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Der Dark Romance Erfolg von USA-Today-Bestsellerautorin Sheridan Anne endlich auf Deutsch! Ich bin süchtig nach meinem Stalker. Er beobachtet mich jede Nacht, schleicht sich durch mein Wohnzimmerfenster und lässt mir das Blut gefrieren. Aber sobald er mich berührt, erwacht mein ganzer Körper, jede Faser schreit nach ihm. Ich habe sein Gesicht nie gesehen, kenne nicht einmal seinen Namen, aber ich will es. Ich will ihn. Jeder Teil von mir weiß, wie falsch das ist, aber ich bringe es nicht übers Herz, das Fenster zu schließen, ihm Einhalt zu gebieten. Er ist krank, besessen von dieser verdrehten Verliebtheit, süchtig nach seinen psychotischen Spielchen. Aber vielleicht bin ich genauso krank wie er. Denn ob ich es will oder nicht – ich bin süchtig nach meinem Stalker. Eine rebellische Tätowiererin, ein obsessiver Stalker. Wenn du mit deiner Moral an deine Grenzen kommst, ist es vielleicht Zeit sie abzulegen. - Für Fans von YOU - Du wirst mich lieben.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Sheridan Anne
SHERIDAN ANNE
ROMAN
Ausführliche Informationen über unsere
Autorinnen und Autoren und ihre Bücher
www.cinna-verlag.de
1. Auflage
Originalausgabe
Copyright © by 2026 CINNA Verlag, Bücherbüchse OHG, Siebenbürger Straße 15a, 82538 Geretsried, Deutschland Copyright © 2025 by Sheridan Anne Published in agreement with Sebes amp; Bisseling Literary Agency
Textredaktion: Tino Falke, Übersetzung ins Deutsche: Michaela Link
Covergestaltung: Ariana Can / @solaires.stories unter der Verwendung von Stockmaterial von Adobe Stock (© Magic, © dmitroscope, © vik_y, © Ajuga, © bazzier, © ecco, © Lysenko.A, © Mr.Vander, © Tryfonov, © Sergey Kolesov) Gesetzt aus der Adobe Caslon
Satz: CINNA Verlag unter Verwendung von Stockmaterial von Adobe Stock (© liubov, © Sultana) ISBN 978-3-911244-66-4
Contentwarnung
PROLOG Reid
KAPITEL 1 Kyah
KAPITEL 2 Reid
KAPITEL 3 Kyah
KAPITEL 4 Reid
KAPITEL 5 Kyah
KAPITEL 6 Reid
KAPITEL 7 Crew
KAPITEL 8 Kyah
KAPITEL 9 Kyah
KAPITEL 10 Kyah
KAPITEL 11 Reid
KAPITEL 12 Kyah
KAPITEL 13 Kyah
KAPITEL 14 Reid
KAPITEL 15 Kyah
KAPITEL 16 Viper
KAPITEL 17 Kyah
KAPITEL 18 Kyah
KAPITEL 19 Reid
KAPITEL 20 Kyah
KAPITEL 21 Kyah
KAPITEL 22 Alex
KAPITEL 23 Kyah
KAPITEL 24 Kyah
KAPITEL 25 Kyah
KAPITEL 26 Reid
KAPITEL 27 Kyah
KAPITEL 28 Alex
KAPITEL 29 Kyah
KAPITEL 30 Viper
KAPITEL 31 Kyah
KAPITEL 32 Kyah
KAPITEL 33 Kyah
KAPITEL 34 Kyah
KAPITEL 35 Reid
KAPITEL 36 Kyah
KAPITEL 37 Alex
KAPITEL 38 Kyah
KAPITEL 39 Kyah
KAPITEL 40 Kyah
KAPITEL 41 Kyah
EPILOG Kyah
Diese Geschichte enthält Inhalte, die sensible Leser:innen emotional belasten könnten.
Dazu zählen unter anderem:
Stalking
Explizite sexuelle Inhalte
Schilderungen von Gewalt
Entführung
Mord
Manipulation
Täuschung
Blut
Nicht einvernehmlicher Sex
Dieses Buch bewegt sich bewusst in moralischen Grauzonen und lotet Grenzen aus. Wir empfehlen dieses Buch nur volljährigen Leser:innen, die sich mit den genannten Themen wohlfühlen oder bewusst mit ihnen auseinandersetzen möchten.
Bitte lies mit Bedacht.
Stay Sinful xoxo deine CINNA Crew
Raquel Stacy schreit, als meine Klinge in ihre Brust eindringt, und ich stoße einen tiefen Seufzer aus, während ich zusehe, wie das Blut aus der Wunde sprudelt und ihr ganzer Körper beim Ersticken zuckt.
Das war lächerlich unbefriedigend.
Sie hat sich weder richtig gewehrt noch mich weggestoßen. Verdammt, wir waren gerade mal einen Meter weit im Wald, da ist sie gestolpert und hingefallen, und ich musste sie tiefer ins Gebüsch ziehen, um es etwas interessanter zu machen. Sie hat versucht zu schreien, in der Hoffnung, dass ihr jemand zu Hilfe kommt, aber ich habe diesen Ort mit Bedacht gewählt. Das tue ich immer. Selbst wenn ich sie mitten auf der Straße getötet hätte, würde man mich nicht erwischen. So gut bin ich.
Und was ist mit unserer Malibu-Barbie hier los? Nicht einmal das aus ihrem Mund rinnende Blut törnt mich heute Nacht an. Doch ich muss zugeben, ihr Röcheln bringt ihr ein paar Extrapunkte ein.
In den letzten Wochen habe ich Raquel beobachtet und auf den Moment gewartet, in dem sie begreift, dass die Person hinter ihr sie schon die ganze Zeit verfolgt. Auf den Moment, in dem die Panik sich auf ihrem Gesicht ausbreitet, wenn sie bemerkt, dass ihr Schlafzimmerfenster offen steht. Ich bin süchtig nach diesem Nervenkitzel, aber am besten fühle ich mich, wenn ich sehe, wie eine Frau im Bett hochfährt, weil ihr
ein Schauer über den Rücken läuft, der ihr sagt, dass sie nicht allein ist. Doch von Raquel kam überhaupt nichts. Entweder ist sie extrem unaufmerksam oder es war ihr einfach scheißegal, ob sie lebt oder stirbt.
Verdammt langweilig. Sie musste weg. Sie war nicht mal die Jagd wert. Nicht dass sie mir wirklich eine geliefert hätte.
Was spielt es überhaupt für eine Rolle? Als ich sie ins Visier genommen hatte, war sie eigentlich schon tot. Das einzige Problem ist, dass ihr Tod mich nicht befriedigt hat. Also muss ich mir jemand anderen suchen, aber diesmal werde ich bei der Auswahl nicht so nachlässig sein. Diesmal werde ich es richtig machen, und wenn ich sie töte, werde ich spüren, wie die Macht durch meine Adern pulsiert und endlich das hässliche, grausame Verlangen in mir stillt.
Gott, es ist so gut.
Ich brauche jemanden, der sich wehrt, der wegrennt, wenn er spürt, dass ich komme, eine Frau, deren Augen sich vor Angst weiten bei dem bloßen Gedanken daran, was ich mit ihr machen könnte. Ja … genau das ist es, was ich brauche.
Scheiße. Schon bei dem bloßen Gedanken daran werde ich hart.
»Sorry, Raquel«, murmle ich und rücke meinen Schwanz zurecht. Einen Ständer zu kriegen, während das Leben dieser Frau aus ihren Augen schwindet, erscheint mir kaum professionell, aber es wäre nicht das erste Mal. Die süße Jessica aus Boston zum Beispiel war eine echte Kämpfernatur. Sie kniete vor mir, und mein Schwanz steckte tief in ihrer Kehle, als meine Klinge über ihren Hals glitt, aber das war ein Missgeschick. Ich wollte sie nur so leicht schneiden, dass ihre Oberschenkel zittern, und habe mich ein wenig hinreißen lassen.
Verklagt mich doch. Missgeschicke kommen vor, oder etwa nicht?
Aber mit Jessica hat es Spaß gemacht. Sie hat mich wirklich überrascht, und wenn ich nicht so nach diesen Rausch des Todes gieren würde, hätte ich die Sache noch eine Woche oder länger hingezogen. Das hätte ihr gefallen. Sie hatte eine dunkle und verdorbene kleine Seele. Ich habe ihr die Augen für eine neue Welt der Erregung geöffnet, und wäre da nicht mein krankes Verlangen, die Frauen abzuschlachten, die in mein Leben treten, hätte sie mich wahrscheinlich gebeten, ihr alle Tricks des Metiers beizubringen. Andererseits, wenn ich länger darüber nachdenke, war es wahrscheinlich ganz klug, sie loszuwerden, bevor sie mir Ärger machen konnte.
