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Nein, es geht nicht um Strickmuster für Nierenwärmer und die Zubereitung von Schweinebauch. Auch nicht um schnucklige Schauspieler oder skandalumwitterte Politiker. Oder um den Weltfrieden oder die Erderwärmung - ja, alles wichtig, Mädels! Das wissen wir. Aber hier sind wir heute mal unter uns: Unsere Helden sind Prinzen oder Frösche, das Kind - in mir und dir. Die Doppelseelen, die uns bestimmen. Oder seltsame Wesen wie SIRI. Marder, die uns aufhalten. Männer, die Hosen kaufen müssen. Männer, die zum Friseur gehen. Männer, die sparsam sind oder sehr freizügig. Zum Glück haben wir Freundinnen. Eine beste Freundin. Wir leben große Gefühle und tiefe Sehnsüchte, begegnen Ängsten und dunklen Wolken. Vorbeirasenden Autos. Da ist Glück, dort erleben wir Magie und treffen den Kerl! Den einen! Lasst uns drüber schwatzen, Mädels. Ganz provinziell versteht sich.
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Für Anan.
Jede Frau sollte eine solche Freundin haben.
Erster Teil
Froschteich Internet
Der Unschuldige
Der Sparcoupon
Zweiter Teil
Es war einmal
Früher war alles anders
Endlich 18
Es war einmal in Weißensee
Mauerfall
Dritter Teil
Pauline und wie sie die Welt sieht
Sagenumwobener Kyffhäuser
Wie wir uns selbst sehen
Was wird aus Jim Knopf, wenn der Martinstag abgeschafft wird?
SIRI
Reine Männersache oder
Mein Marder und ich
Zitronenfalter, Kinderschnitzel und Traumprinzen
Der gemeine Heizpilz und andere Sünder
Die Weiten des Wehwehweh
Seidensprung
Shopping, ein Männeralptraum
Im Bruchteil einer Sekunde oder einfach leben
Vierter Teil
Liebe. Tatsächlich?
Magie ist
Herz über Kopf oder ist es einfach, was es ist?
Märchen, Zauber und was kommt dann?
Die Kunst der Fotografie
Novemberblues
Was Frauen nicht wollen
Dating Queen
Von Brunnen, Prinzen und einem Gläschen Chardonnay
Ein Brief und die ganz große Liebe
Fünfter Teil
Das innere Kind
Erstens kommt es anders ... Was ist, wenn es besser kommt?
Die andere Seite der Angst
Sechster Teil
Happy End ... Und jetzt?
End oft the Story
Siebter Teil
Was ich noch sagen möchte – Oder, Mädels, hört ihr auf zu reden, wenn Schluss ist?
Wie jeder Beruf beginnt auch der des Autors mit einer Ausbildung. Ich gestehe, dass ich diese ausgelassen und mich mit nichts als meiner Liebe zum Schreiben und dem Glauben an mich in die Welt der Schreiberlinge gestürzt habe. Genau genommen hatte ich keine Ahnung. Ich habe einfach die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und mich bei einem deutschlandweiten Wettbewerb angemeldet. Der beste Autor würde ein Stipendium erhalten. Wofür genau habe ich vergessen, aber das spielt auch keine Rolle, denn ich war nur die zweitbeste Autorin. Besagtes Stipendium bekam ein anderer, während man mir die Veröffentlichung meiner Geschichte zu einem Vorzugspreis anbot. Meiner überaus sensiblen Hobbyautorenseele erschloss sich nicht, warum ich für meine eigene Geschichte bezahlen sollte. Ich lehnte ab. Wahrscheinlich begann mit dieser Überlegung tatsächlich meine Ausbildung zur Autorin.
Ich habe auch weiterhin meine Kurzgeschichten für Preisausschreiben eingereicht. Und ich habe einen Roman geschrieben. Aber meinen ersten richtigen Job als Autorin bot mir ein Gothaer Magazin an.
Ich sollte eine Kolumne über das Leben einer Singlefrau schreiben. Als bekennende Bewunderin der New Yorker Kolumnistinnen- Figur Carrie B. sah ich es als Herausforderung an, die nicht minder spannenden Geschichten der Frauen aus der Provinz mal genauer anzuschauen.
