Ragnas Spiegel - Isabel Kirschner - E-Book

Ragnas Spiegel E-Book

Isabel Kirschner

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Beschreibung

Geprägt von den Mustern der Vergangenheit machen sich fünf Familien auf die Suche nach ihrem Herzensweg. Samuel steht seit dem Tod seiner Frau vor großen Herausforderungen mit seinen pubertierenden Kindern. Außergewöhnliche Wege wählt Monika, als ihre Tochter den Kontakt mit den Enkelkindern einschränkt. Anton hatte sich die Elternzeit mit drei Kindern entspannter vorgestellt. Die Ehekrise von Ines hat gravierende Folgen für ihre Kinder. Als die WG mit ihrem guten Freund in Gefahr gerät, erkennt Simone ihre wahren Gefühle. Der Besuch eines spirituellen Erziehungsseminars schenkt den fünf Familien Orientierung auf ihrem Weg.

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Seitenzahl: 369

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt:

Geprägt von den Mustern der Vergangenheit machen sich fünf Familien auf die Suche nach ihrem Herzensweg.

Samuel steht seit dem Tod seiner Frau vor großen Herausforderungen mit seinen pubertierenden Kindern.

Außergewöhnliche Wege wählt Monika, als ihre Tochter den Kontakt mit den Enkelkindern einschränkt.

Anton hatte sich die Elternzeit mit drei Kindern entspannter vorgestellt.

Die Ehekrise von Ines hat gravierende Folgen für ihre Kinder.

Als die WG mit ihrem guten Freund in Gefahr gerät, erkennt die alleinerziehende Simone ihre wahren Gefühle.

Der Besuch eines spirituellen Erziehungsseminars schenkt den fünf Familien Orientierung auf ihrem Weg.

Wird es ihnen gelingen, die eingefahrenen Muster zu durchbrechen

Über die Autorin:

Isabel Kirschner arbeitet seit vielen Jahren als Erzieherin und Dozentin in der Familienbildung.

Vor 25 Jahren entdeckte die Meditation sie und sie begann, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Seitdem ist es ihr ein Herzensanliegen spirituelle und pädagogische Erkenntnisse zu verbinden und Familien auf ihrem individuellen Weg zu begleiten.

Inhaltsverzeichnis

4 Monate vorher

Simone

Anton

Monika

Vier Monate später

Die Reise beginnt

Kinder sind der Samen des Lebens

Monika

Ines

Simone

Mit der Gegenwart verbunden

Monika

Ines

Monika

Simone

Ines

Das Kind kennen lernen

Monika

Monika

Anton

Ines

Samuel

Anton

Simone

Das Kind als Spiegel sehen

Monika

Ines

Simone

Ines

Monika

Die Grenzen achten

Anton

Monika

Ines

Samuel

Ines

Samuel

Simone

Kommunikation mit dem Herzen

Anton

Monika

Samuel

Ines

Gelassenheit und Ruhe in sich finden

Ines

Samuel

Simone

Das Kind stärken

Simone

Anton

Monika

Samuel

Anton

Jedes Ende ist auch ein Anfang

4 Monate vorher

Simone

„Dem Familienerbe kann man nicht entkommen. Positive Gedanken machen nur Druck. Druck, dass bei mir nichts gelingt, egal wie viel positive Energie ich aussende.“ Bitter klingen Marions Worte.

Ein altbekanntes Gefühl breitet sich in Simone aus, als würden die Worte eine Energie transportieren. Eine Energie der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Der Kloß in Simones Magen wird stärker. Sie konnte noch nie gut mit Gefühlen umgehen und hat mit ihren eigenen und denen ihrer Tochter wirklich genug zu tun. Sie könnte ihr vorwerfen, dass Marion sie das letzte Mal zu dem Seminar überredet hat. Auch wenn es ihr guttat und ihr Leben grundsätzlich verändert hat, hat Marion es ihr fast schon aufgezwungen. Früher hätte Simone Marion das sicher um die Ohren geschlagen, doch seit dem letzten Seminar sorgt sie mehr für sich und ist seitdem zufriedener geworden. Sie braucht niemanden mehr auf seine Fehler aufmerksam zu machen.

Fieberhaft sucht sie nach einem Weg, um die negative Energie von Marion zu verändern.

„Dann ist es doch gerade gut, das Seminar bei Ragna zu besuchen. Sicher gibt es dir neue Impulse. Denk doch mal an die vergangenen Seminare“, sagt Simone, krampfhaft bemüht, den genervten Ton in ihrer Stimme durch einen positiven Klang zu ersetzen.

„Was nützen Impulse, wenn ich die Veränderung nicht umsetzen kann. Du weißt genau, dass Friedrich Veränderungen hasst. Ich bin nicht so stark wie du, um meine drei Kinder alleine zu erziehen.“ Marion spuckt die Worte förmlich durch das Telefon.

Innerlich zuckt Simone zusammen. Diese Wut müsste Marion ihrem Mann entgegenbringen und nicht ihr. Immerhin ist er das Problem.

„Dann mach doch für den Spaß mit. Immerhin wollten Magda und Ines teilnehmen und Lore ist sicher auch dabei. Und ein Abend nur für dich ist doch auch nicht zu verachten“, wendet Simone ihre Überzeugungskraft bei Marion an.

„Für diesen Quatsch spielt Friedrich nicht mehr den Babysitter.“ Müde kommen die Worte aus Marions Mund. „Das hat er gesagt? Es sind doch auch seine Kinder“, empört sich Simone.

„Na ja, er ist natürlich auch müde, wenn er abends nach Hause kommt und drei Kinder sind nun mal anstrengender als ein Kind“, nimmt Marion ihn in Schutz, „ein Kind ist wie kein Kind“, hängt Marion noch dran. Ihre Stimme klingt zunehmend aggressiver.

In Simone beginnt es zu brodeln. Warum stellen es Familien mit mehreren Kindern immer so hin, als wäre ein Kind keine Arbeit? Wie oft hat sie diesen Ausspruch gehört, ein Kind ist kein Kind. Früher wäre dies der Zeitpunkt gewesen, an dem Simone das Telefonat beendet hätte. Heute weiß sie jedoch, dass Marion aus eigener Verzweiflung austeilt. Daher atmet sie tief durch und sagt mit bemüht ruhiger Stimme: „Deine Worte verletzen mich. Es macht keinen Sinn, Familien miteinander zu vergleichen. Jeder hat seine Lernaufgaben.“

Kein Ton dringt aus den Kopfhörern. Marion scheint es die Sprache genommen zu haben und das kommt selten vor.

„Bist du bei unserem Treffen im Bistro nächste Woche dabei?“, fragt Simone in die Stille.

„Ich.....weiß.....es.......nicht.“ Zornig schlagen die Worte Simone entgegen.

