Reif für Berlin - Dimitri Vojnov - E-Book

Reif für Berlin E-Book

Dimitri Vojnov

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Beschreibung

Dreiundvierzig wahre Geschichten aus meinem komischen Leben

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2020

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In Liebe für meine Eltern …

Über den Autor

Dimitri Vojnov ist 1946 in Bulgarien geboren. Er ist Maler von Berufung und hat an der Akademie der Schönen Künste in Sofia studiert.

1981 war er Dozent für Malerei. Seit 1986 lebt er in Deutschland, sein Atelier hat er in Kelkheim-Rupertshain am Zauberberg.

www.vojnov.de

[email protected]

Inhalt

Geburt

Kindheit

Meine Zeit

Melonenficker

Meine erste Muse

Mein Großvater und Mutter Natur

Musiklehrerin

Ende der Kindheit

Levi‘s

Bienchen

Blasorchester

Leda mit Schwan

Verbotene Frucht

Meine erste Ausstellung

Mallorca-Licht

Arschgeigen

Nestinarki

Reife Birne

Talisman

Meine Lehrer

Reif für Berlin

Kann eine Brille die Kunstgeschichte verändern?

Die kleinste Galerie in Deutschland

Meine Krankenschwester Mona Lisa

Mein erstes Bild

Berliner Muse

Ohne Titel

Eifersüchtiger Kater

Apfel

Zertifikat

Grashüpfer

Tausche zwei Picassos gegen einen Vojnov

Bunter Vogel

Die Frage warum? Warum? Warum?

Gut zu sein ist nicht immer von Vorteil

Schlaf gut, kleines Schwesterchen

Sünde – Schweizer Art

Die schöne Bäckerin aus dem Taunus

Gemüsesuppe

Blaue Augen

Kunstausstellung im Ausland

Chinesisches Rezept

John Updike

Happy Birthday

Geburt

„Du bist in der Kirschblüten-Zeit geboren“, sagte meine Großmutter zu mir. Mehr wusste sie nicht.

Meine Mutti hat mich drei Jahre lang gestillt, und das habe ich genossen.

Meine Tante hatte eine Tochter bekommen,

die wollte oder konnte nicht Milch saugen.

Wohin mit der Milch?

Ich musste das übernehmen.

Noch weitere drei Jahre hat meine Tante mich gestillt.

Sie hatte einen riesigen Busen,

den ich streicheln konnte,

an dem ich saugen musste,

mit dem ich spielen durfte

und den ich küssen wollte.

Nach sechs Jahren Milch-Missbrauch

konnte ich Milch nicht mehr riechen,

trinken oder sehen.

Bis heute mag ich keine Milch ...

Große Busen schon.

Kindheit

Früher wollte ich ein sehr berühmter Maler werden. Heute nicht mehr.

Ich habe noch etwas Schöneres,

noch etwas Wichtigeres entdeckt.

Ich besitze etwas noch Schöneres,

das ist meine Zeit,

die ich für mich entdeckt habe.

Am frühen Morgen gehe ich in mein Atelier,

mache Kaffee, schaue mir meine Bilder an,

und ich weiß, der ganze Tag ist nur für mich.

Der nächste Tag auch,

die ganze Woche ist nur für mich,

der ganze Monat, das ganze Jahr.

Ich habe Zeit ohne Ende.

Das ist aber nichts Neues.

In meiner Kindheit war das auch so.

Ich und mein Hund in dieser Fülle dieser Zeit,

jede Menge Zeit.

Heute nach vielen Jahren – gefühlte hundert (ha ha) –

bin ich dasselbe Kind wie damals.

Ich war nie weg von mir als Kind.

Ich bin ein Kind geblieben.

Meine Kindheit hört nie auf.

Meine Zeit

Als kleines Kind habe ich meine ersten malerischen Erfolge erlebt.

Ich war zehn Jahre alt und konnte malen wie heute.

Alle Nachbarn waren begeistert.

Meine Verwandten auch.

Meine Mutti war sehr stolz. Ich auch …

Ich habe nie Träume gehabt, dass ich jemals ein

Maler werden könnte.

Ich war schon ein Maler, und bis heute ist es so geblieben.

