Renko - Jorin Söker - E-Book

Renko E-Book

Jorin Söker

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Beschreibung

Meister. So will Olaf genannt werden. Abends, wenn sie ihre Schicht bei der Polizei beendet haben und zu Renko nach Hause fahren. Doch Renko merkt zunehmend, dass er aber alles andere als ein "Meister" ist. Olaf ist unerbittlich. Ignoriert Renkos Safeword. Es wird immer schwerer, nach außen die Maske aufrechtzuerhalten. Aber die Sache zu beenden scheint fast aussichtslos, denn Olaf hat ihn in der Hand. Kai und Steffen, ebenfalls Partner bei der Polizei und in ihrer Freizeit Doms aus Leidenschaft, entdecken durch Zufall Verletzungen an Renko, die Fragen aufwerfen. Obwohl Renko zunächst abblockt, geben sie nicht auf, bis er sich ihnen öffnet. Könnte Renko tatsächlich der passende Sub für sie sein? Ist eine Beziehung zu dritt überhaupt eine Option, oder schafft Olaf es, alles zu zerstören? Und welche Rolle spielt Philipp dabei, der junge Kerl, der mit einer Waffe einen Apotheker bedrohte, und dessen Fall Kai und Steffen auf dem Tisch haben?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 445

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Renko

Ein Roman von Jorin Söker

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2021

http://www.deadsoft.de

© the author

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© ChocoPie – shutterstock.com

© Sjstudio6 – shutterstock.com

© Just dance – shutterstock.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-466-7

ISBN 978-3-96089-467-4 (epub)

Inhalt:

Meister. So will Olaf genannt werden. Abends, wenn sie ihre Schicht bei der Polizei beendet haben und zu Renko nach Hause fahren.

Doch Renko merkt zunehmend, dass er alles andere als ein „Meister“ ist. Olaf ist unerbittlich. Ignoriert Renkos Safeword. Es wird immer schwerer, nach außen die Maske aufrechtzuerhalten. Aber die Sache zu beenden scheint fast aussichtslos, denn Olaf hat ihn in der Hand.

Kai und Steffen, ebenfalls Partner bei der Polizei und in ihrer Freizeit Doms aus Leidenschaft, entdecken durch Zufall Verletzungen an Renko, die Fragen aufwerfen. Obwohl Renko zunächst abblockt, geben sie nicht auf, bis er sich ihnen öffnet und sie die Chance haben, ihm zu helfen.

Könnte Renko tatsächlich der passende Sub für sie sein?

Ist eine Beziehung zu dritt überhaupt eine Option, oder schafft Olaf es, alles zu zerstören?

»Beweg dich gefälligst auf die Knie, Sklave!«, raunzte Olaf und trat mir mit voller Wucht in die Kniekehlen, sodass ich seinem Befehl automatisch nachkam.

Ich ließ mir den Schmerz, der durch meine Knie schoss, nicht anmerken, denn das würde die Situation nur verschlimmern. Olaf mochte es nicht, wenn ich Laute von mir gab. Dass ich erst kurz zuvor meine Wohnung betreten hatte, interessierte ihn einen Dreck. Hauptsache er konnte nach der Arbeit seine Wut bei mir abladen.

»Hat es dir mal wieder die Sprache verschlagen?! Wie wär’s mit einer Entschuldigung?!«, brüllte er weiter.

Wenn er doch nicht immer so schreien würde! Mir fielen fast die Ohren ab. Er konnte froh sein, dass die Wände in meinem Wohnblock dick waren, sodass die Nachbarn ihn nicht hörten. Ich wünschte mir oft, sie könnten ihn hören, in der Hoffnung, dass sie Hilfe holen würden. Wunschdenken.

»Entschuldigung, Meister«, gab ich unterwürfig von mir, bevor ich einen Tritt kassierte. Ich war ihm wohl zu langsam. Kurz blieb mir die Luft weg. Ein Schmerz breitete sich auf meinem Rücken aus. Ich gab keinen Mucks von mir.

»Zieh dich aus!«

Irgendwie war es sinnlos, dass er mich auf den Knien sehen wollte, nur um mich kurz darauf wieder aufzuscheuchen, damit ich die Klamotten loswurde. Aber so war er nun mal. Flink kam ich seiner Forderung nach. Diesmal war ich schnell genug und erntete keine weiteren Tritte.

Anschließend ließ ich mich auf die Knie sinken, die Arme hinter dem Rücken und aufrecht, die Brust raus, so, wie er es mir beigebracht hatte. Na ja, eingeprügelt passte eher.

»Dein Ehrgeiz lässt mal wieder zu wünschen übrig. Streck gefälligst die Brust weiter raus!«

Ja, man konnte es ihm nie wirklich recht machen. Trotzdem tat ich wie befohlen und gab mir mehr Mühe.

»Da werde ich wohl bald nochmal Hand anlegen müssen, was, Sklave?«, nörgelte er.

Er zog sich gemächlich seine Jacke aus und hängte sie an meine Garderobe, öffnete die oberste Schublade der Kommode und griff sich das Halsband und die Manschetten.

Er trat vor mich und legte mir zuerst das Halsband um. Straff, aber nicht so eng, dass ich kaum noch Luft bekam. Demnach war seine Laune noch nicht ganz im Keller. Ich hatte Schonfrist. Hoffte ich zumindest.

Die Manschetten für die Handgelenke waren ebenfalls schnell angebracht. Heute verband er sie mit einer Kette. So würde ich meine Hände zwar noch nutzen können, aber nur erschwert, weil nicht viel Spielraum blieb.

»Ab in die Küche. Koch was Ordentliches, ich hab Hunger. Ich setze mich in der Zwischenzeit vor den Fernseher.«

»Meister, erlauben Sie mir eine Frage?«

Genervt drehte er sich nochmal zu mir um. »Wenn du meinst, dass eine Frage  angebracht ist. Eigentlich hatte ich mich klar ausgedrückt, oder nicht, Sklave?«

Das, was ich wissen wollte, war für mich in seiner Ansage nicht ersichtlich, also beschloss ich, dass die Frage angebracht war.

»Meister, soll ich für eine Person kochen oder für zwei?« Mit anderen Worten: Bekomme ich Essen oder nicht?

Olaf stampfte zu mir zurück, griff in meine Haare und zerrte mich in Richtung Küche. Er war so grob und rücksichtslos, dass ich einen Schrei ausstieß und versuchte, auf allen vieren mit ihm mitzuhalten. Er hatte es natürlich darauf angelegt, dass ich nicht mithalten konnte, sodass meine Kopfhaut brannte, als wir in der Küche ankamen. Mit einem Stoß, den ich gerade so mit den Händen abfangen konnte, ließ er mich los.

