Pierre und Monique - Florian Richter - E-Book

Pierre und Monique E-Book

Florian Richter

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Beschreibung

Was haben ein Serienmörder und eine Polizistin gemeinsam? Am Anfang nur eine Bank in der Nähe des Eiffelturms, auf der sie heimlich Liebespaare verfluchen. Noch ahnen sie nicht, auf welche Art und Weise sie das Leben miteinander verstricken wird, und wie die Liebe sie zusammenführen wird. Als Pierre flüchtet, um seine große Liebe zu schützen, glaubt er sich und Monique in Sicherheit. Doch Jahre später findet sie ihn und ihre Liebe flammt erneut auf, obwohl die Polizistin ihn zurück nach Paris bringen soll, um sich für seine Taten zu verantworten. Eine Kurzgeschichte über die Stärke der Liebe und die Abgründe des Seins. Emotional, gefühlvoll, mitreißend. Mit den überraschenden Wörtern einer Leserchallenge.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Epilog

KAPITEL 1

Und da saß er nun, hier oben auf dem gemauerten Fenstersims des alten Hexenturms in Rheinbach, der einst Teil der massiven Stadtmauer war. Von hier oben starrte er in die Schwärze der Nacht, die in diesem Teil der Stadt nur spärlich von einigen Straßenlaternen mit ihrem kalten LED-Licht beleuchtet wurde. Er liebte diesen Ort, seitdem er den steinernen Turm das erste Mal entdeckt hatte. Mehrmals war er hier Gast bei diversen Veranstaltung, um auszukundschaften, wie es ihm gelingen konnte, den Turm für sich zu haben. Doch es hatte Jahre gedauert, bis es ihm gelang sich einen Schlüssel nachzumachen, ohne dass es irgendjemandem auffiel. Klar musste er immer aufpassen, dass man ihn nicht doch bei seinen heimlichen Besuchen entdeckte, weswegen er diesen Ort meistens erst mitten in der Nacht aufsuchte, doch dann konnte er die Ruhe der Nacht genießen, die nur gelegentlich von Autogeräuschen oder den Gesprächen von den wenigen Nachtschwärmern durchbrochen wurde. Für ihn selbst waren es Glücksmomente, die ihn an eine andere Zeit in seinem Leben erinnerten. Eine Zeit, die wie die Stadt jetzt im Dunkeln lag und so langsam verblassten seine Erinnerungen daran, verschwanden in einem dichten, wabernden Nebel, der sich nur selten lichtete.

Er versuchte, sich an sein früheres Leben zu erinnern. Damals als man ihm ganz dicht auf den Fersen war und er aus Paris flüchten musste und das nur, weil ihm ein einziger, entscheidender Fehler unterlaufen war. Monique!

Der Gedanke an sie löste so viele, tiefsitzende Gefühle in ihm aus und so zupfte er erstmal seine Hose zurecht, wobei er aufpassen musste, dass er nicht das Gleichgewicht verlor und mit einem lautlosen Schrei auf dem Erdreich aufschlug. Noch jetzt spürte er ihre Fingernägel, die sie in ihrer Leidenschaft über seinen Rücken zog, dass er sich tagelang nirgends anlehnen konnte. Oh Monique! Er seufzte, zupfte noch einmal an seiner Hose und zog sich dann wieder etwas weiter zurück in die schmale Fensteröffnung.

Was war damals geschehen? Dieser Gedanke, ging ihm wieder einmal durch den Kopf. Er griff hinter sich und angelte die Whiskyflasche von einem Tisch im Innenraum des Turms. Irgendein teures Gesöff, dass er eigentlich nur trank, weil er es sich leisten konnte und das ihm nicht mal wirklich schmeckte. Egal, die Hauptsache war doch, dass das Zeug knallte.