Fuck, niemand hat je behauptet, es sei einfach, ein Killer zu sein, aber solange die Feds mir nicht auf die Schliche kommen, werde ich weitermachen. Sie waren noch nie auch nur nah dran, aber das liegt daran, dass sie die Morde nicht miteinander in Verbindung bringen konnten. Sie sind immer unterschiedlich … beliebig. Raquel bekam einen einfachen Stich in die Brust, Jessica hatte eine aufgeschlitzte Kehle, während es bei Bonny draußen in Vegas eine Kugel direkt zwischen die Augen war. Und nie findet sich auch nur ein Hauch meiner DNA. Schließlich ist mir meine Freiheit wichtig, und ich bin nicht so unvorsichtig, mich erwischen zu lassen.
Raquel nimmt endlich ihren letzten röchelnden Atemzug, und ich stoße einen tiefen Seufzer aus und schüttle den Kopf.
Was für eine Zeitverschwendung. Bei Raquel bin ich ein Risiko eingegangen. Ich dachte wirklich, sie tritt mit mehr Pep ab, aber das ist meine Schuld. Ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht — ein Fehler, der mir nicht noch einmal unterlaufen wird.
Man verstehe mich nicht falsch, ich bin nicht gern der eiskalte Killer, aber es gehört nun einmal dazu. Schließlich kann ich mich nicht einfach vom Acker machen, wenn ich mit einer Frau durch bin. Das ist zu riskant und wie gesagt, ich habe nicht vor, mich schnappen zu lassen. Ihr Leben zu beenden, ist einfach ein notwendiger Schritt, den ich tun muss, um meine Freiheit zu sichern. Die Tatsache, dass ich mich bei ihrer Ermordung zufällig fühle wie ein Gott, ist dabei nebensächlich.
Okay, vielleicht habe ich ein bisschen geschwindelt. Vielleicht finde ich es doch toll, ein eiskalter Killer zu sein. Aber daran ist nichts auszusetzen, jeder sollte das, was er tut, mit Leidenschaft tun. Schließlich würdet ihr auch nicht wollen, dass euer Chirurg bei eurer Herztransplantation einschläft, weil er sich zu Tode langweilt. Freude am Arbeitsplatz ist wichtig. Hätte Raquel nur ein bisschen mehr Begeisterung an den Tag gelegt, wären wir vielleicht nicht ganz so früh hier gelandet.
Gott, ich hasse es wirklich, wenn jemand meinen Zeitplan durcheinanderbringt.
Ich schnappe mir meinen Rucksack, hole meine Handschuhe heraus und suche nach den Desinfektionstüchern. Ich beginne damit, Raquel auszuziehen und ihren Körper zu säubern, um sicherzustellen, dass man nicht die kleinste Spur meiner DNA bei ihr findet. Nicht dass man Raquels Leiche hier draußen in diesem Wald entdecken wird, aber wenn ich irgendetwas bin, dann gründlich. Verdammt, ich habe sie nicht einmal gefickt, aber ich will kein Risiko eingehen.
Ich summe die Melodie von »Killing Strangers« von Marilyn Manson, als gehörte der Song zu meinem persönlichen Soundtrack, während ich Raquels Fingernägel schrubbe, damit auch nicht der kleinste Fetzen darunter verbleibt. Sie hat mich zwar nicht gekratzt, aber dafür zwanzig Minuten im Kofferraum meines Autos verbracht, und ich habe schon Typen für erheblich weniger als eine simple Teppichfaser hinter Gitter wandern sehen.
Wie gesagt, ich gehe kein Risiko ein.
Ich verbringe eine Stunde damit, sie zu säubern, bevor ich mich daran mache, eine Grube auszuheben. Ich schiebe die dichten Büsche aus dem Weg und halte die Äste mit meinem Rucksack zurück, während ich darunter ein Loch grabe. Nachdem ich ihre Leiche hineingeworfen und das Loch wieder halb aufgefüllt habe, schmeiße ich die Überreste eines Tieres hinein, bevor ich das Loch endgültig zuschütte. Dann stampfe ich die Erde fest, greife mir meinen Rucksack und lasse den dicken Busch wieder an seinen ursprünglichen Platz fallen.
Nachdem ich mich doppelt und dreifach davon überzeugt habe, dass ich wirklich nichts zurückgelassen habe, das man mit mir in Verbindung bringen könnte, sammle ich meine Sachen zusammen und verlasse den Wald. Mein Auto steht ein Stück abseits vom Highway, versteckt hinter der Böschung, und als ich wieder einsteige und den Schlüssel in die Zündung schiebe, nehme ich mir vor, mir ein neues Opfer zu suchen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich diesmal genau das finden werde, wonach ich suche.
Die Glocke bimmelt über der Tür des High Voltage Ink, und ich hebe den Kopf von meiner letzten Skizze, während meine Hand über dem Tablet erstarrt. Ein großer, kräftiger Typ kommt durch die Tür, dreht sich nach rechts, damit seine muskulösen Arme durch den Türrahmen passen. Ich setze ein breites Grinsen auf, als sein Blick auf mich fällt.
»Pass auf, Viper«, necke ich ihn und muss die Stimme über die Musik erheben, die durch den kleinen Laden dröhnt. »Wenn du noch breiter wirst, passt du nicht mehr in meine Arbeitsecke.«
Viper grinst mich an und bleibt am Empfangstresen stehen. »Das wäre eine Tragödie, Baby«, brummt er. Einen Flirt lässt er sich nie entgehen. »Vielleicht sollte Big Jim endlich den Kopf aus seinem Hintern ziehen, damit er dein Potenzial erkennt und dir einen größeren Arbeitsbereich zugesteht.«
Ich lache und mache mir nicht die Mühe zu antworten, denn ich weiß, dass Big Jim das nicht so einfach auf sich sitzen lassen wird. Und tatsächlich hebt er den Kopf von der Wade, an der er fast den ganzen Tag gearbeitet hat. »Vielleicht solltest du die Finger von den Steroiden lassen, dann hast du auch kein Problem mehr, deinen breiten Body in Kyahs Ecke zu quetschen«, kontert Big Jim, ein verschmitztes Lächeln auf seinen Lippen. »Und du irrst dich, wenn du glaubst, ich hätte ihr Potenzial nicht erkannt. Ich behalte niemanden, der nichts taugt, und Kyah … Sie ist eine meiner Besten, wie du weißt.«
»Klar weiß ich das.« Viper schnaubt. »Was glaubst du, warum ich mir meine Tattoos von ihr machen lasse und nicht von dir? Sei auf der Hut, alter Mann. Wenn du nicht aufpasst, nimmt Kyah dir noch deinen Laden ab.«
Big Jim verdreht die Augen, und das typische selbstsichere Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. »Verdammt, das hoffe ich«, sagte er. »Das hier wird alles eines Tages ihr gehören.«
Ich ziehe die Augenbrauen hoch, und als ich Jims Blick quer durch den Laden auffange, nickt er mir kaum merklich zu und lässt mich wissen, wie ernst es ihm damit ist. Mein Herz klopft wie verrückt, und für einen Moment kann ich keinen klaren Gedanken fassen. Eines Tages das High Voltage Ink zu besitzen, ist mein Traum, aber ich habe mir nie erlaubt, es ernsthaft zu hoffen. Denn sehen wir den Tatsachen ins Auge, Big Jim ist der Typ Mann, der an etwas festhält, bis er auf dem Sterbebett liegt. Und selbst nach seinem Tod wird er weiterhin in diesem Laden spuken, nur um sicherzugehen, dass ich die Sache nicht in den Sand setze.
Er hat das High Voltage Ink von Grund auf aufgebaut. Es war sein Baby, noch bevor ich auch nur ein Funkeln in den Augen meines nichtsnutzigen Vaters war, und Big Jim wird es nicht so ohne Weiteres aus den Händen geben. Er ist wie ein Vater für mich, und als ich als haltloser Teenager mit siebzehn drauf und dran war, auf die schiefe Bahn zu geraten, hat er mich aufgenommen und mir alles beigebracht, was ich heute kann. Von da an ging es stetig bergauf. Jetzt, mit dreiundzwanzig, bin ich die beste Tätowiererin in Brooklyn, und das verdanke ich ganz allein Jim.
Viper wiederum ist der Vizepräsident des Motorradclubs Grim Reapers und fragt mich seit meinem achtzehnten Geburtstag ständig, ob ich ihn heirate. Obwohl ich das stets ablehne, kommt er jeden Monat her, um sich tätowieren zu lassen, und er lässt immer ein anständiges Trinkgeld da. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich jeden Monat meine Miete pünktlich zahlen kann. Und natürlich der Tatsache, dass er mich allen seinen Männern empfiehlt und dafür sorgt, dass mein Stuhl ständig ausgebucht ist. Allerdings frage ich mich, ob ich ausgebucht bin, weil Viper es von seinem Club verlangt, oder ob ich einfach so gut bin, dass sie nirgendwo anders hingehen wollen.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass Viper zwanzig Minuten zu früh dran ist, aber er ist nicht unbedingt der Typ Mann, der sich um anderer Leute Terminkalender schert. Wenn er etwas will, sorgt er normalerweise dafür, dass er es bekommt, und wenn das nicht klappt … nun, dann will ich lieber nicht in der Nähe sein.
