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Die »Philosophie der Gefühle« dient dem Verständnis der Liebe anhand der Bedeutung von Gefühlen auf der Basis universeller Gesetze, insbesondere das Gesetz der Polarität und das Gesetz von Ursache und Wirkung. Nichts im Leben ist Zufall – oder alles wäre Zufall. Doch die Existenz der Liebe ist niemals ein Zufall, genauso wie kein einziges Gefühl jemals zufällig ist. Gefühle fallen dem Menschen zu. Alles im Leben dreht sich um Gefühle. Der Mensch sehnt sich nach bestimmten Gefühlen. Nicht wenige will er vermeiden, andere wiederum will er unbedingt festhalten. Wer seine Gefühle verstehen statt loslassen, abreagieren, unterdrücken oder verdrängen will, der wird in diesem Buch seine Antworten finden. Die »Philosophie der Gefühle« beschreibt die heilsame Notwendigkeit, in der Wahrheit von Gefühlen »zu denken«, statt zwanghaft positiv denken oder gut sein zu wollen. Es geht um die bewusste Vereinigung von Polaritäten und gegensätzlichen Gefühlen. Die Ausgleichung des Gegensätzlichen in uns selbst ist der Zugang zu bewusstem inneren Frieden und allumfassender Liebe. Gefühle sind weder weiblich, noch ist unser Denken männlich. Die Wahrheit des Herzens unterliegt keinem geschlechtlichen Prinzip. Die bewusste Erfahrung aller Gefühle führt unsere bewusste Wandlung im Herzen durch. Der Weg der Seelenheilung ist der Weg der Ganzwerdung über die Wahrheit und die Integration aller Gefühle. Das ist der Weg des Bewusstseins. Heilung von Gefühlen braucht zuerst Heilung im Bewusstsein. Was wir nicht verstehen, das können wir weder heilen noch bewusst integrieren. Wie könnte ein Mensch seine Erfahrungen jemals wahrhaft verarbeiten oder in sich heilen, wenn seine Heilung keine Wahrheit erfährt? Gefühle sind die Heilung für viele Krankheiten, denn sie sind nicht zufällig die Sprache der Seele. Sie sind der Wesenskern, der Schlüssel zur Liebe, die wir im innersten Kern sind.
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Seitenzahl: 325
Veröffentlichungsjahr: 2016
Klaus Eibach
Philosophie der Gefühle Eine Kontemplation der Liebe und des Mitgefühls
Klaus Eibach
Eine Kontemplation der Liebe und des Mitgefühls
© tao.de in J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld
1. Auflage 2016
Autor: Klaus Eibach Lektorat: Ina Kleinod Satz: Sebastian Bähr Umschlag: Jan Ateet Frankl Illustration: Shivananda Ackermann
Verlag: tao.de in J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld,www.tao.de, E-Mail: [email protected]
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-96051-104-5 (Paperback) 978-3-96051-105-2 (Hardcover) 978-3-96051-106-9 (E-Book)
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Solange das Licht als Magnet das Schauen anzieht, bleibt jedes erblickte Detail ein Stück des Ganzen. Solange das Licht wirkt, ist jedes kristallisierte Gefühl zutiefst universal. Solange das Licht den Buchstaben formt, ist er kompatibel mit allem. Es ist das Licht, nicht das Wort, welches das Leben beschreibt.
Das Leben in seiner ursprünglichen Beschaffenheit in Worte zu kleiden, das haben schon viele versucht. Unzählige Seiten Papier sind beschrieben worden, um sich selbst oder anderen begreiflich zu machen, was grundsätzlich darüber zu begreifen wäre – jedenfalls hat es den Menschen von jeher beflügelt, das Fluidum des Lebendigen jenseits der Auseinandersetzung mit Gut und Böse zu kristallisieren, per Symbol und Schrift, in einer unendlichen Fülle von Bildern, Metaphern und Analogien. Doch so sehr auch alles getrieben ist, im ständigen Fortlauf der Zeit und des stets sich vollziehenden Wandelns aller Erscheinungen den Augenblick einzufangen und zu halten, rinnt er davon wie Wasser. Im wildesten Weltengewühl wie in der absoluten Stille hat der Mensch nie aufgehört, verstehen zu wollen, was das ist: Leben.
Allein die Geneigtheit, sich den Konservierungen des geistigen Besten vom Besten der großen Denker, Dichter und Philosophen aus allen Jahrhunderten und Jahrtausenden zuzuwenden, um wenigstens die Chance zu haben, einen winzigen Faden des großen Gewebes der Welten zu packen zu kriegen, lässt darauf schließen, dass es schier unmöglich sein muss, als Einzelner jemals einen Blick darauf werfen zu können – nicht mal in einen einzigen Nu. Die Kürze eines Lebens, und vor allem das sichere Gefühl dieser Kürze, erlaubt es der menschlichen Spezies niemals, das Mehr, welches ohne Gnade endlos und ewig über sie hinausreicht, wirklich an sich zu nehmen. Alles, was das eigene Leben vermag, ist, sich in dieses Mehr hineinzugeben und einzufügen, ohne es jemals ganz zu durchschauen. Darin liegen Tragik wie Faszination, das Erschauern genauso wie die Erhabenheit. Und so sehr wir es auch wollen: Das Leben erschließt sich nicht in der Fixierung, in keinem einzigen Wort, in keiner einzigen Farbe und in keinem einzigen Gefühl, es sei denn wir sind bereit, durch uns selbst dem Strömen stattzugeben, welches ohne Anfang und ohne Ende atmet.
Es stellt sich nicht die Frage, ob es uns jemals gelingt, das Ultimative zu erreichen. Vielmehr kann ein Mensch diesem Strömen nur gerecht werden, indem er selbst das Gefäß bildet, in dem dieser Strom sich frei und ungehindert bewegt, ohne zu einem Abschluss zu kommen. Das Erhaschen von Augenblicken friert diese Bewegung unmittelbar ein. Daher ist jede noch so wundervolle Momentaufnahme letztlich eine Simulation dessen, was wirklich ist: Es ist.
