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Die Menschheit hat einem Teil des Universums ihren Stempel aufgedrückt. Mittlerweile finden sich Menschen der Erde nicht nur in der Milchstraße, sondern auch in anderen Gegenden des Kosmos. Zum Beispiel auf Ruppet - der relativ kleine Planet leidet unter katastrophaler Überbevölkerung. Die galaktischen Großmächte, die den Planeten für sich gewinnen wollen, verschärfen die Situation. Agenten der verfeindeten Mächte tummeln sich auf Ruppet. Als ein Staatsbesuch Perry Rhodans ansteht, spitzt sich die Situation zu... Aber die Menschheit ist weitaus mehr. Vielfältige "kleine" und "kleinste" Erlebnisse säumen den Weg der Terraner durch das Universum. Einige von ihnen sind im zweiten Teil des Bandes zusammengefasst - als deutsche Erstveröffentlichung zur Feier des fünfzigsten Bandes der Planetenromane!"
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Seitenzahl: 466
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Band 49/50
Der programmierte Attentäter
Tempus Fugit
Uwe Anton
Im Mittelpunkt: der Mensch
Die Menschheit hat einem Teil des Universums ihren Stempel aufgedrückt. Mittlerweile finden sich Menschen der Erde nicht nur in der Milchstraße, sondern auch in anderen Gegenden des Kosmos.
Zum Beispiel auf Ruppet – der relativ kleine Planet leidet unter katastrophaler Überbevölkerung. Die galaktischen Großmächte, die den Planeten für sich gewinnen wollen, verschärfen die Situation. Agenten der verfeindeten Mächte tummeln sich auf Ruppet. Als ein Staatsbesuch Perry Rhodans ansteht, spitzt sich die Situation zu ...
Aber die Menschheit ist weitaus mehr. Vielfältige »kleine« und »kleinste« Erlebnisse säumen den Weg der Terraner durch das Universum. Einige von ihnen sind im zweiten Teil des Bandes zusammengefasst – als deutsche Erstveröffentlichung zur Feier des fünfzigsten Bandes der Planetenromane!
Inhaltsverzeichnis
Erstes Buch
Der programmierte Attentäter
Der programmierte Attentäter
Zwar hatte des Solare Imperium den letzten Angriff der Zweitkonditionierten und ihrer Dolans abwehren können, doch die Kosten waren hoch: Terra, die Mutterwelt der Menschen, lag in Trümmern, die Solare Flotte war auf einen Bruchteil ihres Vorkriegsbestandes reduziert – das Imperium befand sich in der größten Krise seit seiner Gründung. Allein auf Terra waren mehr als zwei Milliarden Opfer zu beklagen.
Bereits am 14. Oktober 2437 n. Chr., nicht einmal zwei Monate nach dem Ende der Kämpfe, führte die Abspaltung von mehr als 400 Sonnensystemen unter dem ertrusischen General Threndor Carsual senior zur Bildung des Carsualschen Bundes, des ersten sich von Terra abspaltenden galaktischen Machtblockes. Staatsmarschall Bulls fünfhundertster Geburtstag am 18. Mai 2438 ging vor diesem Szenario praktisch vollkommen unter.
Zwar ging es insbesondere technologisch schon bald wieder bergauf, und mit der serienmäßigen Verwendung des von den Zweikonditionierten übernommenen Paratronschirmes ab etwa 2500 erhielt die im Neuaufbau befindliche Solare Flotte viel von ihrer altern Schlagkraft zurück. Die Probleme aber blieben – und sie wuchsen noch. Die Abspaltung der erst nach dem Dolan-Angriff besiedelten Kolonien auf Nosmo sowie Rudyn stand bevor.
Mit dem Panither-Aufstand auf Plophos im Jahr 2931, in dem zahlreiche Kolonien und verbündete autarke Sonnensysteme von Terra abfielen, begann die eigentliche Krise des Solaren Imperiums. Einige der Herrscher der Gegner der Menschheit kamen in den Besitz von Zellaktivatoren, was nun auch ihnen eine längerfristige Planung ermöglichte,
Und so war Ende des dritten Jahrtausends nach Christus das Imperium unter der Führung der Erde, das bislang die meisten Menschen und Menschenabkömmlinge in sich vereinigte, endgültig zersplittert. Mit dem Imperium Dabrifa, dem Carsualschen Bund und der Zentral-Galaktischen Union standen Terra drei starke Machtblöcke gegenüber. Hinzu kamen kleinere Bündnisgruppen wie die Ross-Koalition, die Fracowitz-Systemstaaten, die Tarey-Bruderschaft und der Shomona-Orden.
Noch vermieden diese galaktischen Reiche einen offenen Konflikt mit dem Rest des Solaren Imperiums. Sie versuchten, ihre Macht zu konsolidieren oder auszudehnen. Welten, die sich bislang keinem Bündnis angeschlossen hatten, wurden offen (durch Okkupation) oder verdeckt (durch den Einsatz von Geheimdiensten, euphemistisch auch Nachrichtendienste genannt) dazu »bewogen«, sich auf die Seite eines der größeren Machtblöcke zu schlagen. Schon längst war hinter vorgehaltener Hand von einer »anti-terranischen Koalition« die Rede.
Die Lage in der Milchstraße war bereits explosiv; ein Funke konnte genügen, um das Pulverfass Galaxis zu zünden und einen offenen Krieg zwischen den Imperien zu entfesseln. Daher bemühte man sich auch auf nachrichtendienstlicher Ebene, den Status quo nicht allzu offensichtlich zu verändern ...
Nerval Rodrik
Eine eher bescheidene Kundgebung
Wla Ruppets Herkunft verliert sich im Dunkel der Geschichte. Manche Quellen deuten darauf hin, dass er gar nicht auf der Erde, sondern unter dem Namen Alw Teppur auf der Kolonialwelt Nembar geboren wurde; andere Historiker vertreten die Auffassung, dass er zwar von Terra stammt, aber der Name, unter dem er bekannt geworden ist, nur ein Anagramm bildet, das vielleicht auf seine wahre Abstammung hinweist.
Zweifelsfrei fest steht lediglich, dass Ruppet Angehöriger – und nach dem Tod seines Vorgängers Rudiga Karde Oberhaupt – des Konventikels Expandere universalis war, das das Ziel anstrebte, die gesamte Galaxis mit Menschen zu besiedeln. Selbst im 24. Jahrhundert widersprach diese Einstellung der offiziellen Haltung des Solaren Imperiums, und so kann man es nur als konsequent bezeichnen, dass die Mitglieder der religiös-konservativen Sekte im Jahr 2392 ihr gesamtes weltliches Hab und Gut veräußerten, ein kaum noch flugfähiges Raumschiff erstanden, es mit allem ausrüsteten, was sie zum Aufbau einer Kolonie zu benötigen glaubten, es nach ihrem Präses RUPPET nannten und ihr Heil auf einem unbesiedelten Planeten suchten, den sie ebenfalls Ruppet tauften.
Mikail Tyssen Kais (Hrsg.), Encyclopaedia Universalia,
Eintrag: Ruppet, Wla (Auszug),
Nembar: Verlag HDS 3000f.
Die Situation eskalierte unaufhaltsam.
Auf dem großen Platz im Zentrum von Ruppet City, auf dem sich die strahlförmig verlaufenden sechs Hauptdurchgangsstraßen kreuzten, waren die Prallfelder unter dem Ansturm der Menge zusammengebrochen. Vielleicht hatten die Ordnungskräfte sie auch vorsorglich ausgeschaltet, um im letzten Augenblick zu verhindern, dass die Demonstranten in die Energiefelder liefen und sich verletzten oder gar selbst töteten. Dort, im SEKTOR 1, dem historischen Stadtkern, verliefen sämtliche Fahrbahnen nur auf einem Niveau, der Bodenebene. Deshalb wurde dieser Bezirk auch oft und gern für Kundgebungen benutzt; denn was half es den Protestierenden, die auch durch ihre bloße Anzahl beeindrucken wollten, wenn sie über die erste bis vierte Straßenebene zogen und man sie aus der Luft gar nicht wahrnehmen konnte?
Nerval Rodrik betrachtete die Massen von Ruppetern, die sich unaufhaltsam aufeinander zu bewegten. Wie eine alles niederwalzende, schlammige Flut nach einem Dammbruch kamen sie ihm vor. »Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sind«, sagte er eher zu sich selbst als zu seinem Staatssekretär oder gar dem Gleiterpiloten vom Sicherheitsdienst.
»Schätzungsweise einhundertzwanzigtausend Demonstranten auf der einen, einhundertdreißigtausend auf der anderen Seite«, sagte der Pilot nach einem kurzen Blick auf seine Cockpitkontrollen. »Eine eher bescheidene Kundgebung. Wohl eine spontane. Ich frage mich, wie sie überhaupt zustande gekommen ist. Jedenfalls hat keine der beiden Parteien dazu aufgerufen. Da haben wir schon wesentlich Schlimmeres erlebt.«
Rodrik hörte den unterschwelligen Vorwurf aus der Stimme des Piloten heraus. Du hast ja keine Ahnung, wollte der Mann ihm sagen. Du sitzt den ganzen Tag mit dem Arsch in deinem geräumigen Büro, aber wir, wir stehen hier draußen an der Front und müssen uns immerzu mit Aufwieglern, Konvertiten und Imperialisten befassen.
