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Eric und Alis haben jetzt eine Eigentumswohnung bei Ulla im Haus. Die Umbau- und Renovierungsarbeiten sind gerade fertig geworden, als die kleine Britti zur Welt kommt. Für die junge Familie beginnt eine glückliche Zeit und klein Britti entwickelt sich prächtig. Von der Patentante bekommt das kleine Mädchen das Püppi Julchen geschenkt. Julchen ist ihr Ein und Alles. Durch ein schreckliches Erlebnis, welches Julchen zugestoßen ist, verliert Britti aus Trauer ihre Sprache. Wird das kleine Mädchen eines Tages wieder sprechen können?
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Seitenzahl: 278
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Es ist drei Uhr nachts und beinahe taghell. Der Vollmond scheint Alison mitten ins Gesicht. Davon ist sie wohl auch wach geworden. Eric wälzt sich unruhig im Bett, aber er schläft tief und fest. Alison kann nicht mehr einschlafen. Es gehen ihr jede menge Gedanken durch den Kopf. Morgen ist ihr erster Hochzeitstag. Ja, es war ein schönes Jahr, das sie und Eric jetzt hinter sich haben. Jetzt fällt ihr auch wieder ihre Hochzeit ein, die so holter die polter über sie gekommen ist. Alles innerhalb nur einer Woche nach der bösen verlorenen Zeit... und der Flug mit dem Hubschrauber zur Trauung im Gemeindehaus unten in ihrem damaligen Urlaubsort. Alles wurde vom Fernsehen übertragen. Dann die Trauzeugen Gernot und Irene, die lieben Freunde, mit denen sie schon im Jahr zuvor eine ganze Woche vom Schnee eingeschlossen in ihrer Hütte kampieren mussten. Ja, und dann der Pilot vom Hubschrauber, der sie aus ihrem Schneegefängnis erlöst hatte. Die Drei waren damals ihre Trauzeugen. Was mag wohl aus dem Piloten geworden sein? Von ihm hatten sie nie wieder was gehört. Nach der Trauung waren alle vom Bürgermeister noch zu einem wunderbaren Essen eingeladen worden. Presse und Fernsehen waren auch bei dieser Feier zugegen. Später schickte der Bürgermeister ihnen als Hochzeitsgeschenk den vom Fernsehen gedrehten Film und alle Bilder die von der Zeitung gemacht wurden. Die Hochzeit wird also nie in Vergessenheit geraten.
Ein paar Tage sind Alison und Eric dann noch in der Hütte am Urlaubsort geblieben, dann ging es wieder zurück nach München in die eigene Wohnung.
Alison sieht jetzt wieder alles ganz genau vor sich. Sie fährt alleine mit ihrem Wagen, denn Eric kam ja später nach und hatte somit auch seinen eigenen Wagen am Urlaubsort.
Eric fährt die lange Strecke immer voraus. Alison möchte auf jeden fall hinter ihm bleiben, aber wieder und wieder schiebt sich ein anderes Auto dazwischen. Es ist wirklich nicht einfach. Immer öfter verliert sie Eric aus den Augen. Zwei Stunden sind sie erst unterwegs und Alison ist schon richtig genervt.
“Oh Eric mein Schatz,” er setzt den Blinker und fährt an der nächsten Tankstelle auf einen Parkplatz, welch Glück. Eric findet auch sofort einen Platz, wo sich Alison daneben stellen kann. Geschafft steigt sie aus. Eric sieht Alison an, wie nervös sie ist, deshalb schlägt er vor, erst einmal eine richtige Rast zu machen. “Wir werden uns jetzt kurz die Füße vertreten und dann rein mit uns ins Kaffee. Es ist jetzt halb zwölf, um zwölf bekommt man hier sicher schon eine warme Speise, da können wir also eine Kleinigkeit essen und dann machen wir uns ganz langsam, wir haben ja alle Zeit, wieder auf den Weg. Ich denke um die Mittagszeit wird die Autobahn nicht mehr ganz so voll sein und dann können wir besser fahren, ohne uns zu verlieren.” Alison ist dankbar für die Fürsorge vom Eric und ist mit seinem Vorschlag einverstanden.
Eine Stunde später machen sich Alison und Eric fertig zur Weiterfahrt. Alison hat sich inzwischen wieder beruhigt. Wie Eric vorausgesehen hatte, ist die Autobahn tatsächlich nicht mehr so überfüllt wie eine Stunde zuvor und es geht ohne weitere Zwischenfälle gut voran. Einmal wird noch ein kurzer Stopp gemacht und bald kommen sie auch schon in die heimatlichen Gefilde.
