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"Post von Paul" ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die über die letzten sechs Jahre im Rahmen von Andachten und Predigten entstanden sind. Dabei steht mit Paul ein Wanderprediger im Mittelpunkt der Erzählungen, der an verschiedenen Orten der heutigen Zeit auf Menschen trifft und mit ihnen gemeinsam den Alltag mit seinen Aufgeregtheiten und seiner Hektik in den Blick nimmt. Auf manchmal ungewöhnliche Art und Weise spricht er sie an und zeigt neue und andere Wege durch das Leben auf - mit Mut und Zuversicht und im festen Glauben. Da trinkt Paul Kaffee mit Gott und einem Radwanderer oder findet sich den Fragen von Kindern zum Neugeborenwerden gegenüber. Er ist zur Adventszeit in der Lüneburger Heide bei einem Schäfer und diskutiert mit einem Espresso-Verkäufer auf dem Petersplatz in Rom. Die Erzählungen haben Menschen angerührt und aufgrund der Nachfrage entstand dieses Buch.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2021
Zum Geleit
Post von Paul
Auf einen Kaffee mit Gott
Segel setzen für Paul
Neugeboren – eine große Frage
Abendmahl feiern…
Leben im Herrn
Musik zum Lobe Gottes
Due Espressi
Deine Brüder und Schwestern
Da wurde mitten in der Nacht ein Kind geboren
Ohr an den Menschen
Talkshow
Paul auf dem Weihnachtsmarkt
Antworten von Paul
St. Paul´s Cathedral
Quellen, Referenzen, Inspirationen und Danke
Geht es Ihnen auch so? Manchmal, im richtigen Moment ergeben sich kleine Begegnungen, die ihre aktuelle Stimmungslage erfassen und Ihnen den richtigen Schubs geben. Ein Freund, eine Freundin oder auch irgendein Fremder spricht Sie an, gibt Ihnen die Hand, nimmt Sie mit dem richtigen Druck in den Arm, und die Wärme der menschlichen Begegnung umstrahlt sie. Ich bin fest überzeugt: Gott schaut Sie in diesen Momenten liebevoll an.
In diesem Buch sind auf Wunsch von Freunden und Bekannten einige Geschichten gesammelt, die als Andachtstexte oder Predigten entstanden sind. Die angegebenen Bibelstellen nach jeder Geschichte sind nur ein Anhaltspunkt. Vielleicht ist nicht jedem sofort einsichtig, wie die jeweilige Geschichte daraus entstanden ist. Manchmal ist die Geschichte einem Move der Predigtvorbereitung entsprungen, manchmal lässt sich der Zusammenhang direkt erkennen. Spüren Sie gerne nach.
Ich habe die Figuren der Bibel liebgewonnen. Sie begegnen sich neu, an neuen Orten, zu neuen Zeiten unter neuen Konditionen – und so wünsche ich Ihnen auch neue Begegnungen mit Paul, Jakob, Hannes, Nico und vielen anderen, die Sie vielleicht morgen um sich herum auf der Straße zufällig treffen und die Ihnen einen Hinweis auf Gottes unerschütterliche Liebe zu Ihnen geben. Ich habe die Geschichten in ihrer Ursprungsgestalt beibehalten, manchmal wechseln dadurch die Erzählperspektiven. Beim Zusammenstellen dieses Buches ist mir aber klar geworden, dass sie für mich genau so gerade richtig waren und sind.
Ihr Enno Stöver
Ich habe Post bekommen, einen Brief, einen Brief so kurz vor Weihnachten. Von Paul. Ach, ihr kennt mich vielleicht nicht alle – ich heiße Jason. Ich wohne im Hamburger Hafen in einem Haus mit meiner Frau, meinen Kindern und zwei Hunden. Ein paar Hühner laufen auch in unserem Garten rum. Vielleicht ist mein Haus so groß wie dieser Carport hier. Unsere Mauern halten den Wind im Hafen gut ab, und durch die Gemeinschaft von Menschen und Tieren ist das Haus immer warm. Wir haben eine Leiter, die auf einen Balkon auf dem Dach führt, dort kann man in heißen Nächten schlafen oder Wäsche trocknen. Das ist sicherlich heute nicht mehr der Standard, aber Paul hat hier auch gewohnt, das ist jetzt vielleicht ein Jahr her – eine schräge Type.
