Pocket-Stories to go - G. Sigmund - E-Book

Pocket-Stories to go E-Book

G. Sigmund

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Beschreibung

Ein Gnom, der zauberhafte Düfte kreiert und damit einen Horror in Gang setzt. Ein Paar, das nach ihrer Bluttat erstmal einen Drink benötigt. Ein Mann der alles verloren hat und daraufhin seine Zukunft vermasselt. Oder nur ein skurriles Interview. Krasse Kurzgeschichten für zwischendurch. Pocket-Stories eignen sich im Sitzen und Stehen, oder eben to go.

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Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Anmerkung:

Es gibt drei Geschichten zu Gemälden des amerikanischen Malers Edward Hopper. Das sind sehr eigene Interpretationen von mir, die mit dem Urheber Edward Hopper nichts zu tun haben. Die Bilder dürfen aus Lizenzgründen nicht veröffentlicht werden.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zauberhafter Duft

Jack

Gasstation frei nach Edward Hopper

Nighthawks frei nach Edward Hopper

People in the Sun frei nach Edward Hopper

Weihnachtsmärchen

Die Träne

Besser Schein

Müde

Interview

Erste Begegnung

Mieser Job

Fleisch

Land

Stau

Vorwort

Die Texte entstanden schon vor einigen Jahren und hatten zum Teil ihren Ursprung in verschiedenen Kursen zum kreativen Schreiben. Es sind alles fiktive Erzählungen. Nach der Erstellung blieben sie jedoch in der Schublade und gerieten in Vergessenheit, bis gute Freunde einen Bedarf an Kurzgeschichten für ein Marketing-Projekt anmeldeten. Da hat diese kleine Textsammlung ihre Wiederentdeckung erlebt und so kam der Entschluss zur Veröffentlichung.

Beste Unterhaltung beim Lesen wünscht

G. Sigmund

Zauberhafter Duft

Tief unten in dem dunklen, feuchten Keller war das Reich des kleinen, buckligen Männchens. Dort, zwischen den hölzernen Regalen mixte er mit seinen übergroßen Händen die zaubervollsten Düfte, liebliche Kreationen für die edlen Damen, in der fernen Welt dort oben. Kaum Jemand bekam den Künstler zu Gesicht. Nur bei den seltenen Gelegenheiten bei denen er seinen kleinen Laden in dem dreckigen, stinkenden und lärmenden London des Endenden neunzehnten Jahrhunderts öffnete. Dann gaben sich die reichsten und schönsten Damen der edlen Gesellschaft die Klinke in die Hand. Das Parfümhandwerk war eine Gabe, die sich über Jahrhunderte in seiner Familie fortgesetzt hatte. Man konnte sich kaum vorstellen, dass in dieser schauerlichen Umgebung des dunkel-feuchten Kellers solch eindrucksvolle Werke entstehen konnten. Conrad wurde der Zwerg mit der riesigen Nase genannt, der in einem orientalischen Gehrock gekleidet sein kleines Reich durchwatschelte um den Geist für neue Gedanken und Ideen zu öffnen. Für ihn war dies der beste Platz. Nichts konnte ihn stören. Er war alleine mit dem Extrakt, den sein feiner Riechsinn gerade analysierte und zerlegte, den sein Gehirn aufsog und der ihn weg trug in ferne Welten, über die er nur aus Zeitungsberichten und Erzählungen erfuhr. Dunkles Tannengrün entführten ihn in die tiefen Wälder Kanadas, Leder brachte ihm die rauen Steppen Paraguays in den Keller, lieblicher Lavendel den Charme Südfrankreichs. Für ihn war jeder Duft ein individuelles Erlebnis, den es aufzusaugen und zu erforschen galt. Seine feine Kundschaft, die edlen Damen, wünschten sich indes nur den einen ultimativen Duft: fein, lieblich und anziehend, betörend in seiner Wirkung. Aphrodisierend sollte er sein.