Dabei hat Marion sich längst entschieden, ganz sicher wird sie nicht zu dem Treffen gehen. Warum auch? Um sich die Ratschläge der anderen, um die Ohren schlagen zu lassen. Sie ist nun mal nicht so mutig wie die anderen. Sie kann ihren Mann nicht verlassen. Nein, bestätigt sie sich schnell. Sie will ihren Mann nicht verlassen, denn sie sind glücklich miteinander. Und obwohl er keine Veränderungen mag, hat er sich sehr wohl verändert. Immerhin sind sie im letzten Jahr nur zu zweit verreist, ohne die Kinder. Und nur, weil sie es angeregt hat. Vielleicht hat ihr Mann auch Recht; dieses Geschwätz, das man sich ständig entwickeln und verändern sollte. Wofür? Wenn man doch mit seinem Leben zufrieden ist? Ja, sie ist zufrieden und lässt sich von niemandem etwas anderes einreden.

„Jan versucht mich anzurufen. Da muss ich dran. Solltest du es dir anders überlegen, dann melde dich“, sagt Simone und drückt Marion weg.

Fassungslos starrt Marion das Handy an. Klar, sie hört allen zu, hat für jeden ein offenes Ohr und wenn sie jemand bräuchte, ist niemand da. Sie knallt ihr Handy auf den Tisch in der Küche.

Gedankenverloren legt Simone das Telefon zur Seite. Marion scheint gar nicht zu merken, wie ängstlich sie selbst gegenüber Veränderungen ist.

Jan, der gerade zur Haustür hereinkommt, unterbricht ihre Gedankengänge. „Ich habe Laura und Kira auf dem Spielplatz gesehen. Hatten richtig viel Spaß auf den Schaukeln."

„Dass die beiden sich gefunden haben, war ein Glückstreffer“, stellt Simone froh fest. Die Freundschaft hat Laura das verlorene Selbstvertrauen wiedergegeben, das sie nach der Feier von Silvia verloren hatte. Voller Schrecken denkt Simone an die Zeit und wie lange es dauerte, bis Laura ihr endlich die Wahrheit erzählte. Seitdem hat sich viel verändert bei ihr, genauso wie bei Laura. Sie steht gegenüber ihren Freundinnen besser für sich ein. Letzte Woche erst hat sie ihr stolz erzählt, dass Silvia mit ihr zusammen eine Kleingruppe bilden sollte. Als sie anfing, alles zu bestimmen, sagte ihr Laura, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und sie ansonsten bei der Lehrerin, um eine neue Gruppe bitten würde. Ohne zu murren, fügte Silvia sich.

Während sie ihr das erzählte, strahlten Lauras Augen und ihre eigenen wahrscheinlich genauso, so glücklich war sie, dass ihre Tochter sich ihr anvertraute.

„Kira passt viel besser zu Laura. Beide sind noch verspielt und mit ihren zwölf Jahren nicht hinter Jungs her, wie Silvia und ihre frühreifen Freundinnen“, sagt Simone, ihrer Stimme hört Jan die Erleichterung darüber an.

„Ich hätte mal wieder Lust auf einen entspannten Fernsehabend. Was meinst du? Heute Abend?“, fragt Simone und sieht Jan erwartungsvoll an.

„Heute? Heute......ist schlecht. Ich.....“, druckst Jan herum.

„Sag bloß du hast etwas vor? Du hast doch immer Zeit für uns!“ Erstaunt sieht Simone ihn an.

„Jaaaa....Ich wußte ja nicht, ....dass du heute.“ Er stockt.

„Jetzt erzähl schon. Was hast du vor?“, löchert ihn Simone und sieht ihn erwartungsvoll an. Vielleicht hat er eine Überraschung für sie geplant. Der gute Jan. Mit ihrer Frage hat sie ihm die geplante Überraschung verpatzt. Sie grinst. „Sag mal, was hast du geplant? Oder frage ich besser nicht, weil es eine Überraschung ist?“

„Na ja, du kennst doch Mirko. Er lässt einfach nicht locker, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Er hat seine Cousine zu Besuch und meint, die müsse ich unbedingt kennenlernen. Wir gehen heute Abend essen“, sagt Jan und blickt sie zerknirscht an. „Ich dachte, weil heute Abend bist du doch zuhause. Dein Malkurs war doch gestern...“, ergänzt er stotternd.

Simone fühlt sich, als hätte sie gerade einen Schlag ins Gesicht erhalten. Erst gestern hat sie die Warnung von Lore weit von sich gewiesen. ´An deiner Stelle würde ich auf Jan aufpassen. Nicht, dass er sich in jemand anderes verliebt.´ Schallend hatte Simone gelacht und siegessicher geantwortet: ´Jan ist eine ganz treue Seele. Der liebt nur mich.´ Und jetzt das.

Sie räuspert sich und bringt krächzend ein: „Viel Spaß“, hervor.

„Es ist doch in Ordnung für dich?“, fragt Jan besorgt nach, „du bist doch heute zuhause, oder?“

Stumm nickt Simone und lenkt schnell ein: „Wir machen den Fernsehabend einfach wann anders.“ Hoffentlich klingt ihre Stimme nicht so eifersüchtig, wie sie sich fühlt.

In diesem Augenblick klingelt es an der Tür. Noch nie war Simone so dankbar für eine Störung. Sofort dreht sie sich um und eilt zur Tür. Rote Wangen und strahlende Augen blicken ihr entgegen. Suchend schaut Simone in den Flur. „Wo ist Kira? Habt ihr euch gestritten?“, fragt sie Laura.

„Nein!“, sagt Laura und schüttelt den Kopf. „Wir schreiben morgen einen Aufsatz, den wollte sie mit ihrem Vater üben. Ich übe später mit Jan.“

„Jan hat heute Abend keine Zeit. Er geht ins Restaurant essen“, erklärt ihr Simone mit spitzen Ton.

Die letzten Worte hört Jan, da er den beiden entgegenkommt. Er sieht auf seine Uhr. Eine halbe Stunde bleibt ihm noch. Der spitze Ton in Simones Stimme entgeht ihm nicht. Vielleicht sollte er das Essen absagen. Doch er weiß genau, dass Mirko das nicht gelten lassen würde. Er hört förmlich seine Worte. ´Lass dir doch von Simone nicht alles gefallen, du bist doch nicht ihr Sklave.´ Mirko versteht einfach nicht, dass Simone und Laura Familie für ihn sind. Fieberhaft überlegt Jan, wie er seinen beiden Frauen gerecht werden könnte. „Wir könnten jetzt eine halbe Stunde üben“, sagt er und sieht beide, um Verständnis bittend, an.

Anton

Vorsichtig bettet Magda Mathilda in die Wiege. Sachte zieht sie ihre Hände unter ihrem Rücken hervor. Bemüht sie so wenig wie möglich zu bewegen, damit sie nicht wach wird. Mathilda ist gerade erst eingeschlafen. Ruhig geht ihr Atem. Einzig ihr Mund verzieht sich zu einem Lächeln, dann sieht es wieder aus, als beginne sie zu weinen. Magda hält die Luft an, um kein Geräusch zu erzeugen. Sie legt eine dünne Decke über Mathilda und den dicken Schlafsack, der sie umgibt. Ihr erstes Winterkind, sagt sich Magda und sieht lächelnd zu, wie sich Mathildas Mund wieder entspannt.