Ich kam gerade von der Arbeit im Hafen, ich gehe gerne an der Elbe entlang, da habe ich ihn zum ersten Mal gesehen. Ich wollte mich gerade in ein kleines Café setzen, noch ein wenig den Blick über den Fluss und die Schiffe schweifen lassen, ein wenig Ruhe von dem Stress bei der Arbeit – hatte es doch auch heute wieder viel Ärger gegeben, Aufträge, die unbedingt heute noch erledigt werden mussten. Da waren drei Männer, die sahen aus wie Handwerker auf der Walz, aber irgendetwas war anders. Sie hatten sich neben eine alte Frau gesetzt, die jeden Tag dort an der Elbe sitzt. Keiner von uns beachtet sie richtig, aber sie ist immer da. Alt, gebückt, mit einem Gehwagen – richtig interessiert hat sie keinen von uns, wir hatten auch genug eigene Sorgen. Und nun standen da auf einmal diese drei „Handwerker“, echte Kerle, wie wir Norddeutschen zu sagen pflegen. Ich wunderte mich, denn von dieser kleinen Szenerie ging eine Ruhe aus, die ausstrahlte. Vielleicht lag es daran, dass einer dieser Männer der Frau die linke Hand auf die Schulter legte und ihr mit der rechten ein Kreuzzeichen auf die Stirn machte. Tränen der Rührung standen der Frau in den Augen. Ich schaute mich um – irgendwie schien keiner außer mir diese Szene wahrgenommen zu haben. Aber ich hatte ja auch keine Zeit – egal mit Kaffee und Elbblick, ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass ich losmusste. An der U-Bahn-Haltestelle standen sie auf einmal neben mir. „Guten Tag. Mein Name ist Paul.“ Und er streckte mir die Hand hin. „Guten Tag“, sagte ich. „Ich habe euch unten am Fluss schon gesehen. Ihr habt mit der alten Frau gesprochen.“ „Oh ja“, sagte Paul, „eine interessante Person mit einer interessanten Geschichte. Wusstest du, dass sie bis zur Rente an der Kasse vom alten Elbtunnel gesessen hat? Heute ist sie nicht mehr so gut zu Fuß, aber viel schlimmer ist für sie, dass kaum einer, dem sie früher das Geld für den Weg durch den Elbtunnel abgenommen hat, sie noch grüßt oder anspricht. Schade, sagt sie, dass die Menschen wegschauen.“ Ich fühlte mich ertappt. „Oh, die U-Bahn kommt. Ihr müsst doch sicher auch weiter…“ „Ehrlich gesagt, wissen wir noch nicht, wo wir die Nacht verbringen können. Und für die Zeit, die wir in Hamburg sind, brauchen wir auch noch Arbeit, damit wir die Herberge bezahlen können. Wir sind Zeltmacher, aber Segel nähen geht auch. Kennst du jemanden?“ Dieses Lächeln von Paul mit diesen beiden jungen Burschen daneben war entwaffnend. „Ihr könnt bei uns übernachten“, hörte ich mich sagen. „Und unser Nachbar hat eine Werft für Segelschiffe. Er hat gerade einen großen Auftrag und braucht sicherlich Hilfe.“ „Super, wir kommen gerne mit.“ Und so kamen Paul, Silvio und Timo mit zu uns. Es war eine wunderbare Zeit und wir lernten viel. Paul erzählte seine Lebensgeschichte. Er käme aus der türkischen Stadt Tarsus. Sie drei seien Juden auf einem neuen Weg, wie er sagte. In Tarsus war er Vorarbeiter der Segelmacher in der größten Werft – bis zum Umfallen habe er gearbeitet. Und natürlich sei er immer in die Synagoge gegangen und habe alles getan, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Das kam mir bekannt vor…