Er sah seinen Stellvertreter fragend an. Didjeh Fohrtuhn zuckte mit den Achseln. Die Bewegung drohte die Nähte seines Anzugs zu sprengen. »Die Ordnungskräfte sind ganz anderes gewohnt als wir. Wir kommen ja nie aus unseren Büros raus und sehen immer nur Zahlen und Statistiken«, bestätigte er indirekt die Worte des Piloten. »So richtig vorstellen kann man sich das nur, wenn man es gesehen hat. Und wenn ich ganz ehrlich bin – ich kann mir noch immer nicht erklären, wieso Sie das unbedingt sehen wollen.«
»Das müssen Sie sich doch denken können«, sagte Rodrik barsch. Wenn er sich vor dem Piloten vom Staatssekretär ungestraft tadeln ließ, konnte er gleich seine Demission einreichen. »Angesichts des bevorstehenden Staatsbesuchs ist diese Demonstration ein Sicherheitsrisiko, das die Regierung auf keinen Fall hinnehmen kann.«
Hatte Fohrtuhn in letzter Zeit nur noch breitgetretenen Quark im Kopf? Die Gegenwart seines Stellvertreters kam ihm überaus ungelegen. Aber das Gesuch um Kontaktaufnahme war so kurzfristig erfolgt, dass er den schon lange geplanten gemeinsamen Inspektionsflug nicht hatte absagen können, ohne starken und auch begründeten Verdacht zu erregen. Und nun brachte diese ungenehmigte Demonstration seine sowieso schon improvisierten Pläne vollends durcheinander. Andererseits bot sie ihm vielleicht die Möglichkeit, sich unauffällig von Fohrtuhn zu trennen.
»Können Sie den Ton zuschalten?«, wandte Rodrik sich an den Piloten.
»Jawohl, Herr Minister. Kein Problem, Sir«, antwortete der Mann servil. Er schien Rodriks Gereiztheit zu spüren und betätigte schnell einen Schalter, während er den Gleiter eine weitere Runde über die Innenstadt und die Protestler drehen ließ. Augenblicklich erfüllte ein so ohrenbetäubendes Getöse die Kabine des Antigrav-Schwebers, dass die Außenwände zu vibrieren schienen. »Leiser!«, brüllte Nerval.
Der Pilot gehorchte. Die Lautstärke wurde auf ein einigermaßen erträgliches Maß zurückgefahren. Nun konnte Rodrik auseinanderhalten, was die beiden Demonstrantengruppen skandierten. »Rhooo-dahn! Rhooo-dahn! Rhooo-dahn!«, intonierte die eine langgezogen, während die andere stakkatohaft das kurze »Wla! Wla! Wla!« anstimmte.
»Wann werden sie aufeinandertreffen?«, fragte Rodrik missmutig. »Und warum, zur Pille noch mal, haben die Sicherheitskräfte den Energieschirm ausgeschaltet, der sie voneinander trennt?«
Ein Schuss verhinderte, dass Fohrtuhn oder der Pilot ihm antworten konnten. Er war mit einer Energiewaffe abgegeben worden, doch der Strahl hatte sich in der Höhe, in der der Gleiter kreiste, so stark abgeschwächt, dass er, wenn überhaupt, nur minimale Beschädigungen an der Außenhülle hervorrief. Der Gleiter stammte aus terranischer Produktion, war deshalb den einheimischen Fahrzeugen weit überlegen. Es gab nur wenige solcher Modelle auf Ruppet, von denen die meisten der Regierung zur Verfügung standen, und Rodrik als Sicherheitsminister konnte nicht nur auf eine permanente Fahrbereitschaft, sondern auch auf eins dieser begehrten Vehikel zurückgreifen.
Auf der Planetenoberfläche geriet Bewegung in die Massen. Jene Staffeln der Sicherheitskräfte, die bislang nicht aktiv versucht hatten, einen direkten Zusammenstoß der Demonstranten zu verhindern, sondern die so unauffällig wie möglich im Hintergrund geblieben waren, griffen nun ein und drangen geordnet durch die Masse der Protestierenden vor. Über ihr Ziel bestand nicht der geringste Zweifel: Sie versuchten, des Schützen habhaft zu werden. Der Besitz von Waffen war auf Ruppet streng untersagt. Sollte der Delinquent ergriffen werden, drohte ihm eine lebenslängliche Haftstrafe. Die Vernichtung von fortpflanzungsfähigem Leben verstieß gegen alles, was Karde gelehrt und Ruppet verwirklicht hatte, und war unbarmherzig zu ahnden.
Rodrik hegte nicht den geringsten Zweifel daran, dass jemand aus den Reihen der Imperialisten geschossen hatte, auch wenn es sich bei ihnen, wie die Sprechchöre bewiesen, hauptsächlich oder ausschließlich um Rhodanisten handelte. Diese Ruppeter, die den Anschluss ans Solare Imperium forderten, waren in der Wahl ihrer Mittel wesentlich zurückhaltender als diejenigen, die den Carsualschen Bund oder das Imperium Dabrifa favorisierten.
Verdammte Pille, dachte Rodrik. Dass die Demonstration nun gewalttätige Züge anzunehmen drohte, gefährdete sein eigentliches Vorhaben, machte es vielleicht sogar unmöglich. Doch er war noch nicht bereit, jetzt schon aufzugeben. »Wir gehen runter!«, befahl er. »Den Kerl will ich mir persönlich schnappen.«
»Aber Sir ...«, protestierte Didjeh Fohrtuhn. »Sie können doch nicht ...«
Rodrik warf ihm einen scharfen Blick zu, und Fohrtuhn verstummte augenblicklich. Der Staatssekretär wusste genau, dass seine Position im Augenblick nicht die beste war. Über ihn häuften sich die Beschwerden: Wichtige Korrespondenz blieb unerledigt, dringende Entscheidungen wurden aufgeschoben. Wenn Fohrtuhn nicht schlicht und einfach hoffnungslos überfordert oder durch die Mühen seines Amts abgenutzt war, verschwendete er auf jeden Fall mit privaten Belangen zuviel Aufmerksamkeit und Energie. Dieser Zustand war auf Dauer nicht haltbar.
Der Pilot hatte kurz gezögert, aber als Fohrtuhn verstummte und seinen Einwand nicht zu Ende brachte, gehorchte er und ging langsam tiefer. Zu Rodriks Überraschung hielt er nicht auf die Ballung der Rhodanisten zu, sondern auf die EUs – die Anhänger des Expandere universalis oder Wlawisten, wie sie nach dem Großen Ruppet auch genannt wurden.
»Der Schuss wurde nicht von einem Rhodanisten abgegeben?«, fragte Rodrik verwirrt.
»Nein, Sir«, erwiderte der Pilot. »Ich bin mir ganz sicher. Die Energieorter lassen keinen Zweifel, und die Bordpositronik hat eindeutig eine Gruppe von achtzehn Individuen ausgemacht, von denen eins den Schuss abgegeben hat.«
Wer war Nerval, dass er der terranischen Technik misstraute – oder zumindest der des Solaren Imperiums, denn wer konnte schon genau sagen, auf welcher Welt der Gleiter hergestellt worden war? Und diesem Imperium schienen ja Hunderte davon anzugehören, auch wenn es sich vor Kurzem gespalten hatte und das Imperium Dabrifa davon abgefallen war und der Carsualsche Bund und ...
Rodrik schüttelte den Kopf. Für eine Auffrischung seines Crashkurses über die Entwicklung der Menschheit in den letzten 600 Jahren, von denen die Ruppeter über 550 versäumt hatten, blieb jetzt wirklich keine Zeit. Er musste sich endlich von Fohrtuhn loseisen und das in Angriff nehmen, weshalb er tatsächlich hierher gekommen war.
Andererseits ... diese Sache konnte eventuell warten, der Staatsbesuch des Großadministrators des Solaren Imperiums nicht. Dessen Ankunft stand – Rodrik warf einen Blick auf sein Chronometer, es war kurz nach Mittag – in weniger als vierundzwanzig Stunden bevor. Und daran war nicht mehr zu rütteln.
»Es muss ein Agent provocateur sein«, sagte er. »Jemand, der sich bei den regierungstreuen Demonstranten eingeschlichen hat und sie in Misskredit bringen will. Setzen Sie mich so nah bei der Gruppe ab, wie Sie können.«
»Ich muss wirklich protestieren, Sir«, wandte Fohrtuhn ein. »Das ist viel zu gefährlich. Es handelt sich um eine ungenehmigte Demonstration. Das Gewaltpotenzial der Aufrührer ist nicht zu unterschätzen.«
Der Staatssekretär hatte recht, dessen war Rodrik sich nur allzu gut bewusst. Aber er würde die Pille tun und versuchen, den Schützen persönlich zu stellen. Dafür waren seine Sicherheitskräfte da. Nein, er musste Fohrtuhn abschütteln und für ein paar Minuten untertauchen, wollte er eine Chance haben, das andere, wesentlich gefährlichere Sicherheitsrisiko noch vor dem Staatsbesuch des Großadministrators auszuschalten.
Und er musste es selbst tun. Wem konnte er in dieser Situation noch vertrauen? Er tastete nach dem nicht mal fingerkuppengroßen Impulsgeber, den er auf die Fläche seiner linken Hand geklebt und mit Theaterschminke überdeckt hatte. Das winzige Gerät war so gut wie nicht zu entdecken und konnte aktiviert werden, indem er es mit dem Mittelfinger derselben Hand kurz und kräftig berührte.
»Landen Sie endlich!«, sagte er zu dem Piloten.