Seit geraumer Zeit machte er sich Gedanken darüber, warum er denn wirklich hier oben saß und die Abstände immer kürzer wurden. Er war definitiv nicht suizidgefährdet. Vielmehr war es ein innerer Drang, vor dem er versuchte wegzulaufen. Da war etwas, dass ihn zurück in sein altes Leben zwang, das ihn einzuholen drohte, vor dem er Angst hatte, dass es auch hier in Rheinbach wieder aus ihm herausbrechen würde. Dies waren die Momente, für die er sich selbst hasste. Doch was sollte er tun? Bis jetzt war ihm noch keine Antwort eingefallen.

»Oh Monique. Warum? Warum nur? Warum ausgerechnet du?«, flüsterte er in die Nacht und bevor der Herzschmerz ihn doch noch springen ließ, schob er sich mit einer geschmeidigen Bewegung ins Innere des Turmes zurück, um sich dort auf den alten, staubig riechenden Dielenboden zu legen.

Sie war sein Herzensmensch, der Lieblingsmensch, den man nur einmal in seinem Leben fand und trotzdem hatte er sie verlassen müssen. Hals über Kopf war er geflüchtet, hatte ihr nicht einmal Lebewohl sagen können. Er türmte aus seinem Heimatland, reiste durch halb Europa und ging teils an seine körperlichen Grenzen, um die Sehnsucht zu verdrängen, die ihn mit aller Macht zu ihr zog.

Letzten Endes war es der köstlichste Knödelteller, den er je gegessen hatte, der ihn in Rheinbach stranden ließ. Eine kurze Liaison mit einer bayrischen Brünetten, die nur zwei Dinge konnte, Knödel und Vögeln. Aber es fehlte ihm die Liebe und mit jedem Tag vermisste er seine Monique mehr und so verließ er seine kurze Liebelei mit einem kurzen Lebewohl.

Die Erinnerung an seine große Liebe, lag schwer auf seiner Brust und nahm ihm den Atem. Luft! Er brauchte Luft und so kletterte er wieder auf den steinernen Sims, um sich dort die Wange an einer der kalten Wände zu kühlen.

Wieder glitten seine Gedanken zurück nach Paris. Zurück in die Stadt der Liebe, die ihn mit all den glücklichen Pärchen sein Leben lang gequält hatte und denen er an manch sonnigem Tag zuerst allerhand Geschlechtskrankheiten nicht an den Hals, aber untenherum gewünscht hatte, wenn sie sich liebestrunken, knutschend neben ihm auf seine Bank am Fuße des Eiffelturms fallen ließen. Und falls die Verwünschungen nicht mehr halfen, schlich er ihnen nach, bis sie sich in einer stillen Ecke in Paris küssten und er ihnen ein schnell wirkendes Gift mit Hilfe eines Betäubungsblasrohrs injizieren konnte. Sie zu entsorgen, war für ihn ein Leichtes. Als Chemiker kannte er sich schließlich mit Säuren aus und so verschwanden die Leichen durch die ätzende Flüssigkeit für immer vereint und mit dem gelegentlichen Einsatz eines Pümpels in der Kanalisation. Selbst der Tod vermochte diese Paare nicht mehr zu trennen.

Doch eines Tages änderte sich alles. Er erinnerte sich noch genau an diese traumhaft schöne Frau, die dort auf seiner Bank in der Nähe des Eiffelturms gesessen hatte. Er hatte sich damals ans andere Ende gesetzt, denn es war schließlich seine Bank und so verfluchte er die Pärchen, die auch an diesem Tag so zahlreich an ihm vorüberschlenderten und sich dabei berührten, als wären sie allein. Plötzlich war da diese leise, liebliche Stimme, die etwas gar nicht Romantisches sagte:

»Syphilis!«

»Haben Sie etwas gesagt?«

»Ja, Syphilis!«

Erstaunt hatte er sie angeschaut und wenige Minuten später saßen sie lachend nebeneinander und wünschten den Pärchen gemeinsam allerhand Geschlechtskrankheiten.

So ging es einige Wochen lang, bis sie sich trauten, das erste Mal essen zu gehen. Sie liebten sich beide von Anfang an, doch die ganze Zeit hatten sie sich nicht getraut, dies auszusprechen. Zwei Seelen, die sich gesucht und gefunden hatten. Doch es gab ein Problem, dass sie nicht wusste und er ihr nicht sagen konnte. Eins, das ihnen aus einem einfachen Grund im Wege stand. Er ein verzweifelt gesuchter Massenmörder, sie Polizistin! Er hatte sie verlassen müssen, um sie zu beschützen.