Nachdem Magda sich vergewissert, dass das Babyphone richtig eingestellt ist, schleicht sie aus dem Zimmer, die Treppe hinunter und ins Wohnzimmer.

Einträchtig sitzen Thomas und Emma auf dem Teppich und bauen gemeinsam ein Legohaus. Kurz überlegt Magda, ob sie dies kommentieren soll oder vielleicht sogar Thomas loben? Wie war das mit dem loben nochmal? Die Worte von Ines über das Loben gehen ihr durch den Kopf; es mache Kinder abhängig und nehme ihnen die innere Motivation. Magda schüttelt den Kopf, da hat sie doch einen guten Grund, nichts zu sagen. Außerdem stellt sie für sich fest, ist es selbstverständlich dass er sich um seine jüngere Schwester kümmert. Schließlich ist er der Große.

Zartes Klopfen an der Zimmertür holt sie aus ihren Gedanken. Ines betritt den Raum. In der Hand schleppt sie eine große Tüte. Sie stellt sie neben der Tür ab und geht mit ausgebreiteten Armen auf Magda zu. Fest umschließt sie sie. „Herzlichen Glückwunsch zu der kleinen Mathilda.“

Dann wendet sie sich an Thomas und Emma. „Herzlichen Glückwunsch auch den großen Geschwistern.“

Emma strahlt. „Ich bin nicht mehr die Kleinste.“

Ines nickt anerkennend. „Das stimmt.“ Sie geht zu ihrer Tüte und öffnet sie. Heraus holt sie eine Legopackung und reicht sie an Emma weiter. „Hier für die große Schwester.“

Mit großen Augen sieht Emma sie an und greift nach dem Päckchen. Magda sieht sie strafend an. Emma hat nur Augen für das Legopüppchen, den Legokinderwagen und das Legobaby. Mit ihren kleinen Fingern versucht sie, die Packung aufzureißen.

Magda setzt gerade an, um sie zu ermahnen, als Ines spitzbübisch sagt: „Was hatten wir nochmal im Seminar gelernt? Dass Kinder über das Vorbild lernen und Ermahnungen somit verschwendet sind?“

Empört schüttelt Magda den Kopf. „Soll das heißen, ich bedanke mich nie?!“

„Keine Ahnung“, sagt Ines und zuckt mit den Schultern. „Mir reicht als Danke jedoch die strahlenden Augen deiner Tochter. Die sind mir tausend Mal mehr wert, als ein antrainiertes Danke.“

Mit diesen Worten wendet sie sich erneut der Tüte zu. „Ist wohl besser ich ändere meine Reihenfolge. Du....“, sagt sie und dreht sich zu Thomas, „bekommst dein Geschenk gleich. Doch zuerst, tatata, eine Flasche Vitamin Trank für Magda, damit du schnell verlorene Kräfte wieder aufholst und...“ Sie kramt weiter und holt ein Päckchen hervor, „.... einen warmen Strampler für Mathilda, damit unser kleines Winterkind nicht friert.“

Erfreut nimmt Magda die beiden Geschenke entgegen und sagt zu Ines: „Das war doch nicht nötig.“

Ines lacht. „Das werte ich jetzt mal als Danke.“

Leichte Röte überzieht Magdas Gesicht.

Längst hat sich Ines wieder ihrer Tasche zugewendet. Dieses Mal zaubert sie einen viereckigen Kasten hervor und reicht ihn an Thomas weiter mit den Worten: „Wenn dir mal alles zu viel wird, kannst du dich weg zaubern.“

Mit geschickten Händen reißt Thomas den Karton auf. Zauberutensilien fallen ihm entgegen und ein kleines Buch. „Danke“, ruft er Ines zu und lässt sich auf den Boden fallen.

„Pssst“, sagt Magda und hält den Zeigefinger vor den Mund. „Wenn jetzt Mathilda wach wird....“

Schuldbewusst schlägt Thomas die Hand vor den Mund.

„.....dann war sie wahrscheinlich gerade dabei aufzuwachen“, ergänzt Ines den Satz.

Anton beobachtet die Szene von der Zimmertür. Sagenhaft wie ruhig Magda auf jede Kritik von Ines reagiert, bei ihm wäre sie längst ausgeflippt.

Ines strahlt ihn an und überreicht ihm und Magda eine Glückwunschkarte. Anton nimmt die Karte und liest den Text laut vor: „Mit der Geburt des Kindes werden auch die Eltern geboren. Ein jedes Kind verändert die Familienkonstellation. Ich wünsche euch Zeit, damit jeder seinen Platz neu finden kann und wünsche der kleinen Mathilda einen glücklichen Start hier auf Erden und in ihrer Familie.“ Er reicht die Karte an Magda weiter und nimmt Ines liebevoll in den Arm. „Danke, für deine lieben Worte.“

Sie grinst und sagt: „Sonst habe ich nichts für dich dabei, Anton. Ich dachte, dass du in Elternzeit gehst, ist Geschenk genug.“

Anton strahlt zurück. Er ist froh, dass er auf seiner neuen Arbeitsstelle als Arzt in einer Reha Klinik, diese Möglichkeit wahrnehmen kann.

„Auch wenn ich weiß, dass du alles im Griff hast, Magda, und keine Hilfe benötigst, habe ich euch einen Eintopf mitgebracht und einen Kuchen.“ Mit diesen Worten zaubert Ines eine Kuchenform hervor, die sie an Anton weiterreicht. Schnell stellt dieser ihn auf den Tisch, damit er den Topf, den Ines ihm entgegen streckt, annehmen kann. „Danke“, sagt er erfreut und bringt beides in die Küche. Stirnrunzelnd sieht Magda dem Treiben zu, unsicher ob sie diesen Überfall gut finden soll oder nicht.

Als ahne Ines ihre Gedanken fragt sie: „Hattet ihr bereits gekocht? Dann könnt ihr den Eintopf auch für morgen aufheben.“

Anton, der gerade das Wohnzimmer betritt und die letzten Worte gehört hat, schüttelt den Kopf. „Muss noch erledigt werden. Als Elternzeit-Papa, der ich bin, sobald die Mutterschutzzeit von Magda vorbei ist und da ich außerdem zur Zeit Urlaub habe, wurde mir diese Aufgabe zugewiesen.“

„Red doch keinen Quatsch...“, unterbricht Magda ihn barsch. Krampfhaft bemüht leise zu sprechen, da es im Babyphone wieder ruhig geworden ist. Dabei fällt ihr Tonfall barscher aus, als sie dies beabsichtigt hat, doch nur so ist es ihr möglich, die Tränen, die seit der Geburt ihr ständiger Begleiter sind, zu unterdrücken. Sie verabscheut diese weinerliche Art bei anderen und erst Recht bei sich selbst. „Wir hatten alle vier gemeinsam bei unserer Familiensitzung überlegt, wie wir die Arbeit aufteilen. Jeder hat seinen Part übernommen. Jetzt stell mich nicht wieder als die Böse hin.“ Ihre Stimme überschlägt sich.

Anton hebt beschwichtigend seine Hände. „Natürlich hast du wie immer Recht.“

Wut und Verzweiflung breiten sich in Magda aus, diese Aussage hätte er sich echt sparen können. Wütend funkelt sie ihn an.

