Rafael, Theo, Laurent - Peter Wipfler - E-Book

Rafael, Theo, Laurent E-Book

Peter Wipfler

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Beschreibung

Das Leben der Erwachsenen aus der Sicht der Kinder. 3 Buben, Rafael, Theo, Laurent, erzählen über den ganz normalen Wahnsinn eines Großfamilienlebens.

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Seitenzahl: 160

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

VORWORT

KAPITEL 1

Eins, drei, fünf

Haunspergstraße 33

Kindergarten Sonnenschein

„Warum?“

Raffi´s Urlaub nur mit Papa und Mama

Rafael mit Papa am Spielplatz

KAPITEL 2

Theo’s Stimme aus dem Bauch

Der Partycrasher Theo

Rafael, der große Bruder, der gern wieder klein wäre

Rafael über Kinder und die Macht der Sprache

Trip nach Schweden und Rafaels unheimlicher oder unheimlich starker Freund Georg

Raffi geht in Schweden Hendl kaufen

Theo´s Gedanken zum Trip nach Schweden Rafael und Theo erzählt über die erste gemeinsame

Geburtstagsfeier in Schweden

Rafael und seine kreativen Spiele

Theo wird unterschätzt

Auszüge aus den Gute Nacht Geschichten von Papa und Mama

Die Nächte werden rauer

Rafael lebt in seiner eigenen Welt Raffi erzählt über seine Großeltern und die Urlia-Oma

Der erste Urlaub mit dem Wohnwagen

Theo und sein großes Mundwerk

Theo über unsere Katze Mia

Raffis Berufswünsche

„politcal correctness“ bei Kindern

KAPITEL 3

Rafael über die ersten Tage von Laurent

Theo und die Zutzia-Fee

Raffi über unseren Campingplatz am Wolfgangsee

Geburtstagsfeier am 6.11.2017 a Raffi wird 6 und

Theo 3

Laurent wird mobil

Theo über den Sardinien Urlaub 2018 Theo und Raffi beraten über das Geschenk für den

4. Geburtstag der Nachbarin Sophie

Raffi kommt in die Schulea erster Schultag

Raffis erstes Schuljahr

Laurent meldet sich zu Wort

Laurent erzählt über die Veränderungen in unserem Garten

Laurent feiert seinen 2. Geburtstag

Theo erzählt über den Urlaub in Caorle

Nachwort mit Interviews

Interviews mit Rafael

Interview mit 3 1/2 Jahren:

Interview mit 4 ½

Raffi a Interview mit 5 Jahren

Rafael 6 Jahre:

Rafael 7 Jahre:

Interviews mit Theo

Theo a Interview mit 3 Jahren

Theo a Interview mit 4 Jahren

Interview mit Laurent

Die 3 Taufsongs

Rafaels Taufsong:

Theo´s Taufsong

Laurents Taufsong:

VORWORT

10 Sätze die Kinder nicht hören wollen:

Ein Indianer spürt keinen Schmerz.

Bis zum Heiraten ist eh alles wieder gut.

Vom Fernsehen kriegst noch viereckige Augen.

Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie so einen Gemüseeintopf hätten.

Wenn du das Teller nicht leer isst, scheint morgen nicht die Sonne.

Von den Süßigkeiten kriegst nur schwarze Zähne.

Das Christkind sieht alles.

Vom Lügen bekommst du eine lange Nase.

Man lernt ja nicht für die Schule.

Geburtstag hat man nur einmal im Jahr.

KAPITEL 1

Man schreibt das Frühjahr 2014. Rafael ist der Erstgeborene der 3 Jungs aus der Haunspergstraße 33. Theo und Laurent sind noch nicht geboren und das Leben für Rafael ist noch vergleichsweise einfach.

