Red Rock Ranch 08: Intrigen in Tucson - Alfred Wallon - E-Book

Red Rock Ranch 08: Intrigen in Tucson E-Book

Alfred Wallon

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Beschreibung

Nach wie vor will David Thorne das Land der Red Rock Ranch an sich reißen. Nachdem der erste Versuch gescheitert ist, sucht er nach anderen Möglichkeiten. Der Rancher Sam Taylor ist angeblich in Tucson zusammen mit einer Prostituierten gesehen worden, die wenig später ermordet wurde. Zeugenaussagen belasten Taylor schwer. David Thorne weiß jedoch nicht, dass Beth Taylor, die Tochter des Ranchers, eine sehr gute Anwältin ist. Zusammen mit ihrem Bruder und einigen Cowboys der Red Rock Ranch sucht sie nach Beweisen für die Unschuld ihres Vaters.

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In dieser Reihe bisher erschienen

4601  Alfred Wallon Hogans blutige Fährte4602  Dietmar Kuegler Verdurstet!4603  Alfred Wallon Für Carmen durch die Hölle4604  Hal Warner Mike Parkers Flucht4605  Alfred Wallon Gewehre für Delshay4606  Dietmar Kuegler Vierzigtausend harte Dollar4607  Alfred Wallon Das Phoenix-Kartell4608  Alfred Wallon Intrigen in Tucson

Intrigen in Tucson

Die neue Generation 02

Red Rock Ranch

Buch Acht

Alfred Wallon

Dieses Buch gehört zu unseren exklusiven Sammler-Editionen

und ist nur unter www.BLITZ-Verlag.de versandkostenfrei erhältlich.

In unserem Shop ist dieser Roman auch als E-Book lieferbar.

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© 2024 BLITZ-Verlag, Hurster Straße 2a,  51570 Windeck

Redaktion: Alfred Wallon

Titelbild: Mario Heyer

Umschlaggestaltung: Mario Heyer

Vignette: iStock.com/iatsun

Satz: Torsten Kohlwey

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-7579-4957-0

4608v1

Inhalt

Finstere Pläne

Ein verhängnisvolles Angebot

Viehdiebe

Eine Falle für Sam Taylor

Mord im Red Roof Inn Hotel

Der Mordbefehl

Erste Hinweise

Vergeltung

Weitere Hinweise

Jagd auf Pablo Jiminez

Über den Autor

Finstere Pläne

21. Mai 2022

Tucson – im Firmengebäude der Thorne Consulting Company

Gegen 10:30 Uhr

„Sagen Sie das Meeting mit Newman ab, Helen!“, rief David Thorne seiner Sekretärin Helen Mills zu. „Ich will die nächste Stunde nicht gestört werden. Wir müssen umdisponieren. Das sage ich Ihnen aber noch alles später.“

„Ist etwas passiert, Mister Thorne?“, fragte Helen, als sie bemerkte, dass ihr Chef ziemlich müde wirkte. Er sah aus wie jemand, der gerade mal eine Stunde Schlaf hinter sich hatte, obwohl er eigentlich zehn Stunden nötig gehabt hätte. Thorne arbeitete als CEO der Thorne Consulting Company ohnehin hart am Limit. Zwölf Stunden waren sehr oft die Regel, und manchmal sogar noch mehr. Dass bei dieser exzessiven Arbeitsweise die Gesundheit irgendwann Alarm schlug, war logisch.

„Nichts, ich habe nur schlecht geschlafen“, antwortete Thorne mit gepresster Stimme. „Ich muss erst einmal in die Gänge kommen, und dazu brauche ich heißen Kaffee. Bringen Sie mir bitte eine große Tasse, Helen. Extra stark. So stark, dass Tote davon aufwachen.“

Bevor Helen darauf etwas erwidern oder eine weitere Frage stellen konnte, ging er weiter in sein Büro und schloss die Tür hinter sich etwas zu heftig, als dass dies unbeabsichtigt gewesen wäre. Helen spürte, dass Verdruss im Anflug war, auch wenn sie nicht wusste, warum das so war. Sie hatte sich schon Sorgen gemacht, warum ihr Chef an diesem Morgen erst so spät eingetroffen war. Normalerweise hatte er um diese Uhrzeit bereits die ersten Telefonkonferenzen hinter sich und war bereit für das Meeting mit Walter Newman, dem stellvertretenden Bürgermeister und Leiter der Baubehörde, die von Phoenix aus sämtliche größeren Projekte in Arizona genehmigte und dann auch überwachte. Eigentlich ein wichtiger Termin für David Thorne, aber Helen hatte den Eindruck, dass ihm das zumindest in diesem Moment völlig gleichgültig war.