Ich habe Liebe und Frust, Technisches und Mystisches unter die Lupe genommen. Dabei bin ich fast zufällig über den Knaben im Mann und das Mädchen im Weib gestolpert und auf diverse Ängste gestoßen, die uns gelegentlich am Glücklichsein hindern.
Ich habe jedes einzelne Thema mit spitzer Feder freigelegt, mit glühendem Herzen beleuchtet und gebührend von allen Seiten betrachtet. Nach vier Jahren haben wir Mädels uns zusammengesetzt, um die besten Geschichten für dieses Buch auszuwählen. Und weil wir bescheiden sind, haben wir es „Provinzgeschnatter“ genannt.
Bevor es richtig los geht, komme ich nicht drumherum, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die folgenden Geschichten selbstverständlich frei erfunden und der großartigen Fantasie einer fröhlichen Mädelsrunde entsprungen sind. Wenn sich dennoch jemand an irgendeiner Stelle wiederzufinden meint, nun, dann habe ich mein Ziel erreicht. Denn keine Geschichte kann so gut sein wie das Leben selber. Oder mit den Worten von Carrie B. gesprochen: „Wenn der Schuh passt...“
Seit meiner Scheidung war ich Single. Als nackte Tatsache gesehen, bedeutete dies, dass ich nun zum ersten Mal im Leben wirklich allein war. Im Bad, im Bett, auf dem Balkon. Ganz offiziell. Kein nörgelnder Ex neben mir auf dem Sofa, keine leeren Bierflaschen. Niemand, der an den spannendsten Stellen eines Films Belanglosigkeiten von sich gab. Und keiner, der mich anzischte, wenn ich eine Frage zum Fußballspiel hatte. Ich war Herrscherin über die Fernbedienung.
So weit. So gut. Und doch kam ich nicht umhin zuzugeben, dass mir etwas fehlte. Oder besser gesagt die Vorstellung, allein vor der Glotze mit einem Glas Wein und einer Tafel Schokolade zu sein, fand ich nur bedingt reizvoll. Ich träumte von einem Partner, der neben mir auf der Couch saß, mir Wein nachschenkte, das letzte Stückchen Vollmilchschokolade liebevoll mit mir teilte. Einem Kerl, der mir sagte, dass er meinen neuen Rock wahnsinnig sexy findet, aber keinesfalls erlauben kann, dass ich in dem Teilchen allein auf die Straße gehe. In meiner Fantasie malte ich mir aus, wie er hinter mir herlaufen würde, bereit jeden Mann zu meucheln, dem es einfiele, mir auf den Hintern zu gucken... Kurz gesagt, ich sehnte mich nach Zweisamkeit. Ich würde ihm ja auch eine Schwäche verzeihen. Jedenfalls manchmal.
Es war nicht so, dass ich nicht versucht hätte, mich wieder auf den Markt zu bringen, nachdem ich meine Wunden ausgiebig geleckt hatte. Aber diverse Erfahrungen auf ü30 Partys, im Arbeitsleben oder wo man sonst noch so auf die Spezies der anderen Art treffen konnte, brachten mir zweierlei Erkenntnisse:
Zuerst – zu meiner Beruhigung hatte ich durchaus einen gewissen Marktwert.
Allerdings nützte mir das nicht wirklich viel, denn die Prinzen, von denen ich träumte, standen nicht gerade Schlange. Nur Kerle, die nur kurze Prinzessinnen-Freuden versprachen. Sehr kurze.
Wahrscheinlich habe ich zu viele romantisch schöne Hollywoodfilme gesehen und in meinem Kleinmädchenhirn geisterte eben DER EINE rum. Kompromisse war ich lange genug eingegangen und solange wie dieser Traumtyp mit dem schneeweißen Pferd irgendwo am falschen Ende des Universums nach mir suchte, würde ich eben allein bleiben.
Und so lange sein Gaul lahmt, würde ich jeden Abend zufrieden mit meiner Katze auf dem Sofa liegen und einen Film ansehen. Natürlich mit Happy End. Ich würde Schokolade mampfen und Chardonnayschorle schlürfen. Und wahrscheinlich innerhalb eines Jahres die Hundertkilomarke auf meiner Waage sprengen. Wenn ich nicht vorher meine Leber im Wein ertränken würde. Die Aussichten waren bei näherer Betrachtung also nicht rosig.