Irgendwann sei er zusammengebrochen. Er sei auf einer Dienstreise gewesen. Im Krankenhaus in Damaskus sei er dann aufgewacht. Und neben ihm saß ein Mann, den er nicht kannte. „Paul ich grüße dich und Gott sei mit dir.“ „Was machst du hier“ habe er ihn gefragt. „Der Herr hat mich zu dir geschickt. Darum bin ich hier. Ich habe für dich gebetet, dass du gesund wirst und die wichtigen Dinge im Leben erkennst. Dein Glaube soll dir helfen und nicht aufhören.“ Er zeichnete Paul ein Kreuz auf die Stirn und ging ohne ein weiteres Wort. Paul hat ihn nie wiedergesehen.“
Aber heute seien ganz andere Sachen wichtig für ihn. Gerungen habe er mit Gott, gefragt, was er machen solle – und die Antwort „Ich möchte nur, dass du an mich glaubst“. Dann kam Paul ins Schwärmen und lange saßen wir in unserer Hütte beim Bier, und Paul begeisterte uns für die frohe Botschaft von Jesus Christus. Es war faszinierend – jeden Abend wurden es mehr Leute, gut, dass es Sommer war und draußen genug Platz. Ich spürte, dass diesen Mann eine Leidenschaft treibt, die nichts mit Zelten und Segeln zu tun hat. Ich spürte hier am Feuer, dass in ihm ein Feuer lodert, das andere anzieht. Gottes Sohn sei Mensch geworden, für uns alle in einer Krippe geboren und für unsere Sünden gestorben und auferstanden. Für Paul führte der Glaube an Jesus Christus zu einer neuen Freiheit ohne Leistungsdruck. Durch Gesetze und Verordnungen lassen sich Menschen nicht bessern. Es ist notwendig, dass sie heilig werden, sie sich durch die Annahme der Liebe Gottes ändern, umkehren und gelassener werden. Wir können dankbar sein, für die kleinen und großen Geschenke Gottes jeden Tag, für den Sonnenaufgang und das Kinderlachen, aber auch die Tränen und die kleinen Begegnungen im Bus oder am Hafen. Und zum Schluss sagte er immer: Seid bereit! Jesus kommt wieder – ich möchte, dass ihr eine Chance habt, die frohe Botschaft zu erkennen und vor seiner Wiederkehr umzukehren und euch zu bekennen. Seid wachsam!
Paul musste dann schnell weg, mitten in der Nacht. Es gab Menschen aus der Nachbarschaft, die mochten ihn nicht, hatten ihn angezeigt. Er wolle Krawall machen und habe von einem neuen König gesprochen, der das Heil bringt. Die Polizei stand bei uns vor der Tür, aber Paul, Silvio und Timo waren nicht mehr da. Wir hatten Paul gleich nach den aufkommenden Gerüchten losgeschickt, nachts gingen die drei. Ich musste mit der Polizei mitgehen, mich erklären und eine Strafe zahlen, da unsere Versammlung öffentlichen Grund genutzt hätte. Timo kam ein paar Tage später nochmal wieder. Paul wolle wissen, wie es uns gehe, ob zu mindestens ein paar Menschen abends noch wiederkämen zum Singen und Beten.
Und nun die Weihnachtskarte – ich würde so gern zurückschreiben, aber wohin. Seine Handynummer habe ich auch nicht und E-Mail? Keine Ahnung. Bei Facebook und XING habe ich gesucht, Paul und seine Begleiter bleiben verschwunden. „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen: denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“, so hat er in der Weihnachtskarte geschrieben. Er habe sich so gefreut, unsere Gemeinschaft kennengelernt zu haben und wünscht uns für die Zukunft alles Gute.