Ob vielleicht etwas in seinem privaten Umfeld geschehen war, das ihn so sehr verärgert hatte? Helen wusste eigentlich viel über ihren Chef, aber seit einigen Tagen hatte er eine Mauer um sich herum errichtet, die selbst Helen nicht durchdringen konnte, obwohl sie wusste, dass David Thorne ihre Diskretion schätzte. Aber er blieb verschlossen, und das bedeutete nichts Gutes.

Als sie den dampfenden Kaffee in die Tasse goss und sich damit auf den Weg zu Thornes Büro machte, überlegte sie immer noch, wie sie ihn aufmuntern konnte. Aber diesen Gedanken vergaß sie ganz schnell wieder, als sie einen Blick in sein Gesicht warf. Es war gekennzeichnet von Schlafmangel, und er sah in diesem Moment gut zehn Jahre älter aus.

„Vielen Dank, Helen“, sagte er zu ihr, als seine Sekretärin die Tasse vor ihm abstellte. „Sagen Sie Newman, dass ich ihn nachher wegen eines neuen Termins anrufe. Und wenn er sich beschwert, dass der Termin geplatzt ist, dann lassen Sie sich einen Grund dafür einfallen.“

„Selbstverständlich, Mister Thorne“, erwiderte Helen, zögerte aber noch, das Büro zu verlassen. Am liebsten hätte sie ihm jetzt gesagt, dass er sich ihr jederzeit anvertrauen konnte, wenn er Sorgen hatte. Aber dieser Wunsch wurde nur wenige Sekunden später zunichtegemacht. Ein einziger Blick von Thorne reichte aus, um Helen wissen zu lassen, dass er jetzt allein sein wollte, und das musste sie eben akzeptieren.

„Schließen Sie die Tür hinter sich, Helen!“, rief er ihr nach. „Ich rufe Sie, wenn ich Sie brauche!“

Das tat Helen dann auch, ging zurück zu ihrem Schreibtisch und nahm dort Platz. Sie atmete tief durch und konzentrierte sich dann auf das, was Thorne ihr aufgetragen hatte. Sie musste jetzt das Meeting mit Walter Newman absagen und ahnte bereits, dass dies dem stellvertretenden Bürgermeister nicht passen würde und sie vermutlich deswegen mit einer wütenden Reaktion am Telefon rechnen musste.

Sie wählte die Nummer Newmans und wartete ab, bis die Verbindung zustande kam.

„Guten Tag, Mister Newman“, sagte sie dann in ganz freundlichem Ton. „Hier ist Helen Mills von der Thorne Consulting Company. Sie haben um 11:15 Uhr einen Termin mit Mister Thorne. Ich bedauere sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass sich dieser Termin leider noch etwas verzögert.“

„Wie bitte?“, hörte sie seine gereizt klingende Stimme. „So plötzlich?“

„Es ist etwas Unvorhergesehenes dazwischengekommen, Mister Newman“, sagte Helen. „Mister Thorne lässt sich entschuldigen. Er wird erst nach 14:00 Uhr wieder im Büro sein. Ich soll Ihnen ausrichten, dass er sich danach gerne Zeit für Sie nimmt.“

„Auf nichts kann man sich verlassen!“, sagte Newman. „Dabei stand dieser Termin doch gestern noch fest. Wir haben doch noch miteinander telefoniert und ...“

„Wie ich schon sagte, Mister Newman – es ist etwas dazwischengekommen“, wiederholte Helen ihre Aussage. „Am besten vereinbaren wir jetzt gleich eine feste Uhrzeit. Ist 14:30 Uhr in Ordnung für Sie?“

„Das muss es ja wohl!“, stieß er immer noch aufgebracht hervor. „Ich hoffe, es bleibt dann auch wenigstens dabei. Schließlich muss ich auch meinen Tagesablauf genau planen.“

„Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld, Mister Newman“, sagte Helen. „Mister Thorne freut sich schon, Sie heute Nachmittag begrüßen zu können.“ Dann beendete sie das Gespräch, ohne Newman noch eine Chance zu geben, etwas hinzuzufügen.

Dies hatte sie zum Glück hinter sich gebracht. Aber damit waren David Thornes Probleme bestimmt nicht gelöst. Helen wusste nicht, was der Grund dafür war. Wahrscheinlich wäre sie erschrocken gewesen, wenn sie den Inhalt des Telefonats mitbekommen hätte, das Thorne jetzt führte. Sonst wäre ihr klar gewesen, dass das verschobene Meeting mit Walter Newman noch das geringste Übel war.