Eins, drei, fünf

Hallo, ich bin Rafael, alle sagen aber Raffi zu mir. Ich bin gerade mal zweieinhalb Jahre alt geworden. Zu Mama und Papa sage ich, ich sei drei. Mit meiner Körpergröße könnte ich eigentlich als dreijähriger durchgehen, denn ich bin ja auch „drei Meter“. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es in meinem derzeitigen Zählsystem einfach keine Zwei gibt. Ich bin zurzeit eben auf Primzahlen eingestellt – nach 1 kommt 3 und dann 5. Meine Eltern zählen mir zwar immer vor, da sind 1,2,3 Ameisen auf dem Tisch (meist sind es aber deutlich mehr, da wir seit ich in dieser Wohnung wohne eine Ameisenplage haben), aber die Zwei wird einfach überbewertet. Meine Eltern sagen ja auch „Gustis“ (ist die Mehrzahl von Gustav und hat irgendetwas mit einem Freund zu tun der Gustav heißt) zu den Ameisen. Keine Ahnung warum, aber ich lass ihnen halt den Spaß und nenn sie meist auch so.

Um auf meinen Namen zurückzukommen, ich habe ihn eine ganze Weile nicht wirklich aussprechen können. Im ersten Lebensjahr habe ich einfach „du“ zu mir gesagt. Bis meine Eltern das wieder gecheckt haben, sind natürlich Tage bis Wochen vergangen. Deswegen habe ich mich wirklich bemüht meinen Namen zu lernen. Aber ich dachte anfangs, ich heiße wirklich „du“. Wenn man immer hört: „Du bist aber lieb - und was du schon alles kannst“ oder „Du bist aber groß geworden“. Na ja, irgendwann habe ich es auch gemerkt, dass ich einen echten Namen habe. Nur dieses blöde F im Namen Raffi ging anfangs nicht so leicht über die Lippen, aber Rassi verstanden sie trotzdem besser als „du“. Der Opa sagt zum Beispiel oft Herr Wipfler zu mir, den Spaß lass ich ihm auch. Der Spaß hört sich aber auf, wenn mich meine Mama „Rafael“ ruft, da ist dann schon meist dicke Luft. Letztes Mal als meine Mama „Rafael“ in den Mund nahm, war ich gerade dabei den Parkettboden mit einem Filzstift zu verzieren.

Vielleicht ist Rafael auch mein Künstlername (so wie der italienische Maler Raffael) und ich werde nur so genannt, wenn ich mich gerade künstlerisch betätige, aber meist werden meine Kunstwerke, die abseits meines Maltisches entstehen, Wandmalereien und ähnliches, sehr kritisch betrachtet. Ich würde fast sagen – respektlos gegenüber dem Künstler. Was verstehen Eltern schon von Kunst. Mein Papa kann ganz gut einen Frosch zeichnen, zumindest erkennt man ihn, aber, wenn er andere Tier versucht, lieg ich mit meinen Tipps meist weit daneben und das liegt nicht an mir. Ich bin da mehr der abstrakte Typ, der einfach Raum zur Verwirklichung braucht und so ein kleines Din A4 Blatt reicht bei weitem nicht aus.

Nochmals auf meinen Namen zurückkommen, meine Ur-Oma hat mal allen Ernstes „Ruppi“ zu mir gesagt. Aber das kann man ihr nicht übelnehmen, denn in unserer Familie kommt ja in den letzten Jahren jedes Jahr so ein kleiner Zwerg auf die Welt, wie soll man sich da noch alle Namen merken.

Wisst ihr eigentlich, warum ich Rafael heiße. Mein Papa wollte mich unbedingt nach einer aktuellen Nummer eins im Tennis benennen. 2 Wochen vor meiner Geburt war noch Roger Federer die Nummer eins und ein paar Monate danach Novak Djokovic. Puuh, da bin ich echt froh, dass zu meiner Zeit Rafael Nadal die Nummer eins war.

