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Zwei Freundespaare, zwei Häuser, vier Kinder, ein gemeinsamer schwuler Freund und ein Schicksal, von dem der schon mal gehört hat, wenn nicht davon betroffen war. Verrat unter Freunden wenn die beste Freundin mit dem Ehemann was hat. Wenn zwei, die nicht zusammengehören sich ineinander verlieben, wer trägt dann die Schuld? Die Ehefrau, der Mann, die Geliebte oder aber alle drei? Eventuell alle vier, wenn nicht sogar fünf? Gefangen im noblen Leben der Londoner High Society, heisst es in Pocketcall: Wessen Herz tatsächlich unschuldig ist, der werfe den ersten Stein. Ist es Marie, das vermeintliche Unschuldslamm, die Betrogene gar am Ende Verursacherin ihrer eigenen Ehemisere? Oder aber Clivia, das verführerische Model, Männermagnet und ihre beste Freundin? Vielleicht Hector, der Ehemann, Nachbar, Kumpel von Konstantin, vermögend, sexy aber ein Arschloch wie es im Buche steht? Wenn nicht Konstantin, der Gehörnte, der angeblich Unwissende. Und letztlich Nadjib. Der Familienfreund, Gefühls-Jongleur, Society Netzwerker mit mystischer Herkunft. Was steckt hinter seiner stets lächelnden Fassade? Ist er wirklich der verlässliche Freund für den ihn alle halten? Pocketcall erzählt auf schonungslose Art von unseren menschlichen Abgründen, eingebettet in die Welt der Sorglosigkeit und des Wohlstands. Denn dort wo alles makellos erscheint, fallen Kratzer besonders auf
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Seitenzahl: 312
Veröffentlichungsjahr: 2019
Wie fühlt man sich wohl, wenn man jemanden umgebracht hat? Ich habe kürzlich in einer Zeitung einen Artikel gelesen, in dem ein 19-Jähriger die Mordtat an seinem besten Kumpel gestand. Als der Polizeipsychologe ihn fragte wie er sich denn nun nach der Tat fühle sagte er: „Es fühlt sich an, als hätte ich mich selbst getötet.“
Selbst getötet, selbst getötet, selbst getötet... wie oft ich dieses Wort mit in meine Träume genommen habe, wie oft ich mir gewünscht habe, ich wäre getötet worden. So richtig meine ich, nicht so wie mein Mann mich über die letzten zehn Jahre getötet hat. Nicht so siechend, so zermürbend mit einem großen Finale, sondern sofort, schnell und schmerzlos. So, dass ich nicht für meine Kinder leben muss, für den Rest der Welt die Tapfere spielen muss. So dass ich mich nicht wie das inhaltslose, leblose Etwas fühle, zudem er mich auch ohne physischen Gewalteinfluss gemacht hat. Mein Mann hat eine Andere. Meine Vertraute, meine engste Freundin, meine Nachbarin. Dünner, schöner und jünger – genau in der Reihenfolge. Wie konnte das passieren, was ist los gewesen? Was hat sie was ich nicht habe? Wie konnte ich so blind sein? War ich überhaupt blind oder wusste ich es eigentlich schon lange? Heute, jetzt, genau diese Minuten - sind die schlimmsten meines Lebens.
Wie geht es Ihnen heute Herr Lehmann?
„Gut, danke mir geht es gut. Ich bin glücklich, sehr glücklich, wenn ich das so sagen darf. Ich bin mit der Frau, die ich liebe zusammen. Alles Weitere zählt für mich nicht und der Rest ergibt sich. Doch, ich bin ganz zufrieden mit meinem Leben. Oder sagen wir mal so: Es gibt da noch die ein oder andere Unebenheit, die es gilt zu beseitigen, aber, das wird schon.“
Um welche Unebenheiten handelt es sich?
„Mit Verlaub Professor, aber ergibt sich die Antwort auf Ihre Frage nicht schon allein durch meine Anwesenheit? Das kann sich doch jeder denken, was ich mit Unebenheit meine.“
Herr Lehmann, ich bin nicht dafür da, um zu glauben oder gar zu meinen. Ich bin Ihr Therapeut, Ihr Analytiker, Ihr Coach. Ich denke mir nicht meinen Teil in sofern nicht einfach aus Interpretaionsgründen. Also bitte beantworten Sie meine Frage.
„Mit Unebenheiten meine ich natürlich Marie und die Kinder. Es ist zum Kotzen! Entschuldigen Sie die Wortwahl Professor, aber Marie führt sich auf, als würde die Welt untergehen.
Ich habe ihr erklärt, dass Menschen sich nun mal verlieben. Solche Dinge passieren eben, dagegen ist kein Mann gewappnet. Ich hatte nicht die Absicht mich in eine andere Frau zu verlieben. Ich war nicht im Geringsten auf meine Gefühle für Clivia gefasst. Und Maries Art mich als den Sündenbock dastehen zu lassen, geht mir schon gehörig gegen den Strich. Unsere Ehe war wirklich alles andere als perfekt.“
Können Sie das genauer definieren?
„Ich fand sie monoton, öde, erstickend, frustrierend, einengend, zu traditionell.....“
Verzeihen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber Monotonie muss somit zwangsläufig mit dem Wort schlecht einhergehen?
„Ist das eine ernstgemeinte Frage? Ist mir auch egal, antworten Sie jetzt nicht. Hier geht es ja, um mich und ich fand sie öde!
Ich langweilte mich bis zur Verzweiflung mit meiner Frau. Wissen Sie, ich habe mich immer gefragt, ob meine Aversion denn so gar nicht mitbekam? Man kann doch nicht so dämlich sein, dass man nicht bemerkt, wenn jemand sich immer häufiger auf Geschäftstermine und Reisen begibt. Es gab Momente, da hätte ich ihr am liebsten ins Gesicht geschrien, wie kacköde sie war.“
Was genau, war denn öde an Ihrer Frau, Hector?
„Alles. Alles, alles und noch mal alles. Ihre stumme Art, ihre Zurückhaltung. Dieses Gesicht, was kaum mehr als ein paar Mal im Monat ein fast unmerkliches Lächeln zu Stande brachte. Ganz gleich, wie sehr ich sie provozierte, im Endeffekt hatte ich immer Oberwasser.