* * *

„Wissen Sie, was das für mich bedeutet?“, fragte David Thorne mit grollender Stimme. „Alles, was ich sorgfältig geplant habe, wurde zunichtegemacht. Wo ist der Fehler, Hector? Sagen Sie es mir!“

Thorne war drauf und dran, Alvarez zurechtzuweisen wie einen blutigen Anfänger, der nichts von seinem Job verstand. Bisher hatte er sich immer auf ihn verlassen können, aber ausgerechnet jetzt hatte er versagt, und die Gründe wollte er jetzt natürlich wissen.

Als er den ersten Anruf von Alvarez erhalten hatte, hatte Thorne noch geschlafen. Was er dann zu hören bekommen hatte, war einfach nur schockierend gewesen. Er hatte nicht viel dazu gesagt, sondern Alvarez mitgeteilt, dass er sich später bei ihm melden und dann alles Weitere mit ihm besprechen würde. Um diese frühe Uhrzeit konnte er noch nicht klar denken, und deshalb hatte er sich Zeit gelassen, welche nächsten Schritte er in die Wege leiten würde.

Zuvor wollte er erst noch einmal persönlich mit Lester Torrance sprechen. Deshalb war er auch so spät in die Firma gekommen, weil er den Anwalt ordentlich zurechtgestutzt hatte. Denn Torrance war völlig ahnungslos gewesen, als Thorne in sein Büro gestürmt kam und ihn einen gottverdammten Versager genannt hatte, auf den er sich zukünftig nicht mehr verlassen konnte.

Torrance war schockiert gewesen, als ihm Thorne mitgeteilt hatte, was in der letzten Nacht geschehen war. Aber auch der Anwalt konnte sich nicht erklären, warum Beth Taylor jetzt wieder auf freiem Fuß war. Als er Marvin Thundercloud und wenig später Sam Taylor aufgesucht hatte, war alles noch in Ordnung gewesen. Aber dann hatten sich die Ereignisse während der Nacht buchstäblich überschlagen, und nun gab es kein Druckmittel mehr, mit dem man Sam Taylor erpressen konnte.

„Ich habe wirklich keine Ahnung, David“, verteidigte sich Alvarez. „Ich wurde zum ersten Mal misstrauisch, als man mich anrief und fragte, warum die beiden FBI-Agenten mit der Frau noch nicht eingetroffen waren. Einer meiner Leute ist dann losgefahren zu der betreffenden Stelle. Beth Taylor war nicht mehr dort. Jemand hat sich eingemischt. Vermutlich waren es Taylor und seine Männer. Aber ich frage mich, woher sie nur wussten, wo die Frau hingebracht wurde.“

„Ich glaube nicht an Wunder, Hector“, sagte Thorne. „Irgendjemand muss das mitbekommen haben. Und wenn es nur ein dummer Zufall war.“

„Es waren Reifenspuren von mehreren Fahrzeugen zu sehen, David“, sagte Alvarez. „Mindestens drei Wagen waren es. Ich habe seitdem versucht, die beiden FBI-Agenten zu erreichen. Aber bis jetzt ist mir das noch nicht gelungen. Ich weiß nicht, wo sie stecken. Nach Lage der Dinge muss man davon ausgehen, dass wir nicht mehr auf sie zählen können.“

„Das war mir auch schon klar“, meinte Thorne. „Aber nun gut. Es ist eben so, wie es ist. Ich will nur wissen, ob ich mich zukünftig auf Sie und Ihre Leute verlassen kann, Hector. Und ich meine das durchaus ernst.“

Wenn David Thorne so etwas aussprach, dann standen die Zeichen auf Sturm, und das wusste auch Hector Alvarez.

„Ich wüsste noch eine andere Möglichkeit, David“, sagte er nach einigen Sekunden. „Natürlich werde ich alles tun, um herauszufinden, was genau in der letzten Nacht passiert ist. Meine Leute im amerikanischen Teil von Nogales sind gerade damit zugange, einige Nachforschungen anzustellen. Aber das geht nicht so schnell. Wir werden es aber herausfinden, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Jetzt denke ich allerdings daran, was die Schwachstelle eines leistungsfähigen Autos ist.“

„Wie bitte?“, fragte Thorne. „Hector, ich habe keine Zeit, um Rätsel zu raten. Was meinen Sie damit?“

„Die Schwachstelle eines Autos ist der Motor“, sagte Alvarez. „Wenn er nicht funktioniert, fährt das Auto auch nicht. Sam Taylor ist der Motor der Red Rock Ranch. Wenn er zu Fall gebracht wird, dann ist das unser Vorteil.“

„Wollen Sie einen weiteren Killer losschicken, Hector?“, fragte Thorne. „In der jetzigen Situation wäre das nicht gut. Man könnte daraus gewisse Schlüsse ziehen.“