Rodrik konnte nur hoffen, dass sein Kontaktmann ihn mithilfe dieses Geräts tatsächlich aufspüren konnte. Er würde sich zwar zur richtigen Zeit am richtigen Ort befinden, aber dass es hier zu einer ungenehmigten Demonstration kam, das hatte wirklich keiner ahnen können. Vielleicht sollte er die ganze Aktion lieber abblasen und stattdessen das gesamte für Rhodans Sicherheit zuständige Personal austauschen? Nein, das ließ sich in der kurzen Zeit nicht mehr bewerkstelligen, zumal er mit keiner vernünftigen Erklärung aufwarten konnte.
»Ich kann nicht in unmittelbarer Nähe der Menge runtergehen«, sagte der Pilot. »Ich würde die Sicherheit der Leute gefährden.« Ihm war deutlich anzumerken, dass ihm lediglich an der Unversehrtheit seines kostbaren Gleiters gelegen war.
»Lassen Sie mich da raus, wo Sie können!«, befahl Nerval. »Aber machen Sie schon!«
Der Pilot spürte die wachsende Ungeduld des Sicherheitsministers und zog es vor, sich auf keinen Fall seinen Unmut zuzuziehen. Sollte Rodrik ihn aus der Abteilung Fahrbereitschaft entlassen, würde er diverser Vergünstigungen verlustig gehen, die das Leben angenehmer machten und an die man sich sehr schnell gewöhnen konnte.
Er ließ den Gleiter senkrecht sinken; durchaus behutsam, wie Nervals Erfahrung ihm verriet. Für die Demonstranten in nächster Nähe musste der Vorgang dennoch bedrohlich wirken. So viele Gleiter gab es auf Ruppet noch nicht, dass sie alltäglich waren, und auch wenn sich kein feuerspeiender Drache mit mächtigen Schwingenschlägen aus dem Himmel senkte, mochten sie es doch mit der Angst zu tun bekommen, von dem Vehikel einfach zerquetscht zu werden. Sie stoben auseinander; immerhin kam es zu keiner Panik. Dafür waren die Ruppeter einfach zu sehr daran gewöhnt, sich in großen Massen zu bewegen und dem Strom anzupassen oder gar seine Richtung zu beeinflussen.
Rodrik sprang aus dem Fahrzeug, kaum dass es aufgesetzt und der Pilot die Tür geöffnet hatte. Die Scheu der Menge hatte sich bereits gelegt; nur wenige Schritte, und das auch ihm noch sehr vertraute Gefühl, Schutz in der Masse zu finden, stellte sich wieder ein.
Ein weiterer Blick auf das Chronometer verriet ihm, dass es höchste Zeit war. Er krümmte den linken Mittelfinger und berührte die kleine Kunststoffscheibe auf der Handfläche. Nun konnte er nur noch hoffen, dass der im Millisekundentakt wiederholte Peilstrahl auch empfangen wurde.
Ein Blick über die Schulter verriet ihm, dass Didjeh Fohrtuhn den Gleiter ebenfalls verlassen hatte und ihm folgte.
Das hatte ihm gerade noch gefehlt! Sein Staatssekretär verstieß damit gegen ausdrückliche Anweisungen. Was war nur los mit dem Mann? Da hatte er in der Versandstelle angefangen, danach jahrelang als Außenagent Erfahrungen gewonnen, war dann in den politischen Innendienst versetzt worden, hatte die Karriereleiter fast zu zügig erklommen, und jetzt erlaubte er sich einen Fehler nach dem anderen. So konnte es nicht weitergehen ...
Doch auch Rodrik war nicht von irgendwoher Sicherheitsminister von Ruppet geworden. Er hatte eine ähnliche Laufbahn hinter sich und war seinen Untergebenen nach wie vor einen Schritt voraus.
Zumindest hoffte er das.
Vierzig Sekunden später hatte er den Beweis erbracht. Zwei rasche Drehungen, das Eintauchen in die quer verlaufende Bewegung eines Stroms von Demonstranten, eine plötzliche Kehrtwendung und das Ausnutzen der daraus resultierenden kurzen Verwirrung, und er hatte Fohrtuhn abgeschüttelt.
Seinen Sekretär vielleicht, aber nicht die Person, die plötzlich die Hand auf seine Schulter legte. »Nicht umdrehen!«, flüsterte eine tiefe Stimme.
Daraus schloss Rodrik im ersten Augenblick, dass es sich um einen Mann handelte, korrigierte sich aber sofort wieder. Es gab Möglichkeiten, eine Stimme zu verzerren, dumpfer klingen zu lassen. Und wenn er sich durch den Kopf gehen ließ, welche Möglichkeiten seinen Kollegen von den galaktischen Imperien zur Verfügung stehen mochten, wurde ihm ganz schwindlig, und er hätte seinen Job am liebsten an den Nagel gehängt. Die Hand geleitete ihn unauffällig und geschickt. Binnen weniger Minuten hatten sie den Rand der Menschenmenge erreicht, die nun fort vom historischen Stadtzentrum strebte und SEKTOR 1 so schnell wie möglich verlassen zu wollen schien. Anscheinend hatten seine Sicherheitskräfte auf dem Ruppet-Platz – dort, wo die beiden Demonstrantenfraktionen aufeinandergestoßen und die sie trennenden Prallfelder zusammengebrochen waren – endlich durchgegriffen und die Auflösung des Gewimmels eingeleitet.
»Wohin gehen wir?«, fragte der Minister.
»Wir sind fast da«, antwortete die Stimme. Die Hand trieb ihn noch ein paar Schritte weiter, schloss sich dann fester um seine Schulter und drehte ihn zur Seite.
Nerval Rodrik schaute auf eins der Gebäude, die man auf ganz Ruppet nur noch im erhalten gebliebenen historischen Stadtkern fand. Kein Wohnsilo mit mindestens fünfundzwanzig Stockwerken und den Ausmaßen eines ganzen Gebäudeblocks, sondern ein dreigeschossiges Haus in einer ganzen Reihe solcher Bauwerke. Schon die sorgfältig restaurierte Fassade und die modernen Fenster verrieten jedoch, dass es sich um alles andere als ein Museum handelte. Auch wenn der Altstadtkern erhalten geblieben war – auf Ruppet konnte man sich den Luxus nicht leisten, wertvollen Raum zu verschenken. Selbstverständlich wurde das Gebäude bewohnt oder doch zumindest gewerblich genutzt. Man hatte ihr Eintreffen bemerkt. Die Haustür wurde einen Spaltbreit geöffnet. Rodrik wurde von dem Unbekannten hinter ihm gegen die Hauswand gedrückt, damit er den schier endlosen Strom der vom Demonstrationsort Fliehenden nicht behinderte oder gar mitgerissen wurde.
»Gehen Sie hinein«, sagte die Stimme.
Er zögerte. »Und darin finde ich ...« Er vollendete den Satz nicht. Das war auch nicht nötig.
»Darin finden Sie die Beweise, die die undichte Stelle in Ihrer Organisation zweifelsfrei identifizieren.«
Rodrik zögerte. Er hatte seine Erfahrungen. Er war nicht von gestern. Auch wenn der Informant, der ihn hierherbestellt hatte, bislang immer zuverlässig gewesen war – die seltsamen Umstände ihres Treffens rochen nach einer Falle. Doch Rhodans bevorstehende Ankunft ließ ihm keine Wahl. Er musste das Sicherheitsrisiko ausschalten.
Er gab sich einen Ruck, schritt zur Tür und griff nach dem Knauf.
In diesem Augenblick bewegte die Tür sich, und er vernahm ein hohes Sirren. Ein Schuss!, dachte er noch, dann wurde alles dunkel um ihn.
»Sie haben ihn, Ka-Eins«, sagte Bridget Märchtehn leise auf Interkosmo. Dabei senkte sie weder den Kopf, noch drehte sie ihn zur Seite. Das auf ihre Stimme geeichte hochempfindliche Richtmikrofon entstammte nicht einmal siganesischer Herstellung; solch ein Aufwand wäre bei diesem Einsatz wahrhaftig übertrieben und bei dem ständigen Budgetmangel auch nicht zu rechtfertigen gewesen. Dennoch nahm es bei der von ihr gewählten Einstellung lediglich ihre Stimme auf, filterte sämtliche störenden Nebengeräusche aus und übertrug ihre Worte, gerafft und zu wenigen Mikrosekunden langen Impulsen gebündelt, abhörsicher zu ihrem planetaren Stützpunkt, von wo aus sie bei Bedarf praktisch ohne Zeitverlust und selbstverständlich überlichtschnell zu verschiedenen Basen außerhalb des Marneb-Systems weitergeleitet werden konnten.
»Bislang ist alles planmäßig verlaufen?«, vergewisserte sich ihr Führungsoffizier Kontakt-Eins, unnötigerweise, wie Bridget fand, denn andernfalls hätte sie längst Meldung gemacht.
»Ja.«
Beide wussten, was das bedeutete: Jetzt wurde es erst richtig kompliziert. Was nun folgte, war unter der Datei Glückssache abzuspeichern. Wie viele Positroniken auch immer Simulationen durchgeführt und Hochrechnungen vorgenommen hatten, bei einer so knappen Zeitspanne gab es einfach zu viele Unsicherheitsfaktoren, als dass man exakte Abläufe festlegen konnte. Eine einzige zögerliche Bewegung, ein Anschluss, der nicht haftenblieb, ein Stolpern: Zeitfaktoren von jeweils einer zehntel bis drei Sekunden Dauer, also rund anderthalb im Durchschnitt, auf einen Zeitraum von maximal vier Minuten, multipliziert mit drei bis fünf Beteiligten – achthundert Unsicherheitsfaktoren in zweihundertvierzig Sekunden, zweihundert pro Minute –, das überforderte sogar die modernsten Geräte. Selbst der begnadete Voss war bei Extrapolationen dieser Größenordnung hoffnungslos überfordert.