Es gab Momente, wo ich Marie am liebsten geschüttelt hätte. Ihr Verhalten war nicht im Geringsten defensiv wenn Sie verstehen was ich meine. Sie war bis zum Erbrechen passiv. Teilnahmslos und kalt. Und erst ihr Körper.... (seufzt).. ihr..“
Ihr Körper?
„Ja, ihr Körper. Auch, wenn man vier Kinder geboren hat, muss man sich doch nicht so gehen lassen wie Marie es tat. Sie hat zwar ab und zu eine Diät gemacht und auch gelegentlich Sport, aber alles immer nur halbherzig.
Sie war eindeutig nicht mehr die Frau, in die ich mich verliebt hatte aber lange Zeit redete ich mir ein, dass ich geduldig sein musste – die wahre Marie verbarg sich vermutlich unter ihren Babypfunden und Stillbrüsten. Ich dachte mir: Hector, ruhig bleiben, die lässt sich schon wieder blicken. Sie musste sich einfach blicken lassen.
Ob sie wusste, wie scheußlich ihre Speckrollen unter ihren oftmals viel zu dünnen und engen T-Shirts aussahen? Und ihr Po! Er sah aus wie ein viereckiger Fladen. Er war teigig und ehrlich gesagt, wirklich unansehnlich geworden. Ich schlug ihr immer wieder vor ihren Sport etwas regelmäßiger zu treiben. Aus taktischen Gründen meist dann, wenn sie sich mal wieder über ihre Figur beklagte.
Aber irgendwie wollte Marie nicht richtig. Sie fing irgendwann mit Personal Training an und kaum hatte sie 500 Gramm abgenommen, sollte ich ihr sagen wie umwerfend schön sie war. Schwachsinn! Als würde man einem schwabbeligen Oldtimer Liebkosungen zuflüstern können. Ich zumindest kann das nicht. Bin nun mal ein Ästhet. Ich kann mir Dinge nicht schönreden, wenn sie es nicht sind. Und natürlich habe ich ihr meistens dann auch keine Komplimente gemacht. Worauf sie wiederum empfindlich reagierte und oft eingeschnappt war.“
Nun, vielleicht nachvollziehbar, zieht man den Umstand in Betracht, dass Marie Ihnen immerhin vier gesunde Kinder geschenkt hat.
(Schnappatmung) „Von denen ich, bitteschön nur die Hälfte wollte! Verdammt, ich habe immer gehofft dies nie zugeben zu müssen, aber ich wollte die Zwillinge nicht. Sie, sie....ich weiß auch nicht.....sie waren ein Unfall! Ich hatte die Nase schon nach Carl schon gestrichen voll. NoneWissen Sie, ich glaube Marie dachte ich sei total bescheuert und würde gar nichts kapieren. Eigentlich hatte ich es immer im Gefühl, dass sie mich mit einer erneuten Schwangerschaft austricksen wollte. Ich habe ihr nur nicht soviel Kaltschnäuzigkeit und Berechnung zugetraut.
Ich meine, das muss man sich mal vorstellen: Denkt die, dass ein Baby unsere angeknackste Beziehung retten kann. Nicht, dass ich sie jemals darauf angesprochen hätte, aber ich unterstelle ihr diese Hinterfotzigkeit jetzt einfach mal. Unfassbar! Wie können Frauen nur so dämlich sein? Wer bleibt schon bei einer, die einem mal eben noch ein Kind unterjubelt? Ich, jedenfalls wollte keine weiteren Kinder mehr – darüber habe ich auch nicht mit mir diskutieren lassen. Gut, ich gebe zu, mein Veto hat mir, wie man unschwer erkennen kann, auch nicht sonderlich genützt. Wie bezeichnet man eigentlich ein solches Hintergehen, seitens des Partners? Kann man da schon von Betrug reden, wenn die Frau dem Mann vorgaukelt, dass er ruhig reinspritzen kann und sie genau weiß, dass sie nicht verhütet, also ihre fruchtbaren Tage hat? Und später kommt dann wie im Fernsehen: Uuupsi Schatz ich bin schon wieder schwanger! Dumm gelaufen für uns Männer oder? Wer reinsteckt, hängt drin und zwar mit allem.
Ganz ehrlich, hätte ich das alles gewusst, ich hätte die Frau garantiert nicht mehr angerührt. Und zu den Kindern: Das ewige Geschrei, die schlaflosen Nächte, dieses keine Zeit haben sich zu erholen darauf hatte ich einfach keine Lust mehr, ich meine kein weiteres Mal. Und wie schon gesagt am schlimmsten war Marie.“
Was genau hat Sie an ihr gestört, abgesehen von ihrem körperlichen Defiziten?
„Sie war immer aber wirklich auch immer unzufrieden, was ich einfach nicht nachvollziehen kann. Wirklich, beim besten Willen nicht. Die Frau hatte doch nun ein ausgesprochen angenehmes Leben. Was gibt es an allem erdenklichen Luxus groß zu monieren?
Ein Riesenhaus, schicke Autos, Personal vorne und hinten. Eine Nachtschwester, die statt drei Monate, ganze sechs Monate bei uns blieb. Weil ja meine tolle Frau, nicht mit den Kindern zurechtkam. Bella, die den Haushalt regelte, Bügelhilfen, Gärtner, Fensterputzer – sie musste keinen Finger rühren, die blöde Kuh! Nicht einmal kochen musste Madame. Das hat ebenfalls Bella übernommen. Ganz ehrlich, wovon soll man denn da unzufrieden sein? Was wollte sie denn noch? Ach, ist mir auch gleich, die Frau geht mir einfach mit ihrer Attitüde furchtbar auf die Nerven. Nichts reicht, nichts ist gut genug.
Mich fragt auch keiner, wie ich im Job zurechtkomme oder sagen wir mal- Marie hat es zumindest nie getan. Sie war immer nur mit sich beschäftigt und damit wie schlecht es ihr ging, wie unfair doch das Leben ihr mitspielte. Ihre dauerndes Selbstmitleid wurde durch ihre devote Art auch noch verstärkt.“
Wenn Marie devot war, wie kam es dann zu Streitigkeiten?
„Kam es ja eigentlich nicht wirklich. Zumindest nicht von ihrer Seite. Auch so eine Sache, die ich gähnend langweilig fand. Was will man denn mit Einer, die immer nur die Schultern zuckt, muksch ist und sich so aus der Affäre zieht.“
Eventuell nennt man das Konflikt-Vermeidung, Hector?