»Das sollte deine Frage beantworten«, sagte er kühl. »Ansonsten nochmal extra für dein mickriges Sklavenhirn: Du kriegst nichts, bist schon wieder zu fett geworden. Du kannst froh sein, dass ich dich nicht heute Abend für eine Stunde auf das Laufband schicke.«

Mit den Worten drehte er sich um und verschwand im Wohnzimmer. Ich stöhnte leise. Also wieder ein Fastentag. Ich hasste das. Olaf und ich waren Polizisten. In unserem Beruf war es wichtig, dass wir in Bestform waren. So oft, wie er mich allerdings in den letzten Tagen hatte hungern lassen, war ich nicht mehr zu hundert Prozent fit. Heimlich essen wagte ich aber auch nicht, denn würde er mich dabei erwischen, würde er explodieren. Die Erfahrung hatte ich schon gemacht und es bedurfte keiner Wiederholung.

So machte ich mich als braver Sklave ans Kochen. Vorher brachte ich ihm aber noch eine Flasche Wasser, so, wie er es immer haben wollte. Wenigstens trank er keinen Alkohol. Nie. Auf der anderen Seite bedeutete das, dass er alles, was er mit mir machte, bei vollem Bewusstsein tat. Manchmal wäre der Gedanke erträglicher, dass er mir das antat, weil er zu besoffen war, aber das würde nie passieren. Er wollte mir das, was er tat, antun. Warum auch immer er ausgerechnet mich gewählt hatte: Ich kam aus der Nummer nicht so einfach raus. Deswegen ertrug ich alles – auch das erneute Fasten.

Das Abendessen verbrachte ich unter dem Tisch, mit seinem Schwanz in meinem Mund. Ich tat nichts, außer den Mund für ihn aufzuhalten. Denn beim Essen wollte er nicht verwöhnt werden. Er fand es nur toll, mir das Maul zu stopfen und mich hilflos würgen zu hören, weil er tief in meinem Rachen steckte. Mittlerweile kam ich damit gut zurecht, denn immerhin bekam ich durch die Nase Luft. Das Würgen war zwar unangenehm, aber da gab es weitaus schlimmere Dinge, die er mit mir anstellte.

»Deck ab, ich bin satt!«, ließ er mich wissen und sah mir anschließend beim Aufräumen zu. »Du bist wirklich zu dick. Wenn du fertig bist, treffen wir uns im Fitnessraum zum Wiegen. Bis dahin bist du hoffentlich deine Klamotten losgeworden. Du bist nicht mehr wert, als der Dreck auf dem Boden, also brauchst du auch keine Kleidung. Merk dir das.«

Die Waage zeigte 81,2 Kilogramm. Bei einer Körpergröße von 1,87 Meter ging das meiner Meinung nach eher in Richtung Untergewicht. Immerhin hatte ich durch den Job und das Training auch einiges an Muskeln. Ich stieg von der Waage, ging in eine kniende Sklavenposition und wartete auf sein Urteil. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass das nicht gut ausfallen würde.

»Sag ich doch, zu fett.« Er sah auf seine Uhr. »Jetzt haben wir es halb neun. Du gehst noch eine Stunde aufs Laufband. Ich schaue derweil eine Runde fern. Und Sklave? Der Tachometer zeigt besser am Ende einen hohen Schwierigkeitsgrad an. Verstanden?«

Streng sah er zu mir herab. Er wollte immer, dass ich ihn direkt ansah. Er mochte mich demütig und wollte sehen, was in mir vorging, hatte er mal betont. Ich hatte festgestellt, dass er das nur wollte, um meine Blicke gegen mich auszuspielen. Denn ich war jemand, der ausdrucksstarke Augen hatte, in denen man jede Gefühlsregung ablesen konnte. Das war sein Glück und mein Pech. Umso härter waren die Bestrafungen, wenn er mir ansah, dass ich innerlich gegen ihn rebellierte.

Ich schaffte einen neutralen Blick, so hoffte ich zumindest. »Ja, Meister. Eine Stunde Laufband.«

»Ich komme und kontrolliere die Einstellungen. Danach entscheide ich weiter.«

Das klang nicht gut. Eher so, als ob noch mehr im Anschluss käme. Na super. Ruhige Nacht ade. Und das Fernsehprogramm würde mich auch nicht retten, so viel Blödsinn wie lief. Wahrscheinlich war er danach noch schlechter gelaunt.

Olaf wartete, bis ich mit dem Training begonnen hatte, und ließ mich dann allein.

Nur zwei Minuten später tauchte er wieder auf. »Komm nochmal runter, Sklave«, forderte er barsch.

Schnell kam ich dem nach und kniete mich vor ihm nieder.

»Es soll ja nicht ganz so langweilig für dich sein«, sagte er mit einem fiesen Grinsen. Er zeigte mir, was er in der Hand hielt. Einen Analplug. Damit war zu rechnen gewesen.

»Los, zeig mir deinen gierigen Arsch!«

Gehorsam beugte ich mich vor und streckte ihm meinen Hintern entgegen. Er setzte den Plug an und drückte ihn stetig weiter, bis er so saß, wie er sollte. Immerhin hatte er Gleitgel verwendet, sonst wäre es eine Qual gewesen. Er schlug einmal kräftig gegen die Basis des Plugs, was mich kurz ächzen ließ.

»Halt gefälligst dein Maul, Sklave!«, schnauzte er und schlug nochmal zu. Diesmal war ich gewappnet und hielt es aus.

»Geht doch. Du kennst deinen Job, also sieh zu!« Er drehte sich um und ging.

Steffen

»Na, Ben, alles fit?«

»Ach, Hi Steffen. Ja, alles super. Wo hast du Kai gelassen?«

»Der kommt auch gleich. Wir sind mit unseren Privatwagen getrennt gefahren, damit jeder anschließend direkt nach Hause kann.«

»Ach so, ja, macht Sinn.«

Er wärmte sich für das Training auf. Ich stellte meine Wasserflasche neben seine auf die Bank und folgte dem Beispiel.

Ben arbeitete in einer Wohneinheit, die junge Erwachsene mit Gewalt- oder Drogenproblemen aufnahm. Sein Partner Mirco hatte die Einrichtung ins Leben gerufen, da er früher selbst drogenabhängig gewesen war und anderen Leuten helfen wollte. Ben war erst ein knappes halbes Jahr im Team. Ursprünglich war er als Schützling ins Haus aufgenommen worden – ebenfalls mit einem Drogenproblem. Mein Teampartner Kai hatte dafür gesorgt, dass Mirco ihn aufnahm. Bevor er auf die Polizeischule wechselte und sich ihre Wege trennten, war er eng mit Ben befreundet gewesen.

In der Zwischenzeit war viel passiert, da Bens Leben eine unschöne Wendung genommen hatte. Gemeinsam mit Mirco hatte Kai ihm den Anstoß gegeben, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen.