Haunspergstraße 33

Ich wohne derzeit in der Stadt Salzburg in einer großen Wohnung an einer sehr befahrenen Straße. Meine Eltern meinen, es wäre angenehmer an einer nicht so befahrenen Straße zu wohnen, aber ich finde es toll. Da ist immer was los, es kommt alle 10 Minuten der Bus, man sieht die neuesten Autos vorbeiflitzten, oft kommt auch die Rettung und Feuerwehr vorbei und in den letzten Wochen wird dort ständig gebaut – Bagger, Kipplaster, Walzen, Kräne – einfach ein Traum. Wir haben auch einen coolen Garten, eine kleine Wildnis, mit wilden Rosen, wildem Wein, wilden Tieren, sogar Fledermäuse kommen jeden Abend um die Gelsen über unserem Biotop abzusammeln. Einmal war mir das Gras im Garten, dann doch zu hoch. Da fragte ich Mama: „Darf ich eine Schere haben?“ Mama verdutzt: „Warum brauchst du jetzt eine Schere?“ Ich ganz selbstbewusst: „Ich will den Garten abschneiden!“ Ok, bald darauf entdeckte ich den Rasenmäher und seine Funktion. Aber unsere Wildnis hat auch einige „Schmankerl“ für mich parat gehabt.

Im letzten Jahr, zum Beispiel, habe ich in unserem Garten einige Delikatessen gefunden und gleich verspeist. Mama ekelte es und meinte ich soll die Schnecke sofort wieder ausspucken. Aber ich meinte mal gehört zu haben, dass Schnecken echte Delikatessen sind, na vielleicht hätte ich sie doch kochen sollen. Im Garten ist meist was los. Oft treffe ich dort auf unseren Nachbarshund „Ilvy“, ein weißer kleiner Terrier mit einem schwarzen Punkt auf dem Rücken. Die kleine Ilvy kann schon mal etwas ungestüm sein – hat mich schon ein paar Mal einfach umgerannt. Weil ich ja schon mitbekommen habe, dass jedes Gerät einen Knopf zum ein und ausschalten hat, habe ich versucht bei Ilvy auf den schwarzen Punkt zu drücken, um sie endlich auszuschalten – hat leider nicht funktioniert. Da muss ich wahrscheinlich warten, bis bei Ilvy der Strom ausgeht. Ich denke nur, der Flo, unser Nachbar, wird sie nachts immer wieder aufladen. Aber mittlerweile bin ich eh schon so groß, dass sie mich nicht mehr so leicht umschubst. Vorige Woche hat Mama wiedermal ein „Würsterl“ von Ilvy im Garten entdeckt und war stinksauer, dass die Nachbarn es nicht weggeräumt haben. Ilvy verrichtet immer im gleichen Eck unseres Gartens ihr Geschäft. Aber letztens bin ich ihr zuvorgekommen. Meine Eltern sind ziemlich motiviert mir die Windel abzugewöhnen. Da dachte ich mir ich versuche es mal wie die Ilvy im Garten (Ich hätte es ja auch weggeräumt). Aber meine Eltern fanden das nicht wirklich lustig und ich könne doch nicht mitten in den Garten „Scheißen“. Dabei hatte ich das gleiche Eck wie Ilvy ausgesuchtalso sicher nicht mitten in den Garten „gesch…“ – (sagt man ja laut den Erwachsenen nicht). Somit stecken meine Eltern mich jetzt immer öfter aufs Klo. Es ist mir etwas unheimlich. Ich muss auf ein dunkles Loch sitzen, in der Tiefe kann man Wasser erahnen und bei Knopfdruck reißt ein Wasserfall mit viel Krach alles mit sich. Da hatte ich anfangs schon ein bisschen Respekt und somit war da für ein ordentliches Geschäft keine richtige Entspannung vorhanden. Ich beobachtete meinen Papa genauestens. Zuerst war ich froh, wenn einer von meinen zwei Mitbewohnern (Mama oder Papa) mir das Händchen hielten, wenn ich am Klo saß - man kann ja nie wissen, wann dieser Wasserfall wieder ausbricht. Aber mittlerweile habe ich schon lieber meine Ruhe am Klo. Die letzte Konversation mit Papa vor dem ersten großen „Geschäftn.

