Psionik - Daniel Jacob - E-Book

Psionik E-Book

Daniel Jacob

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Beschreibung

Kiran, Maximilian und Sabrina haben schon immer ein ungewöhnliches Leben geführt. Doch als Kiran plötzlich Kräfte in sich entdeckt, die ihre gesamte Welt auf den Kopf stellen, wird ihr Leben auf einmal sehr viel komplizierter. Während die drei Freunde noch damit beschäftigt sind diese Kräfte zu erforschen, treffen sie plötzlich auf Menschen die ebenfalls über derartige Kräfte verfügen und werden in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Es gelingt ihnen zwar zu entkommen, doch damit sind ihre Probleme noch lange nicht vorbei. Denn von Eliza, die jahrelang von ihren Angreifern zur Zusammenarbeit gezwungen wurde, erfahren sie von einer Organisation namens Naraka die nur aus derartigen Menschen besteht. Von ihr erfahren sie wie gefährlich diese Menschen und wie groß die Ambitionen der Naraka sind. Doch was genau haben diese Leute eigentlich vor und was hat das alles mit einem zweitausend Jahre alten Schatz zu tun? Und wie sollen sie alle lange genug am Leben bleiben, um Elizas Kinder von der Naraka zu befreien?

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EPUB
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Seitenzahl: 758

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Vorwort

Zu diesem Buch muss ich zuerst mal eines sagen. Dieses Buch war ursprünglich nicht als Buch geplant, sondern nur als Vorgeschichte, doch irgendwie ist es länger geworden (sehr viel länger). Deshalb habe ich entschieden es so herauszubringen.

Zum Buch selbst sollte ich sagen, ja es geht um Menschen mit übersinnlichen Kräften. Wer hier aber so etwas wie eine „Superhelden“ Geschichte erwartet, dem kann ich nur sagen das ist das falsche Buch dafür. Es hat nichts damit zu tun und geht in eine andere Richtung. Ich habe auch versucht mich dem Thema etwas realistischer zu nähern und ja ich weiß auch wie merkwürdig das klingt, wenn ich von übersinnlichen Kräften schreibe.

Da dieses Buch als Auftakt einer ganzen Reihe von Büchern dienen soll gibt es hier einige Passagen in denen Grundlagen geklärt werden. Ich habe versucht sie möglichst interessant zu gestalten, aber ich weiß nicht wie gut es mir gelungen ist.

Ansonsten kann ich euch nur sagen, dass ich euch viel Spaß beim lesen Wünsche und wenn euch das Buch gefallen hat, dann empfehlt es bitte weiter.

Inhaltsverzeichnis

EIN INTERASSANTER ZOOBESUCH

ENTHÜLLUNGEN AUF EINER BRÜCKE

EIN TRAUM WIRD WAHR

EINE NEUE WELT

PSIONIK

AUFTRAG

TESTS UND PANNEN

PLANUNG

KONFRONTATION

RETTUNG

NARAKA

DREI MÖGLICHKEITEN

KÄMPFEN ODER FLIEHEN?

VERSCHLEIERUNG

KATASTROPHE

WAHRHEIT

DROHENDE GEFAHR

TRAINING

SCHULD

GRUNDLAGEN UND GEHEIMNISSE DER PSIONIK

BESUCH VON DER POLIZEI

EIN KLEINER EINKAUFSBUMMEL

ENTSCHEIDUNGEN

WAR ES EIN FEHLER?

WEITERE PROBLEME

DER ZWEITE BESUCH

LETZTE VORBEREITUNGEN

OBSERVATION

SCHATZSUCHE

INVENTUR

DER DOLCH IM RÜCKEN

DIE LETZTE NACHT

WIR SIND BEREIT

ANGRIFF

LIEBER IN FREIHEIT STERBEN, ALS IN ANGST ZU LEBEN

TRAURIGE NACHRICHTEN

ZUSATZINFORMATIONEN

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist ein Abgrund der sich Realität nennt

1. Ein interessanter Zoobesuch

Mai 2016, eine kleine Stadt in Deutschland

„Weißt du Kir, dein einziges echtes Problem ist, das du dich für nichts richtig begeistern kannst.“, sagte Maximilian als sie zu dritt in einem Eiscafé saßen. Kiran der ihm gegenüber Platz genommen hatte, verdrehte nur die Augen. „Ich sage es ja bloß.“, fuhr Maximilian nachdenklich fort. „Allerdings solltest du allmählich mal etwas finden. Die Schule ist schließlich vorbei und es wird Zeit für die Universität.“

„Da hast du Recht.“, schloss sich Sabrina an, während sie die Karte studierte. „Es wird wirklich Zeit das du dich mal für etwas entscheidest.“

Kiran warf ihr einen genervten Blick zu. „Hast du mit meiner Mutter geredet? Als ich nämlich das letzte Mal nachgeschaut habe, warst du Maximilians Freundin und nicht meine!“, er warf einen weiteren Blick auf die Karte „Warum habe ich mich eigentlich dazu überreden lassen, mit euch beiden hier herzukommen? Die meisten dieser Eisbecher sehen aus als hätten sie einen Unfall gehabt und zwar einen schweren.“ Er schüttelte sich demonstrativ.

„Ach komm schon.“, meinte Sabrina und warf ihm einen leicht spöttischen Blick zu. „So schlimm ist es auch wieder nicht.

Abgesehen davon, wenn du bei uns bist werden wir hier sofort bedient.“

Kiran seufzte und dachte vermutlich an ihren letzten Besuch, der über einen Monat her war. „Ich hatte eigentlich gehofft, dass sie das Ganze inzwischen vergessen hätten.“

„Da verlangst du ein bisschen viel finde ich.“, warf Maximilian ein und sah sich um. Wie üblich standen sie im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit. Das lag vor allem an Kiran, er fiel einfach überall auf. Er war wie üblich dunkel gekleidet, womit er sich von den anderen Gästen abhob. Die wenigsten waren völlig schwarz angezogen. Seine Haare und Augen waren ebenso dunkel wie seine Kleidung. Doch das war nicht der Grund warum er die Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war sein Verhalten. Seine Selbstbewusste fast schon arrogante Art stach heraus und auch wenn er lächelte, konnte er den stählernen Blick in seinen Augen nicht ganz verbergen. Einem Aufmerksamen Beobachter wäre auch aufgefallen das seine Körperhaltung auf jemanden hindeutete, der sehr viel gefährlicher war als es den Anschein hatte. Natürlich musste hier im Café keiner so genau hinschauen. Die meisten wussten es nur zu gut, dachte Maximilian schmunzelnd. „Man sieht schließlich nicht jeden Tag jemanden der sechs Leute zusammenschlägt die fast alle einen Kopf größer waren.“

„Ich wehre mich gegen die Bezeichnung zusammenschlagen.

Ich habe sie außer Gefecht gesetzt. Abgesehen davon haben sie angefangen. Ich wollte die Situation nur entschärfen und es wäre mir auch gelungen, wenn sich dieses dumme Mädchen nicht eingemischt hätte!“

„Dieses „dumme Mädchen“ ist eine Freundin von mir.“, warf Sabrina ein.

„Dann solltest du deine Freunde vielleicht etwas sorgfältiger auswählen.“, schlug Kiran vor.

„Das sagt meine Mutter auch immer, wenn ich ihr von euch beiden erzähle.“

„Das kann ich mir vorstellen. Sie versteht einfach nicht das Gefahr und Abenteuer die Würze des Lebens sind.“

„Du kannst nicht davon ausgehen das jeder das Leben so sieht wie du, Kir.“

„Das verlange ich auch gar nicht. Aber sie könnte ruhig ein bisschen offener…“

„Schluss jetzt ihr zwei.“, mischte sich Maximilian bestimmt ein.

„Wir sind hier um uns zu entspannen und zu freuen dass wir unsere Abiturprüfungen abgeschlossen haben. Also entspannt euch und genießt das schöne Wetter.“ Er sah demonstrativ zurück auf die Karte.

„Na schön, also Waffenstillstand Sabrina, zumindest für heute?“, bot Kiran an.

„Einverstanden, aber nur ausnahmsweise.“, gab sie zurück.

„Nun ich schätzte das ist besser als nichts.“, meinte Maximilian seufzend. „Also Kir zurück zum Thema, hast du dich inzwischen entschieden was du studieren willst und wo? Es wäre schön wenn wir alle zusammen bleiben könnten.“

„Ich schwanke immer noch zwischen mehreren Fächern.“, gestand Kiran. „Irgendetwas Naturwissenschaftliches wäre wohl das richtige, aber Geschichte wäre auch interessant.“ Er sah nachdenklich zur Decke. „Aber am liebsten würde ich irgendetwas nützliches machen, das es mir erlaubt die Welt zu verbessern. Wenn man in letzter Zeit die Nachrichten sieht, gäbe es da wohl eine ganze Menge zu tun.“ Er wandte sich wieder seiner Karte zu.

„Da muss ich dir zustimmen. Ausnahmsweise.“, meinte Sabrina mit einem verschmitzten Augenzwinkern.

„Danke, glaube ich jedenfalls.“, gab Kiran ironisch zurück.

Bevor er sich allerdings eine passende Retourkutsche überlegen konnte, sah er zur Tür hinüber. „Entschuldigt mich bitte kurz, ich bin gleich wieder da.“, sagte er, während er aufstand und zu dem Mann ging der das Café gerade betrat.