Endlich sind sie zu Hause. Frau Obermayer steht wie eh und je in ihrem Vorgarten. Sie hat ihre beiden Zöglinge schon erwartet. Das ist eine Wiedersehensfreude. Frau Obermayer nimmt Alison in die Arme, drückt sie zärtlich an ihre volle Brust und sagt, “na du Ausreißer, hast du endlich wieder nach Hause gefunden?” Auch Eric wird herzlich begrüßt. Beide müssen nun gleich mit rein in die Wohnung von Frau Obermayer. Der Tisch ist festlich geschmückt und der Kaffee wartet schon in der Thermoskanne auf die lieben Gäste. Auf dem Tisch steht doch tatsächlich eine richtige kleine Hochzeitstorte mit einem Hochzeitspaar aus Marzipan oben drauf als Krönung. Na das ist aber eine Überraschung. Viel zu schade zum Essen. Alison soll die Torte anschneiden, wie sich das für eine Braut gehört. Sie nimmt aber zuvor ganz vorsichtig das Brautpaar von der Torte, stellt es auf ihre Serviette und sagt, “die beiden werden nicht verspeist, die werden eingepackt und aufgehoben bis zu unserer Silberhochzeit.” Eric muss schmunzeln, aber Alison ist es ganz ernst bei dem Gedanken und Frau Obermayer meint, “na hoffentlich kann ich die dann noch mit euch mitfeiern.” Alison und Eric protestieren sogleich bei solchen Worten und prophezeien ihr ein Alter von mindestens 100 Jahren, da sie doch noch lange gebraucht wird. “Gut Kinder, wenn ihr mich braucht, werde ich so lange durchhalten. Aber nur, wenn wir jetzt endlich mit der Torte anfangen können. Ich habe nun lange genug gewartet und einen Bärenhunger.” Also wird die Torte endlich von Alison angeschnitten und aufgeteilt. Schnell ist eine Stunde mit erzählen und schmausen vergangen und Alison hält es nun nicht mehr, sie möchte endlich hoch in die eigenen vier Wände. Frau Obermayer hilft dann noch die Autos ausräumen und alles hoch in die Wohnung zu tragen. Alison lässt sich oben gleich in einen Sessel fallen und seufzt zufrieden, “endlich zu Hause.” Dann traut sie ihren eigenen Augen kaum. Vor dem Balkonfenster steht eine riesige Bodenvase mit einem Wunderbaren Strauß. Man, das ist doch die Vase, die ich schon Monate lang bewundert habe, die stand doch im Schaufenster bei dem Kunsthändler Rebermann, na das ist aber eine Überraschung.” “Ja Alison, du hattest mir mal von der Vase erzählt und nun dachte ich, das ist dann sicher das richtige Hochzeitsgeschenk für euch.” “Aber sicher Frau Obermayer, vielen, vielen Dank auch dafür” sagen wie aus einem Mund Alison und Eric. Alison geht auf Frau Obermayer zu und drückt sie noch mal und bedankt sich mit einem Kuss auf die Wange. O ja, das ist die Vase, die sich Alison immer wieder im Schaufenster angesehen hatte, aber sie konnte sich nicht überwinden so viel Geld für eine Vase auszugeben. Und nun hat sie das Schmuckstück hier in der Wohnung stehen, welche Freude.
Frau Obermayer geht wieder nach unten, aber nicht ohne zuvor daran zu erinnern, das Hochzeitsmenü steht pünktlich um acht Uhr auf dem Tisch. Nun sind endlich die beiden Jungvermählten alleine in ihrer eigenen Wohnung. Es kommt ihnen so vor, als wenn sie eine Ewigkeit nicht hier gewesen wären, dabei sind es bei Alison noch nicht mal vier Wochen und Eric war sogar vor zwei ein halb Wochen noch hier. Aber was haben sie in der Zeit alles Erlebt. Beide sind nun glücklich, endlich gemeinsam wieder zu Hause zu sein. Eric schlägt vor, alles an Gepäck stehen und liegen zu lassen. Es ist ja sowieso nicht viel. „Wir legen uns jetzt erst einmal raus auf unseren schönen Balkon und genießen den herrlichen Nachmittag.“ Alison ist sofort einverstanden und gleich liegt sie auch schon draußen in ihrem Lieblingssessel und streckt die müden Beine aus.