Papa: „So, jetzt setzt dich auf die Schüssel und tu schön Gagi machen“

Ich: „Geht nicht immer“ (Hab ich letztens bei der Mama gehört - hatte damals Verstopfung)

Papa: „Na, lass dir nur Zeit und fest drücken“

Ich (nett, aber bestimmt): „Papa – raus!“

Papa: „Na, ich schau nur, ob was geht“

Ich (noch bestimmter und nicht mehr nett): „Papa- draußen warten!“

Papa (gibt auf): „Na gut, ich warte draußen“ (Papa geht raus und macht die Tür hinter sich zu)

Ich: „Hama Zeitung?“

Papa lacht: „Ja, wenn es dann leichter geht“

Ich: „Ja- so wie bei dir“

Kindergarten Sonnenschein

Unter der Woche gehe ich gern in den Kindergarten. Dieser ist bei uns gleich ums Eck. Sonnenschein heißt er und das Gebäude ist auch ganz gelb wie eine Sonne eingefärbt. Meist bringt mich meine Mama. Und als Ritual habe ich mir ausgedacht, dass sie mich immer über die Schwelle zum Kindergarten heben muss. Mittlerweile hat sie das auch gecheckt, denn wenn sie das nicht macht werde ich ganz wütend. Ist halt so ein Tick von mir, hat doch jeder seine kleinen Ticks. Anfangs hat sie gedacht es wäre der Trennungsschmerz. War es auch bei ihr, bei mir ist es halt ein Tick.

Mein bester Freund im Kindergarten ist Guillano. Ja, ja - schon richtig gelesen - Guillano, ich dachte zuerst auch er sei Italiener. Da seine Schwester Giuliana heißt - ja, ja wieder richtig gelesen Giuliana, war ich mir sicher, die sind aus Rom oder zumindest irgendwo aus dem tiefsten Italien. Aber er konnte genauso wenig italienisch wie ich. Seine Mama und sein Papa sind in Eugendorf geboren und der Papa ist Koch im Landeskrankenhaus. Wir sind dort im Kindergarten aber schon so ein richtiger „multikulti“ Haufen, die Maya ist eine Asiatin (ich glaub Japanerin), die Josephine ist Deutsche (ist aber mit ihren Eltern nach Taiwan gezogen, wo immer das ist), die Isabell kommt aus Lehen und der kleine Jakob aus Itzling. Im Kindergarten wird jedem ein Tier zugeordnet, damit er seinen Garderobenplatz findet. Ich bin der Elefant. Ich bin zwar der dünnste in der ganzen Gruppe, aber was soll´s. Mein schönster Tag war mein 2. Geburtstag im Kindergarten. Ich bekam eine Smartiestorte. Ich sage zur Mama, dass die Lisa (unserer Kindergarten Tante) mir so eine schöne Torte gebacken hat, um sie zu ärgern. Ich weiß ja, dass Lisa nicht backen und kochen kann und meine Mama die besten Smartiestorten macht, aber die Mama ärgert mich auch immer mal :-)

Eine Institution im Kindergarten sind die „Gsell-Buben“. 4 Buben, die alle Stufen von der Krabbelgruppe bis zum Kindergarten durchlaufen sind. Mit Jakob dem zweitältestem habe ich mich am besten verstanden. Er hat mir auch immer die aufregendsten Geschichten erzählt. Ich erzählte sie auch immer meinen Eltern zuhause weiter, die meist etwas ungläubig dreinschauten. „Mama, Mama. Jakob hat erzählt, dass seine Mama einmal ein falsches Benzin getankt hat und danach das Auto fliegen konnten - sie sind dann über Berlin nach Russland geflogen.“ Mama wollte nur wissen, ob sie gut angekommen sind und las weiter in der Zeitung.