„Oh ja, ich hatte vergessen, dass das natürlich besonders anziehend ist. Eine, die sich dir nie widersetzt. Nie für ihre Recht oder ihre Meinung kämpft. NoneZum Gähnen. Egal, wie ich mich aufführte meine Frau, ich meine Ex-Frau, machte kaum den Mund auf. Und wenn doch, dann erfolgte dies in Form von Gestammel und dem Faseln irgendwelchen zusammenhangslosen Zeug. Ich weiß nicht ob es Sinn macht aber stellenweise dachte ich mit einer Hauptschülerin verheiratet zu sein. Sie bekam in Krisensituationen kaum einen geraden Satz heraus; von Objektivität ganz zu schweigen. Wissen Sie was besonders nervtötend war? Ihr schweres Atmen: Marie rang während unseren Auseinandersetzungen derart um Luft – als ginge es an ihr Leben. Himmel, wer braucht das? Wer will das? Ich anscheinend; zumindest fast zwei Jahrzehnte. Wenn ich mich so höre, bin ich erst recht froh nicht mehr mit ihr zusammen sein zu müssen.“
Müssen? Sind Beziehungen denn ein Muss?
„Gelegentlich, wenn man gemeinsame Kinder hat, denke ich schon. Man übernimmt ja auch in irgendeiner Form Verantwortung für seine Kinder und...“
Entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber haben Sie das denn?
(denkt länger nach)„...denke schon. Vielleicht nicht unbedingt bei den Zwillingen, weil ich mich da schon innerlich distanziert hatte, aber bei Madeleine und Carl auf jeden Fall.“
Sie verstehen sich mit den beiden Älteren demnach gut?
„Madeleine sehe ich dadurch, dass sie seit einigen Jahren auf diesen Schweizer Internat ist, nicht sonderlich häufig. Nur in den Ferien. Und Carlchen? Tja, Carlchen ist.....ich weiß nicht. Er ist mir in gewisser Hinsicht einfach fremd. So sonderbar. Diese ganzen Probleme, dieses ständige Gequatsche von dem was gerade in der Modewelt angesagt ist und ob eine Kim Kardashian oder so, fett ist oder nicht. Who the fuck cares? Ich verstehe wirklich nicht woher er alle diese merkwürdigen Angewohnheiten hat. Kein Lego, kein Fußball, keine Jungs-Freunde als er klein war. Immer ging es nur um Klamotten, dünn sein und komische, kleine Barbie Püppchen. Welcher normale Junge spielt denn mit Barbies? Und wegen jedem bisschen fing das Jüngelchen an zu heulen.“
Was meinen Sie woran das liegen könnte oder lag?
„Keine Ahnung. Vererbung? Wobei ich nicht wüsste von wem er dieses Weichei-Gehabe geerbt haben sollte. Von meiner Familie mit Sicherheit nicht. Wir Lehmanns sind Macher!
Ich war immer der Meinung Marie, hätte ihn härter anpacken sollen. Aber dazu fühlte sie sich ja nicht berufen. Das wäre für Madame zu anstrengend gewesen – Kindererziehung, Gott bewahre! Hector, dukannstdochauchmalwassagen, war ihr Lieblingssatz, wenn sie sich mal wieder bei den Kindern nicht durchsetzen konnte. Dafür aber, war sie ganz vorbildlich, wenn es darum ging vor den Kindern zu rauchen, ab 17 Uhr flaschenweise Champagner saufen und stundenlang an der Strippe mit irgendwelchen unbedeutenden Schnepfen zu hängen. Und wenn alles nicht mehr lief, wie Marie sich das so vorstellte, dann gab es da ja noch Hector! Dem machte man dann eben einfach mal wieder ein paar Vorwürfe. Eine Art kleines Abreagier-Programm von Marie. Ich nenne das marital cleansing, wenn Frauen ihren Frust rausbrüllen ha, ha. Das sollte ich mir mal erlauben. Man stelle sich vor, ich würde im Büro hängen und ständig jammern: Ichschaffediesnicht und das nicht. Warumwirdmirdennnicht geholfen? Wissen Sie wo wir da wären, meine tolle Ex, die Kinder und ich?“
Nein...
„Na sicherlich nicht in einer 600 Quadratmeter Villa in Knightsbridge und auch nicht unterwegs in Privat-Jets. Unter Garantie nicht in der First Class. Wir wären auch keine Besitzer von zwei Ferien Domizilen und diversen anderen Annehmlichkeiten unseres doch recht fürstlichen Lebens. Große Güte ich bin so unendlich froh diese Szenen nicht mehr ertragen zu müssen. Wissen Sie, wie das ist jeden Morgen neben einer derartig zermürbenden Person aufzuwachen? Zu wissen, dass sie sich auch an dem heutigen Morgen nicht anders verhalten wird als an den restlichen 364 im Jahr? Kann man als Mann, der mehr als genug für seine Familie sorgt, nicht verlangen, dass die eigene Frau zumindest ihre Job perfekt erledigt?“
Welchen Job meinen Sie?
„Selbstredend, den Mutterjob! Ganz ehrlich, es kann ja nun nicht so schwer sein seine Kinder korrekt zu erziehen und sie zu lebensfähigen Menschen ohne Probleme zu machen. Übrigens ein Job, den Marie ohnehin nicht, wie Millionen andere Frauen, allein bewältigen musste. Wie gesagt, sie hatte jede Menge Hilfe. Zudem ist Madeleine ebenfalls keine wirkliche Belastung. Das Mädchen ist bekanntlich seit einiger Zeit in der Schweiz und ist dort bestens versorgt im Gegensatz zum freudlosen Dasein ihrer Geschwister.
Nein, nein Marie hat und hatte schlichtweg ein Talent, Dinge, die ihr nicht lagen oder liegen, einfach zu outsourcen. Sollen sich doch andere, um die Scheiß-Dinge im Leben kümmern aber nicht Marie.“
Haben Frauen, die Kinder haben, nur die eine Verpflichtung im Leben, nämlich ihre Kinder sicher durchs Leben zu steuern? Oder denken Sie sich vorstellen zu können, dass es da eventuell noch mehr gibt, was Sie gern an einer „richtigen Frau“ sehen möchten?
