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Die schöne Rose Salmond führt ein beschauliches Leben mit geregelten Arbeitszeiten und einer kleinen Wohnung die sie sich mit ihrem Freund Tom teilt. Neben Tom spielt auch ihre Granma Elsa eine wichtige Rolle in ihrem Leben, welches sich bald von Grund auf ändern sollte. Während ihr rotes Haar und die weiße Haut bis dahin für Rose nicht mehr als ein Grund waren die Sonne zu meiden, stellt sich heraus dass weit mehr dahinter steckt. Sie findet ein Tagebuch dass sie in die Welt des übernatürlichen führt. Als Rose dann mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird, ist es zu spät um einen Rückzieher zu machen. Sie steckt mitten drin und begegnet einem Vampir, der ihr hilft mit der Situation klar zu kommen. Gerade als Rose denkt es könnte nicht mehr schlimmer kommen, treten auch noch andere Kreaturen aus dem Schatten und machen ihr das Leben zur Hölle…
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Seitenzahl: 172
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Mirella Adney
Raya
Die Farbe des Blutes
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Raya
Impressum neobooks
Ach, wie sehn ich mich nach dir,Kleiner Engel! Nur im Traum,Nur im Traum erscheine mir!Ob ich da gleich viel erleide,Bang um dich mit Geistern streiteUnd erwachend atme kaum.Ach, wie sehn ich mich nach dir,Ach, wie teuer bist du mir,Selbst in einem schweren Traum.
Johann Wolfgang von Goethe
Es war ein heißer Herbsttag, die Sonne brannte wie immer auf meiner weißen Haut und das obwohl ich heute schon Make-up gegen Sonnencreme ausgetauscht hatte. Elsa, meine Großmutter jedoch machte unter ihrem Sonnenschirm einen recht fröhlichen Eindruck. Wie schon so oft erzählte Sie mir unzusammenhängend etwas über Leute aus früheren Tagen, mit seltsam klingenden Namen, die mir auch nach so vielen Jahren immer noch nichts sagten. Doch auch wenn ihr Gerede etwas wirr klang blieb ich Geduldig mit ihr und tat so als wüsste ich genau was oder wen sie meint. Als ich die Hoffnung auf einen kühlen Windhauch letztendlich aufgab, steuerte ich den Rollstuhl von Grandma Richtung Wald. Der Weg war zwar nicht gerade alltagstauglich, doch ich schaffte es immerhin unter den ersehnten Schatten der Bäume. Grandma musste immer etwas schmunzeln über meine „Sonnenallergie“ wie sie es nannte. Auch wenn man es mir vielleicht nicht ansieht, doch auch ich wäre gern einmal in der Sonne ohne gleich Hautschutzfaktor 100 zu brauchen! Grandma meinte dazu immer dass das eben der Preis für meine Schönheit und die roten Haare war, um die mich wirklich viele beneideten. Im Gegenteil zu mir jedoch konnte Sie den ganzen Tag im Hochsommer draußen verbringen ohne auch nur ansatzweise einen Sonnenbrand zu bekommen. Ihre Haut hatte auch heute noch einen dunkelbraunen Teint, ihr Haar war zwar mittlerweile gänzlich ergraut doch in jüngeren Jahren war es so rabenschwarz wie das meiner Mutter Kira. Immer wenn ich Grandma jedoch auf meine roten Haare ansprach und dass ich mir nicht recht erklären konnte von wem ich sie geerbt hatte, lenkte sie gleich vom Thema ab und meinte dass manche Gene eben so viele Generationen überspringen dass man sie gar nicht mehr nachvollziehen kann. Ich für meinen Teil brachte dieses ihr doch offensichtlich unangenehme Thema damit in Verbindung dass es sie an Großvater erinnerte. Sie muss ihn sehr geliebt haben denn wenn sie nach so langer zeit immer noch nicht im Stande ist mir auch nur seinen Namen zu verraten, geschweige denn mir zu beschreiben wie er ausgesehen hat oder wie er vom Charakter her war, dann zeugt es doch von einem sehr großen Riss, den sein Tod in ihrem Herzen hinterlassen hatte. Meiner Theorie zufolge musste ich meine roten Haare von ihm haben. Meinen Großvater in Ehren, doch er hatte bestimmt noch andere positive Eigenschaften die er seiner Enkelin weitergeben hätte können, außer der weißen haut und den roten Haaren. Ich habe schon so oft nach ihm gefragt doch auch meine Mutter kann mir nichts über ihn sagen denn als er starb war sie noch so klein dass sie