Auf der Suche nach neuen Kreationen hatte Conrad einen Gehilfen: Ismael. Ismael, der Weltenbummler, schaffte es immer wieder ihn mit neuen, exotischen Substanzen zu verblüffen. Conrad wusste nicht wie er an diese edlen Stoffe und Substanzen gelangte, doch das konnte ihm am Ende egal sein. Das Ergebnis zählte. Ismael war sein Schlüssel in die Welt, er war Inspiration und Quelle seiner Kreativität. Erst vor kurzem, es war eine stürmische Nacht in der Stadt an der Themse, da zog Ismael ein gut geschütztes Päckchen aus seinem Koffer hervor. In Erde gebettet stand sie auf dem schweren Arbeitstisch vor ihnen. Etwas Schöneres hatten die Beiden noch nie gesehen. Die Pflanze war ihnen fremd, kein Lexikon gab einen Hinweis auf dieses wunderschöne Wesen. Selbst Ismael, der viel belesene und weit gereiste, wusste nichts über ihre Herkunft. Er hatte sie auf einem orientalischen Markt von einem alten Druiden erstanden. Die Blume verbarg ein Geheimnis, das war alles was er dazu berichten konnte. Sie war so schön. Am oberen Ende des langen, eleganten Stiels befand sich die Blüte aus rosafarbenen Blättern – fein geschwungen, einem Venushügel gleich. Conrad berührte die zarte, schamlippenförmige Blütenöffnung mit seinem Finger, die ihn sogleich umschloss. Ihm war als ob der Blütenstempel begann an ihm zu saugen. Ein wohliges Gefühl breitete sich über den Finger in seinen Körper aus. Conrad wusste sofort, dass diese Blume etwas Besonderes verbarg. Das Bukett das sie versprühte war einmalig, geradezu perfekt. Es war so vollendet, dass es ohne weitere Zusätze und Mixturen als Odeur für die feinen Damen verwendet werden konnte. Der Duft der Blüte war so intensiv, dass Conrad nicht viel Aufwand haben würde um ihre Essenz zu extrahieren. Dennoch würde er dem wunderschönen Wesen Schmerzen zufügen müssen. Er würde es zerschneiden, in Wasser auflösen, zerdrücken, zerstampfen und zerpressen müssen. Bis er jedoch an ihr Innerstes, die reine Duftessenz gelangte, sollte es noch verbrannt und destilliert werden. Conrad würde die Schönheit grausam ermorden müssen.

In der Hektik des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts, zwischen all den Pferdekutschen und Eselkarren, strahlte das nostalgische Flair seines Ladens Ruhe aus. Die einfallenden Sonnenstrahlen versetzten den Ort in ein pastellfarbenes Licht. Wohltuende Wärme breitete sich aus. Schwebende Staubkörnchen zwischen den Gefäßen, Fläschchen und Flakons funkelten wie Feenstaub in dem Raum. Die Damen liebten diese märchenhafte Atmosphäre. Conrad, der Gnom, musste auf einen extra angefertigten Hocker hinter dem Tresen steigen um seine edle Kundschaft zu bedienen. Heute empfing er nur eine Kundin. Die Frau des Bürgermeisters, Lady Kimberly, war immer noch eine attraktive Frau, wenngleich die Schönheit ihrer Jugend schon verblasste. Sie suchte für den Ballabend am kommenden Wochenende etwas besonderes, einen berauschenden Duft. Ihr wollte Conrad seine neueste Kreation anbieten.

Es war ein rauschendes Fest in einer außergewöhnlich schwül-warmen Sommernacht. Lady Kimberly war wie verzaubert, ihr Plan schien aufzugehen. Das Parfüm zeigte bei der Gattin des Bürgermeisters seine gewünschte Wirkung. Der Schönling mit dem sie unauffällig in die Nacht verschwand war etwa 30 Jahre jünger als sie. Es war eine wundervolle Liebesnacht mit einem Unbekannten, weiche Berührungen und zarte Liebkosungen. Am nächsten Morgen erwachte Lady Kimberly im Bett eines