Ich hatte einen Kunstlehrer,

er war ein alter Mann mit langen weißen Haaren.

Alle nannten ihn Maestro.

Ich war jede Woche dort, um meine Bilder zu zeigen.

Eines Tages sagte mein Lehrer:

„Nimm dieses kleine Buch und lies es zu Hause.

Dort ist etwas für dich geschrieben. Du musst es aber finden.“

Ich habe das Buch gelesen,

jedoch das Geschriebene nicht gefunden.

In der nächsten Woche fragte mich mein Lehrer:

„Hast du das Buch gelesen?“

„Ja, habe ich.“

„Ja, und? Hast du es gefunden?“

„Nein, habe ich nicht.“

„Lies noch einmal, aber sehr, sehr langsam. Du findest es bestimmt!“

Genervt lief ich nach Hause, legte mich ins Bett mit diesem kleinen Buch und las sehr, sehr, sehr langsam. Erst den Titel des Buches:

Leonardo da Vinci

Dann die nächste Seite:

Leonardo da Vinci ist am 15. April geboren.

Ich war sprachlos, wie gelähmt.

Das war nicht zu glauben.

Mein Herz klopfte wie verrückt.

Der 15. April ist mein Geburtstag,

und weiter wollte ich nicht lesen.

Ich hatte es gefunden …

Ich hatte mich gefunden …

Und das werde ich niemanden erzählen,

das bleibt mein Geheimnis.

Melonenficker

Die Sommerferien verbrachte ich immer bei meinen Großeltern. Es war eine glückliche, unbeschwerte Jugendzeit. Einfach unschuldig bis zu jenem Abend.

Meine Freunde und ich saßen auf der alten Brücke und ließen unsere Beine ins Wasser baumeln. Einige Zeit später kam ein alter Bekannter, älter als wir, und fragte uns, wer schon mal mit einem Mädchen geschlafen habe? Wir zögerten einen Moment, und dann kam ein eindeutiges Nein aus unseren Mündern. Daraufhin fragte er uns, ob wir eine Ahnung hätten, wie das geht. Wieder ertönte ein einstimmiges Nein. Dann kam die entscheidende Frage, ob wir es denn ausprobieren möchten? Ein lautes Ja schallte ihm entgegen.

So begann die Geschichte:

Wir liefen eine ganze Weile durch den Wald, voller Erregung, was denn passieren würde … Nach zehn Minuten Fußmarsch kamen wir endlich an einem Melonenfeld an. Dann sagte uns der Ältere:

„Das sind keine Melonen, da liegen lauter Mädchen.

Eine heißt Maria, die andere Anna, Lisa, Katja, Rosa. Ihr könnt euch eine auswählen, und wenn ihr die richtige ausgesucht habt, kommt mit ihr zu mir.“

Wir liefen kreuz und quer durchs Feld, um die richtige zu finden. Dann sah ich sie, eine prächtige, runde, meine Maria!

Und jeder fand seine. Die Beute unterm Arm, ging ich so schnell es ging zu dem Älteren. Er stand schon mit seinem Messer bereit und schnitzte flink ein rundes Loch in jede Melone, dann sagte er:

„Los geht‘s, jetzt fickt!“

Der Himmel war voll mit Sternen, die Grashüpfer sangen, nur unser Stöhnen „Oh Maria, ahh Anna, oh Rosa, uhh Lisa“ unterbrachen diese göttliche Ruhe. Nach zwei Minuten war alles vorbei.

Unsere Gruppe entwickelte sich rasant, es sprach sich herum, und immer mehr Jungs wollten diese Liebeserfahrung genießen. Am Ende des Sommers konnte ich nicht mehr zählen, wie viele es auf dem Feld waren. Leider waren die Ferien zu kurz.

Nächsten Sommer fuhr ich wieder zu meinen Großeltern. Meine Großmutter sprach oft über diesen Sommer. Es sei ein Wunder in unserem Dorf geschehen. So viele schwangere Frauen wie in diesem Sommer habe es vorher nie gegeben.

Mein Großvater sagte:

„Ich glaube nicht an Wunder.“

Ich auch nicht!