sich an gar nichts erinnerte. Vielleicht war Granma deshalb immer schon einer dieser Menschen die etwas zu tun brauchten, um nicht zu viel in die Erinnerungen vergangener Tage abzurutschen. Und ihr aktives Leben hat ihr allem Anschein nach nur Gutes gebracht, denn wenn man bedenkt dass sie immerhin schon 101 Jahre auf dieser Welt lebt ist sie eigentlich noch recht fit, abgesehen von dem Rollstuhl in dem ich sie seit einiger zeit immer spazieren fahre wenn ich sie besuchen komme. In ihrem kleinen Häuschen am Rande unserer Stadt direkt an einem kleinen Wald gelegen hat es mir als kleines Kind immer schon sehr gefallen. Maria, Grandma´s Pflegerin die täglich nach ihr sieht findet es hier alles unheimlich und düster „Jedes mal wenn ich hier her komme, rechne ich geradezu damit dass hinter einem dieser riesigen Bäume etwas hockt und mich gleich anfallen wird!“ sagt sie immer. Doch gerade dass hat mich als ich klein war so fasziniert - die Stille, die Schatten die die Blätter werfen wenn die Sonne von oben auf sie scheint und der Wind sie tanzen lässt. Der Geruch nach frischer Erde, Moos und verschiedenster Kräuter. Da ich in der Stadt aufgewachsen bin und dem Großstadttrubel nur schwer entkommen konnte habe ich meine Wochenenden bei Großmutter immer sehr genossen. Abends hat sie mir immer aus alten Büchern vorgelesen und mir dazu eine Tasse Tee in die Hand gedrückt, den sie aus selbst gesammelten Kräutern gemacht hatte. So kuschelten wir uns vor ihren Kamin, in dem Großteils Tannenzapfen brannten die wir zuvor gesammelt hatten, und genossen unsere Märchenstunde bis ich irgendwann einschlief. Grandma liebte den Wald und alles was in ihm wuchs und wenn sie wegen schlechtem Wetter einmal nicht darin spazieren konnte, ging sie doch alle paar Minuten zum Fenster und sah hinaus. Was sie jedoch dort zu finden hoffte, wusste ich damals noch nicht...
„Frau Salmond? Halllooo??? Ich bins Maria! Wo seid Ihr zwei?“ riss uns Granma´s Pflegerin aus unseren Erinnerungen. „Wir kommen!“ schrie ich lauthals zurück und eilte mit Granma zurück ins Haus bevor Maria wieder einen Ihrer Angstanfälle bekam und meine Mutter anrief. „Da seid Ihr ja, Ich dachte schon ihr seid wieder diesen unmöglichen Waldweg lang gefahren und nicht mehr von der Stelle gekommen so holprig wie es da ist! Es ist immerhin schon fast 18 Uhr und deine Großmutter muss noch zu Abend essen und sich Bettfertig machen damit Sie noch rechtzeitig zum Start ihrer Lieblings Serie im Bett liegt!“ Wie immer ging Maria natürlich von dem Schlimmsten aus sobald Sie die Wohnung betrat und Grandma nicht auf Ihrer Couch vorfand. Nach dem Ich ihr versichert hatte dass alles in Ordnung war, half ich ihr mit dem Essen und richtete danach Grandma´s Bett. Ich schaltete den Fernseher im Schlafzimmer ein, suchte den richtigen Sender und gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn als sie es sich in Ihrem Bett gemütlich machte. Normalerweise erwiderte sie nur noch ein schwaches „Gute Nacht meine Kleine“ bevor Ich aus der Tür verschwand, heute jedoch rief sie mich nochmal zu sich und flüsterte mir ins Ohr: “ Im Speicher, Die alte Truhe die du als Kind immer öffnen wolltest und nicht durftest... hier ist der Schlüssel, es wird Zeit...“ Mit diesen Worten drückte mir Grandma einen kleinen Schlüssel in die Hand und starrte danach weiter in den Fernseher als wäre nichts gewesen. Auf einen Versuch der Nachfrage was das nun zu bedeuten hätte, reagierte sie mit einem kurzem aber aussagekräftigem „Pssst“ und deutete auf das Fernsehgerät. Ich verstand dass sie nun in Ruhe ihre Serie schauen wollte und verkrümelte mich. Ich war müde, wollte nach Hause und sehnte mich nach einer Dusche. So stand ich vor Grandma´s Schlafzimmertür und schaute sehnsüchtig nach Rechts, die große Treppe hinunter zur Haustüre. Doch nach kurzer Überlegung siegte doch die Neugier über die Geheimnistuerei meiner Großmutter und ich bog am Ende des Flurs doch nach links ab und erklomm die steile Treppe in den Speicher. Die Tür ließ sich nur schwer öffnen, was vermutlich daran lag dass Grandma die