Alison ist glücklich und träumt so vor sich hin, bis sie einschläft. Sie wird auch nicht wach, als das Telefon klingelt. Es sind die Eltern, die sich erkundigen wollen, ob mit der Heimfahrt alles glatt gegangen ist, und ob es mit dem Besuch am Wochenende wie besprochen so bleibt. Dann klingelt es noch einmal, es ist Gernot, auch er möchte wissen, ob mit der Heimfahrt alles geklappt hat. Endlich kann es sich dann auch Eric auf dem Balkon in seinem Sessel bequem machen. Beide schlafen nun friedlich, bis Frau Obermayer von unten ruft, „Kinder habt ihr vergessen, dass es in zwanzig Minuten euer Hochzeitsessen gibt?“ Alis wird wach und räkelt sich zufrieden. Sie hat doch tatsächlich über zwei Stunden fest geschlafen. Nun muss sie erst einmal Eric wecken, er hat Frau Obermayer nicht gehört. Alis schaut noch halb verschlafen vom Balkon, da sieht sie hinter ihrem Auto noch einen Wagen stehen. Sie ruft Eric, “schau mal schnell, ich kann nicht glauben, was ich hier sehe.” Eric ist dann genau so verblüfft wie Alison, “man das ist aber Überraschung, da hat doch Frau Obermayer ganz heimlich Gernot und Irene auch zum Abendessen eingeladen.” Nun flitzen Beide nach unten, Irene und Gernot sind gerade damit beschäftigt die Girlanden mit den bunten Lämpchen hinter dem Haus aufzuhängen und Frau Obermayer schmückt den Tisch für das festliche Abendessen. Irene und Gernot haben sich an Allem für das Essen beteiligt und auch für die Getränke gesorgt. Allerdings hatte Frau Obermayer den Löwenanteil mit den Vorbereitungen zu tun sowie kochen und braten. Sogar ein Quartier hat sie im Anbau für Irene und Gernot gerichtet. Sie sagt, ”wie kann man richtig feiern, wenn man daran denken muss, sich später wieder ins Auto zu setzen, um Heim fahren zu müssen?“ Eric ist ganz ergriffen von so viel Fürsorge und sagt, ”Frau Obermayer, Sie sind wirklich ein Schatz. Sie behandeln uns wie eine Mutter ihre Kinder.” Über dieses Lob ist Frau Obermayer sehr glücklich und schlägt vor, sie in Zukunft statt ‚Frau Obermayer’ einfach du oder Ursula zu sagen.” Alis und Eric sind mit dem Vorschlag einverstanden, auch wenn es ihnen anfangs etwas seltsam vorkommt. Bei Irene und Gernot hört sich das schon ganz anders an. Die Beiden hatten sich vor Tagen schon einige male mit der Obermayerin hier getroffen und sich gegenseitig ins Herz geschlossen. Frau Obermayer, nun Ursula, geht mit den Beiden um, als wenn sie sich schon alle Ewigkeiten kennen würden. Eric sagt, “man, ich habe das Gefühl wir kommen heute aus den Überraschungen gar nicht raus.” Ursula sagt dazu nur, “macht nichts Kinder, ich freue mich, nun endlich eine richtige Familie zu haben.”
Es ist schon lange nach Mitternacht, als die kleine Gesellschaft den Garten räumt und die Betten aufsucht. Alison meint müde aber überglücklich dann oben in der Wohnung zu Eric, “hättest du je gedacht, dass wir mal so ein schönes zu Hause mit einer lieben mütterlichen Freundin haben werden?” „Nein Alison, so was kann man vorher nicht wissen. Wir hatten eben ein riesengroßes Glück, da können wir nur hoffen, dass es uns auch treu bleibt. Ich glaube unsere Ursula hat in der letzten Zeit um unser Glück genau so gebangt wie wir.” „Ja stimmt Eric, denn sie war durch unsere Anrufe ja auch wirklich in unsere Irrwege und die verlorene Zeit mit einbezogen.” „Ja mein Frauchen, wir haben ihr schon ganz schön was zugemutet. Vielleicht haben wir mal die Gelegenheit, ihr das alles wieder zu vergüten.”
Der nächste Morgen ist wieder ein Morgen, wie man sich ihn nur wünschen kann. Die Sonne strahlt am blauen bayerischen Himmel und die Vögel zwitschern vor Lebenslust in den Ästen auf den nahen Bäumen und Sträuchern. Ursula flitzt im Garten flink umher, um Ihre geliebten Blumen mit Wasser zu versorgen und auch der Kaffeetisch ist schon appetitlich für ihre Gäste gedeckt. Eric steht auf dem Balkon in der Wohnung und schaut sich diese Idylle von oben an, dann sieht er auch Gernot und Irene aus ihrem Quartier auftauchen. Irene reckt und streckt sich in der lauen Morgenluft und Gernot geht sofort der Ursula zur Hand und holt für sie noch einige Kannen Wasser. Beide unterhalten sich angeregt und lachen fröhlich. Jetzt kommt auch Irene dazu. Eric kommt sich plötzlich ganz ausgeschlossen vor, er geht zu Alison ins Bad und sagt zu ihr, “ich glaube die warten schon auf uns, ich gehe schon mal nach unten.” “Ist gut, ich bin auch gleich so weit und komme dann nach.”
Wenige Minuten später sitzen alle bei einem kräftigen Frühstück am Kaffeetisch. Irene erzählt wie gut sie geschlafen hat, und Gernot lobt Ursula für die wunderbare Hochzeitsnachfeier. Leider müssen Gernot und Irene bald wieder zurück fahren, denn Gernot hat morgen eine Vorlesung und dafür hat er heute noch einiges zu erarbeiten.
So dauert es nicht lange und der Garten wirkt wieder wie ausgestorben. Ursula muss im Haus alles wieder in Ordnung bringen und Eric und Alison haben auch zutun, denn Kleider und Taschen aus dem Urlaub stehen und liegen noch in der Wohnung herum. Gemeinsam ist das aber bald geschafft und so geht es erst einmal rüber zur Pferdekoppel. Alis sagt, “Das wird jetzt aber auch höchste Zeit. Wer weiß, wenn wir noch länger warten, ob sie uns dann überhaupt noch erkennen, meine lieben Pferdchen? Oh nein!” ruft sie plötzlich aus, ”Wir haben ja nun noch nicht mal einen einzigen Apfel, was sollen wir denn nun machen?” “Ja ohne Apfel können wir natürlich nicht gehen Alis, aber ich denke schon, Ursula wird uns da sicher mal aushelfen können.” “Ja klar Eric, wenn nicht Ursula, wer dann? Gehen wir mal fragen.”