Jetzt machte er hier eine sozialpädagogische Ausbildung. Daher durfte er momentan nur die Sporteinheiten leiten. Da es einfacher war, eine Gruppe zu bändigen, wenn man nicht allein war, waren Kai und ich oft hier, um Mirco und seine Leute zu unterstützen. Dann gab es noch André, der wiederum Mirco aus seinem Drogenproblem herausgeholfen hatte, und Tim, der unabhängig am Anfang des Projekts dem Team beigetreten war.

André und Mirco unterstützten Ben ebenfalls häufig bei den Sporteinheiten. Tim war Psychologe und kümmerte sich eher um die seelischen Belange der Schützlinge.

Kai und ich brachten hier oft den jungen Leuten Selbstverteidigung bei. Im gleichen Zug zu trainieren, war in unserem Job sowieso das A und O.

Mircos Scheune, in der der Sport stattfand, und die dazugehörigen Menschen waren uns immer eine willkommene Abwechslung zum Polizeialltag.

»Hast du Herrn Pollack auf der Wache nochmal gesehen?«, fragte Ben plötzlich.

»Wie kommst du darauf?«

»Ich weiß nicht. Irgendwie muss ich viel an den denken. Bei dem Verhör benahm er sich anders, als der olle Herr Häuser nicht mehr dabei war.«

»Das ist dir aufgefallen?«, gab ich erstaunt von mir.

Ben war während der Befragung, zu der er als Zeuge und Betroffener geladen gewesen war, mehrfach zusammengebrochen.

Das Verhör betraf seine unschöne Vergangenheit. Demzufolge war das ein starkes Stück, dass er das Verhalten von Herrn Pollack so detailliert hatte aufnehmen können.

Aber ich musste ihm zustimmen. Ohne seinen Partner war mir Herr Pollack auch positiv aufgefallen. Sonst kannte man ihn ruhig und still; eher als defensiven Polizisten, der nur im Notfall hart durchgriff. Aber bei dem Gespräch mit Ben war er aus sich herausgekommen. Er hatte die Vernehmung zielorientiert und einfühlsam zu Ende gebracht, nachdem es mit Herrn Häuser nicht so gut geklappt hatte, da der einfach zu grob durchgeprescht war.

»Na ja«, sagte Ben. »Er war halt nett. Und da er, während Herr Häuser das Gespräch geführt hatte, nur stillschweigend am Spiegel stand, fand ich es überraschend, dass er so ein gutes Gespür für die Sache zeigte. Er hat versucht, mir die Vernehmung so angenehm wie möglich zu machen.«

Ich zuckte mit den Schultern. »So viel kann ich zu dem nicht sagen. Ich habe nicht viel mit den beiden zu tun, da sie in einem anderen Bereich arbeiten.«

»Vielleicht kannst du ihm trotzdem von mir danken. Wobei, wahrscheinlich kann er sich gar nicht mehr an mich erinnern. Ich war ja nur ein Fall von vielen.« Er winkte ab, wärmte sich weiter auf und machte Dehnübungen.

Ich zuckte nochmal mit den Schultern. Ben sah das nicht, weil er mich nicht anguckte. »Ich kann’s ihm ausrichten, wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Er freut sich bestimmt, wenn ich ihm sage, dass er seine Sache gut gemacht hat.«

»Ja. Das hat er wirklich«, antwortete Ben und sah mich mit einem Lächeln an.

Es schien ihm inzwischen besser zu gehen. Gott sei Dank hatte er Leute wie Mirco und André an seiner Seite. Und die Freundschaft zu Kai wurde auch wieder dicker. Ich freute mich für ihn, vor allem, weil ich gemerkt hatte, dass Kai viel an ihm lag. Aber klar, wenn man sich seit dem Sandkasten kannte, warf man das nicht so einfach weg.

Mein Gedankenflug unterbrach, da die Schützlinge reinkamen. Kai folgte der Gruppe am Ende und sie schlossen sich alle dem Aufwärmprogramm an.

»Puh, war das wieder ein Training«, schnaufte Kai hinterher. Wir standen an unseren Autos, im Begriff, uns voneinander zu verabschieden.

»Ja, hat aber wie immer Spaß gemacht.«

»Absolut. Aber manchmal wünschte ich, wir wären ein Trainer mehr, dann könnten wir besser mit den Schützlingen an der Feinarbeit üben.«

»Stimmt.«

»Vielleicht gibt es ja in unserer Schicht noch irgendwen, der Lust dazu hätte? Oder in einer der anderen Abteilungen?«, überlegte Kai.

»Hm«, brummte ich nur.

Ich war kein Mensch, der viel sprach. Ich war eher der absolute Ruhepol. Kai war derjenige, der vorne stand und das Zepter in der Hand hielt. Wobei ich trotzdem nicht weniger dominant war wie er. Das wusste er auch, deswegen begegneten wir uns immer auf Augenhöhe.

Wir praktizierten in unserer Freizeit BDSM, im softeren Bereich, und taten das hin und wieder auch zusammen, wenn sich ein geeigneter Sub für uns fand. Was Dauerhaftes strebten wir beide nicht an. Zwei Doms, ein Sub, ein Spiel. Mehr nicht. Danach fuhren wir alle getrennt nach Hause. Kai und ich hatten uns auch geschworen, dass wir nur gemeinsam loszogen, solange wir Single waren. Sobald einer von uns einen festen Partner fand, würde das aufhören. Auch wenn wir uns beide momentan noch nicht fest binden wollten, waren wir uns absolut einig.

»Du bist im Feierabendmodus, ich merk’s schon«, sagte Kai lachend, aufgrund meiner brummeligen Antwort. »Wir können ja morgen auf der Dienststelle überlegen, wer vielleicht in Frage kommt, hier mit uns zu trainieren. Sollte jemand sein, der auch längerfristig Interesse daran hat.«

»Hm«, brummte ich erneut, aber ein zustimmendes Brummen. Kai lachte abermals. »Schon gut, ich lass dich in Frieden. Wir sehen uns morgen Früh um sechs bei der Arbeit. Schlaf gut.«

»Danke, du auch«, gab ich zurück, schaffte ein Lächeln, welches Kai erwiderte, und hob zum Abschied die Hand.

Renko

»Na, liebster Kollege, alles fit?«, grüßte Olaf und grinste schleimig, bevor er sich mir gegenüber auf seinen Bürostuhl fallen ließ. Er griff zu der dampfenden Tasse Kaffee, die ich jeden Tag bei Schichtbeginn in der Küche für ihn machte. Würde ich das nicht tun, würde ich es abends bitter bereuen.

Auf der Arbeit ließ er sich nicht anmerken, dass sich unsere Wege nach Feierabend noch nicht trennten. Vor seinen Kollegen behielt er immer seine Maske auf. Nur ich bekam den Rest zu spüren, samt der Launen, die er nach Dienstschluss hatte. Die gute Stimmung blieb meistens aus.

