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...Wussten Sie, dass die Kommunikation zu evtl. anderen Intelligenzen, selbst in unserer Galaxie sehr lange dauern würde? Die Entfernungen sind so weit, dass eine Nachricht selbst mit Lichtgeschwindigkeit mehrere Jahrzehnte für den hin- und Rückweg bräuchte...! Aber es gibt vielleicht eine Lösung für dieses Kommunikationsproblem... In dem ebook "QuantumX" wird über solch eine Entdeckung berichtet.... Lest selbst... Der junge Physiker, Jan Schuster, erfährt in seinem ersten Job zufällig von dem wahrscheinlich wichtigsten Fund in der Menschheitsgeschichte. Sein erster Auftrag, als Repräsentant eines Hightechunternehmens, führt ihn auf eine überraschende Reise zu einem Forschungsinstitut auf den Kanarischen Inseln. Auf La Palma erwartet ihn die erstaunliche Entdeckung.
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Seitenzahl: 226
Veröffentlichungsjahr: 2013
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D. Sawer, S. Sawer
QuantumX
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Anmerkung
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Epilog
Impressum neobooks
QuantumX
Erstveröffentlichung
1. Auflage 19.10.2013
Urheberrechte:
Sandra Kingma-Sawer
Dominik Sawer
Alle Rechte vorbehalten
Alle in dieser Geschichte vorkommenden Personen, Ereignisse und Handlungen sind frei erfunden.
Einige beschriebene Schauplätze existieren wirklich, sind aber der Handlung der Geschichte angepasst oder entspringen der Fantasie.
Ebenso beruhen die beschriebenen physikalischen Phänomene auf Tatsachen, sind jedoch für den Verlauf der Geschichte fiktiv erweitert worden.
„Wir müssen noch einmal hoch, um die Spektrometer zu prüfen“, beschloss der jüngere der beiden Kollegen. Er schaute hinauf in die Kuppel und war sichtlich nervös. Die Zeit rannte ihm davon. In drei Tagen war Eröffnung und alles musste funktionieren. Die ganze Welt würde vielleicht dabei zusehen. Diese Empfangsdaten konnten einfach nicht stimmen. Das Messergebnis machte keinen Sinn.
Seit fast zwei Jahren war er hier angestellt und hatte sich an so einigen Mitarbeitern vorbeigearbeitet. Mit Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsgefühl für seine Arbeit hatte sich der junge Physiker bei seinen Kollegen und Vorgesetzten bereits etabliert.
Seinem Kollegen Stefan ging das allerdings gehörig auf die Nerven. Er war schon zwei Jahre länger in diesem Institut beschäftigt und hatte auf seinem Gebiet nicht einmal annähernd so viel Anerkennung erlangt. Von der Unterstützung, die sein Kollege genoss, konnte er nur träumen. Das fuchste ihn, denn er tat viel, um beruflich voranzukommen.
Er empfand seinen asiatischen Kollegen manchmal als übergenau und heute kam er ihm fast pedantisch vor. Wahrscheinlich wollte der „Herr Physiker“ ihn einfach nur ärgern und seinen wohlverdienten Feierabend in unerreichbare Ferne bringen. Unermüdlich kommandierte er Stefan herum und ließ ihn schwitzen. Stefan aber konnte keinen Fehler finden. Er schraubte nun schon seit Stunden herum, führte Messungen durch und wechselte Bauteile aus. Die Messdaten, die sie erhielten, waren seiner Meinung nach eindeutig im toleranten Bereich.
Stefan verstand dieses übertriebene Getue seines Kollegen nicht. Er sah keinen Grund, hier noch länger Zeit und Mühe aufzubringen. Für ihn lief alles problemlos. Er war Techniker und konnte sicher beurteilen, ob irgendwo technische Mängel vorlagen oder nicht. Hinzu kam, dass sein Kollege ihm nicht vorgesetzt war, aber so tat, und aus Stefans Sicht den Vorarbeiter mimte. Er hatte für heute die Nase gestrichen voll von diesem asiatischen Streber, Kaito Miyoshi, dessen Namen er kaum aussprechen konnte. Gestern schon hatten sie die Spektrometer genau überprüft und keine Fehler feststellen können. Heute sollte er alles aufs Neue prüfen. Er fragte sich, welche Gründe sein Kollege hatte?