Ich bin heute Nachmittag auf dem Weg von der Arbeit an der Elbe entlang gegangen. Einem Rosenverkäufer habe ich eine Blume abgekauft und bin zu der alten Frau hingegangen, habe ihr die Blume gegeben und einfach „Danke“ gesagt. Sie hat mich angelächelt und mir mit dem Finger ein Kreuz auf die Stirn gemalt. „Der Herr sei mit dir“, sagte sie und „Grüß Paul, wenn du ihn siehst.“
„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thessalonicher 5, 16-18)
Ich möchte eine Geschichte erzählen, die ich vor einigen Wochen erlebte. Sie erscheint mir immer noch ein wenig sonderbar.
Mein Name ist Luca, ich bin Arzt, komme aus Israel und arbeite inzwischen in Deutschland im Krankenhaus. Aufgrund meines Engagements bei „Ärzte ohne Grenzen“ bin ich im letzten Jahr viel rumgekommen in der Welt und habe viel gesehen – leidvolle Geschichten erlebt und Menschen glücklich gemacht, denen ich auf manchmal für uns einfache Weise helfen konnte. Viele Eindrücke hatten sich in meinem Kopf angesammelt. Nun hatte ich endlich Urlaub. Und ich hatte mir vorgenommen, eine Radtour mit der Familie entlang der Ruhr zu machen – einfach fahren und abends dort eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, wo wir gerade sind. Ziemlich müde und abgespannt fuhr ich in Dortmund los und merkte bald, dass mir das Radfahren, die Bewegung, aber auch die Weite guttat. Immer leichter werdend trat ich in die Pedale und machte Kilometer. Die ersten Tage waren noch schwer, aber es ging immer leichter und immer öfter nahm ich auch andere Radfahrer wahr, die wie wir Richtung Duisburg fuhren.
Irgendwann aber merkte ich, dass ich immer noch Gedanken im Kopf hatte, die mich nicht losließen, Bilder aus dem Berufsalltag, von den Reisen in die Krisengebiete und Wut auf die Menschen, die für all diesen Krieg und Terror verantwortlich sind.
So radelte ich in Gedanken versunken die Ruhr entlang, als ich ein Schild am Wegesrand sah. Ein grünes Schild mit weißer Kirche und Radfahrerpiktogramm – ein Hinweis auf eine Radwegekirche. Es machte mich neugierig und ich entschied, die Kirche zu besuchen, hatte mir doch früher Glaube und Kirche geholfen, auch kritische Phasen im Leben zu meistern. Vielleicht würde es mich erleichtern, meine Gedanken vor Gott zu bringen. Wir waren nun auch einige Zeit ohne Pause gefahren, und ich merkte, dass eine Rast guttäte. Meine Familie fuhr vor, sie hatten noch genug Power und ihre Neugier war nicht so groß. Ich ließ mein Fahrrad vor der Kirchentür im Radständer stehen und betrat die Kirche, setze mich in eine der Bänke und mühte mich schwerlich mit dem Beten. Immer wieder stockte es mir und ich kam mir elend vor, die Gedanken nicht ordentlich formulieren zu können. Ich hatte das Gefühl, der Christus am Kreuz schaute mich etwas mitleidig an. So verließ ich die Kirche wieder – kaum erleichtert, eher etwas frustriert.