Sabrina sah ihm überrascht hinter her und warf Maximilian einen fragenden Blick zu. Der warf einen kurzen Blick auf den Neuankömmling und zuckte die Schultern. „Wahrscheinlich einer der Geschäftsfreunde seines Vaters, der ihm einen Job anbieten will. Ist diese Woche schon der dritte, glaube ich.“

„Und dafür kommt er extra hier her?“, fragte Sabrina während sie ihr langes braunes Haar zurück strich, das ihr bei der schnellen Bewegung ins Gesicht gefallen war. Jetzt nachdem Kiran zur Tür gegangen war, richtete sich die Aufmerksamkeit der anwesenden mehr auf Sabrina. Maximilian konnte es auch niemandem verdenken das sie seine Freundin musterten. Sie war etwa einen halben Kopf kleiner als er und Kiran und an den richtigen Stellen gerundet. Sie sah gut aus, doch es war eher ihr Wesen das die Leute anzog. Sabrina wirkte wie eine Daunendecke, sanft und beschützend zugleich.

Flüchtig fragte sich Maximilian, wie er wohl zwischen seinen Freunden auf die Leute wirkte. Sabrina meinte immer sein Gesicht würde Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ausdrücken.

Abgesehen davon würde er wie jemand wirken, dem man vertrauen und auf den man sich verlassen konnte. Maximilian fragte sich immer wieder, wie sie zu dieser Einschätzung gekommen war. Wenn er sich im Spiegel betrachtete, konnte er nichts von diesen Eigenschaften entdecken. Seine braunen Haare und Augen wirkten seiner Meinung nach auch eher gewöhnlich, allerdings war Sabrina der Meinung dass er durch sie sehr attraktiv wirkte.

„Naja vor einem Jahr ist Kir ziemlich aufgefallen, als er seinem Vater bei einem Geschäft geholfen hat. Ich schätze er hat einen guten Eindruck hinterlassen.“, beantwortete er Sabrinas Frage.

„Was ist?“, wollte er wissen, als er Sabrinas abwesenden Gesichtsausdruck sah.

„Ach nichts.“, gab sie zurück, während sie vorgeblich ihre Karte studierte.

„Weist du wenn ich dich und Kir nicht so gut kenne würde, könnte man meinen ihr beide hättet was mit einander.“ Sie warf ihm einen empörten Blick zu und holte tief Luft um eine passende Antwort zu geben, wurde allerdings von Maximilian unterbrochen bevor sie etwas sagen konnte. „Ich sagte, wenn ich euch nicht so gut kennen würde, nicht das ich es tatsächlich glaube. Also was ist los? Du warst schon den ganzen Tag nicht besonders freundlich zu ihm.“, er sah sie auffordernd an.

„Es ist verrückt, aber weißt du, er ist mir manchmal ganz schön unheimlich.“, sagte sie beschämt und sah auf den Tisch hinunter.

„Wegen der Sache vor einem Monat? Komm schon, wir waren schon in wesentlich schlimmeren Situationen. Abgesehen davon hat er versucht die Auseinandersetzung zu verhindern, es war…“

„Das meinte ich nicht.“, unterbrach sie ihn, „Es ist alles an ihm.

Wie er handelt, wie er sich verhält und wie er denkt. Es ist etwas an ihm das sich einfach nicht erklären lässt.“ Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Weißt du noch wie wir uns kennengelernt haben?“

„Sicher, das war ein Tag denn man nicht so schnell vergisst.“, meinte Maximilian mit einem Lächeln. „Aber was hat das mit ihm zu tun, es sei denn du meinst die Sache mit den Löwen?“

„Natürlich meine ich das.“, gab Sabrina zurück. „Wenn du dich erinnerst…“

3 Jahre zuvor

„Warum genau sind wir eigentlich hier Max?“, fragte Kiran seinen Freund während sie den Elefanten zusahen die gemütlich durch das Gehege wanderten.

„Nun Melinda wollte die afrikanischen Tiere sehen, also sind wir in diesen Teil des Zoos gegangen.“, antwortete Maximilian und warf Kiran einen unschuldigen Blick zu.

„Mir ist schon klar warum wir hier stehen, was mir allerdings nicht einleuchtet ist, warum wir beide mit deiner kleinen Schwester in den Zoo gehen und nicht deine Eltern?“

„Sie mussten überraschend weck und da wir ihr einen Zoobesuch versprochen hatten, habe ich mich bereit erklärt mit ihr hinzugehen.“

„Schon klar. Aber das erklärt immer noch nicht, warum ich hier bin, oder?“, fragte Kiran weiter.

„Ich dachte du langweilst dich vielleicht, abgesehen davon mag Melinda dich.“, sagte Maximilian, während er seine elfjährige Schwester beobachte, die versuchte auf das Geländer zu klettern um besser sehen zu können.

„Ich hole sie besser, bevor sie ins Wasser stürzt.“, sagte Kiran und kam gerade noch rechtzeitig hin, um zu verhindern das Melinda in den Wassergraben fiel, der das Elefanten Gehege umgab. Manchmal stand die Abenteuerlust seiner kleinen Schwester, der Kirans in nichts nach. Während Maximilian beobachtete wie Kiran seine Schwester hochhob, damit sie besser über die Absperrung sehen konnte, beglückwünschte er sich selbst nochmal zu dem Einfall ihn mitgenommen zu haben, um auf seine Schwester aufzupassen. Seit dem Vorfall in der Bank vor drei Monaten, schien Kiran mit den Gedanken ständig woanders zu sein. „Ich schätze er macht sich immer noch Vorwürfe, dass er nicht alle retten konnte.“, dachte Maximilian nachdenklich. „Mit Niederlagen ist er noch nie gut klargekommen.“

Nicht das irgendeiner der dabei gewesen war Kiran Vorwürfe gemacht hätte. Schließlich hatte er mehr als zwanzig Leuten das Leben gerettet und dabei geholfen eine gefährliche Verbrecherbande dingfest zu machen. Aber die sechs Toten die es gegeben hatte, machten ihm zu schaffen. Dass er selbst einige der Bankräuber getötet hatte, schein ihn allerdings weniger zu stören. Nicht dass Maximilian selbst damit sonderliche Probleme gehabt hätte. Schließlich hatte Kiran dadurch nicht nur ihm das Leben gerettet, sondern auch das seiner kleinen Schwester. Ganz zu schweigen von den anderen Besuchern der Bank. Aber Kiran machte sich eben Vorwürfe, dass er nicht von Anfang an eingegriffen hatte und dadurch diese Situation erst entstanden war.

Maximilian schob diese Gedanken von sich und versuchte sich auf erfreulicheres zu konzentrieren. Schließlich hatte er Kiran vor allem deswegen mitgenommen, um ihn auf andere Gedanken zu bringen und das würde er kaum schaffen, wenn er selbst Trübsal blies.

Er konzentrierte sich wieder auf Kiran und Melinda und stellte dabei fest, das Kiran schon etwas entspannter wirkte, als er etwas sagte das Melinda zum Lachen brachte. Während er das lachende Gesicht seiner Schwester betrachtete, beschlich ihn allerdings die dunkle Vorahnung, das er und Kir in den nächsten Jahren genug damit zu tun haben würden, auf sie zu achten. Mit ihren blonden Haaren, blauen Augen und ein schön geschnittenes Gesicht, würde sie in der Zukunft wohl dem ein oder anderen dem Kopf verdrehen. Und es würde wohl vermutlich auch nicht mehr all zulange dauern, bis sie anfing sich für Jungen zu interessieren. „Nicht dass einer von denen es wagen würde ihr zu nahe zu treten, während Kir auf sie aufpasst.“, dachte Maximilian amüsiert, während er zusah wie Melinda Hand in Hand mit ihm zurückkam. Wieder einmal bemerkte er auch dass die Leute Kiran beobachteten, während er den Weg entlangging. Er zog einfach Aufmerksamkeit auf sich, egal wo er war. Auch wenn es nicht immer Positive Aufmerksamkeit war.

„Wohin wollen wir als nächstes?“, fragte Kiran Melinda, als sie wieder bei Maximilian waren. „Vielleicht in den Streichelzoo?

Oder zu den Robbenbabys?“

„Ich bin keine fünf Jahre mehr alt Kir.“, sagte sie und warf ihm einen empörten Blick zu. „Als nächstes will ich ins Terrarium.“

Immer noch seine Hand haltend, zog sie ihn hinter sich her.

„Er kann es einfach nicht lassen sie ein bisschen aufzuziehen.“, dachte Maximilian während er den beiden hinterher ging, obwohl er selbst die Robbenbabys vorgezogen hätte. Schlangen und Spinnen begeisterten ihn nur mäßig. Er beobachtete seine Schwester die Kiran mit leuchtenden Augen irgendetwas erzählte, das diesen immerhin zum Lächeln brachte. Er dachte bei sich, dass ihr Motiv wohl auch eher darin lag Kiran zu beeindrucken, als tatsächliches Interesse an Reptilien. Er fragte sich ob sie wohl anfing für ihn zu schwärmen, sie hatte jedenfalls das richtige Alter dafür. Auf den zweiten Blick hin kam es ihm allerdings dann doch wieder unwahrscheinlich vor.

Melinda betrachtete Kiran eher als großen Bruder.

