Reformation im Geist der Synodalität - Holger Dörnemann - E-Book

Reformation im Geist der Synodalität E-Book

Holger Dörnemann

0,0

Beschreibung

'Reformation im Geist der Synodalität' – Nach der Erstauflage 'Revolution der zärtlichen Liebe' bringt der Titel des um den Verlauf der XIV. Ordentlichen Bischofssynode bis zur Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens ‚Amoris laetitia‘ aktualisierten Synodentagebuches das alle Erwartungen übertreffende Ergebnis eines alle Teilkirchen der Welt umfassenden, synodalen Prozesses in der Katholischen Kirche auf den Punkt und unterstreicht das vom Autor selbst eingebrachte Neuverständnis der 'Ehe als Freundschaft'. Rückblickend auf einen zweieinhalbjährigen, synodalen Weg zeigt sich: 'Papst Franziskus ist kein Revolutionär, sondern ein Reformator.' (Kardinal Walter Kasper) Verfolgen Sie in dieser als ein zeitgeschichtliches Dokument aufbereiteten Chronologie eines Synodentagebuches – mit einem ausführlichem, 40 Seiten umfassenden Personen- und Stichwortverzeichnis – eine der spannendsten Zeiten der jüngeren Theologiegeschichte seit dem II. Vatikanischen Konzil!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 358

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Vorwort

I. Synodentagebuch: Die III. Außerordentliche Bischofssynode zu den ‚Pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung‘ vom 5.-19. Oktober 2014 in Rom

Sa., 4. Oktober 2014

So., 5. Oktober 2014

Mo., 6. Oktober 2014

Di., 7. Oktober 2014

Mi., 8. Oktober 2014

Do., 9. Oktober 2014

Fr., 10. Oktober 2014

Sa., 11. Oktober 2014

So., 12. Oktober 2014

Mo., 13. Oktober 2014

Di., 14. Oktober 2014

Mi., 15. Oktober 2014

Do., 16. Oktober 2014

Fr., 17. Oktober 2014

Sa., 18. Oktober 2014

So., 19. Oktober 2014

II. Tagebuch zum synodalen Prozess der Vorbereitung der XIV. Ordentlichen Bischofssynode ‚Die Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der modernen Welt‘

Mi., 19. November 2014

Fr., 19. Dezember 2014

Mo., 19. Januar 2015

Sa., 14. Februar 2015

Do., 19. März 2015

So., 19. April 2015

Di., 19. Mai 2015

Fr., 19. Juni 2015

So., 19. Juli 2015

Mi., 19. August 2015

Di., 1. September 2015

Di., 29. September 2015

III. Synodentagebuch: Die XIV. Ordentliche Bischofssynode ‚Die Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der modernen Welt‘ vom 4.-25. Oktober 2015 in Rom

So., 4. Oktober 2015

Mo., 5. Oktober 2015

Di., 6. Oktober 2015

Mi., 7. Oktober 2015

Do., 8. Oktober 2015

Fr., 9. Oktober 2015

Sa., 10. Oktober 2015

So., 11. Oktober 2015

Mo., 12. Oktober 2015

Di., 13. Oktober 2015

Mi., 14. Oktober 2015

Do., 15. Oktober 2015

Fr., 16. Oktober 2015

Sa., 17. Oktober 2015

So., 18. Oktober 2015

Mo., 19. Oktober 2015

Di., 20. Oktober 2015

Mi., 21. Oktober 2015

Do., 22. Oktober 2015

Fr., 23. Oktober 2015

Sa., 24. Oktober 2015

So., 25. Oktober 2015

IV. Tagebuch bis zur Veröffentlichung des nachsynodalen Apostolischen Schreibens ‚Amoris laetitia‘ am 8. April 2016

Di., 8. Dezember 2015

Mo., 8. Februar 2016

Di., 1. März 2016

Fr., 8. April 2016

Gebete zur Hl. Familie und für die Erde

Personenverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Vorwort

‚Reformation aus Rom. Die katholische Kirche nach dem Konzil‘ lautete kurz nach dem Ende des II. Vatikanischen Konzils ein Resümee der Theologen Karl Rahner, Maria von Galli und Otto Baumhauer. Deren ursprünglich in einer gleichnamigen Sendereihe des WDR-Fernsehens benannten Themenkreise stehen auch nach dem zweijährigen, synodalen Prozess und den wichtigen Wegmarken, die die Familiensynoden der Jahre 2014/2015 und das nachsynodale Schreiben bedeuteten, wieder ganz oben auf der kirchlichen Tagesordnung und führen die Programmatik des Konzils fort: das ‚synodale Prinzip‘, die ‚pastorale Wende‘ und die Fortsetzung einer heilsgeschichtlichen und Gottes fortwährendes Schöpferwirken in allen Dingen in den Blick nehmenden Theologie.

Dieses Synodentagebuch (online mit über 35.000 BesucherInnen auf www.familiensynode.blogspot.de) dokumentiert in einer Chronologie den synodalen Weg bis zu der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens ‚Amoris laetitia‘. Ein Vergleich des ersten Tagebucheintrages vom 4.10.2014 mit dem letzten Eintrag am 8.4.2016 stellt unter Beweis, welche Lehrentwicklungen sich in einer der wohl spannendsten Zeiten der jüngeren Theologiegeschichte ergeben haben: Eine ‚Reformation im Geist der Synodalität‘ und die Neuentdeckung der ‚Ehe als Freundschaft‘.

München, am 8. April 2016 Holger Dörnemann

Samstag, 4. Oktober 2014

Die Synode ist eine Sensation – oder um was es geht….

Diese Synode ist eine Sensation. Denn die Fragen, um die es geht, sind ja im Grunde gar keine offenen, sondern längst entschiedene – an prominenter Stelle nachzulesen –, verbindliche Lehre. Ein bekannter, theologisch nicht so zart besaiteter und handwerklich denkender Freund sagte mir, dass sie 'mit Zement angerührt seien, denn auf alle offenen Fragen gebe es doch eindeutige Antworten'. Und er hat – von dem mehr unangemessenen Wortspiel abgesehen – insofern recht, als die kirchliche Lehre doch eindeutig formuliert ist:

Nichteheliche Verhältnisse verstoßen gegen das moralische Gesetz, sind schwere Sünde und die in ihnen lebenden Menschen ebenso vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen (vgl. KKK 2390) wie in homosexueller Partnerschaft lebende Menschen, die gegen das natürliche Gesetz verstoßen, wenn sie wider die ihnen auferlegte Keuschheit miteinander verkehren (vgl. KKK 2357). Und auch wiederverheiratet Geschiedene sind ihr Leben lang vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen, insofern sie dauerhaft in einer Todsünde verharren (vgl. CIC Can. 915). Dass diese und andere schwierige Themen – wie der Umgang mit Methoden der Empfängnisregelung – zur Diskussion gestellt werden könnten, ist von der reinen Sachlage eigentlich unmöglich. Und die Frage wird sein, wie ich es in dem gestern veröffentlichten Interview der Kölner Kirchenzeitung versuchte auf den Punkt zu bringen:

"Mit dem Thema der wiederverheirateten Geschiedenen ist das Thema von nichtehelichen Lebensgemeinschaften angesprochen und dort die Frage, ob wir den Menschen in irgendeiner Weise eine Anerkennung zusprechen können, ohne zu sagen, was sie jeweils nicht sind. Einige Überlegungen gehen sogar dahin, dass gegebenenfalls eine sakramentale Kongruenz, eine beschreibbare Form sakramentaler Entsprechung, bestehen kann, um wiederverheiratete Geschiedene auch zu den Sakramenten zuzulassen. Die anderen Fragen sind ganz ähnlich: Ob wir wertschätzend etwas zu neuen Familienformen, zu homosexuellen Partnerschaften und anderen Lebensgemeinschaften sagen können und wie wir das Thema Sexualität, verantwortete Elternschaft und die Bedeutung des Gewissens neu ansprechen." (Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln Nr. 40-41/14 vom 3.10.14)

Die Fragen waren und sind eigentlich längst entschieden und auch hinreichend – das hat die Umfrage ja auch deutlich gemacht – bekannt, dass deren Nichtrezeption nicht einfach als ein Vermittlungsproblem erklärt und abgetan werden könnte. Und sie sind mit an Deutlichkeit nicht zu überbietender und auch jugendgemäß weiterentwickelter Weise – wie etwa im Youcat-Katechismus – didaktisch aufbereitet, selbst wenn das Thema in der Praxis des Gemeindealltags (vielfach sagen mir bekannte Seelsorger, sie hätten noch nie und bewusst nicht über Themen der Sexualität gepredigt) leider Gottes keine Rolle mehr spielt. Die Erwartungshaltung, dass sich den Themen in anderer Weise genähert wird, ist also eine Sensation, aber zugleich auch ein selbstgewähltes Dilemma der Synode. Und die Frage wird sein, wie in Rom und der nachfolgenden Zeit der ja weitergehenden synodalen Beratung über diese Themen – über die lange geschwiegen wurde und beinahe die Sprache fehlt – neu und offen gesprochen werden wird und kann.

Warum sich dabei alles an dem Thema der „in absoluten Ausnahmefällen möglichen Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene“ festmacht (in einschlägigen Medien wird sich oft gewundert über dieses "katholische Insiderproblem"), berührt dabei – wie in einem Brennglas verdichtet – den nämlichen, oben angesprochenen Begründungszusammenhang. Und das eigentlich von der Lehre her Ausgeschlossene und Unmögliche, dass die neue Beziehung eines in zweiter, ziviler Ehe lebenden Menschen nicht ausschließlich als ‚schwere Sünde‘ oder ‚Todsünde‘ angesehen wird, sondern als etwas, das in einer bestimmten Weise eine Form sakramentaler Entsprechung, die Zulassung zum Kommunionempfang und den Sakramenten möglich machen kann, ist die Argumentation, der sich die Mehrheit der deutschen Bischöfe nach Aussage von Kardinal Reinhard Marx angeschlossen haben und von deutscher Seite auf der Synode in Rom vortragen wird (vgl. Pressemeldung Nr. 165 der DBK vom 26.9.2014). Dass in dieser Argumentation eine Weise der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit miteinander verbunden sind, wird aus der Begründung deutlich, die sich der Argumentation – wie auf der abschließenden Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz am 26.9.2014 ins Wort gebracht (s. ebd.) – und dem Gedankengang Kardinal Walter Kaspers und seiner Rede vor dem Konsistorium vom 20. Februar 2014 dieses Jahres anschließt.

Wie die Synode dieses und des nächsten Jahres dieses Thema und alle anderen aufgeworfenen 'heißen Eisen' und Lebensthemen neu ansprechen, reformulieren, vertiefen, vermitteln wird,... das wird die spannende Frage der nächsten Wochen, ja der gesamten nächsten 12 Monate sein. Wir dürfen gespannt sein – und sind schon bald beteiligt an dem synodalen Prozess, der alle Katholiken weltweit in zwei Wochen einbegreifen wird. Aufgerufen sind wir schon jetzt zum Mitdenken, nicht minder zum Gebet.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Was alles neu ist bei der ersten Synode unter der Leitung von Papst Franziskus

Die kommende Synode ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit. Direkt mit dem Beginn setzt Papst Franziskus bei der ersten Bischofssynode unter seiner Leitung Akzente:

Der öffentlich gefeierte Eröffnungsgottesdienst der Bischofssynode am heutigen Sonntag, den 5.10.2014 mit allen Synodalen im Petersdom ist der erste von insgesamt drei öffentlichen – auch in Deutschland live im Internet zu verfolgenden – Gottesdiensten, deren nächste am So., den 12.10. und zum Abschluss am So., den 19.10.2014 (mit Seligsprechung des Konzilspapstes Paul VI.) die Synode rahmen werden. Aber nicht nur diese Weise, das Volk Gottes über die weltweite Umfrage und Beteiligung aller Ortskirchen an dem Verlauf der Familiensynode einzubeziehen, ist neu. Auch das Verfahren, die Öffentlichkeitsarbeit und die Weise der Ergebnisdokumentation ist verändert, transparenter und dynamisiert, so dass jeder interessierte Beobachter sehr nah das Geschehen verfolgen, sich einbezogen fühlen kann.

Indem die Teilnehmenden bei dieser Synode gebeten waren, ihre Statements im Voraus einzuschicken, wird ihnen dieses Mal zugleich die Möglichkeit gegeben, ihre Gedanken mündlich vorzutragen. Sie sind bei der Versammlung, die am morgigen Montag, den 6.10. um 9:00 ihre Arbeit aufnimmt, aufgefordert - jeweils vier Minuten lang -frei zu sprechen und ihre Gedanken zur Debatte zu stellen. Bewusst wird mit dieser Änderung des Procederes eine Dynamisierung des Austausches angezielt, wie der Generalsekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri am 29.9.2014 in einer Pressekonferenz auf den Punkt brachte:

„Es ist wichtig, sich klar und mutig zu äußern. Das eigene Denken mitzuteilen zeigt die Qualität des Menschen und macht ihn verantwortlich vor Gott und den Menschen. Innerhalb eines Klimas der Gelassenheit und der Ehrlichkeit sind die Teilnehmer dazu gerufen, nicht ihren eigenen Standpunkt als exklusiv darzustellen, sondern zusammen nach der Wahrheit zu suchen.“

„Papst Franziskus will […] die Möglichkeit geben, in völliger Freiheit sprechen zu dürfen. Da kann es ja sein, dass es einmal eine Idee gibt, die sich außerhalb des Bildes befindet. Würden wir uns an strikte Regelungen halten, dann wäre es nicht möglich, solche außerplanmäßigen Ideen einzubringen. Wir wollen aber Änderungen und Anpassungen ermöglichen!“,so der Generalsekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri weiter in der Pressekonferenz am 3.10.2014.