Als ich aus der Kirche kam, merkte ich auf. Dort saß auf einmal ein Mann an einem Tisch vor der Kirche und hatte vor sich zwei Becher heißen, duftenden Kaffee stehen. Beim Weg in die Kirche hatte ich ihn gar nicht bemerkt. Er sah mich und winkte mich zu ihm in Richtung des Tisches. „Guten Tag“, sagte er. „Sie sehen aus, als ob Sie eine Pause gebrauchen könnten. Wenn Sie möchten hole ich Ihnen einen Stuhl und eine Tasse Kaffee.“ Ich schaute ihn an und überlegte kurz. „Ja, gerne.“ Er stand auf und kam nach kurzer Zeit mit einem dritten Stuhl und einem dritten Becher Kaffee wieder. Ich setzte mich und schaute mir den Mann an. Mittleres Alter, sportlicher Typ, etwas lässig, fläzte sich auf seinem Stuhl – er sah aus wie ein junger Handwerker auf Wanderschaft. „Trinken Sie ruhig“, sagte er zu mir. „Wollen wir nicht warten, immerhin ist ihr Freund oder ihre Freundin noch nicht wieder da, oder?“ „Kein Problem“, meinte er „er ist schon da, wir können gerne Kaffee trinken.“ Er grinste mich an. „Entschuldigung, ich vergaß mich vorzustellen. Mein Name ist Paul – herzlich willkommen vor dieser schönen Kirche auf einen Kaffee mit uns.“ „Mit uns?“, fragte ich erstaunt und schaute mich um. „Ja, mit uns“, sagte Paul und grinste mich wieder an. „Geht es Ihnen manchmal auch so – denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie´s sich gebührt?“ Ich fühlte mich ertappt, das war doch genau das, was ich beim Gang aus der Kirche gedacht hatte. Paul grinste mich an. „Ich bin auf der Wanderschaft. Dieser Ort hier vor der Kirche ist wunderbar, unter dieser schönen Eiche gefällt es mir hervorragend. Ich sprach mit Gott und sagte, lass uns hier eine Pause machen und einen Kaffee trinken.“ Ungläubig schaute ich ihn an. „Wie? Mit Gott einen Kaffee trinken?“, fragte ich. „Ja, klar“, sagte Paul. „Sie wissen doch: Denen, die Gott lieben, dient alles zum Besten. Ich sage mit ganzem Herzen: Ja, ich liebe ihn. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, wenn die Sonne, die er geschaffen hat, warm auf meinen Frühstückstisch scheint. Ich liebe seine Bilder, den Sonnenuntergang mit seinen unbeschreiblichen, nicht nachzuahmenden Farben und die funkelnden Lichter in sternenklarer Nacht. Er ist immer für mich da – egal, wo ich gerade unterwegs bin, ob ich als Segelmacher arbeite oder faulenze, ob es schön ist, regnerisch oder anstrengend. Er hält seine schützende Hand über mich. Es ist mit ihm wie mit meinen besten Freunden. Ich kann mit ihm sprechen, er hört zu, wir sitzen zusammen – schweigend oder im Dialog. Ich gehe gerne mit ihm spazieren, am Liebsten einen Kaffee trinken. Und ich habe festgestellt: Gott liebt den Duft von frischem Kaffee. Ich liebe das Auskosten dieser Momente mit ihm.“ Die Worte trafen tief in mein Herz – eben noch hatte ich in der Kirche um die Worte im Gebet gerungen und nun saß hier ein wildfremder Mann, der mir klarmachte, dass er regelmäßig mit dem Allmächtigen einen Kaffee trinkt. Die Leichtigkeit faszinierte mich, Paul nahm mich gefangen mit seinen Bildern. Er beugte sich zu mir herüber: „Lieben Sie Gott?“ Wärme umstrahlte mich, ich fühlte mich auf einmal umarmt und geborgen. Und erschrak über die Frage. „Geht das so einfach?“, fragte ich zurück. „Sicher“ antwortete Paul. „Bei mir war es nicht zwingend Liebe auf den ersten Blick – Faszination und Erschrecken – Nähe und Ferne, aber immer wieder angezogen sein, hingezogen fühlen. Tatsächlich brauchte ich erst einen Zusammenbruch auf einer Dienstreise in Damaskus, um zu verstehen, dass er für mich da ist. Da wurde mir klar: Er liebt mich! Und ich weiß: er liebt auch Sie.“ Dabei bohrte sich Pauls Finger in mein Brustbein.
