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Gloria ist die Schwester des Alpha der Südtiger in Kapstadt. Schon lange ist sie auf der Suche nach ihrem Gefährten. Doch erst als sie auf den mysteriösen Mondtiger James trifft, schlägt ihr Herz endlich schneller. Doch James kam aus einem wichtigen Grund nach Kapstadt und benötigt nun Glorias Hilfe, um die magischen Wesen des Waldes aufzufinden. Ihr gemeinsames Abenteuer beginnt ...
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2018
Die Autorin:
Lisa Léon ist Sängerin und Autorin. Am liebsten schreibt sie Märchen und Geschichten die in einem fernen Land der Fantasie oder aber in einer unbekannten Zukunft liegen. Die Liebe zur romantischen Literatur hat in ihr den Wunsch geweckt, nun auch ihre eigenen Liebespaare auf dem Papier zum Leben zu erwecken. Sie liebt Schokolade, Blumen und das Reisen durch die Welt.
Lisa Léon
Plötzlich verliebt in ihren Tiger
Weil Liebe alles verbindet,
und Träume eins werden
lässt...
1.Auflage
Deutsche Erstausgabe November 2018
Alle Rechte vorbehalten.
© 2018 Lisa Léon
© Cover Art: Lisa Léon
Impressum
Endlich, da ist sie, meine Lieblingsquelle!
Sie ist klar und frisch. Wasser sprudelt mit einem leisen Plätschern über die Kieselsteine und empfängt mich blau und schillernd .
Ich tapse heran und betrachte mich im Spiegelbild des Wasserstroms: mein Fell leuchtet in dunklem Gelb, meine Streifen sind fein und schwarz, meine Augen glitzern mit Schalk.
Während ich meine Zunge in das leckere Wasser tauche, um meinen Durst zu stillen, denke ich zurück an mein Gespräch mit Helen.
"Du kannst das! Dieser Job wird dir noch viel mehr Kunden einbringen!", hatte sie zuletzt gesagt.
Ich soll die Hochzeit eines Paares organisieren, das eine ganz moderne, trendige Hochzeit haben möchte. Derweil bin ich jedoch eher der kitschige, romantische Typ, was das Planen von Hochzeiten anbelangt.
Aber Helen hat recht. Ich muss mich der neuen Herausforderung stellen. Und wenn ich mit den Vorbereitungen beginne, dann wird mir sicherlich auch schon bald eine gute Location einfallen. Dort kann die hippe Hochzeitsfeier dann stattfinden.
Mit einem Seufzen hebe ich meinen Kopf vom Wasser ab.
Ich erstarre, als ich in die aquamarinfarbenen Augen eines anderen Tigers sehe.
Es ist ein heller Mondtiger mit weißem Fell und blauen Augen, genau wie meine Schwägerin Madeline!
In Gedanken vertieft, habe ich ihn gar nicht näher kommen hören.
Ich betrachte ihn mit abschätzigem Blick und meine Sinne geraten sofort in Alarmbereitschaft: ein Männchen gar kein Zweifel! Sein Geruch ist eindeutig , ebenso wie seine Statur.
Ich gebe mir Mühe intuitiv mehr über ihn zu erfahren, seine Emotionen abzuzapfen, irgendetwas, aber nichts. Alles was ich wahrnehmen kann, ist sein Duft.
Er muss das Abschirmen seiner Emotionen gut beherrschen. Ich dagegen, bin ziemlich schlecht darin.
Zwar habe ich jahrelang mit Jaden trainiert, um meine Emotionen abschirmen zu können, bin aber nie zu ausschlaggebenden Ergebnissen gekommen. Wenn mich ein Tiger lesen will, so wie wir Tiger das nun einmal tun, dann kann er in mir tatsächlich lesen wie in einem Buch.
Ganz genauso wie in einem Frischling ...
Meine Mum spekuliert, dass es mit meiner Persönlichkeit zusammenhängt. Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch, kann meine Meinung einfach nicht für mich behalten, ebenso wie Traurigkeit oder Glück. Andere Menschen wissen also gleich woran sie bei mir sind und wahrscheinlich hat der Tigeranteil in mir das gleich mit übernommen.
Ich spüre, wie eine eigenartige Form von Begehren in meinem Bauch aufsteigt.