Eigentlich ist Viper kalt, gefühllos und grausam, doch aus irgendeinem Grund behandelt er mich wie eine Königin. Und heute kommt mir seine Unfähigkeit, sich an einen Zeitplan zu halten, sehr gelegen. Je eher ich mit ihm anfange, desto früher kann ich heute Abend hier verschwinden. Nicht dass ich irgendwo hin müsste, aber es war ein langer Tag, und ich wünsche mir nichts mehr, als nach Hause zu gehen und mich in mein Bett fallen zu lassen.
Heute werden wir an seinem Oberkörper arbeiten — an einem dämonischen Totenschädel, der bis hoch zu seiner Kehle gehen soll, und wenn man die Breite seines Brustkorbs bedenkt, wird dieses Kunstwerk riesig. Das Motiv ist verdammt gruselig und lässt es mir kalt den Rücken runterlaufen, aber es ist eins der besten Tattoos, die ich je gestochen habe. Die Tatsache, dass Viper sich hinsetzen und die Klappe halten kann, während ich arbeite, statt rumzujammern wie ein kleines Mädchen, macht es nur umso besser.
Ich schiebe meine Skizzen und mein Tablet zusammen, stapele alles ordentlich auf meinen Tisch, bevor ich mir bereitlege, was ich brauche, und währenddessen redet Viper mit Big Jim über allen möglichen Scheiß. Ich bin noch dabei, meinen Arbeitsplatz in Ordnung zu bringen und mich davon zu überzeugen, dass alles bereit ist, als die Glocke über der Tür erneut bimmelt und Crew hereinkommt.
Sein Blick sucht wie immer zuerst meinen, und ich schenke ihm ein angespanntes Lächeln, bevor er Viper entdeckt. Sein Lächeln erstirbt sofort, und ich stoße einen tiefen Seufzer aus. Die zwei haben sich noch nie verstanden, einfach weil sie beide etwas haben wollen, das keiner von ihnen jemals kriegen wird — mich.
Crew Ledger ist einer meiner engsten Freunde. Er arbeitet an dem Platz zu meiner Rechten, und die meiste Zeit ist er ein teuflischer Engel im besten Sinne: sexy wie die Sünde, groß und breit und übersät mit Tattoos. Dazu beherrscht er ein Grinsen, das jeden Slip zum Schmelzen bringt, und jedes Mal, wenn er mich ansieht, kriege ich Gänsehaut. Aber zugleich ist er mein Arbeitskollege, und mir bedeutet dieser Job zu viel, als dass ich diese Grenze mit ihm überschreiten würde, das weiß er. Er respektiert es … zumindest meistens. Ich will nicht lügen, es gab schon Nächte, an denen wir vielleicht ein paar Drinks zu viel intus hatten und die damit endeten, dass ich vor ihm auf den Knien landete. Aber am nächsten Morgen ziehe ich eine klare Linie, und wir sind wieder genau da, wo wir vorher waren.
Crew ist der Typ Mann, der mit mir umgeht wie mit einer kleinen Schwester. Er schätzt meine Meinung und kommt mit seinen Problemen zu mir, aber die wenigen Male, als wir erwähnte Grenze überschritten haben, hat er mich behandelt wie ein schmutziges kleines Geheimnis, und das kam bei mir nicht besonders gut an. Viper dagegen behandelt mich wie eine Königin, und obwohl ich mir sicher bin, dass Sex mit ihm umwerfend wäre, weiß ich auch, dass er kein Mann ist, der nach einer exklusiven Beziehung sucht. Er will mich vielleicht heiraten, aber wer weiß schon, wie vielen anderen Frauen er die gleichen Versprechen ins Ohr flüstert, und damit komme ich einfach nicht klar.
Ich bin wirklich nicht prüde. Ich teile gern im Bett, aber wenn dieses Teilen mit Täuschung einhergeht, werde ich sauer, und seien wir ehrlich, ich kann im Zweifelsfall ein verrücktes, eifersüchtiges Miststück sein. Auf Drama in meinem Leben bin ich nicht scharf, nicht jetzt, wo gerade alles so gut läuft.
Crew sieht Viper böse an, und da der weiß, wie sehr es ihn ärgert, feixt Viper nur. »Viper«, knurrt Crew und geht an ihm vorbei zu meinem Arbeitsplatz. Viper macht sich nicht die Mühe zu antworten, als Crew direkt zu mir kommt und mir seinen großen, starken Arm um die Taille legt. Er zieht mich an seine Brust und drückt mir einen Kuss auf die Wange. »Hey, Baby«, murmelt er und lässt mich los, denn er will mich nicht bedrängen. »Wie geht’s dir? Alles gut?«
»Mhm.« Ich mustere ihn mit zusammengekniffenen Augen. Es gefällt mir nicht, wie verschlossen er wirkt. »Was ist los?«
»Nichts, hatte nur keine Ahnung, dass dein größter Fan hier sein würde, sonst hätte ich meine Kundin für morgen eingetragen«, sagt er, während er zu seinem Arbeitsplatz durchgeht und sein Zeug aufbaut. »Arbeitest du heute an seiner Brust?«
»Ja, genau.« Ich blättere durch meine Skizzen und finde eine Zeichnung des schon halb fertigen Tattoos auf Vipers Brust. Davon überzeugt, dass ich es Crew noch nicht gezeigt habe, halte ich es ihm hin. »Gefällt es dir?«
Crew wirft einen kurzen Blick auf die Skizze, bevor er genauer hinschaut, und ich muss grinsen. Nur etwas, das es wirklich verdient hat, wird von Crew Ledger eines zweiten Blickes gewürdigt. »Wahnsinn!« Er kommt an meinen Platz und nimmt mir die Zeichnung aus der Hand. »Das ist großartig, nur schade, dass das Motiv an dieses Arschloch verschwendet wird.«
Ich verdrehe die Augen und reiße ihm die Skizze aus der Hand. »Hast du nicht ein Arschgeweih oder ein BFF-Tattoo vorzubereiten?«
Crew brummelt irgendetwas Unverständliches und geht zurück zu seinem Arbeitsplatz. Er ist ein Weiberheld, attraktiver, als gut für ihn ist, und um dem Ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, ist er der größte Charmeur, der mir je begegnet ist, selbst wenn er es gar nicht sein will. Frauen stehen total drauf. Sie kommen in Scharen her, nur um einen Moment seiner Zeit zu ergattern, was bedeutet, dass sein Terminkalender mit Unendlichkeitssymbolen und winzigen Herzen, die auf die Innenseite von Handgelenken platziert werden, vollgepackt ist.
Es langweilt ihn zu Tode, aber wie soll er Nein sagen, wenn es doch die Rechnungen bezahlt?
Da alles bereit ist für Viper, suche ich quer durch den Laden seinen Blick, bevor ich auf den Stuhl deute, den er zur Genüge kennt.
Viper geht durch den Laden und hält nicht inne, bis er direkt vor mir steht und mich mit seinen pechschwarzen Augen ansieht. »Kyah«, murmelt er, und seine tiefe Stimme lässt mich erschauern.
