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Diese autobiografische Erzählung beschreibt anschaulich eine Kindheit in den 1950er Jahren mitten in Kiel. Aus seiner Kindheitserinnerung und aus den vielen Familienerzählungen hat der Autor seine Intuition für diese Erzählung abgeleitet, um so die 1950er Jahre in Kiel für seine Kinder, seine Enkelin und für seine Leser/innen in Erinnerung zu bringen und für die Zukunft zu bewahren. Viele Bilder helfen dabei.
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Jürgen Gebauer kam Mitte 1951 als fast Dreijähriger aus dem Vertriebenen- und Flüchtlingslager Kuckucksberg in die stark bombenzerstörte Innenstadt von Kiel, Adresse Prüne 12. Interessant erzählt er, wie er dort in einer Großfamilie in einfachen und zum Teil schwierigen Verhältnissen aufwuchs – eine trotzdem schöne, erlebnisreiche Kindheit mit vielen Ereignissen und Lebensumständen in einer 49 qm großen 2-Zimmer-Wohnung und einem einfachen Lebensumfeld.
Fotos und Illustrationen sind zum Teil aus dem Kieler Stadtarchiv, viele aber auch aus dem Familienfundus entnommen. Sie spiegeln das damalige Leben und die seiner Zeit herrschenden Verhältnisse wieder. Diese und deren Erläuterungen ergänzen anschaulich die plastischen Erzählungen.
Zum Autor sei gesagt, dass er als alteingesessener gebürtiger Kieler (73 Jahre) sein „Insiderwissen“ für die folgende Generation erhalten möchte. Zeitlebens in Kiel, engagiert er sich immer intensiv für die Familie, die Freunde und die Gemeinschaft. Im Ruhestand und nach jahrzehntelangem ehrenamtlichen Einsatz im Vorstand des Turnvereins Hassee-Winterbek (THW Kiel e. V.) fand er jetzt die Zeit und Motivation, sein schon lange geplantes Projekt zu verwirklichen.
Viel Spaß und Freude beim Lesen!
PROLOG
SOMMER in den 50ern
SPÄTSOMMER UND HERBST in den 50ern
WINTER in den 50ern
VORSOMMER (FRÜHLING) in den 50ern
EPILOG
GLOSSAR
Abbildungsverzeichnis
Stammbaum
Peter, Ingrid und ich (vorn) „in den guten Sachen“ vor dem Umzug vom Kieler Kuckucksberg in die Prüne/Innenstadt ca. 1951Abb. 001
Im Frühsommer 1951 zogen wir aus dem Flüchtlings- und Vertriebenenlager auf dem Kuckucksberg nach Kiel in die Stadt. Wir, das sind meine Eltern Werner und Elisabeth (genannt Lisbeth), meine acht Jahre ältere Schwester Ingrid, mein sieben Jahre älterer Bruder Peter und ich, Jürgen, zweieinhalb Jahre alt. Meine Mutter war wieder schwanger mit Gerd, der im September zur Welt kommen sollte. Sie hatte noch zwei weitere Söhne geboren (Dieter und Klaus), die aber ein Jahr vor meiner Geburt und ein Jahr nach mir bereits im Säuglingsalter verstorben waren.
Die Baracken auf dem Kuckucksberg zwischen Kiel-Gaarden und Kiel-Elmschenhagen befanden sich auf einer rund 56 m hohen Erhebung. Dort waren bis Ende des 2. Weltkrieges Offiziere und Soldaten untergebracht. Sie bedienten eine Flak-Stellung zur Abwehr der Bomber, die Kiel, besonders die Werften und Industrieanlagen im Osten der Kieler Förde, bombardierten. Die Soldatenunterkunft bestand aus einer kleineren, fast quadratischen Baracke. Vermutlich waren hier die Offiziere und Unteroffiziere untergebracht. Von dem Flur in der Mitte gingen jeweils zwei Räume ab, Toiletten waren nicht vorhanden. Die Mannschaftsbaracke war ein langgestreckter ca. 35 - 40 m langer Bau und hatte die Aufteilung eines Kasernengebäudes. In der Mitte verlief ein langer Flur, von dem links und rechts die einzelnen „Stuben“ abgingen. Bis zum Umzug wohnten wir mit Oma Selma und Opa Bruno in der kleinen Baracke, Tanten und Onkel waren mit weiteren Vertriebenen in der großen Baracke untergebracht.