»Wir haben heute viel zu tun. Hast du schon mit Lisa gesprochen und die Post geholt?«, sprach er weiter, ohne auf eine Antwort von mir zu warten. Jetzt wiederum erwartete er eine.

»Nein, ich war noch nicht bei Lisa. Die Post kommt ja erst um neun.«

Lisa war auf der Wache unser Mädchen für alles. Sie erledigte die Kleinigkeiten im Hintergrund, für die die meisten Polizisten keine Zeit hatten, oder, so wie Olaf, sich als was Besseres fühlten. Die Post für die unterschiedlichen Abteilungen landete auch bei ihr. Ich lief jeden Tag nach unten, um sie für uns zu holen.

»Ach ja, wir haben ja erst sechs Uhr, ist ja die Frühschicht heute«, stellte Olaf fest. »Hast du wenigstens schon die Akten für den neuen Fall angelegt?«

»Ja, bin fast fertig damit.«

»Dann sieh zu, das ist wichtig!«, schimpfte er.

Was in unserem Job war denn bitte nicht wichtig? Ich dachte mir meinen Teil, sprach es aber nicht aus.

Wir waren nicht die Einzigen in diesem Büro. Auch zum Nebenbüro, der Abteilung für Jugendkriminalität, gab es nur eine dünne Scheibe, durch die man das Gemurmel der Gespräche wahrnehmen konnte. Dass Olaf unerbittlich war und gerne mal etwas lauter wurde, das wussten hier alle. Es machte sich keiner mehr was draus. Deswegen erlaubte er es sich, so mit mir zu sprechen. Er wusste, dass keiner was dazu sagen würde. Ich sowieso nicht, denn damit schnitt ich mir nur ins eigene Fleisch.

»Ja, ist gut«, murmelte ich und wandte mich besagten Akten zu.

»Und die bestehenden Akten zu dem Fall, hast du die geholt?«

Wie sollte man bitte fertig werden, wenn man immer unterbrochen wurde? Ich sprach den Gedanken nicht aus, sondern hob nur den Kopf, da Olaf es erwartete.

»Nein, tut mir leid.«

»Dann holst du das sofort nach. Ich habe dir die Namen auf den Rechner geschickt, damit das nicht schiefläuft«, sagte er scharf.

Mit anderen Worten: Ich sollte verdammt nochmal auf den Bildschirm gucken und seinen Anweisungen folgen.

Bevor ich las, was er geschrieben hatte, wusste ich, dass es nicht die Namen der Personen sein würden. Der private Chataustausch zwischen den Teampartnern wurde nämlich nicht geprüft oder abgespeichert. Deswegen konnte Olaf in das Chatgespräch alles reinschreiben, was er wollte. Für mich hieß das: Egal was da steht, du befolgst es. Ich las:

›Du gehst die Akten holen. In fünf Minuten bist du aber bei den Toiletten.‹

Na super, das hieß nichts Gutes.

Da ich schlecht mit den Akten bei den Toiletten aufkreuzen konnte, denn das käme vor anderen Kollegen komisch, brachte ich sie ins Büro.

Da sich das Archiv mit den Akten im Keller befand, war ich über die fünf Minuten drüber. Das war Olafs Absicht gewesen, denn er wusste, dass ich, aufgrund meiner Klaustrophobie, keinen Fahrstuhl fuhr.

Ich eilte zu den Toiletten, bei denen Olaf auf mich wartete.

»Es ist noch ein Kollege drin. Du gehst rein und wartest auf mich«, wies er mir wie üblich an.

»Ja«, gab ich zurück und betrat die Toilettenräume.

Der Kollege, den ich als Steffen Remanns erkannte, war bereits bei den Waschbecken und wusch sich die Hände.

»Ach, hallo Herr Pollack«, grüßte er mich mit einem Lächeln. Überrascht entgegnete ich ebenfalls einen Gruß.

Ich war es nicht gewohnt, dass Kollegen sich an meinen Namen erinnerten, da meist Olaf das Wort führte und die Lorbeeren erntete. Ich wurde gerne von ihm unter den Scheffel gekehrt und fiel den Kollegen dadurch nie auf.

»Haben Sie gleich einen Moment für meinen Partner und mich?«, erkundigte Herr Remanns sich und riss mich damit komplett aus dem Konzept.

Was wollten er und sein Teampartner von mir? War Olafs und mein Verhalten doch zu auffällig geworden? Bei dem Gedanken daran lief es mir eiskalt den Rücken runter.

»Ähm …. Ja … Klar«, stotterte ich. Herr Remanns zwinkerte mir aufmunternd zu. »Keine Sorge, es geht um nichts Schlimmes. Kommen Sie einfach gleich rüber, wenn Sie so weit sind.«

Mit den Worten nickte er mir nochmals zu und verschwand aus dem Raum. Kurz darauf trat Olaf ein.

»Was hat das so lange gedauert mit dem Remanns? Ach, egal, von dir wird er schon nichts gewollt haben.« Er winkte sogleich ab, während er die Tür zum Flur abschloss, damit ihn keiner störte. »Geh in die Kabine!«, ordnete er hart und folgte mir auf den Schritt.

Ich setzte mich auf den geschlossenen Klodeckel, da mir auf dem engen Raum keine andere Möglichkeit blieb. Olaf drängte sich mit hinein und schloss auch diese Tür hinter sich ab. Durch meine Klaustrophobie bekam ich sofort ein mulmiges Gefühl. Meine Knie zitterten, weshalb ich froh war, zu sitzen.

»Stell dich nicht so an«, forderte er, sich meiner Not bewusst. »Aufstehen, umdrehen, Hose runter und nach vorne bücken, Arsch zu mir!«

Schnell kam ich dem nach und präsentierte ihm meinen Hintern.

»Zieh die Backen auseinander!« Währenddessen drückte er mich im Nacken runter, sodass mein Kopf auf dem Klodeckel zum Liegen kam. Ich hasste das, da die Toiletten nicht die saubersten waren, aber er ließ mir natürlich keine Wahl.

»Da du deinen Job heute Morgen scheinbar nicht zuverlässig machen kannst, muss ich dich wohl daran erinnern, wer hier das Sagen hat. Du wusstest ja schließlich gestern schon, dass die Akten heute fertig sein sollen. Außerdem solltest du nach fünf Minuten hier sein, hast aber doppelt so lange gebraucht«, belehrte er mich.

Das mit den Akten stimmte nicht ganz. Er hatte am vorherigen Tag gesagt, dass sie am Morgen fertig werden sollten und nicht, dass sie bereits fertig sein müssten. Natürlich hielt ich trotzdem meinen Mund. Er musste ja schließlich einen Grund finden, mir einen Plug in den Arsch zu schieben, nicht wahr?