„Mama, Mama. Jakob hat erzählt, dass er einen Taufpaten hat, der so groß sei, dass er bei jeder Tür den Kopf einziehen müsse, auch bei unserer.“ Mama hob nochmal den Kopf, schaute kurz auf unsere Türstöcke der Altbauwohnung, die ungefähr 2 m und 50 cm hoch sind und meinte: „Die Leute werden heutzutage auch immer größer.“

Einmal habe ich meinen Eltern erzählt, dass ich im Kindergarten gehört habe, dass mein Kindergartenfreund über Weihnachten ins Bienenland gefahren ist. Mein Papa hatte keine Ahnung, wo das sein sollte. Derzeit sprechen ja alle von dem Aussterben der Bienen, aber ich behauptete, da müsse es sehr viele Bienen geben. Mein Freund hat doch gesagt, er fährt in ein Land mit vielen Bienen. Ich sagte zu Papa, es muss irgendwo in Asien sein, denn mein Freund ist Asiate. Wir kamen der Sachen einfach nicht näher. Mein Papa, geographisch auch nicht die größte Leuchte, war schon sehr verzweifelt, weil er kein Land mit vielen Bienen kannte. Ich hatte dann die erlösende Idee und holte meinen Globus und meinen Tipptoi – Stift, der das Land nennt, wenn man darauf tippt. Ich fand das Land sofort, welches mir auch mein Freund schon am Globus gezeigte hatte und hielt den Stift darauf. Der Stift spuckte das Geheimnis dann endlich aus - „Philippinen“ surrte der Stift monoton.

„Warum?“

Kürzlich bin ich mal draufgekommen, dass ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann. Ich habe versehentlich eine Gusti (meinen Eltern zu liebe – also Ameise) am Esstisch zerdrückt. Eigentlich wollte ich sie ja vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und sie dann am Boden absetzen (Zwinkern) – der Versuch misslang. Daraufhin meine Mama ganz trocken: „Jetzt is sie hin...“. Ich antwortete ihr: „Wo is sie hin?“. Meine Eltern brachen in lautes Gelächter aus. Ich schloss daraus, das „hin“ mehrere Bedeutungen haben muss, da ich die Pointe meiner Frage nicht verstand. Na ja ich habe zwar schon zweieinhalb Jahre Erfahrung auf dem Buckel, aber alles kann ich auch nicht wissen. Zweieinhalbjährige sind sehr wissbegierig, aber müssen halt noch viel lernen. Leider sind sie zwangsläufig dabei sehr von den Erwachsenen abhängig. Mama und Papa sind da eh sehr bemüht, das muss man ihnen zu Gute halten, aber sie gehen für meine Begriffe meist zu wenig ins Detail. Deswegen habe ich mir ein kleines Wort beigebracht, bei dem sie nicht mehr aus können, und mir weitere Details zu erklären müssen. Das kleine unscheinbare Wort „Warum?“. Das Schöne an „Warum?“ ist, es gibt keine Antwort, die man nicht nochmal mit „Warum?“ hinterfragen könnte. Dies treibt die Erwachsenen oft zur Weißglut, aber man kann ja auch von der Erwachsenen mal etwas Geduld und Sitzfleisch verlangen. Den ersten Warum- Disput hatte ich mit meinem Papa über das Wetter.

Papa: „Schau, es regnet“

Ich: „Warum?“

Papa: (noch total motiviert) „Der Regen kommt da oben aus den Wolken“ (zwar nicht die Antwort auf meine Frage, aber man muss ihm anrechnen - er ist bemüht...noch)

Ich: (aber da hacke ich nochmal nach): „Warum?“

Papa: (noch immer hoch motiviert) „Schau Raffi, durch die

Sonne wird das Wasser zu Dampf, steigt dann auf und sammelt sich in einer Wolke. Wenn zu viel Wasser in der Wolke gesammelt ist, geht diese über und es regnet vom Himmel“ (klingt ganz einleuchtend – würde ich aber nochmal auf Wikipedia oder Google kontrollieren, bevor ich es in meinem Hirn als Faktum einspeichere)

Ich: (da gibt es aber noch einige Details die ich gerne wissen würde, also…) „Warum?“

Papa: (nicht mehr so motiviert) „Na ja, was heißt „warum“, weil es dann einfach vom Himmel regnet.