Natürlich dauerte die eigentliche Aktion, die nun anstand, wesentlich länger als vier Minuten, aber das war die kritische Zeitspanne, die über Erfolg oder Misserfolg entschied. Ihre Stoppuhr lief. Eine hochmoderne, aber in ein Gehäuse eingelassen, das keinem Ruppeter aufgestoßen wäre.
Außerdem, setzte Bridget ihren Gedankengang fort, konnte ihre Planung so perfekt sein, wie man es sich nur wünschen konnte – da war immer noch die Gegenseite, und wenn die aufmerksam wurde, war ihr Plan endgültig gescheitert. Es war schon sehr beruhigend, tröstete sie sich, dass kein überwältigender Schaden entstehen konnte, wenn dieser Einsatz scheiterte. Er war sozusagen die Tarr zum Quiliber, das Sahnehäubchen auf dem anregenden Heißgetränk – die Krönung einer von langer Hand vorbereiteten Aktion.
Natürlich standen diverse Leben auf dem Spiel – nicht zuletzt auch das ihre. Aber einerseits hatte sie gewusst, was sie tat, als sie ihre Berufswahl getroffen hatte, andererseits war sie dazu ausgebildet worden, ihr Leben effektiv zu schützen.
Sie trat näher an die Hauswand, um vom Sog der Ruppeter nicht mitgezogen zu werden. Für sie als Terranerin war es immer wieder erstaunlich, wie gesittet sich dieses Volk auch in Massenansammlungen benahm.
Auf Terra hätte eine Demonstration dieser Größenordnung – mit immerhin über zweihunderttausend Teilnehmern, und das unangemeldet, ohne dass Zeit gewesen wäre, sich darauf vorzubereiten! – zu mittleren Nervenzusammenbrüchen der verantwortlichen Sicherheitskräfte geführt. Die Ruppeter hingegen waren von Kind an gewohnt, sich in Mengen zu bewegen, und die Ehrfurcht vor fortpflanzungsfähigem Leben, die die theokratische, wenn auch demokratisch gewählte Regierung auf ihre Flaggen geschrieben hatte, war mehr als ein Lippenbekenntnis. Die Bewohner dieses Planeten hatten die Lehren ihres Religionsstifters in Fleisch und Blut umgesetzt. Daran hielten sich auch diejenigen, die im Zug des Kulturschocks nach der Wiederentdeckung der Welt durch das Solare Imperium für ihre Verhältnisse radikale Positionen eingenommen hatten und die Angliederung der Welt an eine der galaktischen Gemeinschaften forderten.
Bridget hätte sich gewünscht, die von ihren Hilfskräften lancierte ungenehmigte Demonstration hätte noch weit mehr Verwirrung gestiftet, aber es war sinnlos, unerfüllbaren Wünschen nachzuhängen. Immerhin boten auch diese Menschenmassen eine gewisse Tarnung ihrer Aktion.
Jede Nervosität fiel von ihr ab, als sie Ka-Eins' Stimme wieder in dem in ihrer Ohrmuschel befestigten Sender hörte.
»Es geht los. Unsere Leute haben Position bezogen.«
Damit hatte er den entscheidenden Befehl gegeben, nicht nur für ihr Einsatzteam, sondern auch für über ein Dutzend weitere, die zeitgleich informiert wurden und an verschiedenen Orten auf Ruppet, im Marneb-System und in der Milchstraße zuschlugen.
Bridget setzte sich in Bewegung, ließ sich von den aus dem Stadtzentrum drängenden Massen ein Stück mitziehen. Unwillkürlich hielt sie Ausschau nach den angeheuerten Helfern und untergeordneten Agenten, die sich in dem Gewimmel aufhielten, doch deren Tarnung war von gewohnter Qualität. Wenn nicht mal sie sie erkannte, würden sie auch keinen Ruppetern auffallen.
Wenige Schritte nur, und sie machte das Zielobjekt vor sich aus. Die Tür des Gebäudes war geöffnet. Nun wurde sie einiger Kollegen gewahr, denen es gelang, sich anscheinend völlig unauffällig mit dem Strom der Masse zu bewegen, gleichzeitig aber keinen Schritt abgetrieben zu werden und in stets gleichbleibender Nähe zum Zielobjekt zu verweilen. Sie schaute hoch. Sheuren bestätigte ihr mit einem Nicken, dass seine Ortungen nichts ergeben hatten. Die Aktion konnte anlaufen.
Bridget griff in ihre Tasche, trat in die Mitte des Rings ihrer Mitarbeiter, schritt in deren Deckung zur Tür und warf mit einer fließenden Bewegung den Sprengsatz ins Haus. Dabei handelte es sich keineswegs um eine Waffe auf thermischer Basis, sondern um eine, die Schall- und Lichtemissionen erzeugte. Die Emissionen beraubten die Opfer kurzfristig jeglicher Wahrnehmungsfähigkeit und machten sie damit völlig orientierungs- und wehrlos. Die einzige Hitze, die freigesetzt wurde, diente dazu, die kleine Granate zu einem Häufchen Schlacke zu verbrennen, nachdem sie ihr Unheil angerichtet hatte. Das wiederum hatte den Vorzug, dass man keine Rückschlüsse auf ihre Herkunft mehr ziehen konnte. Zum Einsatz kam sie immer dann, wenn man auf den Gebrauch von Paralysatoren und die danach doch länger anhaltenden Lähmungserscheinungen der Betroffenen verzichten wollte oder musste, was hier der Fall war.
Dennoch hielt Bridget, als sie das Gebäude betrat, als Rückversicherung eine solche Waffe in der Hand. Ihre Vorsicht machte sich bezahlt: Aus den Augenwinkeln nahm sie eine zielgerichtete Drehung wahr. Sie schoss sofort, wusste aber im selben Moment, dass sie nicht getroffen hatte. Die Bewegung stammte von einer mindestens zwei Meter großen und unproportional dürren Gestalt, die gerade einen Nebenraum verlassen wollte, als die Granate explodiert war. Zumindest kehrte die Gestalt nun in diesen Raum zurück und riss die Tür hinter sich zu. Auch ein zweiter Schuss ging fehl.
Bridget lief zu der Tür, während ihre Kollegen sich nicht um den Flüchtigen kümmerten, sondern sich ihren jeweiligen Aufgaben widmeten. Damit befolgten sich nur die eindeutigen Anweisungen; schließlich kam es auf jeden Sekundenbruchteil an. Die Agentin zerrte an der Tür, doch sie war von der anderen Seite aus verriegelt worden.
Fluchend steckte Bridget den Paralysator ein und zog stattdessen den Thermostrahler. Das gebündelte Licht aus dem für das menschliche Auge nicht sichtbaren Infrarotbereich verließ den Lauf der Waffe als ultraheißer Strahl und schmolz jenen kleinen Teil der Tür, an dem sie am schwächsten war: das Schloss. Ein wuchtiger Tritt, und die Tür flog in den benachbarten Raum auf. Fast gleichzeitig sprang Bridget gekrümmt hindurch, rollte sich auf dem Boden ab und schnellte wieder hoch, mit dem schussbereiten Thermostrahler in einer Kreisbewegung sichernd.
Erst nachdem sie sich auf diese Weise überzeugt hatte, dass sich tatsächlich niemand mehr in dem kleinen Nebenraum aufhielt, sah sie es als gegeben an, dass der Flüchtige das Gebäude durch eine Tür in der gegenüberliegenden Wand verlassen hatte. Sie führte auf eine kurze, höchstens zwanzig Meter lange Gasse, wie Bridget aufgrund ihres Einsatzbriefings wusste, die an beiden Enden auf größere Querstraßen der Hauptdurchgangsstrecken im SEKTOR 1 mündete.
Es kostete sie wertvolle Sekunden – sie musste die gebotene Vorsicht walten lassen –, doch es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich davon zu überzeugen, dass der eventuell bewaffnete Flüchtige nicht auf der anderen Seite der Hintertür darauf lauerte, sie angreifen zu können. Die Gasse war in beiden Richtungen verlassen. Über die dahinter liegenden Straßen eilten Ruppeter, die Bridget nicht die geringste Beachtung schenkten. Sie bewegten sich hektischer als vor kurzem; offenbar griffen die Sicherheitskräfte auf dem Ruppet-Platz nun energischer durch, und die Demonstranten wollten sich so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen.
Bridget zog den Kopf wieder zurück und schaute sich in dem Nebenraum um. Zwei, drei Blicke verrieten ihr, was hier geschehen war. Während sie noch nach dem Flüchtigen geschaut hatte, waren ihre Kollegen wie geplant vorgegangen und hatten alles Nötige in die Wege geleistet. Sie arbeiteten schnell, aber sorgfältig; jeder Handgriff saß.
»Sequester!«, rief ihr Stellvertreter sie mit dem für diesen Einsatz vereinbarten Kodenamen. »Schnell! Wir brauchen den Computer. Die Zeit rast uns davon. Wir haben höchstens noch drei Minuten.«
Sie zog das Minigerät hervor und drückte es ihm in die Hand. Obwohl ihr Stellvertreter nur rudimentäre Computerkenntnisse hatte, machte sie sich um diesen Teil ihrer Aufgabe keine Sorgen. Auf Jeremay Voss, der das Programm geschrieben hatte, das nun zum Einsatz kam, war absoluter Verlass; er war in stundenlangen Gesprächen sämtliche Möglichkeiten mit ihr durchgegangen, um ihr zu beweisen, dass er auch die unwahrscheinlichsten Schwierigkeiten in Betracht gezogen hatte.