„Auf die Frage kann ich mir keinen Reim machen. Was meinen Sie? Gut aussehen? Oder etwa Sex?“
Zum Beispiel..
„Ha! Das ich nicht lache. Zum Thema Aussehen habe ich in Punkto Marie bereits genug von mir gegeben. Richten wir unser Augenmerk mal auf den ehelichen Beischlaf. Er war alles nur nicht geil: Einfallslos, routiniert, fade. Unter uns Männern. Eine Frau, die sich zum Schlafen Schlafanzüge oder Jogginghosen anzieht und diese in gleich mehreren Farben besitzt? Dieses Frotteezeugs ist doch zum Davonlaufen! – Ich kenne ehrlich keinen Mann, der diesen Hängearsch-Look in irgendeiner Weise erotisch findet. Ihr Einfallsreichtum beim Vögeln war auch mindestens so begrenzt wie die Wahl ihrer blöden Frottee-Scheiße. Alles beschränkte sich in ihrem Fall auf die Farbe Pink und die eine Stellung: Ich oben, sie unten. Ich hinten, war eher die Ausnahme und ganz wichtig: Bumsen nur im Dunkeln! Das Wort Dunkelheit verbinde ich mit schlafen aber doch nicht mit Sex, der mich horny macht!
Schön, war auch Maries Wahl ihrer Unterwäsche. Vergilbt, verwaschen, schlabberig oder formlos – alles andere als ein optisches Amuse Gueule, wenn Sie wissen worauf ich anspiele. Ich fange gar nicht erst an Ihnen davon zu erzählen wie sie während der Schwangerschaften oder nach den Geburten aussah. Ich weiß, man soll über Frauen, die Kinder gebären nichts Schlechtes sagen aber wer hört denn uns Männer während dieser Zeit zu? Wer sagt uns, dass sie mutieren? Dass sie ewig gereizt sind, Speckrollen auf den Hüften, immer Zipperlein haben und eher selten oder gern auch gar nicht auf ihr Äußeres achten? Wer sagt uns, dass wir diesem grausamen Akt der Geburt beiwohnen müssen und danach sollen wir auch noch Sex mit unseren Frauen haben? Und ich habe vergessen, wir sollen ja trotz Schwabbelbauch oder Labberklamotten Lust auf sie haben! Wie soll ich das Bild ihres riesigen Hinterns, der mehr einer Landkarte als einem Po glich beiseite schieben und mich über sie hermachen? Ging nicht, geht nicht, wird nie gehen – der Gedanke ekelte und ekelt mich geradezu. Wirklich, streckenweise hatte ich das Gefühl Marie dachte sich insgeheim nur weil sie Kinder austrug, könne sie es sich leisten nicht auf sich zu achten. Diäten fand sie furchtbar, Sport ging so. Immer diese weiten Sachen und zusammen gebundenen Haare. Sie sah einfach nicht appetitlich aus oder lassen Sie es mich so sagen: Sie legte keinen Wert darauf appetitlich zu sein.“
Vielleicht fand sie sich aber dennoch anziehend.
„Blödsinn, einhundert Prozent nicht. Ich weiß ja noch wie sie war als ich sie kennen lernte.“
Wie war sie denn? Wie war Marie?
„Süß. Nicht der optische Hauptgewinn aber sie hatte was. Sonst hätte ich mich ja nicht in sie verliebt. Mir gefiel ihre Zurückhaltung. Ja, sie strahlte damals eher Souveränität aus. Und sie hat weitaus mehr gelacht. Viel mehr als in den letzten acht Jahren. Eigentlich hat sie wenn wir allein waren überhaupt keine Miene verzogen. Lediglich als wir Konstantin und Clivia kennenlernten. Da wendete sich das Blatt.“
Inwiefern?
„Ein bisschen hatte ich den Eindruck, dass es Clivias dynamische Art war, die Marie sich zu Nutze machte. Klingt leicht parasitär und ja, ich denke, so konnte man die Beziehung durchaus beschreiben. Clivia steckt so voller Lebenslust und Freude, das färbte quasi auf Marie ab.
Und, tat es Ihnen beiden denn nicht gut? Sie haben doch sicher ebenfalls von Maries Entwicklung profitiert.
„Von einer Entwicklung kann ja gar nicht die Rede sein. Das hieße, Marie wäre nicht mehr in ihr altes Jammermuster zurückgefallen. Aber in Punkto Ablenkung von unseren eigenen Streitigkeiten? Ja, da machte sich der Kontakt zu Clivia doch sehr bemerkbar. In allem anderen? Ein klares Nein. Ich war von der ersten Minute an, hoffnungslos in Clivia verliebt. Ich weiß noch wie ich sie zum ersten Mal sah.
Sie kam mit Konstantin vorbei, um uns als neue Nachbarn in der Umgebung willkommen zu heißen. Ganz süß eigentlich. Das war kurz nachdem Marie und ich einzogen. Ihr Gesicht steckte hinter einem riesigen Blumenstrauß und ich konnte lediglich ihre langen Beine bemerken, die in Jeans steckten. Und ihre Fesseln.“
Fesseln?
„Ja, ihre Fesseln. Ihre Jeans waren etwas kürzer, Sie wissen schon diese moderne Form und ihre Füße steckten in flachen Sandalen. Sie hatte diese perfekt pedikürten Fußnägel, jeder so zart und niedlich wie eine winzige Perle und ihre Fesseln hatten etwas Anmutiges. Ich liebe ihre Fesseln.“
Was passierte dann?
„Die Zwei überreichten uns den Blumenstrauß und unsere Augen trafen sich. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war als könnte ich nicht atmen.
Ich glaube, hätte ich gekonnt, hätte ich sie am liebsten auf der Stelle geküsst und sie nie wieder losgelassen. Sie war so frisch. So bezaubernd, so leicht und so unermesslich süß. Ich erinnere mich gar nicht ob oder wie lange ich sie angestarrt habe, aber ich war von dem Moment an vollkommen erfüllt von ihr. Meine Gedanken kreisten nur noch, um sie. Aber wie es denn eben so war - da waren nun mal noch Konstantin und Marie. “
In der Tat. Wie ging es weiter?