Im nächsten Moment spürte ich den besagten Plug auch schon an meinem Hintereingang. Er war nicht der Kleinste, aber auch nicht der Größte, den Olaf bei sich trug. Damit würde es sich wohl noch arbeiten lassen. Zur Krönung quetschte er mir die Eier und zog sie lang, bis ich wimmerte.

»Schnauze! Steh das durch wie ein Mann!« Er erhöhte den Zug und wartete ab, ob ich mich muckste. Ich biss mir stattdessen hart auf die Lippe, um keinen Laut von mir zu geben. »Geht doch.«

Er ließ zum Glück von mir ab. »Du gehst jetzt zurück. Wenn ich wieder da bin, sind die neu angelegten Akten fertig auf meinem Tisch.«

Mit den Worten verließ er die Kabine, damit ich sie verlassen konnte, und ging in die angrenzende. Wahrscheinlich musste er sich da einen runterholen, in der Hoffnung, dass ihn keiner unterbrach, da ich die Tür zum Flur aufsperrte.

Steffen

»So lange kann er doch nicht auf Toilette sein«, sprach Kai und sah mich über unsere Schreibtische hinweg an.

»Nein, das stimmt. Vielleicht muss er noch dringend irgendwas fristgemäß fertigstellen, wer weiß«, antwortete ich und zuckte mit den Schultern. Dann warf ich einen Blick rüber zum anderen Büro, in dem Herr Pollack sitzen musste.

Und tatsächlich. Er saß dort, mit Blickrichtung zu mir und arbeitete scheinbar hochkonzentriert an irgendwelchen Akten. »Sieht wichtig aus, was er macht«, kommentierte ich.

»Hm?« Kai drehte sich irritiert in seinem Stuhl, um das zu sehen, was ich sah. »Ach so, ja, scheint, als wäre er an Akten dran. Bestimmt der nächste heikle Fall.«

»Warten wir ab. Ich denke, er wird sich in der Mittagspause blicken lassen.«

»Also gehen wir nicht drüben beim Italiener essen? Heute ist Dienstag, schon vergessen?«, erinnerte Kai mich an unseren Deal, jeden Dienstag auswärts und nicht in der Kantine essen zu gehen.

»Nein, wir können trotzdem da essen. Vielleicht kommt er ja mit?«

»Meinst du wirklich? Ich meine, klar, können wir ihm anbieten, aber was man so von den Kollegen hört, isst er immer für sich allein an seinem Computer.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Warten wir’s ab. Vielleicht mag er das Kantinenessen nicht.«

Damit wandte ich mich ebenfalls wieder meiner Arbeit zu. Bis zum Mittag dauerte es noch ein paar Stunden.

Als die Mittagszeit gekommen war und immer mehr Kollegen aus unserem und den benachbarten Büros zur Kantine aufbrachen, warf ich nochmal einen Blick zu Herrn Pollack. Da sein Kollege, Herr Häuser, jetzt auch an seinem Tisch saß, konnte ich ihn nicht komplett sehen. Aber er schien nach wie vor in Arbeit vertieft zu sein.

Ich wägte ab, ob ich trotzdem zu ihm rübergehen sollte oder ob es schlauer war, zu warten, da er meine Bitte um ein Gespräch bestimmt nicht vergessen hatte.

Plötzlich stand sein Kollege auf und verließ ebenfalls das Büro. Wahrscheinlich machte der auch Mittagspause.

Demnach beschloss ich, Herrn Pollack zu stören, da sich sein Teamkollege auch eine Pause gönnte.

»Ich geh mal rüber und frag ihn, ob er mitkommt«, informierte ich Kai, der kurz seinen Blick vom Bildschirm losriss.

»Mach das, ich bin in zwei Minuten so weit.«

Da wir in Großraumbüros arbeiteten, brauchte ich nicht anklopfen. Ich betrat das Büro der Kollegen und Herr Pollack zuckte zusammen, als ich ihn ansprach.

»Wie wäre es jetzt mit einem kleinen Gespräch? Oder haben Sie noch etwas Wichtiges zu erledigen? Es ist Mittag.«

Im Gegensatz zu unserer Begegnung am Morgen bei den Toiletten, wirkte er unruhiger. Irgendwie gehetzt. Scheinbar hatte er sehr viel zu tun.

»Ich … Klar … Ich … Ich habe nicht vergessen, dass Sie mich sprechen wollten. Es gab nur … Also, es gab viel zu tun. Deswegen …«, stotterte er und sah unsicher von seinem Stuhl zu mir auf.

»Alles gut, kein Drama«, versuchte ich ihn mit einem Lächeln zu beruhigen. »Es ist auch nichts Berufliches, was mein Kollege und ich von Ihnen wollen. Aber vielleicht haben Sie ja Lust, uns zum Mittag zum Italiener gegenüber zu begleiten? Dann würden wir Ihnen sagen, worum es geht.«

Überrascht sah er mich an. »Italiener?«

»Ja, mein Teampartner Kai und ich gehen dienstags immer außerhalb essen, nicht in der Kantine. Heute ist der Italiener dran.«

»Hm. Ich weiß nicht, ich ...«, fing Herr Pollack an. Mit einem erschreckten Gesichtsausdruck sah er an mir vorbei.

Ein unschönes Kribbeln breitete sich in meinem Nacken aus und kroch über meinen Rücken. Ich drehte mich etwas, um zu sehen, was diese Reaktion bei mir auslöste. Herr Häuser. Wer auch sonst. Scheinbar war er doch nicht in die Kantine gegangen. Ich wandte den Blick wieder zu Herrn Pollack, da er mir noch eine Antwort schuldig war.

»Nun? Möchten Sie mit? Wenn Ihnen Italienisch nicht passt, gibt es auch einen leckeren Chinesen, nur ein Stück weiter.«

Seine Augen wanderten von seinem Kollegen wieder zu mir. Irrte ich mich oder war er noch gestresster? Irgendwie tat er mir leid, aber auf der anderen Seite wunderte ich mich auch, wie er es mit dem Verhalten geschafft hatte, Polizist zu werden, da Selbstbewusstsein eine wichtige Voraussetzung für diesen Job war.

»Ich, ja, ich kann Sie gerne begleiten. Allerdings werde ich nichts essen, wenn es Ihnen nichts ausmacht.«

»Ach, haben Sie schon gegessen?«, fragte ich deswegen.

»Ähm … Nein … Ähm … Ich mache eine spezielle Diät. Da darf ich jetzt nicht essen. Ist die falsche Uhrzeit«, stammelte er sich eine Erklärung zurecht, die ich ihm nicht abkaufte.

Da er dabei immer wieder zu seinem Kollegen schielte, beschloss ich, nicht weiter in dem Thema zu rühren. Ich zuckte mit den Schultern und lächelte ihn an.