Schnell lenkt Anton ein: „Du hast wirklich Recht. Das war total blöd von mir.“ Entschuldigend sieht er sie an und fährt sofort an Ines gewendet fort: „Ich bin dir auf jeden Fall dankbar, dass ich heute um das Kochen herum komme.“ Liebevoll wendet er sich Magda zu. „Dann kann ich dir woanders helfen und schon mal üben für meine Elternzeit und du kannst dich ausruhen, wenn du möchtest. Ruhe hast du dir verdient, nach der Geburt.“

Ernst sieht ihn Magda an, in sich eine große Sehnsucht nach Schlaf, Ruhe und einfach mal sich nicht kümmern. „Ich muss mich ja um Mathilda kümmern, schließlich ist sie noch sehr klein und Brust kannst du ihr keine geben“, keift sie ihn an, um dann direkt einzulenken. „Aber in den Stillpausen kannst du dich sehr gern kümmern.“

Bemüht keinen der beiden anzusehen und sich unsichtbar zu machen, starrt Ines wie hypnotisiert auf Thomas und Emma. Hoffentlich schweigen die beiden und heizen die Auseinandersetzung nicht noch mehr an.

Als erinnere sich Magda wieder an ihren Besuch, wendet sie sich an Ines. „Danke, dass du so spontan zu Thomas und Emma gekommen bist und Anton bei der Geburt dabei sein konnte.“

„Nicht der Rede wert“, sagt Ines und strahlt. „Dafür sind wir doch hier auf der Erde, um uns gegenseitig zu helfen. Wann bekomme ich jetzt endlich Mathilda zu sehen. Deshalb habe ich diesen ganzen Zauber hier veranstaltet“, sagt Ines und blickt Magda an.

Den Zeigefinger an den Lippen schleicht diese die Treppe nach oben Richtung Schlafzimmer. Ines folgt ihr ebenso leise. Verstohlen wischt Magda ihre Augen trocken und konzentriert sich unauffällig auf ihren Atem, um das Gefühlschaos in sich zu beruhigen. Leise öffnet sie die Tür. Auf Zehenspitzen schleichen sie zu der Wiege.

Verzaubert steht Ines an der Wiege. Mathilda öffnet ihre Augen, nur um sie direkt wieder zu schließen. Ihr kleiner Mund zieht eine Schippe und leises Weinen erklingt. Ines tritt zur Seite und winkt Magda herbei. „Besser du holst sie heraus. Mich kennt sie nicht und ich möchte nicht, dass sie erschrickt.“

Leise flüstert Magda mit dem Säugling, schiebt ihre Hände sanft unter den kleinen Körper, bis sie auch den Kopf zart umfassen und hebt sie vorsichtig nach oben. Sie legt sie sich in den Arm, so dass Ines sie weiter betrachten kann.

„Wird mir schwer fallen, so bald wieder arbeiten zu gehen“, stellt Magda mit einem Seufzer fest.

„Bereust du, dass Anton die Elternzeit nimmt?“, fragt Ines.

„Nicht wirklich. Auch wenn es mir schwer fällt, dich nicht zu sehen“, sagt Magda und drückt Mathilda einen zarten Kuss auf ihre Stirn. „Ich dachte in den letzten Wochen vor der Geburt schon, ich werde wahnsinnig. Und dass, obwohl ich sogar von Zuhause aus weiter gearbeitet habe, wenn auch nur wenige Stunden. Bei Anton ist sie besser aufgehoben. Er macht schon Pläne und will sogar in eine Krabbelgruppe gehen. Er hofft, dass er noch eine findet, die speziell für Väter ist.“

„Wenn er das jetzt gehört hätte, würde er sich sicher sehr freuen“, sagt Ines und hofft, dass Magda die gehörten Worte in ein Feedback für Anton umsetzt.

„Das weiß er doch. Außerdem bildet er sich sowieso schon eine Menge darauf ein, dass er Elternzeit nimmt. Dabei ist das doch nichts besonderes. Immerhin haben wir uns beide für das Kind entschieden“, erwidert Magda.

Das leise Wimmern von Mathilda schwillt an. Ines grinst und sagt: „Wie leise sie schreit.“

„Na ja, laut genug“, stellt Magda fest. Mit dem Säugling in der Hand geht sie zur Kommode und greift nach ihrem Handy. „Ich stille das kleine Krümelchen, dann komme ich mit ihr ins Wohnzimmer“, erklärt sie Ines und steuert auf den Lehnsessel zu, den sie extra für die Stillzeit ins Schlafzimmer gestellt haben. Mit routiniertem Griff entblößt sie ihre Brust und legt Mathilda an. Gierig sucht ihr kleiner Mund die Brustwarze und beginnt sofort zu trinken. Magda entsperrt mit der freien Hand ihr Handy und scrollt durch die Nachrichten.

Sehnsucht breitet sich in Ines aus. Sehnsucht an die vergangene Zeit, als sie Levi und später Malu gestillt hat. Damals konnte sie ihre Augen nicht von den saugenden Kindern abwenden. Genau wie jetzt, sie kann den Blick nicht von der trinkenden Mathilda abwenden. Wie friedlich dieses Bild ist. Mit Gewalt reißt Ines sich von dem Anblick los, nicht, dass Magda denkt, sie starre ihr auf den Busen und flüstert leise zu Magda: „Ich warte im Wohnzimmer auf euch.“

Kurz blickt Magda von ihrem Handy hoch und nickt. Vor lauter Gier verschluckt sich Mathilda und hustet. Magda liest die Nachricht fertig und freut sich; ein Gratulationsgruß von Marion, die sie bei dem Seminar ´Mehr Leichtigkeit in der Familie´ kennenlernte.

Aus dem Husten ist ein Weinen geworden, bei Mathildas verzweifeltem Versuch die Brustwarze zu finden. Magda legt ihr Handy in den Schoß. Sie legt sich Mathilda über die Schulter und streichelt sachte ihren Rücken. „Entschuldigung, ich wollte nur schnell die Nachricht lesen. Ein Glückwunsch zu deiner Geburt.“

„Der hat festgesessen“, kommentiert Magda das Bäuerchen. Mit der einen Hand befreit sie ihre andere Brust aus dem Still- BH und legt Mathilda an. Dabei rutscht das Handy aus ihrem Schoß und fällt auf den Boden. Während Mathilda saugt, streckt sich Magda nach dem Handy. Dabei zieht sie die Brustwarze in die Länge. „Au“, entweicht es Magda. Erschrocken lässt Mathilda los und beginnt zu greinen. „Ich habe es kapiert. Ich lasse das Handy liegen und bin ganz bei dir“, flüstert Magda beruhigend ihrer Tochter zu. Erneut legt sie sie zurecht, so dass sie die Brustwarze findet. Die nächsten zehn Minuten versinken die beiden in einer Einheit. Verliebt beobachtet Magda ihre Tochter und freut sich, wenn Mathildas zufälliger Blick ihre Augen trifft.