„Vorerst gar nicht. Ich glaube sie war anfänglich nicht im Geringsten interessiert. Ich habe aber auch keinen Versuch gestartet ihr meine Gefühle zu offenbaren. Schließlich gab’s eben noch unsere Partner. Und zu allem Übel war Konstantin echt ein prima Kerl. Wir verstanden uns von der ersten Minute an super.
Wir hatten dieselben Interessen, liebten beide das Reisen, gutes Essen und Geselligkeit. Es klickte einfach – bei uns allen. Auch bei Marie und Clivia. Zum Glück sonst wäre es für mich sehr kompliziert geworden. So hatte ich immer einen Vorwand Clivia zu sehen.“
Kam Ihnen damals nie der Gedanke, sich zu trennen?
„Seltsamerweise nicht. Ich hatte zwar schon die ein oder andere außereheliche Affäre aber nichts, was mir gefühlstechnisch in die Quere hätte kommen können. Nichts Dolles oder Ernstes eben. Hier mal ein Nümmerchen, da mal einen Flirt. Das reichte mir eigentlich immer schon. Wissen Sie ab und an will man seinen Marktwert erkunden und austesten. Aber nein, an eine Trennung habe ich eher keine Gedanken verschwendet.“
Wie erklären Sie sich dieses Verhalten?
„Ich weiß nicht. Aus heutiger Sicht kann ich es mir nur so erklären, dass ich mich doch meiner Frau gegenüber und den Kindern verpflichtet fühlte. Und für ein Techtelmechtel trennt man sich nicht von seiner Familie. Zudem hatte ich die Scheidung meiner Eltern als Teenager mitbekommen und das wollte ich meinen Kindern ersparen. Tja, ist leider nichts daraus geworden.“
Reue?
„Absolut nicht, aber welcher Vater will seinen Kindern schon vorsätzlich Schmerzen zufügen? Ich meine, wenn sich Stürme vermeiden lassen umschifft man sie, oder? Klar rutscht jedem Vater, jedem Menschen mal das ein oder andere raus, was eigentlich im Verborgenen bleiben sollte.“
Zum Beispiel?
„Ach so einiges. Ich glaube Carl hat einmal mitbekommen wie ich Marie vorgeworfen habe, sie mache aus ihm - mit ihrer mangelnden Fähigkeit Grenzen zu setzen und zu erziehen eine Tucke. Können Sie sich das vorstellen? Die Frau schaffte es tatsächlich meinem Sohn eine Wasserpfeife zum dreizehnten Geburtstag zu schenken! Er hatte sie solange bearbeitet, bis er kiffend und schmauchend das gesamte Haus mit seinem Gequalme einnebelte. Es entbrannte natürlich ein Riesenstreit zwischen Marie und mir – und ich warf ihr vor aus Carl ein Weichei, eine Schwuchtel zu züchten.“
Sie meinen Homosexuellen?
„Ja, zum Kuckuck! Sie wissen schon, was ich meine. Sehen Sie ich habe nicht im Geringsten etwas gegen Schwule. Ich bin selbst mit einigen befreundet, alles nette Kerle. Aber in den eigenen Reihen? Das ist dann doch schon etwas anderes. Ich weiß nicht, ob ich damit klar käme, komme, pardon. Ich weiß einfach nicht, wie ich mit ihm, mit Carlchen umgehen oder mich ihm gegenüber verhalten soll.“
Kommen wir zurück zu Clivia. Was hat sie was Marie nicht hat?
„Kann man eine Frage so stellen? Darf man zwei Menschen so direkt, wie zum Beispiel Autos miteinander vergleichen?“
Grundsätzlich dürfen Sie hier alles und auch alles aussprechen.
„Nun ja, Clivia ist, wenn ich es so nennen darf die Liebe meines Lebens. Ich erkenne mich selbst bei Zeiten nicht wieder. Sie erweckt in mir derartige Glücksgefühle, die ich nie für möglich gehalten hätte. Nicht für möglich gehalten vor allem deshalb, weil Clivia mir die ersten vierzehn Monate absolut keinen Anlass gegeben hat, mir Hoffnungen auf eine Liaison zu machen. Sie und Konstantin waren mehr oder weniger immer zu Zweit bei uns und auch wenn sie ihn nicht mit Liebkosungen überhäufte, dachte ich, sie sei gut versorgt.
Ich tröstete mich mit der Vorstellung sie mit in meine Gedanken nehmen zu können, wann immer ich wollte. Im meinem Inneren konnte ich tun und lassen was mir passte. Selbst, wenn ich mit Marie schlief, war ich in Gedanken mit Clivia zu Gange. Ihre Scham war es, die ich streichelte, ihre feuchte Vagina, die mich erregte. Wenn ich Marie befahl sie solle sich umdrehen, damit ich sie von hinten nehmen konnte, sah ich Clivia’s perfekten Hintern vor mir. In meiner Imagination tauchte dann ihre perfekte Vulva auf, die mich mit ihrem unwiderstehlichen Geschmack fast zum Explodieren brachte.
Meine Begierde nach ihr wuchs zunehmend und je mehr diese zunahm, desto ungnädiger wurde ich mit Marie. Es war mir gleich, ob ich meine Frau in unserem eigenen Ehebett gedanklich betrog. Alles, was ich wollte war Clivia’s kleine Brüste zu umfassen, sie zu lecken, zu liebkosen, sie zur Erregung zu bringen. Ich wollte, dass Clivia sich mir hingab und dass sie nach mir schrie vor Gier.
Ja, und da fasste ich eines Abends den Entschluss es zumindest mal darauf ankommen zu lassen. Ich dachte mir, für den Fall, dass man mich des Fremd-Flirtens bezichtigte, könnte ich mein unflätliches Verhalten dann ja noch getrost auf einen erhöhten Alkoholkonsum schieben.
Es war einer dieser vielen schwülen Sommerabende, die wir zusammen auf unserer Terrasse in Knightsbridge verbrachten, den ich für mein Vorhaben wählte. Wir hatten um die zwölf Gäste zum Grillen da unter anderem auch Konstantin und Clivia. Ich übte mich am Grill und bat Marie mir doch einen Drink zu mixen während ich mit den Steaks hantierte.
Gehtnicht, rief sie, habealleHändevoll zu tun. Clivia übernimmst du das? Machst du Hector kurz einen Gin Tonic? Clivia übernahm.