Philosophische und Mysterienschulen haben sich zu allen Zeiten überall auf der Welt als solche Gefäße benommen. Ihre Konzentration auf das tiefere Geheimnis hinter allem hat eine üppige Fülle an Weisheiten und Ansätzen hervorgebracht, welche in ihrer Universalität beeindrucken und ganze Kulturen inspirieren. Aber sie haben auch das einzelne Leben dieser Forschung gewidmet und in die jeweilige Praxis verpflichtet. Das normale Leben außerhalb dieser Einhegungen muss sich daher anders beweisen und zurechtfinden. Und es gibt so viele Konzepte dafür, wie es Menschen gibt. Es ist weiß Gott nicht leicht, darüber zu schreiben, ohne auf den Wahnsinn der Komplexität zu sprechen zu kommen, der uns alle umgibt. Die exorbitante Reichweite unserer globalen Wahrnehmung und Teilhabe verbietet es fast, irgendetwas vereinfachen oder herunterbrechen zu wollen, wie ein Wissenschaftler es tut, wenn er durch ein Mikroskop schaut. Doch ob Ratio oder Medium: Jenseits aller Weltbilder und Lebensarten haben wir es immer nur mit einem zu tun: mit Gefühlen!
Wenn wir ehrlich sind, könnten wir unsere strebende Bewegung – ich nenne sie der Einfachheit halber »Gottessehnsucht« – nicht ausführen, wenn wir nicht fühlten. Es liegt daher nahe, wenn es uns schon nicht geschenkt ist, das Leben umfassend und konsistent zu erfassen, es doch wenigstens in all seinen Facetten zu durchfühlen, um es auf diese Weise zu erfahren und zu durchdringen. Selbst die großen literarischen Architekturen, wie beispielsweise das Tao Te King, die Bergpredigt, der Sohar oder die Bhagavad Gita, bilden in ihrer unvergleichlich exakten Schönheit – und trotz ihrer Unantastbarkeit – in ihrer Anwendung »bloß« eine Einladung, selbst anwesend zu sein, persönlich zu erscheinen. Hohe Texte sind »bloß« das Entrée – das Portal oder Tor –, durch das wir ausschließlich in den Tempel unserer Gefühle gerufen werden. Sie sind das Material, aus dem wir als Mensch und Seele gemacht sind. Sie sind der Grund, warum wir hier sind. Es ist zwecklos, ihnen ausweichend sich auf den Geist oder Körper oder beides zu versteifen, nur weil gerade sie – die Gefühle – so unerträglich flüchtig sind. Sich ihnen ganz zuzuwenden, ist eine Herausforderung und Gnade zugleich. Doch nirgend sonst finden wir, was wir so sehnlich suchen: das Leben selbst …
Die »Philosophie der Gefühle« von Klaus Eibach maßt sich nicht an, eine vollständige Arbeit im Sinne des Besprochenen zu sein. Eher macht sie den Eindruck, das Leben wie ein Blatt zwischen beiden Händen unaufhörlich zu wenden, von rechts nach links, immer wieder. Die Lektüre mutet an wie der Blick durch ein Kaleidoskop, das mit immer denselben bunten Splittern immer neue Bilder schöpft, wenn es vor dem wachsamen Auge Stück für Stück gedreht wird. Alles, was es dafür braucht, ist das Licht. Sie ist eine unabsehbar lange Schnur, auf die die Seele in Form tausender kleiner Perlen gefädelt wurde – fast so wie ein Rosenkranz oder eine Mala – Zeile für Zeile ein Gebet. Es ist selten, dass von einem Text gesagt werden kann, er sei eine begnadete Bewegung, die »vom Hundertstel zum Tausendstel führt« – so treffsicher scheint diese Idee, eine aphoristische Textform selbst zum Abbild des Nichtbeschreibbaren zu machen: das Leben als Rhythmus der Zeilen. Der Leser kann eintauchen, wo immer er gerade landet – ohne Chronologie und Navigator. Er trifft stets direkt hinein ins lebendige Herz. Gäbe es eine Bühne dafür, wäre es ein Stück ohne Auftakt und Schlussakkord, denn es beginnt und endet mittendrin. Für den Pilger ist es ein Weg ohne Start und Ziel, ohne zu einem Ausschnitt zu degradieren. Es erschöpft sich selbst. Für den findigen Geist mag es deshalb sogar verlockend sein, die letzte Zeile direkt wieder vor den Anfang zu setzen – reichte das Leben dafür aus, diese durchgängig zu meditieren.
Ina Kleinod
Sie hatte mich ereilt, wie sie viele Menschen – ungeachtet ihrer Herkunft, Intelligenz, gesellschaftlichen Stellung und ihres Ansehens – unvorhersehbar und plötzlich ins »Aus« stürzt: die Lebenskrise. Von einem Tag auf den anderen war alles anders geworden. Nichts konnte wiederherstellen, was ich nun verloren und zu bedauern hatte. Mein Blick in die Zukunft war in einem einzigen Augenblick leer – und blieb leer. Viele Jahre lebte ich dann sehr zurückgezogen. Ich hatte keine Wahl: Ich erfuhr die Gefühle der Machtlosigkeit, der Wahllosigkeit, der Kraftlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit, der Perspektivlosigkeit, der Ausweglosigkeit, der Verzweiflung, der Unerträglichkeit in allem … Allein ging ich durch Panik- und Angstattacken, Depressionen und Wahnvorstellungen. Ich erfuhr qualvolle und schmerzhafte Gefühle, denen ich mich nicht entziehen konnte. Meine Gefühle legten mich lahm und beherrschten mich vollständig.
Ohne dass ich mich zuvor mit meinem Karma oder überhaupt einer Karmalehre beschäftigt hatte, fing ich plötzlich an, von alten Leben zu träumen. Die Gefühle aus diesen Träumen beherrschten mich dann auch am Tag. Ich erfuhr die Bedeutung von Karma anhand von Gefühlen – Tag und Nacht erlebte ich die Macht der Seele, die sich mir auf eine Art und Weise offenbarte, dass ich weder weglaufen noch wegschauen konnte. Mein Verstand hatte keine Macht mehr über mein Herz, und so erlebte ich die wahre Macht meiner Seele als eine zwingende und unwiderrufliche Schau auf das Erkennen und die Bedeutung von Gefühlen.
Die Sehnsucht fiel mir zu. Gefühle fielen mir zu. Vor allem die, die ich nicht wollte, aber zu meiner Ganzwerdung brauchte. In den vielen dunklen Jahren meines Lebens hat mich meine Sehnsucht nach Verstehen, Vertrauen und Heilung angetrieben. Der Weg ins Licht führte mich schließlich besonders durch die bewusste Erfahrung der Schatten. Und ich erkannte, dass alles, was ich an Gefühlen erfahren hatte, einem höheren Zweck dienen sollte: der Liebe selbst!