Nach einem weiteren Bäuerchen trägt Magda Mathilda vorsichtig die Treppe hinunter und ins Wohnzimmer. Als Thomas und Emma sie sehen, springen sie auf. Thomas drängt sich an Emma vorbei und stürzt auf Mathilda zu.

„Vorsicht! Thomas! Du bist doch jetzt der Große. Lass deiner Schwester den Vortritt“, schimpft Magda lauter als beabsichtigt.

Sofort stoppt Thomas ab, dreht sich um und stürmt aus dem Zimmer.

„Was ist denn jetzt los?“, fragt Magda empört ihren Mann.

„Die beiden hatten gerade verabredet, dass Thomas zuerst zu Mathilda darf“, erklärt ihr Anton.

„Das wusste ich doch nicht“, verteidigt sich Magda. „Nimm du sie. Ich gehe zu Thomas.“

Sie reicht Mathilda an Anton weiter, der sie vorsichtig in Empfang nimmt. Emma ist wie erstarrt stehen geblieben, als Thomas aus dem Raum gestürmt ist. Unsicher ob die Vereinbarung weiterhin gilt, blickt sie ihren Vater an. Er lächelt sie an, setzt sich vorsichtig mit Mathilda auf das Sofa und klopft neben sich auf den Platz. "Setz dich zu mir."

Abwartend bleibt Emma stehen. Ihr Blick wandert zu ihrer Mutter, fragend, ängstlich, um Erlaubnis bittend.

Doch Magda nimmt ihre Tochter gar nicht wahr. Ihre Augen sind auf Ines gerichtet. „Du siehst ja was hier los ist, seit Mathilda auf der Welt ist. Ich bin bei Thomas. Wir telefonieren später.“ Mit diesen Worten dreht sie sich um und eilt die Treppe nach oben. Vor seiner Tür hält sie inne, atmet durch und klopft an.

„Wer ist da?“, ertönt die genervte Stimme von Thomas.

„Ich bin es. Darf ich reinkommen?“, flüstert Magda. Die Tür öffnet sich einen Spaltbreit. Magda tritt ein. „Tut mir leid, wegen vorhin. Ich hatte Angst, dass du mich umrennst.“

„Immer schimpfst du nur mit mir“, sagt Thomas trotzig.

Magda schluckt. Sie ist jedoch auch stolz darauf, dass Thomas den Mut hat, sich zu verteidigen. Das wäre vor dem letzten Seminar noch nicht möglich gewesen. Damals hat er alles, was sie sagte, stillschweigend angenommen.

„Da muss ich wohl mehr auf mich achten, wenn du das so siehst“, lenkt Magda ein. „Wieder gut?“ Sie hält ihm ihre Hand entgegen.

Er nickt und lächelt. „Wieder gut.“

Er ergreift ihre Hand. Magda zieht ihn näher zu sich und zerzaust mit der anderen Hand seinen Haarschopf. Thomas zieht seine Hand aus ihrer und springt auf. In sicherer Entfernung zupft er seine Haare zurecht. Liebevoll sieht Magda ihm zu. Gemeinsam gehen die beiden nach unten.

Emma sitzt neben Anton und streichelt über Mathildas Kopf.

Thomas schaut sie an und sagt fordernd: „Ich darf.“

Kurz liegt Magda eine barsche Bemerkung auf der Zunge, die sie genauso wie die Ermahnung an Emma, ja vorsichtig mit ihrer Schwester zu sein, herunterschluckt. Schließlich ist Anton dabei und kann sich darum kümmern.

„Ich ruhe mich jetzt aus. Mathilda habe ich gerade gestillt, dass sollte für zwei Stunden reichen“, erklärt sie Anton und hofft, er kommt ohne sie zurecht.

Ines

„Ich gehe jetzt. Falls ihr mich braucht, meldet euch einfach“, sagt Ines zu Anton gewendet.

„Das sollte kein Rauswurf von Magda sein. Wir wissen deine Hilfe sehr zu schätzen. Und deine Suppe. Danke nochmal“, sagt dieser verlegen.

Ines winkt ab. „Habe ich auch nicht so verstanden. Tschüss.“ Sie nimmt ihre Tüte und verlässt das Haus. Leise zieht sie die Tür hinter sich zu. Anstatt den direkten Weg nach Hause zu nehmen, immerhin liegen ihre Häuser nebeneinander, knüllt sie die Tüte zusammen und stopft sie in ihre Jackentasche. Große Taschen haben durchaus ihre Berechtigung, stellt sie für sich fest. Die Auseinandersetzung der beiden hat sie aufgewühlt. Manchmal wünscht sie sich, Peter und sie würden sich streiten. Doch längst hat die Routine ihre Ehe eingeholt. Routine, bitter lacht sie auf, wohl eher gähnende Langeweile. Ihr Schritt wird schneller.

Sie fühlt sich, als sei ihre Ehe in einer Sackgasse angekommen und hinter ihnen wurde die Straße verschlossen. Gefangen in der unendlichen Langeweile. Bei anderen ist sie um einen guten Rat nie verlegen, wie leicht gelingt es ihr, Lösungen anzuregen oder durch geschicktes Nachfragen, Situationen zu erkennen. Warum ist es nur so schwer, bei sich selbst die Lösung zu erkennen? Warum ist es so schwer, den eigenen Weg zu sehen?

Vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätten sich damals getrennt, statt ihrer Ehe eine neue Chance zu geben und nach Düsseldorf zu ziehen. Nein! Energisch schüttelt sie den Kopf. Damals war es ihr so klar, dass der Umzug eine Chance war, die sie nutzen konnten.

Hatten sie sie verstreichen lassen oder standen sie jetzt einfach an einer neuen Weiche? Beziehungsweise Sackgasse, ergänzt sie innerlich. Verzweiflung breitet sich in ihr aus. Eine tiefe Verzweiflung und kein Weg weit und breit, nur das pechschwarze Tunnel in das sie mit Karacho eintaucht. Blind vor Tränen eilt sie weiter. Selbst vor ihren Kindern können sie ihre Sprachlosigkeit nicht vertuschen. Noch nie haben die beiden Kinder so häufig gestritten.

In ihrer Jackentasche vibriert es. Sie wühlt unter der Tüte und zieht ihr Handy heraus. Peter. Sicher wundert er sich, wo sie bleibt. Sie drückt den Anruf weg und schreibt eine kurze Nachricht. Bin in zehn Minuten zuhause.

Sie dreht um und joggt die Strecke nach Hause, in der Hoffnung, die Verzweiflung zu besiegen. Mit dem Ellenbogen stößt sie die angelehnte Haustür auf.

„Wo warst du?“, ruft Peter durch die offene Wohnzimmertür, als er sie im Flur hört.

„Mama, wo warst du? Ich war drüben und wollte dich holen“, tönt Levis Stimme aus der oberen Etage zu ihr.

„Nur eine Runde spazieren. Ich brauchte Zeit für mich“, erklärt Ines.

„Alles in Ordnung?“, fragt Peter besorgt.

„Nicht mehr und nicht weniger als sonst. Mich bedrückt unsere Situation eben“, flüstert Ines erregt zurück.