Alis und Eric gehen also zu Ursula, und wie schon vermutet ist sie wieder mal die Rettung. Sie hat natürlich gleich vier Äpfel parat. Die hatte sie schon gestern aus dem Keller mitgebracht, weil sie etwas verschrumpelt aussahen. “Das sind nun auch beinahe die letzten Äpfel vom vergangenen Jahr, lange genug haben sie ja gehalten,” meint Ursula. “Es dauert nicht mehr lange und wir können die neue Ernte im Garten pflücken. Ich habe schon mal probiert, die Äpfel sind recht süß und saftig.” “Au, das ist fein,” sagt Alis. Beide bedanken sich und gehen los. ”Dann mal schöne Grüsse von mir an die Pferdchen, ich lasse mich auch bald wieder mal sehen,“ ruft Ursula hinterher und verschwindet wieder in ihrer Küche.
Die Pferdchen haben Alison und Eric sofort wieder erkannt und im nu traben sie zum Zaun und betteln um die Apfelspalten. Die Fohlen sind wieder mal die Ersten und Alison ist erstaunt, wie die staksigen Kleinen inzwischen gewachsen sind. Danach entschließen sich Eric und Alis noch weiter bis zur Sennhütte und an den kleinen See zu spazieren. Eric fragt, „kannst du dich noch daran erinnern, dass es damals auch unser erster Weg war, den wir machten, nachdem du aus Rostock zu mir gekommen bist?” “Man Eric, so was vergisst man doch nicht“.
Damals war sogar der Hirte an der Hütte und hat uns zu einem Schnäpschen eingeladen. Ihr habt beide miteinander gesprochen und ich hatte nicht ein einziges Wort davon verstanden.” „Stimmt, an dem Tag kamen doch auch die Kühe von der Alm.” „Ach ja, es war ja gerade Almabtrieb und der Hirte hatte auf die Kühe gewartet.” „Ja Eric, wir sind dann aber weiter zu dem hübschen kleinen See gegangen und anschließend zu der kleinen Gaststätte. Warum sind wir denn dort eigentlich nie wieder eingekehrt?” „Wenn du mich so fragst, ich weiß es auch nicht. Früher als ich noch alleine hier war, hatte ich öfter mal dort zu Abend gegessen.” „Na ja, Eric, bei uns auf dem Balkon können wir ja auch wunderbar sitzen, da reicht nach der Arbeit und dem Essen auch der kürzere Gang bis zu unseren Pferdchen, stimmt doch, oder?” “Ja, hast Recht mein Frauchen, aber was würdest du denn sagen, wenn wir heute dort wieder mal einkehren, dann müssen wir zu Hause kein Essen mehr machen.” „Gute Idee, besonders voll ist unser Kühlschrank sowieso nicht und wenn ich so auf meine Uhr schaue, Mittag ist inzwischen vorüber. Wir hatten ein ausgiebiges Frühstück und nun werden wir mal sehen, ob die in der Gaststätte was Gutes zu bieten haben und dann reicht das auch für heute, höchstens am späteren Abend noch mal ein Stück Brot und ein Gläschen Wein.” „Einverstanden, ja so werden wir es machen. Schau mal, wer dort sitzt, das ist doch unser Hirte. Einmal hatte ich, als du schon verschwunden warst, bei ihm Ziegen oder Schafskäse für Ursula geholt. Er hatte sich sogar nach dir erkundigt, bin aber nicht weiter darauf eingegangen, was sollte ich denn auch sagen?” „Was, der konnte sich tatsächlich noch an mich erinnern, oder flunkerst du?” „Quatsch, aber schau mal, der Hirte hat uns entdeckt und sicher auch wieder erkannt, er winkt uns zu.” „Na dann müssen wir auch zu ihm mit rangehen, wir werden uns auf dem Rückweg von dem schönen Käse mitnehmen, den können wir dann abends zu unserem Wein essen.” „Ja, gute Idee Alis, dann nehmen wir auch für Ursel etwas mit, die freut sich bestimmt. Das ist dann eine kleine Anerkennung für sie, die hat uns jetzt so viel Gutes getan, Ob wir das jemals zurück geben können?”
Dann kommt auch schon der Hirte ein Paar Schritte auf sie zu mit einem fröhlichen „Grüats sie Gott, no auch amoal wieada hier“? Eric antwortet, “ja, und diesmal sogar mit meiner Frau, wir haben inzwischen geheiratet.” “No, doas is amoal freili fein. Da gratulier i ach schön. Da müssen wir aber an Schnäpsli droaf trinken.”