Meine Mutter und Gerd vor der großen Baracke auf dem Kuckucksberg Ende der 50erAbb. 002
Peter und Ingrid während der Evakuierung 1944/45Abb. 003
Meine Eltern waren in Kiel mehrfach ausgebombt worden, so dass meine Mutter mit Ingrid und Peter zeitweise auf dem Lande bei Gotha in Thüringen untergebracht wurde. Kurz bevor die Russen dort einmarschierten, flüchtete sie mit den beiden Kindern nach Kiel und fand auf dem Kuckucksberg eine Bleibe. Gleichzeitig versuchte mein Vater, der zuletzt Soldat in Hamburg war, seine Familie in Thüringen aufzufinden. Dort aber kam er in russische Gefangenschaft, ohne vorher mit seiner Familie Kontakt aufnehmen zu können. Ihm gelang allerdings schnell die Flucht aus dem noch nicht sicher befestigten Gefangenenlager. Zu Fuß, mit gestohlenem Fahrrad und durch den Mittellandkanal schwimmend, schlug er sich bis nach Kiel durch, wobei gestohlene rohe Eier oft die einzige Nahrung waren. In Kiel fand er dann seine Familie auf dem Kuckucksberg wieder. Zudem traf er dort die durch „Familienzusammenführung“ untergebrachten Oma Selma, Opa Bruno und seine Schwester Erna mit Tochter und Schwägerin Lotte an, die alle aus Waldenburg in Schlesien vertrieben worden waren. Sein Bruder Herbert, Lottes Ehemann und mein Patenonkel, war noch in Stalingrad und kam erst spät nach Kriegsende auf Irrwegen wieder nach Westdeutschland. Er blieb allerdings in Bergen-Enkheim bei Frankfurt am Main bei der Kriegerwitwe Greta und ihrer Tochter Hannelore.
Auf dem Kuckucksberg war das Leben einfach, aber man konnte mit Fantasie dort überleben. Vater rodete abseits der Baracken ein kleines Waldstück, was damals niemanden interessierte, und legte einen Garten an. Dort baute er neben benötigtem Gemüse auch Tabak zur Selbstversorgung an. Keiner wusste, wie er an das Saatgut oder die Pflanzen gekommen war. In einem Schuppen an der Baracke neben dem „Herzhäuschen“ wurden Hühner, Enten, Gänse und zeitweise auch mal ein Schwein gehalten, wenn man an ein Ferkel kam. Das Umfeld am Kuckucksberg bot teilweise auch das Futter. Gras, Kräuter, Laub, Eicheln, Kastanien, Bucheckern, Maikäfer und alles, was im Wald sonst noch zu finden war, wurde an die Tiere verfüttert. Pilze, Beeren und Kräuter dienten den Bewohnern dort auch als Zukost.
Das Gelände vom Kuckucksberg, Anfang der 1960er JahreAbb. 004
Im Mai wurden die damals noch in Massen als Plage auftretenden Maikäfer von den Eschen, Erlen und Birken geschüttelt, mit heißem Wasser überbrüht, zum Trocknen auf Planen in die Sonne gelegt und danach als Knusperzugabe an das Schwein und das Federvieh verfüttert.
Ein Bombentrichter am ehemaligen Flakgeschütz, unweit von der kleinen Baracke entfernt, hatte sich nach und nach mit Regenwasser zu einem ca. 100 qm großen Teich entwickelt, der Enten und Gänsen und auch den Kindern Gelegenheit zum „Baden“ bot. Bootfahren in der Zink-Badewanne war auch angesagt. Gelegentlich störten Kontrollen durch die Polizei wegen Verdacht auf Schwarzschlachtung oder Schwarzbrennerei die Ruhe und Harmonie auf dem Kuckucksberg. Der Verdacht war berechtigt, man durfte sich nur nicht erwischen lassen! Zwischen 1946 und 1947 (also vor meiner Geburt) schaffte mein Vater ganz unspektakulär einen Schäferhund an. Meine Mutter hatte Vater mit einem damals nicht unerheblichen Bargeldbetrag (in Reichsmark) nach Kiel auf den Wochenmarkt geschickt, um Gössel zu kaufen, so nannte sie Enten- und Gänseküken. Nach Hause kam er mit Greif, einem Schäferhundwelpen.