»Das macht nichts, Sie können sich auch nur ein Getränk bestellen, wenn Ihnen das lieber ist. Schnappen Sie sich Ihre Jacke, mein Kollege dürfte jetzt auch soweit sein.« Ich nahm seine Worte als Zustimmung und überrumpelte ihn damit.

Er stand hektisch auf, hielt ein paar Sekunden inne, als hätte er Schmerzen. Dann besann er sich wohl aber, nahm seine Jacke und trat zu mir. Schließlich drehte er sich nochmal zu seinem Kollegen um. »Ich bin kurz mit den Kollegen was trinken«, informierte er ihn.

»Mach das. Sei pünktlich wieder hier. Wir haben viel zu tun.«

Noch bevor Herr Pollack darauf reagierte, sprang ich ein. »Wir beginnen unsere Mittagspause zehn Minuten später, also haben wir auch zehn Minuten länger Zeit, werter Kollege.«

Mit aufgerissenen Augen sah Herr Pollack mich an, sagte aber keinen Ton. Hatte ich etwas falsch gemacht? Es war doch normal, dass wir die Zeit, die wir später in die Pause gingen, hinten dranhängten.

»Wenn Sie meinen«, brummelte Häuser und beachtete uns nicht mehr.

Ich zuckte mit den Schultern und deutete Herrn Pollack, mir zu folgen. Nebenan gabelten wir Kai auf, der fertig war mit seinem Bericht.

»Hallo Herr Pollack, schön, dass Sie uns begleiten«, begrüßte er ihn und klopfte ihm leicht auf die Schulter. Ich meinte, ein leises Zischen zu hören, aber als ich mich besorgt zu Herrn Pollack umdrehte, zeigte seine Miene keine Regung. Nun, vielleicht hatte ich mich verhört.

Renko

Der Italiener war nett und ich war überrascht, wie viele Kollegen hier mittags zum Essen einkehrten. Aber woher hätte ich das auch wissen sollen? Immerhin hielt Olaf mich seit fast einem Jahr dazu an, während der Mittagszeit im Büro zu bleiben. Viel länger war ich auch noch gar nicht in dieser Dienststelle beschäftigt. Daher kannte ich die meisten Kollegen und ihre Angewohnheiten nicht.

Herr Remanns und sein Kollege hingegen schienen bekannt wie bunte Hunde zu sein. Von vielen Tischen wurde ein Gruß herübergerufen, begleitet von einer winkenden Hand. Sie erwiderten die Grüße, suchten sich mit mir aber einen Tisch, der abseits in einer ruhigeren Ecke lag.

Beim Setzen wurde ich mir des Plugs wieder bewusst, konnte ein Stöhnen aber zurückhalten. Herrn Remanns entging trotzdem nicht, dass irgendwas nicht stimmte.

»Ist alles in Ordnung bei Ihnen?«, hakte er besorgt nach. Ich winkte ab.

»Ja, ja, alles bestens. Ich habe mich nur gestern falsch gedreht. Der Rücken zwickt ein bisschen.«

Ob er mir diese Ausrede abkaufte, ließ er nicht durchblicken. »Weshalb wollten Sie mich sprechen?« Ich fiel mit der Tür ins Haus, um ihn von mir und meinem Körper abzulenken.

»Wie wäre es, wenn wir erst mal das lästige Sie loswerden?«, warf sein Kollege mit einem freundlichen Lächeln ein. »Ich bin Kai.«

»Da bin ich auch für. Ich bin Steffen«, stellte Herr Remanns sich vor.

»Renko«, gab ich den beiden preis.

»Schöner Name. Friesisch?«, erkundigte Kai sich.

Ich nickte. »Ja, stammt von Reinhard ab.«

Steffen lachte. »Na, da gefällt mir Renko besser.«

Ich musste ebenfalls lachen. »Ja, mir auch.«

»Möchtest du wirklich nichts essen?«, fragte Steffen mich nochmal und deutete auf die Speisekarte, die vor mir auf dem Tisch lag.

Kai und er schienen bereits zu wissen, was sie essen wollten, denn sie guckten ebenfalls nicht rein.

»Nein, danke«, lehnte ich ab. »Aber ein Wasser bestell ich mir.«

»Keine Scheu, Kai zahlt. Kannst ruhig ordentlich reinhauen.«

Dafür erntete er von seinem Partner einen Fauststoß gegen die Schulter. »Frechdachs. Ich korrigiere dich ja nur ungern, aber ich hab letzte Woche gezahlt. Du bist dran, mein Freund.«

»Ach, Mist. Erwischt«, feixte Steffen. »Kannst trotzdem reinhauen, wenn du willst, Renko.«

»Nein, das passt schon so. Danke.«

Leider knurrte in dem Moment mein Magen. Sie konnten es unmöglich überhört haben, aber sie taten mir den Gefallen und sprachen es nicht an. Kai musterte mich lediglich eingehender.

Bevor wir das Thema wechselten, tauchte der Kellner am Tisch auf und fragte nach unserem Getränkewunsch.

»Bring uns eine große Flasche Wasser mit drei Gläsern, Luigi«, orderte Kai.

»Alles klar. Essenswunsch? Wie immer?«

»Ja, für Steffen und mich wie immer.«

»Und für Sie?«, wandte Luigi sich an mich.

»Ich … Ähm … Ich mache derzeit Diät und begnüge mich mit dem Wasser, vielen Dank«, haspelte ich und spürte die Röte ins Gesicht steigen.

Mir was das furchtbar unangenehm. Vor allem wegen des knurrenden Magens. Aber wenn ich etwas aß und Olaf fand das heraus … Deswegen verzichtete ich lieber.

»Alles klar. Kein Problem«, erwiderte Luigi mit einem Zwinkern. Er sammelte unsere Speisekarten ein und verschwand zum nächsten Tisch.

»Ich soll übrigens viele Grüße von Ben ausrichten«, schnitt Steffen ein neues Thema an.

Ich musste nicht lange überlegen, wer Ben war. Er hatte mir während der Befragung leidgetan. Er hatte über einen längeren Zeitraum zwangsweise BDSM erleben müssen und war anschließend, als der Horror vorbei war, in eine Drogensucht gerutscht.

Olaf und ich hatten ihn vernehmen müssen, da wir in dem Fall um seine Peiniger ermittelt hatten. Olaf, der wenig Verständnis für Opfer empfand, hatte die Befragung geleitet, was schief gegangen war. Nach Bens erstem Zusammenbruch hatte ich die Vernehmung übernommen, was besser gelaufen war. Schließlich besaß ich ein Gefühl für das, was er durchleben musste. Er war zwar nochmal zusammengebrochen, aber das hatte schlichtweg daran gelegen, dass ihm die ganze Sache zugesetzt hatte. Sein Partner, sein behandelnder und befreundeter Arzt und auch Kai und Steffen hatten ihm da zur Seite gestanden.