Schon hat er für jeden einen kleinen Schnaps eingeschenkt. Der ist so stark, dass Alis ordentlich husten muss. Der Hirte amüsiert sich darüber und meint, Alis sollte mal endlich etwas üben, denn alt genug wäre sie doch nun sicher, um einen guten Schnaps zu vertragen. Dann bietet er ihr aber gleich darauf ein Glas frische kühle Milch an. Die nimmt Alis gerne, aber nach dem ersten Schluck verzieht sie das Gesicht und fragt, ”was ist denn das?” „No, des is frische Milli von mei Schoafe, schmeckts no?” „Doch, doch” beeilt sich Alis zu sagen, “nur etwas ungewohnt.” Gehorsam trinkt sie dann den ungewohnten Trunk aus. Eric bestellt den Käse für den Rückweg und dann geht es auch schon weiter. Erst einmal zum See, dort wird noch einige Minuten Station gemacht. Tatsächlich blühen wieder einige hübsche rosa Seerosen im Wasser. Alison denkt laut, “die wurden sicherlich früher mal von jemanden hier eingesetzt, aber es ist schon ein Wunder, dass die im Winter noch nicht erfroren sind.” “Stimmt Alis, soweit hatte ich noch gar nicht gedacht, aber vielleicht ist der kleine See hier zwischen den Hügeln etwas geschützt.” Plötzlich kommen einige Schwalben, oder sind es Mauersegler mit einem Schwung über den See, nehmen einen Schnabel voll Wasser und fliegen wieder im hohen Bogen davon. Das machen sie vier- bis fünfmal hintereinander und sind danach gleich wieder verschwunden. Alison ist ganz erstaunt, so ein Schauspiel hatte sie noch nicht gesehen. Sie platzt heraus, ”man war das aber eben hübsch, nie habe ich gedacht, das die Vögel so zum Trinken kommen. Bei uns zu Hause im Garten hatten wir eine Vogeltränke, da haben sich die Sperlinge auf den Rand gesetzt und getrunken bis sie genug hatten. Dann sind sie wieder weiter um aus den Blütendolden die Samenkörner zu stibitzen.” “Na Alis, hier gibt es keinen Rand, und so einen langen Hals bis runter zum See haben die Schwalben nicht. Wie sollten sie sonst das Wasser schöpfen? Da haben sie sich eben diese Methode zu Eigen gemacht. Ist doch auch ganz schön, finde ich.” “Doch, doch Eric, das finde ich auch. Und richtig elegant sieht es aus, wie die kleinen Vögelchen in einem Bogen so über den See segeln.” Jetzt kommt ein Mutterschaf mit einem Lämmchen an den See. Alis bekommt fast einen Schreck. „Na, die werden doch nicht auch Wasser trinken wollen?”
„Das Lamm ganz sicher nicht. Das bekommt bestimmt noch genug Milch von der Mutter. Das heißt, wenn du die Milch nicht wieder zuvor austrinkst, so wie vorhin in der Hütte. Sag mal, wie hatte denn die Milch eigentlich geschmeckt?” “Hmm... na ja, gute Frage. Ähnliches habe ich noch nicht getrunken, so kann ich auch nicht sagen wie die Milch geschmeckt hat. Wie Kuhmilch jedenfalls nicht, aber sehr gewöhnungsbedürftig, ich will mal sagen etwas streng. Die Kuhmilch schmeckt lieblicher.” Eric überlegt, “eigentlich komisch, dass niemand von uns zuvor Schafsmilch gekostet hat, bei uns zu Hause gibt es doch auch jede Menge Schafe auf den Weiden.” “Ja stimmt Eric, ist eigentlich seltsam. Aber jetzt etwas ganz Anderes. Morgen musst du dich unbedingt um unseren Heimflug kümmern. Hoffentlich klappt es alles so, wie wir es uns gedacht haben. Mensch Eric, du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich schon darauf freue. Erst einmal auf den Flug selbst und dann auf unsere Familien zu Hause. Wir waren jetzt schon über zwei Jahre nicht mehr dort. Meinst du einer deiner Eltern wird uns aus Rostock - Laage abholen?” “Ach das ist doch nicht nötig. Wir können das kleine Stück doch mit der Taxe fahren. Wir fahren zuerst zu meinen Eltern, das ist der kürzeste Weg. Die 25 Km kosten nicht die Welt.” “Klar, zu meinen Eltern kommen wir dann immer noch. Kannst sicher bei deinen Eltern ein Auto bekommen. Also Eric, du kannst dir bestimmt nicht vorstellen, wie sehr ich mich darauf freue.” “Doch Alis, ich freue mich ja auch schon darauf.” “Ja Eric, und das mit dem Flugzeug, das ist so eine wunderbare Idee von dir. Ich wäre gar nicht darauf gekommen. Wie gesagt, das ist dann noch mal eine richtige Hochzeitsreise für uns und wir haben dadurch beinahe zwei Tage Zeit gewonnen.” “Okay, ich kümmere mich um unseren Flug, aber warum erst morgen? Ich kann doch auch schon heute Abend anrufen, vielleicht bekommen wir schon für morgen einen Flug, Zeit haben wir doch, ob wir nun hier zu Hause rumsitzen, oder morgen gleich weiter fahren. Wäsche waschen können wir auch, wenn wir wieder zu Hause sind. Was wir in Rostock brauchen, das haben wir auch noch sauber im Schrank.” “Oh Eric , ja das wäre wirklich richtig toll. Heute gehen wir noch Essen, und für Morgen brauchen wir dann gar nichts mehr. Dann müssen wir nicht mal mehr einkaufen gehen. Hach, ich bin schon ganz aufgeregt. Am liebsten würde ich sofort anfangen unseren Koffer zu packen.” “Na nun mach mal langsam mein Frauchen, nun werden wir uns erst einmal in aller Ruhe auf den Weg zur Hütte machen und eine gute Vesper bestellen, dann sehen wir weiter.” Alison lässt sich das nun nicht zweimal sagen, schon steht sie neben Eric und zieht ihn auf die Füße. Unterwegs macht sie Eric den Vorschlag, doch nicht erst abends auf dem Flughafen anzurufen, sie meint, “das könntest du doch auch schon jetzt hier vom Handy aus machen. Die Nummer vom Flughafen hast du doch sicher immer noch im Speicher, oder?” Eric lässt sich überreden und wählt… Dort bietet man ihm gleich für den morgigen Vormittag zwei offene Flüge an. Eric bucht den Flug um 8:30 Uhr. “Na dann ist ja alles paletti Eric, besseres hätte es ja nicht für uns geben können. Nun komm, wir wollen jetzt einen Schritt zulegen, ich habe schon einen Bärenhunger und dann möchte ich auch noch unseren Koffer packen.”