Als das Donnerwetter vorbei war, ließ sich meine Mutter dann aber davon überzeugen, dass Greif eine gute Investition war. Er war nicht nur ein guter Wachhund, er war auch besonders klug. Nachdem er erst mit seinem Spiel- und Jagdtrieb für einige Suppenhühner „gesorgt“ hatte, wurde er ein gut erzogener Hund. Während meines Mittagschlafes im Kinderwagen vor der Barackentür lag er vor dem Wagen auf dem Boden und bewachte mich. Jeder, der sich dem Wagen näherte, wurde angeknurrt.
Die Kräne der GERMANIA-Werft in den 1920ern, später Arbeitsort meines VatersAbb. 005
Vater hatte wieder Arbeit auf der GERMANIA-Werft an der Hörn in Kiel-Gaarden, und pünktlich kurz vor Feierabend verließ Greif den Kuckucksberg und lief einige Kilometer zum Werfttor, um sein Herrchen dort abzuholen und nach Hause zu begleiten. Gelegentlich holte er auch ohne ersichtlichen Grund Ingrid von der Fröbelschule in Gaarden ab. Ich selbst kann mich an die Zeit von 1948 bis 1951 nur schemenhaft erinnern. Viele Gespräche im Elternhaus oder bei Oma Selma und Opa Bruno, die noch bis Anfang der 1960er Jahre auf dem Kuckucksberg wohnten, haben mir das alles in Erinnerung gebracht.
Da ich aber auch noch in den 1950er Jahren viel Zeit auf dem Kuckucksberg bei Oma, Opa, Tanten und Onkel verbrachte, konnte ich feststellen, dass sich Vieles aus meiner Kleinkindzeit später dort auch nicht verändert hatte. Insofern scheinen die Erinnerungen authentisch zu sein. Ziemlich deutlich sind allerdings die Erinnerungen an den Umzug nach Kiel in die Prüne 12 und die Zeit danach bis zum Beginn der 1960er Jahre, als wir in die Damperhofstraße 17 zogen.
Trümmer im Schülperbaum/Ecke Prüne, Okt. 1949. Hinten unser Zuhause in der Prüne 12Abb. 006
Frühsommer 1951/Umzug nach Kiel in die Prüne 12: Der LKW, ein Planwagen, rumpelt vom Kuckucksberg über die unbefestigte Segeberger Landstraße in Richtung Kiel. Die wenigen Möbel und Habseligkeiten finden auf der Ladefläche gut Platz. Auch mein Vater, Ingrid und Peter sitzen auf der Ladefläche, Mutter und ich genießen das Privileg, neben dem Fahrer zu sitzen. Es geht durch Gaarden an der Fröbelschule vorbei, die Ingrid und Peter bisher besucht hatten.
Schülperbaum/Ecke Prüne nach dem Wiederaufbau (hinten li. „unsere“ Prüne 12)Abb. 007
Die Bahnhofstraße hinunter, am Schlachthof und den Bahngleisen an der Hörn vorbei, abbiegend zum Sophienblatt, am Thaulow-Museum und dem „Alten Landeskeller“ vorbei, über Ziegelteich und Walkerdamm, den Schülperbaum kreuzend, in die Prüne 12. Im 3. Stockwerk befindet sich unsere neue Wohnung:
49 qm, zwei Zimmer, Küche mit kleinem Balkon zum Hof. Höhepunkte sind ein WC in der Wohnung, ein Bollerofen im Wohnzimmer, ein Küchenherd mit Backröhre und ein Spülstein mit fließendem Wasser in der Küche! Strom gab es auf dem Kuckucksberg allerdings auch schon, weil die Flakstellung bereits darauf angewiesen war. Aber sonst wurde das Trinkwasser in Kanistern gelagert, und für alle anderen Zwecke wurde Regenwasser genutzt.
Wo waren wir also hingeraten? Zwei Zimmer, Küche und WC! Die Zimmer waren klein und gingen wie die Küche und das WC vom Flur ab. Im Wohnzimmer schliefen die Eltern, später auf der „Ritze“ zwischen ihnen meine jüngere Schwester Ute. Im Kinderzimmer schliefen in je zwei Etagenbetten Ingrid, Peter und ich und später mein jüngerer Bruder Gerd. Jeder Raum hatte zwei Stiegenfenster nach Südwesten hin mit zwei Flügeln und Einfachverglasung. Im Wohnzimmer gab es noch ein schmales Einflügelfenster am Gebäudevorsprung nach Südosten hin, das noch einmal für Ute eine Rolle spielen sollte.
Die große Wohnküche war unser Lebensmittelpunkt. Als ich auf die große Eckbank stieg und aus dem Fenster schaute, sah ich gegenüber keine Gebäude.
Auf der anderen Seite der kopfsteingepflasterten Straße erblickte ich den riesigen Trümmerhaufen des zerbombten Teils der EICHE-Brauerei, der bis zur Höhe unserer Wohnung im 3. Stockwerk reichte. Wir Kinder ergründeten unser Umfeld recht schnell. Unser Haus war wie fast alle neuen Häuser rundherum nach dem sogenannten Barackenräumprogramm über den Marshallplan und die Kreditanstalt für Wiederaufbau neu errichtet worden. Nur das Eckgebäude Prüne 14/Sandkuhle war von den Bomben verschont geblieben. Daneben in der Sandkuhle gab es noch eine stark zerstörte Töpferei, deren zurückliegendes 1 1/2-geschossiges Hofgebäude stehengeblieben war.
Ute (v.) und ich (re.) haben schnell Anschluss gefundenAbb. 008
Die zentrale Lage von Prüne 12 in meinem geliebten „Bermudadreieck“, 2022Abb. 009
Alle Gebäude zwischen Schülperbaum, die Prüne entlang bis zur Sandkuhle, die Sandkuhle entlang bis zur Ecke Schülperbaum und den Schülperbaum entlang bis zur Ecke Prüne bildeten unser „Bermudadreieck“. Die Häuser grenzten einen großen dreieckigen Innenhof ein, der nur vom Trümmergrundstück Prüne 8 unterbrochen war, welches erst viel später bebaut wurde. Zu den Gebäuden gab es auf Kellergeschosshöhe liegende einzelne Hofflächen, die für die direkten Anwohner mit je zwei Teppichstangen und Pfählen für Wäscheleinen versehen waren. Über kleine Steintreppen erreichten wir ein in der Mitte des Gesamthofes liegendes Plateau, das von allen tiefer liegenden Einzelflächen erreichbar war. In der Mitte befand sich eine Rasenfläche, die mit einem Betretungsverbot belegt und mit einem Stolperdraht eingefasst war. Am Rande dieses Dreieckplateaus waren im Süden und Norden zwei große Sandkisten vorhanden, und für die jeweiligen Häuser gab es drei Aschkastenecken für die Aschebehälter aus Metall. Die Fläche verfügte zudem über mehrere eisenberingte Hauklötze, die zum Zerkleinern des Feuerholzes dienten. Das Ganze war ein abgeschlossener Innenhof, der nur durch die Hausflure und eine große, verschlossene Tordurchfahrt in der Sandkuhle zugänglich war. Diese Durchfahrt konnten Handwerker und Müllwerker nutzen. Das Trümmergrundstück Prüne 8 war eingezäunt, so dass dort auch kein Zugang zum Innenhof möglich war. Es war also unser El Dorado. Hier spielte sich vorwiegend das Leben dutzender Kinder ab. Kinder gab es viele, und das Spielen fand fast ausschließlich draußen statt.
Blick auf die Prüne am Ende des Krieges. Trümmer soweit das Auge reichtAbb. 010
Aber nicht nur der Innenhof war Spielwiese, auch draußen vor den Häusern gab es ein erweitertes Dreieck mit viel Trümmergelände und zerbombten Ruinen. Die Straßenzüge Herzog-Friedrich-Straße hinter der EICHE-Brauerei, Kirchhofallee, Schaßstraße, Ringstraße, Adelheidstraße, Exerzierplatz (Schützenwall gab es noch nicht), Bäckergang, Großer Kuhberg, Ziegelteich, Walkerdamm und Königsweg waren unser Revier.