Ebenfalls anders als bei den bisherigen Bischofssynoden sollen die schriftlichen Beiträge der Synoden-Teilnehmer nicht gesammelt dokumentiert werden, sondern unter Einbezug der mündlichen Statements tagesaktuell in einen Text des Vatikanischen Pressesaals fließen, der als Zusammenfassung der Arbeiten des jeweiligen Tages – gleich einem Ergebnisprotokoll – den Verlauf wie den Fortschritt der Bischofssynode dokumentiert. D.h. jeden Tag wird ein Stück weit mehr etwas von dem 'Bild' offenbar werden, von dem Kardinal Baldisseri am 29.9.2014 zum wiederholten Male sagte, dass es mit der diesjährigen Bischofssynode in neuer Weise die Neubelebung des synodalen Gedankens ausdrücken solle.

Und neu ist auch, dass im Zuge des Pressebriefings – täglich wechselnd – auch einige Synodenväter teilnehmen werden. Die darüber veröffentlichten Nachrichten und O-Töne werden jeden Tag mehr einen Einblick in das Geschehen in Rom geben, das sich thematisch an der Reihenfolge der im Arbeitspapier ‚Instrumentum laboris‘ aufgeführten Gliederung orientieren wird. Darüber hinaus wird man auch über Newsletter hinaus den Kurznachrichtendienst Twitter nutzen, um „in Echtzeit“ Neuigkeiten zur Synode zu verbreiten.

In allem wird deutlich: Papst Franziskus ist es ein Anliegen, die besten Möglichkeiten zu bieten, die Synode vom Heiligen Geist leiten und das gesamte Volk Gottes daran Anteil nehmen zu lassen. Daraufhin ermutigte Papst Franziskus die Synodalen in seiner Predigt zur Eröffnung gleich in zweifacher Weise:

„Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über das Wissen hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten."

Eindringlich hatte Papst Franziskus bereits am Vorabend der Eröffnung der Bischofssynode – in einer Vigilfeier – die Synoden-Teilnehmer aufgefordert, den „Schrei des Volkes“ und den „Herzschlag der Zeit“ wahrzunehmen:

„Vom Heiligen Geist erbitten wir für die Synodenväter vor allem die Gabe des Zuhörens. […] Daneben erbitten wir die Bereitschaft für eine ehrliche Auseinandersetzung, offen und brüderlich, die uns die Fragen angehen lässt, die sich in dieser Zeit des Wandels stellen.“

Montag, 6. Oktober 2014

Im Geist der Synodalität – oder wie die Bischofssynode begann

'Welch ein Papst', dachte ich bereits heute Vormittag in ferner Erinnerung an das II. Vatikanische Konzil, nachdem Papst Franziskus zu Beginn der Synode für alle Synodalen einen „Geist der Synodalität“ beschwor und nochmals eindringlich zu einer offenen, freien Rede aufrief:

"Eine Grundbedingung dafür ist es, offen zu sprechen. Keiner soll sagen: ‚Das kann man nicht sagen, sonst könnte ja jemand von mir so oder so denken...’ Alles muss ausgesprochen werden, was jemand sich zu sagen gedrängt fühlt! […] Man muss alles sagen, was man sich im Herrn zu sagen gedrängt fühlt: ohne menschliche Rücksichten, ohne Zögern!“ (Pressemeldung von Radio Vatikan vom 6.10.2014)

Diese Ermutigung gilt den Synoden-Teilnehmern in erster Linie, aber – das erinnerte ich direkt im Anschluss an diese Meldung – auch jedem Einzelnen von uns. Kardinal Marx sagte in einem am gestrigen 5.10.2014 im Deutschlandradio Kultur veröffentlichten Interview, dass „auch die Wissenschaftler und Theologen und die Bischöfe, die nicht an der Synode beteiligt sind, weiter zu diskutieren, öffentlich zu diskutieren“ aufgefordert sind, damit die vom Papst gewünschte Dynamik des synodalen Prozesses auch Wirklichkeit werden kann. Der Erfolg der Synode hängt auch an uns.

Für die Kirche in Deutschland gilt das insofern besonders, als wir ja nicht nur mit Geldwerten Transparenz zeigen müssen. Wir müssen es auch und gerade mit den wirklichen 'Werten' tun, die ja unser eigentliches, wirkliches Kapital bedeuten. Und wir müssen deutlich machen, woher wir sie nehmen, und vor allem, wie wir sie begründen; indem wir sie kommunizieren, wenn wir sie nicht verraten oder über Sprachlosigkeit gar schon aufgegeben haben.

In den vergangenen Tagen habe ich es auch persönlich so erlebt, dass erst über die Auseinandersetzung mit den Themen, sich die Sprache findet und auch eine Klärung einsetzt. Etwa auf die Gretchenfrage, ob sich die Lehre der Kirche am Ende der Synode geändert haben werde. Genau diese Frage wurde ich heute in einem Interview für die Aktuelle Stunde des WDR tatsächlich gefragt. Mal abgesehen davon, dass man es sich leicht machen kann dahingehend, dass man sagt, dass man den Ergebnissen der Synode natürlich nicht vorweggreifen kann, kann doch aus einer Kölner „Fernsichtbrille“ etwas viel Weitergehendes gesagt werden, womit der synodale Gedanke im Sinne des Papstes tatsächlich weitergetragen ist:

Gekommen war das Filmteam aus Anlass der Synode und aufgrund der Freischaltung einer eigenen Themenseite zur Familiensynode und wegen des in der Pressemeldung des Presseamtes des Erzbistums Köln vom 2.10.2014 angezeigten, transparenten Umgangs in Hinblick auf den weiteren Fortgang der von Köln nach Rom getragenen Umfrage-Ergebnisse. Die festgestellte Differenz – zugleich der Ansatzpunkt der Synode –, markiert nun aber genau den springenden Punkt, dass die Lehre wieder die Gläubigen erreichen muss, damit sich die Menschen mit ihr und der Kirche identifizieren. Weit jenseits einer richtungslosen Veränderung – oftmals „Anpassung an den Zeitgeist oder den Mainstream“ genannt – muss es um eine Vertiefung der Lehre gehen, in der die Gläubigen sich und ihren Glauben wiedererkennen; die nicht abgehoben, sondern mit ihnen verbunden wahrgenommen werden muss, in der der gestern angesprochene 'Herzschlag der Zeit' wahrnehmbar wird, nach-und widerhallt.