Ursula ist sprachlos, als sie erfährt, was die Beiden schon wieder vorhaben. Nach einiger Überlegung meint sie, “Das ist eigentlich nicht verkehrt. Ihr wart zwar nun noch nicht mal richtig hier, aber das schadet nichts. Dann müssen Wäsche und Wohnung nur einmal gewaschen und geputzt werden. Dann lohnt es wenigstens. Ja, und der Kühlschrank bleibt auch leer bis ihr wieder zurück seid. Zu Abend könnt ihr heute bei mir essen, ich habe noch genug von gestern übrig.”
Alison ist selig, dass alles so wunderbar klappt. Singend flitzt sie die Stufen zu Ihrer Wohnung hoch um die Taschen und den kleinen Koffer auszupacken und saubere Sachen für ihre Hochzeitsreise nach Rostock darin zu verstauen. Erics neuer Anzug und das Kleid, das Alison für die Hochzeit gekauft hatte muss natürlich auch mit. Schließlich wird mit den Eltern noch eine richtige Hochzeit nachgefeiert. Als Eric ihre Wohnung betritt, ist Alis schon so gut wie mit allem fertig. Die Vorfreude hat sie beflügelt. Bald ruft Ursula zum Abendessen und einige Stunden später ist der erste Tag in den eigenen vier Wänden auch schon wieder vorüber.
Wie immer, wenn es was Neues gibt, ist Alison, die sonst gerne eine Langschläferin ist, am nächsten Morgen bei Zeiten wach und putzmunter. Noch ehe Eric seine Augen öffnet ist Alison schon unter der Dusche und trällert vergnügt ein Liedchen. Davon wird Eric wach. „Na warte…“, denkt er sich. Leise schleicht er ins Bad und dreht den Warmwasserhahn am Waschbecken bis zum Anschlag auf. Prompt bekommt Alison unter der Dusche plötzlich einen eiskalten Wasserschauer über ihren Körper. Ihr trällerndes Liedchen endet mit einem Schrei. Ehe Alison richtig mitbekommt, wieso ihr Duschwasser plötzlich eiskalt ist, ist Eric auch schon wieder aus dem Bad verschwunden.
Alison wirft sich das Badetuch über und flitzt ins Schlafzimmer. Eric zieht sich gerade den Bademantel über und er fragt ganz scheinheilig: “Meine Güte, was war denn los? Mich hat dein Schrei mitten aus den Schlaf gerissen. Mir steckt der Schreck noch immer in den Knochen. Was machst du denn in aller Herrgottsfrühe für einen Krach?”
Alison von dem kalten Wasserstrahl noch ganz außer Atem, jappst: ”Man, ich dusche gerade so schön, da ist das Wasser plötzlich eiskalt. Das musst du dir mal vorstellen. Das ist, als wenn dir jemand einen Eimer eiskaltes Wasser überschüttet. Ich hab dann sofort den Hahn abgestellt. Ob da irgendwas kaputt ist, eventuell eine Sicherung?” Mit unschuldiger Mine erkundigt sich Eric, “na hast du denn das warme Wasser nicht noch mal aufgedreht?” “Ne, meinst du ich spinne und will noch mal eine kalte Dusche abbekommen? Wirst es ja merken wenn du unter die Dusche gehst.” “Okay, wenn nicht anders, dann dusche ich eben kalt. Ich bin schließlich kein Weichei.” Mit diesen Worten geht Eric gradewegs ins Bad unter die Dusche und ruft laut: “Ja, das Wasser ist eiskalt.” Darauf Alison ganz cool: „Na, dann kann ich ja ohne weiteres den Warmwasserhahn aufdrehen und mir die Zähne putzen.” Und schon hat sie den Hahn bis zum Anschlag aufgedreht. Nun ist es Eric der schreit. Alison fragt mit ganz unschuldiger Stimme: ”Was schreist du denn so, wenn du doch sowieso schon kalt duschst?” Dann ist sie genau so schnell aus dem Badezimmer verschwunden, wie vor einigen Minuten ihr Eric. Als Eric dann im Bademantel aus dem Bad kommt, gibt sie ihm einen dicken Kuss und fragt: ”Na, sind wir nun quitt?”