Treppe schon seit einiger Zeit nicht mehr alleine schaffte und Maria sich auch fern hielt von dem dunklen Abstellraum. So rumpelte ich nach mehreren Anläufen durch die Tür und erschrak einen Augenblick selbst über den Krach den mein Eindringen verursachte und der in diesem riesigen, stillen Raum noch lauter wirkte als er vermutlich war. Das Erste das mir auffiel war dieser Geruch, vermutlich einfach nur Staub, doch für mich roch es nach altem Weihnachts-Schmuck und dem Wachs der Kerzen die früher immer im ganzen Haus von Grandma brannten und nun hier ihre letze Ruhe fanden. Ich fühlte mich sehr an meine Kindheit erinnert und an die schönen Stunden die ich in diesem Haus verbracht habe. Leicht melancholisch mit tausend Gedanken an vergangene Tage im Kopf schlich ich nun also durch den Speicher und da sah ich Sie. Die alte Truhe von der Grandma vorhin sprach. Abgesehen von der geschätzten zehn Zentimeter dicken Staubschicht darauf sah sie noch genauso aus wie immer. Mit den leicht kitschigen Blumen Applikationen und den künstlerisch ins Holz geschnitzten Mustern. Die dunkle grüne Farbe bröckelte schon an einigen Stellen ab, und als ich das Schloss inspizierte bekam ich ernsthafte Bedenken ob ich es noch schaffen würde es zu öffnen. Mitgenommen von früheren Versuchen eines jüngeren Ichs es ohne Schlüssel aufzubekommen und Rost der sich darüber zog wie ein schützender Panzer. Mit Feingefühl und Geduld, begleitet von etlichen Flüchen schaffte ich es schließlich das Schloss zu öffnen. Da war er dieser Moment den ich als Kind immer herbei sehnte. Ich gönnte mir einen kurzen Augenblick der Ruhe, atmete tief ein und hob langsam den Deckel. In der Truhe lagen Bücher, einige erkannte ich aus früheren Tagen wieder als mir Grandma daraus vorgelesen hatte, andere waren verschnürt und wirkten sehr abgenutzt als hätte sie jemand sehr oft und lange bei sich getragen. Es fanden sich auch etliche Stapel Briefe, ordentlich zusammen gebunden mit rotem Samtband. Als ich in der Truhe wühlte entdeckte ich außerdem ein schwarz weiß Foto von einem jungen Mann der sehr streng wirkte aber trotzdem gut aussah, wie ich fand. Auch einen Beutel mit weißen Blättern, vermutlich ein Duftsäckchen, war darin. Ich nahm die Bücher genauer unter die Lupe und stellte fest, dass es sich hierbei um Tagebücher handelte die auf dem edel wirkendem Leder Einband mit Jahreszahlen beschriftet waren. Mein Eifer war nun vollends erweckt und meine Gedanken schlugen Purzelbäume. Das seltsame Verhalten meiner Grandma heute… Und ihre Worte „Es wird Zeit…“ Dann noch das Bild von dem Mann, konnte dass mein Großvater sein? Wenn ja warum durfte ich erst jetzt von ihm erfahren? Ich wollte gerade das erste Tagebuch öffnen als ich Maria von unten hörte: „ Guten Abend Frau Salmond, ich gehe nach Hause!“ Plötzlich bemerkte ein leichtes Schwindelgefühl und nahm auch die Welt um mich herum wieder wahr. Die schwüle Hitze des Speichers, der direkt unter dem Dach von Grandma´s Haus lag, erdrückte mich. Ich musste mir die Sachen unbedingt genauer ansehen, aber nicht hier. Außerdem wollte ich meiner Großmutter keinen Schrecken einjagen wenn ich in der Nacht noch durch ihr Haus geisterte. Ich beschloss also mir erst einmal das Buch mit der ältesten Jahreszahl zu schnappen, dass demnach dass erste sein musste, und den Rest erst ein mal hier zu lassen. Ich ließ das Tagebuch in meiner Tasche verschwinden und schlich mich langsam Richtung Haustür. Draußen angekommen hastete ich in mein Auto, drehte die Klimaanlage voll auf und fühlte mich Augenblicklich besser. Zu Hause öffnete ich die Wohnungstür und fragte mich wo es wohl heißer war, in dem alten Speicher oder hier? Nicht lange nach einer Antwort suchend schaltete ich auch hier die Klimaanlage ein und floh direkt in die Dusche. Glücklich darüber dass ich einen sehr pflegeleichten Freund hatte der nicht auf ein üppiges Mahl zum Abendessen bestand wenn er von der Arbeit nach Hause kam, warf ich eine Tiefkühl Pizza ins Rohr, und machte es mir danach mit dem Tagebuch auf unserem kleinem aber bequemen Sofa gemütlich.
