Praxissplitter - Manuel Skript - E-Book

Praxissplitter E-Book

Manuel Skript

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Beschreibung

Wenn ich hier aus dem Nähkästchen plaudere, dann soll dies nicht, wie in vielleicht anderen Fällen, auf Kosten anderer geschehen. Vielmehr werden in diesen Kurzgeschichten lustige Szenen eingefangen, witzige, auch nachdenkliche Situationen beschrieben, und interessante Eindrücke aus einer medizinischen Praxis wiedergegeben, die sich über zwanzig Jahre hinweg ereignet haben. Um der Schweigepflicht Rechnung zu tragen, sind alle Namen entsprechend geändert. Jede dieser Begebenheiten hat sich tatsächlich so zugetragen.

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Seitenzahl: 58

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Manuel Skript

Praxissplitter

Kurzgeschichten / Anekdoten aus der medizinischen Praxis / Überarbeitete Auflage

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Praxissplitter

Impressum neobooks

Praxissplitter

PRAXISSPLITTER

Wenn ich hier aus dem Nähkästchen plaudere, dann soll dies nicht, wie in vielleicht anderen Fällen, auf Kosten anderer geschehen, auch liegt es mir fern, mich über andere lustig zu machen, jemanden zu verunglimpfen, oder zu denunzieren. Vielmehr möchte ich in diesen Kurzgeschichten lustige Szenen einfangen, witzige, auch nachdenkliche Situationen beschreiben, und interessante Eindrücke aus einer medizinischen Praxis wiedergeben, die sich über zwanzig Jahre hinweg ereignet haben. Um der Schweigepflicht Rechnung zu tragen, sind alle Namen entsprechend geändert. Jede dieser Begebenheiten hat sich tatsächlich so zugetragen. Ich spiele dabei aus rein literarischer Sicht allenfalls mit dem Stilmittel einer latenten (leichten) Übertreibung, zur Aufhübschung der Szenen, so wie jeder nach dem Friseurbesuch, oder einer kosmetischen Korrektur auch besser aussieht als morgens nach dem Aufstehen. Des Weiteren erlaube ich mir, einige lateinische Fachbegriffe einzustreuen, was dazu dienen soll, einen kleinen Teil des “Fachchinesisch“ in der Medizin zu entzaubern, es würde mich freuen wenn Sie somit Ihrem Wortschatz noch ein paar Fachbegriffe hinzufügen könnten. Im medizinischen Alltag erlebe ich, wie Patienten verschiedener nicht sein können, keiner ist wie der andere, auch wenn zwei Personen mit den gleichen Diagnosen kommen, sind sie unterschiedlich. Die “Gesundheits-Verwaltung“ und “Abrechnungsstrategen“ versuchen dennoch, Krankheiten zu katalogisieren und in ein System zu pressen. Hierzu wurde eigens ein kompliziertes Regelwerk geschaffen, mit welchem jede noch so unscheinbare Diagnose erfasst wird und eine Nummer erhält. Ohne diesen “Geheim-Pin“ (ICD-10 Einteilung) geht heute gar nichts mehr. In diesem Erkennungssystem werden alle Diagnosen sortiert von: AADC [Aromatische-L-Aminosäuredecarboxylase]-Mangel (G24.8) bis Zytomegalie-Proktitis (B25.80, K93.8). Das erinnert mich an das Branchenbuch von Berlin, für das früher geworben wurde: „Alles drin, von Aalräuchereien bis Zylinderstifte“! Auch sonst ist es in der Medizin eine fast eigenständige Profession geworden, alles einzuteilen, zu bewerten, Schweregrade festzulegen und zu bemessen. Eine wahre Flut von geheimnisvollen Codes tummelt sich in der medizinischen Landschaft, oder wussten Sie, was ein Typ-A-Verhalten (Z73), eine Weber-C-Fraktur (S82.6), ein Tossi II (S43.1), oder ein Gerbershagen Typ III (F.45.41) ist? Nur gelingt es nicht immer, denn der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile und auch mehr als die Anhäufung von Symptomen.