Frustriert verabredete ich mich mit einer Freundin zu einem Saunabesuch. Ich rasierte die Beine, trimmte die Bikinizone, schnippelte Obst und packte meine Saunatasche. Dann klingelte das Telefon und meine Freundin sagte mir niesend ab.
So ein Mist. Aber weil ich so gut vorbereitet war, beschloss ich, allein in die Sauna zu gehen. Meine Freundin würde mir sehr fehlen, denn wo kann man entspannter den Schnabel wetzen als bei einem gemütlichen Prosecco in der Sauna? Ich schnappte meine Sachen und marschierte los. Was sollte schon passieren?
In der Sauna angekommen, teilte mir die freundliche Frau an der Kasse mit, dass wegen dringender Wartungsarbeiten an diesem Tag nur ein Teil der Saunalandschaft genutzt werden konnte. Als Entschädigung erhielt ich einen Gutschein für Kuchen und Kaffee in der Schwimmbadcafeteria. Ich mochte Kuchen nicht jeden Tag, aber Schokolade gab es nicht und der Kuchen hatte einen legendären Ruf. Jedenfalls sagt meine Freundin das.
Kaum hatte ich mir eine Liege gesucht und meine Utensilien ausgebreitet, als die Tür aufflog und eine ganze Busladung lautstark lärmender Rentner in die Sauna einfiel. Mann, die waren zusammen mindestens zweitausend Jahre alt!
Fürs Protokoll: Ich habe nichts gegen ältere Menschen. Absolut nicht. Meine Mama ist eine fröhliche Siebzigjährige, mit der man Pferde stehlen kann. Mit ihren lustigen Freundinnen ebenfalls. Aber diese Sauna-Eroberer hier waren wirklich schon sehr, sehr alt. Und sehr, sehr – sagen wir: Fidel.
Genervt verzog ich mich in die Zitronensauna und fand mich auch hier unter alten Menschen wieder. Schlappe, faltige Haut, wohin ich blickte. Ergeben quetschte ich mich irgendwo dazwischen. Und schwitzte Pore an Pore mit der Antike. Der Saunaufguss wurde von einer properen Mittefünfzigerin erledigt. Wäre ja auch zu schön gewesen, mir den Anblick eines leckeren Sportstudenten in knappen Shorts zu gönnen.
Mit Mühe überstand ich den Saunagang und wankte entkräftet unter die Dusche.
Dort zelebrierte ein fröhliches Rentnergrüppchen lautstark und mit vollem Körpereinsatz „Laurentia“. Inzwischen war das Maß dessen, was ich an Spaß zu ertragen imstande war, voll. Normalerweise gehöre ich auch in der Sauna zu den Warmduschern, angesichts der quietschvergnügt feiernden Rentner um mich herum war mein Gemüt inzwischen derart erhitzt, dass ich mir den freien Eimer Polarwasser übergoss und mich schockgefrostet ins Freie zitterte. Luft, Sonne... Ruhe. Durchatmen – und:
Der Gedanke an Kuchen hielt mich aufrecht und ich marschierte in die Cafeteria, so schnell mich meine Biobadelatschen tragen konnten.
Gott sei Dank, keine Spur vom Altertum. Entspannt schnappte ich ein unverschämt lecker anmutendes Kuchenteil und setzte mich an einen freien Tisch, das Schwimmbad im Blickfeld.
Da sah ich ihn. Großer Mann, roter Seidenkimono mit goldenen Troddeln an den Schultern. Dauergewelltes, gefärbtes Haupthaar. Höchstens fünfundsiebzig. Dieser Adonis in Rente hatte Peilung aufgenommen und fläzte sich ungefragt an meinen Tisch. Ungeniert glotzte er mir ins Dekolleté.
„Wie geht’s?“, fragte er mit feuchten Lippen. „Bis eben noch gut, da konnte ich den Kuchen genießen und hatte halbwegs Ruhe“, dachte ich fassungslos. War das etwa alles, was der Markt für Frauen in meinem Alter noch zu bieten hatte? Nie habe ich heißen Kaffee so schnell getrunken. Nie leckeren Kuchen hastiger eingeatmet. Mit schmerzender Zunge und schokoverschmierten Lippen trat ich den Rückzug an.