Sie kam mit dem fertigen Drink in der Hand auf mich zu und alles worauf ich achtete, während sie sich auf mich zu bewegte, waren ihre Brüste. Unter ihrer Seidenbluse zeichneten sich deutlich ihre Brustwarzen ab. Siegefallendirwohl, sagte sie lachend und drückte mir den Gin Tonic in die Hand. Ich dachte mich verhört zu haben und blickte sie fragend an. Kokett beugte sie sich vor dem Grill runter, um sich eine Grillzange zu nehmen. Dabei stellte sie sich aber wirklich so ungeschickt an, dass mir gar nichts anderes übrig blieb als einen Blick in ihre Bluse zu erhaschen, die einen Tick zuviel Dekollete preisgab.
Du hast geguckt neckte sie mich und schob sich dabei ganz nah an meinem Rücken vorbei. So nah, dass ich gerade genug spüren konnte um sie am liebsten auf der Stelle hinter den nächsten Rhododendron zu zerren und es dort mit ihr zu treiben. Hector, wir haben kein Bier mehr, rief mir Marie aus der geöffneten Wohnzimmer-Schiebetür zu. Clivia habt ihr noch welches? Hector gehst du mit und bringst es uns kurz? Ach bitte ja?
Sie können sich vorstellen was dann passierte. Kaum waren wir außer Sichtweite der anderen konnten wir uns nicht mehr halten. Sie fuhr mit der Zunge an mein Ohr, liebkoste mit ihrem vollen Mund meine Lippen, spielte mit meinen Brustwarzen und strich gierig über die harte Ausbeulung in meiner Hose. Ich schob meine Hände unter ihren Jeans-Minirock und tastete mich nach oben. Sie war weich, feucht....warm....und sie brachte mich um den Verstand.
Wie die Wölfe fielen wir übereinander her. Ich weiß nicht, wie wir es schafften den anderen vorzumachen, dass das Bier so schwer war, dass wir beim Schleppen derartig schwitzten mussten aber sie schluckten es.
Ironischerweise hätte man meinen können, dass zumindest einer von uns beiden sich schuldig fühlen würde. Aber Clivia gestand mir später, dass nicht alles so rosig war mit ihr und Konstantin wie es schien. Sie war sehr jung, als sie ihn kennenlernte und hatte damals die naive Vorstellung, dass der erste Freund auch der Letzte in ihrem Leben sein sollte. Aber die Zeit lehrt Liebende ja oftmals eines Besseren. Ich glaube Clivia hätte Konstantin sogar geheiratet, wenn er sie gefragt hätte. Hat er aber nicht der Blödmann, weil er sich einfach keine Gedanken um Clivia gemacht hat und sich nicht um sie bemühte. Ich denke, er hat vielleicht das ein oder andere Mal sogar mit dem Gedanken gespielt, um ihre Hand anzuhalten, konnte sich aber nicht zu einem finalen Moment durchringen. Mal schob er seine Entscheidung auf ihr Alter, dann auf ihren Job, dann auf seinen Job. Kurz er hat den Zug schlichtweg verpasst.“
Und dann kamen Sie?
„Und dann kam ich. Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir ein derartiges Zugeständnis von ihr erhofft; gar für möglich gehalten. Ich hatte uns in Sussex in einen kleinen Landgasthof eingemietet, damit wir ein paar Stunden für uns hatten.
Konstantin und Marie erzählten wir beide, wir wären beruflich unterwegs. Wer soviel reist, der wird von seinen Partner nicht mehr gefragt, wie das Hotel heißt oder wo man sich genau befindet. Ein klarer Vorteil für unsere Pläne. Sie lag sie neben mir auf dem Flanellsofa, ihr Kopf ruhte auf meiner Brust. Zuvor hatten wir uns stundenlang geliebt. Clivia steht auf Tantratechnik beim Sex und hat mir schon so einiges beigebracht. Ihre Lieblingsstellung ist, wenn wir uns auf der Seite liegend gegenseitig befriedigen. Gott, ich liebe diese Frau! Allein der Gedanke an sie macht mich schwach. Kennen Sie das, wenn ein Mensch Sie so anmacht, dass Sie am liebsten alles aber auch das letzte Haar von ihm besitzen möchten? Ihn buchstäblich aufessen wollen?
Entschuldigen Sie meine Direktheit und dass, ich abschweife. Jedenfalls war dieser Moment der erste von vielen, die folgen sollten indem unser Entschluss unsere Partner gegenseitig zu verlassen wuchs. Ausschlaggebend war ein gemeinsamer Gruppen-Segeltörn, der uns endgültig klarmachte, dass wir derartig schöne Memoiren nicht zu Viert sondern zu Zweit, miteinander haben und genießen wollten.“
Aber wie ich mich recht entsinne, war es nicht auf dem Segeltörn, als Sie Marie mitteilten, dass es vorbei war.
„Richtig, das war ein, zwei Tage nachdem wir wieder in London angekommen waren. Wissen Sie, das war wirklich merkwürdig. Ich wusste, dass ich um eine Trennung nicht länger herum kommen würde. Dazu war ich ohne Clivia zu unglücklich und Schauspielen liegt mir zwar, aber ich wollte schlichtweg nicht länger mit Marie unter einem Dach sein. Ich kam aus dem Büro und schloss die Haustür auf als mir Marie halbwegs entgegenkam. Und da packte mich der Impuls. Sie stand an der Treppe im Foyer und hatte einen rosa Sweater an. Ihre Haare hingen stellenweise aus ihrem Chignon-Knoten und sie hatte diesen Gesichtsausdruck. Wie soll ich ihn erklären? Verzweiflung oder Wut? Oder beides? Ich dachte nur, jetzt kommen wieder Vorwürfe, irgendetwas passt ihr wieder mal nicht und ich habe die Schnauze voll. Was auch immer sie vorzubringen wünschte, es interessierte mich einfach nicht mehr – ich wollte es nicht hören. Wäre sie eine Ausschneidepuppe gewesen, hätte ich die Seite auf der sie sich befand auf der Stelle ausgerissen und weg geworfen. Genau das war es was ich in dem Moment fühlte. Ich wollte sie weg haben. Weg aus meinem Leben, weg aus meinem Dasein – sofort. Alles Elend der letzten Jahre brach über mir zusammen. Wissen Sie, ich hatte nie große Ansprüche an meine Frau. Alles was ich wollte, war das sie funktionierte und sich nicht ständig wie ein Klageweib anhörte.“
Herr Lehmann, ein Mensch ist aber nun mal kein Uhrwerk.