Ich: (das hatten wir schon, Papas Konzentration lässt schon ein bisschen nach. Um meinem „Warum“ mehr Ausdruck zu verleihen, kann ich es langziehen und das nervt dann noch ein bisschen mehr…) „Waarruuuum?“

Papa: (schon etwas genervt): „Raffi, (Papa denkt nach) die Pflanzen zum Beispiel brauchen den Regen.“ Ich: (gar nicht schlecht – nun agiert er wie ein Politiker und versucht der Frage auszuweichen, aber so leicht kommt er mir nicht davon…) „Warum?“

Papa: (hat sich ganz gut aus der brenzligen Situation heraus manövriert, denn die Frage ist wieder leicht für ihn) „Die Pflanzen brauchen den Regen zum Wachsen“

Ich: (geht doch, in dem Gespräch kann man echt noch was lernen) „Warum?“

Papa: (er presst die Lippen zusammen, ein Zeichen das er jetzt schon ungeduldig wird) „Na, die brauchen eben Wasser zum Wachsen“

Ich: (das Gespräch verflacht wieder, das ist doch keine Antwort auf meine Frage…) „Waaarrrrrrruuuuumm?“

Papa: (er beißt sich auf die Unterlippe, jetzt hat er wirklich genug) „Es ist halt so. Wenn du lesen kannst, kannst du dann alles in den „Was ist Was Büchern“ nachlesen.

Ich: (da macht er es sich wieder einfach, lasst mich dumm sterben und ich soll warten bis ich lesen kann und mir mein Wissen selbst aneignen. So nicht, lieber Papa, also ….) „Waruuuuuummmm?“

Papa: (er beißt auf die Lippen und presst beide Lippen aufeinander – das geht wirklich – nun ist er hochgradig genervt) „Aus jetzt, es scheint eh bald wieder die Sonne“

Ich: (das Gespräch hat keinen Lerneffekt mehr, ich glaube ich kann es beenden und mich wichtigeren Dingen widmen) „Gemma Schienen baun“

Papa: „Warum?“

Ich „Nix warum!!!!!!!!!“

Raffi´s Urlaub nur mit Papa und Mama

„Wir fahren nach Frankreich auf Urlaub!“, posaunte mein Papa jubelnd durch die Wohnung. Ich wusste zwar nicht was und wo das sein sollte, aber es klang gut und ich jubelte gleich mal mit. Ich bin zurzeit sehr begeisterungsfähig. Ich kann schon bei kompletten Kleinigkeiten völlig auszucken. Zum Beispiel bei meinem Zuzi (Beruhigungssauger - heißt in der Steiermark bei der Oma Zuzi, in Salzburg heißt es Titti – na, ja… Katzen heißen auch Muschi). Wenn ich es in der Wohnung finde und ich mal genüsslich dran Saugen kann, bin ich ganz „stoned“. Ich bin ein totaler Schnuller-Junkie – meine Eltern schwafelten irgendetwas von einer Schnuller-Fee, die mir eine Feuerwehr bringen sollte, aber mir dafür alle Schnuller wegnimmt. Die kann mir gestohlen bleiben, diese böse Fee, mit solchen Geschichten jagen mir meine Eltern nur mächtige Verlustängste ein. Daraufhin sagte ich immer, als Mama fragte, was ich mir von der Schnuller–Fee wünsche: „Nix, Schnuller-Fee – vom Osterhasen oder Christ- kind meinst du“ – bin doch nicht blöd, die beiden verlangen wenigstens keine Gegenleistung.

Oder wenn Mama vorschlägt in den Lehener Park auf den Spielplatz zu gehen, zucke ich aus. Ich flattere mit den Armen, hopse wie ein Pferd durch die Wohnung und brülle wie ein durchgedrehter Gockelhahn vor Begeisterung. Also Urlaub in Frankreich war Grund genug für einen mächtigen Gefühlsausbruch inklusive „Tanz der Tiere“ durch die Wohnung, denn das bedeutet sicher auch eine lange Fahrt mit unserem VW-Bus. Und ich liebe dieses Gefährt. Vor allem wenn ich auf dem Fahrersitz Busfahrer spielen darf, hört man den durchgedrehten Gockelhahn auch eine Straße weiter. Als