Während er die zwei beobachtete hörte er plötzlich laute Stimmen hinter sich. Er drehte sich um und sah eine Gruppe von Jungen und Mädchen in ihrem Alter, in der sich ein Mädchen mit dem Rest ihrer Gruppe stritt. Sie hatte braune Haare, ein hübsches Gesicht und war sportlich gebaut. Offenbar war sie über etwas aufgebracht, dass einer ihrer Begleiter getan hatte und sagte ihm kräftig die Meinung.

„Das könnte jetzt unangenehm werden.“, sagte Kiran besorgt, der plötzlich wieder neben ihm stand.

„Willst du ihr nicht helfen?“, fragte Melinda während sie seine Hand hielt. „Du hast doch sicher keine Angst, oder?“

„Nur Angst davor die Situation zu verschlimmern, wenn ich jetzt einfach so hinübergehe. Dann könnte dieser Streit sehr leicht ausarten…“

„Zu spät.“, warf Maximilian ein, als einer aus der Gruppe der jungen Frau mit der flachen Hand ins Gesicht schlug.

„Verdammt!“, zischte Kiran und machte sich von Melinda los.

„Ihr zwei wartet hier, ich kümmere mich darum.“, wies er Maximilian und seine Schwester an und ging mit großen Schritten, auf die vier Jungen und zwei Mädchen zu.

„Du hältst dich wohl für was Besseres.“, schrie einer der Jungen aus der Gruppe, das auf dem Boden liegende Mädchen an. „Nur weil deine Eltern Geld haben führst du dich hier auf als wärst du jemand besonderes!“ Er machte einen Schritt auf sie zu, während sie sich aufrichtete und versuchte das Blut aus ihrer Nase mit der Hand abzuwischen. Er hob die Hand um ihr noch einen Schlag zu versetzten.

„Das reicht jetzt!“, sagte Kiran, der gerade herangekommen war, mit kalter Stimme. „Bevor die Situation noch schlimmer wird, sollten sich hier erst mal alle wieder beruhigen und einmal tief durchatmen.“

„Verschwinde!“, rief ihm einer aus der Gruppe zu. „Dass hier geht dich nichts an.“

„Er hat Recht.“, sagte der junge Mann der sich offenbar als Anführer der Gruppe verstand. „Warum mischt du dich hier ein?“

„Ich versuche euch alle nur vor einer Dummheit zu bewahren.“, sagte Kiran ruhig „Ich weiß nicht um was es hier geht, aber ihr solltet vielleicht noch einmal darüber nachdenken, ob es das wirklich wert ist.“

„Spar dir deine Predigt.“, rief ihm einer der Jungen zu.

„Wenn du dir nicht auch ein paar einfangen willst, dann verschwindest du besser und vergisst was hier los ist.“, sagte einer der anderen.

„Tut mir leid, aber ihm wegschauen bin ich einfach nicht sehr gut.“, gab Kiran gelassen zurück, „Warum lasst ihr es nicht einfach gut sein und geht? Ihr habt eure Meinung doch schon deutlich gemacht.“

„Und wenn wir das nicht tun?“, gab einer der anderen herausfordernd zurück. „Was dann? Willst du dich etwa allein mit uns allen anlegen, oder glaubst du dass dir jemand hilft?“ Er deutete auf die Menschen um sie herum, von denen die meisten betreten wegschauten, oder sofort weitergingen.

„Lass es gut sein.“, sagte das am Boden liegende Mädchen und griff nach seinem Arm „Oder willst du auch verletzt werden?“

Kiran machte sich von ihrer Hand los und sagte. „Niemand muss hier verletzt werden, weder du noch einer von euch.“, meinte er mit einem Blick auf die Gruppe von jungen Leuten.

„Aber mit eurem Verhalten bringt ihr euch in große Schwierigkeiten. Wollt ihr das wirklich, nur wegen eines Streits und einem bisschen verletzten Stolzes?“

Der Anführer warf ihm einen verächtlichen Blick zu und sagte „Wie nett von dir, da sollten wir uns wohl bedanken, nicht wahr.“ Dann machte er einen drohenden Schritt auf ihn zu, während er die Faust ballte.

„Was für ein Vollidiot, denkt er wirklich er kann es mit Kir aufnehmen?“, rief Melinda. „Hey du Spatzenhirn hast du immer noch nicht kapiert das er dir und deinen Freunden einen Ausweg lässt, mit dem ihr hier heil herauskommt.“ Alle, abgesehen von Maximilian und Kiran, warfen dem Mädchen einen völlig verblüfften Blick zu.

„Ich schätzte das hatten sie noch nicht kapiert Meli.“, sagte Kiran leicht amüsiert. „Aber ich denke jetzt ist der Groschen wohl gefallen.“

„Ok es reicht! Zuerst bring ich dir Manieren bei und anschließend ihr!“, brüllte der Anführer der Gruppe und stürzte sich mit den anderen auf Kir.

„Felix lassen es gut sein“ kreischte das Mädchen mit der blutenden Nase auf.

Doch die vier hörten nicht auf sie und griffen an. Kiran blieb jedoch nicht stehen sondern sprang auf den ersten links außen zu, wirbelte um seinen Angriff herum und verpasste ihm einen Handkantenschlag mitten ins Genick. Er ging zu Boden wie ein nasser Sack. Doch Kiran ging bereits auf den nächsten los und verpasste dem zweiten von links einen leichten Schlag gegen die Kehle, stark genug um ihn kurzzeitig aus dem Kampf zu entfernen, ohne ihm aber die Luftröhre zu zerschmettern. Die zwei anderen hatten ihre Überraschung über seinen Angriff inzwischen überwunden und versuchten ihn erneut anzugreifen.

Derjenige den das Mädchen Felix genannt hatte, wollte Kiran mit zwei Schlägen ins Gesicht erledigen, doch dem ersten wich er aus während er beim Zweiten die Hand seines Gegners zu fassen bekam, sie verdrehte und ihn mit einem Wurf zu Boden beförderte. Er landete mitten in den Weg des vierten der versucht hatte sich Kir von der Seite zu nähern. Der vierte Junge stolperte über Felix, richtete sich jedoch gleich wieder auf, nur um mit einem Fußtritt ins Gesicht empfangen zu werden der ihn auf den Boden beförderte und er so aus dem Kampf ausschied. Inzwischen hatte sich der zweite wieder erholt und stürzte sich auf Kirans Rücken, der ihn fast ganz an sich herankommen lies, dann gelassen einen Schritt nach links trat und ihn, während der zweite an ihm vorbeistolperte, mit der rechten Faust an einer Stelle unterhalb des Brustbeins traf. Er klappte zusammen und blieb zusammengekrümmt am Boden liegen.

Währenddessen versuchte Felix wieder aufzustehen. Gerade als er es schaffte sah er Kiran auf sich zukommen, er hob die Hände um einen Schlag auf sein Gesicht abzuwehren, doch dieser Angriff war nur eine Finte von ihm, denn anstatt zuzuschlagen trat er um ihn herum und packte Felix mit einem Arm ihm Würgegriff während er mit der anderen Hand mehrere Punkte an seinem Hals suchte. Kiran drückte zu und Felix verdrehte nach drei Sekunden die Augen und sank ohnmächtig auf die Erde. Der ganze Kampf hatte nicht länger als eine halbe Minute gedauert.

Das zweite Mädchen der Gruppe warf Kiran einen ungläubigen Blick zu. „Das ist eben nicht wirklich passiert, oder?“, fragte sie und wich ängstlich zurück.

„Deswegen habe ich ihnen gesagt sie sollen es lassen.“, meinte Melinda selbstzufrieden, während sie und Maximilian zu Kiran gingen, der gerade damit beschäftigt war die am Boden liegenden zu untersuchen.

„Das wäre sicherlich klüger gewesen.“, sagte Maximilian.

„Aber die waren wohl nicht in der Stimmung für Vernunft.“ Er wandte sich dem Mädchen am Boden zu und fragte. „Alles in Ordnung bei dir?“

„Ich glaube schon.“, sagte sie etwas zittrig, während sie einen ungläubigen Blick zu Kiran hinüberwarf und Maximilian die Hand hinhielt. „Hilf mir bitte hoch.“ Er zog sie auf die Füße, musste sie allerdings gleich darauf festhalten, da sie leicht ins Schwanken geriet.

„Vielleicht setzt du dich lieber hin.“, schlug Kiran, der wieder zu ihnen gestoßen war, vor. „Du könntest eine leichte Gehirnerschütterung haben. Schläge ins Gesicht sind nicht ganz ungefährlich und schon gar nicht, wenn man dabei auf den Boden fällt.“ Er und Maximilian führten sie zu einer Bank auf der sie sich niederlies und Kiran machte sich daran ihren Kopf zu untersuchen. „Hm, kein Blut aber hier hast du eine ordentliche Beule.“ Er hob die Hand und hielt sie ihr vors Gesicht. „Wie viele Finger halte ich hoch?“

„Drei, einen, fünf.“, sagte sie während die Finger vor ihr wechselten.

„Gut und jetzt folge bitte diesem Finger mit den Augen. Wie geht das?“

„Gut. Bist du auch noch Arzt?“, fragte sie erstaunt.

„Nein, ganz sicher nicht.“, sagte Kiran. „Ich habe nur etwas Erfahrung mit Gehirnerschütterungen.“

„Warum wohl?“, warf Maximilian ironisch ein.