Weil dieser Tag mein Beautytag werden sollte, stand noch ein Kosmetiktermin auf dem Plan. Wenigstens ein Lichtblick in dieser Finsternis, denn die Dame hatte begnadete Hände und war außerdem eine gute Freundin von mir.
Sie war Single wie ich. An diesem Tag sah sie irgendwie glücklich aus. Kaum lag ich auf ihrer Pritsche, da sprudelte es nur so aus ihr heraus: „Stell Dir vor, ich hab mich verliebt!“
„Nein!“, hauchte ich. „Erzähl!“
Er war genau ihr Traumtyp. Groß, athletisch, ohne Altlasten. Finanziell absolut unabhängig. Und so weiter und so fort. Was war ich neidisch. Wieso fanden immer nur die anderen solche Typen? „Wo lag der denn rum?“, fragte ich schniefend.
„Du wirst es nicht glauben. Im Internet!“
Wieder war ich sprachlos. Aber sie klärte mich auf.
„Da gibt’s doch diese Singlebörsen. Probier’ das mal. Du gibst ein, was du suchst und – Bingo! Wie im Katalog!“
So einfach war das also? Die Kosmetikerin erklärte mir fröhlich ihr Vorgehen: „Ich hab kompromisslos eingegrenzt, was ich will. Am Ende war nur er übrig. Sieht so aus, als hätte ich einen Hauptgewinn. Und das nach nur einer Stunde Suche!“
Wenn das so einfach war, vielleicht sollte ich es auch mal ausprobieren. Was konnte schon schiefgehen? Zuhause machte ich es mir mit meiner allabendlichen Schokolade auf dem Sofa gemütlich. Doch statt des üblichen Hollywoodfilmchens wollte ich heute wissen, was der virtuelle Markt des Internets an Prinzen so im Angebot hatte. Tatsächlich, es gab Unmengen von Partnerbörsen, die alle versprachen... mich zu verlieben. Licht aus. Login und los.
Noch etwas schüchtern und ziemlich vorsichtig beantwortete ich die Fragen, die mir gestellt wurden und bekam prompt einen Monat Mitgliedschaft geschenkt. GESCHENKT!
Optimistisch chattete ich los.
Es dauerte tatsächlich nur wenige Minuten, bis ich die erste Post in meinem Briefkasten hatte. Schon nach wenigen Tagen hatte mich das Internetfieber gepackt. Ich konnte den Feierabend kaum erwarten, sagte Verabredungen ab und hetzte ohne Umwege heim. Freute mich wie ein Kind, wenn ich Post von meinem aktuellen Favoriten hatte und hätte heulen können, wenn mein Postfach leer war.
In vernünftigen Momenten beschlich mich die Angst, ich könnte mich in der einsamen Welt des Internets verlaufen. Doch diese Gedanken verflüchtigten sich ebenso schnell, wie sie gekommen waren. Wenn andere es schafften, Mr. Perfekt im Internet zu finden, sollte das für mich doch auch kein Problem werden, dachte ich verbissen und öffnete erneut mein Postfach.
Ich erschrak. Das Konterfei, was mir da selbstbewusst entgegen lächelte, gehörte einem Kollegen von mir. Zum Glück arbeitete er in einer anderen Abteilung, aber immerhin – wir waren uns schon mehrfach begegnet. Er war also kein gänzlich Unbekannter. Gewissermaßen. Ich könnte doch einfach Hallo sagen...
Und weil ich eben dabei war, mich zu öffnen, öffnete ich für den Herrn mein verschlüsseltes Profil und gestattete ihm Zugang zu meiner Seite. Es folgten mehrere belanglose Mails ohne jeden Biss und ich überlegte schon, wie ich diesen Kontakt möglichst elegant beenden könnte, als er ohne Vorwarnung in meinem Büro aufkreuzte.
Ich schaute irritiert von meiner Arbeit auf. „Hallo!“, sprach mich der eher unauffällige Mittvierziger an. „Du musst die Jette sein. Ich bin der Tom und wollte dich schnell mal persönlich betrachten.“ Und das tat er – ziemlich ungeniert. Und – nein, ich musste nicht aufstehen und mich drehen. Allerdings, meine Kollegin sah interessiert zu.