Es ist so, dass ich die Mitglieder unseres Rudels kenne, jeden einzelnen von ihnen. Mein Gedächtnis ist in der Hinsicht ziemlich gut! Ich weiß auch, wie selten die weiße Fellfarbe eines Tigers ist. Madeline ist die einzige Mondwertigerin, die ich je gesehen habe. Dabei sind jene Wertiger, welche man aufgrund ihrer hellen Fellfarbe auch Mondtiger nennt, ganz im Gegensatz zu ihrem mystischen Ruf, nichts Besonderes oder aber mächtiger als andere: Ihr Rudel vermehrt sich einfach nur langsamer, deshalb sind sie seltener.
Am Anfang, genau genommen vor tausenden von Jahren, wo sich der Mythos vom Tiger im Menschen zum ersten Mal umgesetzt hat, waren es die Sonnentiger, die sich in großen Familien über den Globus hinweg vermehrten. Die Mondtiger dagegen lebten zurückgezogen und blieben unter sich, bis es zum großen Kampf im 17. Jahrhundert kam.
Eine Mondtigerin hatte sich damals in einen Sonnentiger verliebt. Sie war dazu bestimmt einen Mondtiger aus ihren eigenen Reihen zum Gefährten zu nehmen, doch stattdessen erkannte sie ihr Spiegelbild in einem Sonnentiger des Ostens.
Sie sind geflohen!
Der Mythos sagt, dass sie in einem anderen Teil der Welt Zuflucht gefunden und ihr eigenes Rudel gegründet haben. In ihrem alten Zuhause jedoch, trugen die Väter der beiden Liebenden einen bitteren Kampf aus.
Die blaue Augenfarbe des Tigers vor mir fasziniert mich, ebenso wie sein Duft. Der Schalk der beim Beobachten meines erschrockenen Gesichtsausdrucks über sein Gesicht gezogen war, ist schon wieder komplett verschwunden. Stattdessen starrt er mich an. Es liegt dabei eine Intensität in seinem Blick, die mir beinahe den Atem raubt. Hitze umgibt mich, dreht mir den Magen um und lässt mich Schmetterlinge in meinem Bauch spüren, von denen ich dachte, dass sie sich in ihrem langjährigem Winterschlaf befinden.
Er steht auf der anderen Seite des kleinen Bachs. Ich weiche vor ihm zurück. Schon seine Präsenz allein, lässt mich diesen nicht besonders ehrenhaften Tigerzug nehmen. Er verunsichert mich immens!
Eigentlich sollte ich lieber an Ort und Stelle stehenbleiben und mit den Zähnen fletschen, so wie es die Tigerinnen in freier Natur tun. Nähert sich ein Rivale oder ein Männchen, welches beabsichtigen sollte sie zu der Seinen zu machen, so fahren sie buchstäblich die Krallen aus. Und erst wenn sich das Männchen in einem Kampf auf Leben und Tod bewährt hat, gewährt sie ihm Einlass in ihren Körper, und in ihr Herz.
Aber ich habe das im Augenblick komplett vergessen! Vergessen sind Stolz und Verstand, was bleibt, ist nur noch der Instinkt.
Ich weiche weiterhin vor ihm zurück und halte meine Augen gebannt auf den seinen.
Er neigt den Kopf zur Seite, als ob er mir eine Frage stellen möchte. Vielleicht ist es aber auch nur so, dass er sich über mein Verhalten wundert?!
Dann folgt er mir nach.
Ich weiß noch immer nicht genau, was er eigentlich von mir will. Will er vielleicht auch, einfach nur eine Erfrischung an der Quelle holen und ich habe ihn überrascht? Oder hat er mir sogar aufgelauert? Was ist, wenn er mir etwas antuen will?
Schließlich bin ich die Schwester des Alpha der Südtiger!
Zwar kann man das nicht auf den ersten Blick erkennen, aber wenn man vorher die richtigen Erkundigungen einholt, dann ist es wohl nicht wirklich ein Problem mich ausfindig zu machen.
Mit Leichtigkeit springt der Mondtiger über den schmalen Bach hinweg. Nur noch wenige Meter befinden sich zwischen uns. Ich schlucke schwer, als ich es doch noch schaffe eine Emotion aus seiner Umgebung auszumachen:
Es ist Verlangen!
Die Hitze, die sich unter seinem Blick so unverzüglich in meinem Körper ausbreitet, scheint nicht nur mich zu durchfluten, sondern auch ihn!