„Das ist wahrscheinlich jetzt schon der Fall, David. Ich habe mir den Laptop vorgenommen, den Beth Taylor bei sich hatte. Und ich habe auch gesehen, was sich auf dem Stick befindet, den Paxton ihr gegeben hat. Das ist gefährliches Material. Beth Taylor weiß jetzt, wer die Mitglieder des Phoenix-Kartells sind. Und das weiß nun auch ihre Familie.“

„Gütiger Himmel“, sagte Thorne. „Und jetzt?“

„Wir müssen so schnell wie möglich dafür sorgen, dass Sam Taylor im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Und zwar auf sehr negative Weise.“

„Was haben Sie vor, Hector? Ich will das alles ganz genau wissen. Nicht, dass die Sache wieder schiefgeht.“

„Das wird sie nicht, David“, versicherte ihm Alvarez. „Man muss sich mit seinem Gegner ganz genau beschäftigen und alles über ihn herausfinden, wenn man ihn zu Fall bringen will.“

„Und das haben Sie herausgefunden?“

„Si“, antwortete Alvarez. „Es war gar nicht so schwer. Hören Sie jetzt mal genau zu, was mir vorschwebt ...“

Das tat David Thorne dann auch.

* * *

21. Mai 2022

Auf der Red Rock Ranch

Am Nachmittag gegen 16:30 Uhr

Als Beth Taylor aufwachte, war die Sonne schon weit nach Westen gewandert. Im ersten Moment hatte sie Mühe, sich zu vergegenwärtigen, wo sie sich jetzt befand. Aber dann erkannte sie die vertrauten Möbel des Zimmers, das ihr immer zur Verfügung stand, wenn sie für einige Tage auf der Red Rock Ranch zu Besuch war, um der Hektik des Alltags wenigstens für kurze Zeit zu entfliehen.

Sie schloss kurz die Augen, weil das Licht der sinkenden Sonne genau durchs Fenster und auf ihr Gesicht schien. Dann schlug sie die Bettdecke beiseite und stand auf. Sie fühlte sich noch schwach, weil die schrecklichen Erinnerungen an ihre Gefangenschaft außerhalb von Nogales noch sehr präsent waren. Sie musste jetzt wieder daran denken, was alles hätte geschehen können, wenn ihr Vater, Roy Curtis und Josh Dunn nicht rechtzeitig eingegriffen hätten. Vermutlich wäre sie jetzt schon in Mexiko und unter Umständen in einer Lage, über die sie besser nicht im Detail nachdenken wollte.

Beth ging unter die Dusche und genoss das Wasser, das ihren schlanken Körper traf. Auch wenn draußen die Hitze des Tages das Land noch fest im Griff hatte, duschte sie dennoch für einen Moment lang heiß, weil sie das Gefühl des Wohlbefindens brauchte und ihr sagte, dass sie wirklich außer Gefahr war. Hier auf der Red Rock Ranch würde ihr nichts zustoßen. Hier war sie sicher. Aber sie wusste auch, dass sie sich nicht ewig hier verstecken und sich von den Männern ihres Vaters beschützen lassen konnte. Sie hatte ein Büro, einen Job und eine Wohnung in Tucson. All dies konnte sie nicht länger als nötig aufschieben. Sie war es gewohnt, auch kritischen Dingen direkt ins Auge zu sehen. Umso schneller wurden solche Probleme dann auch wieder gelöst.

Beth kam aus der Dusche, trocknete sich ab und wählte dann bequeme Kleidung aus dem Schrank. Jeans, T-Shirt und eine leichte Jacke. Das musste ausreichen für den Rückweg nach Tucson. Aber zunächst wollte sie etwas zu sich nehmen, denn ihr Magen meldete sich mit einem kaum zu überhörenden Knurren.

Über die Treppe ging sie nach unten in den Raum mit dem großen Tisch. Dort hatte die Familie in den vergangenen Jahren immer ihre Mahlzeiten eingenommen. Aber seit Beths Großvater Ethan vor sechs Jahren gestorben und ihre Mutter Monica wenig später nach Dallas gegangen war, blieb von der für sie so wichtigen Familienidylle nichts mehr übrig. Sie war sogar dankbar, dass jetzt niemand anwesend war, sodass sie in Ruhe ihre Gedanken ordnen konnte.

Doch dieser Moment der Stille hielt nicht lange an, denn in der angrenzenden Küche hatte man bemerkt, dass Beth den Raum betreten und am Tisch Platz genommen hatte. Jerry Bush kam herein. Er war derjenige, der für die Familie kochte und auch für die Touristen auf der Ranch mit zwei Helfern für das leibliche Wohl sorgte.