»Danke. Grüß ihn gerne zurück.«

»Das werde ich machen. Er dachte schon, du würdest dich nicht mehr an ihn erinnern, bei den vielen Fällen und Vernehmungen, die ihr habt. Er weiß ja, wie das bei uns läuft, was im Grunde dasselbe ist, nur in einem anderen Bereich.«

»Doch, ich kann mich noch dran erinnern. War ein harter Tag für ihn und es tut mir auch immer noch leid, dass zuerst Olaf, also Herr Häuser, die Befragung geführt hat. Das hätte von Anfang an besser laufen können.«

»Na, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Ben hat das soweit verkraftet. Es geht ihm inzwischen wieder ganz gut. Er hat seinen Partner, seine Freunde und einen festen Job, läuft«, sagte Kai.

Ich lächelte und sah ihn an. »Das freut mich, wirklich.«

»Unser Anliegen hängt im weitesten Sinne sogar mit ihm zusammen«, sprach Steffen endlich den Grund an, warum sie um ein Gespräch gebeten hatten. »Sein Partner, Mirco Renner, sagt dir ja was, oder? Er war bei der Befragung im Nebenzimmer und leitet zwei Wohneinrichtungen für junge Erwachsene, die auf die schiefe Bahn geraten sind.«

»Ja, das ist mir bekannt. Ihr arbeitet viel mit seiner Einrichtung zusammen.«

Steffen nickte. »Genau. Ben war zuerst als Schützling dort, arbeitet aber mittlerweile in der Einrichtung und leitet das Sportprogramm. Wir beide sind ebenfalls regelmäßig da, um den jungen Leuten Selbstverteidigung zu vermitteln und beim Training zu helfen«, sprach er weiter und ich hörte interessiert zu. »Nun kam Kai und mir in den Sinn, dass es schöner wäre, wenn es noch mehr Unterstützung beim Trainieren der Schützlinge geben würde. Und da haben wir an dich gedacht.«

Überrascht starrte ich ihn an. »An mich?«

»Ja, an dich«, bestätigte Kai. »Du hast die geeignete Ruhe dafür. Du bist gut in Form, wie ich das bei unserem teamübergreifenden Training immer mitbekomme.«

»Ich … Also … Na ja … Ich halte mich schon fit, klar.«

Ich hatte Interesse daran, die beiden, sowie Mirco, Ben und die Einrichtung zu unterstützen. Aber wie sollte ich das mit den abendlichen Treffen mit Olaf vereinbaren? Und überhaupt: Wenn Olaf es mal wieder übertrieb, konnte ich keinen Sport machen. Es war schon immer eine Kunst, das beim Teamtraining auf der Dienststelle zu vertuschen.

»Hättest du denn Interesse?«, fragte Steffen geradeheraus, da aus meinem Gestotter nicht wirklich was zu entnehmen war.

Unschlüssig sah ich zwischen den beiden hin und her. Luigi, der das Essen und die Wasserflasche samt Gläsern brachte, unterbrach unser Gespräch, was mir ein paar Sekunden Bedenkzeit gab.

Auch als er wieder weg war, ließen sie mir noch einen Moment, da sie sich zuerst ihren Pizzen widmeten. Kai hatte sich eine Pizza Hawaii bestellt und Steffen eine mit Fisch.

Ich schnappte mir mein Glas und trank einen Schluck. Hunger hatte ich ja, so war das nicht. Der Anblick des Essens war ganz schön fies. Wie lange hatte ich so etwas nicht mehr gegessen? Ich durfte gar nicht hinschauen, sonst lief mir womöglich noch der Speichel aus dem Mund. Ich rang mich zu einer Antwort durch, um mich von den Pizzen abzulenken.

»Ich hätte schon Interesse, doch …«

»Das klingt sehr nach einem: ›Aber …‹«, kommentierte Kai zwischen zwei Bissen.

»Na ja, wann ist das Training denn?«, wich ich etwas aus.

»Steffen und ich fahren montags und donnerstags gemeinsam hin. Das wären auch die Abende, an denen es schön wäre, wenn du könntest. Alternativ fahre ich noch freitags und samstags hin, je nachdem, wie das mit unserer Schicht passt.«

»Du kannst es dir auch mal anschauen, wenn du möchtest«, warf Steffen ein.

Das war ein guter Vorschlag, den ich annehmen wollte. War nur wieder die Frage, wie ich Olaf das erklären sollte. Leider konnte ich mit niemandem darüber sprechen und mir keinen Rat einholen. Da ich schwieg, sah Steffen sich wohl genötigt, ein bisschen zurückzurudern.

»Du kannst es dir ja überlegen und dich bei uns im Büro melden. Wir haben diese Woche die gleiche Schicht, wie mir scheint. Und da wir ja erst übermorgen wieder zu Mirco und Ben fahren, bleibt dir noch etwas Zeit. Und überhaupt: Du musst dich ja nicht diese Woche entscheiden. Wir wollten dich nur mal fragen, weil uns der Gedanke kam.«

»Das ist wirklich nett. Ich werde es mir auf jeden Fall überlegen.«

»Das freut mich.«

Der restliche Teil des Mittagessens ging schnell vorüber. Kurze Zeit später saß ich wieder an meinem Schreibtisch und arbeitete fleißig an den Aufgaben, die Olaf mir zuschob.

Ich bekam schon lange keine direkten Aufträge mehr von unserem Schichtleiter. Es lief alles über Olaf. Irgendwann hatte er das wohl angeleiert. Leider. Denn so war ich auf ihn angewiesen und auch immer seinen Launen ausgesetzt. Mit anderen Worten: Ich bekam grundsätzlich die Drecksarbeit. Warum ich das mitmachte? Nun, er hatte genug gegen mich in der Hand. Wenn er sein Wissen preisgab, war ich nicht nur meinen Job los, sondern würde auch nie wieder in irgendeiner Polizeidienststelle arbeiten können. So war das Leben. Da musste ich wohl durch.

Olaf hatte natürlich gefragt, warum ich mit den beiden essen war, aber ich war ihm ausgewichen, obwohl ich wusste, dass er das durchschaute und später bestrafen würde.

Jetzt war dieses ›Später‹ gekommen. Ich kniete in meiner Sklavenposition im Schlafzimmer vor dem Fußende meines Bettes und wartete darauf, was Olaf als Nächstes in den Sinn kam.