„Willst du hier irgendetwas andeuten?“, fragte Kiran und warf ihm einen gereizten Blick zu.

„Traust du mir das etwa zu?“, gab Maximilian betont unschuldig zurück. Anschließend warf er einen bedeutungsvollen Blick auf die am Boden liegenden. „Ich würde doch nie behaupten, dass du nicht zu jedem Zeitpunkt diplomatisch wärst.“

„Schön die Sache ist mir vielleicht etwas aus der Hand geglitten, aber ich habe versucht mit ihnen zu reden und sie davon zu überzeugen es sein zu lassen.“

„Dann solltest du vielleicht deine Taktik ändern.“, er wandte sich ihrer Patientin zu und fragte. „Wie heißt du überhaupt?“

„Sabrina und wer seid ihr?“

„Ich heiße Maximilian, das hier ist meine kleine Schwester Melinda und das hier ist Kiran, aber alle nennen ihn nur Kir.“

„Hallo.“, sagte Melinda die aus ihrer Jacke ein Taschentuch herausholte und es Sabrina reichte. „Für deine Nase.“ Sabrina fuhr sich damit über das Gesicht und wirkte beinahe überrascht als sie Blut darauf sah.

„Du kannst übrigens ruhig mit dem Hysterischen Geheule aufhören.“, rief Kiran genervt. Maximilian sah seinen Freund verwirrt an, bis ihm auffiel das er das andere Mädchen der Gruppe gemeint hatte. „Ihren Freunden geht es bald wieder gut und ich hoffe dass sie dann gelernt haben sich etwas besser zu benehmen.“

„Was für ein Mensch bist du eigentlich? Zuerst schlägst du meine Freunde zusammen und dann tust du so als wäre es nichts Besonderes?!“, kreischte sie ihn an.

Kiran warf Maximilian einen verwirrten Blick zu und fragte „Hat sie etwa schon vergessen, dass ihre Freunde angefangen haben?“ Er sah wieder zu ihr. „Deine Freunde haben das über sich selbst gebracht. Wenn sie etwas mehr nachgedacht hätten, würden sie jetzt nicht hier liegen und ich habe ihnen gegenüber keine weitere Verantwortung.“ Er drehte sich zu Maximilian und den anderen zurück. „Ich weiß nicht wie es euch geht aber ich könnte jetzt einen Happen vertragen. Wie wäre es wenn wir das Reptilienhaus verschieben und erst etwas essen?“

Sabrina sah ihn entgeistert an und fragte. „Wie kannst du jetzt an Essen denken? Und was ist mit denen?“, meinte sie und deutete auf die am Boden liegenden.

„Auf deine erste Frage, weil ich Hunger habe. Auf deine zweite, irgendjemand wird sich schon um sie kümmern und wenn nicht dann werden sie auch von selbst wieder wach. Ich habe ihnen nichts Bleibendes zugefügt.“, sagte er mit einem Schulterzucken.

„Und sensibler als so wird er nicht.“, warf Maximilian ein.

„Aber er hat recht damit dass etwas zu essen jetzt nicht schaden würde.“ Er nahm ihre Hand und zog sie hoch. „Halte dich an mir fest.“, sagte er als er bemerkte dass sie immer noch etwas wackelig auf den Beinen war. „Trotzdem sollten wir noch kurz warten, Kir. Ich sehe da jemand bekannten kommen.“, meinte er und deutete auf ein paar Polizisten die sich näherten.

„Die sind aber schnell hergekommen.“, wunderte sich Kiran.

Einer der Polizisten warf einen Blick zu ihnen und trennte sich dann von den anderen, um zu ihnen zu gehen. „Nicht ihr zwei schon wieder.“, seufzte er kopfschüttelnd.

„Ich fürchte doch Kommissar Müller.“, sagte Kiran. Maximilian konnte nur schwer ein Lächeln unterdrücken, als er Kommissar Müllers leidgeprüfte Miene sah.

„Also passiert euch das häufiger dass ihr in solche Situationen geratet, oder war das nur Zufall?“, fragte Sabrina, als sie im Zoo Restaurant Platz nahmen. Das Restaurant war gut gefüllt und sie hatten zum Glück einen der letzten freien Tische bekommen.

„Nun ich gebe es nur ungern zu, aber ich scheine solche Zufälle anzuziehen. Auch wenn ich nicht weiß wieso.“, meinte Kiran während er den Blick über die anderen Gäste wandern ließ.

„Das liegt vermutlich an deiner freundlichen Persönlichkeit und deinem angenehmen Wesen.“, sagte Maximilian ironisch.

„Schließlich bist du ja für beides bekannt.“

„Das konntest du dir jetzt wohl nicht verkneifen, oder?“, gab Kiran zurück.

„Oder vielleicht an deinen diplomatischen Fähigkeiten.“, fügte Melinda mit einem schelmischen Augenzwinkern hinzu.

„Jetzt fall du nicht auch noch über mich her!“, klagte Kiran.

Sabrina musste über ihr Geplänkel lächeln und nutzte diese Gelegenheit, um ihre Begleiter näher zu betrachten. Als erstes fiel ihr Blick auf Kiran, wie es wohl auch bei jedem anderen der Fall war, der das Restaurant betrat. Irgendetwas an ihm war anders, etwas das dafür sorgte dass man ihn sofort wahrnahm, aber auch etwas das einen warnte vorsichtig zu sein. „Es ist ein bisschen so als würde man ein Raubtier betrachten, gefährlich und aufregend zugleich.“, dachte sie bei sich. Allerdings ohne die Aktion von vorhin, hätte sie das Raubtier wohl nicht wahrgenommen, sondern nur einen interessanten Menschen in ihm gesehen. Das sahen wohl auch einige Frauen um sie herum, wenn sie die Blicke die ihre Richtung geworfen wurden, richtig deutete. Da sie nun allerdings hinter die Fassade sah, nahm sie in seinen Augen einen Stählernen Wille, sowie eine Entschlossenheit war, die eigentlich nicht zu jemandem in seinem Alter passten. „Er ist gefährlich.“, sagte sie sich im Stillen.

Als nächstes betrachtete sie Maximilian. Er war praktisch in jeder Hinsicht das Gegenteil von Kiran. Von ihm ging weder eine Aura der Gefahr aus, noch hatte er irgendetwas Geheimnisvolles an sich. Seine braunen mitfühlenden Augen und sein freundliches Gesicht, spiegelten seinen Charakter offenbar perfekt wieder. Während Kiran etwas Unnahbares hatte, fühlte sie sich in Maximilians Gesellschaft so, als würde sie mit einem alten Freund zusammensitzen, den sie schon lange kannte. Er hatte etwas Vertrauenerweckendes an sich, das dafür sorgte dass man sich in seiner Gegenwart schnell entspannte. Es war wohl ihm zu verdanken, dass sie jetzt so ruhig an diesem Tisch saß.

Als letztes betrachtete sie Melinda, die sich mit Kiran beriet welches Gericht sie essen sollte. Sie hatte blonde Haare, das Gesicht eines Engels und ein sonniges Gemüt das den ganzen Raum zu erhellen schien.

„Hast du keinen Hunger?“, fragte Melinda sie besorgt. „Du siehst so abwesend aus.“

Sabrina schreckte aus ihren Beobachtungen auf. „Doch schon, ich habe mir nur Gedanken gemacht.“

„Kein Wunder diese Leute vorhin waren nicht sehr nett.“, meinte Melinda. „Was hatten die überhaupt für ein Problem mit dir?“

„Unterschiedliche Ansichten über das Leben würde ich sagen.“

Sabrina verzog das Gesicht und fuhr fort. „Ich hatte sie falsch eingeschätzt.“

„Es passiert jedem Mal dass er sich verschätzt und Fehler bei der Beurteilung einer Situation macht.“, sagte Kir. „Mir ist das jedenfalls schon ein paar Mal passiert.

Sie sah ich überrascht an. „Wirklich? Du wirkst eigentlich wie jemand der die Dinge im Griff hat.“

Kiran lächelte leicht. „Schön wenn ich so wirke, aber niemand hat die Dinge je wirklich im Griff. Ich am allerwenigsten.“ Sie bemerkte einen merkwürdigen Ausdruck in seinem Gesicht, den sie allerdings nicht richtig einordnen konnte. „Wisst ihr was, fangt schon mal ohne mich an, ich gehe noch ein bisschen herum.“ Er stand auf und spazierte davon.

Sabrina sah im verblüfft hinterher und drehte sich zu Maximilian um. „Habe ich irgendetwas Falsches gesagt?“

Er schüttelte den Kopf „Nein es hat nichts mit dir zu tun, sondern mit etwas das vor ein paar Monaten passiert ist und für das er sich verantwortlich fühlt.“ Sie sah ihn fragend an, aber er winkte ab. „Nicht heute, ist auch nicht meine beste Erinnerung.“

Er warf ihr einen wissenden Blick zu und nickte mit dem Kopf in die Richtung in die Kiran verschwunden war. „Er lässt deine Gedanken nicht los, oder?“

„Ich weiß nicht.“, entgegnete Sabrina. „Aber da ist etwas an ihm, das ihn von uns unterscheidet und ich kann meinen Finger einfach nicht darauf legen, was es ist.“

„Zerbrich dir nicht den Kopf darüber. Akzeptiere es einfach.“

Maximilian lächelte sie an. „Es erspart dir eine Menge Zeit und Kopfschmerzen. Er ist anders, belass es doch einfach dabei.“

Auf ihren unzufriedenen Blick hin fügte er hinzu. „Ich kenne ihn schon seit ich fünf Jahre alt bin. Also jetzt seit gut zehn Jahren, und verstehe ihn immer noch nicht wirklich.“

„Nun gut.“, sagte Sabrina. „Aber ich komme schon noch dahinter.“

„Na dann wünsche ich dir viel Glück.“, meinte er lachend.

