Prada in Persepolis - Thomas A Müller - E-Book

Prada in Persepolis E-Book

Thomas A. Müller

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Beschreibung

Im Iran ist das alte Persien bis heute stark präsent. Auch zeichnet sich teilweise eine Modernisierung des Gottesstaates ab. So sehr diese Verhältnisse faszinieren, so irritieren sie doch auch. Thomas A. Müller ist 2018/2019 intensiv mit dem Iran in Berührung gekommen und legt mit den Notizen seiner Reiseerfahrungen ein faszinierendes Kaleidoskop aus Eindrücken und Reflexionen vor, unterlegt mit 34 von ihm angefertigten Abbildungen. Wer Impressionen und Hintergründe zum Leben im Iran der Gegenwart sucht, wird hier fündig.

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Seitenzahl: 47

Veröffentlichungsjahr: 2020

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ibidem-Verlag, Stuttgart

Inhaltsverzeichnis

Der Flug ab Zürich

Teheran

Qasim

Von Qasim nach Hamadan

Hamadan

Bisotun

Susa

Von Susa nach Schiras

Schiras

Persepolis

Pasargadae

Von Pasargadae nach Yasd

Yasd

Meybod

Isfahan

Kashan

Flughafen Teheran

Auf dem Rückflug

Impressum

ibidem-Verlag

 

 

 

 

Die Glasfenster der Nasir-ol-Molk-Moschee in Schiras sind in den Grundfarben gehalten. Die Pracht durchdringt den Raum. Sie wiederholt sich am Boden, den Wänden und Säulen. Streckt man die Hand in den Strahl, so findet man die Farben auf Haut und Ärmel. Doch sie zu greifen, geschweige denn sie aufzu-fangen und davonzutragen vermag man nicht.

 

Der Flug ab Zürich

führt vom Nachmittag in den Abend und die Nacht. Vor Teheran stossen Welten aufeinander. Aus den Lautsprechern erklingt «Wienerblut», und der Maître de Cabine fordert die Damen auf, das Kopftuch anzuziehen. Das erspare ihnen Ärger.

Die Wüste liegt im Dunkeln. Ihre Dünen sind knapp erkennbar. Erstaunlich, wie nah die Einöde an die Metropole reicht. Dann kommen die ersten Strassen in Sicht. Ihre Lampen reihen sich zu Perlenketten. Die Lichter der spärlichen Siedlungen lassen an Geschmeide aus Diamanten und Rubinen denken, an orientalischen Überfluss, Zauber und Königinnen.

 

*

 

Teheran

Was war nicht alles zu lesen im Hinblick auf die Einreise! Kontrollen, ob die Leute Alkohol mit sich führen, und sei das nur in Konfekt. Das Verbot von Schweinefleisch und von Magazinen, in denen Damen nicht streng nach muslimischer Vorschrift gekleidet sind. Die Kameras würden in den Pass eingetragen, und bei der Ausreise überprüften die Behörden, ob man sie noch immer mit sich führe.

Doch nichts dergleichen! Vielmehr eine Passkontrolle, wie wir sie aus westlichen Ländern gewohnt sind. Die Passagiere stehen, je nach ihrer Nationali-tät, in zwei Menschenschlangen. Etliche Köpfe vor uns sitzt ein Uniformierter gelangweilt in seinem Verschlag, scannt Pässe, hackt auf die Tastatur ein, starrt auf seinen Bildschirm. Er winkt die meisten Wartenden mit einem knappen Nicken und einer kaum bemerkbaren Handbewegung durch. Macht drückt sich in Millimetern aus. Einige Male ordnet er Leuten an, zur Seite zu treten und warten.