Exerzierplatz 4 im Jahre 1978: Gebäude der FirmaKNUTZEN vor dem Abriss (re. Ostseehalle)Abb. 011
An zwei Tagen in der Woche fand ein Wochenmarkt auf dem „Exer“ statt. Dort gab es interessante Geschäfte im Umfeld. In der Prüne Ecke Sandkuhle im Altbau gab es eine Heißmangel und Ecke Schülperbaum einen Pferdeschlachter und eine Fahrschule. Auf der Ostseite des Schülperbaumes befanden sich ab Walkerdamm eine Drogerie, ein Uhrmacher (Frier), Erna Puck mit dem Milchgeschäft, Schlachter Wohlfeld, Elektroladen Jansen und die Eisdiele Chiesa. Der Inhaber, ein Italiener, lebte mit Frau und zwei Töchtern schon einige Jahre in Kiel.
Auf der anderen Straßenseite zog der Lederwarenhändler Gallinat unsere Aufmerksamkeit auf sich, da er immer große Pappkartons im Treppenhaus stehen hatte. Die Pappen spielten bei uns Kindern eine große Rolle. Auch der Süßwarenhändler Schmidt mit Toto und Lotto war für uns interessant. Er hatte die ersten Automaten an der Außenwand seines Geschäfts. Zum Exer hin gab es noch einen Laden für Malerbedarf und die Kaffeerösterei „Fips Kaffee“. Ein Jagdwaffengeschäft und die Schreibwarenhandlung an der Ecke Exer rundeten das Angebot ab.
Etablissement PARADISO in der Herzog-Friedrich-Straße Ende der 1950er JahreAbb. 012
An der Südseite des Exers befanden sich noch der „Angler Gasthof“ (Kneipe für die Marktbeschicker) und der Feinkostladen Rehder. Am Exer direkt vor der Ostseehalle war ein einzelnes, mehrgeschossiges Gebäude von den Fliegerbomben verschont geblieben. Dort betrieb die Firma Knutzen mit Futtermitteln, Saatgut, Gartenbedarf und Kleintieren ein Geschäft. Jahre später zog die Firma in die Prüne/Prüner Gang/Adelheidstraße um. Bevor das Gebäude später abgerissen wurde, konnte ein Junge, wie er später einmal erzählte, aus der Wohnung im oberen Stockwerk durch die Fenster der Ostseehalle (damals ehemalige Flugzeughalle) die ersten Hallenhandballspiele des THW Kiel beobachten. Nach Abriss des Gebäudes an der Ostseehalle wurde die Fläche als Parkplatz genutzt.
Für Tanzvergnügen meiner Schwester Ingrid bot der SCHIFFERER AUSSCHANK im Walkerdamm die entsprechende Abwechslung. An der Ecke Walkerdamm/Schüperbaum befand sich neben zerbombten Ladengebäuden eine Tankstelle. Die eingeschossigen Gebäude endeten vor der Herzog- Friedrich-Straße. Dort an der Ecke war ein Grundstück eingezäunt, auf dem sich ein Behelfsheim mit Garten befand. Schräg gegenüber in Richtung Weberstraße gab es noch das bis zum Obergeschoss stehen gebliebene ehemalige “Hotel Herzog Friedrich”, das dann als Gaststätte PARADISO mit zweifelhaftem Ruf betrieben und später auch abgerissen wurde
All dies und Vieles mehr bescherte uns eine interessante Kindheit in den 1950er Jahren.
Auch während der Kriegsjahre gab es Liebe: Meine Eltern Lisbeth und Werner Anfang der 1940er JahreAbb. 013
Das Jahr begann für mich immer mit den Sommern. Frühjahr gab es gar nicht richtig. Die Sommer in den 1950ern haben sich nachhaltig eingeprägt. Das Wetter war immer gut, oder? Ich ging raus in den Hof oder auf die Straße und traf dort Reinhard und Brigitte, Benno und Sabine und die anderen Kinder aus dem Bermudadreieck. „Wollen wir Pottversteck spielen?“ „Nee, erst kicken wir mit der Blechdose, bis sie zerbeult ist, dann können wir sie immer noch als Anschlagmal beim Pottverstecken nehmen“, antwortete jemand aus der Kinderschar. „Wir gehen dann aber zum Kicken in den Hof, da haben wir die beiden Teppichstangen als Tore“, wurde vorgeschlagen. „Aber der alte Kurt wird uns wegjagen“, entgegnete ich.
Auch mit Brigitte und Reinhard aus der Nachbarschaft gab es viel SpaßAbb. 014