Interfaces, Programmsperren, Passwörter – für ihn war nichts unüberwindlich. Ganz davon abgesehen, dass die primitiven Computer der Ruppeter einer terranischen Positronik so unterlegen waren wie ein Faustkeil einem Thermostrahler. Doch auch Geräte aus anderer Produktion konnten Jeremay nicht lange Widerstand leisten.
Bridget kehrte in den Nebenraum zurück, untersuchte die dort untergebrachten Geräte und sonstigen Gegenstände genauer und zerstörte sie dann mit drei gezielten Schüssen ihres Thermostrahlers.
Als sie in den Hauptraum zurückkehrte, hob ihr Stellvertreter bestätigend die Hand. »Fertig!«, rief er. »Es verlief alles nach Plan.«
Mit einem Blick nahm sie wahr, dass ihre Agenten die drei Männer und die Frau, die von der Schallgranate außer Gefecht gesetzt worden waren, gerade hinausführten. Sie konnte sich darauf verlassen, dass ihre Leute sie durchsucht, entwaffnet und aller technischen Geräte beraubt hatten. Des weiteren hatten sie ihnen Injektionen verpasst, die ihre derzeitige geistige Verwirrung aufrecht halten würden, bis sie ein Gegenmittel verabreicht bekamen. Sie sollten von den ruppetischen Sicherheitskräften gefasst, aber erst nach Verabreichung dieser Substanz wirkungsvoll verhört werden können; aus diesem Grund hatten sie auch auf den Einsatz von Paralysatoren verzichtet, zumal mithilfe der Granate alle gleichzeitig außer Gefecht gesetzt worden waren.
Alle bis auf denjenigen, dem die Flucht gelungen war. Bridget knirschte wütend mit den Zähnen. Aber der Schaden hielt sich in Grenzen; diese Person würde sich kaum an die ruppetischen Sicherheitskräfte wenden. Es galt nur zu verhindern, dass sie Kontakt mit ihrem Führungsoffizier aufnehmen konnte.
Mit drei weiteren Schüssen zerstörte sie den Großteil der Gerätschaft im Hauptraum oder machte ihn zumindest unbrauchbar.
Nun war nur noch eins zu tun: Während ihre Kollegen den Hauptraum räumten, gab sie der bewusstlosen Gestalt, über die sie mehrmals gestiegen war, die vorbereitete Injektion und schleifte sie danach über den Boden, bis sie auf der Schwelle zu liegen kam. Dann noch wenige Schritte, und sie tauchte in der Menge der Ruppeter unter. Der erste Teil des Einsatzes war beendet. Dank Jeremays ausgeklügelter Planung hatte der ganze Spuk tatsächlich kaum fünf Minuten Rechnerzeit und insgesamt gesehen nicht mal die geplanten zwanzig Minuten gedauert.
Perry Rhodan töten ... bei der Ankunft auf dem Raumhafen ... die offizielle Begrüßung ...
»Perry Rhodan töten ...«, murmelte er. »Perry Rhodan töten. Perry Rhodan töten.« Der kurze Satz schien nicht nur das Zentrum seiner Existenz zu sein, sondern sein gesamtes Universum, seinen idios kosmos auszufüllen. Es war weniger eine Aneinanderreihung von Worten als eine Tatsache, fest, unumstößlich, unwiderruflich. Perry Rhodan töten.
Er fühlte sich unglaublich erschöpft, doch das Diktum gab ihm seine Kraft rasend schnell zurück. Hätte er es vor Sekunden noch für unmöglich gehalten, sich zu bewegen, erhob er sich nun mühelos. Abgesehen von einem leichten Ziehen in seinem Kopf fühlte er sich ausgezeichnet.
Er schaute an sich hinab. Der Anzug, den er trug, war teuer gewesen, das sah er auf den ersten Blick. Er saß wie angegossen, war zweifellos maßgeschneidert. Einige helle Flecke beseitigte er fast vollständig, indem er leicht auf den Stoff klopfte; auch das sprach für die Qualität des Materials. Seine Schuhe waren modisch und sahen ebenfalls nicht billig aus.
Er hätte die Inspektion seiner Person gern fortgesetzt, doch irgendetwas trieb ihn an, sich umgehend zu entfernen, eine gewisse Distanz zwischen sich und den Ort zu bringen, an dem er erwacht war. Und so gern er diese seine Umgebung genauer erkundet hätte – eigentlich untersuchen musste, um sich dringend benötigte Informationen zu verschaffen –, so genau wusste er, dass er mit allem scheitern würde, woran ihm lag, wenn er noch länger hier verweilte. Es war höchste Zeit – er musste fort von hier.
Er schaute noch einmal kurz zurück, machte einen beträchtlichen Wirrwarr der Zerstörung aus und versuchte, sich das allgemeine Bild und einige wenige Einzelheiten einzuprägen. Auch den Weg, den er nahm, merkte er sich genau. Vielleicht konnte er zu einem späteren Zeitpunkt, wenn er sich von der Gefahrlosigkeit des Unternehmens überzeugt hatte, noch einmal hierher zurückkehren. Aber zuerst musste er etwas Wichtigeres erledigen.
Perry Rhodan töten ...
Auf den Straßen herrschte dichtes Gedränge. Wirklich mühelos, völlig instinktiv, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan, mischte er sich unter die Menge, ließ sich von ihr mitziehen, verschmolz mit ihr und ging in ihr auf. Er beging nicht den Fehler, über die Schulter zurückzuschauen, ob ihm jemand folgte, ließ sich stattdessen an den Rand des Menschenstroms treiben, wo er unauffällig in eine andere Straße abbiegen konnte. Er wiederholte dieses Manöver drei- oder viermal, ging zügig, ohne durch allzu große Eile auf sich aufmerksam zu machen, und hatte nach zwanzig Minuten unbehelligt über zwei Kilometer zurückgelegt.
Nun ließ er es gemächlicher angehen, schlenderte fast, bog in eine breite Geschäftsstraße ein, blieb immer wieder vor Schaufensterfronten stehen. Hier am Rand des SEKTORS 1 gab es seit der Restaurierung des historischen Stadtkerns wieder dezentralisierte Ladenlokale, konnte man noch bummeln, wenn auch nicht unbedingt zu den Stoßzeiten nach den Schichtwechseln. Während er so tat, als würde er die Auslagen betrachten, hielt er im Glas Ausschau nach Spiegelungen von Personen, die stehenblieben, wenn er stehenblieb, und weitergingen, wenn er weiterging. Er konnte keine ausmachen.
Er wurde nicht verfolgt. Im Augenblick befand er sich in relativer Sicherheit.
Sicherheit wovor?
Ihm wurde klar, dass er über seine Lage nachdenken musste. Die ihm offenstehenden Möglichkeiten erörtern, Entscheidungen über sein weiteres Vorgehen treffen.
Was wollte er überhaupt?
Perry Rhodan töten, stellte der Gedanke sich uneingeladen bei ihm ein. Bei der Ankunft auf dem Raumhafen ... die offizielle Begrüßung ...
Also gut – wo bot sich ihm Gelegenheit für ungestörte Kopfarbeit? Er schaute sich kurz um, machte das grelle Neonreklameschild einer Singlebar aus, wie es sie überall auf Ruppet gab. Hier trafen sich die Alleinstehenden, die ohne festen oder die mit unwilligem Partner, die den Drang verspürten, dem Gebot des Großen Ruppet zu folgen. Gehet hin und vermehret euch!, dachte er. Zu dieser Zeit am späten Vormittag war in den Bars nicht viel los; diejenigen, die in der Nachtschicht arbeiteten und danach Anschluss suchten, hatten ihn schon längst gefunden, und die, die vor Beginn der Spätschicht ihren Teil zur Vermehrung der Ruppeter beitragen wollten, mussten sich ebenfalls schon so gut wie einig sein, wenn sie noch pünktlich zur Arbeit erscheinen wollten.
Er betrat die Bar. Wie er es sich gedacht hatte, war sie kaum besucht, und die wenigen Gäste, die sich in ihr aufhielten, hatten sich schon paarweise gefunden. Er steuerte einen der etwa fünfzehn unbesetzten Tische an und nahm Platz.
Kaum hatte er den obersten Knopf seines Hemdes gelockert, als auch schon eine Kellnerin neben ihm stand. Jung, gerade mal fünfundzwanzig, ein blonder, kurz geschnittener Pagenkopf, der kunstvoll auf unfrisiert getrimmt war, ein für seinen Geschmack zu voller Busen unter einer weißen Bluse, die eng um die schmale Taille lag, ein schwarzer Rock um einladende Hüften, der anderthalb Handbreit über den Knien endete, schwarze Strümpfe, hochhackige Schuhe. Arbeitskleidung, sicher, aber er bezweifelte, dass der Besitzer oder Geschäftsführer der Bar von ihr verlangte, die obersten drei Knöpfe der Bluse offen zu lassen und einen so kurzen Rock und so unfallträchtiges Schuhwerk zu tragen.
Sie gab ihm die Karte, und er warf einen kurzen Blick darauf. Das Übliche: sündhaft teures Mineralwasser garantiert natürlicher Herkunft, etwas billigere vitaminstrotzende Säfte mit einem gewissen Echtfruchtanteil, wesentlich billigere Soft Drinks mit naturidentischen – sprich künstlichen – Aromastoffen aus aufbereitetem Wasser sowie Letzteres pur und fast umsonst.