Vom Flughafen führen gut unterhaltene Strassen nach Teheran. Sie sind mehrspurig und verlaufen riesigen Werbeplakaten für Joghurts, Pflegelinien, Handies entlang. Wir sehen keine zerbeulten und schmutzigen Autos, wie ich sie aus Ländern des Magrebh kenne. Vielmehr sind die Wagen neueren Datums und gepflegt: Peugeots, Renaults, Mazdas, auch viele Saipas, eine einheimische Marke. Die gestauchte Form und die mehrfach unterteilten Seitenfenster dieser Modelle irritieren. Nahezu alle Autos sind weiss.

Am Strassenrand und an Häuserfassaden sind die ersten grossen Bilder der Ayatollahs Khomeini und Khameini zu sehen. Auch begegnen uns Porträts von Männern, die im Krieg gegen den Irak gefallen sind. Satellitenstädte und Schlafquartiere sind aus dem Boden des Niemandslands gestampft worden. Sie wirken teuer. Das riesige, bunt beleuchtete Mausoleum für Ayatollah Khomeini erinnert eher an Las Vegas als an den oft mürrisch wirkenden, asketischen Mann.

Es heisst, er sei auch nach der Machtübernahme von 1979 in seiner kleinen Wohnung geblieben.

 

Über die Autobahn spannt sich ein Korantor. Man sagt, es spende Allahs Segen, nicht zuletzt für Brautpaare. Unser Hotel in Teheran ist innen wie aussen protzig. Die Eingangshalle prunkt mit Marmor, Glas und Messing. Mich überrascht ein grosser, bunt geschmückter Christbaum.

 

Verkehrsmoloch Teheran: Auf mehreren Spuren drängen sich die Autofahrer in jede noch so kleine Lücke. Es wundert einen, wie sich dieses Knäuel entwirren soll. Der Smog ist enorm. Er taucht die Stadt in dreckige Luft. Täglich wird eine Alarmstufe ausgerufen. Ist sie bei Rot, so werden die Schulen geschlossen, und es gibt keine Sportveranstaltungen im Freien. Besitzer von Teehäusern hüllen ihre Auslagen mitunter in Plastikfolie. Viele Passanten tragen über Mund und Nase ein Tuch. Rund 270 Menschen sterben monatlich an der Verschmutzung. Am einen Tag sind Fahrzeuge mit geraden Nummern zuge-lassen, am nächsten solche mit ungeraden. Welch ein Kontrast ist das alles zu den Jahrhunderte alten Moscheen und Palästen!

 

Die Innenstadt von Teheran gleicht jenen in Westeuropa. Shoppingcenter, Flagship Stores, Leuchtwerbung, flanierende Menschen mit Einkaufstaschen, Sonnenbrillen, Handies. Es sind, immerhin für den Fremden, nirgends Sitten-wächter oder Religionspolizisten zu sehen. Die jungen Frauen sind nicht selten geschminkt. Das Kopftuch darf durchaus nach hinten gerückt werden, was die schönen Züge noch mehr zur Geltung bringt. Auch sind teure Sportschuhe und High Heels zu sehen. Das alles sind Anzeichen, dass sich das Land im Umbruch befindet. Unser Reiseführer M. erzählt, dass kaum ein Fünftel der Bevölkerung regelmässig betet. Der Begriff «Mullah» für die Geistlichen bedeute auch «Hund».

 

Im Golestan-Gelände verzieren riesige Kachelarbeiten die Aussenwände der Paläste. Es sind westeuropäische Motive zu sehen: Schlösser und Parks, Militärkapellen und Marschformationen, Kirchen und Marktplätze. Das rührt daher, dass Persien im 18. Jahrhundert in regem Austausch mit Frankreich stand. Noch heute gibt es in der Sprache der Iraner rund 280 französische Vokabeln. Die uns vertrauteste ist «merci».

Die Gärten im Golestan-Gelände sind schattig und lauschig. Papageien krächzen in den Bäumen. Dem Besucher bietet sich ein rechtwinklig angelegtes System von Wasserläufen und Wegen. Er kann sich je nach den Lichtverhält-nissen, der Temperatur und seiner Laune einen davon auswählen. Ich denke an das schöne alte Wort «Lustwandeln».