Und genau das zeigte der vom vorbereitenden synodalen Rat als 'Relator' gewählte Kardinal Erdö an, indem er zunächst den breiten Konsens der Rückmeldungen im Blick auf die mit Ehe und Familie zusammenhängenden Themen in einer insgesamt einstündigen Einführung (ein Originalvideo aus der Synodenaula ist auf Youtube eingestellt), einer ersten Zusammenstellung ('relatio') der schriftlichen Rückmeldungen (noch vor den mit dem heutigen Tag einsetzenden Diskussionen), ins Wort brachte: nämlich dass Ehe und Familie als etwas grundlegend Gutes wahrgenommen werden; auch dass die Unauflöslichkeit der Ehe von den Katholiken in der Regel nicht als solche in Frage gestellt ist. Der Ausgangspunkt ist für ihn deshalb zunächst einmal ein rundweg positiver:

„Es gibt […] im Innern der Kirche keinen Grund zu einer Katastrophen- oder Resignations-Stimmung. Es gibt ein klares und von der Mehrheit mitgetragenes Glaubenserbe, von dem die Synodenversammlung ausgehen kann.“ (Pressemeldung von Radio Vatikan vom 6.10.2014)

Aber der ungarische Kardinal deutet auch die Richtung an, in der der synodale Weg die nächsten Tage fortschreiten wird: die Gefährdungen der Familie seien anzusprechen, die der Familie feindlich gesonnen sind, in einer Welt der Ungleichheit und der sozialen Ungerechtigkeit. Auch der Ehevorbereitung und der Weise der Begleitung von Menschen in Trennung / Scheidung, die nicht nur auf den Empfang der Sakramente reduziert werden dürfe, müsse ein besonderes Augenmerk gelten. Ein Ausrufezeichen setzte der Relator der Bischofssynode als er im Blick auf die ‚Ehen ohne Trauschein’ darauf hinwies, dass die Kirche die „Gelegenheit nicht verstreichen lassen könne, auch in Konstellationen, die weit von den Kriterien des Evangeliums entfernt sind, den Menschen nahe zu sein“, so Radio Vatikan in derselben Pressemeldung. Und dass selbst über homosexuelle Partnerschaften gesprochen werde, deutete Kardinal Marx am Abend gegenüber Radio Vatikan an.

Mehr als eine Reminiszenz auch der Ausblick, dass über die Fragen zur Verfahrensvereinfachung von Annullierungen ungültig geschlossener Ehen hinaus auch die Praxis orthodoxer Kirchen, eine „zweite oder dritte Ehe mit Buß-Charakter zu erlauben“, genauer studiert werden solle, wie es Radio Vatikan in der schon genannten Pressemeldung zusammenfasst. Aufmerken lässt schließlich auch ein Satz hinsichtlich der Fragen rund um Sexualität und verantworteter Elternschaft, dass der Papst im Hinblick auf die Aussagen der Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI. auf eine „positive Neuformulierung der Botschaft“ setze.

Die Erwartungen sind erfüllt, wenn nicht übertroffen. Der Mut und die Entschlossenheit, die großen Themenbereiche anzugehen, sind dem ersten Pressebericht und den Stellungnahmen als Reflex auf den ersten Synodentag anzumerken – und die Ausführungen atmen den zu Anfang dieses Posts von Papst Franziskus angesprochenen ‚Geist der Synodalität‘, den er für die Synode geradezu personifizieren will:

„Sprecht mit Freimut und hört mit Demut! Und tut dies in aller Ruhe und in Frieden, denn die Synode entwickelt sich immer cum Petro et sub Petro. Die Anwesenheit des Papstes ist eine Garantie für alle.“ (Pressemeldung von Radio Vatikan vom 6.10.2014)

Dienstag, 7. Oktober 2014

Von Analogie und Gradualität – oder erste Schlüsselbegriffe für Lösungsansätze

Vielleicht wird man rückblickend von diesem Tag sagen – der die Auseinandersetzung mit dem naturrechtlichen Denkansatz wie mit der Berufung des Menschen zu Christus in Bezug auf die Familie (also die Kapitel III und IV des I. Teiles des 'Instrumentum laboris') vorsah –, dass an eben diesem Dienstagvormittag bereits die Schlüsselgedanken bewegt wurden, die für die offenen, pastoralen Fragen der Familiensynode richtungsweisend werden sollten.

Denn am zweiten Sitzungstag der Synode wurde – gemäß Sitzungsprotokoll – in Anwesenheit von 184 Synodalen mit dem Papst ein breiter Bogen geschlagen, der von der Bedeutung der Sexualität als besonderem Kennzeichen ehelicher Spiritualität (ein australisches Ehepaar brachte diese Lebenswirklichkeit in die Synode ein) bis hin zur Auseinandersetzung mit eheähnlichen und anderen Lebensgemeinschaften reichte. Und auf Letztere bezogen, wurde über das 'Prinzip der Gradualität' eine Möglichkeit angesprochen, auch eine breite Vielfalt partnerschaftlich gelebter Familienformen wertschätzend und zugleich in Bezug auf die hohen normativen Ideale von Ehe und Familie in den Blick zu nehmen. Betonte das Apostolische Schreiben 'Familiaris consortio' das 'Gesetz der Gradualität' (FC 34) noch im Sinne des moralischen Wachsens ehelichen Lebens, wird dieser Begriff der 'Gradualität' nunmehr zur wertschätzenden Verhältnisbestimmung der pluralisierten Partnerschaftsformen in Bezug auf die Ehe verwendet. Deutlich wird darin die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass das Leitbild der auf Ehe bezogenen Familie nur dann glaubhaft seine orientierende Kraft entfalten kann, wenn es auch bezogen auf weitere gesellschaftlich entstandene Familienformen gedacht wird. Am Ideal der Ehe gemessen 'unvollkommene' Lebensgemeinschaften sollen mit dem Respekt betrachtet werden, 'dass in ihnen Treue und Liebe und Elemente der Heiligung und Wahrheit vorhanden' seien. (vgl. Zusammenfassung der Generaldebatte des Montagnachmittags unter dem Datum des 7.10.2014)

Der Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, ergänzte im Pressegespräch am Mittag mündlich, dass dieses Prinzip der Gradualität auch mit dem auf dem II. Vatikanischen Konzil gewonnenen Selbstverständnis der Katholischen Kirche begründet worden sei. Wie in der Konstitution über die Kirche (und ebenso auch im Ökumenismusdekret) festgehalten wurde, dass auch außerhalb des Gefüges der Kirche „Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden seien“ (LG 8), so könne in einer Analogie auch von eheähnlichen Gemeinschaftsformen wertschätzend gesagt werden, dass in ihnen – in derselben Begrifflichkeit im Protokoll der Debatte des Montagnachmittag ausgedrückt – 'Elemente der Heiligung und Wahrheit enthalten seien', die sie positiv auf die Ehe bzw. die in der Ehe begründeten Familie bezogen sehen lassen. Ein weitgehender Gedanke, der ebenfalls auf der Linie der Aussagen Kardinal Marx' liegt, der in seinem Statement in der Synodenaula nach eigenen Aussagen sich auch für die Anerkennung der in homosexuellen Partnerschaft über Jahre gelebten Liebe und Treue ausgesprochen habe, die ja nicht "alles nichts" seien.