Die »Philosophie der Gefühle« dient dem Verständnis der Liebe anhand der Bedeutung von Gefühlen auf der Basis universeller Gesetze, insbesondere das Gesetz der Polarität und das Gesetz von Ursache und Wirkung. Nichts im Leben ist Zufall – oder alles wäre Zufall. Doch die Existenz der Liebe ist niemals ein Zufall, genauso wie kein einziges Gefühl jemals zufällig ist. Unser ganzes Leben dreht sich um das Erstreben, Vermeiden und Festhalten von Liebe und Gefühlen. Schon allein diese Wahrnehmung deutet darauf hin: Die allumfassende Liebe ist der Sinn des Lebens, der hinter allem steht. Und diese Liebe erfährt sich durch die Gesamtheit aller Gefühle, die wir haben – die, die wir wollen, und auch die, die wir nicht wollen. Es klingt paradox, aber nur die Gesamtheit aller Gefühle ist: Liebe.
Wer seine Gefühle verstehen statt loslassen, abreagieren, unterdrücken oder verdrängen will, der wird in der »Philosophie der Gefühle« seine Antworten finden. Der Mensch erfährt sich nur über die Wahrheit seiner Gefühle, denn durch sie kann er sich selbst verstehen. Alles im Leben dreht sich um Gefühle. Der Mensch sehnt sich nach bestimmten Gefühlen. Nicht wenige will er vermeiden, andere wiederum will er unbedingt festhalten. Doch alle Gefühle sind existent und nicht zufällig. Sie sind der Ausdruck des Herzens und die Weisheit der Seele – die Sprache der Liebe, die verstanden und gelehrt werden will. Liebe ist unsere eigentliche Aufgabe. Ohne sie haben wir keine Orientierung. Sie navigiert unser Herz.
Der Weg des Herzens beschreibt die bewusste Vereinigung von Polaritäten und gegensätzlichen Gefühlen. Die Ausgleichung des Gegensätzlichen in uns selbst ist der Zugang zu bewusstem inneren Frieden und allumfassender Liebe. Sie ist die höchste Wahrheit in uns. Sie soll uns dienen, uns und andere zu erkennen und Mitgefühl zu erfahren. Mitgefühl ist die fühlende Erkenntnis der Liebe, die an die bewusste Erfahrung und das Verständnis von Gefühlen anknüpft. Das tiefere Verständnis der Liebe ist unser menschlicher Entwicklungsweg in der Evolution.
Die »Philosophie der Gefühle« beschreibt die heilsame Notwendigkeit, in der Wahrheit der Gefühle »zu denken«, statt zwanghaft positiv denken oder gut sein zu wollen. Dann finden wir die Erfahrung des bewussten und heilsamen Einklangs von Herz und Verstand. Unsere Gefühle sind weder weiblich, noch ist unser Denken männlich. Die Wahrheit unseres Herzens unterliegt keinem geschlechtlichen Prinzip. Auch das tiefere Verständnis von Gefühlen ist weder typisch weiblich noch typisch männlich. Der Einklang von Herz und Verstand hat kein Geschlecht. Erkenntnisfähigkeit, Intuition und Inspiration haben ebenso kein Geschlecht wie die allumfassende Liebe selbst.
Die bewusste Erfahrung aller Gefühle führt unsere bewusste Wandlung im Herzen durch. Wenn wir mit dem Herzen sehen, dann sehen wir mit der Wahrheit unserer Gefühle durch die Sehnsucht unseres menschlichen Herzens. Um das eigene Herz wirklich zu erfüllen, müssen wir unsere eigenen Gefühle verstehen. Wir sehnen uns nicht zufällig nach einem tieferen Verständnis, denn diese Sehnsucht knüpft an unsere seelische Wahrheit an, nach der wir im Grunde suchen. Der Weg der Seelenheilung ist der Weg der Ganzwerdung über die Wahrheit und die Integration aller Gefühle. Das ist der Weg des Bewusstseins. Heilung von Gefühlen braucht zuerst Heilung im Bewusstsein. Was wir nicht verstehen, das können wir weder heilen noch bewusst integrieren. Wie könnte ein Mensch seine Erfahrungen jemals wahrhaft verarbeiten oder in sich heilen, wenn seine Heilung keine Wahrheit erfährt? Gefühle sind die Heilung für viele Krankheiten, denn sie sind nicht zufällig die Sprache der Seele. Sie sind der Wesenskern, der Schlüssel zur Liebe, die wir im innersten Kern sind. Unsere wahre Seele beginnt dort zu erscheinen, wo die Macht des Verstandes aufhört und die des Herzens hervortritt. Nach nichts sonst haben wir uns jemals wirklich gesehnt.
Viele Menschen glauben, die Angst sei der Antrieb des Menschen. Bis der Mensch in sich erkennt, dass ihn die Sehnsucht nach Freude leitet.
Wer hat Sehnsucht nach Freude? Wer hat Sehnsucht nach Angst?
Angst treibt unbewusste Menschen an, bis sie ihrer Sehnsucht nach Freude bewusst folgen.
Die Sehnsucht des Menschen ist auf das Erreichen des Positiven ausgerichtet, die Angst auf die Vermeidung des Negativen.
Was der Mensch vermeiden will, das will er meist nicht aus Freude, sondern aus Angst vermeiden.
Die Angst ist der ständige Gegenspieler der Freude.
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Die Freude am Positiven ist die Angst vor dem Negativen.
Das Negative lehnt der Mensch ab, aber das Positive mag er, weil er sich danach sehnt.
Wer negative Energien oder negative Menschen ablehnt, der ist voller Ablehnung.
Wer sich vor Negativität schützen muss, der ist zwanghaft und ängstlich, nicht aber erfüllt von allumfassender Liebe.
Wer sich das Negative positiv denkt, der verkehrt die Wahrheit. So entsteht Verkehrung.
Was sich negativ anfühlt, das kann nicht positiv sein.
Das Negative will nicht positiv gedacht werden, wenn es in Wahrheit verstanden werden will.
Das Negative hat Sinn, wie das Positive Sinn hat.
Der wahre Sinn ist der Weg, der aus dem Wahnsinn herausführt.
Jeder trägt die Wahrheit in sich, auch die Wahrheit der Gefühle.
Wahre Gefühle kann der Mensch nicht steuern.
Er kann Gefühle wahrnehmen, und dann kann er über sie nachdenken.
Gefühle sind immer schneller, als der Mensch über sie nachdenken kann.
Gefühle leiten den Menschen, auch wenn der Mensch glaubt, er könne Gefühle leiten oder kontrollieren.
Wie könnte der Mensch etwas kontrollieren, was er nicht wahrhaft versteht?
Auch die Sehnsucht kontrolliert der Mensch nicht – Sehnsucht ist.