Stefan war aufgefallen, dass sein Kollege sich im Laufe des Tages immer seltsamer verhielt. Was wollte er vor ihm verbergen? Miyoshi kam ihm geheimnistuerisch vor, was ihn misstrauisch machte. Warum sprach dieser Emporkömmling nicht offen? Schließlich versuchte Stefan hier bestmögliche Arbeit abzuliefern.
Sie sprachen beide in vernünftigem Ton miteinander, man konnte jedoch merken, dass die Situation und die Gemüter angespannt waren. Sie prüften also nochmals die Spektrometer und erhielten die gleichen Ergebnisse wie am Vortag.
Zeitverschwendung, dachte Stefan, ein ganzer Vormittag war dabei draufgegangen. Er fragte sich, wie sein Kollege das wohl der Chefetage erklären wollte?
Kaito Miyoshi jedoch war mit den Daten überhaupt nicht einverstanden. Je öfter sich der Physiker das Testprotokoll ansah, je weniger Sinn machte es für ihn.
Er sah auf und starrte gedankenverloren ins Leere, dann sah er die Daten auf dem Bildschirm erneut durch bis er bemerkte, dass Stefan ihn skeptisch ansah. Er richtete sich auf und klappte den Bildschirm ein. Wenn die Daten das waren, was er dachte, dann sollte nichts an die große Glocke gelangen, bevor er nicht alles genau ausgewertet hatte. Das würde allerdings ein paar Tage warten müssen, da die Eröffnungsfeierlichkeiten unmittelbar bevorstanden. Falls er sich mit seinen Vermutungen irrte, war es besser, erst einmal Niemandem von diesen seltsamen Ergebnissen zu berichten. Nicht einmal sein Kollege Stefan sollte etwas davon mitbekommen. Also bestätigte er die Richtigkeit der Messungen und erklärte die Überprüfungsarbeiten für abgeschlossen.
Das war Stefan nun doch zu voreilig. Die Messergebnisse waren auf einmal bestens?
Was hatte sein Kollege herausgefunden, das er für sich behalten wollte? Die Anlage war auf dem neuesten Stand und alles war mehr als einmal überprüft worden. Hatte Miyoshi einen Fehler daran bemerkt und wollte die Lorbeeren für sich alleine behalten?
Das würde zu ihm passen. Sicherheitshalber druckte Stefan sich unbemerkt ein Testprotokoll aus.
Was muss man nicht alles erdulden, um einen neuen Job zu behalten. Dieses Ersthelferseminar, auf das man mich geschickt hatte, war das langweiligste aller Seminare überhaupt. Dabei war ich mittlerweile an Seminare gewöhnt. Mir wurde nahegelegt, diese Ersthelferausbildung zu absolvieren, um noch besser für meinen neuen Job gerüstet zu sein.
Ich saß nun schon einige Stunden in diesem Schulungsraum und es kam mir vor, als wären es Tage. Außer einem Ja, das ich von mir gab als ich meinen Namen, Jan Schuster, bei der Überprüfung der Anwesenheitsliste hörte, hatte ich an diesem Tag noch nichts Wesentliches zum Schulungsgeschehen beigetragen.
Von meinem Platz aus hatte ich einen guten Überblick über die anderen Kursteilnehmer, die an U-förmig angeordneten Tischen saßen. Es schien eine Regel bei der Zusammensetzung von Gruppen zu geben, überlegte ich, als meine Konzentration für das Kursgeschehen wieder einmal ausgesetzt hatte. Ich schaute in die Runde. Wie immer waren ein paar hübsche Frauen dabei, was mir gleich auffiel. Eine war weniger attraktiv und eine andere machte einen mütterlichen Eindruck.
Direkt gegenüber der Seminarleiterin saß ein ständig dazwischenredender Typ, der immer wieder die Aufmerksamkeit der Gruppe auf sich zog, indem er der Seminarleiterin wissend vorwegnahm, was sie wahrscheinlich gerade sagen wollte. Er folgte dem Geschehen hochkonzentriert, nickte ab und an auffällig, und stellte eine Menge Fragen.