„Hallo, Miss Beth“, sagte er. „Sie sehen so aus, als hätten Sie Appetit auf frische Pancakes?“

Beth musste kurz schmunzeln, weil es Jerry immer wieder fertigbrachte, jegliche trübe Gedanken zu verjagen, wenn er das Essen auftischte. Er machte diesen Job seit über fünf Jahren, und er machte ihn verdammt gut. Jedes Mal, wenn Beth zu Besuch kam, schwärmte sie förmlich von seinen Kochkünsten und ließ ihn das auch immer wissen. Das hatte sich Jerry gemerkt und legte sich bei Beths Besuchen ganz besonders ins Zeug.

„Gibt’s denn schon welche?“, fragte sie.

„In zwei Minuten schon“, erwiderte er. „Ahornsirup dazu?“

„Ja, gerne“, sagte Beth. „Und wenn’s möglich ist, eine große Tasse Kaffee. Schwarz und mit Zucker.“

„Kommt sofort“, versprach ihr der blonde Koch und verschwand dann wieder in der Küche. Er hantierte dort mit Töpfen und Pfannen und kam tatsächlich nur wenige Minuten später mit einem Teller voller Pancakes zurück. Ein Glas mit Ahornsirup stand daneben, und die Tasse Kaffee folgte zum Schluss.

„Guten Appetit“, wünschte ihr Jerry. „Ich bin froh, dass alles gut ausgegangen ist für Sie.“

„Ich auch“, fügte Beth hinzu und machte sich dann über die Pancakes her. Allein schon der Geruch ließ ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen, und als sie die ersten Stücke aß, verdrehte sie genüsslich die Augen. Jerry war ein wahrer Meister, wenn es darum ging, hungrige Mägen zufriedenzustellen, und das war ihm auch jetzt wieder gelungen.

Während sie sich die Pancakes schmecken ließ, hörte sie draußen auf dem Flur Schritte und Stimmen. Es waren ihr Bruder Matt und Roy Curtis, der Vormann. Wenige Sekunden später betraten sie den Raum und fanden Beth am Tisch vor.

„Das sieht ganz danach aus, als wenn du auf dem Weg der Besserung wärst, Beth“, sagte Matt Taylor. „Ich bin froh, das zu sehen.“

„Es wurde auch Zeit“, erwiderte Beth, während sie sich zwei weitere Pancakes auf den Teller legte und mit Ahornsirup übergoss. „Schließlich wartet in Tucson noch jede Menge Arbeit auf mich. Wer von euch fährt mich nachher wieder zurück?“

„Willst du nicht besser noch eine Nacht bleiben?“, fragte Matt. „Du solltest dich lieber etwas schonen und ...“

„Ich weiß schon, was am besten für mich ist, Matt“, erwiderte Beth. „Es gibt noch viel zu tun. Diese verdammten Bastarde haben gedacht, sie würden mich irgendwie zerbrechen. Fast hätten sie es auch geschafft. Deshalb ist es höchste Zeit, dass ich denen meine Rechnung präsentiere. Und sie wird hoch ausfallen, verlass dich drauf.“

Matt seufzte. Wenn sein Vater jetzt hier gewesen wäre, dann hätte er Beths Entscheidung sicher nicht gebilligt. Aber er war seit dem frühen Vormittag wieder draußen auf der Westweide mit den Cowboys.

„Ich sehe, ich kann dich nicht vom Gegenteil überzeugen“, sagte er schließlich. „Roy wird dich in die Stadt fahren. Dann kannst du übrigens auch deinen Mercedes abholen. Die Untersuchung ist abgeschlossen, und der Wagen steht bei Sheriff Storm. Er wird dir die Schlüssel geben.“

„Ich nehme an, man hat keine verwertbaren Spuren gefunden, oder?“, fragte Beth und sah, wie ihr Bruder stumm den Kopf schüttelte. „Das habe ich mir schon gedacht. Aber ich werde genau da weitermachen, wo ich aufgehört habe, bevor ich mich mit Jeffrey Paxton getroffen habe. Ich habe alle wichtigen Daten auf meiner Cloud gesichert, und somit werde ich genau da weitermachen, wo ich leider unfreiwillig aufgehört habe.“

„Das war eine gute Vorsichtsmaßnahme“, sagte Matt. „Wir haben die TCC in ihre Schranken verwiesen, Beth. Ich hoffe, dass sie uns jetzt in Ruhe lassen.“

Beth lachte kurz auf, als sie Matt so reden hörte.

„Das glaubst du doch selbst nicht“, hielt sie dagegen. „Wir haben nur die erste Runde in einem Kampf gewonnen, der noch viel länger dauert. Erzählt mir lieber, was in der Zwischenzeit alles geschehen ist und was ich wissen muss. Ich habe ja fast den ganzen Tag geschlafen und nichts mitbekommen.“

Während sie das sagte, schob sie den Teller beiseite und blickte Matt und Roy erwartungsvoll an. Abwechselnd erzählten sie Beth, was im Laufe des heutigen Tages geschehen war. Dazu zählte unter anderem, dass die beiden FBI-Agenten Phil Coogan und Steve Wagner mittlerweile in Untersuchungshaft saßen und auf ihren Prozess warteten. Marvin Thundercloud hatte seinen Besuch auf der Red Rock Ranch ebenfalls für die nächsten Tage angekündigt.