Der Mensch sehnt sich immer nach dem Gefühl, welches er gerade vermisst. Das ist das Wesen der Sehnsucht.
Was der Mensch hat, danach sehnt er sich nicht.
Was er gefunden hat, das sucht er nicht.
Die Suche hat ihren Sinn, wie die Sehnsucht ihren Sinn hat.
Wie könnte das Leben einen wahren Sinn haben, wenn die Sehnsucht keinen hätte?
Die Sehnsucht ist das Muttergefühl des Menschen.
Sehnsucht ist weder weiblich noch männlich.
Kein Gefühl hat ein Geschlecht.
Fühlen ist weder weiblich noch ist Denken männlich. Fühlen ist.
Die Wahrheit der Sehnsucht kann jeder in sich erkennen, weil jeder die Wahrheit aller Gefühle in sich trägt. Insofern ist der Mensch vollkommen.
Das ist die Ganzheit des Menschen, nach der er nicht streben, die er aber in sich erfahren kann.
Gefühle sind vollständig. Die Liebe ist vollkommen.
Von der Sehnsucht gibt es keinen Entzug, weil sich der Mensch seiner Sehnsucht nicht entziehen kann.
Er kann seine Gefühle nicht zerstören, aber Gefühle können bewirken, dass er sich selbst hasst und zerstört. Das ist die Macht des Gefühls.
Seinen Hass steuert der Mensch nicht, schon gar nicht ohne die Quelle oder den Sinn seines Hasses zu kennen.
Wer keinen Hass erfahren hat, der kennt die unkontrollierbare Energie des Hasses nicht.
Gefühle sind Energien.
Die Heilung von Hass ist an das Verstehen des Hasses gebunden.
Was könnte ein Mensch in Wahrheit heilen, solange er Heilung nicht versteht?
Ohne Verständnis hat Heilung keine Wahrheit und kein Bewusstsein.
Gefühle sind Wahrheit.
So, wie der Mensch sich fühlt, so ist er wahr, weil er sich anders gar nicht fühlen kann.
Wahre Gefühle folgen nicht der Einstellung, sondern der Wahrheit des Menschen.
Wer meint, Gefühle folgen seiner Einstellung, der hat die Freude im Verstand statt im Herzen.
Gefühle lassen sich nicht einstellen oder programmieren, sonst könnte sich der Mensch auf reine Freude programmieren.
Wer will schon Angst statt reiner Freude in seinem Leben haben?
Wer keine wahre Freude in sich hat, der kann sie sich weder denken noch kaufen.
Die Wahrheit ist nicht käuflich. Sie ist – die Wahrheit des Gefühls.
Positives Denken ändert nichts an der Wahrheit eines negativen Gefühls, es sei denn, der Mensch will sich betrügen.
Anders zu denken, bedeutet nicht, zugleich auch anders zu fühlen.
Was die Wahrheit des Gefühls ist, kann der Mensch sich nicht anders denken.
Anders zu denken, bedeutet auch nicht, anders zu sein.
Wer sein Gefühl versteht, der versteht und braucht er nicht mehr anders zu denken.
Der Mensch denkt immer so, wie er denken kann.
Zu glauben, ein Mensch hätte anders denken können oder gar anders denken müssen, entbehrt jeder wahren Möglichkeit des Menschen.
Was gegenwärtig ist, kann gegenwärtig nicht anders sein.
Wer sein Gefühl versteht, der erkennt, dass er es wahrnehmen, nicht aber verändern kann.
Die Wahrnehmung existiert, lange bevor der Mensch sich wahrnimmt.
Der Mensch ist alles, was er wahrnimmt. Also ist seine Wahrnehmung seine Wahrheit und eine andere kann er nicht haben.
Wer die Wahrnehmung des anderen nicht achtet, der ist sich der Wahrheit seiner eigenen Wahrnehmung nicht bewusst.
Siehe, was der andere für sich wahrnimmt. Das bedeutet, ihn wahrzunehmen.
Andere in ihrer jeweiligen Wahrnehmung zu achten, bedeutet Achtung.
Hierzu muss der Mensch seine eigene Wahrnehmung verstehen und achten.
Was der Mensch sieht, ist das, was er wahrnehmen kann.
Was er fühlt, ist das, was er fühlen kann.
Gefühle geschehen und leiten den Menschen zur rechten Zeit.
Deshalb bedeutet, seiner inneren Führung zu vertrauen auch, der eigenen Wahrheit zu vertrauen. Es ist das Vertrauen in die eigenen Gefühle.
Auch den Gefühlen zu vertrauen, die der Mensch nicht mag oder die ihm zutiefst verhasst sind.
Der Mensch muss seine Gefühle verstehen, sonst hat sein Vertrauen kein Bewusstsein.
Wer seinen Gefühlen nicht vertraut, der kann kein Selbstvertrauen haben.
Kann der Mensch, wenn er der Wahrheit seiner Gefühle nicht vertraut, den Gefühlen anderer vertrauen?
Wie wahr ist Selbstvertrauen ohne Wahrheit und ohne Kenntnis des eigenen Selbst?
Selbstvertrauen ohne Wahrheit ist Selbstbetrug.
Dem Selbstbetrug kann das Selbstvertrauen folgen.
Um Vertrauen zu erfahren, muss der Mensch Vertrauen suchen, aber er wird es nur dann suchen, wenn er es vermisst.
Vertrauen erfährt sich durch seine Abwesenheit.
Ohne Misstrauen kann Vertrauen überhaupt nicht erfahren werden.
Wo Misstrauen ist, da ist zunächst kein Vertrauen.
Wer der Existenz des Misstrauens vertrauen kann, der erfährt Vertrauen.
Wo Zweifel und Misstrauen den Menschen unbewusst beherrschen, da kann kein bewusstes Vertrauen sein.
Wer sich bewusst in seinem Misstrauen und seinen Zweifeln erfährt, der wird bewusst.
Mal erfährt sich der Mensch im Misstrauen, mal im Vertrauen – bis er erkennt, dass Misstrauen immer wieder die Voraussetzung für die Erfahrung neuen Vertrauens ist.
Die Fülle bewusst erfahrenen Misstrauens ist die wahre Fülle des Vertrauens.
Vertrauen ist ein Weg. Es ist die Reise in das Vertrauen.
Der Mensch, der Wachstum sucht, dessen Vertrauen kann werden.
Vertrauen wird zum bewussten Seelenanteil eigener Selbstverwirklichung.
Dies erfordert die bewusste Integration von Misstrauen, Angst und Unwahrheit.
