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Eine seltsame blaue Eidechse brachte dem Buschmann Dhudusi einen geheimnisvollen Funkelstein. Er will ihn dem Leisen Fluss zurückbringen, denn nur so können der Frieden im Flussdelta erhalten bleiben und die Tiere vor den 'Blassen Menschen' beschützt werden. Während sich Dhudusi auf den Weg macht, ahnen die Elefantenkinder Shana und Fleut Weißschuh noch nichts davon, welche Abenteuer ihnen bevorstehen. Auch Purtzl, der geheime Freund der Kindermenschen, ist zum großen Fest der Tiere eingeladen.
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Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2015
Klaus J. Ploner
PURTZL-GESCHICHTEN
AM LEISEN FLUSS DER SPRECHENDEN TIERE
Zum Autor:
Klaus J. Ploner, Jahrgang 1964, schreibt und veröffentlicht seit 2005 Geschichten,
in die seine Erfahrungen als Viel- und Weitgereister sowie seine Fantasie einfließen.
Er lebt in Innsbruck und ist Vater von drei Kindern.
Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile sowie alle darin enthaltenen Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Impressum:
© 2015 Klaus J. Ploner
Autor: Klaus J. Ploner
www.purtzl.at
Bilder: Christian C. Haider
unter Verwendung von Bildern von C. C. Haider
Lektorat: Kathrine Bader
Verlag: tredition, Hamburg
www.tredition.de/buchblog
‚Im Andenken an C. C. Haider,
einen großartigen Künstler und Freund‘
Dir lieber Christian!
Danke, geschätzter Freund,
für Deine Zeichnungen, sie wurden ihrer
Bestimmung übergeben. Und wir haben unser Ziel erreicht – unser gemeinsames Buch ist vollbracht! Ich bin mir sicher, dass du es siehst, und es wird vielen Kindermenschen Freude bereiten.
In Verbundenheit und Erinnerung,
Klaus J. Ploner
Inhalt
Purtzl – Geschichten
In Acamis-Stadt auf Thahotoma
Die blaue Eidechse
Shana und Fleut-Weißschuh
Ein seltsames Wesen
Der Schatz des Flaschenbauchbaumes
Die große Versammlung
Trommelgeister
Fremde Löwen
Kein Platz für Fremde
Starke Tiere, leichter Zauber
Hoch am Himmel … tief im Fluss
Das schrägste Spektakel der Welt
Dhudusis Botschaft
In Thahotoma
Purtzl–Geschichten
Ich heiße Pepe und erzähle euch eine Geschichte von Purtzl, auch SEA genannt.
Dieses Wesen ist der geheime Freund vieler Kinder und auch all jener, in denen das Kind lebendig ist!
Es spricht die Sprachen der Tiere und Pflanzen und erlebt wunderbare Abenteuer mit allen.
Purtzl ist der Geist und die Seele von Thahotoma, einer fliegenden Insel, auf der seine Freunde – die Kindermenschen – wohnen. Dort können ihn alle Lebewesen in ihren Tag- und Nachtträumen besuchen.
Vor einiger Zeit fragte ich Purtzl, warum er wie ein Wölkchen aussieht, und er antwortete mir:
„Damit ich eine Gestalt habe und ihr mich alle sehen könnt!