Die Argumentation für die Generaldebatte des dritten Synodentages zu den 'Pastoralen Herausforderungen und den kritischen Situationen in der Familie', um welche Themen im Vorfeld der Synode die größten Auseinandersetzungen erfolgt waren, scheinen mit diesen Gedanken schon vorbereitet, mit denen die Synode in die entscheidende Phase übergeht, das Leben in allen Facetten und auch den Brüchen wahrzunehmen. Die Predigt Papst Franziskus' in der heutigen Frühmesse im Gästehaus Santa Marta bringt diese Geschichten, die das Leben schreibt, bereits warmherzig ins Wort, in denen Gottes Liebe uns barmherzig suchend entgegenkommt:

“Each one of us has a story: a story of grace, a story of sin, a story of journey, many things […]. And it’s good to pray with our story," to recognize our failures and how, despite our sin and infidelity, God continues to seek us out, call us back and offer his grace."(www.catholicreview.org, dt. Übersetzung bei Radio Vatikan)

Mittwoch, 8. Oktober 2014

'Hinhorchen', 'Hinschauen', die 'Kunst der Begleitung' und die 'Medizin der Barmherzigkeit'

"Wir brauchen einen wertschätzenden Umgang mit Situationen, die nicht der vollen Realität der sakramentalen christlichen Ehe entsprechen", sagte Kardinal Schönborn der Wiener Zeitung bereits am 29.9.2014 – und ebenso, dass er diesen Gedanken in seinem Redebeitrag bei der Synode hervorheben und im Zusammenhang des Umgangs mit Situationen des Scheiterns thematisieren werde.

Auch ohne mich auf den Blog zur Familiensynode vorzubereiten, hätte ich diese Nachricht des Wiener Kardinals wahrscheinlich aufgemerkt, schon weil er mich während meiner theologischen Freisemester in Fribourg als damaliger Professor für Dogmatik in seinem weißen Dominikanerhabit auf eben die Fragestellung hingewiesen hat, die seiner Meinung nach im Mittelpunkt der Summa Theologiae des Thomas von Aquin steht und mein Leben seitdem geprägt hat: der Freundschaftsgedanke.

Er gehört dem die Familiensynode vorbereitenden Synodenrat an, hat als Redaktionssekretär an dem im Jahr 1992 erschienenen Weltkatechismus mitgewirkt und kennzeichnete seine Devise im Hinblick auf diese Bischofssynode mit den Worten „Hinschauen“ und durch „ein bisher in dieser Form nicht übliches „Hinhorchen“. (Wiener Zeitung vom am 29.9.2014) Kardinal Schönborn war es auch heute in einem Interview gegenüber Radio Vatikan, der nach seinen bis dato zwei Redebeiträgen auf der Synode das 'Prinzip der Gradualität' ausführte und dabei auch ein Stück weit mehr Einblick in das Denken von Papst Franziskus gab:

„Papst Franziskus hat uns erst bei dem Besuch der österreichischen Bischöfe im Jänner im Gespräch gefragt: ‚Wie ist das bei euch, ist das ähnlich wie in Argentinien, dass viele junge Menschen zuerst einmal zusammenleben?‘ [...] „Der Papst hat uns gesagt, dass wir diese Menschen begleiten müssen, Schritt für Schritt in diese Gradualität, damit sie entdecken, was die volle Gestalt des Sakramentes ist. Was die Ehe im Plan Gottes ist. Natürlich gibt es, Gott sei Dank, mehr und mehr junge Leute, die diesen Weg bereits in frühen Jahren durch den Glauben, vielleicht auch durch das Vorbild ihrer eigenen Familien entdecken, und ihn mit ganzem Herzen und mit ganzer Bereitschaft gehen. Viele andere lernen das erst allmählich kennen. Wichtig ist, dass wir sie begleiten - und das meint, so glaube ich, die Rede von der Gradualität, nicht des Gebotes Gottes, sondern der Erfüllung des Gebotes Gottes.“ (Artikel von Radio Vatikan vom 8.10.2014)

Die 'Kunst der Begleitung' war dann auch die Redewendung, die einer der drei Synodenpräsidenten, der Erzbischof von Aparecida in Brasilien, Kardinal Raymundo Assis zu Beginn der nachmittäglichen Beratung über die 'pastoral schwierigen Situationen' ins Wort brachte und sich dabei auf Papst Franziskus und sein Lehrschreiben „Evangelii gaudium“ bezog:

„Die Kirche wird ihre Glieder – Priester, Ordensleute und Laien – in diese „Kunst der Begleitung” einführen müssen, damit alle stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen (vgl. Ex 3,5). Wir müssen unserem Wandel den heilsamen Rhythmus der Zuwendung geben, mit einem achtungsvollen Blick voll des Mitleids, der aber zugleich heilt, befreit und zum Reifen im christlichen Leben ermuntert.“ (EG 169)

Dass darin nicht nur ein westeuropäisches Thema berührt ist, brachte Kardinal Assis ins Wort, als er auf die wiederverheiratet Geschiedenen zu sprechen kam. Diese erleben „ihre Erfahrungen als tiefe Wunde in ihrem eigenen Menschsein, in ihrer Beziehung zu anderen und zu Gott“. Ein südafrikanisches Ehepaar wies außerdem auf folgende Situation hin: Durch den Ausschluss von den Sakramenten fühlen sie sich wegen ihrer vergangenen Beziehungen oder Fehler ständig neu für schuldig erklärt. (Vgl. press.vatican.va und dt. Übertragung von Radio Vatikan vom 8.10.2014)

Bereits in der mittäglichen Pressekonferenz deutete der Pressesprecher Fr. Thomas Rosica in seiner Zusammenfassung die Hauptpunkte der zuvor geführten Debatte am Mittwoch an. Gekennzeichnet sei die Diskussion durch eine größere Wertschätzung biblischer Sprache gegenüber naturrechtlichem Denken gewesen, und bezog sich insbesondere auf eine 'language of mercy' und die durch einige Beiträge ins Wort gebrachte Rede zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils von Papst Johannes XXIII. In der 'Medizin der Barmherzigkeit' ('medicine of mercy') werde das Heilmittel nicht nur als 'springboard' für die Wertschätzung nichtehelicher Lebensgemeinschaften, sondern auch für den Einbezug wiederverheiratet Geschiedener in die Gemeinschaft und Kommunion der Kirche wie auch für die Evangelisierung der Welt gesehen. Dieser Gedanke des 'Heilmittels der Barmherzigkeit', den Papst Franziskus bezogen auf die Eucharistie schon in seinem Lehrschreiben 'Evangelii gaudium' angesprochen hatte, markierte dann – wie in einem untergründigen roten Faden – auch seine Ansprache auf der Generalaudienz am heutigen Mittwochmittag in Hinblick auf den zur Gemeinschaft führenden Weg und die Zielrichtung der Ökumene:

“Liebe Freunde, lasst uns zur vollen Einheit voranschreiten! Die Geschichte hat uns getrennt, aber wir sind auf dem Weg in Richtung Wiedervereinigung und die Kommunion! Und das müssen wir verteidigen! Wir sind alle auf dem Weg zur Kommunion.” (priv. dt. Übertragung)

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Dass Papst Franziskus den Friedensnobelpreis verdiente....