Die Erkenntnis, dass er womöglich beabsichtigt in einer ganz und gar erwachsenen Art mit mir zu spielen, erfüllt mich mit Hochfreude, aber ebenso mit Angst: Ich habe noch nie einen anderen Wertiger geliebt, noch nie! Und das nicht, weil ich es nicht wollte, sondern weil es einfach nie geschehen ist!
Als Affäre, war mir die ganze Sache immer zu heikel. Schließlich besteht eine besondere Gemeinschaft zwischen uns Mitgliedern im Rudel und ich war nie besonders scharf darauf zum Gesprächsthema Nr. 1 zu werden, indem ich Affären mit anderen Wertiger Männern hatte. An meinen Techtelmechteln mit normalen Menschenmännern stört sich jedoch keiner. Ich denke, das liegt daran, dass niemand eine solche Verbindung wirklich ernst nimmt. Es soll eine viel zu schwache Verbindung sein, nicht einmal ansatzweise vergleichbar mit der Intensität einer Paarung zwischen Wertigern, und erst recht nicht mit der zwischen zwei Gefährten.
"Wie heißt du?"
Die Stimme des Mondtigers ist ungewöhnlich rau. Entgegen meiner Erfahrungen mit anderen Tigerstimmen ist seine nicht samtig, sondern leicht kratzig, gespickt mit maskuliner Kraft.
Ich atme tief ein und schüttele dann den Kopf. Meinen Namen werde ich ihm nicht geben! Gloria ist nicht gerade ein sehr häufiger Name, schon gar nicht hier in unserer Gegend.
Schließlich ist der Mann vor mir ein Fremder! Ich kenne seine Absichten kaum. Wenn er sich als eifersüchtiger oder besitzergreifender Verehrer herausstellen sollte, dann würde ich ihn sicherlich in ziemlich kurzer Zeit vor meiner Appartementtür wieder finden. Und das ist keine Übertreibung. Meiner Freundin Lee ist genau so etwas passiert: Im realen Leben und nicht nur in den warnenden Berichten unserer Großmütter!
Mit einem Satz kommt er auf mich zugesprungen. Ich überlege was ich tun soll: weglaufen oder stehenbleiben um mich der Konfrontation zu stellen?
Der Mondtiger deutet eine kleine Vorbeugung mit dem Kopf an und spricht mit weicherer Stimme weiter: "Vielleicht wäre es besser, wenn ich mich erst einmal vorstelle: Mein Name ist James!"
Ich schüttele wieder mit dem Kopf.
"Wirst du vor mir wegrennen oder dich mit mir vereinen? Ich spüre, dass du noch in Unentschiedenheit schwelgst."
Direkt!
In meiner menschlichen Form wäre mir sicherlich die Röte ins Gesicht gestiegen. Mit meinem samtigen Fell jedoch, ist das zum Glück nicht möglich.
"Sollte ich das?", frage ich vorsichtig, "weglaufen, meine ich?"
Der Mondtiger vor mir lacht auf. Ein leises sexy Lachen entweicht seinem Mund. Es ist mit einem hauchenden Husten überzogen, was mir ein kleines Zittern durch die Glieder sendet.
"Ich weiß, dass ich dir geben kann, was du brauchst!! Aber du musst entscheiden, ob du bereit für einen One-Night-Stand bist?!"
Wilder Stolz beginnt in meiner Brust zu tosen. Was ich brauche? Er will mir damit doch wohl nicht etwa sagen, dass ..?
Empört schnappe ich laut hörbar nach Luft: "Ein One-Night Stand? Einfach so!"
In Wahrheit habe ich schon etwas Erfahrung mit spontanen Liebesnächten gemacht, jedoch noch nie mit einem anderen Wertiger.
James vor mir lacht auf, erneut.
Ich überlege, zögere. Doch dann komme ich zu einem Entschluss. Ich fühle mich unglaublich zu diesem Mondtiger angezogen. Und ein Abenteuer der erotischen Art ist etwas, dass ich mir schon seit längerer Zeit wieder gewünscht habe. Also nicke ich langsam und sage mit kecker Stimme:" Dann lass uns spielen!"
James versteht meine Einwilligung und lacht. Dann überwältigt er mich, indem er nach vorn springt und mich mit unsäglicher Schnelligkeit zurück zwängt und meinen Zustand der Überraschung ausnutzt. Ich kann gar nicht so schnell schauen, da spüre ich auch schon, wie er mir in den hinteren Nacken beißt. Die Kraft seines Bisses und die damit einhergehende Überraschung, zwingen mich unausweichlich zu Boden.