Einige Minuten später klopft Ursula an die Tür. Alison steht noch im Hemdchen, als sie ihr öffnet. Ursula reicht ein Tablett mit frischen duftenden Apfelkuchen rein und sagt, “last es euch schmecken. Ich habe ihn eben aus dem Backrohr genommen. Ich wette, ihr fahrt sonst noch ohne Frühstück ab.” “Ja das stimmt. Wir hätten sicher nur eine Tasse Kaffee getrunken. Aber bei diesem frischen Kuchen ist die Verlockung so groß. Da kann man nicht widerstehen. Bist wirklich ein Schatz, Ulla.”
Die letzten Worte kann Ursula gerade noch so hören, sie ist schon wieder unten an ihrer Tür. Alison zieht sich schnell was über, Eric bedient unterdessen den Kaffeeautomat und schon machen sich beide über den frischen Apfelkuchen her.
Ruck zuck sind alle Stücke vom Tablett verschwunden. „Man, so ein frischer warmer Hefekuchen ist aber auch was Feines” meint Eric. Alison spült noch schnell die Tassen aus und stellt sie zum Trocknen in die Geschirrspüle. Dann sind Beide für die Abfahrt fertig. Eric schnappt sich die beiden Taschen und den kleinen Koffer, um alles runter vor die Tür zu tragen und sagt: „In fünf Minuten ist sicher unser Taxi da.” “Ja geh nur, ich schaue noch mal schnell durch unsere Wohnung und dann komme ich auch. Sag mal Eric, hast du die Filme von der Hochzeit eingepackt?” “Ach Gott, ne Alis, die liegen noch auf der Truhe im Schlafzimmer. Die hätte ich total vergessen. Ein Glück, dass du noch daran gedacht hast.” Nun hupt auch schon das Taxi vor dem Haus. Alis holt rasch die Filme und rennt hinter Eric die Treppe runter. Der Taxifahrer hat schon den Kofferraumdeckel geöffnet, um das Gepäck zu verstauen. Ursula steht in der offenen Tür und drückt Alison noch mal kurz an sich: „Kommt mir wieder gut nach Hause … und einen guten Flug!” wünscht sie. Danach steigt auch Alis schnell ins Taxi. Noch während sie sich anschnallt fährt die Taxe im rasanten Spurt los. Ursula steht noch immer in der Tür und winkt hinter ihnen her, bis der Wagen nach der nächsten Kurve verschwunden ist. Alis flüstert Eric glücklich zu: „So, nun fängt unsere Hochzeitsreise an.” Beide hätten die Fahrt zum Flughafen lieber etwas gemütlicher erlebt, aber der Fahrer fährt wie ein Henker. An den Ampeln muss er oft eine Vollbremsung hinlegen, um sie nicht bei rot zu überfahren. Beide sind froh, als sie den Flughafen Rihm heil erreichen. Eric gibt dem Taxifahrer kein Trinkgeld, lässt sich das Wechselgeld auf den Cent genau auszahlen und sagt zu ihm: „Mit dem Teufel im Nacken sollte man lieber nicht mit dem Auto durch München rasen.” Alison kichert, ”der musste sicher ganz nötig aufs Klo.” „Das kann sein. Zumindest ist er so gefahren. Aber das ist nicht unser Problem.” Eric schaut auf seine Uhr. „Wir haben noch gut eine halbe Stunde Zeit. Wir könnten gleich unser Gepäck aufgeben und noch schnell einen Kaffee trinken. Was hältst du davon?” “Och nö, wir haben doch grade erst Kaffee getrunken. Wollen wir nicht lieber einen kleinen Bummel durch die Geschäfte machen? Einfach nur so, ohne etwas zu kaufen?” “Auch gut, dann komm, geben wir schnell unser Gepäck auf.” Zum Bummel durch die Geschäfte kommt es allerdings nicht mehr. Die Schlange am Schalter ist wer weiß wie lang. Damit hatten weder Eric noch Alice gerechnet. Das Flugzeug ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. Eine ganze Fußballmannschaft mit ihren Fans will an Bord. Den Trubel kann man sich vorstellen. Alison sagt lachend: „Na, heute bleibt uns aber nichts erspart. Erst der irre Taxifahrer und nun noch die Fußballer, was willst du mehr!” Jetzt fällt es Eric wieder ein. Als er den Flug gebucht hat, sagte das Mädchen vom Schalter, „ja, es sind gerade noch zwei Plätze frei.“ Das hatte er gestern gar nicht richtig registriert. “Ist doch wurscht,” sagt er zu Alis, “die Stunde bekommen wir auch noch hinter uns. Wir haben schon ganz andere Sachen erlebt.” Alis meint grinsend, „Na so viel Krawall werden die schon nicht machen, sonst lässt der Pilot die Maschine mal etwas absacken und schon gibt es Ruhe“.