„Sehr gut“, sagte Beth mit einem anerkennenden Nicken. „Wenn Dad und Thundercloud an einem Strang ziehen, dann wird es für die TCC doppelt schwer, ihre Pläne umzusetzen.“

„Es würde schon helfen, wenn wir überhaupt wüssten, ob einige andere Dinge auch mit den Plänen der TCC zu tun haben“, ergriff nun Roy Curtis das Wort. Seine Miene war ernst, als er weitersprach. „Letzte Nacht sind ungefähr zwanzig Rinder von der Westweide verschwunden. Wir haben Reifenspuren eines großen Trucks gefunden. Die Rinder wurden abtransportiert, und wir haben nichts davon bemerkt. Kein Wunder, wir waren ja zur gleichen Zeit auf dem Weg nach Nogales.“

„Viehdiebstahl ist keine gängige Praxis für David Thorne und das Phoenix-Kartell“, gab Beth zu bedenken. „Die fahren da ganz andere Geschütze auf, Roy.“

„Das will ich auch nicht abstreiten“, meinte der Vormann. „Aber je mehr Nadelstiche man der Red Rock Ranch zugefügt, umso schwieriger wird es für uns alle. Wir sind den Reifenspuren gefolgt, Beth. Sie endeten am Nogales Highway, und wahrscheinlich sind die Rinder schon längst in Mexiko.“

„Wir müssen jetzt noch wachsamer sein“, sagte Matt. „Deshalb ist Dad auch noch unterwegs und reitet die Weiden ab. Wir werden heute Nacht Posten aufstellen, um zu verhindern, dass das noch einmal passiert.“

„Eine gute Idee“, stimmte Beth zu und erhob sich vom Tisch. „Ich packe nur ein paar Sachen ein, und dann bin ich fertig. Du fährst mich in die Stadt, Roy?“

„Ja“, sagte Roy Curtis. Matt nickte zustimmend. „Ich hole dann schon mal den Wagen und warte draußen auf dich.“

„In Ordnung“, sagte Beth. „Ich brauche nicht lange. Bis gleich.“

Curtis ging hinaus auf den Flur, und Beth wollte jetzt ebenfalls auf ihr Zimmer gehen. Aber da ließ sie Matts Stimme noch kurz innehalten.

„Du musst von nun an vorsichtig sein, Beth“, sagte er zu ihr. „Wir haben keine Garantie dafür, dass so etwas nicht wieder passieren kann. Warte einen Moment bitte.“ Er ging ins angrenzende Arbeitszimmer, kam wenig später mit einer Remington-Pistole R 51 wieder zurück und drückte die Waffe Beth in die Hand. „Trag sie immer bei dir, Beth“, sagte er abschließend. „Ich hoffe zwar nicht, dass du gezwungen bist, damit zu schießen, aber Vorsicht war schon immer ein guter Ratgeber.“

„Eins kannst du mir glauben, Matt“, meinte Beth. „Ich werde ganz sicher nicht zögern, abzudrücken, wenn es sein muss. So etwas passiert mir nicht noch einmal!“

Was hätte ihr Bruder darauf erwidern sollen? Er konnte Beth gut verstehen und hätte an ihrer Stelle höchstwahrscheinlich das Gleiche gesagt.

* * *

Roy Curtis hatte zwischenzeitlich den roten Nissan Frontier geholt und wartete geduldig, bis Beth aus dem Ranchhaus kam. In dieser Zeit gingen ihm alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Es war lange her, seit er Gelegenheit gehabt hatte, mit der Tochter des Ranchers allein sein zu können, und diese Tatsache beschäftigte ihn mehr, als er vermutlich jemals zugegeben hätte. Aber wahrscheinlich hätte ihm Sam Taylor die Hölle heißgemacht, wenn er gewusst hätte, dass ausgerechnet sein Freund und Vormann der Red Rock Ranch nicht nur freundschaftliche Gefühle für Beth übrighatte. Das hatte Curtis bis jetzt nicht gezeigt, und sein Verhalten Beth gegenüber war stets höflich, aber auch immer zurückhaltend gewesen.

