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Beeinflusst von verschiedenen Kulturen, Nationalitäten und Religionen wuchs der Junge MO 65 in einem liebevollen zu Hause heran. Mit seiner Gefühlswelt als Heranwachsender kam er jedoch nicht klar, so dass der Weg ins Gefängnis, in Begleitung von Drogenexzessen, vorprogrammiert war.
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Seitenzahl: 93
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ich danke Frau Haylo Karres, die mir im Gefängnis ermöglichte, dieses Buch zu schreiben und auch zu veröffentlichen.
Befreiungsschlag
Meine Familie
Erste Verurteilung
Jugendarrest
Video
Drogengeschäft
Treffen mit der Ex
Mein Vater
Erster Text
Polizeirevier
Staatsanwaltschaft
Zweiter Jugendarrest
Zurück auf der Straße
Zeitungsartikel
Das Gericht
Das Urteil
Die Haft
Förderplan
Entlassung
Es fing in einer kalten Nacht an, als ich mich zu Hause in meinem Zimmer herumtrieb und mich fragte, ob ich noch mal rausgehen sollte, um mich mit meinem besten Freund RO zu treffen. Warum denn nicht?, dachte ich, nahm mein Handy aus der Hosentasche und wählte seine Nummer. Es klingelte und klingelte, er ging jedoch nicht dran. Also rief ich nach fünf Minuten noch einmal an, da es erst 21 Uhr war. Beim zweiten Mal ging er direkt dran.
„Ja“, meldete er sich, „wer ist da?“
Ich antwortete mit fröhlicher Stimme: „Ich bin’s, MO. Was geht bei dir ab? Hast du Bock rauszukommen und was trinken zu gehen?“
„Ja, warum nicht? Wo sollen wir uns denn treffen?“, antwortete er.
„Lass uns in einer halben Stunde vor REWE treffen“, schlug ich vor.
Nach einer halben Stunde erschien RO endlich und ich schlug vor: „Lass uns zwei Flaschen Wodka kaufen und ein Päckchen Marlboro, und was meinst du, soll ich noch VBT und ISSO anrufen, ob die auch kommen wollen?“
Er war damit einverstanden und bemerkte noch: „Sag, sie sollen um 22 Uhr zu den zwei Spielplätzen kommen.“
RO und ich begaben uns mit unseren Getränken zu den zwei Spielplätzen, ein Platz, an dem wir uns des Öfteren aufhielten, da zwei Spielplätze genau nebeneinanderlagen.
Gegen 22:30 Uhr erschienen endlich VBT und ISSO und stellten überrascht fest: „Oh Jungs, was geht hier ab? Ihr seid ja schon am Trinken.“
Darauf ich mit etwas lauter Stimme antwortete: „Ja, ist normal, Bruder, mach dir und ISSO einen Becher voll und trinkt mit.“
Bei dem anschließenden lauten Wortwechsel bekam ich plötzlich Lust, meine Exfreundin anzurufen. Ich holte mein Handy aus der Hosentasche, tippte ihre Nummer ein und musste feststellen, dass sie ihr Handy ausgemacht hatte. Da ergriff mich so eine Wut, die ich loswerden musste, so dass ich RO anfuhr: „Hey, wollt ihr mich verarschen, ihr Picos? Was ist los mit euch, warum redet ihr so Scheiße?“
RO schaute mich mit offenem Mund an und fragte: „MO, was ist mit dir auf einmal los?“
Darauf ich ihm mit noch lauterer Stimme antwortete: „Nix, Mann, ich bin abgefuckt, da meine Caya nicht ans Telefon geht“, und bat ihn: „Mach mir mal einen Becher voll.“
„Warum lässt du das denn an uns aus?“, fragte RO. „Wir chillen mit dir und trinken gemeinsam, Bruder“, stellte er fest, wobei ich mich aggressiv an ISSO wendete: „Hey, Walhalla, Jungs, ihr fuckt mich alle grade ab.“
ISSO mischte sich ein: „Was ist los mit euch, Mann?“
VBT versuchte zu schlichten: „Hey, MO, Bruder, chill doch mal ein bisschen. Wenn du so weitermachst, kommen noch die Bullen, Mann.“
„Das ist mir egal“, antwortete ich, „sollen die doch kommen.“
Ich schlug mit der Faust gegen die Wand und der Schmerz danach lenkte mich von meinem Zorn ab, so dass ich mich beruhigte, jedoch zu spät, da die Polizei bereits angefahren kam.