Ruhe gibt es schon wenige Minuten später. Die Flughafenpolizei trifft ein und nimmt den Fans die alkoholischen Getränke ab. Alles geht ganz schnell und schon herrscht Ordnung wie auf dem Schulhof. Einige Fans ziehen traurig ab. Sie hatten noch kein Flugticket und hofften, sie würden im letzten Moment noch eins bekommen. Alis und Eric sind an Bord der Maschine. Sie haben einen guten Platz bekommen. Alis sitzt am Fenster und ist wieder mal aufgeregt wie ein junger Vogel. Sie hat ein starkes Kribbeln im Bauch. Ist das nun vom startenden Flugzeug oder ist es die Vorfreude, bald mal wieder in ihrer Heimat zu sein? Sie weiß es nicht. Die Sicht ist gut. Berge und Täler, kleiner als bei einer Spielzeuglandschaft, ziehen schnell unter ihnen hinweg. Manchmal legt eine kleine weiße Wolke große Gebiet weit unten in den Schatten. in der Tiefe in den Schatten. Und schnell ist die Flugstunde vergangen. Die Boing fliegt über ein Außengebiet von Rostock und Alison meint, ihr Elternhaus zu sehen. Dann ist es so weit und die Landung steht bevor. Der Flugplatz Laage ist in Sicht.
Die Abfertigung auf dem Flugplatz geht schnell von statten und schon stehen beide vor der Eingangshalle, wo sie von Erics Vater erwartet werden. Das ist eine herzliche Begrüßung. Zuerst umarmt der Schwiegervater seine neue Schwiegertochter und begrüßt sie mit einem wunderschönen Blumenstrauß. Dann kommt Eric, der endlich mal wieder in seine Heimat zurück gekehrte Sohn, an die Reihe. Schnell wird das leichte Gepäck im Kofferraum verstaut und es geht Richtung Heimat. Die Sonne strahlt mit Alis und Eric um die Wette. Es ist ein Sommertag, wie er schöner nicht sein könnte. Sogar der Wind, der hier eigentlich immer weht hat eine Pause eingelegt. Alis drückt beinahe ihre Nase am Fenster platt, so genau möchte sie nun alles sehen und nur keinen Straßennahmen, oder irgendeinen Platz verpassen. Vater Gerhart schmunzelt und erkundigt sich, ob er das Fenster etwas öffnen soll. “Ja klar, mach das Fenster auf, damit ich was von der guten rostocker Luft abbekomme. Gerhart öffnet das Fenster für Alis und sie atmet einige Male ganz tief durch und sagt, „hi Rostock, ich bin wieder da“. Jetzt fährt Gerhart durch die Stadt und Alis ruft, „schau Eric, das Rathaus! Beinahe hätten wir dort geheiratet. Du Eric, ich rieche das Wasser, ist das schön“. Gerhart macht extra für Alis einen Umweg und fährt über den Neuen Markt. Alis ist so begeistert, am liebsten würde sie zu Fuß weiter gehen. Gerhart zitiert ein altes Gedicht:
Sieben Türme an der Marienkirche, sieben Straßen bei dem großen Markt, sieben Tore, so gehen zum Lande, sieben Kaufmannsbrücken bei dem Strande, sieben Türme so, auf dem Rathaus steh’n, sieben Glocken, die täglich schlagen, sieben Lindenbäume auf dem Rosengarten: Dat syn de Rostocker Kennewohn.
“Gerhart, das war wunderschön, sag nur, du könntest auch das ganze Gedicht in plattdeutsch aufsagen?” “Jau, jau, det kenn ik och.” Alis muss lachen, ”meine Güte Gerhart, das ist ja wirklich toll, nun merke ich, ich bin tatsächlich Zuhause angekommen. Meine Oma hatte noch immer so richtig plattdeutsch gesprochen.” “So? Dann gehörte sie wohl auch zu den alten Fischköppen, wie die Zugewanderten zu uns sagen?” “Oh ja, unsere Sippe war stolz darauf und ist schon immer hier gewesen. Die Großmutter sagte mit den Worten von Reuter, ”as uns’ Herrgott de Welt erschaffen hed, fing he bi Mecklenborg an.” “Damit hatte deine Großmutter schon Recht, Alis, und so soll es auch bleiben.” “Ja und deswegen bin ich auch so glücklich wieder mal einige Stunden hier zu sein. Am liebsten würde ich jetzt in den - -Brunnen der Lebensfreude-- steigen und mich von dem frischen Rostocker Wasser bespritzen lassen, dann wäre ich erst richtig hier.” Nun mischt sich Eric in das Gespräch, “Alis, ich verspreche dir, mit dir morgen Vormittag einen Spaziergang durch die Köpeliner Straße zu machen. Dann kannst du meinetwegen sogar in den Brunnen steigen, aber lass uns nun bitte erst