„Hast du mit Magda über uns gesprochen?“, wispert Peter und ergänzt sofort. „Nur, damit ich gewappnet bin, wenn sie mich daraufhin ansprechen oder komisch ansehen.“ Bei den letzten Worten zwinkert er Ines zu, damit sie denkt, es wäre nur ein Scherz.

Ines schüttelt den Kopf. Obwohl sie anderen viel von sich erzählt, wählt sie doch genau aus, was sie erzählt. Peinlichst ist sie darauf bedacht, den Schein zu wahren. Den Schein, dass sie alles im Griff hat. Theoretisch.... hat sie auch alles im Griff, ......doch praktisch...

Vielleicht fallen ihr deshalb die Tipps für andere so leicht......

Levi hüpft die Treppe nach unten. „Darf ich jetzt zu Thomas? Bitte!“, bettelt er und sieht seine Mutter an.

„Lass die mal in Ruhe. Die müssen sich erst als Familie finden mit ihrem neuen Geschwisterchen“, erklärt ihm Ines.

Malu und Levi sind ein weiterer Grund, weshalb Ines niemandem von der Sprachlosigkeit zwischen ihrem Mann und ihr erzählt hat. Bisher konnten sie ihre Situation gut vor den beiden verheimlichen. Wobei sie sich da nicht so sicher ist, denn die zwei haben sich in letzter Zeit verändert. Sie sind stiller geworden. Außerdem weiß sie doch, dass Kinder Spannungen viel eher spüren, als Erwachsene. Nein, wenn sie ehrlich ist, will sie nicht ihre Kinder schützen, sondern sich selbst. Was ausgesprochen ist, wird wahr. Sie weiß nicht, woher sie diesen Satz hat, doch sie möchte den Schein ihrer Ehe aufrecht erhalten.

„Dann gehe ich jetzt?!“, sagt Peter und sieht sie an. Ines nickt. Sie gehen sich aus dem Weg. Ist der eine zuhause, geht der andere. Die einzige Verbindung, die sie noch haben, sind ihre Kinder und dass sie beide das Beste für sie wollen. Doch daran schlittern sie gerade mit Karacho vorbei. Inzwischen ist auch Malu aus ihrem Zimmer gekommen und die Treppenstufen hinab gesprungen.

„Spielst du mit mir?“, fragt Malu und sieht ihre Mutter an.

„Jetzt nicht. Vielleicht später“, wiegelt Ines sie ab.

„Mir ist aber so langweiiiilig!“, quengeln die beiden.

„Ihr seid groß genug, euch alleine etwas einfallen zu lassen“, weist Ines sie zurecht und könnte sich für ihren abweisenden Ton ohrfeigen. Es müsste einen Knopf geben, mit dem sie ihre Kinder kurz abstellen kann, damit sie eine halbe Stunde nur für sich hätte. Eine halbe Stunde in der sie meditiert und einen Teil ihrer inneren Ruhe wieder findet. Eine halbe Stunde in der sie ihre Gefühle sortiert.

Immerhin sind die stärksten Gefühle durch den Spaziergang abgeklungen. Statt zu meditieren, brüht sie sich einen Tee auf.

„Ihr könnt zusammen etwas bauen. Wenn ich meinen Tee ausgetrunken habe, komme ich zu euch“, wendet sich Ines an Malu und Levi, die nicht von ihrer Seite weichen, „es hat nichts mit euch zu tun. Ich will über etwas nachdenken“, ergänzt sie, damit die beiden sie verstehen und endlich in ein anderes Zimmer gehen.

„Worüber denn?“, fragt Levi und blickt sie mit großen Augen an.

„Wo ist denn Papa?“, fragt Malu mit zitternder Stimme.

„Peter...“, sagt Ines und atmet tief ein und aus, damit ihre innere Spannung nicht nach außen dringt. Klar, jetzt bleibt es wieder an ihr hängen. Sie wollten gemeinsam mit den Kindern reden. Ständig können sie die Kinder nicht abwiegeln. „Der arbeitet.“ Leicht kommt ihr diese Lüge nicht über die Lippen.

Schweigend sehen Malu und Levi sie mit großen fragenden Augen an.

Zur Zeit wäre Ines dankbar, wenn Kinder nicht die Stimmungen ihrer Eltern wahrnehmen und stattdessen den Worten glauben würden.

„Soll ich einen Kakao kochen?“, fragt Ines genervt und hofft, sie kann die Kinder damit ablenken. Beide nicken, lassen sie jedoch nicht aus den Augen.

Wenn ein Fremder zehn Minuten später in ihre Küche blicken würde, sähe er eine idyllische Familie, die gemeinsam am Tisch sitzt. Würde er jedoch in das Innenleben dieser drei Personen blicken, würde er etwas anderes wahrnehmen. Steif sitzt Malu und rührt in ihrem Kakao. Nur nicht bewegen und etwas Falsches machen. Als wäre sie von einem Kokon umgeben, der jede Bewegung nach außen verbietet, so fühlt sie sich.

Auch Levi rührt langsam seinen Kakao um. Wenn seine Eltern sich scheiden lassen, muss er sich entscheiden, zu wem er gehen möchte. Wenn er bei seiner Mutter bleibt, ist sein Vater traurig und wenn er zum Vater zieht seine Mutter. Er will keinen traurig machen. Vielleicht ist es besser, wenn er und Malu sich aufteilen, so wie im doppelten Lottchen. Dann ist keiner von seinen Eltern traurig und vielleicht darf er sie trotzdem mal sehen oder mit ihr telefonieren. Er nimmt einen tiefen Schluck Kakao. Panik erfasst ihn, was, wenn der Elternteil mit Malu wegziehen würde. Dann könnte er sie nicht mehr sehen und was, wenn er wegziehen müsste, dann würde er seinen besten Freund Thomas verlieren.

Ines stiert vor sich hin. In ihr ist es dunkel und verworren. Ihr Bauch besteht aus einem einzigen Loch, dass sich in ihr ausbreitet. Sie hat den Glauben verloren. Den Glauben, dass Peter und sie ihre Ehe noch retten können. Der Glauben hat ihr Vertrauen und ihr Lebenswissen mit gezerrt. Wenn es doch nur jemand gäbe, der sie an die Hand nimmt und ihr die Richtung weist.

Energisch reibt sich Ines über die Augen. Als Mutter kann sie es sich nicht erlauben, ihren trüben Gedanken nach zu hängen. Sie hebt den Blick. Die Plätze neben ihr sind leer. Erschöpft lässt sie die Hände in ihren Schoß fallen und lauscht in das Haus. Aus dem Wohnzimmer hört sie leise Stimmen. Die Erschöpfung wechselt in eine tiefe Verzweiflung. Ihr Leben ist ein einziger Fehltritt. Jahrelang strebt sie es an, bewusst zu werden und bei dem kleinsten Problem entgehen ihr die offensichtlichen Sachen. Sie bleibt sitzen. Hoffentlich gönnen ihr die Kinder noch lange eine Pause.

Die bleibt ihr jedoch nicht lange vergönnt. Das Flüstern verwandelt sich in ein Schreien, dem ein bitterliches Weinen folgt. Genervt steht Ines auf und eilt ins Wohnzimmer. Erstarrt steht Levi neben seiner Schwester und sieht ihr ängstlich entgegen. „Ich wollte das nicht“, ruft er ihr zu.