Papst Franziskus hätte den Friedensnobelpreis auch verdient gehabt, der am heutigen Tag an die pakistanische Schülerin Malala Yousafzai und an Kailash Satyarthi vergeben wurde. Frieden hat nach alter Lehre die Eigenschaft Gemeinschaft zu bewirken: Gemeinschaft durch Ausgleich verschiedener Interessen, aber vor allem durch eine Einung vermittelnde Haltung, die in der Liebe gründet und sie ausdrückt. (vgl. STh II-II 29)

Wer auf das Pressebulletin der Papst Franziskus betreffenden Termine schaut, findet die auf Ausgleich und Einung zielenden Aspekte auf allen Ebenen selbst in dieser Synodenwoche: Im vermittelnden Gespräch mit Verantwortlichen verschiedener Krisenregionen (und ich erinnere nah das Friedensgebet am Pfingstsonntag diesen Jahres in Folge der Nahostreise oder in der Syrienkrise des letzten Jahres, das ich selbst auf dem Petersplatz erlebte), in dem leidenschaftlichen Appell für die Einung der getrennten christlichen Kirchen wie auf der Generalaudienz am Mittwoch (und lässt mich gerade an das bewegende Grußvideo von Papst Franziskus an die American Pentecostal Conference denken) und in dem ausgleichenden Zulassen und Fördern der engagierten Suche nach den Wegen der Kirche angesichts der heutigen 'Pastoralen Herausforderungen der Familie'. Für alle diese auf Eintracht und Einvernehmen zielenden Felder braucht es – wie oben gesagt – einer einenden Friedenskraft, die bei Franziskus in der Botschaft von der barmherzigen, den Menschen bedingungslos suchenden Liebe Gottes besteht, die auch den Armen, Unterdrückten und mundtot Gemachten eine Stimme verleiht.

Diese Gedanken mit Rückblick auf den vierten Synodentag zu schreiben, an dem die hochsensiblen Themen von Ehe und Familie in schwierigen Lebenssituationen und der Fragen von (Homo)Sexualität bis hin zur Empfängnisregelung anstanden (auch wenn die Tagesordnung etwas im Verzug ist) macht schon deshalb Sinn, weil nichts von einem 'Krieg der Theologen' mehr wahrzunehmen und alles einer konstruktiven Atmosphäre gewichen ist, in der unter den Synodalen „kontrovers debattiert, ohne Polemik und respektvoll, aber durchaus klar und deutlich“ miteinander gesprochen wird. Die zum Teil konträren bis sich widersprechenden Positionen sind in den Austausch gebracht, für den man – um den Wortsinn der Synode zu bemühen – unbedingt "zusammenkommen" und frei sprechen muss (und nicht nur vorbereitete Redetexte zur Kenntnis gibt). Um das – wie sich zeigte weltweit unter den Nägeln brennende – Thema der Zulassung zu den Sakramenten unter einigen anderen hervorzuheben:

"Es habe [hierzu] in der Debatte zwei Linien gegeben, erläuterte Lombardi vor Journalisten. Die eine habe mit großem Nachdruck darauf hingewiesen, dass ‚ mit Rücksicht auf die Lehre und in Treue zum Wort Gottes‘ eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion nicht möglich sei. Eine andere Linie habe – ‚ohne die Unauflöslichkeit der Ehe‘ infrage zu stellen – dafür plädiert, mit Barmherzigkeit und unter Berücksichtigung des konkreten Einzelfalls vorzugehen."

Und dennoch sind viele Änderungen schon deutlich herauszulesen und zu hören, die vielleicht in der Fixierung auf eine in dieser vorbereitenden Synode gar nicht endgültig zu klären anstehenden Frage nicht richtig aufgemerkt werden. Etwa, dass der Begriff der 'irregulären Beziehungen', an dem sich bei der Kölner Umfrage beinahe alle Befragten gestoßen haben, zwar noch im 'Instrumentum laboris' aufgeführt wird, aber in der noch nicht endgültigen, aber doch einzigen Zusammenfassung des entsprechenden Nachmittags jetzt fehlt. Statt dessen wird – anders als ich in meinem Beitrag vom 4.10.2014 als geltende Lehrmeinung beschrieben habe –, darauf Wert gelegt, dass es im Blick auf wiederverheiratet Geschiedene „wichtig ist, mit höchster Aufmerksamkeit zu vermeiden, kein moralisches Urteil oder von einem 'Verharren in einer Sünde' zu sprechen...“ (priv. Übersetzung). Die neue Sprache, die mehr ist als nur ein Ton, macht die Musik, ja lässt eine völlige Neukomposition erahnen, die sich nicht einfach an einem Nachmittag schreiben, komponieren oder auch schon konzertieren könnte.

Ein weiteres Beispiel für eine veränderte Sicht auf die Sexualität – ohne der gestern durch die vorgenannten Themen etwas in Verzug geratenen Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse zu den Themen Empfängnisregelung (über das Einführungsreferat des Pariser Kardinals Vingt-Trois hinaus) vorweg zu greifen – kann gelten, dass der Begriff Sexualität schon unter die 'Top 5' der ersten Synodentage gebracht hat, wie es ein Video über die fünf Hauptthemen zeigt. Das mag dem zu nahe im Geschehen wie dem Außenstehenden nicht so auffallen. Wenn man aber weiß und auf sich wirken lässt, dass der Begriff 'Sexualität' als solcher bislang in den kirchlichen Lehrschreiben fehlt – weder in der Pastoralkonstitution 'Gaudium et spes' noch in der doch das Thema wie keine zweite umkreisenden Enzyklika 'Humanae vitae' –, lässt dies doch auch hier eine neue Seite erkennen. Und was mit der am Dienstag angesprochenen 'Spiritualität der Sexualität' gemeint sein könnte, brachte das australische Ehepaar für die Konzilsaula ins Schwingen und möge über einen kurzen 'Spirituellen Moment' auf der Homepage 'Familienspiritualität.de' vom heutigen 9.10.2014 anklingen.

Was sich darin zeigt, was auf dieser Synode passiert ist, sagte in der heutigen Pressekonferenz der Synode Erzbischof Durocher, „dass wir einen mehr induktiven Weg der Reflexion wählen, beginnend bei den realen Situationen und darin entdeckend, dass in der gelebten Erfahrung auch schon eine theologische Quelle wahrnehmbar ist, ein Ort theologischer Reflexion.“ (Pressekonferenz vom 9.10.14, priv. Übersetzung)

Nicht ein Kampf zwischen den Menschen und Prinzipien, sagte er, sondern, dass die Bischöfe vielmehr lehren die Erfordernisse von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit enger zueinander zu bringen in Bezug auf die 'im Himmel geschlossene Ehe'. Und mit einem feinen Wortspiel sprach der Vorsitzende der Kanadischen Bischofskonferenz "von einer Hochzeit von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die in Gott vollkommen ist, aber für uns hart zu erreichen ist, sosehr wir danach streben müssen.“ (Ebd.)

"A marriage of justice and mercy - God is perfectly just and perfectly merciful, it's just hard for us to do the same, but we must strive to do that." (Ebd.)

Und diese bestmögliche Einung zu einem Frieden von und in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit auf Erden wird – auf allen Seiten – in der Person von Papst Franziskus gesehen. Dass diese Frage "gestellt und offen ist" – und zu einem 'synodalen Prozess' in den nächsten 12 Monaten einlädt, "ist schon ein gutes Ergebnis“, ist ein außerordentliches Ergebnis einer Außerordentlichen Bischofssynode, für das allein schon Papst Franziskus den Friedensnobelpreis verdient gehabt hätte.