„Aber ich würde meine Hoffnungen nicht all zu hoch schrauben.“

„Er ist nett.“, sagte Melinda bestimmt.

Maximilian sah sie an und schüttelte überlegend den Kopf.

„Nein Meli, er ist nicht nett, oder vielleicht sollte ich eher sagen, er ist nur dir gegenüber. Er ist kein schlechter Mensch, aber nett ist er nicht.“

Sabrina sah ihn verwirrt an. „Er hat gerade eben seine Gesundheit und vielleicht auch sein Leben aufs Spiel gesetzt, um einer völlig Fremden zu helfen, wie würdest du das den nennen?“

„Er hat dir geholfen, ja. Aber es war wohl mehr weil er sich dazu verpflichtet gefühlt hat und nicht aus irgendwelchen anderen Gründen. Er hat ein stark ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und er löst gerne Probleme.“

Sabrina dachte über seine Worte nach, beschoss dann aber das Thema zu wechseln. „Was ich schon die ganze Zeit fragen wollte, was ist Kiran eigentlich für ein Name?“

„Er kommt aus dem indischen. Aber wenn du jetzt wissen willst warum seine Eltern ihm den gegeben haben, muss ich dich enttäuschen, denn ich habe auch keine Ahnung. Seine Mutter hat nur einmal gesagt dass es der richtige Name für ihn ist. Aber weder er, noch seine Eltern haben irgendeine Verbindung nach Indien, also weiß ich auch nicht wie sie auf diesen Namen kamen.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Na schön, vielleicht sollte ich aufhören Fragen über ihn zu stellen. Denn das scheint mit jeder Antwort nur mehr Fragen aufzuwerfen. Reden wir doch mal über euch beide.“

„Über uns?“, fragte Maximilian. Er und Melinda sahen sich überrascht an. „Also das ist eher ungewöhnlich die meisten sind eher an Kiran interessiert.“

„Vielleicht sehe ich einfach nur mehr. Ich habe mir gedacht das die Freunde von so jemandem, wohl auch nicht gerade gewöhnlich sind.“

„Nun über uns gibt es eigentlich auch nicht viel zu erzählen.

Wir sind nicht so außergewöhnlich wie Kir es ist und auch nicht so interessant. Reden wir lieber über dich. Wohnst du hier in der Stadt oder bist du nur zu Besuch?“

„Sowohl als auch.“, auf ihren verwirrten Blick hin, fügte sie hinzu. „Im Moment wohne ich in einem Hotel. Meine Eltern haben mal wieder beschlossen umzuziehen und schauen sich hier in der Gegend nach etwas passendem um.“

„Hätten sie das nicht vielleicht schon vorher tun sollen?“, fragte Melinda.

„Hätten sie.“, antwortete Sabrina mit einem Seufzen „Aber Planung ist nicht gerade ihre Starke Seite, deswegen wohne ich im Moment hier. Und was ist mit euch?“

„Wir kommen aus einer kleinen Stadt nicht weit von hier und sind heute nur zum Spaß hier. Nun zumindest wir beide.“ Er deutete auf sich und seinen Schwester. „Kiran trifft sich später noch mit seinem Vater, er hat wohl immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben dass er mal in seine Fußstapfen tritt.“ Auf ihren Fragenden blick hin erklärte er. „Sein Vater ist Geschäftsführer eines größeren Unternehmens und er hofft das Kir mal seine Position übernimmt. Aber ich sehe das noch nicht kommen.“, fügte er kopfschüttelnd hinzu. „Es passt nicht wirklich zu ihm, sich in ein Büro zu setzen und Meetings abzuhalten. Dafür ist er ein bisschen zu Aktiv und es würde ihn vermutlich schnell langweilen. Aber sein Vater hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.“, schloss er seine Erklärung ab.

„Klingt so als würde…“ In diesem Moment schrillte eine Sirene los. Alle Besucher des Restaurants sahen sich erschrocken um.

„Was ist denn jetzt los?“, fragte Sabrina.

„Keine Ahnung.“, antwortete Maximilian „Aber es klingt nach einem Feueralarm.“ Er sah sich um. „Es sieht aber nicht so aus als würde es hier brennen. Ich schlage vor wir bleiben erstmal sitzen und warten auf eine Durchsage anstatt einfach drauflos zu rennen.“

„Ist vermutlich keine Schlechte Idee.“, stimmte Sabrina zu.

Plötzlich hörte sie Schreie von vorne kommen und sah Menschen panisch den Weg entlang rennen. „Was ist denn jetzt…“, wollte Sabrina fragen. Doch die Worte blieben ihr im Hals stecken, als mehrere Raubkatzen um die Ecke bogen. Sie betrachtete sie genauer und stellte mit Erschrecken fest das es fast ein Dutzend waren, zum Großteil Löwen aber auch zwei Tiger und die rannten direkt auf sie zu. Sie spürte einen Ruck, als Maximilian sie am Arm packte und auf die Füße zog.

„Los! Wir müssen hier raus.“, rief er und zerrte sie und seine Schwester zur Küche. Sabrina erwachte aus ihrem Schockzustand und lief mit ihm in die vorgebende Richtung, während im Restaurant Chaos ausbrach und die Leute in alle Richtungen davon stürmten. Tische wurden umgeworfen und Geschirr flog durch den Raum, als die Menschen in panischer Hast versuchten zu entkommen.

Eine weitere Gruppe versuchte genau wie sie zur Küche zu entkommen, fiel allerdings in ihrer Eile übereinander und versperrte den Weg. Während sie versuchten wieder auf die Beine zu kommen, hörte Sabrina hinter sich Schmerzensschreie, als die Raubkatzen mit Zähnen und Krallen über die Menschen herfielen. Dann sah sie, wie sich zwei der Löwen in ihre Richtung bewegten und kreischte auf. Maximilian, der versuchte den auf dem Boden liegenden wieder auf die Beine zu helfen, drehte sich bei dem Geräusch um und bemerkte die zwei Raubkatzen. Er griff sich Melinda und zerrte sie hinter sich in dem Versuch sie schützen, als er sah wie die beiden sich zum Sprung bereitmachten. Gerade als sie los springen wollten, traf die erste Katze ein Teller am Kopf und ein zweiter folgte dicht darauf, der den anderen Löwen traf.

Die beiden Tiere schüttelten überrascht den Kopf, aber die Teller die an ihnen zerbrochen waren richteten keinerlei Schaden an, so dass sie sich nach der Quelle umwandten um ihren Angreifer ins Visier zu nehmen. Sabrina schrie überrascht auf, als sie Kiran sah der auf einem Tisch stand und zwei weitere Teller bereithielt. Die Löwen sahen in an und stießen ein Brüllen aus, das keinen Zweifel an ihren Absichten aufkommen ließ. Kiran holte tief Luft und brüllte zurück und zwar so laut das er alles damit übertönte und jeder sich die Ohren zuhielt. Selbst die Raubkatzen wichen etwas zurück.

Kiran sprang von dem Tisch herunter und sah den Tieren in die Augen. Dann befahl er mit ruhiger, aber fester Stimme.

„Verschwindet.“ Sabrina sah ihn schon als Mahlzeit für die Löwen enden, da drehten sich alle Katzen einfach um und trotteten den Weg zurück den sie gekommen waren.

Sie und jeder andere warfen ihm einen völlig ungläubigen Blick zu. Sabrina bemerkte plötzlich dass sie Melinda umklammert hielt und stellte fest dass Maximilian auch sie hinter sich geschoben hatte, um sie beide mit seinem Körper zu schützen.

Kiran kam auf sie alle zu. „Seit ihr in Ordnung?“, fragte er besorgt, als er sich das Bündel aus Menschen ansah das neben ihnen auf dem Boden lag.

„Mehr oder weniger.“, antwortete Maximilian erleichtert.

„Verdammt das war knapp. Diesmal habe ich uns schon als Löwenfutter enden sehen.“

„Naja ich hatte so ein Gefühl das ihr in Schwierigkeiten seid und kam deshalb so schnell ich konnte zurück.“

„Was reden sie da eigentlich?“, rief jemand hinter ihnen plötzlich hysterisch. Sie drehten sich um und erkannten eine Zoo Arbeiterin die sich vom Boden aufrichtete. „Wie haben sie das gemacht? Wie haben sie die Löwen vertrieben? Wie haben sie das ohne einen Kratzer überstanden, wie kann es sein das wir alle noch leben, wie kann es sein…“ Kiran kniete sich vor ihr hin und verpasste ihr eine Ohrfeige. Sie verstummte sofort.

„Reisen sie sich zusammen.“, befahl er streng und deutete auf Menschen um sie herum. „Hier liegen Verletzte, um die man sich kümmern muss. Es ist im Moment nicht wichtig warum wir alle noch leben.

Diese Leute brauchen sofort Hilfe und können nicht warten.