„Was ist passiert?“, fragt Ines gereizt.

„Wir haben zusammen gebaut. Ich wollte..... nur den Legostein nehmen, ....weil der passt genau an diese Stelle“, erklärt Levi stockend. „Und da.....habe ich ihn aus ihrer Hand genommen. Und dann... ist sie mit dem Kopf auf den Boden geknallt...“, flüstert Levi mit glasigen Augen.

Mit einem Blick erfasst Ines die Situation. Den erschrockenen Blick von Levi. Malu, die sich auf dem Teppich inzwischen hingesetzt hat und schreit und schreit. Die Legoplatte, die zwischen ihnen auf dem weichen Teppich steht und die Legokiste, die daneben steht. Zum Glück ist Malu nicht auf die Kiste gefallen, dann hätte sie sich weh getan. Doch auf dem weichen Teppich war es wohl mehr der Schreck. Die frühere Malu hätte sich über den Hinterkopf gestrichen und weiter gespielt, doch seit kurzer Zeit schreit sie bei jeder Gelegenheit und lässt sich kaum beruhigen.

Wem wendet sie sich am besten zu? Ratlos sieht Ines vom einen zum anderen. Verzweiflung, Ratlosigkeit breiten sich in ihr aus. Am liebsten hätte sie sich dazu gesetzt und mit ihren Kindern um die Wette geschrien.

In diesem Moment wird die Haustür aufgeschlossen. Im Mantel stürmt Peter ins Wohnzimmer. Erleichtert sieht Ines ihn an. „Ein Missgeschick beim Spielen“, klärt sie ihn kurz auf. „Kümmere du dich um Malu!“

Peter setzt sich zu seiner Tochter auf den Boden und nimmt sie in den Arm. Ines dreht sich zu Levi, öffnet ihre Arme und flüstert: „Kommst du zu mir?“ Levi lässt sich in ihre Arme fallen. Er schluchzt auf. Beruhigend streichelt Ines ihm über den Kopf. „Ich wollte.... das ....nicht“, bringt Levi zwischen Schluchzern hervor.

„Das glaube ich dir. Du wolltest dir den Baustein holen und Malu hat ihn festgehalten“, stellt sie fest.

Levi nickt, aufschluchzend.

„Und dann..... hat sie plötzlich losgelassen?“, fragt Ines.

Levi nickt. „Ich bin doch der Große“, schluchzt er.

„Sie ist umgefallen, weil sie so einen Schwung bekommen hat, als sie plötzlich losgelassen hat.“ Sachte wiegt Ines ihn hin und her.

Malu schmiegt sich an Peter. Er hält sie einfach nur fest und wartet, bis ihr Geschrei langsam weniger wird. „Sollen wir ein Kühlakku holen?“, fragt er sie leise, sobald ihr Geschrei abebbt. Sie nickt. Auch wenn es nicht nötig ist, wird es sie zumindest ablenken, denkt er sich. Langsam erhebt er sich. Hand in Hand schlendern die zwei in die Küche.

Kurze Zeit später kehren sie zurück, Malu schleckt hingebungsvoll an einem Eis. Mit drei weiteren Eis wedelnd folgt Peter. Während sein Blick fest auf Ines gerichtet ist, sagt er: „Die haben wir im Eisfach entdeckt. Ich dachte ein Eis auf die Hand kühlt die inneren Wunden.“

Er reicht Levi und Ines ein Eis, bevor er sein eigenes auspackt. Genüsslich am Eis leckend, sitzen die vier auf dem Boden. Über die Kinder hinweg treffen sich die Blicke von Ines und Peter.

Monika

Sehnsüchtig sieht Marie-Lou ihrer Mutter entgegen.

„Mama“, kreischt sie und zerrt an der Hand ihrer Oma. Betont langsam schlendert Monika Richtung Gartentor, die Hand ihrer Enkelin eng an sich gedrückt. Als Marie-Lou weiter an ihrer Hand zieht, stoppt Monika ihre Schritte, beugt sich zu ihr hinunter und ermahnt sie mit erhobenen Zeigefinger. „Du hörst doch dass Lennart quengelt. Hör auf, an meiner Hand zu ziehen. Du bist doch schon ein großes Mädchen.“

Gemächlich setzt sie nach diesen Worten mit ihrer Enkelin an der Hand ihren Weg fort, Beatrix entgegen. Den quengelnden Lennart auf dem Arm, balanciert diese mit der freien Hand den Kinderwagen durch das Gartentor. Erneut kreischt ihr ihre Tochter „Mamaaaaa“ entgegen, während sie weiter an der Hand ihrer Oma zerrt.

„Komm her, mein Schatz“, ruft Beatrix ihrer Tochter zu. Und an ihre Mutter gewandt: „Lass sie bitte los.“

„Willst du dich nicht erst einmal um Lennart kümmern! Deine Tochter ist vier Jahre, da wird sie wohl mal warten können. Aber bitte.......“, mit diesen Worten wendet sich Monika an Marie-Lou. „Ich lass dich los. Aber erst wenn du aufhörst, an meiner Hand zu zerren und zu zappeln. Also, bitte.“

Abwartend bleibt sie stehen, bis Marie-Lou sich fügt. Erst dann lässt sie die Hand los. Sofort stürmt Marie-Lou auf ihre Mutter zu. Diese legt den freien Arm um ihre Tochter und drückt sie an sich. Marie-Lou schlingt ihre Arme um Beatrix Bauch.

„Ich will, dass du mich mit beiden Armen umarmst“, bittet Marie-Lou, dabei schimmern Tränen in ihren Augen. „Kannst du Lennart nehmen?“, fragt Beatrix ihre Mutter. Diese schüttelt den Kopf und brummt leise vor sich hin, während sie auf die drei zugeht. „Man muss nicht jeden Wunsch der Kinder erfüllen. Kinder müssen auch warten lernen.“

Monika nimmt Lennart von Beatrix entgegen und flüstert ihm zu: „Du wirst mal geduldiger werden, als deine Schwester, obwohl die, als die Ältere, die vernünftigere sein sollte.“ Voller Unverständnis blickt sie dabei zu ihrer Tochter und Enkeltochter. Lennart scheint den Unmut seiner Großmutter zu spüren. Leise geht sein Quengeln in Geschrei über.

„Er ist sicher müde“, stellt Monika an ihre Tochter gewandt fest und bettet Lennard vorsichtig in den Kinderwagen. Augenblicklich schwillt das Geschrei an. Monika fischt mit ihren Fingern nach dem Schnuller, der neben Lennards Kopf unter dem Tuch hervorlugt. Sie greift den Schnuller und steckt ihn dem schreienden Lennard in den Mund. Wütend dreht dieser seinen Kopf weg. Woraufhin Monika die linke Hand zur Hilfe nimmt und leicht auf seinen Kopf drückt, während die Rechte den Schnuller festhält.

Durch den Schnuller klingt der Protest nur noch gedämpft aus dem Kinderwagen hervor. Die eine Hand fest gegen den Schnuller gepresst, schuckelt sie den Kinderwagen vor und zurück.