So saß er hier oben auf dem Hexenturm und starrte in die Dunkelheit und lauschte in die Stille, die jäh unterbrochen wurde:

»Pierre?«

Er erstarrte. Er musste sich verhört haben, musste träumen. Konnte dies sein?

»Pierre?«, drang es etwas lauter von unten zu ihm hinauf und ohne Umschweife in sein Herz. Er erkannte die Stimme direkt. Ein wohliger Schauer erfasste seinen Körper und er spürte eins:

Hoffnung!

KAPITEL 2

Stunden später saßen sie in seiner kleinen Wohnung und ließen sich die warmen Brötchen des ortsansässigen Bäckers schmecken und während der erste Kaffee langsam seine Wirkung entfaltete, kehrten auch die Worte wieder, die sie nach ihrer überraschenden Wiedervereinigung verloren zu schienen haben, obwohl sie einige Zeit ziellos durch die einsamen Straßen spaziert waren.

Pierres Augen funkelten vor Glück, Monique wieder in seiner Nähe zu haben und trotzdem schämte er sich. Er hatte Gewissensbisse ihr gegenüber, weil er sie vor Jahren einfach so zurückgelassen hatte, obwohl er sie so sehr liebte, oder hatte er sie gerade deswegen verlassen, weil es so war? Doch dies allein, war nicht das einzige, für das er sich in diesem Moment schämte. Seitdem er ihre liebliche, zarte Stimme vernommen, sie ihn das erste Mal wie zufällig berührte und schließlich sogar mit Tränen in den Augen geküsst hatte, brannte in ihm das Feuer der Leidenschaft. Aber er konnte sie ja schließlich nicht einfach in Schlafzimmer zerren, oder konnte er doch? Er war verwirrt und erregt zugleich.

Das Gespräch war schnell wieder zum Erliegen gekommen, doch es fühlte sich nicht unangenehm an, eher vertraut, als wären sie nie getrennt gewesen und so beenden sie nach einer weiteren Tasse Kaffee das Frühstück. Seine Gedanken rasten und seiner Liebe schien es nicht anders zu gehen. Sie wirkte nachdenklich. Pierre kannte diesen Blick und er ahnte, dass der Tag nicht nur angenehm verlaufen würde. Doch er war entschlossen, für seinen Fehler gerade zu stehen. Also für seine Flucht, nicht für die Morde, die er begangen hatte.

Mit einer knappen Entschuldigung verabschiedete er sich unter die Dusche und ließ sich abwechselnd heißes und kaltes Wasser über den Kopf laufen, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Leise murmelte er vor sich hin, wie er es immer tat, wenn er sich unbeobachtet fühlte. Doch war er das wirklich? Er bemerkte nicht die heimlichen Blicke, die ihm Monique durch einen kleinen Türspalt zuwarf und so überraschte sie ihn erneut, als sie sich in Begleitung eines kühlen Luftstroms zu ihm unter die Dusche schlich. Erst ihr fester Griff in seinem Schritt ließ ihn schmerzhaft aus seinen Gedanken aufschrecken. Kurz schrie er auf, doch Monique unterdrückte seinen Laut mit einem leidenschaftlichen Kuss, der ihrer beider Sehnsucht losbrechen ließ. Wenig später lagen sie zwischen nassen Laken in seinem Bett. Moniques Kopf ruhte auf seiner Brust und ihre Finger glitten gedankenverloren zu der Stelle, die ihm immer noch von ihrem ersten Griff leicht schmerzte.

Pierre wusste nicht mehr, wie oft sie sich im Laufe des Tages noch geliebt hatten, bis sie sich letzten Endes doch aufrafften, um Moniques Hotel aufzusuchen, um dieses zu bezahlen und ihren kleinen Reisekoffer abzuholen, den sie abschließend in seine Wohnung brachten.