Ich hebe das Kinn, halte seinem Blick stand und weiß, dass ihn das total antörnt. Er hat mehr als einmal erwähnt, dass es nicht viele Frauen gebe, die das können. Es ist intensiv, aber wenn man keine schreckliche Angst vor ihm hat, ist es gar nicht so schwer auszuhalten. »Viper.«
Seine große Hand legt sich auf meine Taille, und seine Finger umfassen sie fast zur Hälfte. »Ich werde langsam ungeduldig«, sagte er. »Wann lässt du endlich die Spielchen und wirst meine Old Lady?«
»Ich bin dreiundzwanzig, Viper«, rufe ich ihm ins Gedächtnis. »Ich habe nicht die Absicht, in nächster Zeit irgendjemandes Old Lady zu werden. Außerdem wissen wir beide, dass du mich, wenn ich zustimmen würde, als dein Eigentum betrachten würdest, nicht als ebenbürtig.«
Viper grinst und spielt mit dem Saum seines Shirts, bevor er es sich über den Kopf zieht und mir seinen prächtigen Oberkörper präsentiert. Er versucht nicht einmal, es abzustreiten. »Du wirst schon bald einknicken.« Er beugt sich vor, bis seine Lippen nur noch einen Hauch von meinen entfernt sind. »Ich sehe es in deinen Augen, Ky. Jedes Mal, wenn du an mir arbeitest, denkst du daran, wie gut es wäre, und du weißt, dass es gut wäre. Du presst jedes Mal deine hübschen Schenkel zusammen, wenn du mich berührst, und du weißt, dass ich dich zum Beben bringen kann.«
Meine Pussy beginnt zu pochen, und ich rufe mir ins Gedächtnis, was für eine furchtbar schlechte Idee es wäre, mich mit Viper einzulassen. »Hast du jetzt lange genug versucht, mich in eine Wasserrutsche zu verwandeln?«
Viper verzieht die Lippen zu einem unartigen Grinsen, was nur dazu führt, dass ich ihn umso mehr will. »Nicht mal ansatzweise.«
»Schwing deinen Hintern in meinen Stuhl«, sage ich ihm. »Sonst sind wir die ganze Nacht hier, und auch wenn ich weiß, dass das für dich wie ein Traum klingt, ich habe noch was vor.«
Er schnaubt und lässt seinen riesigen Körper in meinen Stuhl sinken, lehnt sich zurück und verschränkt die Hände hinter dem Kopf. Bei der Bewegung spannen sich seine Muskeln an. »Du bist so eine Lügnerin«, murmelt er und verschlingt mich mit seinen dunklen Augen. »Du musst nirgendwo hin. Du gehörst mir, solange ich dich brauche.«
Verdammt. Ich hasse es, wenn er recht hat, und obwohl er das weiß, habe ich nicht die Absicht, mir in die Karten schauen zu lassen und es zuzugeben. Stattdessen ziehe ich ein Paar Handschuhe an und greife nach den Desinfektionstüchern. »In diesem Fall sollte ich mich wohl besser beeilen.«
Ich verliere mich schnell in meiner Arbeit, und während ich mit Viper plaudere und mich dem Tattoo widme, atme ich leise aus. Viper kann ziemlich anstrengend sein, wenn er etwas will, und lässt keine Zweifel an seinen Absichten aufkommen. Aber wenn er auf dem Stuhl sitzt, wird er handzahm und ermöglicht es mir, mich zu konzentrieren, indem er unsere Unterhaltung leicht und unbeschwert hält. Nicht, dass an einem von uns beiden wirklich etwas Leichtes und Unbeschwertes wäre.
Crews Kundin spaziert zur Tür herein, und während ihrer Beratung dreht er die Musik ein wenig leiser, denn auch wenn er ihr nur vier Hundepfötchen in einer Reihe auf den Knöchel stechen wird, nimmt er seine Arbeit trotzdem sehr ernst. In der Sekunde, in der sie sich auf dem Stuhl niedergelassen und er seine Tätowiermaschine herausgeholt hat, dreht er die Heavy-Metal-Musik wieder auf.
Der Nachmittag vergeht wie im Flug. Ich bin in meinem Element und zufrieden und glücklich, und als Vipers Hand auf meinem Oberschenkel landet, versuche ich nicht einmal, ihm zu sagen, dass er das lassen soll. Solange seine Hand nicht weiter nach oben wandert, ist es okay für mich.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es schon fast sieben ist, und ich unsere reguläre Öffnungszeit längst überschritten habe, aber Big Jim und Crew geht es nicht anders. Das ist nicht unbedingt ungewöhnlich, aber normalerweise meldet sich um fünf mein Magen und verlangt einen Snack. »Wie geht’s dir?«, frage ich Viper.
»Alles gut, Baby.« Er scrollt durch sein Handy, als läge er zu Hause auf seinem Sofa.
»Brauchst du keine Pause oder so? Die Entscheidung liegt bei dir. Wir können für heute Schluss machen und einen neuen Termin in ein paar Wochen vereinbaren, oder wir ziehen die Sache durch. Ich brauche noch etwa zwei Stunden, dann wären wir fertig, aber wenn du noch irgendwo hin musst …«
»Ich habe die ganze Nacht Zeit«, murmelt er.»Zieh es durch.«
Ich nicke. »Okay, aber ich bestelle etwas zu essen«, sage ich, richte mich auf und strecke meinen Rücken durch. Dann sehe ich Viper an. »Willst du auch was?« Normalerweise gilt die Regel, hier wird nicht gegessen, und auch meinen Kunden erlaube ich das nicht während des Tätowierens, aber manchmal haben grundlegende menschliche Bedürfnisse einfach Vorrang. Einmal habe ich den Fehler gemacht, jemanden zu tätowieren, der gerade erst gegessen hatte, und das Ende vom Lied war, dass er mir seine Nudeln aufs Shirt gekotzt hat. Seitdem frage ich jeden, der auf meinem Stuhl Platz nimmt, ob er einen empfindlichen Magen hat. Das ist ein Fehler, der mir nicht noch einmal passieren wird, aber ich arbeite schon lange genug an Viper, um zu wissen, dass er klarkommt.
»Ich könnte was essen.« Viper hält sein Handy über seinen Kopf, ohne sich ansonsten zu bewegen. »Du arbeitest weiter, ich bestelle was. Was willst du?«
»Entscheide du, ich bin für alles zu haben«, sage ich.
Viper schnaubt. »Wenn du für alles zu haben wärest, hätte ich dich schon vor Jahren an mein Bett gekettet.«
Die Tiefe seiner Stimme lässt mich erbeben, und Erregung schießt durch mich hindurch. Ich bin nicht gerade der Typ für Blümchensex. Ich brauche einen Mann, der nicht davor zurückschreckt, mich ein wenig herumzuschubsen, seine Hand um meine Kehle zu legen und zuzudrücken, und irgendetwas sagt mir, dass Viper mich in puncto Sex mehr als befriedigen würde. Doch auf emotionaler Ebene könnten wir nicht schlechter zusammenpassen.
Der Gedanke, wie Viper mich fesselt, sollte mich schnellstens in die Flucht treiben, doch stattdessen breitet sich ein freches Grinsen auf meinem Gesicht aus. Ich sage nichts, aber das ist auch gar nicht nötig. Er kann es von meinen Augen ablesen. »Scheiße, ich wusste es, Baby«, knurrt er leise. »Eines Tages werde ich ein Nein als Antwort nicht mehr hinnehmen.«
»Und eines Tages werde ich es dir vielleicht einfach erlauben.«
Es ist kurz vor neun, als ich die Eingangstür vom High Voltage Ink abschließe, Viper direkt hinter mir. Crew und Big Jim sind schon vor einer Stunde gegangen, auch wenn Crew erst davon überzeugt werden musste, dass ich nicht vorhabe, mich hier im Laden durchficken zu lassen. Schwer zu sagen, ob es nur sein lächerliches Bedürfnis ist, mich zu beschützen, oder reine Eifersucht.
»Lass mich dich nach Hause bringen«, sagt Viper und nähert sich langsam seiner mattschwarzen Harley Davidson.
Ich lache spöttisch, während ich abschließe, und drehe mich zu ihm um. »Du machst Witze, oder?«
Er bedenkt mich mit einem ausdruckslosen Blick. »Ich sage nicht, dass ich dich mit zu mir nehmen will, um dich die ganze Nacht zu ficken. Ich meinte, lass mich dich nach Hause bringen, damit du nicht nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß durch diese verdammten Straßen zu deiner Wohnung laufen musst.«
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Glaubst du, ich kann nicht auf mich selbst aufpassen?«
»Trotz der Erregung, die in deinen Augen aufgeblitzt ist, als ich gesagt habe, ich will dich an mein Bett ketten, weiß ich, dass du auf dich aufpassen kannst. Aber du bist noch jung, Kyah, und ich glaube, du hast keinen Schimmer, was du wirklich willst. Ich kenne die Leute, die die Straßen hier kontrollieren, und das sind alles Typen, denen du lieber nicht über den Weg laufen solltest.«
Ich schaue die menschenleere Straße entlang, während ich mich frage, ob ich es riskieren soll. Viper ist nicht gerade ein Heiliger, und wenn er die Gelegenheit hat, probiert er es. »Ich weiß nicht«, murmle ich. »Ich glaube, es ist keine gut Idee, dir zu verraten, wo ich wohne.«
Viper lacht, und ein unartiges Grinsen umspielt seine Lippen. »Baby, ich weiß seit dem Tag deines Einzugs, wo du wohnst. Wer, zum Teufel glaubst du, hat deinen Vermieter überredet zu ignorieren, dass du noch ein Teenager warst?«
Ich starre Viper an. »Du lügst.«
»Komme ich dir vor wie jemand, der lügt?«
Ich schlucke und schüttle den Kopf.
»Gut. Jetzt steig auf.«
Er wartet nicht auf Widerspruch, sondern reicht mir einfach einen Helm, bevor er sich auf sein Motorrad setzt und die Maschine startet. Das laute Brummen des Motors dröhnt durch die Straße, und nachdem ich durchschaut habe, wie die Schnalle des Helms sich schließen lässt, steige ich auf und lege ihm meine tätowierten Arme um die Taille, darauf bedacht, seine Brust nicht zu berühren. Er ist nicht unbedingt der Typ, der sich über ein bisschen Schmerz beschwert, aber nachdem ich heute so viel an ihm gearbeitet habe, weiß ich, wie verdammt empfindlich seine Haut sich anfühlt.