Der hatte Nerven. Es passte mir ganz und gar nicht, dass dieser Mensch mich vor meiner ewig lästernden Kollegin derart bloßstellte. Die Geschichte, die sie hinter ihren dicken Brillengläsern in diesem Moment zu stricken begann, konnte ich mir lebhaft vorstellen. Einen aufnehmen, zwei fallen lassen. Toll. In ihrer Vorstellung wurde sie gerade Zeugin davon, wie ich ein schmutziges Treffen mit Mr. Pornopullover klar machte. Genervt schob ich Tom aus dem Zimmer.
„Und“, fragte ich angefressen. „Gefällt Dir, was du siehst?“
Er war überhaupt nicht beleidigt, sondern grinste anzüglich und drückte mir eine Visitenkarte mit mehreren Telefonnummern in die Hand. „Klingel mich an, wann immer du willst. Ich rufe zurück. Ich habe nämlich Flat.“
Soso, Flat hat er. Was noch? Während ich noch überlegte, ob der Kerl unverschämt oder unverschämt mutig war, drang mir sein Duft in die Nase. Mann, roch der gut. Ich beschloss, seinen Glitzerohrstecker zu übersehen und steckte die Visitenkarte ein.
Tom fackelte nicht lange und lud mich nach wenigen Telefonminuten zum Frühstück zu sich nach Hause ein. Der Mann verlor keine Zeit. Ich wollte nicht zimperlich wirken und klingelte am nächsten Sonntagmorgen mit frischen Brötchen an seinem Haus. Dass er eins hatte, wusste jeder, der es nicht wissen wollte.
Es war ein kitschiges Scheusal von einem Einfamilienhaus, was er mir voller Stolz präsentierte. Dunkelrustikales Wohnzimmer mit plüschigen Kissen auf dem gelben Kunstledersofa. Augenblicklich bekam ich Beklemmungen. Doch er hatte kein Gespür für meine Not und zeigte mir stolz das fransenbettige, rosagetünchte Schlafzimmer. Frau musste blind sein oder diesen Kerl durch eine extrem rosarote Brille sehen, um bei dieser Zurschaustellung grausamsten Geschmackes irgendwas anderes zu empfinden als - Flucht. Weg, weit weg, meinetwegen in jede Einraumwohnung, 27. Stock.
Und ich? Was tat ich? Willenlos ließ ich mich in die dunkle Küche Marke „Eigenbau“ ziehen und klammerte mich mit letzter Kraft an der angeschlagenen Steinguttasse fest, aus der es überraschenderweise nach frischem Kaffee duftete.
Dann legte er los. Tom erzählt aus seinem Leben:
Er hatte jung geheiratet. Seine Frau setzte einfach so die Pille ab und... o je... wurde schwanger. „Nach der Schwangerschaft wurde alles anders. Ihre Figur“, er druckste etwas herum, „nun ja, hat mir nicht mehr gefallen.“
Außerdem, sein Ton wurde weinerlich, „sie kümmerte sich nur noch um das Kind.“
Na sowas, dachte ich noch ironisch, da fuhr er fort:
„Zum Glück war ihre Mutter für mich da. Die gefiel mir sowieso viel besser.“
Ich ahnte, was kam und tatsächlich: Der Kerl hatte eine jahrelange Affäre mit der Mutter seiner Frau und schämte sich kein bisschen dafür, dass er eine Familie doppelt zerstört hatte.
„Mir war von Anfang an klar, dass ich mit meiner Schwiegermutter nicht dauerhaft zusammenbleiben würde. Schließlich war sie zwanzig Jahre älter als ich und irgendwann sah man das auch. Aber ich habe in der Zeit mit ihr viel gelernt. Ich habe nie verstanden, warum meine Exfrau jeden Kontakt abgebrochen hat. So, wie die aussah nach dem Kind.“ Meinem geschockten Gehirn entging, was der Kerl mir sonst noch mitzuteilen hatte. Sehnsüchtig wartete ich auf das Ende des Dates mit diesem unmöglichen Unschuldslamm. Zum Abschied küsste er mich ungefragt und kniff mir in den Po.