Wer dem Misstrauen, der Angst und der Unwahrheit in der Tiefe vertraut, der hat tiefes Vertrauen.
Die Existenz der Unwahrheit will integriert werden, denn ohne Unwahrheit lässt sich Wahrheit nicht erfahren.
Der Wahrheit kann der Mensch vertrauen, wenn er denn eine Wahrheit hat.
Der Mensch vertraut denen, denen er vertrauen soll, und er misstraut denen, denen er misstrauen soll.
Wer sich nach Vertrauen sehnt, der findet es in sich.
Vertrauen zu haben, bedeutet Selbstvertrauen.
Der Wahrheit kann der Mensch vertrauen – der Unwahrheit auch, wenn er sie denn versteht.
Jeder Mensch hat die Wahrheit seiner Perspektive.
Alle Perspektiven sind in ihrer Subjektivität wahr.
Selbst die Lüge desjenigen, der lügt, ist wahr, weil Lügen Teil der Wahrheit sind.
Wer süchtig nach Wahrheit ist, der ist abhängig, so abhängig wie derjenige, der die Sucht zum Lügen hat.
Die Wahrheit kann sich nur immer wieder neu durch die Unwahrheit erfahren.
Liebe ist Wahrheit, die sich auch durch die Unwahrheit erfährt.
Gefühle sind Wahrheit, weil sich der Mensch nur so fühlen kann, wie er sich fühlt.
Der Mensch kann alles fühlen, wenn er sich denn seine Gefühle bewusst macht. Das bedeutet, bewusst zu werden.
Bewusst kann derjenige werden, der sich unbewusst erfahren hat.
Der Mensch bestimmt nicht den Zeitpunkt seiner Bewusstwerdung oder seines Erwachens.
Er hat keine Kontrolle über das Unbewusste, denn das Unbewusste ist ihm nicht bewusst.
Das Unbewusste macht dem Menschen Angst, solange er die Kontrolle mag und den Kontrollverlust fürchtet.
Kontrolle ist etwas Schönes, es sei denn, der Mensch lehnt die Kontrolle ab, denn dann wird er sich noch in der Tiefe des Kontrollverlustes erfahren.
Wenn der Mensch außer Kontrolle gerät, dann gerät er aus dem Gleichgewicht.
Das Gleichgewicht kontrolliert er nicht, sonst würde er ja nicht außer Kontrolle geraten.
Kontrolle kann nur der suchen, der die Kontrolle verloren hat.
Die Liebe verliert niemals die Kontrolle, weil sie auch die Kontrolllosigkeit ist.
Sucht ist eine Erfahrung von Kontrolllosigkeit.
Der Mensch steuert seine Sucht nicht – bis er sie steuert, dann ist er nicht mehr abhängig.
In der Abhängigkeit ist keine Unabhängigkeit – so wie in der Unfreiwilligkeit keine Freiwilligkeit ist.
Viele Menschen sind abhängig von der Treue ihres Partners. Da ist keine Unabhängigkeit.
Sie meinen, Treue sei ein Beweis von Liebe und Loyalität sei ein Beweis von Freundschaft.
Menschen wollen sich beweisen.
Sie suchen Beweise, weil sie sich sicher fühlen wollen.
Doch Sicherheit ist der fortlaufende Beweis von Unsicherheit.
Einem Beweis zu vertrauen ist leicht, aber seinen Zweifeln zu vertrauen, bedeutet wahres Vertrauen.
Der Untreue zu vertrauen, bedeutet, in sich heil zu sein.
Treue erfährt sich immer wieder neu durch Untreue und Verrat.
Wer den Verrat bewusst auf sich nimmt, der kennt die Wahrheit der Treue.
Wer dem anderen treulos in den Rücken fällt, der verrät ihn.
Wer sich verraten fühlt, der kennt das Gefühl des Verrats.
Menschen sehnen sich nach loyaler Unterstützung statt nach Verrat.
Die Ablehnung von Illoyalität erfährt sich durch die Freude an der Loyalität.
Der Angst vor dem Verrat steht die Freude an der Treue gegenüber.
Geheimnisse erfahren sich dadurch, dass das Geheimnis mal bewahrt, mal verraten wird.
Verrat, Illoyalität und Untreue können Menschen ein Leben lang seelisch quälen.
Jeder Schatten ist in seiner Tiefe schmerzhaft, solange sich der Mensch nach dem Gegenteil sehnt.
Die bewusste und fühlbare Integration eines jeden Schattens ist der Weg zur Heilung.
Was der Mensch nicht sein will, ist der Schatten dessen, was er sein will.
Wenn ein Mensch sich in Treue erfahren will, dann braucht er die Untreue als Spiegel.
Niemand sehnt sich zufällig nach Treue oder Loyalität, und niemand erfährt sich zufällig im Verrat als Schatten der Treue.
Niemand sehnt sich zufällig nach etwas, weil Sehnsucht kein Zufall ist, sondern sie fällt dem Menschen zu.
Sehnsucht nach Treue hat derjenige, der Treue vermisst oder Angst vor Untreue hat.
Eifersucht kann ihre Ursache in der tiefen Angst vor Untreue oder Verrat haben.
Den Schmerz erfahrener Untreue kann der Mensch in sich heilen, wenn er erkennt, dass er Erfahrungen mit Treue und Untreue gewählt hat, um in wahrer Liebe zu wachsen.
Die Angst vor der Untreue ist die Freude an der Treue.
Doch Treue macht dann keine Freude, wenn sie nicht der Wahrheit des eigenen Gefühls entspricht.
Wer seinem Gefühl nicht treu ist, der hat die Treue im Verstand und nicht im Herzen.
Je stärker das Gefühl dem Verstand widerspricht, desto unglaubwürdiger wird der Mensch.
Emotionale Integrität ist die Treue zur Wahrheit des eigenen Gefühls.
Der Mensch ist dann integer und wahr, wenn er sich so fühlen darf, wie er sich fühlt.
Davor haben viele Menschen Angst. Dann ist Angst ihre Wahrheit.
Wer sich wahr in seiner Angst zeigt, der ist integer.
Wer seine Tränen zeigt und sich ihrer schämt, der ist integer in der Scham seiner Tränen.
Tränen der Scham kommen aus der Angst.
Die Meisterschaft emotionaler Loyalität liegt in der Achtung des eigenen Gefühls.
Damit findet der Mensch die Loyalität in sich, nicht in dem anderen.
Wenn Menschen überlegen, wie sie sich fühlen dürfen, dann entfernen sie sich von der Wahrheit ihres Gefühls.