Zwei Polizisten stiegen aus und gingen auf uns Jugendliche zu.
„Mach keine Scheiße, MO“, bat mich ISSO noch. „Mach das, was sie dir sagen.“
Ich antwortete mit aggressiver Stimme: „Halt deine Fresse. Das sind auch nur ganz normale Leute.“
Die Polizisten kamen zu mir und grüßten freundlich: „Schönen guten Abend. Hier ist die Polizei. Das ist eine Personenkontrolle.“
Darauf ISSO fragte: „Aus welchem Grund wollen Sie unsere Personalien haben, wenn ich mal fragen darf?“
„Es haben sich mehrere Anwohner über den Lärm aus Ihren Reihen beschwert. Man sagte uns, dass hier eine Person randaliere.“
„Ich war das“, meldete ich mich. „Und was wollt ihr jetzt machen? Gibt es ein Problem oder was?“
„Warum sind Sie so aggressiv?“, fragte einer der Polizisten in einem ganz normalen Ton und bat mich: „Wir möchten von allen die Personalien haben, und diejenigen, die sich nicht ausweisen können, müssen leider mit auf die Wache kommen, damit wir eine Überprüfung vornehmen können.“
Alle konnten sich ausweisen außer ISSO.
„Mein Ausweis habe ich zu Hause vergessen“, erklärte er.
Der Polizist stellte fest: „Dann müssen Sie uns leider auf die Wache begleiten, und zwar auf das fünfte Polizeirevier.“
VBT und RO fragten: „Können Sie das nicht über Funk klären?“
„Tut uns leid, das geht nicht. Wir müssen Ihren Freund mitnehmen.“
Darauf ich ISSO ins Ohr flüsterte: „Bleib einfach neben mir stehen. Wenn die dich festnehmen wollen, kläre ich das auf meine Weise.“
Als dann die Polizisten ISSO aufforderten:
„Würden Sie uns jetzt bitte auf die Wache begleiten?“, antwortete ISSO: „Nein, ich komme nicht mit“, schaute mich an und ich nickte.
Darauf der Polizist: „Sie müssen aber mit uns kommen, und wenn Sie sich weigern, werden wir Sie in Handschellen mitnehmen müssen.“
Darauf ich laut lachte und zusah, wie der Polizist seine Handschellen rausholte. Als sie den Arm von ISSO nahmen und diesen auf den Rücken drehen wollten, sagte ich zu RO und VBT: „Rennt weg. Ich werde ISSO da rausholen.“
„MO, das kannst du nicht machen, das sind Polizisten“, gaben sie mir zu bedenken.
„Das ist mir egal“, antwortete ich. „Geht jetzt und nehmt die Alkoholflaschen mit. Ich rufe euch in einer halben Stunde an“, versprach ich und behauptete: „Das klappt schon.“
„Pass auf dich auf“, bat RO und beide rannten in den Park, wo sie die Dunkelheit verschlang.
Dadurch wurden die Polizisten abgelenkt, was ich ausnutzte und auf die beiden Polizisten mit lautem Geschrei sprang. Dem Ersten rammte ich meinen Ellbogen ins Gesicht, so dass der andere Polizist ISSO loslassen musste und auf mich zukam. Ich rief mit lauter Stimme: „ISSO, renne in den Park! Ich komm auch gleich nach!“
Der Polizist zog seinen Schlagstock und schlug mir gegen die Rippen. Ich schrie laut auf und trat mit voller Kraft gegen seinen Oberschenkel, so dass er kurz umknickte. Danach machte ich mich auch Richtung Park davon. In mir stieg ein komisches Gefühl auf, denn wenn die Polizei mich jetzt bekommen sollte, müsste ich heute Nacht in einer Zelle verbringen.