Gegenüber von meinem Platz saß ein Typ, der die Aufmerksamkeit der weiblichen Teilnehmer auf sich zog. Er sah offensichtlich super aus und war äußerst redegewandt.
Daneben gab es auch den Kumpeltyp am rechten Ende des gegenüberstehenden Tisches. Er nahm immer wieder Blickkontakt auf, lächelte, und machte ab und zu ein Witzchen.
Ein oder zwei Teilnehmer sagten den ganzen Tag über gar nichts und taten, als wären sie überhaupt nicht anwesend. Der Rest der Gruppe war normal.
Ich wurde müde. Ich wollte nun endlich gehen und Feierabend machen. Wir hatten heute, glaube ich, alle möglichen Arten von Verletzungen behandelt. Dabei wurde beispielsweise darauf eingegangen, was zu tun ist, wenn einem Freund zufällig bei einem Mountainbikeunfall mitten im Gebirge der Finger abgerissen würde. Das wusste ich nun. Nach etlichen Vorführungen und Fragen hatte ich schließlich das Ende des ersten Lehrtages vor Augen. Der Musterschüler des Kurses stellte jedoch noch die Frage, ob er den automatischen Defibrillator noch einmal ausprobieren dürfe, um ganz sicher im Umgang damit zu sein. Mir wollte der Kopf auf die Tischplatte fallen. Ich konnte mich gerade noch davon abhalten.
In diesem Augenblick rettete die Kursleiterin die Gruppe und beschloss, die Schulung für heute zu beenden. Sie antwortete bestimmt und freundlich, sie hätte dies bereits demonstriert und versicherte, dass der automatische Defibrillator so konstruiert sei, dass er für jeden einfach zu bedienen und quasi idiotensicher wäre. Daraufhin wünschte sie uns noch einen angenehmen Rest des Tages und verabschiedete sich bis zum nächsten Morgen.
*
Den ganzen Tag über hatte ich immer wieder versucht, der kurvenreichen Blonden in die hübschen blauen Augen zu sehen und ihr ein Lächeln abzugewinnen. Leider schien sie das nicht sonderlich zu interessieren. Stattdessen hatte sie immer wieder zu diesem Lackaffen hinüber gelächelt, der mir gegenüber saß. Mir war aufgefallen, dass die beiden sich in der Pause schon angeregt unterhalten hatten. Morgen, nahm ich mir vor, würde ich es bei der Brünetten versuchen. Vielleicht hatte sie mehr Interesse für meine Flirtversuche, hoffte ich jedenfalls.
Ich fand meine eigene Erscheinung eigentlich ganz passabel, obwohl mir bewusst war, dass ich schon lange nicht mehr beim Friseur war. Meine dunklen Haare waren schon so lang, dass sie sich bereits in mein Gesicht kräuselten. Außerdem hatte ich es heute nicht mehr geschafft, mich zu rasieren. Aber ich bin recht groß, relativ sportlich und ein eher zurückhaltender Typ. Nun ja, meine Beiträge an diesem Tag waren eher halbwegs amüsant gewesen. Obwohl ich selbst ziemlich über meine Idee gelacht hatte, in einen Schuh zu atmen, wenn man beginnt zu hyperventilieren und gerade keine Tüte dabei hat.
Ich war überzeugt davon, dass Frauen eine Antenne dafür haben, wie man mit ihnen redet. Man müsste genauso quatschen können, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wie dieser Labertyp von gegenüber. Ich dagegen hatte verbal nicht immer etwas an der richtigen Stelle parat, womit ich meine Gesprächspartnerinnen beeindrucken konnte. Dieser Lackaffe jedoch schien das gut drauf zu haben, mit Erfolg, wie man sah.
„Wow, das gleiche habe ich auch gerade gedacht“, sagte er zu der Blonden und war dabei etwas lauter geworden, so dass ich den Gesprächsfetzen mitbekam. So ein Schauspieler, dachte ich genervt.
„Hey, wie heißt du noch mal?“, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als ich von der Seite angesprochen wurde. Ich schaute überrascht auf. Es war der Kumpeltyp, einer der Teilnehmer, den ich heute Morgen schon vor Beginn des Kurses kennengelernt hatte.