Als er aufblickte, bemerkte er, dass die Kellnerin noch neben seinem Tisch stand und ihn fast versonnen lächelnd ansah. Normalerweise hätte sie schon am nächsten Tisch für Umsatz gesorgt und sich zum Abschluss ihrer Runde nach seinen Wünschen erkundigt. Dass sie wartete, konnte zweierlei bedeuten: Entweder langweilte sie sich, weil sowenig zu tun war, oder er gefiel ihr. Fast erschrocken stellte er fest, dass er beinahe selbstverständlich vom Letzteren ausging.
Er drehte den Kopf zum Fenster und betrachtete sein Spiegelbild darin. Ein brauner, wegen der raschen Flucht auf natürliche Weise in Unordnung geratener Haarschopf, ein ebenmäßiges, wenn auch alles andere als markantes, geschweige denn kantig-maskulines Gesicht. Er wusste, dass sein Körper durchtrainiert und an Belastungen gewöhnt war, aber nichts an ihm kündete vom übermäßigen Besuch jener Studios, in denen die bedauernswerten Menschen, die ausschließlich einer sitzenden Tätigkeit nachgingen, den Eindruck zu erwecken versuchten, sie würden zwanzig Stunden am Tag an Hochöfen arbeiten und die restlichen viereinhalb im Boxring stehen.
Der Gedanke ließ ihn lächeln. Er konnte diese Bodybuilding-Fanatiker nicht ausstehen. Ausnahmen bestätigten die Regel. Einen kannte er, dem er nicht nur professionelle Hochachtung entgegenbrachte, er hielt ihn im Prinzip auch für einen netten Kerl. Wie hieß er noch? Fe... Fu... Fo...
»Es freut mich, dass es Ihnen bei uns so gut gefällt«, riss die Kellnerin ihn aus seinen Gedanken, »aber trotzdem wüsste ich gern, was ich Ihnen zu trinken bringen darf.«
Verwirrt sah er sie an. Dann begriff er. Sie hatte sein Lächeln völlig missverstanden. Kartoffel, Kartoffel, schimpfte er sich. »Ein Mineralwasser«, bestellte er automatisch. »Jennys Delight, bitte.«
»Aber gern«, sagte die Kellnerin, blinzelte – einmal zuviel – und bewegte ihre unbestritten langen Beine mit einer schier unnatürlichen Sicherheit auf dem hochhackigen Schuhwerk davon.
Er konnte nicht leugnen, dass ihm der Anblick gefiel. Wie jedem echten Ruppeter, dachte er. Gehet hin und vermehret euch!
Doch er hatte im Augenblick andere Sorgen. Zur Pille, wie hieß dieser Bodybuilder gleich noch? Fe ... Fu ... Er wusste es nicht mehr.
Dafür wurde ihm plötzlich klar, dass er das naturreinste – und dementsprechend beste und teuerste – Getränk auf der Karte bestellt hatte. Und nicht mal wusste, ob er überhaupt Geld bei sich hatte.
Eine rasche Durchsuchung seiner Taschen ergab zu seiner Beruhigung, dass dem so war. In den Futteralen seiner Hosen fand er nichts, aber in der Innentasche der Anzugjacke steckte eine Brieftasche, und als er sie herausgeholt und geöffnet hatte, stellte er fest, dass sich zehn Zehn-Rudiga-Scheine in ihr befanden.
Die Kellnerin hatte erneut einen halsbrecherischen Gang angetreten und kehrte zu seiner Überraschung direkt vom Bartresen an seinen Tisch zurück. Offenbar war wirklich nicht viel zu tun, und er hatte sein Aussehen – oder sein Charisma – gewaltig überschätzt. »Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor«, sagte sie.
Eine klassische Gesprächseröffnung. Er korrigierte sich. Seine Chancen waren sprunghaft gestiegen. Er musste sich eingestehen, dass er Ruppets Dogma gern mit ihr erfüllt hätte.
Leider hatte er etwas anderes zu tun. Perry Rhodan töten ... Perry Rhodan töten ... bei der Ankunft auf dem Raumhafen ... die offizielle Begrüßung ...
Überrascht stellte er fest, dass es ihm alles andere als schwer fiel, ein Lächeln auf seine Züge zu zaubern. Eine geübte Geste, tausendmal wiederholt, jederzeit abrufbar. »Sie mir auch«, sagte er glatt.
»Nein, im Ernst. Ich hab' Sie irgendwo schon mal gesehen.«
Die Antwort kam über seine Lippen, ohne dass er großartig nachdenken musste. »Man verwechselt mich oft«, sagte er. »Das passiert mir nicht zum ersten Mal. Aber leider habe ich noch nicht herausfinden können, mit wem.«
Sie ignorierte seinen Scherz nicht mal. »Nein, wirklich.« Hilflos zuckte sie mit den Achseln. »Vielleicht fällt's mir ja wieder ein. Das macht achtundneunzig Rudiga«, sagte sie. »Wir sind angehalten, sofort zu kassieren«, fügte sie hinzu und verdrehte entschuldigend die Augen.
Achtundneunzig Rudiga! Fast seine gesamte Barschaft. »Natürlich«, überging er sein Entsetzen gewandt. »Kein Problem. Ich kenne das. Manchmal haben Ihre Gäste es so eilig, das Lokal zu verlassen, dass sie zu bezahlen vergessen würden, hätten Sie nicht sofort abkassiert.«
»Ja, genau«, sagte sie und erneuerte ihr strahlendes Lächeln. »Ich habe übrigens erst um zwanzig Uhr Dienstschluss. Wir arbeiten zur Zeit zu zweit in drei Schichten. Unsere dritte Kollegin hat Mutterschaftsurlaub, und ich teile mir ihren Dienst mit der von der Nachtschicht. Sechslinge, hat der Arzt bestätigt. Die Schwangerschaft verläuft völlig normal. Die Glückliche!« Erneut das Verdrehen der Augen, diesmal noch übertriebener. »Ich beneide sie wirklich. Heute Abend habe ich noch nichts vor, und morgen ist mein freier Tag. Und übermorgen fängt die Aushilfskraft an, und wir haben wieder unseren normalen Achtstundentag in drei Schichten.«
War das eine bloße Information oder eine Einladung? Die Kellnerin verwirrte ihn. Er hatte den Eindruck, solche Gespräche normalerweise nicht zu führen, aber die Situation trotzdem problemlos zu handhaben. Er öffnete die Brieftasche wieder und reichte ihr die Scheine. »Stimmt so«, sagte er.
Er musste sich eingestehen, sie gefiel ihm. Er konnte sich keinen Reim darauf machen, ob sie unglaublich naiv war oder nur mehr oder weniger geschickt mit ihm anzubändeln versuchte. Andererseits störte sie ihn. Er hatte keine Zeit, mit ihr zu flirten. Er musste nachdenken, hatte ganz andere Probleme.
Perry Rhodan töten ...
»Um zwanzig Uhr«, sagte er. »Gut, das zu wissen.«
»Ich heiße Kara«, sagte sie.
»Und ich bin ...« Er verstummte. Zur Pille noch mal – wer war er?
Er wusste es nicht.
Er wusste nicht, wer er war.
Er wusste nur eins.
Perry Rhodan töten ...
Didjeh Fohrtuhn
Ein Paradies für Agenten
Ruppet ist der dritte Planet der Sonne Marneb. Sie ist dem Kugelsternhaufen 47 Tucani vorgelagert, der auch als NGC 104 bekannt ist, etwa 15.000 Lichtjahre in Richtung Kleiner Magellanschen Wolke vom Solsystem entfernt. Es handelt sich dabei um eine Sternenballung älterer Generation, was bedeutet, dass man dort überdurchschnittlich viele alte Sonnen findet, hauptsächlich Rote Riesen, die nur selten bewohnbare Planeten haben. Aufgrund dieses Umstands und der Tatsache, dass die Zentralregion des Kugelsternhaufens eine enorm hohe Sternendichte aufweist, die den Raumverkehr zur damaligen Zeit wesentlich stärker behinderte, als es heute der Fall ist, blieb die Zahl der Schiffe, die zwecks Erkundung in ihn einflogen, eher gering. NGC 104 wurde niemals offiziell besiedelt; ob sich dort weitere »verlorene« Kolonien wie Ruppet befinden, ist auch heute noch unbekannt. Das Marneb-System verfügt über acht Planeten und ähnelt damit verblüffend dem Solsystem, von zwei Ausnahmen abgesehen: dem eingefangenen neunten Planeten Pluto und dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Den vier inneren »schweren« schließen sich vier äußere »leichte« Planeten an. Ruppet ist der dritte und einzig bewohnbare Planet des Systems; die Welten I und II sind Gluthöllen, IV ist zu klein und zu kalt für eine Besiedlung durch Menschen, V bis VIII sind Gasriesen – eine weitere Übereinstimmung mit dem Solsystem.
Mikail Tyssen Kais (Hrsg.), Encyclopaedia Universalia,
Eintrag: 47 Tucani, bewohnbare Welten (Auszug),
Nembar: Verlag HDS 3000f.
In seinem Kopf bemühte die Hälfte der Bevölkerung sich gleichzeitig, Ruppets Gebot gerecht zu werden, und ihre Bewegungen erzeugten dabei Schwingungen, die sich durch alle 1024 SEKTOREN von Ruppet City ausbreiteten. Dabei bildeten sie Interferenzen, die den Planeten auseinanderzureißen schienen, dann aber im letzten Augenblick von diesem Vorhaben abließen und sich stattdessen in eben seinem Gehirn zusammenfanden.