Wenn sie helfen wollen, dann tun sie das. Aber falls nicht, dann gehen sie dorthin wo sie niemanden stören.“ Er sah sich um und richtete sich auf. „Alle mit medizinischer Ausbildung machen sich sofort an die Arbeit, der Rest macht sich anders nützlich.“

Er ging zu den nächsten die am Boden lagen und zog sie hoch und zeigte auf die Verletzten. „Los vorwärts.“ Sabrina wusste nicht ob es die Ruhe war die er ausstrahlte oder an seinem Befehlsgewohnten Ton lag, aber alle um sie herum die nicht verletzt waren, machten sich an die Arbeit. Kiran teilte sie innerhalb kürzester Zeit in Gruppen ein und verschaffte sich einen Überblick über die Verletzten. Er gab die Anweisung Krankenwagen, sowie die Polizei herzuholen und gab der Zoo Mitarbeiterin die Anweisung den Rest des Zoos zu verständigen, um mehr Helfer her zu holen und sie vor den Raubkatzen zu warnen. Innerhalb von kurzer Zeit wurden aus einer chaotischen Situation eine geordnete Anstrengung den Verletzten zu helfen.

Sabrina sah sich etwas ungläubig um, während sie gerade jemanden einen Verband um das Bein wickelte und fragte Maximilian der dasselbe bei jemand anderem machte. „Wie hat er das so schnell hingekriegt?“

„In Notfällen blüht er auf. Abgesehen davon behält er die Ruhe und das flößt den Menschen um ihn herum Vertrauen ein.

Deshalb hören sie auf ihn.“

Sie sah hinüber zu Kiran der mit ruhiger Stimme Anweisungen gab und die Verwundeten bequemer hinlegen ließ. Sie drehte sich um und sah eine Gruppe von Krankenwagen auf sie zukommen, gefolgt von Ärzten und Polizisten. Plötzlich stand Kiran neben ihr und Maximilian und bedeutete ihnen, ihm zu folgen. Sie sammelten Melinda ein, gingen durch die Küche zur Hintertür und wanderten schnell außer Sichtweite.

„Warum verschwinden wir?“, fragte Sabrina Kiran, der mit schnellen Schritten voranging.

„Diese Leute würden sicher gerne ein paar Erklärungen haben, aber das sollten wir nicht in aller Öffentlichkeit diskutieren.

Kommissar Müller kann uns später kontaktieren. Ich muss mir das alles, erst mal durch den Kopf gehen lassen.“, erklärte Kiran. „Alleine das Verhalten der Raubkatzen war schon merkwürdig genug.“

„Was genau meinst du mit merkwürdig? Löwen und Tiger sind schließlich gefährlich. Also war es keine große Überraschung das sie angegriffen haben, oder?“

„Vielleicht nicht, aber die Art und Weise wie sie es getan haben, war seltsam. Zuerst einmal sind sie zusammengeblieben, obwohl es unterschiedliche Spezies waren und zweitens haben sie die Leute auf sehr merkwürdige Weise angegriffen. Anstatt sie zu töten, schien es ihnen mehr darauf anzukommen Schaden anzurichten und das ist ein völlig atypisches Verhalten für Raubtiere. Schließlich greifen sie eigentlich nur dann an, wenn sie Hunger haben oder sich bedroht fühlen.“

„Denkst du, jemand hat das mit Absicht gemacht?“, fragte Maximilian, während er sich umsah ob ihnen jemand folgte.

„Ich wüsste nicht wie das möglich sein sollte, oder welchen Sinn es hätte, aber ich schließe es zumindest nicht völlig aus.“

„Denkst du, es hat etwas damit zu tun das die Polizei hier ihm Zoo unterwegs ist?“

„Keine Ahnung. Ich hatte Herrn Müller vorhin gefragt was sie hier im Zoo machen, aber er hat mich mit ein paar Plattitüden abgespeist. Offenbar irgendeine geheime Ermittlungssache.“

„In einem Zoo?“, fragte Sabrina verwirrt.

„Der Handel mit Exotischen Tieren boomt. Die meisten Zoo Arbeiter mach diesen Job weil sie gerne mit Tieren arbeiten, aber es gibt immer ein paar schwarze Schafe. Naja, ich schätze Herr Müller wird es uns sagen, wenn er uns besuchen kommt, um uns zu befragen.“

„Ich hatte nicht das Gefühl das er euch irgendetwas sagen wird.“, gab Sabrina zu bedenken.

„Nun, offiziell geht das natürlich nicht. Der Schein muss gewahrt werden. Aber wir hatten schon ein paar Mal mit der Polizei zu tun und als Gegenleistung für unsere Hilfe, „übersieht“ sie uns hin und wieder.“

„Abgesehen davon möchte Herr Müller sicher auch nicht in aller Öffentlichkeit darüber reden, wie du es geschafft hast ein Rudel Löwen einfach so zu vertreiben. Davon wird sicher nichts im offiziellen Bericht stehen.“, sagte Maximilian.

„Wie hast du es eigentlich geschafft sie zu vertreiben?“, fragte Sabrina, der man ihre Überraschung über das gerade vorgefallene, immer noch deutlich anhörte.

Kiran warf ihr über die Schulter einen nachdenklichen Blick zu.

„Ich weiß es nicht. Als ich diesen Löwen gegenüberstand war es so, als hätte ich eine Verbindung zu ihnen und könnte ihnen auf diese weiße klarmachen was ich von ihnen wollte. Aber ich habe keine Ahnung wie das möglich war oder woher ich das wusste.“ Er warf ihr ein schiefes Lächeln zu. „Ich schätzte das hilft nicht wirklich, oder?“ Er drehte sich wieder nach vorne und ging zusammen mit Melinda voran.

„Oh doch.“, gab Sabrina sarkastisch zurück. „Jetzt ist mir alles völlig klar.“ Sie folgte im Kopfschüttelnd und sah zu Maximilian. „Ist es in Ordnung dass ich ihn nicht wirklich verstehe?“

„Völlig in Ordnung. So geht es auch jedem anderen der mit ihm redet.“, meinte Maximilian lächelnd. Plötzlich wurde sie rot.

„Was ist den los?“, fragte er überrascht.

„Mir ist gerade eingefallen das ich mich noch nicht bei dir bedankt habe.“ Er sah sie fragend an. „Dafür dass du versucht hast mein Leben zu retten.“

„Das hätte doch jeder gemacht.“, winkte Maximilian ab, aber sie schüttelte den Kopf.

„Nein, nicht jeder. Ich glaube dein Freund hat mich zu sehr abgelenkt, aber jetzt da ich etwas mehr Zeit hatte sehe ich, das du genauso wenig gewöhnlich bist wie er.“ Auf seinen überraschten Blick hin fuhr sie fort. „Du hast in einer Gefahrensituation nicht nur die Ruhe bewahrt und sofort reagiert, sondern auch noch gleichzeitig, mich und deine Schwester beschützt. Abgesehen davon sollte ich mich nach diesem Tag eigentlich ziemlich schlecht fühlen. Zuerst werde ich von Leuten die ich als Freunde bezeichnet hätte beinahe verprügelt und anschließend fast von Löwen gefressen. Doch in deiner Gegenwart fühle ich mich einfach entspannt und glücklich. Ich frage mich warum wohl?“ Sie sah zu ihm auf und wurde überrascht, als er sich hinunterbeugte und sie küsste.

„Entschuldige bitte, es ist einfach so über mich gekommen…“

Er wurde unterbrochen, als sie ihn zu sich zog und den Kuss erwiderte.

„Also das habe ich jetzt nicht kommen sehen.“, meinte Kiran, der mit Melinda stehengeblieben war. „Dieser Tag steckt jetzt schon voller Überraschungen und dabei ist noch nicht mal Mittag.“

Sabrina löste sich von Maximilian und fragte. „Sieht euer Leben eigentlich immer so aus?“

Kiran und Maximilian sahen sich an und Kiran antwortete. „In letzter Zeit immer öfter.“ Er zeigte auf den Ausgang, den sie inzwischen fast erreicht hatten. „Wie wäre es, wenn wir uns woanders was zu essen suchen und es für den Rest des Tages ein bisschen ruhiger angehen lassen?“

„Das Wäre gar nicht so übel.“, stimmte Maximilian ihm zu. Er drehte sich zu Sabrina um und fragte. „Willst du mit uns kommen?“

„Ja.“, antwortete sie ohne zu zögern. „Warum eigentlich nicht.“

Gegenwart

„Also das war ein Tag denn man so schnell nicht vergisst, nicht wahr.“, meinte Maximilian während er mit Genuss anfing sein Eis zu verspeisen, das inzwischen eingetroffen war.

„Aber du verstehst doch was ich meine, oder?“, fragte Sabrina angespannt.

„Natürlich verstehe ich es. Aber er ist nun mal wie er ist und ich hab es dir ja schon damals gesagt. Wenn du versuchst in zu verstehen, führt das nur zu Kopfschmerzen. Abgesehen davon kommt er wieder her, wir sollten also vielleicht das Thema wechseln.“ Kiran kam zurück und betrachtete seinen inzwischen gelieferten Eisbecher.

„Das sieht wirklich nach einem Unfall aus.“

„Setzt dich hin und iss deinen Eisbecher.“, wies ihn Maximilian an. „Und wie sieht es aus? Hast du einen Job gefunden?“

Kiran schüttelte den Kopf und antwortete. „Er hat mir einige Angebote gemacht aber keins davon hat mich wirklich interessiert. Wie wäre es wenn wir uns beeilen und hier wieder herauskommen.“

Sabrina sah ihn spöttisch an. „Zu normal für dich, oder stört es dich nur das hier alles so ruhig ist?“

„Sehr witzig Sabrina, aber nein. Ich habe meiner Mutter nur versprochen das ich ihr zuhause etwas helfe und allmählich müsste ich mal los.“ Er überlegte kurz. „Warum kommt ihr zwei nicht mit? Meine Mutter freut sich immer euch zu sehen.“

„Warum eigentlich nicht.“, stimmte Maximilian mit einem Blick zu Sabrina, die zustimmend nickte. „Wir haben heute sowieso nichts mehr zu tun.“

„Na dann essen wir zu Ende und sehen zu das wir los kommen.“, sagte Kiran und sie machten sich alle über ihr Eis her.

2. Enthüllungen auf einer Brücke

Kiran verließ das Café dicht gefolgt von Sabrina und Maximilian und machte sich mit ihnen auf den Weg nach Hause. Als er draußen war sah er sich um und betrachtete misstrauisch die belebte Straße. Wie üblich reihten sich unterschiedliche Läden aneinander. Die Geschäftsstraße der Stadt war zwar nicht allzu groß, aber es herrschte viel betrieb.

„Was ist los Kir?“, fragte Maximilian.

„Ich habe mal wieder so ein Gefühl, du weißt schon welches.“, antwortete Kiran, während er weiter alles im Auge behielt und sich langsam auf den Weg machte.

„Na spitze.“, meinte Sabrina. „Wisst ihr was, wie wäre es wenn du doch alleine gehst und wir am besten in die entgegengesetzte Richtung laufen.“

„Dein Vertrauen in mich rührt mich zu Tränen.“, gab Kiran ironisch zurück.

„Ich finde nur dass wir den Großteil unseres Glücks in den letzten drei Jahren aufgebraucht haben.“

„Ach komm schon, beim vorletzten Mal haben wir immerhin einen Schatz gefunden.“, warf Maximilian ein.

„Und wurden dabei die ganze Zeit von einer Antiquitäten-Mafia verfolgt und beinahe getötet.“

„Gut zugegeben, aber es hat auch Spaß gemacht, oder findet ihr nicht?“, gab Kir zu bedenken.

„Spaß?“, fragte Sabrina ungläubig. „Das war deine Vorstellung von Spaß? Von acht Leuten mit Pistolen durch den Wald gejagt zu werden ist nicht das, was ich unter Spaß verstehe!“

„Ach komm schon. Gefahr ist doch die Würze des Lebens.“, sagte er und ging fröhlich pfeifend weiter voran. Sabrina ging zusammen mit Maximilian kopfschüttelnd hinter ihm her.

„Weist du, ich weiß wirklich nicht wer hier verrückter ist. Er weil er in die Gefahr rennt, oder wir, weil wir ihm hinein folgen. Was ist?“, fragte sie auf Maximilians amüsierten Blick.

„Warum siehst du mich so an?“

„Nun ich dachte nur gerade wie sehr du dich geändert hast, dass du inzwischen an sein Gefühl glaubst und sogar davon ausgehst das wir gleich wieder in Gefahr sind.“

„Nun nach drei Jahren mit euch beiden, bin ich zumindest bereit einzuräumen dass seine Intuition erstaunlich gut ist. Auch wenn ich immer noch keine Ahnung habe, wie er das eigentlich macht!“

Maximilian zuckte mit den Schultern und meinte. „Er doch auch nicht. Trotzdem gehen wir ihm hinterher und folgen ihm in die Gefahr.“

„Und genau das ist das Problem irgendwann werden wir nicht mehr rauskommen und was dann?“

„Das sind die Worte deiner Mutter und nicht deine.“

„Und wenn schon?“

Maximilian verzog das Gesicht. „Nichts für ungut Sabrina aber deine Eltern waren von unserer Freundschaft noch nie sonderlich begeistert.“

„Sie machen sich Sorgen um mich.“

„Sie verstehen dich nicht, Sabrina. Das hier ist das richtige Leben für dich. Gefahr, Abenteuer und Aufregung. Das ist es was du bist.“

„Ich schätzte du hast schon irgendwo Recht.“, meinte Sabrina nach kurzem Zögern. „Wenn wir in Gefahr sind, bin ich aufgeregt und fühle mich richtig lebendig. Aber hinterher frage ich mich häufig ob das wirklich vernünftig ist, was wir tun und wie lange das noch gutgeht.“

„Wieder höre ich deine Mutter. Weißt du Sabrina, ich glaube das Problem das du hast ist, das du diese Seite von dir einfach nicht akzeptieren willst.“

„Ich will Ärztin werden Max. Ich sollte das nicht so genießen.

Verletzungen, Tod und Gefahr sollten Dinge sein die ich bekämpfe und nicht solche nach denen ich suche.“ Sabrina verzog das Gesicht zu einem zynischen Lächeln. „Da rede ich die ganze Zeit davon dass ich Kir nicht verstehe, aber was mich angeht bin ich nicht viel besser.“

„Sieh es positiv. Du hast genug Zeit es herauszufinden.“, meinte Maximilian und zog sie liebevoll an sich.

Kiran ging den beiden anderen voraus. Alle seine Sinne waren geschärft. Er spürte in sich das Gefühl das bald etwas Bedeutendes passieren würde und machte sich bereit. Er wusste nicht woher dieses Gefühl kam, aber er hatte schon vor Jahren aufgehört es in Frage zu stellen. Nebenher lauschte er der Unterhaltung seiner beiden Freunde und Unruhe breitete sich ihn im aus. Er musste zugeben dass Sabrina, bzw. ihre Mutter, nicht Unrecht hatten. Vor allen die Sache mit dem Römerschatz den sie vor sechs Monaten gefunden hatten war schon verdammt knapp ausgegangen. Er hatte es damals gerade noch so geschafft Maximilian zur Seite zu stoßen, um ihn vor mehreren Kugeln zu retten, die ihn ansonsten durchlöchert hätten. Zum Glück hatten dann die Waffen ihrer Angreifer nicht mehr funktioniert, aber es war wirklich sehr knapp gewesen.

Und es konnte sich immer noch keiner erklären, warum die Pistolen alle zur gleichen Zeit aufgehört hatten zu funktionieren. So viel Glück auf einmal gab es einfach nicht.

Kiran schüttelte den Kopf und rief sich im Stillen zur Ordnung.

Er sollte sich weniger auf die Vergangenheit und mehr auf die Gegenwart konzentrieren. Schließlich spürte er immer noch diese Unruhe in sich, die auf kommende Schwierigkeiten hindeutete. Sie gingen weiter durch die Geschäftsstraße auf die Brücke zu, die die Innenstadt mit dem Villenviertel verband und machten sich daran sie zu überqueren.

In der Mitte der Brücke blieb Kiran stehen und sah sich suchend um. Sein Gefühl schien ihm zu sagen dass hier gleich etwas passieren würde. Er drehte sich zu seinen Freunden um und fragte. „Seht ihr hier irgendetwas Ungewöhnliches? Ich weiß nicht warum, aber mein Gefühl ist hier am stärksten.“ Sabrina und Maximilian ließen beide den Blick schweifen und betrachteten genau die vorbeieilenden Fußgänger und Autos, konnten aber nichts Ungewöhnliches erkennen.

Sabrina sah Kir fragend an. „Bist du sicher dass du dich nicht irrst? Für mich sieht hier alles völlig normal aus.“

Kir ließ weiter den Blick schweifen konnte aber auch nichts erkennen, dass das schlechte Gefühl das er hatte, in irgendeiner Weise rechtfertigen würde. Er sah sich abschließend noch einmal um, erkannte aber immer noch keine Gefahr und machte sich daran weiterzugehen. „Ich verstehe das nicht.“, meinte er verwirrt. „Bisher lag ich damit doch noch nie fal…“ In diesem Augenblick gab es einen lauten Knall. Die drei Freunde drehten sich in die Richtung des Geräusches und sahen wie bei einem Auto das an ihnen vorbeifuhr der Reifen platzte und es in die Gegenfahrbahn abschmierte und dabei ein entgegenkommendes Auto seitlich so traf, dass dieses anstatt weiter geradeaus zu fahren, plötzlich auf die drei Freunde zuhielt.

Für Kiran schien sich die Zeit plötzlich zu verlangsamen. Er sah das Auto langsam auf sich zukommen und es war als würden sich die Leute um ihn herum nur noch im Schneckentempo bewegen. Es war nicht das erste Mal das er so etwas erlebte.

Aber wie so viele andere seiner Fähigkeiten, hatte er sie nie in Frage gestellt, denn sie war in Gefahrensituationen sehr nützlich. Nur dieses Mal wurde ihm beinahe sofort klar dass es nicht reichen würde, um sich und seine Freunde zu retten. Sie konnten nirgendwohin. Auf der einen Seite der Brücke ging es steile fünfundzwanzig Meter hinunter und auf die Straße würden sie es nie schaffen bevor das Auto sie erwischte. In dem Moment wurde im klar, das Sabrina recht gehabt hatte mit ihm.

Er hatte sich selbst und seine Freunde in eine Situation gebracht, aus der sie nicht mehr herauskamen. Trotz allem rannte er auf sie zu, um ihnen irgendwie zu helfen.