James stellt sich hinter mich. Ich höre seinen tiefen Atem in meinem Ohr und beginne vor Aufregung zu zittern.
"Sicher?", fragt er leise. So sehr ich mein Verlangen nach ihm auch verleugnen mag, so weiß ich doch, dass er dies doch riechen kann, vielleicht sogar auf seiner Zunge schmecken kann.
Ja... so empfindlich sind unsere Sinne gegenüber Düften ...
Ich weiß, dass das Zittern meiner Ohren mich verrät.
Auch spüre ich seine Absicht!
Ich bin geradezu gespannt darauf, was wohl als Nächstes kommen wird. Ich halte mit wild klopfendem Herzen den Atem an.
Doch James tut nicht, wonach es uns beiden verlangt!
Mit jedem Moment mehr scheint es jetzt so, als warte er auf meine Einwilligung. Mich überrascht dieser Akt des Respekts, dominiert er mich doch schon alleine durch seine Anwesenheit. Doch James nutzt seine Überlegenheit nicht aus. Ich könnte ihn immer noch von mir stoßen, die Krallen ausfahren, fauchen und ihn beißen, um mich zu verteidigen.
Doch dies will ich nicht.
Aus irgendeinem Grund ist mein Gehirn wie benebelt und mein Herz schlägt so schnell, wie es das noch nie zuvor in meinem Leben getan hat. Ich weiß, dass es kein Zurück mehr gibt, dass ich ihn spüren muss, jetzt, in diesem Moment.
Diese Erkenntnis lässt mich ihm meine Hüften näher zu sich schieben. Ich gebe ihm meine Antwort ohne die Verwendung lästiger, peinlich berührter Worte. Und er versteht mich sofort, wartet nicht länger und überwältigt mich.
Ich spüre seine Dominanz, seine ganze Kraft.
Und es ist neu für mich. All dies hier!
Ich habe es so noch nie getan, hier, in freier Wildbahn. Nicht, dass ich es nicht auch schon als Mensch getan hätte. Aber als Tiger, das ist dann doch schon eine Stufe schärfer.
Wir tanzen schnell und ungeduldig. Unsere schweren Atemzüge erfüllen den Wald. Es sind Licht und Wärme, die mich zum Schluss, in schillernden Farben überwältigen.
Bedauern überkommt mich, sobald unser Tanz zu Ende ist. Ich würde es gern wieder tun, immer und immer wieder, mit ihm!
James zieht sich zurück und beginnt mich wie ein lauernder Jäger zu umkreisen.
Aber er hat mich doch jetzt schon längst erobert ...
Sein Duft ist nun stärker. Es umgibt ihn der Duft der Paarung, der Duft der Verbindung.
Die Intensität der Sinnlichkeit raubt mir beinahe den Verstand!
Ich bin wie betäubt, folge jedoch jedem seiner Schritte mit meinem Blick nach.
Erneut kommt James zu mir heran.
Nur wenige Zentimeter vor meinem Kopf bleibt er stehen und neigt sich zu mir hinab. Das Blau seiner Augen glüht sich in die meinen hinein, seine Nasenspitze trifft auf die meine. Lang und zärtlich gibt er mir den entscheidenden Tigerkuss, den man in der Menschenwelt auch "Eskimo-Kuss" nennt. Es ist die zärtlichste Form von Austausch, die man in Tiger Form haben kann.
Doch dann folgen seine Worte, und in ihrer Kraft wirken sie plötzlich so erschütternd wie ein Schlag ins Gesicht:
"Du bist mein!", flüstert er mir entgegen. Seine Stimme ist zart und doch macht er seinen Anspruch auf mich, den er hier nun zum Ausdruck bringt, felsenfest klar.
Am liebsten möchte ich ihm laut Nein! entgegen schreien, denn das Geschehen hier ist zu surreal. Aber dann erinnere ich mich wieder an die Sehnsucht, die mich über Wochen, Monate, nein sogar Jahre hinweg geplagt hat.
Ist es denn nicht dies, was ich immer wollte, mir so sehnsüchtig gewünscht habe? Habe ich mir nicht gewünscht, mich zu verlieben und somit endlich eine Familie gründen zu können?
Aber das hier?
Er ist ein wildfremder Mann!
Ich habe ihn noch nicht einmal in seiner menschlichen Form gesehen...
Fassungslosigkeit überkommt mich, wenn ich daran denke, was ich gerade eben noch mit ihm getan habe.