„Wenn dem so ist, wie kommt es dann, dass Frauen immer denken, wir Männer sind Uhrwerke? Wir sollen funktionieren. Wir sollen sie doch versorgen mit ihren großen und kleinen Wünschen.
Wenn das Kind nachts schreit, dann muss eine teure Nachtschwester her oder sie erzählen ihren Männern sie mögen sich doch auch mal um den Säugling kümmern. Kann die Frau nicht kochen, soll es am besten jemand anderes übernehmen. Kommt eine Frau mit ihrem Kind nicht klar, wird es aufs Internat geschickt oder irgendeinem Au-Pair aufs Auge gedrückt. Sollten Großeltern vorhanden und vom Weibchen abgenickt worden sein dann wurde die Kinds-Verantwortung schwupp die wupps an diese zu jeder nur erdenklichen Gelegenheit abgegeben.
Es reichen auch nicht irgendwelche guten Schulen, nein es müssen genau die besucht werden, die irgendeine andere, für unsere lieben Ehefrauen, wichtige Schabracke empfiehlt. Wir können dieses Spielchen auf alles beziehen. Friseur, Klamotten Restaurants, Hauspersonal, Garten-Unternehmen. Marie zum Beispiel war ja nicht einmal dazu im Stande den Geburtstag ihrer eigenen Kinder allein durchzuführen. Da mussten Baby-Entertainer, Clowns oder was auch immer bestellt werden damit Madame nicht überarbeitet war. Hach,neinHectordieseganzenKinder, dasschaffeichnichtallein. Dasistmirzuviel. Zuviel? Drei Mal im Jahr sich ein wenig um Kinder in größerer Zahl zu kümmern ist also zuviel? Entschuldigen Sie, aber das übersteigt mein Verständnis. Das übersteigt jedes männliche Verständnis wage ich mal zu behaupten. Und immer diese Anrufe im Büro! Marie rief immer ohne Kennung an und zum Schluss graute mir schon immer davor dran zu gehen. Sie begann jedes Gespräch mit Vorwürfen oder kleinen Anmerkungen, die sie mir meinte noch kurz vor, während oder nach einer Firmensitzung mitteilen zu müssen. Irgendetwas Banales, was auf keinen Fall hätte warten können, bis wir uns abends sahen. Es musste sofort besprochen werden. Ihre Belange hatten stets oberste Priorität. Zum Kotzen!“
Wie geht es jetzt weiter? Wie stellen Sie sich Ihr Leben in Zukunft vor?
„Ganz einfach. Ich zahle Kinder-Unterhalt so wie es das Gesetz vorsieht und ansonsten muss Marie zusehen wie sie zurechtkommt. Unsere Anwälte werden das schon regeln.“
So haben Sie sich das ausgemalt?
„Ja, genau so und nicht anders. Den Kindern habe ich bereits erklärt, dass sie bei ihrer Mutter wohnen werden. Ich ziehe nach Sussex. Ich werde die Kinder immer dann holen, wenn es zeitlich passt. Man hat ja so seine Verpflichtungen. Ich kann meinen Job jetzt nicht plötzlich vernachlässigen nur weil wir getrennt sind. Da müssen sich Marie und die Kinder eben anpassen. Und dann wäre da noch Clivia. Sie hat nun mal auch ein Anrecht auf mich. Trennungen sind eben auch mit Verlusten verbunden.“
Die für Sie genau wären?
„Doppelter Haushalt, da geht es doch schon los. Wer finanziert denn sonst das Ganze? Es ist selbstverständlich klar, dass ich zukünftig nicht mehr für Maries Extravaganzen aufkomme. Schließlich habe ich auch noch eine Firma, verwandtschaftliche Verpflichtungen und mich selbst zu versorgen. Außerdem hat sie ja nun wirklich mehr als großzügig die letzten Jahre gelebt. Sie kann ruhig mal von ihrem hohen Ross runterkommen und selbst den Kochlöffel schwingen, selbst mal eine Toilette säubern, selbst ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder schlicht und ergreifend mit dem, was sie dann von mir bekommt haushalten! Aber so wie ich Marie einschätze, wird sie sich möglichst schnell einen neuen Versorger, eine neue finanzielle Basisstation suchen. Wenn sie denn irgendeinen armen Wicht abbekommt.“
Versorger – ist das alles was Ihnen zu sich selber einfällt?
„Im Punkto Marie definitiv, ja! Aber da es nun vorbei ist, trifft es mich auch nicht mehr. Ich habe nur keine Lust sie weiterhin auf meine Kosten durchzufüttern. Ich meine, bisher war es eindeutig meine Pflicht aber wenn man sich trennt muss nun mal jeder für sich selbst sorgen. Sie hätte ja in den letzten Jahren auch arbeiten können, dann stünde sie jetzt sicher besser da. Aber was zerbreche ich mir den Kopf? Ist nicht mehr meine Baustelle. Unsere Beziehung gehört der Vergangenheit an und ich fange jetzt neu an. Ich habe mich schon lange nicht mehr so dynamisch und aktiv gefühlt. Lassen und Tun zu können, was mir gefällt ist ein vollkommen neues Lebensgefühl sage ich Ihnen. Als hätte man mir ein zweites Leben geschenkt und mir stehen alle Perspektiven offen. Alle! Noch mal Kinder bekommen, in ein anderes Land ziehen, heiraten oder auch nicht, lange Nächte, rund um die Uhr Arbeiten oder auch nicht. Reisen wann immer ich es mir vorzustellen vermag. Ich bin so frei, wie ich zuletzt als Student war. Herrlich.“
Herr Lehmann unsere Zeit ist um für diese Sitzung. Wir sehen uns kommenden Montag um 8.15 Uhr.
„Ja Professor Wand und vielen Dank. Ich bin froh endlich mit jemanden über all das reden zu können. Manchmal werden wir Männer wirklich ungerecht behandelt. Es legt eher selten jemand Wert auf unseren Standpunkt oder auf unsere Sicht der Dinge. Ich fühle mich gelegentlich wirklich ausgenutzt und missverstanden.“
Noch zwei letzte Fragen Herr Lehmann deren Antworten Sie auch bis nächste Woche durchdenken können. Meinen Sie, in Ihrer nächsten beziehungsweise neuen Beziehung mit Clivia wird alles anders?