Als wir alle noch in der Eingangshalle standen und auf die Kursleiterin warteten, kam er zielstrebig auf mich zugesteuert und verwickelte mich in ein kurzes Gespräch. Er hielt mich nun wahrscheinlich für einen neuen Freund.
„Ich heiße Jan, das habe ich dir doch heute Morgen schon gesagt“, erwähnte ich gleichgültig.
„Ich wollte ja auch nur noch einmal deinen Nachnamen wissen“, hakte er nach. Das hatten wir auch schon, dachte ich.
„Schuster! Jan Schuster!“, ich wunderte mich. Er wiederum nannte mir seinen Namen erst auf mein höfliches Nachfragen hin. Er stellte sich mit Franky vor.
Franky, ich konnte nicht glauben, dass es sein richtiger Name war, aber es interessierte mich auch nicht wirklich.
Er war blond, groß und mir fiel auf, dass er sehr kräftig gebaut war. Irgendwie war er mir unsymphatisch, aber dieser Eindruck drängt sich mir bei recht vielen Menschen auf.
„Wieso fragst du?“, wollte ich wissen.
„Weil ich glaube, dass ich dich irgendwoher kenne“, antwortete er.
„Ja stimmt, wir kennen uns schon seit einer Ewigkeit, und zwar genau seit heute Morgen. Das ist verdammt lange, bei diesem aufregenden Kurs hier!“, kam es aus mir heraus.
„Also ich finde es hochinteressant hier, heute. Außerdem glaube ich, die Blonde da drüben flirtet die ganze Zeit mit mir!“, verkündete Franky stolz.
„Träum weiter, die hat doch nur Augen für diesen Lackaffen neben sich. Warum machst du eigentlich diesen Kurs hier mit?“, fragte ich.
„Einfach so! Ich frische meine Erste-Hilfe-Kenntnisse jedes Jahr auf.“
So einer war das. Der war tatsächlich freiwillig hier. Mir fiel meine Frage wieder ein: Woher kannte der mich?
Ich hatte in letzter Zeit jede Menge Leute in meinem neuen Job kennengelernt, vielleicht kannte er mich daher, oder aber auch von früher aus der Uni? Vielleicht schuldete ich ihm noch Geld? Oder hatte ich mal was mit seiner Schwester? Nein! Bestimmt nicht, wenn die so aussah wie er! Mir kam er jedenfalls überhaupt nicht bekannt vor.
„Da, schon wieder! Sie hat mich eindeutig angeschaut“, flüsterte Franky mir ins Ohr.
„Ja“, hauchte ich zurück, „hinter dir hängt eine große Uhr an der Wand! Da starrt sie die ganze Zeit hin.“
Franky drehte sich um und schaute ein wenig dümmlich auf die Uhr. „Oh“, sagte er, „es ist ja schon so spät? Der Tag ging wirklich schnell um.“
Ich schaute ihn schräg an.
„Jetzt sag doch mal“, fragte ich, „woher glaubst du, mich zu kennen?“
„Ich weiß es nicht“, antwortete er, „warst du hier auf der Uni? Wir sind doch ungefähr im gleichen Alter.“
„Das könnte sein, ich hab dort ziemlich lange studiert“, antwortete ich. „Und du?“, hakte ich nach.
„Ja, ich war auch kurz auf der Uni und habe Philosophie studiert“, antwortete er.
„Dann kennen wir uns vielleicht von der Uni. Ich habe erst Anfang des Jahres meinen Abschluss gemacht“, sagte ich. „Was machst du denn beruflich?“, fügte ich hinzu.
„Ich gehe nicht arbeiten, dafür habe ich keine Zeit.“
Jetzt schaute ich wohl etwas dumm aus der Wäsche. Ich bemerkte, wie mir der Mund offenstand, als Franky fragte, „Was machst du denn am nächsten Wochenende?“
Einige Kursteilnehmer verfolgten mittlerweile unsere Unterhaltung. Die Gruppe hatte sich noch nicht aufgelöst, die meisten unterhielten sich noch oder packten zusammen. Ich glaubte zu sehen, dass einer der stilleren Kursteilnehmer, neidisch zu uns rüberschaute.