Juli 1930
Ich weiss nicht genau wie man am besten beginnt damit seine Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch zum Ausdruck zu bringen. Mutter meinte es würde mir guttun zu schreiben, jetzt wo ich fort war von zu Hause und so schenkte sie mir dieses Buch zum Abschied. Ich bin nun seit 3 Wochen hier bei Tante Marlene auf dem Land um mich in der Position als Gouvernante um ihre beiden Kinder zu kümmern und mein altes Leben scheint in unendliche Ferne gerückt zu sein. Die Euphorie darüber endlich nicht mehr in die Schule zu müssen und meinen Lebensunterhalt nun selbst zu bestreiten versank schon nach kurzer Zeit im Sumpf des Alltags. Tante Marlene hatte ihr Haus in den Briefen die Sie meiner Mutter schickte immer als groß und eindrucksvoll beschrieben, mit einem Grundstück dass so groß sein sollte dass man riesige Feste darauf feiern konnte… Nun groß war vor allem die Fantasie meiner Tante, denn das Haus ist allenfalls ein “Häuschen“ und eindrucksvoll fand ich hier lediglich dass so viele Bäume so nah aneinander stehen konnten wie in dem Wald der direkt an das “Häuschen“ grenzte. Das Zimmer das ich bewohne ist gerade groß genug um ein Bett, einen Kasten und den kleinen Tisch zu beherbergen, auf dem ich auch eine Schüssel mit Wasser und eine Kerze benutzen darf. Wenn ich durch das kleine Fenster aus meinem Zimmer blicke sehe ich nur Bäume und Berge. Das “Häuschen“ liegt wirklich sehr abgelegen und nun verstehe ich auch warum meine Tante so nachträglich um meinen Dienst hier gebeten hat, denn der tägliche Weg in die Schule wäre für die Kinder unzumutbar. Die Kleinen sind soweit ganz friedlich und lernen auch brav. Ich liebe es Ihnen beim herumtollen im Garten zuzusehen, oder mit ihnen verstecken zu spielen. Hier draußen bin ich dankbar für ihre Gesellschaft, ist es doch die einzige Zerstreuung die ich finde. Tante Marlene hat viel Arbeit mit dem Haushalt, lässt sich jedoch nicht gerne helfen. Außerdem bräuchte ich meine Kraft für die Unterrichtsstunden sagt Sie. Onkel Markus bekomme ich nur selten zu sehen weil er als Förster arbeitet und immer erst spät nach Hause kommt. Sowieso ist er eher schweigsam und in sich gekehrt. Die erste richtige Unterhaltung führten wir Gestern beim Abendessen, als er mir erzählte dass er wohl Morgen einen langen Tag haben würde weil er im Wald einige Feuerstellen entdeckt hat und befürchtete dass sie von Landstreichern stammen. Ich persönlich kann zwar nicht verstehen wie es jemanden freiwillig in diese Gegend führt, aber die Angst sitzt mir seit dem wie ein lauerndes Tier im Nacken. Würde uns hier jemand überfallen, dann wären wir vollkommen hilflos. Onkel Markus hat zwar ein Jagdgewehr mit dem er uns verteidigen könnte, doch was nützt uns das wenn er nie hier ist? Bleibt nur zu hoffen dass die Landstreicher, wenn es denn wirklich welche sind, freundlich gesinnt sind. Wenn ich an das Gesicht meiner Mutter denke, würde sie von all dem erfahren, huscht ein Lächeln über mein Gesicht. Geboren und aufgewachsen in der Großstadt ist sie an angenehmere Zustände gewöhnt. Doch der Brief den ich ihr geschrieben habe liegt immer noch in der Schublade unter dem Tisch, weil Onkel Markus nur einmal im Monat mit der Kutsche in die rund 30km entfernte Stadt fuhr um Besorgungen zu machen oder eben Briefe aufzugeben. Mutter platzte sicher schon vor Neugier! Doch wie auch ich musste Sie sich in Geduld üben, denn das Leben ging auch ohne mich weiter und der Alltag musste bewältigt werden. Das Leben… wenn ich so darüber nachdenke bin ich gespannt was es noch für mich bereit hält, welche Wege noch vor mir liegen… Doch im Moment liegt nur eine sehr kurze Nacht vor mir wenn ich nicht bald ins Bett gehe und so beende ich meinen ersten Eintrag in der Hoffnung dass ich das nächste Mal etwas Aufregenderes zu berichten habe…
August 1930