Wer sich fragt, ob er Gefühle zeigen darf, denkt darüber nach, ob er wahr sein darf.
Wer die Wahrheit des Gefühls scheut, der hat Angst. Dann ist Angst die Wahrheit.
Wer die Wahrheit des Gefühls nicht will, der hat ein Problem mit der Wahrheit.
Wer den anderen verändern will, der will ein Gefühl nicht wieder erfahren, welches er durch die Veränderung des anderen zu vermeiden hofft.
Ein Gefühl, welches der Mensch nicht will, erfährt sich auf der Gegenseite durch das Gefühl, welches er will.
Der Mensch wird »in Gefühlen denken« müssen, wenn er erkennen will, welche Gefühle ihn wahrhaftig leiten.
»In Gefühlen zu denken«, ist die bewusste Verbindung von Herz und Verstand.
Wer über seine Gefühle nicht nachdenkt, der denkt über seine Wahrheit nicht nach.
Wer gegen sein Gefühl handelt, der lebt im Missklang von Herz und Verstand.
Widerwille ist der Ausdruck dessen, was der Mensch gegen seinen Willen tut. Widerfühlend handelt der Mensch im Missklang mit seinem Gefühl.
Dem Missklang kann der Einklang folgen.
Mal folgt der Mensch seinen Gefühlen, mal nicht.
Mal erfährt sich der Mensch in der Akzeptanz, mal in der Ablehnung seiner Gefühle.
Viele Menschen haben Angst, zu ihrem Gefühl zu stehen – dementsprechend stehen sie zu den Gefühlen des anderen.
»Seinen Gefühlen treu zu sein«, bedeutet zuweilen, dem anderen nicht treu sein zu können.
Will der Mensch ständig dem anderen treu sein, dann bedeutet es mitunter, sich selbst nicht treu zu sein.
Wer seine Gefühle treu achtet, der kann die Wahrheit des anderen treu achten.
Treue kann einen Menschen quälen, der sich in Untreue erfahren soll, deshalb erkennt er, dass er beides ist, obwohl er doch unbedingt treu sein will.
Das Wollen erfährt sich durch das, was der Mensch nicht will – immer und immer wieder.
Wer keine Liebe für die Existenz der Untreue hat, dem mangelt es an Liebe für das, was polar bedingt zur Treue existieren muss.
Auch die Einsamkeit muss existieren.
Viele haben Angst vor Einsamkeit und Verlassenheit.
Menschen fordern Treue, weil sie sich weder einsam noch verlassen erfahren wollen.
Jeder kann sich nur so erfahren: gemeinsam und einsam, verbunden und getrennt.
Wer sich von seiner Partnerin/seinem Partner trennt, der erfährt viel Ablehnung in einer Gesellschaft, die Trennung verurteilt, verteufelt oder gar bestraft.
Ablehnung ist teuflisch, da der Mensch nicht abgelehnt, sondern angenommen werden will.
Zu dem Schmerz der Trennung kommt dann noch der Schmerz der Ablehnung dazu.
Manche Gefühle lassen in ihrer Wahrheit nur die Trennung zu.
Menschen werden krank, wenn sie nicht der Wahrheit ihres Gefühls folgen.
Sie werden chronisch krank, wenn sie dauerhaft gegen ihr Gefühl handeln.
Unwahrheit macht krank, wenn der Mensch eine Wahrheit hat.
Angst macht Menschen krank, wenn sie den Sinn ihrer Angst nicht verstehen.
Wer seine Ängste ignoriert, der ignoriert die Wahrheit seines Gefühls. Angst kann Menschen wahnsinnig machen.
Gefühle können Menschen wahnsinnig machen – bis der Mensch sie versteht, denn dann hat seine Sehnsucht nach Verstehen einen Sinn.
Das Verstehen von Gefühlen ist der Weg aus dem Wahnsinn der Gefühle.
Gefühle sind nicht irrational, es sei denn, der Mensch glaubt, sie seien irrational.
Gefühle sind die Sprache der Liebe und die Weisheit der Seele.
Der Mensch ist in seinem Herzen unwahr, solange er nicht der Wahrheit seines Gefühls folgt, denn dann spaltet er sich von der Wahrheit seines Gefühls ab.
Wer der Wahrheit seines Gefühls nicht folgt, wird eine gespaltene oder zerrissene Persönlichkeit.
Der Weg in den Einklang des Gefühls ist der Weg aus der inneren Zerrissenheit.
Innere Zerrissenheit ist ein Gefühl – so, wie Klarheit ein Gefühl ist.
Wer innerlich zerrissen oder hin- und hergerissen ist, der kann sich nicht klar entscheiden.
Innere Zerrissenheit ist die Qual der Unklarheit, in der ein Mensch seine tiefe Sehnsucht nach Klarheit erfährt.
Wenn das Gefühl klar ist, dann ist der Mensch nicht mehr innerlich zerrissen.
Klarheit steuert der Mensch nicht, denn er würde immer klar sein wollen – ist es aber nicht.
Wer innere Zerrissenheit nicht bewusst erfahren hat, der tut sich schwer im Umgang mit Zerrissenheit und Unklarheit.
In seiner Zerrissenheit hat der Mensch keine klare Orientierung, es sei denn, er orientiert sich bewusst an seiner Zerrissenheit.
In der Zerrissenheit ist weder Klarheit noch Sicherheit.
Wer den Schmerz der Zerrissenheit erlöst, der kennt sowohl die Quelle der Klarheit als auch die Quelle der völligen Verwirrtheit.
Gefühle der Verwirrung und Unklarheit kann der Mensch nicht von sich aus aufgeben.
Wer will sich schon verwirrt erfahren?
Es sind oftmals Gefühle, die Menschen verwirren.
Im Gefühlschaos herrschen verwirrende Gefühle, aber keine klaren Gefühle. Nach einem Gefühlschaos kann Ordnung neu erfahren werden.
Ordnung geschieht – sowie Chaos.
Jedes Streben nach Ordnung endet im Chaos, damit der Mensch sich immer wieder neu in Ordnung und Klarheit erfahren kann.
Klaren Gefühlen kann der Mensch bewusst folgen, oder er kann sie ignorieren.
Dann erfährt er sich wahlweise in der Ignoranz oder in der Achtung seines Gefühls.
Wer Gefühle wirtschaftlich betrachtet, der spricht davon, Gefühle zu investieren, statt ihnen bewusst zu folgen.
Wer sich in seinen Gefühlen annimmt, der kann den anderen bewusst in seinen Gefühlen annehmen, auch wenn diese den eigenen zuwiderlaufen.