(Lacht) „Aber sicher. Das ist es doch jetzt schon. Sie hat Zeit für mich, sie hört mir zu, sie ist immer gut gelaunt. Sie liebt kochen und kann sich stundenlang mit den Zwillingen beschäftigen - vorausgesetzt sie sind da. Ich erwarte natürlich nicht, dass sie Maries Position einnimmt wobei sie die sicherlich besser im Griff hätte als Marie, diese unfähige Person. Egal, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Clivia, genau. Wir haben den unglaublichsten Sex, den ich jemals hatte und ich kann mich an ihrer Schönheit nicht satt sehen. Ihr geht immer alles locker von der Hand und ich höre sie nie klagen. Wissen Sie, da macht es dann auch Spaß zu geben, zu schenken, zu vertrauen. Selbst, wenn sie mich hin und wieder um kleine Gefallen bittet ist sie dabei so zauberhaft, dass ihr absolut keinen Wunsch abschlagen kann. Wir haben zwar noch keine gemeinsamen Kinder aber ich bin mir sicher, dass aus ihr nie eine Marie wird. Sie wird mir immer zuhören. Für sie werde ich immer der Größte sein.“
Wie sieht es so mit ihren Freundschaften aus. Pflegen Sie die? Worauf legen Sie Wert?
„Ich denke schon, dass ich ein guter Freund bin. Doch, ich kann schon von mir behaupten dass ich sehr loyal bin. Die Vorraussetzung hierfür ist allerdings, dass man mich gut behandelt.“
Gilt das für beide Seiten oder nur für die Ihrige?
„Für beide selbstverständlich. Das ist doch vollkommen einleuchtend. Eine Freundschaft, so wie jede andere Beziehung, kann nur auf gegenseitiger Offenheit fruchten und basieren.“
Nur der Neugierde halber. Wie haben Sie Ihrem Freund Konstantin denn dann Ihre Beziehung zu seiner Freundin erklärt?
„Kurz gesagt: Gar nicht! Das ist ja auch etwas vollkommen anderes. Sagen wir mal so. Ich wusste von Dingen, die in seiner Beziehung mit Clivia schief liefen und er wusste von meinen Sorgen mit Marie. Gut, dass die Lage derart vertrackt war, als dass seine Freundin eine Beziehung mit mir wiederum eingeht, habe ich natürlich weder kommuniziert noch gewagt mir vorzustellen.
Aber, falls Sie darauf anspielen, ob ich meinem sogenannten Freund gegenüber ein schlechtes Gewissen habe – ja und nein. Ja, weil ich ihn gerne mochte und mag, anscheinend aber nicht genug schätze, um ihm nicht die Frau auszuspannen. Nein, weil jeder seines Glückes schmied ist. Des einen Leid ist des anderen Freud oder wie sagt man so? Ich trage sicherlich keine Schuld daran, dass er es seiner Freundin nicht anständig besorgen konnte oder mit ihr nicht mehr klarkam. Wobei ich bei ihm auch nie den Eindruck hatte, dass er sich sonderlich Sorgen gemacht hat, um seine Beziehung. Er war für meinen Geschmack immer ein wenig zu unachtsam, zu leichtsinnig im Umgang mit einem Männermagnet, wie es Clivia ist. Auf eine derartige Granate muss man aufpassen, die will jeder Typ haben. Sie ist ein Männermagnet und wer sich dessen nicht bewusst ist, begibt sich in Gefahr. Mir erschien seine selbstgefällige Art streckenweise recht unangebracht. Clivia hat mir zwar noch nichts erzählt aber ich vermute die beiden hat etwas verbunden, worauf er sich ausruhte. Als meinte er, sie würde es auf keinen Fall wagen ihn zu verlassen, weil er sie in der Hand hatte. Keine Ahnung ob das finanziell oder emotional war. Clivia verwendet in Zusammenhang mit ihrer Ex-Beziehung häufig den Ausdruck „moderne Sklaverei“. Ich persönlich, kann mir unter dem Begriff nicht sonderlich viel vorstellen aber was solls?
Himmel, schon so spät? Wir sehen uns nächste Woche Herr Professor. Vielen Dank und ein schönes Wochenende.“
Ich stamme aus einem kleinen Dorf in Hessen, genauer gesagt Nordhessen – Niederurff. Es gibt auch ein Oberurff und zwischen den zwei Dörfern schlängelt sich der einzige Bach weit und breit hindurch – die Urff. Niederurff besteht aus einer Handvoll Häusern, meist Bauernhöfe, einer freiwilligen Feuerwehr und einem kleinen Feinkostlädchen. Na ja, Feinkostlädchen ist übertrieben aber ich finde gerade nicht die richtigen Worte, um dieses vier Quadratmeter kleine, mit Tampons, Allzweckreiniger, Schrauben, Schrubbern und Dauerwürsten vollgestopfte Räumchen zu beschreiben.
Die Inhaber waren ein schnatterndes immerzu pöbelndes Ehepaar. Sie klein und rund, er haarlos und bebrillt. Stets darauf erpicht den neuesten Dorfklatsch zu ergattern und ihn dann gnadenlos in der Sonntagsmesse nach der Kollekte weiter zu schnattern. Gertrud und Günther Irmel – kleinkariert, gemein und ein Grund schon als Kind eine gesunde, wohlüberlegte Abscheu gegen sie zu hegen.
Dann war da noch Bussi, mein Schulfreund der ersten Stunde, der zwei Häuser neben meinem Elternhaus wohnte. Dorfdepp würde mir heute nur zu ihm einfallen, aber damals war er mein einziger Lichtblick in einem Schober voller Spießer. Braunhaarig, immer gutgelaunt, nicht sonderlich schlau, irgendwie ein Angeber, aber wie schon gesagt: Alle anderen waren, wenn ich das so sagen darf, noch dämlicher und somit war er meine erste und einzige Freundeswahl. Außerdem war er bei der freiwilligen Feuerwehr, ein Highlight in unseren 30 Seelen Kaff. Und dann waren da noch meine Eltern und mein Bruder. Meine Eltern hatten es laut Gertrud und Günther Irmel zu was gebracht: Meine Mutter war Ärztin, mein Vater Anwalt mit Fachgebiet Landwirtschaft.