Beatrix beugt sich zu ihrer Tochter, und umschließt sie mit beiden Armen. „Ich habe mich so auf dich gefreut.“

Marie-Lou hebt ihren Blick und strahlt ihre Mutter an.

„Komm wir begrüßen Lennart.“ Mit diesen Worten erhebt Beatrix sich. Arm in Arm schlendert sie mit ihrer Tochter zum Kinderwagen. Dort angekommen schiebt sie Monika zur Seite und sagt: „Danke, ich kümmere mich jetzt.“

Sobald der enge Griff um seinen Kopf und Schnuller gelockert ist, befördert Lennard den Schnuller mit seiner Zunge aus dem Mund und schreit lauthals los.

„Ich hole dich aus dem Wagen. Dann kannst du Marie-Lou Hallo sagen“, flüstert Beatrix, während sie Lennard vorsichtig aus dem Kinderwagen hebt.

„Er wäre fast eingeschlafen.“ Vorwurfsvoll sieht Monika ihre Tochter an.

„Er schreit! Wie soll er denn da einschlafen?“, fragt Beatrix ihre Mutter entrüstet.

„Der schreit sicher nur, weil er müde ist. Ich habe dich auch schreien lassen und irgendwann bist du eingeschlafen mit dem Schnuller im Mund“, sagt ihre Mutter mit dem Blick der besagt; dir hat es auch nicht geschadet.

„Prima, dann weiß ich jetzt wo mein mangelndes Vertrauen ins Leben herkommt. Wer weiß wie ich geworden wäre, wenn ich mich nicht hätte in den Schlaf weinen müssen“, redet sich Beatrix in Rage. Abrupt stoppt sie ihre Worte. Denn mit jedem Wort steigt Wut und Hilflosigkeit in ihr auf. Und dem will sie keinen Raum geben. Langsam und tief atmet sie ein und aus. Sie spürt, wie ihre Wut sich langsam beruhigt.

„Du hast doch ein gutes Urvertrauen“, stellt Monika fest.

„Ja? Und, das weißt du woher?“, fragt Beatrix und winkt schnippisch mit der Hand ab. Das Geschrei von Lennart übertönt ihre Worte. Beatrix wendet sich mit verschlossener Miene ihrem Sohn zu. Sachte streicht sie ihm über die Haare und flüstert: „Hast du dich erschreckt, weil wir so laut geredet haben?“ Sie geht in die Hocke und dreht Lennart, so dass er seine große Schwester sieht. Diese streicht ihm sachte über die Wange und sagt: „Nicht erschrecken.“ Nach diesen Worten geht sie einen Schritt zurück, zieht eine Grimasse und schmeißt die Arme in die Höhe. Bei jedem anderen Menschen hätte sich Lennart über diese plötzliche Bewegung erschreckt. Nicht so bei seiner Schwester. Bei ihr bewundert er jede kleinste Geste. Fasziniert beobachtet Lennart die Verrenkungen seiner Schwester. Sein Schreien verstummt.

„Danke für deine Bespaßung. Wenn es jemand schafft, dass er ruhig wird, dann du“, stellt Beatrix zu ihrer Tochter fest und erhebt sich.

„Kannst du den Kinderwagen schieben?“, bittet Beatrix ihre Mutter und an ihre Tochter gewandt, „wir sagen Opa noch Hallo und dann gehen wir nach Hause.“

Gemeinsam gehen die vier zum Haus. Den Kinderwagen stellt Monika vor der Haustür ab. Beatrix betritt mit Lennard auf dem Arm und Marie-Lou an der Hand das Haus. Laut schallt ihnen bereits im Flur die Stimme des Nachrichtensprechers entgegen. Beatrix Puls beginnt zu rasen, sie ermahnt sich, ruhig zu atmen. Wie immer läuft der Fernseher als Hintergrundmusik. Marie-Lou betritt den Raum, ihr Blick starrt wie gebannt auf den Fernseher. Lennard verdreht seinen Kopf, um ebenfalls einen Blick auf den Fernseher zu erhaschen. Auf dem Sofa sitzt Beatrix Vater. Als sie eintreten, wendet er seinen Blick kurz vom Fernseher ab. „Schön, bekomme ich Lennart auch mal wieder zu sehen. Ich hoffe, ihr bleibt heute länger.“

„Papa, bitte. Kannst du nicht den Fernseher ausmachen, solange die Kinder hier sind!“ Entrüstet fährt sie fort: „Marie-Lou hat hoffentlich nicht die ganze Zeit, als sie bei euch war, fern gesehen!?“

„Natürlich war deine Mutter mit ihr draußen im Garten. Du kennst sie doch, sie ist immer am Werkeln“, stellt Hans seelenruhig richtig, „ich verstehe gar nicht, wieso du so gereizt bist, der Fernseher im Hintergrund, stört doch niemanden.“

„Doch, die Kinder. Schau doch, wie sie hinstarren. Für Kinder ist zu viel Fernsehen nicht gut“, regt sich Beatrix auf.

„Ach, stell dich nicht so an. Du bist viel zu verkrampft in der Erziehung“, wiegelt er ab, während er weiter auf den Fernseher starrt.

„Hast du schon etwas gegessen?“, ruft Monika aus der Küche, „ich mach dir schnell die Suppe warm.“

„Nein, danke. ich habe keinen Hunger", ruft Beatrix zurück und schüttelt den Kopf.

„Zu spät“, sagt ihre Mutter und betritt, einen Suppenteller voller Linseneintopf das Wohnzimmer, „Suppe geht immer“, stellt Monika fest, während sie den Teller auf dem Tisch absetzt.

Fassungslos schüttelt Beatrix den Kopf und sieht von ihrem Vater zu ihrer Mutter. Noch bevor sie realisiert, was ihre Mutter plant, ergreift Monika Lennart von hinten und hebt ihn hoch. Erschrocken zuckt er zusammen. Seine Hände rudern hilflos herum, als suchen sie unsichtbaren Halt. Bitterlich beginnt er zu weinen. „Jetzt leg ich ihn aber in den Kinderwagen zum Schlafen“, sagt sie zu ihrer Tochter. „Der quengelt ja nur noch.“

„Du hast ihn gerade völlig überraschend für ihn - von hintenaus meinem Arm gerissen. Er hat sich erschrocken! Was erwartest du denn ...?“, ereifert sich Beatrix. „gib ihn mir bitte.“

„Jetzt iss du erst mal in Ruhe. Ein bisschen Schreien schadet schon nichts. Das härtet ab. Im Leben läuft nicht alles nach Plan. Das kann man nicht früh genug lernen.“ Mit diesen Worten verlässt Monika den Raum Richtung Kinderwagen.

Beschwichtigend hebt ihr Vater seine Hände und sagt: „Lass deine Mutter mal machen. Sie kennt sich aus mit Kindern. Wir haben dich auch groß bekommen.“

Beatrix sinkt auf den Stuhl und schließt kurz die Augen. Marie-Lou legt die Hand auf ihren Arm. „Mama, bist du traurig?“