Viele lehnen im anderen genau die Gefühle ab, die sie selbst nicht wollen.
Doch Ablehnung muss existieren.
Wer mit Ablehnung nicht klarkommt, der fürchtet den Schmerz der Ablehnung.
Die Tiefe der Enttäuschung, die mit Ablehnung einhergeht, ist die Freude an der Zuneigung.
Die Angst vor Ablehnung ist der Schatten der Freude an der Zuneigung.
Menschen sind süchtig nach Zuneigung und brauchen die Erfahrung von Ablehnung, um Zuneigung erfahren zu können.
Die Erfahrung von Ablehnung ist im Umkehrschluss die Erfahrung von Zuneigung.
Wer das Wesen von Ablehnung und Zuneigung in sich vereint, der ist heil.
Wer ohne Ablehnung und gänzlich tolerant sein will, der ist es nicht, weil er es ja erst noch sein will.
Wer nichts ablehnen will, der lehnt die Existenz der Ablehnung gänzlich ab und ist dabei voller Ablehnung.
Wen der Mensch ablehnt, liegt in der Wahrheit des Gefühls – aber auch, wem er zugeneigt ist.
Der Mensch muss nicht alle mögen, sonst wäre Zwang sein Antrieb, nicht aber Wahrheit.
Mögen entspricht genauso der Wahrheit eines Gefühls wie Nicht-Mögen.
Sympathie existiert, weil der Schatten Antipathie existiert.
Beides ist wahr, auch wenn sich die Wahrheit verändern kann. Gefühle verändern sich.
Oftmals schlägt anfängliche Begeisterung in erlahmendes Interesse um.
So kann der Mensch erkennen, dass er nicht der Schöpfer seines Interesses ist.
Interesse ist ein Gefühl, genauso wie Begeisterung.
Begeisterung ist im Herzen fühlbar.
Interesse erfährt sich immer wieder neu, weil der Mensch mal interessiert, mal desinteressiert ist.
Der Mensch steuert weder sein Interesse noch seine Begeisterung.
Wenn er sich für nichts mehr begeistern kann, dann kann er das Gefühl der Begeisterung nicht mit dem Verstand herstellen.
Er ist begeistert oder nicht. Er ist interessiert, bis er nicht mehr interessiert ist.
Mal ist er mehr, mal weniger interessiert, mal völlig gleichgültig.
Was kann der Mensch für die Existenz der Gleichgültigkeit?
Gleichgültigkeit ist – wie wahre Anteilnahme – ein Gefühl. Auch Interesse ist ein Gefühl.
Wer Interesse heuchelt, der erfährt sich als Heuchler.
Wer nur so tut, als wäre ihm jemand gleichgültig, der betrügt sich selbst.
Wenn Menschen Gefühle heucheln, dann haben sie Angst vor einer Ablehnung der Wahrheit ihres Gefühls.
Ablehnung kann der Mensch nicht wirklich mögen, wenn er Freude an der Zuneigung hat.
Ablehnung ist ein Gefühl, welches der Mensch bis in die Tiefen seines Seins hasst, wenn er sich bewusst nach Zuneigung sehnt.
Bewusst erfahrener Hass auf die Ablehnung ist die innige Geburt der Zuneigung.
Das innigste Gefühl der Zuneigung ist das der Liebe selbst.
Durch denjenigen, den der Mensch ablehnt, erfährt er auch denjenigen, den er mag.
Das Gefühl der Ablehnung ist so schmerzhaft, wie Zuneigung Freude bereiten kann.
Das Fühlen tiefen Schmerzes erfahrener Ablehnung ist das bewusste Entstehen des Gefühls der Zuneigung.
Wenn sich alle Menschen von einem abgewendet haben, dann können sich alle zuwenden. Dadurch kann der Mensch ein Maximum an Zuwendung bewusst erfahren.
Der Mensch muss in der Tiefe sterben, um heil oder ganz zu werden.
Der Schatten muss sich zeigen, damit das Licht erfahren werden kann.
Der Mensch stirbt den qualvollen Tod eines Schattens, um das Gegenteil bewusst wahrnehmen zu können. Er muss es fühlen.
Im Maximum der Ablehnung beginnt der Mensch das Maximum der Freude an Zuneigung bewusst zu erfahren.
Je mehr Ablehnung der Mensch bewusst erfahren hat, desto mehr Zuneigung kann er spüren.
Wer im Frieden mit der Existenz des Gegensatzes von Ablehnung und Zuneigung ist, der geht gelassen mit seinen Erfahrungen von Ablehnung um, weil Ablehnung existieren muss.
Das ist die Gelassenheit des Eins-Seins, die der bewussten Erkenntnis aller Polaritäten folgt.
Um gelassen zu sein, muss der Mensch die Wahrheit der Polaritäten in sich vereinen.
Er muss – ist die gleichzeitige Erfahrung dessen, was er nicht muss.
Vereinigung ist der Weg der Heilung durch Ganzwerdung.
Heil ist der Mensch, der alles in sich vereint, auch das Unheil.
Das Heilbare erfährt sich durch das Unheilbare so, wie sich das Heil durch das Unheil erfährt.
In allem, was der Mensch ablehnt, ist er unheil.
Viele Gefühle lehnt der Mensch ab.
Dabei braucht er jedes Gefühl für sein Mitgefühl, sonst wäre sein Mitgefühl unvollständig.
Mitgefühl wächst durch die bewusste Erfahrung von Gefühlen.
Gefühle sind die Aufgaben des Menschen.
Gefühle sind die Aufgaben der Liebe, die sich ohne Gefühle nicht erfahren lässt.
Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, wenn er seine Aufgaben wahrhaft versteht, sonst hat sein Wachstum keine Wahrheit.
Liebe ist die Aufgabe, wenn Liebe die Wahrheit des Menschen ist.
Um Liebe zu verstehen, muss er seine Gefühle verstehen.
Was wäre der Mensch ohne die Erfahrung von Gefühlen? Ein gefühlloses, liebloses Wesen.
Schmerzhafte Gefühle will der Mensch nicht. Negative Gefühle will er nicht. Ängste will er nicht.
Deshalb liebt der Mensch die Kontrolle.
Er will Gefühle kontrollieren, um bestimmte Gefühle in seinem Leben zu vermeiden.
Er will das vermeiden, was unangenehm ist. Das unangenehme Gefühl will er vermeiden.
Doch wie könnte ein Mensch Gefühle kontrollieren oder vermeiden, solange er sie in ihrer Entstehung und Bedeutung nicht versteht?
Dann kontrolliert er sein Unverständnis.