Genaugenommen hatte ich am Wochenende nichts Besonderes vor. Ich hatte zuerst überlegt am Samstag noch in die Firma zu fahren, das aber schnell verworfen. Am Samstag stieg eine kleine Feier bei Kathy, da wollte ich hin. Ich hatte zwar keine Chancen bei ihr, aber Kathy und ich waren gut befreundet und kannten uns schon ewig. Jedenfalls waren ihre Partys immer gut, sie sah gut aus und trug meistens kurze Klamotten. Aber was ging das Franky an, dem würde ich das sicher nicht erzählen.
„Am Wochenende gehe ich immer zu meiner kranken Mutter und helfe ihr hier und da ein wenig“, log ich. Heute war erst Mittwoch, das Wochenende lag noch in unerreichbarer Ferne.
„Aha, na dann bis morgen“, sagte Franky noch, nahm seine Jacke und verschwand in Richtung Ausgang.
Ich hatte nicht mitbekommen, dass sich bereits alle gleichzeitig in einer Traube an der Tür drängelten, um den Raum zu verlassen. Ich wartete, bis der Stau sich aufgelöst hatte, und ging dann stressfrei aus dem Gebäude. Natürlich würde ich nicht zu meiner Mutter fahren, obwohl ich das mal wieder tun sollte. Ich fuhr an diesem Tag auch nicht mehr in die Firma, sondern direkt nach Hause.
Ich genoss es, während der zwei Kurstage nichts mit der Firma und meinen neuen Aufgaben dort zu tun zu haben. Das war fast wie ein kleiner Urlaub.
Ich holte mir ein kühles Bier aus dem Kühlschrank und fläzte mich entspannt vor den Fernseher. Ich dachte an morgen und war gespannt auf den nächsten und auch letzten Erste-Hilfe-Kurstag, an dem ich mit der netten Brünetten flirten würde. Ich hoffte darauf, dass die Kursleiterin das Seminar morgen vorzeitig beendete. Dabei würde vielleicht ein schöner freier Nachmittag herausspringen.
*
Es war wieder soweit, seit zwei Stunden saß ich neben Franky und versuchte dem Kurs etwas Positives abzugewinnen. Erfolglos.
Mein Kopf fühlte sich an, als wäre er überfahren worden, so wie bei den armen Beispielopfern, die man uns per Overhead-Projektor zur Anschauung vorführte.
Die nette Brünette hatte mir morgens direkt zu Anfang des Kurses schon Hoffnung geschenkt. Sie fragte nach mehreren kleinen Pflastern für ihre Finger. Sofort überkam mich mein Beschützerinstinkt, und ich half der Kursleiterin, die Pflaster zu besorgen.
Entgegen meiner Erwartung klebte sie sich die kleinen Pflaster allerdings nicht auf irgendwelche Wunden, sondern befestigte damit ihre abgebrochenen, künstlichen Fingernägel. Als nächstes fragte sie, ob wir heute etwas früher Schluss machen könnten, da sie noch einen Termin wahrnehmen wolle. Die Kursleiterin überlegte nicht lange, da sie augenscheinlich auch nur wenig Lust auf einen langen Kurstag verspürte, und stimmte schnell zu.
Sofort nahm Tina, so hieß die Brünette, wie ich nebenbei erfuhr, ihr Handy und telefonierte lautstark vor der ganzen Gruppe, „Ja, hi, Tina hier. Sag mal, hast du heute so um halb fünf vielleicht Zeit für meine Nägel? Die fallen mir schon so komisch ab.“ Meine Lust auf flirten war auf einmal irgendwie verflogen.
Vielleicht nicht ganz, denn ich bemerkte, wie der redefreudige Lackaffe sich angeregt mit einem Kursteilnehmer unterhielt. Er hatte eine Flirtpause bei der Blonden eingelegt. Sie war also kurzzeitig unbequatscht. Ich versuchte es noch einmal mit meinem Charme, aber sie ignorierte mich fortwährend.