Trotzdem war ihm nicht entgangen, dass Beth eine sehr attraktive Frau war, die so manche Blicke von anderen Männern auf sich zog. Aber es interessierte sie nicht, sondern sie hatte stattdessen immer eine Mauer um sich errichtet, die nur manchmal Risse zeigte und eine Seite zum Vorschein kommen ließ, die Curtis einiges Kopfzerbrechen bereitete. Denn die erfolgreiche Rechtsanwältin war manchmal auch sehr einsam, und immer dann, wenn ihre Stimmung schwankte, tat sie manchmal Dinge, die sie besser hätte bleiben lassen sollen. Dinge, die mit etwas zu viel Alkohol und kurzen Affären zu tun hatten. Er konnte nur hoffen, dass Beth beim nächsten Mal etwas vorsichtiger war, denn nach dem, was sie durchgemacht hatte, sollte sie sich besser von solchen Orten fernhalten, wo der Whiskey nicht viel kostete und die Männer immer für ein Abenteuer bereit waren. Auch in Tucson gab es solche Bars und Spelunken. Dort hatte er Beth einmal gesehen, und er erinnerte sich noch gut daran, dass der Anblick einer heftig flirtenden Beth mit einem breitschultrigen und deutlich jüngeren Mann ihm einen Stich versetzt hatte.

Seine Gedanken brachen ab, als Beth aus dem Ranchhaus kam. Sie hatte eine Tasche bei sich, verabschiedete sich noch einmal kurz von ihrem Bruder, der mit hinausgekommen war, und schaute dann zu Roy Curtis.

„Ich bin bereit“, sagte sie zu ihm. „Wir können losfahren.“

Er nahm ihr die Tasche ab und deponierte sie auf dem Rücksitz des Wagens. Dann öffnete er ihr die Beifahrertür. Beth quittierte diese höfliche Geste mit einem freundlichen Lächeln.

„Ganz der Gentleman“, meinte sie, während sie auf dem Beifahrersitz Platz nahm. „Danke, Roy.“

„Gern geschehen“, erwiderte er, ging um den Wagen herum und nahm dann am Steuer Platz. Er startete den Motor, gab Gas, und der Nissan Frontier fuhr vom Ranchhof. Roy Curtis blickte geradeaus und konzentrierte sich auf die Straße in Richtung Tucson. Für einige Minuten lang herrschte Schweigen, das Roy Curtis als belastend empfand. Deshalb war er froh darüber, als Beth schließlich das Wort ergriff.

„Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, mich bei dir zu bedanken, Roy“, sagte sie zu ihm. „Ich habe mitbekommen, dass du dir Vorwürfe gemacht hast.“

„Wer hat das gesagt? Dein Vater etwa?“, wollte Curtis wissen.

„Nein, Matt hat das erwähnt“, sagte Beth. „Aber ich möchte dir ausdrücklich sagen, dass ich dir nichts vorwerfe. Wer hätte denn auch ahnen können, dass jemand es auf mich abgesehen hatte? Und das ausgerechnet auf einem eigentlich gut bewachten Parkplatz?“

„Trotzdem hätte ich wachsam bleiben müssen“, sagte Curtis, während er jetzt die Interstate 19 erreichte und in Richtung Tucson weiterfuhr. „Ich habe das deinem Vater versprochen, und ich bin es gewohnt, meine Versprechen auch einzuhalten.“

„Davon bin ich überzeugt“, sagte sie und berührte dabei mit der linken Hand seinen rechten Arm. „Roy, auch du konntest nicht wissen, dass so etwas passieren würde. Aber wahrscheinlich war Dad stinksauer, als er davon erfuhr. Ich kann mir gut vorstellen, dass er ziemlich geflucht hat, oder?“

„Ja, das hat er“, musste Curtis nun zugeben. „Im Grunde genommen hat er damit ja auch recht. Ich hätte die Augen aufhalten müssen. Deswegen bin ich ja mitgekommen.“

„Ich habe aber auch gesehen, wie sehr du dich anschließend ins Zeug gelegt hast, Roy“, meinte Beth. „Das hast du Coogan gegenüber sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.“

„Diese verdammten Hundesöhne kommen hoffentlich für ein paar Jahre hinter Gitter“, erwiderte Curtis mit gepresster Stimme. „Es ist widerwärtig, eine Frau zu entführen und dann als Druckmittel zu benutzen.“

„Aber zum Glück dauerte es nicht lange“, fügte Beth hinzu. „Am besten schauen wir alle nach vorn. Das ist am vernünftigsten.“

„Das möchte ich gerne glauben“, meinte Curtis. „Aber den Optimismus habe ich nicht. Ich glaube, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir erneut Ärger bekommen. Deswegen hätte ich es für besser gehalten, wenn du ein paar Tage auf der Ranch bleibst, Beth.“

„Du machst dir wirklich Sorgen, oder?“, fragte Beth. „Das weiß ich zu schätzen, aber ich bin ein großes Mädchen, Roy. Ich habe gelernt, allein klarzukommen. Und ich kann nicht alles online erledigen. Dazu muss ich in der Kanzlei vor Ort sein. Ich schaffe das schon. Außerdem habe ich ja noch das hier ...“ Sie griff in ihre Handtasche und holte die Remington R 51 heraus, die ihr Matt gegeben hatte. „Ich habe nicht verlernt, damit umzugehen.“

„Da bin ich mir sicher“, meinte Curtis mit einem kurzen Kopfschütteln. „Du hast mit deinem Vater mehr gemeinsam, als du vielleicht denkst.“

„Was denn?“, fragte Beth schmunzelnd.