Als er die Augen öffnete, sah er in Didjeh Fohrtuhns Gesicht. Es war verschwommen, aber unverkennbar. Nach wenigen Sekunden hatte sein Blick sich so weit geklärt, dass er auch die breiten Schultern, muskulösen Arme und den massigen, aber alles andere als fetten Oberkörper ausmachen konnte.
»Wie haben Sie mich gefunden?«, knurrte er. »Ich war überzeugt, Sie abgeschüttelt zu haben.«
»Das haben Sie auch, Sir«, bestätigte Fohrtuhn. »Aber dann sind Schüsse gefallen, und ich bin einfach in die Richtung gelaufen, in der ich sie gesehen habe, und dann fand ich Sie hier.«
Nerval Rodrik schüttelte sich. Er konnte nur kurz ohnmächtig gewesen sein und auch keine gravierenden oder dauernden Schäden davongetragen haben, denn sein Gehirn arbeitete bereits wieder normal. »Gesehen?«, sagte er. »Sie haben Schüsse gesehen und nicht gehört?«
»Ja, Sir. Keine einheimischen Waffen, sondern Thermostrahler.«
»Thermostrahler«, wiederholte Nerval. Allmählich erfasste er die Situation im größeren Überblick. Ein ungutes Gefühl stellte sich ein. Nicht nur, dass die geheime Kontaktaufnahme jämmerlich gescheitert war, man hatte ihn bewusstlos geschossen, und dann war auch noch ein Thermostrahler ausgelöst worden.
Das ungute Gefühl entwickelte sich sprunghaft zu kaltem Grauen. Paralysatoren und Thermostrahler – Waffen, die auf Ruppet genauso selten waren wie Gleiter und Vurguzz. Seitdem ein Schiff der Explorer-Flotte sich im Vorfeld des Kugelsternhaufens 47 Tucani umgeschaut hatte und dabei zufällig auf die vor etwa fünfeinhalb Jahrhunderten »verloren gegangene Kolonie« Ruppet gestoßen war, hatte es zwar einen gewissen – eher einseitigen – Austausch von Technologie gegen Rohstoffe gegeben, doch die galaktischen Imperien hielten sich dabei sehr zurück.
Nerval konnte es ihnen eigentlich auch nicht verdenken. Alle Staatenbünde, die mittlerweile in Kontakt mit Ruppet standen – das Solare Imperium, der Carsualsche Bund, das Imperium Dabrifa, die Zentral-Galaktische Union –, legten großen Wert darauf, dass die Welt sich ihnen anschloss, doch noch war die Mehrheit der Bevölkerung entschlossen, Ruppets Gebote zu befolgen und einen eigenen Weg zu gehen. Trotzdem war es nach über fünfhundert Jahren zur Bildung einer Opposition gekommen, die den Anschluss an die galaktische Gemeinschaft forderte und rasante Zuwachsraten aufwies.
Dabei konnte die amtierende und demokratisch gewählte Regierung von Glück sagen, dass die Andersdenkenden untereinander unversöhnlich zerstritten waren – die Anhänger des Solaren Imperiums verabscheuten die der beiden anderen Machtgebilde mehr als die Lehren Ruppets, was ebenso umgekehrt galt. Daher stellte die Ruppet-Partei im Parlament die Mehrheit – aber keine absolute. Sie hatte etwa ein Drittel der Wählerstimmen auf sich vereinigt – genau wie die Fraktion, die den Anschluss ans Solare Imperium forderte – und war bei Gesetzesvorlagen auf stets wechselnde Koalitionen mit einer der anderen Parteien angewiesen.
Die Regierungsfähigkeit blieb einzig und allein deshalb gegeben, weil die anderen Fraktionen, die Dabrifisten, Unionisten und Carsualisten, eher der Auflösung der Ehe und dem pflichtweisen viermaligen Beischlaf pro Tag zugestimmt hätten als einem Gesetzesantrag der Solaristen. Wären die Imperialisten – die Bezeichnung für alle Anhänger der Öffnung gegenüber einem der galaktischen Reiche – sich einmal einig, müsste er von Stund an mit siebzig Prozent seiner Bezüge in den Ruhestand gehen.
Andererseits könnte er dann diverse der ihm immer wieder angebotenen Beraterverträge akzeptieren, für große Konzerne tätig werden und sich eine Wohnung im Diplomatenviertel leisten, die zehnmal größer war als die, die er jetzt besaß ...
»Sie sind verletzt, Sir«, sagte Fohrtuhn, der sein lange anhaltendes Schweigen offenbar völlig falsch interpretiert hatte. »Ich rufe eine Ambulanz.«
»Unsinn!« Nerval rappelte sich auf. »Thermostrahler«, wiederholte er. »Und Paralysatoren.« Er vermutete, mit einer solchen Waffe betäubt worden zu sein. »Das bedeutet ...« Er verstummte.
So ganz war sein Denkvermögen offenbar noch nicht wiederhergestellt. Die wenige Hightech, die Ruppet importieren konnte, befand sich in Händen der Regierung oder weniger superreicher Industrieller. Ansonsten behielten die galaktischen Reiche sowohl ihre Technik als auch ihre Kenntnisse für sich. Er ging nicht davon aus, dass irgendwelche Konzernchefs ihn in diese Falle gelockt hatten; als Sicherheitsminister hätte er es eigentlich wissen müssen, wenn Regierungseinheiten hier aktiv waren.
»Das bedeutet«, nahm er den Faden wieder auf, »dass hier Außenweltler am Werk sein müssen. Aber das stand ja schon fest, als unser Gleiter beschossen wurde.«
»Was wollten Sie überhaupt hier, Sir?«, fragte Fohrtuhn.
Nerval lachte im Geiste kurz auf. Er würde die Pille tun und seinem Staatssekretär die Wahrheit sagen. Aber er musste ihm irgendeine plausible Erklärung für sein zugegebenermaßen ungewöhnliches und befremdliches Verhalten geben.
»Ich habe einen Hinweis bekommen«, stöhnte er gespielt gequält, um immer wieder Pausen einlegen und so noch etwas wertvolle Zeit gewinnen zu können. »Aus einer normalerweise gut unterrichteten Quelle. Konkrete Verdachtsmomente. Jemand plant ein Attentat auf Perry Rhodan.«
»Ein ... Attentat auf Rhodan?«, echote Fohrtuhn fassungslos – oder zumindest gut gespielt. »Und da gehen Sie auf eigene Faust vor, anstatt Alarmstufe eins auszulösen?«
Der Einwand des Mannes war völlig glaubhaft und berechtigt. Im Prinzip war Didjeh Fohrtuhn ein zuverlässiger Mann, ein Könner auf seinem Gebiet, doch seit etwa einem halben Jahr war er außer Rand und Band. Rodrik glaubte, den Beginn seiner Veränderung sogar genau lokalisieren zu können: Angefangen hatte es bei einer Trainingseinheit – Nahkampf mit Messern –, bei der Didjeh ihn unabsichtlich verletzt hatte. Keine schwerwiegende Wunde, Ruppet bewahre, aber sie hatte stark geblutet, und einem Profi hätte so etwas niemals passieren dürfen. Didjeh schien die Kontrolle über sich verloren zu haben, und die Nachlässigkeiten hatten sich danach fortgesetzt, wenn nicht sogar noch verstärkt.
»Dazu ist noch Zeit genug«, erwiderte er und tastete sich schnell ab. Er war in der Tat unverletzt; auch der Thermostrahler aus der Produktion des Solaren Imperiums, mit dem er als Sicherheitsminister selbstverständlich ausgerüstet war, steckte noch an Ort und Stelle. Er konnte also nur für wenige Minuten oder gar nur Sekunden das Bewusstsein verloren haben.
Das widersprach allerdings den Kenntnissen, die er über die Wirkungsweise von Paralysatoren hatte ...
Darüber konnte er sich später Gedanken machen. Jetzt galt es, den Schaden zu begrenzen und gleichzeitig Fohrtuhns eventuelles Misstrauen zu zerstreuen.
Rodrik zog seine Waffe. Die Tür des Hauses, auf deren Schwelle er außer Gefecht gesetzt worden war, stand noch immer offen. Zwar war damit zu rechnen, dass die Übeltäter längst ausgeflogen waren – falls sie sich überhaupt in diesem Gebäude befunden hatten –, doch er musste auf Nummer sicher gehen. »Ich sehe nach, was da los ist«, sagte er, »und Sie kehren zum Gleiter zurück und alarmieren die Sicherheitskräfte.«
Zu seiner Überraschung schüttelte Fohrtuhn energisch den Kopf. »Dazu ist später Zeit genug«, wiederholte er seine Worte. »Ich begleite Sie.«
»Auf keinen Fall«, sagte Nerval und trat neben die Tür.