Freitag, 10. Oktober 2014

Endlich Synodengeflüster: "Eine Synode, die die Fenster öffnet!"

Mit diesem Zitat verband der honduranische Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga, der als Vertreter Mittelamerikas den von Papst Franziskus zur Kurienreform einberufenen Kardinalsrat koordiniert, am Ende des fünften Synodentags die Erinnerung an dieselben Worte Papst Johannes XXIII. zu Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Wie dieses sei diese Bischofssynode „eine Synode der Hoffnung, des Glaubens und insbesondere für die pastoralen Haltungen, die notwendiger denn je sind.“ In gleicher Weise äußerten sich der Leiter der deutschsprachigen Abteilung bei Radio Vatikan, P. Bernd Hagenkord, und der Pressesprecher der Synode, P. Thomas Rosica: Eine „Atmosphäre der Freiheit“ sei zu spüren und der „Leidenschaft, die die Kirche brauche". Ein Resümee, derer sich viele ergänzen ließen am Ende einer Woche, die mit über 180 Statements und 80 freien Debattenbeiträgen so ziemlich alle Themen und heißen Eisen angepackt hat, die sich hinter dem Synodentitel der 'Pastoralen Herausforderungen der Familien im Kontext der Evangelisierung' verbergen.

Dabei gehörte der fünfte Synodentag den Laienexperten, die den inneren und äußeren Druck ins Wort brachten, denen Partnerschaften, Ehen und Familien heute weltweit ausgesetzt sind. Zum äußeren Druck gehörten neben Krieg, Gewalt, Vertreibung und Migration nicht minder Armut und soziale Benachteiligung, wie es in der mittäglichen Pressekonferenz zusammengefasst wurde. Einen Schwerpunkt bildeten heute insbesondere die Fragen rund um die Empfängnisregelung:

"Ehepaare aus Brasilien und Frankreich haben den Teilnehmern der Bischofssynode zu Ehe und Familie im Vatikan über ihre Erfahrungen mit Empfängnisverhütung und Sexualität berichtet. Am Donnerstagvormittag erzählten zunächst Arturo und Hermelinda As Zamberline von der brasilianischen Laienorganisation „Equipe Notre-Dame“ über ihre Zweifel am kirchlichen Verbot künstlicher Verhütungsmittel. Die kirchlich erlaubten natürlichen Methoden seien „gut, aber uns scheinen sie nicht praktikabel“, heißt es in dem vom Vatikan veröffentlichten Redetext. Die große Mehrheit katholischer Paare lehne die Verwendung künstlicher Mittel nicht ab. Hier gebe es eine Kluft zwischen Morallehre und Praxis." (Radio Vatikan, 10.10.2014)

Die Anwesenheit der 14 Ehepaare und weiteren Experten für Ehe und Familie aus der ganzen Welt sind ein weiteres Kennzeichen für diese, an Neuerungen reichen Synode - und gerade sie waren bereits schon in den vergangenen Tagen dafür verantwortlich, dass auch ein Gutteil Praxis und Familienleben in das Synodenleben einzog. Für Kardinal Maradiaga hätten es sogar noch mehr Situationen mit Problemen sein können, da die anwesenden Paare doch in der Mehrheit „models and examples“, idealtypische Ehepaare, waren und er sich Familien – auf jeden Fall für die folgende Synode in 2015 – “in the middle of the trouble“ wünschen würde. Angedeutet wurde die darüber einzufangende Lebensrealität in der mittäglichen Pressekonferenz durch Federico Lombardi, der mit Hinweis auf das Statement unserer deutschen 'Auditrix' Ute Eberl auf die Nöte und Bedarfe alleinstehender und alleinerziehender Personen hinwies, wie sie in vielen großen Städten anzutreffen wären. Hier müsse die Kirche den Menschen offen und zugewandt begegnen, und dies unabhängig von deren Kirchenzugehörigkeit. Meine Berliner Kollegin – deren Arbeit heute auch in anderen Presseberichten ins Wort kam – beschrieb mir heute Abend genauer, was ihr Anliegen darstellt:

„Ich sitze hier mit meiner Berliner Realität im Hinterkopf: 9% der Berliner sind katholisch, über die Hälfte der Berliner sind Menschen ohne Religion. Mich treibt nicht als erstes die Frage um, wie wir möglichst vielen Paaren die natürliche Empfängnisregelung lernen, damit sie ‚katholisch‘ leben, sondern wie wir den Menschen das Evangelium (und zwar das Evangelium der Freude!) anbieten können – und zwar konkret: in dem die Freude und Hoffnung, die Traurigkeiten und Ängste von Paaren und Familien bei uns nicht nur einen Wiederhall finden, sondern wir auch reagieren. Ich denke: genau das machen wir in unserer konkreten Familienseelsorge und – was noch viel wichtiger ist – genau das machen Familien in ihrem Alltag: 'Das Evangelium verkünden – notfalls mit Worten!'"

Und ich bin berührt bei diesem Schlusszitat, das Papst Franziskus am 14.4.2014 und am 28.9.2014 in Predigten vom heiligen Franziskus zitierte – und auch etwas beschämt bei den vielen eigenen BlogWorten der letzten Tage. Höre ich doch heute auch aus Rom, das Papst Franziskus über die ganze Zeit der Synode aufmerksam zuhört, sich Notizen und den entschlossenen Eindruck macht, dass der synodale Prozess über die nächsten Monate weiter in den Ortskirchen vorangetrieben wird, wie es Pater Hagenkord heute zum Ausdruck bringt. Dass kein endgültiges Beschlussdokument am Ende dieser vorbereitenden, Außerordentlichen Bischofssynode stehen muss, betrachtet er von daher als 'Gnade'. Und in derselben Zuversicht ist Kardinal Maradiaga davon überzeugt, 'dass die Synode die Kanäle für ein tieferes Verständnis öffnen wird, damit sich die Themen über tiefere Reflexionen setzen, damit sie im nächsten Jahr 'anlanden' können:

"We're prepraring the 'landing year' – it has to land in very concrete things too, that will orient the pastoral of the familiy in the next years.” (Ebd.)

Samstag, 11. Oktober 2014

„Aus allen Poren zu spüren ist: Kirche geht nur mit Familien!"

Diesen Satz sagte mir gestern unsere Berliner Auditrix Ute Eberl, die ebenfalls am Freitag ihre deutsche Stimme in der Synodenaula in Anwesenheit des Papstes einbrachte. Wie sehr dieser Satz für die katholische Kirche stimmt und – im wahrsten Sinn – 'in guter Tradition' steht, wurde heute auf der Pressekonferenz deutlich:

Mit dem Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, war nicht nur ein direkter Zeuge dieser Außerordentlichen Bischofssynode, sondern auch der 'V. Ordentlichen Bischofssynode' anwesend, die im Jahr 1980 ebenfalls zum Thema der Familie von Johannes Paul II. einberufen wurde. Dass nicht nur Johannes Paul I. in seiner nur wenige Wochen währenden Zeit als Papst ebenfalls schon eine Bischofssynode zur Familie geplant habe (und schon zuvor Papst Paul VI. kurz vor seinem Tod ebenfalls), verriet er und machte zugleich auch deutlich, dass der jetzige Papst 'vom anderen Ende der Welt' auch mit seinem polnischen Vorvorgänger 'da lontano' ebenfalls gemein habe, gleich die erste Synode des Pontifikats dem Thema der 'Familie' zu widmen. Und er vermutet, dass es daran wohl liege,

„dass beide Päpste bis zu ihrer Wahl Diözesanbischöfe gewesen seien und darüber um die zentrale Bedeutung der Familien für die Entwicklung der Kirche wie für die Stabilität der Gesellschaft wussten, wie sie sie in der jeweiligen Zeit herausgefordert sahen.“(priv. Übersetzung der Pressekonferenz vom 11.10.2014).