„Ihr wollt immer für klare Verhältnisse sorgen“, lautete die Antwort des Vormanns. „Egal, ob das erlaubt ist oder nicht. Wir können froh sein, dass Richter Rawlins und Sheriff Storm uns den Rücken frei halten, sonst hätte diese ganze nächtliche Aktion einigen Ärger ausgelöst.“

„Findest du?“, fragte Beth. „Du bist doch ansonsten nicht so zögerlich, Roy. Du gehst auch immer den direkten Weg. So kenne ich dich jedenfalls.“

Curtis wollte noch etwas dazu sagen, aber in diesem Augenblick tauchten in einiger Entfernung die ersten Häuser von Tucson auf und deuteten somit das baldige Ende ihrer Unterhaltung an. Es hätte schon noch einige Dinge gegeben, die ihr Curtis liebend gerne einmal gesagt hätte, aber er war sich nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee war. Beth war eine erfolgreiche Anwältin und verkehrte in Kreisen, zu denen er keinen Zugang hatte. Er kam aus einer einfachen Familie und würde Beth niemals das bieten können, was für sie unter Umständen selbstverständlich war. Deshalb entschied er, dass es besser war, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten und sie Beth nicht zu deutlich zu zeigen.

Der Rest des Weges bis zum Police Department verlief schweigend. Schließlich stoppte Curtis den Nissan Frontier vor dem Gebäude.

„Danke, Roy“, sagte Beth. Plötzlich beugte sie sich vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Curtis war so perplex, dass er ihm ersten Augenblick gar nicht wusste, was er tun sollte. Aber es war ein gutes Gefühl, und er musste lächeln.

„Pass auf dich auf, Beth“, rief er ihr nach, bevor sie die Wagentür zuschlug. „Und wenn was sein sollte, dann ruf an.“

„Du erinnerst mich an den Lone Ranger, Roy“, sagte Beth. „Habe ich dir schon mal gesagt, dass ich solche Helden mag?“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging auf den Eingang des Police Departments zu. Hätte sie sich jetzt noch einmal umgedreht, dann hätte sie sicher bemerkt, wie verwirrt Roy Curtis in diesem Augenblick war. Der fluchte nämlich, als er sich bewusst wurde, wie sehr er diesen kurzen Moment genossen hatte.

Du bist ein verdammter Idiot, Roy Curtis!, warnte ihn eine innere Stimme. Du wirst niemals eine Chance haben, und das weißt du auch. Ihre Welt und deine passen einfach nicht zusammen. Denk daran, bevor deine Emotionen jeden vernünftigen Gedanken überlagern. Sonst machst du dich nur zum Narren, und das willst du ganz bestimmt nicht!

Ein verhängnisvolles Angebot

21. Mai 2022

Tucson – North Oracle Road

Vor Fentonelli’s Pizzeria & Bar

Gegen 21:30 Uhr

Pablo Jiminez hatte schon seit geraumer Zeit beobachtet, was in der Gegend zwischen der North Oracle Road und der West Plata Street vor sich ging. Er saß in seinem Wagen, rauchte genüsslich eine Zigarette und beobachtete die Prostituierten, die immer wieder in andere Autos einstiegen, um sich zu einem abgelegenen Motel bringen zu lassen, wo man nicht unbedingt darauf schaute, ob der Gast und seine Begleitung die ganze Nacht über blieben, sondern stattdessen nur wenige Stunden. Ein Geldschein wechselte immer den Besitzer an der Rezeption, und dann war alles geregelt.

Jiminez kannte solche Stundenhotels, und er kannte auch die Frauen, die hier ihrem Gewerbe nachgingen. Viele von ihnen machten diesen Job schon seit einigen Jahren, und das konnte man ihnen auch ansehen. Aber die Männer, die diesen Distrikt aufsuchten, um für fünfzig Dollar oder etwas mehr das zu bekommen, was sie sich erhofften, achteten nicht mehr darauf, was sie als Gegenwert erhielten. Es war schneller und teilweise sehr oberflächlicher Sex, aber das schien ihnen zu genügen.