Viper hält Wort und setzt mich direkt vor meiner Wohnanlage ab. Sobald meine Füße den Boden berühren, gibt er Gas, und sein Bike knattert die Straße entlang. Ich muss zugeben, trotz meiner beharrlichen Bemühungen, mir seinen Schwanz vom Leib zu halten, finde ich es ein wenig enttäuschend, dass er es nicht wenigstens versucht hat. Er hat mir nicht mal eine gute Nacht gewünscht.
Der Gedanke verwirrt mich, und bevor ich mich noch darauf versteife, mich umzudrehen und ihn für eine wilde Nacht zurückzurufen, in der er mich durch meine kleine Wohnung jagt, gebe ich meinen Zugangscode in das Tastenfeld am Haupteingang meiner Apartmentanlage ein und schwinge meinen Hintern da rein. Ich laufe die drei Treppen hinauf und bin endlich vor meiner Wohnung. Hastig schließe ich auf, trete ein und versperre die Tür hinter mir.
Ich werde nicht Vipers kleines Spielzeug sein.
Nicht alles, was sich meine Pussy wünscht, ist auch gut für die Seele.
Kyah. Kyah. Kyah.
Meine wunderschöne Kyah Renee Bailey.
Fuck, sie wird mal mir gehören.
Sie geht die Straße entlang, und ich halte mich in den Schatten der umliegenden Gebäude. Mein Blick gleitet über ihren Körper, ich bewundere die Kunst, die ihre Arme und ihren Oberkörper bedeckt. Sie besitzt eine ungeschliffene Schönheit, etwas Authentisches, das ich seit langer Zeit bei keiner Frau gesehen habe, und ich weiß ohne jeden Zweifel, dass dies ein wilder Ritt werden wird.
Ich bin ihr jetzt schon verfallen. Ein einziger Blick genügte, und ich musste sie haben.
Ich kann es kaum erwarten, sie schreien zu hören und ihren Körper unter meinen Händen zu spüren, während ich ihr das Leben raube, aber zuerst will ich sie erobern. Sie wird mich genauso wollen, wie ich sie will. Sie wird mich lieben, wird von mir abhängig sein und sich jeden Moment des Tages nach mir sehnen. Und verdammt, wenn ich sie schmecke? Allein der Gedanke lässt mich die Fäuste ballen. Ich bin bereit, sie gleich hier mitten auf der Straße zu nehmen, aber ich muss vorsichtig sein und meine Karten richtig ausspielen.
Diese Frau fasziniert mich.
Ich möchte eine Hand in ihr blondes Haar schieben und sie an mich ziehen. Ich will ihr leises Ausatmen hören, wenn ich in sie eindringe. Und verdammt, ich weiß, dass sie eng sein wird, die perfekte Passform, nur für mich geschaffen.
Sie hat Temperament. Es ist, als hätte sie nur darauf gewartet, dass ich auftauche und ihr das gebe, was sie braucht, und genau das habe ich vor. Ich sehe es ihr an. Sie ist noch nie wirklich befriedigt worden, hat nie die Art von Rausch erlebt, den ich ihr geben kann.
Ich mache das schon sehr lange, wähle die Frau, die zu meiner neuesten Obsession werden soll, sorgfältig aus, und bei Kyah werde ich leichtes Spiel haben. Sie lebt allein und ist, soweit ich erkennen kann, weder auf ihre Familie noch auf ihre Freunde angewiesen. Sie geht zu Fuß zur Arbeit und wieder nach Hause, es sei denn, Big Jim bietet ihr an, sie mitzunehmen, was sie manche Abende wie auch heute unvorsichtigerweise ablehnt und lieber läuft.
Gott, sie macht es mir wirklich leicht. Ich bin fast enttäuscht, dass sie keine Herausforderung darstellt.
Ich kenne ihre Vorlieben, ihre Abneigungen, ihre Lieblingsgerichte und wo sie am liebsten einkauft. Aber das reicht nicht; das ist alles nur oberflächlich. Ich muss tiefer eintauchen, um herauszufinden, wie sie tickt.
Wir befinden uns mitten in Brooklyn, und zu meinem Glück sind jede Menge Leute auf der Straße, sodass ich an ihr dran bleiben kann, ohne Verdacht zu erregen. Sie geht in den Lebensmittelladen und besorgt sich einen Schokoriegel und eine Limo, während ich draußen auf sie warte, verborgen in den Schatten, wo ich einen langen Zug von meiner Zigarette nehme. Als sie rauskommt, geht sie direkt an mir vorbei, und ihr süßer Duft umweht mich wie die zarteste Sommerbrise. Wenn ich nicht die Selbstbeherrschung besäße, die ich mir in jahrelanger Übung antrainiert habe, würde ich ihr Leben gleich hier und jetzt beenden, aber das wäre eine Tragödie. Ich bin noch lange nicht fertig mit ihr. Verdammt, ich habe ja noch gar nicht angefangen.
Kyah geht weiter, sie stopft sich den Schokoriegel hinein, als gäbe es kein Morgen, und während ich ihr unauffällig bis nach Hause folge, kann ich nicht umhin, mich zu fragen, ob sie sich überhaupt Gedanken über ihre eigene Sicherheit macht.
Sie wohnt nicht gerade in einem sicheren Viertel, und jede andere Frau würde sich unwohl dabei fühlen, nachts allein durch die Straßen zu laufen. Sie zuckt nicht mal zusammen, als ein Mann an ihr vorbeigeht, und sie packt auch ihre Tasche nicht fester oder wechselt auf die andere Straßenseite, wenn jemand sie eine Spur zu lange angafft. Aber das ist in Ordnung. Ich passe jetzt auf sie auf. Solange ich bei ihr bin, wird ihr nichts passieren. Zumindest noch nicht.
Ein Schauer durchläuft mich bei dem Gedanken an das, was kommen wird. Ich wusste immer, dass mit mir etwas nicht stimmt, dass ich etwas anders bin, aber es fühlt sich zu gut an, um jetzt aufzuhören. Ich stecke zu tief drin. Es geht doch nichts über ein kleines Kindheitstrauma, um einen erwachsenen Mann zu ficken und aus ihm eine wandelnde Red Flag zu machen. Aber heutzutage sind doch alle Männer ein bisschen kaputt. Ich bin nur ein bisschen kaputter als die anderen.
Doch bin ich wirklich so schlimm?
Klar, Frauen kaltblütig zu ermorden, ist hier und da ein wenig verpönt, aber es ist nicht so, als würde ich reihenweise Herzen brechen und Versprechen geben, die ich nicht halte. Wer ist hier wirklich das Monster? Ein aufmerksamer Mann, der zufällig gern einer Frau folgt, um sich zu vergewissern, dass sie heil nach Hause kommt, oder ein mieser Lover, der es nicht schafft, ihn rechtzeitig rauszuziehen?
Wenn eine Frau vor mir steht, weiß sie, was sie zu erwarten hat. Ich sage ihr offen, was ich will, was ich mit ihr machen werde, und verdammt, vielleicht verschaffe ich ihr sogar einen fantastischen Orgasmus, bevor ich ihr Leben beende. Aber ein mieser Freund zu sein, käme für mich nicht infrage. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Mann, der eine Frau verarscht, ihr das Blaue vom Himmel verspricht, und in der nächsten Sekunde fickt er dann auf dem Whataburger-WC ihre beste Freundin, während sie noch an einem Shake nuckelt.
Fuck. Männer sind manchmal echte Arschlöcher.
Was Kyah betrifft, habe ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr Leben beenden werde. Die Frage ist nur, wann? Zuerst habe ich fest vor, sie zu genießen. Ich werde ihr die Augen für eine ganz neue Welt öffnen, und wenn ihr Leben dann zu Ende geht, wird sie es selbst wollen, sie wird mich anflehen, sie an ihre Grenzen zu bringen und ihre Welt in Brand zu setzen. Und die süßen, verzweifelten Schreie, sie wird sie nicht aus Angst, sondern aus reiner Ekstase und Lust ausstoßen.
Es wird verdammt unglaublich werden, der süßeste Rausch, so, als würde man etwas bei McDonald’s bestellen, und sie geben einem versehentlich einen extra Cheeseburger. Pure Glückseligkeit.
Außerdem beobachte ich Kyah schon seit einer ganzen Weile. Ich kenne die Männer, die versucht haben, zwischen diese hübschen Schenkel zu kommen, und sie tun ihr nicht gut. Es ist besser, ich befreie Kyah von ihnen, bevor sie etwas Dummes machen wie beispielsweise etwas anfassen, das mir gehört. Ich bin mir sicher, dass einige es nicht so sehen werden, aber ganz ehrlich, ich tue ihr einen Gefallen, indem ich ihr den Kummer und die Reue erspare. Alle Männer sollten sich bemühen, ein bisschen mehr zu sein wie ich. Sie könnten wirklich einiges lernen. Aber ich gehe nicht so weit und bringe ihnen bei, wie sie ihre Beute erlegen. So etwas ist viel zu persönlich, um es mit anderen zu teilen. Außerdem sind die meisten Männer verdammte Idioten, und schon bald würde einer von ihnen geschnappt werden und den Feds am Ende noch meinen Namen verraten. Dann wäre die Sache für mich gelaufen, und wer will das schon?