Im Jahr 1980 lag der Akzent auf der 'Mission der Familie' (damals wurden die beiden diesmal von Kardinal Erdö erarbeiteten Ergebniszusammenfassungen vor und nach den Diskussionen, die so genannten 'Relationes', von Kardinal Ratzinger erstellt), während in diesem und dem nächsten Jahr die Herausforderungen der Familien in einer „gänzlich geänderten Gesellschaft“ beschrieben und im Blick auf pastorale Konsequenzen bedacht werden, wie Erzbischof Martin weiter ausführte. Und es brauche eine „neue Weise des Dialoges mit den Familien und eine neue Sprache“. (Ebd.) Das sei die Frage, die viele Synodale gerade bewege.

Gespannt richtet sich der Ausblick auf den Montagmittag, an dem die 'Relatio post disceptationem', die 'Zusammenfassung nach den Diskussionen', vorgestellt wird. Sie bietet das nächste Arbeitsinstrument für die gestern gebildeten 'circoli minori', in denen – nach Sprachgruppen getrennt – diese Ergebnisse unter der Leitung von Moderatoren gewissermaßen in Kleingruppenarbeit beratschlagt werden. Dass dies in bester, herzlicher und kollegialer Atmosphäre vonstatten geht, davon berichtete in der Pressekonferenz die der Baptistischen Kirche angehörige Professorin für Biblische Studien, Valérie Duval-Poujol, aus Paris. Zusammen mit sieben anderen Delegierten anderer christlicher Konfessionen ist sie auch ein Beispiel für den ökumenischen Horizont dieser Synode, der durch deren Statements am Freitagnachmittag ebenfalls in das synodale Geschehen einbezogen wurde.

Auch auf deren Zeugnisse ist gemünzt, was meine Berliner Kollegin Ute Eberl für das Ringen um die Fragen der pastoralen Herausforderungen auf alle Synodalen mir gegenüber gestern meinte:

„Das Evangelium wird ja nie, nie im keimfreien philosophischen Raum verkündet, sondern immer in eine konkrete Situation hinein. Deshalb ist auch das Herzblut der Synodalen zu spüren und zu hören, wenn sie von ihren pastoralen Wegen berichten. Der Prozess – Fragebögen – die außerordentliche Synode – ein Jahr Zeit für die Ortskirchen – die ordentliche Synode 2015 – ist wahrlich klug!“

Zu einer der Neuerungen dieser Synode zählen die öffentlichen Gottesdienste im Petersdom: am morgigen Sonntag anlässlich der Heiligsprechung zweier Kanadischer Missionare und bezogen auf das 'Thanksgiving'-Fest, das in Kanada dieses Jahr am 13. Oktober gefeiert wird. Die 'Ernte' ist schon – aus dem geeigneten Blickwinkel und rückblickend auf die vergangenen Tage – wahrlich erheblich, auch wenn das Ergebnis dieser Synode – das stand im Grunde ja schon zu Beginn der Synode fest – um des Ergebnisses in 2015 willen und vor allem wegen des synodalen Prozesses daraufhin offen bleiben wird und muss. Der Papst hat über die einzelnen Versammlungen, in denen er außer am Mittwochvormittag (wegen der Generalaudienz) beständig anwesend war, die ganze Zeit über geschwiegen, sich Notizen gemacht, um morgen gleich einem Trainer in der 'Halbzeit' die Moral des mittlerweile eingespielten Teams anzusprechen und auf das gemeinsame Ziel einzuschwören, das im 'Geist der Synodalität' seit Beginn der Synode alle vereint.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Die Güte Gottes hat keine Grenzen und schließt niemanden aus...

Sowohl die Predigt der Sonntagsmesse im Petersdom im Gedenken an die Heiligsprechung zweier Kanadischer Missionare als auch die Ansprache zum Angelus am Mittag widmete Papst Franziskus der Auslegung des Evangeliums des heutigen 28. Sonntags im Jahreskreis aus dem Matthäusevangelium Kap. 22, 1-14. Aus der mittäglichen Ansprache möchte ich eine bewegende Passage herausheben, in der Papst Franziskus meines Erachtens auch die gestern angesprochene Zielrichtung dieser Bischofssynode pointiert und die Einladung an die Welt zum Gastmahl des Herrn ausspricht:

"Die Güte Gottes hat keine Grenzen und schließt niemanden aus: Deswegen ist das Gastmahl der Gaben Gottes universal, für alle. Allen wird die Möglichkeit geschenkt, seiner Einladung und seinem Ruf zu folgen; keiner hat das Recht, sich privilegiert zu fühlen oder ein exklusives Vorrecht zu beanspruchen. All dies hält uns davon ab, uns gewohnheitsmäßig in der Mitte zu platzieren, wie es die Hohenpriester und Pharisäer taten. Das dürfen wir nicht tun: Wir müssen uns für die Peripherien öffnen und anerkennen, dass die am Rand stehen, ja sogar von der Gesellschaft ausgeschlossen und verachtet werden, Adressat der Großzügigkeit Gottes sind." (Übersetzung Radio Vatikan)

Und dann fährt er fort – und ich erlaube mir eine eigene Übersetzung in wenigen Akzenten etwas mehr an der italienischen Originalansprache zu orientieren:

"Wir alle sind dazu aufgerufen, das Reich Gottes nicht auf die Grenzen der 'kleinen Kirche' zu reduzieren – unseres 'klitzekleinen Kirchleins', sondern die Kirche auszuweiten auf die Dimensionen des Reiches Gottes. Dafür braucht es nur eine Bedingung: das Hochzeitsgewand anzuziehen, d.h. für die Liebe zu Gott und den Nächsten einzustehen."

“Tutti siamo chiamati a non ridurre il Regno di Dio nei confini della "chiesetta" – la nostra "chiesetta piccoletta" – ma a dilatare la Chiesa alle dimensioni del Regno di Dio. Soltanto c’è una condizione: indossare l’abito nuziale cioè testimoniare la carità verso Dio e verso il prossimo."

Meine Halbzeitbilanz „Der Herzschlag der Zeit wird jetzt wahrnehmbar" nach der ersten Synodenwoche können Sie als Interview des Kölner Domradios vom 12.10.2014 auf www.erzbistum-koeln.de/familiensynode nachhören.

Montag, 13. Oktober 2014

„Der Geist des II. Vatikanischen Konzils, der Geist von 'Gaudium et spes'“