Wieder einmal fühle ich mich bestätigt in der Annahme dass man vorsichtig sein sollte mit seinen Wünschen! Aufregung bekam ich, und dank mir auch alle Anderen Gestern. Alles begann damit dass ich, wie so oft mit den Kindern im Garten verstecken spielte und wir ohne es zu bemerken immer näher an den Wald kamen. Als ich gerade auf die Suche nach den beiden gehen wollte sah ich etwas Rauch nicht unweit vom Haus entfernt aufgehen und steuerte darauf zu. Mit Gänsehaut am ganzen Körper stellte ich fest dass es sich um eine Feuerstelle handelte, mit Zweigen und Laub bedeckt aber noch immer glühend, so als hätte es jemand eilig gehabt weg zu kommen. Ein Geräusch hinter mir ließ mich aufschrecken und als ich mich umwandte um zu ergründen woher es kam bemerkte ich dass man von hier aus direkt zu meinem Fenster hoch sah. Zwar konnte ich sonst im Moment nichts entdecken doch die Tatsache dass hier jemand die ganze Nacht gesessen haben könnte und mich beobachtet hat ließ mich erschauern. Ich rief die Kinder zu mir und eilte mit ihnen ins Haus. Nachdem ich meiner Tante das Erlebte geschildert hatte verschlossen wir Türen und Fensterläden und verhielten uns ruhig bis mein Onkel am Abend nach Hause kam. Dieser rief uns bereits bevor er die Türe geöffnet hatte, verwundert darüber dass im Haus kein Licht brannte und er keinen Rauch aus dem Kamin steigen sah wie es sonst so üblich war wenn Tante Marlene das Abendessen kochte. Als er erfahren hatte was ich gesehen hatte wurde auch er leicht nervös, beschloss aber dass ich ihm die Stelle zeigen sollte damit er sie mit dem von ihm gefundenen vergleichen konnte und so feststellen ob es sich um die selben Leute handelte denen er auf der Spur war. Mit mulmigem Gefühl im Bauch folgte ich Markus, der sein Jagdgewehr umgehängt hatte aus dem Haus. Wir schlichen uns an den Wald heran, der in der Dunkelheit noch sehr viel bedrohlicher wirkte als noch heute Nachmittag. Ich führte ihn zu der Feuerstelle und traute meinen Augen nicht. Da war … nichts. Nicht einmal mehr versengter Boden oder Ähnliches. Zur Sicherheit damit es auch der Richtige Platz war schaute ich mich um und wusste in dem Moment als ich mein Zimmerfenster sah, dass ich mich nicht irrte, es war hier! Dass bedeutete dass wer auch immer das Feuer schnell gelöscht hatte als er mich am Nachmittag kommen sah, in der Zwischenzeit wieder hier war und seine Spuren verschwinden lassen hatte. Gerade als ich dann meine Gedankengänge beendet hatte schaute ich in das leicht verärgerte Gesicht meines Onkels. Er schob mich, etwas fordernder als ich es von ihm gewohnt war, Richtung Haus. Verständlicherweise war er aufgebracht dass ich ihm und seiner Familie so einen Schrecken eingejagt hatte und er nach einem harten Tag nichts zu essen bekam nur wegen meiner Hirngespinste. Marlene dachte darüber genauso und schimpfte vor sich hin wegen der ganzen Arbeit die sie wegen mir hatte liegen lassen, und Morgen dafür nachholen musste. Meinen Einwand, dass jemand die Feuerstelle beseitigt haben musste während wir uns im Haus eingeschlossen haben, taten Sie damit ab dass ich mich, seit ich hier war, sowieso immer langweilte und mir diese Geschichte ausgedacht hätte nachdem mir Onkel ja letztens von den Feuerstellen im Wald erzählte. Ich war wütend, stapfte in mein Zimmer und ließ das Abendessen, dass “Dank mir“ sowieso nur aus Butterbroten und Eiern bestand, ausfallen. In meinem Zimmer ließ ich meinen Gefühlen freien Lauf und die Tränen der Wut gewähren. Ich schaute durch nasse Augen aus meinem Fenster und glaubte an der selben Stelle von heute Nachmittag jemanden stehen zu sehen. Ich wischte mir schnell die Augen aus um genauer hinzusehen, doch so schnell er da war, war er auch wieder weg, dieser Schatten. Die Angst, dieses lauernde Tier in meinem Nacken kroch mit eiskaltem Atem über meinen ganzen Körper.