»Ich habe schon mal Ihre Befehle befolgt und Sie allein ziehen lassen«, wandte sein Stellvertreter ein. Er hatte ebenfalls seine Waffe gezogen. Der fast versiegte Strom der Demonstranten, die aus der Innenstadt drängten, war ins Stocken geraten. Immer mehr Ruppeter blieben stehen und schauten neugierig zu ihnen herüber. »Wir beide wissen, was sich daraus entwickelt hat. Soll sich so etwas wiederholen? Vielleicht kommen Sie diesmal nicht so billig davon.«
Rodrik nickte knapp, stieß die Tür vollends auf und drehte sich in den dahinter befindlichen Raum, den schussbereiten Thermostrahler in beiden Händen. Ihm bot sich ein Bild der Zerstörung, das ihn im Augenblick jedoch nicht sonderlich interessierte. Eine weitere Tür führte in einen Hinterraum; auch dieser war, wie der vordere, verlassen und verwüstet worden. Durch die ebenfalls geöffnete Hintertür konnte man eine schmale Gasse betreten, auf der sich niemand aufhielt. Seine Vermutung hatte sich als richtig erwiesen – wer auch immer ihn überfallen hatte, er hatte das Weite gesucht.
Er kehrte in den Hauptraum zurück, der noch von Fohrtuhn gesichert wurde. »Keine unmittelbare Gefahr«, sagte er. »Hier ist niemand mehr.«
Sein Stellvertreter ließ den Strahler sinken. »Und was«, fragte er, »wenn der Raum mit einem Sprengsatz gesichert gewesen wäre, der beim Eindringen Unbefugter explodiert? Wir hätten Verstärkung rufen sollen. Sie sind unverantwortlich leichtsinnig vorgegangen.«
Nerval kniff die Augen zusammen. Wollte Fohrtuhn ihn herausfordern – hatte er es auf seinen Job abgesehen? Oder nahm er das Vorgehen seines Vorgesetzten als Anlass, von den Patzern abzulenken, die ihm in letzter Zeit unterlaufen waren?
Oder hatte er sich schlichtweg wieder gefangen und die Situation mit einer kalten Professionalität analysiert, an der Rodrik es im Augenblick zu mangeln schien?
Der Sicherheitsminister nickte erneut. Er war nicht so dumm, sich auf eine Diskussion einzulassen, in der er unhaltbare Positionen hätte verteidigen müssen. Und er durfte Fohrtuhn nicht den wahren Grund für seine Anwesenheit an diesem Ort verraten.
Ihm lagen zweifelsfreie Hinweise vor, dass es in seinem Ministerium in hoher Position eine undichte Stelle gab. Einen Verräter, der mit einem der galaktischen Machtblöcke zusammenarbeitete. Sein unbekannter Kontaktmann, der ihm schon öfter Informationen zugespielt hatte, die sich bislang stets als zuverlässig erwiesen hatten, hatte sich hier mit ihm treffen wollen, um ihm die Identität des Spitzels zu verraten. Er war nur darauf eingegangen, weil er einen Zusammenhang mit dem anstehenden hohen Staatsbesuch vermutete.
Dass man ihn in eine Falle gelockt hatte, war ihm mittlerweile klar. Nur verstand er die Natur dieser Falle noch nicht. Und Didjeh Fohrtuhn durfte nichts von diesen Hintergründen erfahren; schließlich war nicht ausgeschlossen, dass es sich bei ihm um den Überläufer handelte.
Oder hatte man ihn etwa lediglich hierher bestellt, um ihn mit der Nase auf die geheime Anlage im Inneren dieses Hauses zu stoßen? Aber wer würde so etwas tun? Und zu welchem Zweck?
»Sie haben recht«, gestand er seinem Stellvertreter ein. Hier war wirklich etwas oberfaul. Schon die flüchtigen Blicke, die er auf die Geräte in den beiden Räumen geworfen hatte, verrieten ihm, dass sie nicht – oder zumindest zum Großteil nicht – aus ruppetischer Fabrikation stammten. Zwar erschwerte der Umstand, dass sie mehr oder weniger rigoros zerstört worden waren, eine sofortige Erkenntnis über ihren Sinn und Zweck, aber ihre allgemeine Herkunft war eindeutig: Sie stammten aus einem der galaktischen Reiche.
Fohrtuhn hatte es ebenfalls erkannt. »Hier haben Fremdweltler ihr Süppchen gekocht«, sagte er.
»In der Tat«, stimmte der Minister zu.
»Was vermuten Sie?«, fragte der Staatssekretär. »Sind wir hier auf eine Spionagezentrale eines der galaktischen Reiche gestoßen?«
Täuschte Nerval sich, oder machte er tatsächlich Misstrauen in Fohrtuhns Augen aus? Argwohn darüber, dass sein Vorgesetzter völlig unprofessionell vorgegangen war und die Verfolgung eines Straftäters aufgenommen hatte, statt dies den Sicherheitskräften zu überlassen, von denen es in der näheren Umgebung geradezu wimmelte, und dabei völlig zufällig über die getarnte Basis einer fremden Macht gestoßen war?
»Es sieht so aus«, sagte Rodrik.
»Ruppet ist wirklich ein Paradies für Agenten«, sagte Fohrtuhn leicht knirschend.
Nerval wusste, was er damit meinte. Allein aufgrund der technischen Überlegenheit der Fremdweltler konnten Spione der galaktischen Reiche auf Ruppet nahezu ungestört schalten und walten, wie es ihnen beliebte. Mit der geringen Technologie, die Ruppet importierte, konnte man ihnen nicht Paroli bieten. Lediglich der Umstand, dass alle Machtblöcke das gleiche Ziel verfolgten – den Anschluss des Planeten an ihr jeweiliges Imperium – und aufmerksam über die Aktivitäten der anderen wachten und sie nach Möglichkeit zu durchkreuzen versuchten, verlieh seiner Arbeit überhaupt noch eine rudimentäre Aussicht auf Erfolg.
Nein, es gab nichts daran zu rütteln, und weder er noch die Regierung, der er angehörte, machten sich etwas vor: Ihr Planet war in der Tat ein Paradies für Agenten.
Er rief sich zur Ordnung. Er zauderte und hing seinen Gedanken nach, statt die notwendigen Schritte einzuleiten. Dieses Verhalten war völlig atypisch für ihn; so ging es nicht weiter. Er musste endlich handeln.
»Kehren Sie zum Gleiter zurück und schlagen Sie Alarm!«, befahl er seinem Stellvertreter. »Rufen Sie die Sicherheitsstufe eins aus!«
Mit einem schwachen Lächeln griff Fohrtuhn in die Innentasche seiner Anzugjacke, holte ein Funkgerät hervor, schaltete es ein und reichte es seinem Vorgesetzten.
»Hier Zentrale«, erklang die metallisch scheppernde Stimme des Einsatzleiters aus dem kleinen Lautsprecher.
»Hier Rodrik«, sagte er. »Von sofort an gilt Sicherheitsstufe eins. Gehen Sie nach Plan Delta vor. Bevollmächtigung Apso Lhasa Jenny eins.«
»Verstanden«, bestätigte der Einsatzleiter und wiederholte dann seine Anweisung, um jedes Missverständnis auszuschließen. »Sicherheitsstufe eins. Plan Delta. Bevollmächtigung Apso Lhasa Jenny eins.«
Aufgrund des bevorstehenden Staatsbesuchs – schließlich wurde kein geringerer Gast als Perry Rhodan persönlich erwartet, der Großadministrator des Solaren Imperiums und damit des bedeutendsten galaktischen Reichs – konnte Nerval diese durchgreifende Anordnung vertreten. Von diesem Augenblick an liefen alle Rädchen des Sicherheitsministeriums auf Hochtouren.
Sicherheitsstufe eins bedeutete die Mobilisierung sämtlicher eigentlich dienstfreier Einheiten des Sicherheitsministeriums, die Abschottung des Raumhafens und die Abriegelung des SEKTORS 1. Es war schlichtweg unmöglich, sämtliche Ruppeter aufzugreifen, die SEKTOR 1 verlassen oder betreten wollten, doch die Einsatzkräfte hatten Anweisung, sämtliche Personen, die sich in irgendeiner Hinsicht auffällig benahmen, festzunehmen und für die gesetzlich zulässige Dauer – maximal vierundzwanzigeinhalb Stunden – auch festzuhalten.
»Schicken Sie zwei Hundertschaften hierher«, fuhr er fort und nannte die Adresse. »Bevorzugter Gleitereinsatz. Die erste riegelt den Einsatzort auf fünfundzwanzig Meter hermetisch ab. Die Gleiter sollen unmittelbar vor dem Haus landen. Die zweite hält sämtliche Personen fest, die sich im Umkreis von einhundert Metern aufhalten.« Er bezweifelte zwar, auf diese Weise der Personen habhaft zu werden, die sich in diesem Bereich aufgehalten und ihn außer Gefecht gesetzt hatten, konnte sich in seiner jetzigen Situation aber kein potenzielles Versäumnis mehr leisten.
Kaum hatte er seine Anweisungen erteilt, als sich eine seltsame Kälte durch seinen Körper auszubreiten und ihm jegliche Kraft zu rauben schien. Er schloss die Augen und stöhnte – diesmal nicht gespielt – gequält auf. Als er schon glaubte, seine Beine würden unter ihm nachgeben, verschwand das Gefühl so abrupt wieder, wie es aufgetreten war.
Offensichtlich hatten die Ereignisse ihn doch stärker mitgenommen, als er es Fohrtuhn eingestanden hatte.
»Wir warten bis zum Eintreffen der Gleiter«, entschied er. »Sprechen Sie derweil Ihren Bericht auf Band. Dann gehen wir rein und sehen uns mal genauer an, worauf wir hier gestoßen sind.«
Bridget Märchtehn ließ den Blick kurz aus dem Fenster des Raums in der terranischen Botschaft schweifen, in dem sie sich zur Einsatzbesprechung zusammengefunden hatten. Irgendwo dort draußen war Urx-Moxiva auf der Flucht.