Da war es als würde sich in ihm eine Tür öffnen und eine Kraft und Klarheit strömte durch ihn, wie er es noch nie erlebt hatte.

Ihm war als wäre er zum ersten Mal in seinem Leben wirklich aufgewacht und würde die Welt nun endlich klar sehen. Er fühlte alles um sich herum. Plötzlich war die ganze Welt um ihn herum in Farben getaucht und er spürte eine gewaltige Kraft ihn sich. Ohne nachzudenken nahm er diese Kraft und stieß Maximilian und Sabrina über das Auto hinweg ohne sie auch nur berühren. In einem hinteren Winkel seines Verstandes wunderte er sich darüber, dass sich alles immer noch so langsam bewegte. Bei seinen Früheren Erfahrungen mit diesem Zeitlupeneffekt, hatte er immer nur so lange angehalten, bis er selbst angefangen hatte sich zu bewegen.

„Nein.“, dachte er plötzlich in einem merkwürdigen Umkehrschluss. „Es ist nicht so dass die Welt sich langsamer bewegt, sondern ich bin schneller geworden.“

Das Auto bewegte sich aus seiner Sicht so langsam auf ihn zu, das ein leichtes war auf die Kühlerhaube zu springen und von dort auf das Autodach. In dem Moment krachte das Auto in das Brückengeländer und das hintere Teil hob sich so, dass Kiran sich mit einem Salto nach hinten in Sicherheit bringen wollte.

Doch er unterschätzte seine neue Kraft und Geschwindigkeit.

So dass er anstatt wie geplant, elegant auf dem Brückengeländer zu landen, er darüber segelte und hinunterstürzte.

Er fiel wie ein Stein, doch noch immer spürte er diese Kraft in sich und ohne genau zu wissen was er tat, benutzte er sie um seinen Absturz zu bremsen. Als er auf dem Boden landete, war es für ihn als wäre er nur eine Treppenstufe hinuntergesprungen und nicht gerade eben fünfundzwanzig Meter in die Tiefe gestürzt. Er sah nach oben und erkannte gerade noch wie das Auto das ihn beinahe erwischt hatte wieder auf den Hinterreifen landete, ohne im hinterher zu stürzen. In dem Moment bewegte sich die Welt wieder in normaler Geschwindigkeit und die starken Sinneseindrücke die ihn eben noch überschwemmt hatten, wurden schwächer. Auch die Macht die er in seinem inneren gespürt hatte verringerte sich ohne aber ganz zu verblassen. Sowohl sie, als auch seine neue Wahrnehmung blieben in Reichweite ohne ganz zu verschwinden. Die Tür die er im inneren Gespürt hatte schloss sich nicht mehr und Kiran hatte das unbestimmte Gefühl, das sie das auch nie mehr tun würde.

Er sah an sich herunter und noch einmal hinauf zur Brücke.

„Was zum Teufel ist hier gerade passiert?!“, fragte er sich laut.

Dann schaltete sich jedoch sein übliches klares Denken wieder ein, das ihm sagte, dass ihn in dieser Situation besser keiner fand. Denn jegliche Form von Erklärung würde schwierig werden. Er begab sich unter die Brücke, sodass ihn niemand von oben sehen konnte und machte sich auf die Suche nach Maximilian und Sabrina. Er dachte bei sich, dass das sicher eine interessante Unterhaltung werden dürfte, wenn er seinen Freunden erklären wollte was hier gerade passiert war.

Natürlich würde er es dafür erst einmal selbst verstehen müssen und er hatte keine Ahnung was er eigentlich gerade gemacht hatte.

Maximilian öffnete die Augen und richtete sich benommen auf.

Als erstes sah er sich nach Sabrina um, während er versuchte zu verstehen was gerade passiert war. Er bemerkte dass sie offenbar unverletzt neben ihm lag und sich ebenfalls langsam aufrichtete, wobei sie einen verwirrten Eindruck machte. Da spürte er plötzlich Hände, die ihm beim Aufstehen halfen und er nahm plötzlich die Leute wahr, die mit besorgten Mienen um sie herum standen. „Alles in Ordnung bei ihnen?“, fragte ein Mann, der ihm beim Aufstehen half. Maximilian sah an sich herunter und klopfte sich vorsichtig ab während er ein paar vorsichtige Schritte machte. Zu seiner Überraschung stellte er fest dass ihm überhaupt nichts weh tat und er sich gut bewegen konnte. Er sah zu Sabrina hinüber, die einen ähnlich erstaunten Eindruck machte, als sie, offenbar schmerzfrei, aufstand und sich bewegte.

„Was ist passiert?“, fragte sie „Ich erinnere mich bloß noch dass ein Auto auf uns zugekommen ist und dann wurden wir irgendwie aus dem Weg gestoßen. Oder?“

„Ich weiß nicht was passiert ist.“, sagte einer ihrer Helfer.

„Aber sie wurden von niemandem aus dem Weg gestoßen, denn abgesehen von ihnen ist niemand hier.“ Sabrina und Maximilian sahen sich überrascht an.

„Sind sie sicher?“ fragte er „Da war noch jemand bei uns. Ein junger Mann, dunkle Haare, 1,80 groß und dunkel gekleidet.

Wo ist er?“ Ihre Helfer sahen sich verwirrt an. Der Mann der Maximilian beim Aufstehen geholfen hatte deute auf das Autowrack und sagte. „Sehen sie selbst abgesehen von ihnen ist hier niemand.“ Sie sahen sich den Unfall genauer an, aber nichts deutete darauf hin das Kiran hier war. Die Schnauze des Autos war zusammengefaltet wie ein zerdrückter Plastikbecher und der Fahrer war trotz der Airbags, in schlechten Zustand als ihn die Leute herausholten. Er murmelte vor sich hin. „Da waren Leute, ich habe sie überfahren, einer ist gefallen ganz bestimmt…“

Ihr Helfer schüttelte auf ihren fragenden Blick hin den Kopf.

„Wir haben schon über das Geländer nach unten geschaut, aber da ist niemand. Zwei Leute sind sogar nach unten gegangen aber sie haben nichts gefunden.“

„Wie lange waren wir eigentlich weg?“, fragte Sabrina.

„Nur ein paar Minuten. Ihr hattet verdammtes Glück, nach so einem Sturz würden die meisten nicht einfach wieder aufstehen und herum spazieren.“ Sabrina warf Maximilian einen fragenden Blick zu, aber er schüttelte den Kopf, um ihr deutlich zu machen dass sie das Thema nicht weiterverfolgen sollte.

Er wandte sich zu den Leuten um sie herum zu und sagte lächelnd. „Der Sturz war wohl härter als gedacht, deswegen sind wir noch ein bisschen neben der Spur. Entschuldigen sie bitte die Verwirrung.“ Er zeigte auf das andere Ende der Brücke. „Ich glaube es ist besser wenn wir uns da drüben hinsetzen und ein bisschen Ausruhen.“ Er machte Sabrina unauffällig ein Zeichen mit der Hand und fuhr fort. „Meine Freundin muss sich etwas hinsetzen und von dem Schock erholen.“

„Jetzt da du es sagst, ich fühle mich ein bisschen wackelig auf den Beinen.“, spielte sie mit und hing sich bei ihm ein, so als brauchte sie ihn um gerade laufen zu können.

„Vermutlich war das Ganze ein bisschen viel.“, meinte eine Frau die ebenfalls geholfen hatte, sie wieder auf die Beine zu stellen. „Da drüben ist eine Bank, da könnt ihr euch ausruhen und auf den Notarzt warten.“

„Danke.“, gab Maximilian zurück und zog Sabrina fürsorglich an sich, während sie sich betont an ihm festhielt.

Gemeinsam gingen sie die Brücke entlang. Sabrina wartete bis sie außer Hörweite waren, dann flüsterte sie ihm zu. „Nicht das ich etwas dagegen habe von dir in den Arm genommen zu werden, aber könntest du mir jetzt vielleicht erklären was das Theater soll. Wir müssen Kir finden und sollten nicht schauspielern.“

Maximilian schüttelte den Kopf und flüsterte zurück. „Wir müssen Kir nicht suchen, er wartet eine Straße weiter auf uns.“

Auf ihren ungläubigen Blick hin, fügte er hinzu. „Als du mit den Leuten geredet hast habe ich ihn dort drüben gesehen.“, er wies auf die Kreuzung nach der Brücke. „Er hat mir die Zeichen für Geheimnis, Ruhe und unauffällig verschwinden gegeben, also machen wir jetzt genau das.“

„Wie ist er dahin gekommen? Das Auto hätte ihn voll erwischen müssen. Selbst für ihn müsste es unmöglich gewesen sein, einfach so davon zu spazieren. Wie hat er das gemacht?“

„Ich weiß nicht wie er das geschafft hat, aber ich habe so eine Ahnung das wir es bald erfahren werden. Wir sollten uns aber erstmal hinsetzen und dann in einem guten Augenblick verschwinden.“

„Na gut.“, stimmte sie zu. „Aber nur um das gleich klarzustellen, diesmal will ich ein paar klare Antworten von ihm, verstanden!“

„Glaub mir, da bist du nicht die einzige.“ Sie warteten bis sich die Aufmerksamkeit aller von ihnen abwandte und schlüpften schnell über die Kreuzung um sich wieder mit Kiran zu treffen.