Im Gegensatz zu dummen, chaotischen Männern ist Kyah für mich immer noch ein Rätsel. Ich will unbedingt mehr über sie erfahren, muss näher an sie herankommen, und genau das habe ich auch vor.
Sie spricht in ihr Handy und bleibt vor ihrer Wohnanlage stehen, und ich gehe weiter und nutze ihre Abgelenktheit. Als sie den Code für ihr Gebäude eintippt, gleitet mein Blick über das Tastenfeld.
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Ich kenne diesen Code schon seit Wochen, aber jedes Mal, wenn ich beobachte, wie sie ihn eintippt, kann ich nicht anders, ich muss zuschauen. Es ist wie ein Kitzel, ein dunkles Geheimnis zwischen mir und Kyah, etwas, das sie jedes Mal mit mir teilt, wenn sie das Tastenfeld berührt. Wenn sie es nur wüsste.
Ich gehe weiter, denn ich will ihre Aufmerksamkeit nicht auf mich lenken, und in der Sekunde, in der sie in ihrem Haus verschwunden ist, überquere ich die Straße, bevor ich umkehre und vor dem Gebäude direkt gegenüber stehenbleibe. Ich lehne mich an die Wand, einen Fuß abgestützt, das Handy ans Ohr gedrückt, und sehe damit aus wie jedes andere Arschloch, das auf der Straße herumlungert.
Mein Blick wandert zu Kyahs Haus, und während ich warte, steigt die Ungeduld in mir. Dann geht im Schlafzimmerfenster im dritten Stock rechts endlich das Licht an.
Kyah tritt vor das Fenster, die Jalousien sind oben, und ich sehe zu, wie sie sich ihr schwarzes Tanktop über den Kopf zieht und es quer durch den Raum wirft. Sie schüttelt ihre Schuhe von den Füßen, und ihre Jeans folgt, bis sie nur noch in BH und Slip dasteht.
Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Ich muss in diese Wohnung und sie schmecken.
Als sie ihre Wohnung durchquert, gehen weitere Lichter an, aber alle anderen Fenster sind hinter Jalousien verborgen. Ich frage mich, ob sie in ihrem Schlafzimmer gern eine Show abzieht oder ob das nur ein Moment der Unachtsamkeit war. Wenn sie wüsste, dass man von der Straße unten einen unverstellten Blick in ihr Schlafzimmer hat, würde sie dann die Jalousien runterlassen oder geht sie davon aus, dass sie zu hoch oben wohnt, als dass irgendjemand sehen könnte, wie sie sich auszieht?
Sie ist leichtsinnig, und wenn sie mir gehört, wird dieser Scheiß aufhören. Aber jetzt lehne ich mich zurück und sehe zu, als sei sie eins dieser Ping-Pong-Girls, die in Bangkok in exotischen Shows auftreten. Gott, die guten Dinge im Leben sind wirklich umsonst. Abgesehen vom Eintrittspreis natürlich. Der Scheiß zählt nicht, aber für so ein Talent verdienen es die Showgirls, bezahlt zu werden.
Mal unter uns: Wie stolpert eine Frau rein zufällig über die Erkenntnis, dass sie so etwas kann?
Das Licht in Kyahs Wohnung geht aus, und ich zwinge mich, mich zu konzentrieren. Es ist fast eine Stunde her, dass sie nach Hause gekommen ist, und ich überquere die Straße, bevor ich in die schmale Gasse neben ihrem Haus schlüpfe. Dann suche ich nach der Feuerleiter und steige nach oben wie ein Ninja in der Nacht.
Durch ihr Fenster spähe ich direkt in ihr Wohnzimmer wie ein Stalker und vergewissere mich, dass drinnen alles ruhig ist, bevor ich die Hand an den Rahmen lege und das Fenster mühelos nach unten schiebe. Ein verstohlenes Grinsen verzieht meine Lippen.
Dummes Mädchen, lässt ihr Fenster unverschlossen. Weiß sie nicht, wie gefährlich das sein kann?
Ich schlüpfe lautlos hindurch, gehe durch ihre Wohnung, und je näher ich ihrem Schlafzimmer komme, umso stärker kann ich diese süße Sommerbrise riechen. Sie ist so verlockend wie eine verbotene Frucht, die nur für mich erschaffen wurde, sie neckt mich und fleht mich an, zu ihr zu kommen und einen Bissen zu nehmen. Und wenn die Zeit reif ist, werde ich es tun.
Ihre Wohnung ist klein, wie man es von einem Ein-Zimmer-Apartment in Brooklyn erwartet, aber gepflegt. Sie hat sie sehr sorgfältig eingerichtet und räumt meistens hinter sich auf. Das weiß ich bei einer Frau zu schätzen.
Als ich in ihr Schlafzimmer trete und ihre leise, gleichmäßige Atmung höre, fühlt sich das an, als würde eine Hand direkt nach meiner Seele greifen. Ich schließe die Augen, lehne mich an die Wand ihres Schlafzimmers und lausche einfach nur, aber es wird schnell zu viel. Bevor ich weiß, was ich tue, geht das leise Geräusch des sich öffnenden Reißverschlusses meiner Hose durch den Raum.
Mein schwerer, harter Schwanz fällt in meine Hand, und als ich die Faust darum schließe und fest zudrücke, öffne ich die Augen, denn ich muss in dieses süße Gesicht schauen. Ich gehe auf sie zu, und meine Hand fängt an, meinen Schwanz zu bearbeiten. Direkt neben ihrem Kopf bleibe ich stehen und spüre die sanfte Berührung ihres Atems auf meiner nackten Haut.
Ich zittere am ganzen Körper und muss mich am Kopfteil ihres Bettes festhalten, damit ich mich ein wenig tiefer über sie beugen kann. Mit ihrem Gesicht kaum einen Atemzug entfernt, lege ich richtig los. Ich stelle sie mir so perfekt vor, diese vollen, rosigen Lippen, die sich um meinen Schwanz schließen und an mir saugen. Fuck, ich brauche sie so sehr.
»Meine süße Kyah«, flüstere ich in den dunklen Raum und packe meinen Schwanz noch fester, bevor ich endlich wie ein verdammter Teenager heftig in meiner Hand komme. Mein ganzer Körper versteift sich, von der Intensität meines Orgasmus wie gelähmt, und meine Knie zittern.
O Gott. Das war gut.
Dann lasse ich meine Hand, die noch voll heißem Sperma ist, sinken und streiche sanft mit den Knöcheln über ihre Unterlippe, so behutsam, dass sie sich nicht einmal regt. »Bald, Kyah. Bald.« Ich verstaue meinen Schwanz wieder in meiner Hose und verlasse endlich ihr Zimmer.
Im Bad will ich mir das Sperma von der Hand waschen, als ich ein schwarzes Baumwollhöschen auf dem Boden liegen sehe. Ich erkenne in ihm den Slip, den ich vorhin durch ihr Schlafzimmerfenster an ihr gesehen habe, und ich kann nicht anders, ich muss ihn aufheben und ihn mir ans Gesicht drücken.
Ich atme tief ein und stöhne und werde sofort wieder hart.
So verdammt süß, genau, wie ich es erwartet habe. Nachdem ich meine Hand an dem getragenen Slip abgewischt hab, lege ich ihn auf den Waschtisch. Er wird sie erwarten, wenn sie aufwacht, das süßeste Geschenk, das ich je hinterlassen habe.
Der Handywecker schrillt um sechs Uhr durch mein Schlafzimmer, und stöhnend taste ich mit einer Hand nach meinem Telefon, um ihn auszuschalten. Der Ton erinnert an Fingernägel auf einer Schultafel. Was zur Hölle habe ich mir dabei gedacht, als ich ihn auf diese Uhrzeit eingestellt habe?
Auf meinem Heimweg von der Arbeit gestern Abend hatte ich die geniale Idee, Sport zu machen. Ich wollte morgens joggen gehen und mit Pilates anfangen. Ich war schon immer verliebt in meinen Körper. Ich fand schon immer, man soll seinen Körper lieben, wie er ist, aber verdammt, ich würde morden, um so auszusehen wie eins dieser Fitnessstudio-Mädels mit dem knackigen Hintern und dem durchtrainierten Bauch. Jetzt, wo die Sonne durch mein Schlafzimmerfenster fällt, weiß ich allerdings nicht mehr, wie sehr ich es wirklich will.
Scheiße. Alles klingt immer wie eine tolle Idee, bevor es tatsächlich so weit ist, sie auch umzusetzen.
Ich liege im Bett und starre an die Decke, während ich versuche, mich dazu zu bringen, wieder einzuschlafen, aber als mir klar wird, dass das nicht passieren wird, seufze ich. Schmollend schlage ich die Decke zurück und steige aus dem Bett.