Also begnügte ich mich daraufhin vor lauter Langeweile mit Franky, der an diesem Tag verspätet den Raum betreten und sich direkt freundschaftlich neben mich gesetzt hatte. Da ich keinen besseren Kandidaten für mein kurzfristiges Kontaktbedürfnis fand, fragte ich ihn ein wenig gelangweilt, aber aus tiefstem Herzen ehrlich,
„Sag mal Franky, schämst du dich eigentlich nicht? So als Kurz-mal-auf-der-Uni-Philosophie-Student auf Kosten von steuerzahlenden Bürgern dein Leben nutzlos als arbeitsloser Schnorrer zu verbringen?“ Ich blickte ihn fragend an und bemerkte dabei, dass seine Gesichtsfarbe sich alarmierend veränderte. „Wie kommst du denn darauf? Nur weil ich nicht arbeiten brauche, glaubst du, ich bin ein arbeitsloser Schnorrer?“, entrüstete sich Franky in meine Richtung.
„Nun ja, es macht eben den Eindruck. Ist es denn nicht so?“, entgegnete ich unbeeindruckt.
„Du glaubst bestimmt, dass ich hier aus Langeweile sitze, stimmt’s? Pass auf, meine Eltern waren echt gut im Aktiengeschäft und haben mir dadurch alles ermöglichen können, was man sich mit Geld leisten kann. Nur sie selbst sind mir nicht erhalten geblieben, da ihr Porsche leider zu schnell war und nicht mehr rechtzeitig zum Stehen kam, als das Stauende auf einmal da war. Ich war damals erst fünfzehn, als ich sie verlor.“
Ich starrte ihn wohl mit offenem Mund an, was ihn dazu ermunterte, wirkungsvoll noch einen draufzulegen.
„Und seitdem versuche ich den Menschen zu helfen, mit meinem Engagement und einer kleinen Stiftung, deren Fortbestand ich zu sichern versuche.“
Oh, da war ich mit meiner Einschätzung wohl etwas voreilig gewesen. Eine kurze Zeit schämte ich mich ein bisschen für meine Taktlosigkeit. – Ach was, vielleicht war es auch nur weichgespülte Herumlaberei. Er war nicht nur aufdringlich, sondern jetzt auch noch ein Weltverbesserer. Rührend.
„Sorry, tut mir leid“, sagte ich, mehr fiel mir dazu nicht ein. Ich nahm mir vor, es mit jeglicher Kontaktaufnahme für den Rest des Kurses bleibenzulassen.
Das Resümee der letzten zwei Tage war: Keine neue Freundin und der neuste Kumpel ist auch schon wieder vergrault.
„Hey, ist nicht so schlimm, Mann. Mach nicht so ein Gesicht. Es passiert mir öfter, dass man mich falsch einschätzt. Ich will nur nicht, dass jeder sofort merkt, dass ich reich bin. Was machst du denn so beruflich?“, fragte mich Franky.
Ich betrachtete Franky von der Seite. So, wie er sich kleidete und gab, sah er eher aus wie ein nachlässiger armer Schlucker, und nicht wie ein reicher Schnösel mit dramatischer Lebensgeschichte.
„Ich habe Physik studiert und direkt meinen Doktor hintendran gehangen“, antwortete ich fein ehrlich, obwohl mir seine Story immer noch als eher erfunden erschien. Aber ich machte mir nichts daraus und erzählte weiter, „Jetzt habe ich vor kurzem meinen ersten Job gefunden.“
„Doktor in Physik? So siehst du aber auch nicht gerade aus! Wobei deine Frisur schon an Einstein erinnert! Wo jobbt man denn so als Physikdoktor?“
Mist, ich muss unbedingt zum Friseur, dachte ich und antwortete, „Hm, eigentlich wollte ich jetzt endlich mal praktisch werden und das Gelernte irgendwie anwenden, als Entwickler in der Industrie oder so etwas in der Art. Aber jetzt hat mich die Firma, in der ich arbeite, erst einmal als Außendienstmitarbeiter eingestellt.“
„Und welche Firma ist das?“, fragte Franky interessiert dazwischen.