Hat der Mensch die Macht über seine Gefühle?
Wie könnte er die Macht haben, solange Gefühle schneller sind, als er über sie nachdenken kann?
Wer seine Gefühle beobachtet, der erkennt, dass Gefühle bewusst erfahren werden wollen.
Gefühle wollen erlebt, durchdrungen, durchlebt und durchliebt werden.
Gefühle wollen eingelöst und dadurch erlöst werden. Dann ist die Liebe die Erlösung.
In der Tiefe eines jeden Gefühls erfährt sich die Wahrheit des Gefühls.
In der Tiefe hat der Mensch keine Kontrolle über sich, keine Kontrolle über die tiefen Abgründe seiner Gefühle.
In seine Schatten wird der Mensch hineingeführt – so wie ins Licht. Menschen glauben, einen freien Willen zu haben.
Doch welches Gefühl kann ein Mensch wirklich frei wählen?
Der Mensch glaubt an Kontrolle, bis er die Kontrolle, sein Gleichgewicht, seine Haltung, seine Fassung, den Überblick oder alles verliert.
Wollen Gefühle Kontrolle oder wollen Gefühle verstanden werden?
Was macht Sinn?
Wer den Sinn von Gefühlen erforscht, der hat in sich selbst zu forschen. Der Mensch kann nur über Gefühle sprechen, die er selbst erfahren hat.
Ein Gefühl, welches er nicht kennt, fehlt seiner Erkenntnis.
Mitgefühl ist die fühlende Erkenntnis der Liebe.
Wer Schmetterlinge im Bauch nicht kennt, der kann über Schmetterlinge im Bauch nicht reden. Er kann sie auch nicht herbeizaubern.
Wer sich nie auf den ersten Blick verliebt hat, der kennt die Unmittelbarkeit des Verliebens nicht.
Wer Jähzorn nicht erfahren hat, der kennt die aufsteigende Energie des Jähzorns nicht.
Wer nie außer sich vor Wut war, der kennt die gewaltige Macht der Wut nicht.
Wer nie eine Angst- oder Panikattacke hatte, der weiß nicht, wie es ist, wenn die Angst gänzlich von ihm Besitz ergreift.
Wer die Angst vor der Angst nicht erfahren hat, der hat keine Vorstellung von ihr.
Wer Willenlosigkeit nicht erfahren hat, der kennt die Unfreiheit des Willens nicht.
Wer Machtlosigkeit nicht erfahren hat, der kennt die Wahrheit der Ohnmacht nicht.
Wer Hoffnungslosigkeit nicht erfahren hat, der kennt den Nullpunkt der Hoffnung nicht.
Wer Antriebslosigkeit nicht erfahren hat, der kann antriebslose Menschen nicht verstehen.
Wer die Leere nicht kennt, der kann das Nichts nicht beschreiben.
Wer noch nie einen Menschen verloren hat, der kennt den Schmerz der Trauer nicht.
Und so braucht der Mensch die Erfahrung eines jeden Gefühls, um sich bewusst fühlen und dadurch erkennen zu können.
Es ist die Weisheit der Liebe, die sich durch die Wahrheit der Gefühle erfährt.
Die Wahrheit der Gefühlsforschung folgt der Wahrheit eigener Erkenntnis.
Gefühlsforschung ist Seelenforschung.
Gefühle sind nicht zufällig die Sprache der Seele.
Über seine Gefühle ist der Mensch ständig mit seiner Seele verbunden.
Das ist die innere Verbundenheit, die der Mensch erkennen, aber niemals selbst aufgeben kann.
Der Mensch wird ständig über Gefühle geführt, auch über solche, die er nicht will und die er zu vermeiden versucht.
Gefühle haben in Wahrheit die Macht, und damit hat die Seele die Macht.
Wenn Gefühle den Menschen beherrschen, dann beherrscht er sie nicht.
Impulsivität und Emotionalität drücken die Macht des Gefühls aus, die der Mensch zu kontrollieren versucht.
Wer der Quelle seiner Gefühle vertraut, der wird Gefühle nicht kontrollieren wollen, sondern ihnen bewusst folgen.
Die Fülle aller Gefühle erfährt sich hierbei durch ihr jeweiliges Gegengefühl.
Gefühllosigkeit ist das Gegenteil bewussten Mitgefühls.
Erfahrungen der Gefühllosigkeit steuert der Mensch nicht.
In der Tiefe bewusst erfahrener Gefühllosigkeit wird die Wahrheit aller Gefühle geboren.
Der Mensch, der Erfüllung sucht, der sucht die Fülle der Liebe, die durch Gefühle erfahrbar wird.
In welchen Gefühlen sich ein Mensch jeweils erfährt, das bestimmt er nicht selbst – es ist Teil seiner Bestimmung.
Ob das Leben eine Bestimmung hat, kann der Mensch über seine Gefühle herausfinden.
Jeder Mensch hat ein Gefühlskarma, welches sich nicht zufällig über bestimmte Gefühlsmuster erfährt.
Subjektive Gefühlsmuster oder Erfahrungen kann der Mensch nicht loslassen, weil er sie für seine Erkenntnis braucht.
Wie kann ein Mensch die Erfahrungen in seinem Leben wahrhaftig verarbeiten, solange er den Sinn seiner Erfahrungen nicht wirklich versteht? Er betrügt sich selbst.
Noch reden Menschen davon, Erfahrungen zu verarbeiten, anstatt Erfahrungen zu verstehen.
Tieferes Verständnis ist der Weg der Evolution.
Will das Leben, will die Liebe verstanden werden?
Wollen Gefühle verstanden werden?
Gefühle sind der Schlüssel zum Verständnis des Lebens.
Jede Erfahrung des Menschen hat mit Gefühlen zu tun.
Menschen streben immer nach dem Gefühl, welches sie am meisten vermissen und wonach sie sich am meisten sehnen.
Bestimmte Gefühle wollen sie möglichst vermeiden, andere wiederum dauerhaft festhalten.
Das ganze Leben dreht sich um das Erstreben, Vermeiden und Festhalten von Gefühlen.
Welche Gefühle der Mensch will, erfährt er parallel immer wieder durch das, was er nicht will.
Was er nicht will, ist zugleich auch immer die Erfahrung dessen, was er will.
Das Gefühl, welches ihm gerade fehlt, kann er suchen.
Der Mensch wird immer das Gefühl suchen, welches ihm zum vermeintlichen Glücklichsein fehlt.
Durch das fehlende Gefühl erfährt sich das jeweils vorhandene Gefühl, durch die Veränderung erfährt sich der Status quo.