Barfuß gehe ich aus meinem Zimmer über den Flur ins Bad, um zu pinkeln, und bevor ich es mir ausreden kann, raffe ich all meine Kleidungsstücke zusammen und werfe sie in den Wäschekorb. Mein Handtuch landet oben drauf, und als ich nach dem Händehandtuch neben dem Waschbecken greife, muss ich lachen, als ich meinen schwarzen Slip von gestern auf dem Waschtisch bemerke.
Ich war so verdammt müde, als ich gestern Abend nach Hause gekommen bin, dass ich meine Sachen überall verstreut habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich halb nackt war, bevor ich es überhaupt ins Bad geschafft habe. Das Duschen war eine schnelle Nummer, und ich erinnere mich kaum daran. Verdammt, ich wollte mir gestern Abend noch die Haare waschen, war aber so müde, dass mir bei der Vorstellung, meine gesamte Haarpflegeroutine durchziehen zu müssen, die Tränen gekommen wären, hätte ich mir je gestattet, wegen etwas so Belanglosem zu weinen. Wenn Crew das erfahren würde, läge er mir damit ewig in den Ohren. Er kann manchmal zwar ein Arschloch sein, aber unsere Beziehung ist so herrlich unbeschwert und verspielt. Wenn nur mehr daraus werden könnte. Wir passen wirklich gut zusammen, aber es ist völlig ausgeschlossen, dass das mit uns funktionieren könnte.
Wir sind eher wie Geschwister, aber Geschwister, die sich sexuell zueinander hingezogen fühlen … Moment. Nein, ich nehme es zurück. Das ist definitiv nicht das, was wir sind.
Scheiße. Jetzt hat sich der Gedanke in mein Gehirn eingebrannt.
Was zum Teufel stimmt nicht mit mir?
Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass die Chemie zwischen uns einzigartig ist. Wenn wir nicht im gleichen Studio arbeiten würden, wären wir wahrscheinlich schon zusammen. Wir würden uns von früh bis spät streiten, aber dann würden wir ficken, bis die Sonne aufgeht, und alles wäre wieder gut.
Ich nehme den Wäschekorb, werfe meinen Slip hinein und marschiere in die Küche, um die wenigen Geschirrtücher einzusammeln, die ich auf der Arbeitsplatte habe liegen lassen. Und weil ich masochistisch veranlagt bin, ziehe ich gleich noch das Bett ab.
Mit dem Wäschekorb unterm Arm laufe ich zur Wohnungstür und will gerade hinausgehen, als ich an mir hinunterschaue, und erschrocken feststelle, dass ich fast nichts anhabe, nur ein leichtes Tanktop und einen frechen Brazilian Slip. Ich meine, Scheiße. Vielleicht bin ich heute wirklich nicht ganz zurechnungsfähig.
Ich husche zurück in mein Schlafzimmer und wühle mich durch meine Klamotten, bis ich meine Lieblingsjogginghose finde, und schon stehe ich wieder an der Wohnungstür und jongliere mit meinen Schlüsseln, dem Wäschekorb und meinem sauteuren Waschpulver. Anscheinend bin ich eine eingebildete Bitch, die auf erstklassige Waschleistung steht. Ich meine, es hat einfach was, die Straße entlangzulaufen und bei jedem X-beliebigen Typen, der mir entgegenkommt, zu wissen, dass meine Kleidung nicht nur weicher ist als seine, sondern definitiv auch besser riecht.
Rasch schließe ich meine Tür hinter mir ab, als ein Geräusch hinter mir mich herumwirbeln lässt. Mir springt fast das Herz aus der Brust. »Ich habe Mace-Pfefferspray«, schreie ich, und dann fällt mein Blick auf meinen heißen Nachbarn, den ich bisher immer gemieden habe.
Und gütiger Gott, er trägt kein Shirt.
Er starrt mich an, zieht seine Tür hinter sich zu, und wie bei mir klemmt ein Wäschekorb unter seinem Arm. Ein träges Grinsen verzieht seine Lippen, und für einen kurzen Moment gerät mein Herz ins Stolpern. Bisher habe ich ihn immer nur von fern gesehen und habe ihn bewusst gemieden wie die Pest. Ich habe ihm einfach angesehen, dass er die Sorte Herzensbrecher ist, dem ich mich an den Hals werfen würde. Aber jetzt, aus nächster Nähe, mit dieser definierten Brust und den Bauchmuskeln, die zu dem tiefen V hinunterführen … Ich bin am Arsch.
Habe ich erwähnt, dass er eine tief sitzende, graue Jogginghose trägt und ich verdammt noch mal ganz deutlich die Umrisse seines großen Schwanzes sehe?
Mein heißer Nachbar zieht die Augenbrauen hoch, weil er offensichtlich genau weiß, was meine Aufmerksamkeit gefesselt hat. Doch er lässt sich nicht die Gelegenheit entgehen, seinen eindringlichen, forschenden Blick an mir hinabwandern zu lassen, als würde er sich jede noch so unscheinbare Kurve einprägen. »Ich bin neugierig«, murmelt er, und seine dunklen Augen scheinen durch den schwach beleuchteten Hausflur zu tanzen, während meine Fantasie mich sofort zu all den Tattoos lenkt, mit denen ich seinen Körper verzieren könnte. Verdammt, er ist die perfekte weiße Leinwand. »Dieses Tanktop überlässt nicht viel der Fantasie, also ist es nur natürlich, wenn ein Mann sich fragt, wo du Pfefferspray verstecken könntest?«
Meine Wangen glühen, und ich ohrfeige mich im Geiste. Ich bin sonst nicht so, dass ich total aus dem Konzept gerate und erröte, nur weil irgendein Typ bemerkt, wie dünn mein Tanktop ist. »Ah, der neue Nachbar ist ein schmutziger Perversling«, sage ich mit einem neckischen Grinsen. »Gut zu wissen.«
Er lacht. »Ah, und die neue Nachbarin weicht Fragen gern aus. Auch gut zu wissen«, kontert er, und das gleiche spöttische Grinsen wie zuvor ziert seine vollen Lippen. »Aber falls du dieses Pfefferspray irgendwohin gesteckt hast, wo du nicht gut rankommst, sollst du wissen, dass ich der Typ Nachbar bin, der gerne mit anfasst, wenn Not am Mann ist, vor allem, wenn es um die besonders schwer zugänglichen Stellen geht.«
Ich rücke den Wäschekorb auf meiner Hüfte zurecht, kneife die Augen zusammen und versuche, nicht zu bemerken, wie groß und breit gebaut er ist, wenn er auch mit Viper nicht ganz mithalten kann. Nein, dieser Kerl sieht aus, als wäre er jahrelang Profisportler gewesen. Sein Körper ist praktisch aus Stein gemeißelt, und der dunklen Sommerbräune nach zu urteilen, verbringt er wohl viel Zeit im Freien.
Mein Blick geht langsam wieder hoch zu seinem Gesicht und bleibt auf seinem fast pechschwarzes Haar liegen, das er zerzaust in seine Augen fallen lässt. Man füge dem noch die Bartstoppeln auf seinem markanten Kinn hinzu, und er sieht vollkommen unbekümmert aus, aber irgendetwas sagt mir, dass das genau der Effekt ist, den er erzielen wollte.
Ich strecke ihm die Hand entgegen und sehe ihm in die Augen. »Ich bin Kyah.«
»Kyah«, sagt er, als teste er den Klang meines Namens auf seinen Lippen. »Gefällt mir. Ich bin Alex.«
»Nun, Alex«, sage ich. »Es war mir ein Vergnügen, meinen neuen perversen Nachbarn kennenzulernen, aber im Keller ruft eine Waschmaschine nach mir.«
Er richtet den Blick auf meinen vollen Wäschekorb. »Das sieht aus wie eine volle Ladung«, sagt er langsam. »Vielleicht auch zwei.«
»Und?« Ich kneife die Augen zusammen und frage mich, worauf er hinauswill.
»Es gibt nur zwei Waschmaschinen im Keller«, sagt er und packt seinen Korb eine Spur fester. »Doch wir haben zusammen drei Ladungen Wäsche.«
Ich entferne mich von meiner Wohnungstür und trete einen Schritt weiter in den Hausflur, denn ich verstehe genau, wovon er spricht. »Wäre es nicht schade, wenn einer von uns warten müsste?«
Er nickt, und seine Augen werden schmal, als er sich zentimeterweise auf mich zubewegt und mir langsam durch den Hausflur folgt. »Du musst wissen, dass ich kein sehr geduldiger Mensch bin.«
»Dann solltest du vielleicht wissen, dass ich nicht gern verliere.«
Er hält meinem Blick noch einen Moment länger stand, sein Körper wie eine gespannte Feder, die bereit ist, jeden Moment vorzuschnellen. Aber ich werde auf keinen Fall jetzt aufgeben. Hätte er es nicht klingen lassen wie einen verdammten Wettstreit, hätte ich gern mit meiner zweiten Ladung gewartet, bis er fertig ist, aber jetzt kämpfe ich aus reinem Trotz. Bevor er mir zuvorkommen kann, drehe ich mich um und sprinte zur Treppe, meinen Wäschekorb fest gepackt, als hinge mein Leben davon ab. »Die Waschmaschinen gehören mir, Arschloch!«, rufe ich über meine Schulter.