Es war ein großes Hightechunternehmen, aber ich hatte nun wirklich keine Lust, ihm Einzelheiten zu erzählen. Was wollte der von mir? Ich erzählte also stur und so langweilig wie möglich weiter, ohne auf seine Unterbrechung einzugehen. „Wir prüfen im Auftrag unserer Kunden noch einmal deren Entwicklungen. Ziemlich verantwortungsvoll, denn erst wenn wir das OK für sehr kostspielige Produktionen, wie zum Beispiel Neuerungen in der Autoindustrie, oder Ähnliches gegeben haben, gehen diese in die Produktion. Außerdem haben wir eine Hightech-Entwicklungsabteilung, die ausschließlich für die Forschung arbeitet.“
Franky hörte mir sehr aufmerksam zu. Er sagte nichts und schaute mich interessiert an, als erwartete er, dass ich unser Gespräch weiter fortsetzen würde. Ich empfand es als aufdringlich und hatte keine Lust zu einer Fortsetzung. Ich schaute ihn nur kurz an und richtete meine Aufmerksamkeit wieder der Kursleiterin zu.
Kurze Zeit später fragte er mich noch, ob er mich nach dem Kurs auf ein Bier einladen dürfe. Ich ignorierte es und tat, als hätte ich seine Frage nicht mitbekommen, was ihn sichtlich enttäuschte. Es kümmerte mich jedoch nicht, und ich tat so, als würde ich konzentriert dem Seminarverlauf folgen. Das Gespräch über meine Tätigkeit erinnerte mich sofort wieder an meinen Job. Eigentlich prüfte oder entwickelte ich überhaupt nichts. Ich war an keinem der vielen Projekte unserer Firma direkt beteiligt. Ich war sozusagen ein Botschafter oder Vertreter dieses Unternehmens. So hatte ich mir meine Tätigkeit eigentlich nicht vorgestellt.
„Du wolltest doch auch damit aufhören, Ramon“, flehte sie ihn an.
„Ich weiß. Nur noch dieses eine Mal, bitte Carmen. Du willst das hier alles doch auch nicht aufgeben?“
Sie hielten sich in der Küche ihres Bungalows auf. In der Doppelgarage parkte sein weißer BMW X6 und ihr Audi A3 Cabrio in himmelblau-metallic.
„Nein, natürlich nicht. Aber ich kann nicht länger mit dieser Angst und den Schuldgefühlen leben“, antwortete sie frustriert.
Ramon war ein hochgewachsener, südländisch wirkender Typ im mittleren Alter. Er erzählte gerne, dass er spanischer oder italienischer Herkunft sei, je nach Situation und wie es passte. Dabei war er Deutscher mit polnischen Wurzeln und hieß in Wirklichkeit Roman.
Er verdiente sein Geld mit kriminellen Aufträgen, die er hin und wieder ausführte. Sein Onkel hatte ihn schon sehr früh ‚angelernt’. Durch ihn hatte Ramon im Laufe der Zeit viele wichtige Kontakte für sein zwielichtiges ‚Geschäft‘ knüpfen können.
Aufgrund seiner kriminellen Machenschaften kam er in den Genuss, ein ausschweifendes Leben zu führen. Wenn es finanzielle Engpässe gab, war es für ihn recht einfach, sich immer wieder Geld bei einem seiner Auftraggeber zu „günstigen Zinsen“ zu leihen. Er lebte gut damit, kam viel herum, kannte unzählige Leute, die viel auf sich hielten, und war ein gern gesehener Gast auf deren Partys. Auf einer dieser Partys hatte er vor ein paar Jahren Carmen kennengelernt.
Carmen war immer schon eine Lebefrau. Der Sinn stand ihr nach Spaß und Vergnügen. Sie war außergewöhnlich hübsch und sexy. Sie war groß, langbeinig, schlank und hatte langes blondes Haar, dass ihr in Wellen über den Rücken fiel.
Gerne hätte sie einen Job als Model oder Schauspielerin gehabt. Aber alle Jobangebote führten in die falsche Richtung. Von ihren erfolglosen Versuchen, Berühmtheit zu erlangen, ließ sie sich nicht beirren. Allein durch ihr Äußeres bekam sie Zutritt zu jeder Art von Promi-Party. Dort lernte sie genug reiche Männer kennen. Warum sollte sie sich weiter um die Jobsuche kümmern, wenn es reiche Männer gab, die ihr auch so ein angenehmes Leben bieten konnten. Sie hatte sich daran gewöhnt, das süße Accessoire an der Seite von irgendwelchen gutbetuchten Typen zu sein. Als sie Ramon kennenlernte, war es jedoch anders. Lange schon hatte sie sich nicht mehr so ernstgenommen gefühlt.