Nach einer Stunde fand ich ISSO mit RO und VBT auf einer Bank sitzend, und als ich bei ihnen eintraf, fragten sie: „Was ist denn passiert?“
Als ich mit meinem Bericht fertig war, stellten meine Freunde fest: „Du bist echt kaputt, dass du so etwas durchgezogen hast.“
„Ja was sollte ich sonst machen?“, fragte ich zurück. „Sollte ich einfach zusehen, wie ein Freund festgenommen wird? Nein“, behauptete ich, „so was kann ich nicht mitansehen.“
„MO, danke, Bruder, dass du mich da rausgeholt hast, Mann. Auf dich kann man sich verlassen. Wenn du was sagst, dann hältst du auch dein Wort. Ein echt guter Freund“, stellte ISSO fest. „Vielen Dank, Bruder.“
Darauf ich: „Du bist mein Freund, und es ist doch klar, dass ich dir bei so was helfe“, und ich bat noch: „Kommt, lasst uns etwas trinken und danach nach Hause gehen. Der Abend mit euch war heute wieder stabil.“
Zu Hause angekommen, bin ich in mein Bett gefallen und habe dabei noch mal überlegt, was ich da gemacht habe. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht gut war, mich mit der Polizei anzulegen, und war dann doch so ehrlich zu mir selbst, dass ich selbst dran schuld wäre, wenn mich eines Tages die Polizei erwischt. Dann hätte ich halt Pech gehabt, tröstete ich mich, dass jeder irgendwann in jungen Jahren Scheiße baut, egal was, aber mit den Freunden draußen zu sein, machte einfach Spaß, und darauf wollte ich nicht verzichten.
Ich habe, wie jeder andere auch, eine Familie, mit Vater, Mutter sowie einer älteren Schwester und zwei älteren Brüdern. Meine Mutter ist eine deutsche Zigeunerin und mein Vater ein türkischer Zigeuner.
Meine Kindheit verlief ganz normal. Sie hat mir sehr gefallen.
Meine Mutter ist eine tolle Frau, die sich immer um uns Kinder gekümmert hat, egal was für einen Mist wir gebaut haben, so hat sie uns doch immer geholfen, wobei meine größeren Geschwister sie damals bei allem unterstützten, was mich als Jüngsten anbetraf.
Ich war grade mal knapp vier Jahre alt, als sich meine Eltern trennten. Ich weiß nicht warum, aber das ist ja auch egal, da ich nach der Trennung einen Stiefvater bekam, der mich mit meiner Mutter zusammen großzog. Mein Stiefvater hat sich liebevoll um mich gekümmert und wir haben viel miteinander unternommen.
Als ich irgendwann den Kindergarten verließ und mit sechs Jahren in die Grundschule kam, begleitete mich meine ganze Familie zur Einschulung, wobei meine Brüder auch auf die gleiche Schule gingen. Die Schule machte mir viel Freude, bis ich eines Tages, mit 14 Jahren, wegen meinem Verhalten auf eine Sonderschule kam.
Dort wurde ich immer aggressiver, obwohl es mir an nichts mangelte. Ich bekam alle Sachen, die ich mir wünschte. Mit 15 war es dann so weit, dass ich meine ersten Anzeigen erhielt. Aus heutiger Sicht muss ich gestehen, dass ich damals viel Scheiße gebaut habe.
Jedes Mal, wenn ich etwas angestellt hatte, redete meine Mutter mit mir und fragte, warum ich so etwas mache und ob ich Probleme hätte oder sonst was. Darauf ich ihr immer versicherte, dass alles okay sei.
Auch meine Brüder fragten mich, was mit mir bloß los sei, und ich versicherte ihnen immer und immer wieder: „Nix ist mit mir los.“
Mit knapp 16 Jahren lernte ich dann ein Mädchen kennen, wobei ich sie am Anfang gar nicht so interessant fand. Nach ein paar Monaten klappte es dann doch und wir waren zusammen. Diese Beziehung ging fast zwei Jahre lang, wobei ich diese mit meiner Eifersucht belastete. Wenn ich heute darüber nachdenke, würde ich den Grund meiner Eifersucht darin suchen, dass sie meine erste Liebe war und ich ihre. Immer wenn wir uns gestritten haben, rief ich meinen besten Freund RO an, den ich bat:
„Hey Bruder, lass uns was trinken gehen, ich habe wieder Stress mit meiner Freundin.“ Fast jeden Tag hatten wir Streit und so war ich auch jeden Tag draußen mit meinen Jungs am Trinken. Als ich dann besoffen war, habe ich mich mit meinen ganzen Aggressionen an anderen Leuten abreagiert. Es war nicht okay, was ich da gemacht habe, aber ich war so in meiner eigenen Welt vertieft, dass mir alles egal wurde. Und als ich dann in solche Situationen wie im ersten Kapitel kam, konnte ich mit meinen Aggressionen nicht umgehen. Irgendwann kam ich drauf, dass ich mich mit Musik ablenken konnte, und so kam es, dass, wenn ich nicht weiterwusste, ich mich mit der Musik abreagierte, so dass dies Verhalten zur Manie wurde. Meistens waren es Raplieder und manchmal auch Lieder über meine Freundin, wie es halt so ist, wenn man trinkt. Auf diese Weise habe ich auch mit der Musik an