Meine erste Muse

In unserer Straße wohnte ein wunderschönes Mädchen. Ich war 15 und sie ... ich weiß es nicht. Ich wollte das Mädchen malen, aber mir fehlte der Mut, sie zu fragen.

An einem sonnigen, ruhigen Nachmittag spielte wir beide Karten. Sie sagte:

„Wer verliert, muss dem anderen einen Wunsch erfüllen.“

Ein Kartenspiel zu gewinnen war für mich kein Problem.

Das Problem war, wie bringe ich ihr meinen Wunsch bei? Ich gewann, und mein eigentlicher Wunsch war, sie zu malen. Aber ich sagte nur:

„Kann ich deine Brüste anfassen?“

„Ja“, sagte sie, „aber nur, wenn wir weiterspielen.“

Das zweite Spiel zu gewinnen, war noch leichter.

Beim dritten Spiel dachte ich, sie will gar nicht gewinnen, sie will immer nur verlieren.

So haben wir bis tief in die Dunkelheit gespielt. Als es ganz dunkel war, so dunkel, dass wir uns nicht sehen konnten, traute ich mich zu fragen:

„Kann ich dich malen?“

„Ja“, sagte sie, „mal mich.“

Und in dieser Dunkelheit habe ich gemalt. Ohne Pinsel, ohne Bleistift, einfach gemalt, gemalt, gemalt …

Sie war meine erste Muse.

Und eine echte Muse will nur eines – verlieren.

Wenn ich heute überlege, wie viele Musen ich in meinem Leben gehabt habe ... schon ziemlich viele.

Aber echte waren wenige dabei.

Die Falschen wollten immer gewinnen. Die Falschen haben nie verstanden, dass das Gewinnen oder Verlieren nicht wichtig ist. Das Wichtigste ist das Spiel.

Heute habe ich viele Pinsel, Bleistifte und Leinwände, und wenn ich heute eine Muse hätte wie damals meine erste, dann ...

Eine Muse kann man nicht kaufen.

Eine Muse kann man nicht bestellen.

Eine Muse kann man nicht erben.

Eine Muse kann man nicht gewinnen.

Eine Muse ist ein Gottesgeschenk.

Also muss ich warten ...

Mein Großvater und Mutter Natur

In den Sommerferien war ich immer bei meinen Großeltern in einem kleinem Dorf, einem wunderschönen kleinen Haus mit einem großem Garten, und hundert Meter weiter gab es den schönsten Fluss meines Lebens.

„Komm Junge!“, sagte mein Großvater oft, „nimm einen kleinen Eimer, und wir gehen fischen. Für heute Abend brauchen wir drei Fische. Die müssen passen für die Pfanne von deiner Großmutter!“

Drei Minuten Fußmarsch, und wir waren da. Mein Großvater mit Zigarette im Mund, ich mit Eimer in der Hand.

„Mach den Eimer voll mit Wasser und warte hier! Ich werde drei schöne Fische für uns fangen“, sagte er.

Ich saß auf der Erde, Füße im Wasser, und was machte mein Großvater? Er hatte sich ausgezogen, Hose weg, Hemd weg – nur mit Unterhose. Er hatte einen Körper wie ein Heiliger, weiß, dünn und elegant. Dann zündete er sich eine neue Zigarette an und begann im Fluss zu tauchen. Immer tiefer und tiefer. Ich konnte meinen Großvater nicht mehr sehen, nur seine rauchende Zigarette konnte ich sehen. Er bewegte sich wie ein U-Boot. Seine brennende Zigarette war sichtbar und bewegte sich, nach links, nach rechts, zurück, nach vorne. Aber langsam. Dann kam er aus dem Wasser nach oben. Sein heiliger Körper glänzte von der Sonne mit tausend Wassertröpfchen von unserem Fluss. In seiner Hand hatte er einen Fisch, so groß wie seine Hand. Der Fisch glänzte, genau wie mein Großvater. Ich hatte nun einen Fisch im Eimer und wartete weiter...

Dreimal hat mein Großvater das wiederholt und jedes Mal eine neue Zigarette angezündet. Dann saßen wir beide, zwischen uns der Eimer mit drei wunderschönen Fischen.

Mein Großvater zündete sich eine neue Zigarette, guckte in den Eimer und sagte: