so guten Organisten 2. Keinen, der auch noch dazu so fromm sei und 3. Der trotz der Streitigkeiten mit der Kirche und so manchen Anfeindungen wegen seiner Homosexualität und Arbeit im Pornokino, immer noch an Gott und der Kirche festhält. Des Weiteren prangerte er die Scheinheiligkeit im Kirchenvolk, aber auch bei den Geistlichen an. Viele Gläubige und ich selbst an der Orgel auch, hatten Tränen der Rührung in den Augen und es folgte zwar etwas verhalten, aber dennoch ein Applaus.

Ein wirklich guter Priester, der kein gutes Verhältnis zur Verwaltung hat, aber das sollte in diesem Beruf, der ja schließlich eine Berufung voraussetzt, auch nicht das Wichtigste sein. Um so ärgerlicher, dass die Priester heutzutage auch noch kaum ihre seelsorglichen Pflichten erfüllen können, da der kirchliche Verwaltungsapparat ihnen einfach kaum Zeit dafür gibt. Die Seelsorge ist überall dermaßen ausgedorrt, dass erschreckender Weise schon an hohen Feiertagen nicht mehr in allen Kirchen das Heilige Opfer dargebracht wird.