Und eine Wolke zu sein, ist auch sehr praktisch, denn ich kann mich in alles verwandeln, was mir Spaß macht …
AM LEISEN FLUSS DER SPRECHENDEN TIERE
In Acamis-Stadt auf Thahotoma
He Pepe!“, rüttle ich mich selbst wach. – Ich lehne am Stehpult im Denksalon und wäre beinahe eingenickt, dabei ist es taghell. Durch die offene Türe zum großen Marmorbalkon höre ich Stimmen heraufsäuseln, die mich hinauslocken. Schläfrig schaue ich vom Balkon hinunter auf den Vierten Platz von Acamis. Fast alle Sitze in den Lauschhütten sind bereits belegt. Diese mit Leinen bespannten, hölzernen Gerüste dienen den Kindermenschen als Schutz bei schlechtem Wetter. So kann man gemütlich den Geschichten der Erzähler lauschen, ohne nass zu werden. Der Regen – so muss man wissen – kann auf Thahotoma urplötzlich beginnen, aber ebenso schnell wieder vergehen. Der Vierte Platz hat auch den Namen Geschichtenerzählplatz, und bei besonderen Anlässen wird, so wie an diesem Tag auch, eine zusätzliche kleine Bühne, genau unter dem Marmorbalkon aufgebaut. Hinter der Plattform befindet sich die große, kunstvoll mit Schnitzereien verzierte Eingangstüre. Es ist das Haus von Jacques dem Wanderer, auch Geschichtenerzähler und Myzelienmeister. Jacques hat schon sein ganzes Leben hier in Thahotoma, unserer fliegenden Heimat, verbracht. Die Erde bereist er nur hin und wieder, wenn er von Purtzl gerufen wird. Vor einiger Zeit brachte mir einer seiner geheimnisvollen Myzelienkolosse eine typische Jacques-Nachricht:
„Denkzettel, Notizen, Afrika, Riesenpilz.
‚Über- wichtig’!!!
Komme sicher zum Geschichtentag!
Stelle dich hochoffiziell als Schreiberling und Bibliotheksmeister vor.
Schreibzeug nicht vergessen, mein Freund, bringe Arbeit für dich mit!“
Jacques‘ Kommen hat sich offensichtlich, als sogenannter „Geheimtipp“, sofort auf der ganzen Insel verbreitet. Daher überrascht es mich nicht sonderlich, dass so viele Kindermenschen in großer Erwartung herbeigeströmt sind. Jacques hat mehrere Talente, aber ganz besonders freue ich mich auf seine echt krassen Grimassen während seiner Erzählungen, die bereits als sein schauspielerisches Markenzeichen in die Geschichte Thahotomas eingegangen sind.
Da geht ein Raunen durch das Publikum – Jacques tritt aus dem Schatten des Ziegeltorbogens, dem Durchgang hinüber zum Dritten Platz von Acamis. Mit seinem unverkennbaren gelben Schirm, spaziert er gemütlich zur Bühne unter mir. Dort in der Mitte steht sein mit feinen Schnitzereien verzierter Holzstuhl. Er schließt seinen Schirm, öffnet den Mantel, schiebt den Hut nach hinten und ruft: „Ha, … endlich wieder zuhause!“
Sofort ertönt tosender Beifall. Er hebt seine Hand und zeigt völlig unerwartet zu mir herauf.
Waren es eben noch so etwas wie Schmetterlinge in meinem Bauch, so wandeln sich diese augenblicklich zu pochenden Flugsauriern, die mein Herz bis in den Hals schlagen lassen. Das Einzige, was mir noch über die Lippen kommt, ist: „Hi … freut mich Leute.“ Dabei winke ich verlegen mit wahrscheinlich knallrotem Gesicht auf den Platz hinunter.
„Das ist unser lieber Peponcho. So wie ich das einschätze, wird er als Geschichtenschreiber berühmt werden. Und außerdem bringt er endlich Ordnung in unsere Bibliothek! He, Peponcho, mein Freund, setz‘ dich zu mir und notiere gleich mit!“
› Super‹, denke ich mir, ›das habe ich gerade noch gebraucht!‹ Und laut antworte ich: „Ach, mein Freund Jacques, ich höre dich auch von hier oben gut genug.“
„Ok, war nur so eine Idee“, kommt von ihm gelassen zurück. Dann wühlt er in seinen Taschen. Ein Lächeln bewegt seinen überdimensionalen Zwirbelschnurrbart, und er hebt dabei einen seiner berühmten Denkzettel in die Höhe. Die steigende Spannung lässt es mucksmäuschenstill werden. Mit dem verschnörkelten Griff seines Schirms klopft er heftig auf den Bühnenboden. Eisenschwer hallt der dumpfe Knall wie ein Beben über den Platz.
„Der Wurzelgriff“, ruft Jacques, „erschafft Pilz-Myzel-Wesen!“