Dennoch möchte auch ich eine Einteilung vornehmen, eher nicht offiziell registriert und nur dazu gedacht, den Patient (Lat.: patiens: erdulden, passio: das Leiden, der leidende) besser einschätzen, behandeln und ihm dadurch bestmöglich helfen zu können. Sie können beim Lesen selbst entscheiden in welche dieser Kategorien Sie sich selbst wiederfinden. Diese Einschätzungen stammt aus der neurolinguistischen Programmierung (NLP) und teilt ein in: “Opfer“, “Besucher“ und “Kunde“. Beschäftigen wir uns zunächst mit der ersten Patientengruppe. Der hier vorgestellte und ausgedachte Opfer-Patient, ist der `klassisch Leidende`, in sich versunken und vorrangig damit beschäftigt seine diversen Symptome zum Besten zu geben und diese zu beschreiben, so dass am Ende seiner Ausführungen die gesamte Patientenkarte, vom bereits schwitzenden Therapeuten mit Kriterien, Symptomen und Anmerkungen vollgeschrieben ist. Er lässt verlauteten, dass er schon überall war und so recht helfen konnte ihm keiner. „Ja Sie sind mir empfohlen worden, ach übrigens, sind Sie meine letzte Rettung“. Es wird bei diesem “Typus“ von Patient auch schnell klar, dass er wenig bereit ist eine Art Selbstverantwortung zu übernehmen und durch Eigeninitiative im autogenen (eigenständigen) Heilungsverlauf aktiv mitzuhelfen. Dies wird zusätzlich unterstrichen in Aussagen wie, „Sie werden das schon machen, ich habe das vollste Vertrauen in Sie, wenn Sie mir nicht helfen können, dann weiß ich auch nicht mehr weiter“, oder, „ich habe schon alles probiert, nur gut dass ich jetzt bei Ihnen bin“, etc.. Anstrengungen und Verantwortung für die Heilung werden ganz und gar dem Behandelnden zugesprochen und auf seine kompetenten Schultern geladen, frei von einer persönlichen Mitverantwortung für die eigene Gesundheit. So gesehen, wird dem Spezialisten die Bürde der Krankheit auferlegt, wenn zum wiederholten Mal beteuert wird, „ich habe schon so viel Gutes von Ihnen gehört“. Derartig herausgefordert, weckt dies im Therapeuten zunächst alle in ihm wohnenden Helferreflexe. Solchermaßen gebauchpinselt, spricht sich der Medicus natürlich auch selbst die allergrößten Fähigkeiten zu. Dazu gesellt sich noch der geheime Gedanke, ich hab ja schon immer gewusst, dass die Kollegen nichts taugen. So gemahnt und motiviert, medizinische Höchstleistungen zu vollbringen, macht sich der Heiler ans Werk und merkt zunächst nicht, dass er nur dem `Würstchen` hinterherläuft, welches ihm der Patient hingehalten hat. Und so geschieht es dann, dass bei einem ausbleiben gewünschter Heilerfolge, der gescheiterte Medizinmann, auch einen Platz in der virtuellen Therapeutengalerie bekommt, ähnlich wie in großen Schlössern, wo die Bilder der Adligen in langen Fluren verstaubt aneinander gereiht, an vergangene Zeiten erinnern. Eine beliebte Variation in solch einem Prozedere (Lat.: Modus Procedendi: Verfahrensweise) ist auch das sogenannte “ausweichende Verhalten“. Sollte es dem Therapeuten tatsächlich gelingen, einige Eingangssymptome (die zu Beginn der Konsultationen bestanden, es können ja durchaus noch welche hinzukommen,- dann spricht man von Sekundär - Symptomatik) zu beseitigen, so stellen sich auf “wundersame Weise“ plötzlich neue ein, die mit den ursprünglichen nicht das Geringste zu tun haben. Daher auch ein Tipp, vor allem an die jungen Kollegen, fragen Sie den “Opfer-Patienten“ nie, „wie geht es ihnen“? Diese Fragestellung ist sehr allgemein und lässt in diesem Fall zu viel Spielraum für Interpretationen zu. Falls sie wirklich auf eine Bestätigung aus sind, dass ihre Therapie gewirkt haben könnte, vermeiden sie diese Formulierung, sie werden zumeist enttäuscht! Die Frage sollte also explizit und konkret formuliert nach den Symptomen erfolgen, wie z. B. „können sie Ihren Arm heute höher heben wie beim letzten Mal? Wie stark ist ihr Schmerz im unteren Rücken (im Liegen, nicht der bei Bewegung) heute auf einer Skala von 0-10…“, oder ähnlich konkrete, geschlossene Fragen.

Unser fiktiver “Besucher-Patient“ ist da schon ein wenig unkomplizierter, selbst wenn der Therapeut auch bei ihm in ein irritiertes Gesicht blickt, wenn der Satz fällt, „jetzt überlegen wir einmal, wie Sie selbst noch zur Besserung der Beschwerden beitragen können“. Hier deuten sich immerhin Zeichen, zartem Mitgestaltungswillen in Richtung Heilungsverlauf an. Das ist zwar nicht die primäre Absicht des “Besucher-Patienten“, denn auch in anderen Fällen (z. B. bei Freunden) ist der Besucher allermeist eingeladen, muss nicht die Teller nach dem Essen abwaschen oder die Bude aufräumen. In der Regel wird man sogar gedrängt das Geschirr stehen zu lassen, wenn der Gastgeber jene geheime Absicht bemerkt, dass man in “Knigge-Manier“ beim „after-eat-wash“ etwas mithelfen möchte. Also, der Besucher muss eigentlich gar nichts tun, außer sich bedienen und verwöhnen zu lassen, gut, am Gespräch teilnehmen sollte der Besucher schon, also ist er freundlich und zuvorkommend. Im Prinzip verhält sich unser “Besucher-Patient“ ebenso, er ist ein zuverlässiger, freundlicher Patient, solange er seine Behandlung erhält und gut betreut wird, zur Belohnung wird auch nicht übermäßig gelitten oder gejammert.