„Das verstehe ich ja“, versuchte Ramon sie zu besänftigen. „Ich habe den Auftrag aber schon angenommen. Wie du weißt, stehe ich immer noch bei Marek in der Kreide. Außerdem bezahlt der Typ uns nicht schlecht.“
„Aber ist es dann wirklich das letzte Mal? Ich such’ mir auch wieder einen Job“, entgegnete sie.
„Nein das will ich nicht. Du musst nicht arbeiten gehen. Du bist viel zu schön dafür.“
„Hör auf, mir zu schmeicheln. Ich mach nur noch dieses eine Mal mit“, antwortete sie in einem endgültigen Ton.
„Ok, unser Flug geht morgen. Die Yacht habe ich schon gemietet.“
„Oh, eine Yacht?“, fragte Carmen, nun doch neugierig geworden. „Wohin geht es denn?“
„Wir machen sozusagen ein paar Tage Yachturlaub und sind Sonntagabend wieder zurück.“, antwortete Ramon.
Das erfüllte sie nun doch mit Freude. „Und um was geht es diesmal?“, fragte sie weiter.
„Nichts Besonderes. Wir machen nur ein paar Besorgungen.“
„Und für wen?“
„Ich erzähl dir unterwegs alles. Lass uns jetzt mit den Vorbereitungen anfangen“, damit beendete Ramon das Gespräch.
Ramon nutzte Carmen aus. Er benutzte ihre Schönheit und ihren Reiz auf Männer. Er schickte sie vor, und sie schlüpfte für ihn in die verschiedensten Rollen, um Vorteile für ihn zu verschaffen, zu locken oder abzulenken. Es war sehr einfach für beide, damit durchzukommen. Meistens ging es um die Beschaffung von Informationen, Daten, Plänen, Fotografien, um alle möglichen Geheimnisse, an die man auf normalem Wege nicht herankam.
Carmen machte ihre Sache sehr gut. Sie konnte einfach jeden Mann um den Finger wickeln. Ihr selbst gefiel ihre Aufgabe jedoch nicht. Sie war immer sehr aufgeregt und nervös. Im Nachhinein waren die Aufträge zwar in der Regel einfacher abgelaufen, als sie gedacht hatte, aber sie tat es eigentlich nur für Ramon. Sie liebte ihn wirklich.
Ramon bereitete alles mit sehr viel Bedacht vor und minimierte mögliche Gefahren auf das Geringste. Er wollte auf keinen Fall noch einmal in den Knast, denn er hatte früher schon einmal das Vergnügen. Während seine Kumpel damals ihre Volljährigkeit genossen, hatte er für ein paar Schlägereien und Raubüberfälle einige Zeit hinter Gittern verbracht. Das hatte ihm gereicht.
Fast zwei Jahre ging es mit den Beiden schon so. Er hatte Carmen damals spielerisch eingearbeitet. Die Idee, sie als Lockvogel zu benutzen, kam ihm sofort, als er sie das erste Mal sah. Ihr bereitete es anfangs Spaß. Sie fühlte sich bestätigt und hatte eine Aufgabe. Aber mittlerweile wurde es ihr zu viel. Auch bemerkte sie Ramons zunehmend angespannte Strenge und Zielstrebigkeit. Ihr wurde es immer unbehaglicher. Mittlerweile war ihr klar, dass ihnen die Sache aus den Händen glitt. Natürlich fühlte sie sich von Ramon umsorgt, was ihr gefiel. Er sprach nur selten von Geldsorgen und sie lebten ausgesprochen gut.
Ramon hatte sich aber während seiner Beziehung mit Carmen viel Geld zusätzlich geliehen. Die Aufträge gingen insgesamt zurück. Es wurde zunehmend schwerer, die guten Zeiten aufrechtzuerhalten. Jetzt stand er hoch in der Schuld seines Auftraggebers Marek.