»Das werden wir dann sehen.« Alex setzt mir nach.
Als er losrennt und mich mit seinen langen Beinen schnell eingeholt hat, kreische ich. Ich erreiche die Treppe, greife nach dem Geländer und springe immer zwei Stufen auf einmal hinunter, davon überzeugt, dass ich gleich fallen werde. Aus dem Augenwinkel sehe ich etwas aufblitzen, und ich reiße die Augen auf, als mir klar wird, dass Alex gerade seinen Wäschekorb über das Treppengeländer geworfen hat. Mit offenem Mund sehe ich zu, wie er danach das Geländer packt und sich einfach drüberschwingt. Nur dass Alex’ großer Körper nicht wie der Wäschekorb drei Stockwerke, sondern lediglich eine Treppenflucht weiter unten landet, was ihn mühelos in Führung bringt.
Scheißkerl.
Er hat sich genug Zeit verschafft, dass er stehen bleiben und mit einem frechen Grinsen zu mir heraufschauen kann. »Da musst du schon schneller sein, Mace«, neckt er mich, und mit diesen Worten zischt er ab wie eine Fledermaus aus der Hölle.
Dass er mich Mace nennt, nach der Marke des Pfeffersprays, macht, dass mir heiß und kalt wird, aber ich habe keine Zeit, darüber nachzugrübeln, weil ich bereits hinter ihm die Treppe hinunterrenne. Obwohl ich nicht weiß, warum ich mir die Mühe mache, denn es ist klar, dass ich diesen Wettlauf nicht gewinnen kann. Aber mitspielen? Scheiße, das will ich mir um nichts in der Welt entgehen lassen.
Als ich im Keller ankomme, segle ich direkt durch die Waschküche, wo Alex vor einer der Maschinen in einem Haufen von Kleidungsstücken steht. Er hat sich nicht die Mühe gemacht, sie nach Farben zu sortieren, aber ich darf da nicht mitreden. Ich habe meine Wäsche noch nie nach Farben getrennt, und bisher habe ich es überlebt. »Wo bist du gewesen?« Alex feixt und schaut demonstrativ auf sein uhrloses Handgelenk. »Du hast unterwegs eine Pause eingelegt, stimmt’s?«
Ich stoße den Atem aus und kann kaum reden, während ich mich zu der zweiten Waschmaschine begebe und mich ärgere, dass ich so atemlos bin, während Mr Parkour neben mir aussieht, als wäre die Akrobatiknummer von eben nur ein Sonntagsspaziergang gewesen. »Ich hab dich unterschätzt.« Ich grinse und spüre, wie ein Schwindelgefühl von mir Besitz ergreift. »Aber keine Sorge, es wird nicht wieder vorkommen.«
Alex’ lautes Lachen bringt etwas in meiner Brust zum Beben. »Scheiße, wir hätten uns schon längst mal über den Weg laufen sollen«, sagt er, und ein jungenhaftes Grinsen zupft an seinen Lippen, während er mich aus dem Augenwinkel beobachtet und ich schon wieder knallrot werde. »Was machst du beruflich, Mace?«
»Ich bin Tätowiererin«, sage ich, während ich meine Sachen aus dem Korb nehme und sie in die Waschmaschine stopfe.
»Echt?« Er beugt sich über die Waschmaschine, um das Programm einzustellen, bevor er viel zu viel Waschmittel hineinkippt. »Ich habe immer daran gedacht, mir ein Tattoo stechen zu lassen, konnte mich aber nie entscheiden, was für eins.«
Ich lächle. So etwas muss ich mir mindestens eine Million Mal am Tag anhören. Mein Blick gleitet über seine Brust und seine Bauchmuskeln, durch meinen Kopf schwirren schon unzählige Motive, und verdammt, jedes einzelne würde toll an ihm aussehen. »Hm, ich wüsste so einiges, was ich mit dir anstellen könnte.«
Alex zieht eine Braue hoch, und ich reiße die Augen auf, als mir klar wird, wie das rübergekommen sein muss. »Oh. Scheiße. Nein, so habe ich das nicht gemeint«, beeile ich mich zu versichern. »Ich meinte die Tattoos, die ich dir stechen könnte. Mist, das klang komisch. Es ist nur so, du bist wie eine perfekte weiße Leinwand, und jetzt rede ich Unsinn, also unterbrich mich ruhig hier und jetzt.«
»Nein, nein.« Er lacht. »Sprich unbedingt weiter. Lass dich von mir nicht stören. Das ist unterhaltsamer als alles, was ich je gehört habe.«
Ich verdrehe die Augen und versuche, mich zu sammeln, während ich den Rest meiner Wäsche in die Waschmaschine stecke, und wie Alex das Programm wähle, bevor ich genau die richtige Menge meines Spezialwaschmittels dazugebe. »Du musst dir ein Shirt anziehen«, sage ich dann. »Du bringst mich völlig durcheinander, und das will bei jemandem, der seine Tage über halb nackte Leute gebeugt verbringt, was heißen.«
»Weißt du was?«, sagt Alex. »Vielleicht laufe ich ab jetzt immer so rum.«
Na toll.
Alex und ich lassen die Wäschekörbe in der Waschküche zurück und gehen wieder die Treppe hinauf. »Und was ist mit dir? Was machst du so?«, frage ich, nachdem ich mich von meinem früheren Geschwafel erholt habe und wir unter Beweis stellen, dass wir uns auf der Treppe wie Erwachsene benehmen können.
»Militär«, sagt er und gibt mir keine weiteren Informationen. Da es mich absolut nichts angeht, hake ich auch nicht nach. Er sieht mich an, als wir das Erdgeschoß hinter uns lassen und den ersten Stock erreichen. »Wie kommt es, dass ich dich hier noch nie gesehen habe?«
Ich schnaube. »Weil ich es mir zur Regel gemacht habe, einen heißen Typen, der in mein Haus einzieht, zu meiden wie die Pest.«
Seine dunklen Augen funkeln vor Vergnügen. »Warum?«
»Weil ich am Ende mit dir schlafen würde, und dann wird es kompliziert, weil du Gefühle entwickelst, und wenn wir uns im Flur begegnen, wäre es komisch von wegen: O Scheiße, wir haben uns nackt gesehen, und ich weiß genau, wie du schmeckst. Das will ich nicht, schon gar nicht zu Hause. Und für den Fall, dass du es nicht bemerkt hast, du wohnst direkt gegenüber von mir.«
»Ah, du denkst also, nur weil du heiß bist, würde ich dich automatisch ficken wollen.«
Ich grinse. »Willst du behaupten, dass du Nein sagen würdest, wenn ich dich bitten würde, mich gleich hier im Treppenhaus zu nehmen?«
»Verdammt, nein, Mace«, sagt er, schon fast beleidigt bei dem Gedanken. »Willst du dich gleich hier bücken? Ich ficke dich, bis du weinst. Aber sei gewarnt, ich bin nicht der sanfte Typ.«
Oh Gott.
Dieser Mann wird mich in Schwierigkeiten bringen.
Wir passieren den zweiten Stock und gehen in der dritten Etage durch den Hausflur zu unseren jeweiligen Wohnungen. »Ich führe dich am Samstagabend aus«, eröffnet er mir.
»Den Teufel wirst du tun«, gebe ich zurück. »Hast du meine lange Erklärung gerade nicht gehört, warum ich mich nicht mit Männern aus der Nachbarschaft einlasse, oder muss ich noch mal ganz von vorn anfangen?«
»Nein, ich habe dich gehört, Mace. Ich finde nur, dass es Bullshit ist«, sagt er, als wir unsere Türen erreichen. Er öffnet seine und bleibt stehen, während ich meinen Schlüssel ins Schloss stecke und ihn fest drehe, weil es wie immer etwas zickt.»Ich hole dich um acht ab, und zieh diesmal einen BH an. Wenn ich den ganzen Abend auf deine hübschen Nippel starren muss, die sich durch dein Tanktop durchdrücken, wird mich das verdammt noch mal umbringen.«
Mein Blick senkt sich auf meinen Oberkörper herab, und ich schnappe nach Luft. Meine Augen weiten sich vor Entsetzen, als mir klar wird, dass meine Brüste durch dieses dürftige Tanktop wie auf dem Präsentierteller liegen. Verdammt, es ist fast durchsichtig, und meine Brustwarzen … Nun ja, scheiße. Sie sind mehr als glücklich darüber, ihn zu sehen.