»Du warst heute ein sehr ungehorsamer Sklave. Dafür bekommst du deinen Käfig verpasst, bevor dein Verhalten noch in eine andere Richtung ausartet.«

Mit den Worten griff er in die Schublade meines Kleiderschranks, in der er seine Spielzeuge deponiert hatte. Er nahm den Käfig raus, den er zusätzlich mit Spikes, in Form von Schrauben, versehen konnte, was sehr schmerzhaft zu tragen war. Denn wenn mein Penis hart wurde, bohrten sich die Spikes stark ins Fleisch. Ohne Spikes war es schon unangenehm, einen Käfig zu tragen, wenn man hart wurde, aber mit Spikes war es eine Tortur, die kaum auszuhalten war. Gott sei Dank hatte er das erst ein Mal mit mir gemacht und auch da war es nur sehr kurz gewesen. Auch heute ließ er die Spikes weg.

Nachdem der Käfig saß, verpasste er mir Nippelklemmen. Damit war er leider nicht so rücksichtsvoll und wählte die Krokodilklemmen, die sich durch ihre Zacken scharf in das empfindliche Fleisch bohrten.

»So, das sollte vorerst genügen. Wenn nicht, hänge ich noch ein paar Gewichte dran, das ist kein Problem«, drohte er. »Aber jetzt leg dich erst mal aufs Bett, Gesicht nach unten!«

Na super, damit scheuerten meine Nippel auch noch übers Bettlaken. Aber ich wagte es nicht, einen Ton von mir zu geben, sondern legte mich wie gefordert hin. Ich hörte Olaf hinter mir weiter hantieren, sah mich aber nicht um. Das mochte er nämlich nicht.

»Fangen wir mal mit heute Morgen an, um die Liste deiner Fehler abzuarbeiten. Du bekamst die Ansage, nach fünf Minuten bei den Toiletten aufzukreuzen. Was meinst du, wie lange ich gewartet habe, Sklave?«, fragte er.

Er erwartete darauf keine Reaktion, das wusste ich, deswegen schwieg ich. »Ganze zwölf Minuten!«, antwortete er. Ein heftiger Schlag mit der Gerte folgte, der mich auf der rechten Fußsohle traf. Da ich nicht darauf vorbereitet gewesen war, zog ich mit einem gequälten Schrei das Bein unwillkürlich an.

»Ha! Das nützt dir nichts!«, spottete Olaf und schlug gleich nochmal zu. Diesmal konnte ich nicht mehr ausweichen. Ein weiterer Hieb sauste herab und traf den linken Fuß. Auch den zog ich automatisch an, in dem lächerlichen Versuch, meinen Körper zu schützen.

Olaf lachte nur auf und schlug erneut zu. Da es so unglaublich wehtat, schaffte ich es nicht, meine Schreie zurückzuhalten.

»Halt gefälligst dein Sklavenmaul!«, schnauzte er und unterbrach seine Hiebe nicht.

Erst als er aufhörte, kam ich wieder zu Atem. Aber ich hörte ihn im Hintergrund kramen, das verhieß nichts Gutes.

Mit einem Ballknebel tauchte er schließlich in meinem Blickwinkel auf. »Maul auf! Dein Gejammer ist ja nicht auszuhalten!«

Ich gehorchte, war irgendwie auch froh, dass er mir einen Knebel verpasste, somit hatte ich wenigstens etwas, in das ich meine Zähne graben konnte, wenn die Schmerzen zu stark wurden. »Gut. Jetzt kann’s weitergehen. Das eben war ja nur die Aufwärmphase. Du erhältst zehn Schläge mit dem Rohrstock, fünf auf jeder Fußsohle. Vielleicht treibt dich das ja dazu an, meine Anweisungen einzuhalten und schneller zu laufen.«

Dass es daran lag, dass ich den Fahrstuhl nicht benutzte, interessierte ihn nicht. Und ich konnte es nicht sagen, da er mich mit dem Knebel mundtot gemacht hatte. Aber ich hätte es eh nicht gewagt, mich dazu zu äußern.

Die Schläge waren die Hölle. Hätte ich keinen Knebel gehabt, hätte mich vermutlich auch die Nachbarschaft zwei Straßen weiter gehört. Es fühlte sich an, als ob meine Fußsohlen aufplatzten. Vielleicht taten sie das auch. Olaf liebte es schließlich, mich ordentlich leiden zu sehen.

»Ich bin fertig. Steh gefälligst auf und hol mir eine Flasche Wasser und ein Glas. Ich habe Durst. Und sabber hier nicht so viel rum.«

Haha, als ob ich das mit Ballknebel im Mund ändern konnte. Ich rollte mich zur Bettkante und setzte die malträtierten Füße vorsichtig auf den Boden. Viel Zeit blieb mir nicht, um mich an den Schmerz zu gewöhnen, denn Olaf wartete nicht gern. Wenn er Befehle aussprach, galt es, sie sofort zu befolgen, ohne zu zögern. Also quälte ich mich in den Stand und machte den ersten sachten Schritt. Es fühlte sich an, als würde ich auf bloßem Fleisch laufen. Tränen schossen mir in die Augen und liefen die Wangen hinunter. Das sorgte dafür, dass meine Nase zuschwoll, was mir zu allem Überfluss das Atmen erschwerte.

Wieder bei Olaf angekommen, überreichte ich ihm Flasche und Glas. Meine Hände zitterten.

»Na, das ging aber auch schon mal zügiger«, nörgelte er. »Das muss morgen beim Teamtraining schneller sein. Schließlich bist du beim Ausdauerlauf immer unter den zehn Schnellsten.«

Was?! Scheiße! Das Training mit dem Ausdauerlauf war morgen?! Verdammter Mist, das würde grausam werden.

»Na, wirst du dir deiner Lage, in der du dich morgen befinden wirst, allmählich bewusst?«, höhnte Olaf mit einem fiesen Grinsen.

Wie gern würde ich ihm das aus dem Gesicht schlagen.

»Und du wirst dich natürlich zusammenreißen, damit keiner was bemerkt, habe ich nicht recht, mein lieber Sklave?«

Da ich das als rhetorische Frage gesehen hatte, gab ich keine Antwort. Ich hätte  sowieso nur nicken können. So schnell wie der Gertenhieb allerdings auf meine mit den Klemmen verzierten Nippel herabsauste, konnte ich gar nicht gucken. Ich schrie in den Ballknebel. Meine Knie gaben nach. Ich sank auf den Boden.

»Hoch mit dir! Auf allen vieren aufs Bett!«, scheuchte er mich gleich wieder auf.

Ich erlaubte mir ein leises Wimmern und kam seiner Forderung, so schnell es mit schmerzendem Körper ging, nach. Olaf wühlte bereits erneut in der Schublade.

»Jetzt ist es an der Zeit, den Käfig zum Ausfüllen zu bringen. Noch hatte dein mickriger Sklavenschwanz offenbar keine große Lust, mir diesen Gefallen zu bereiten.«

Wie denn auch, verdammt? Wer konnte bei so einer Tortur bitteschön hart werden? Ich konnte das jedenfalls nicht. In der Hinsicht war ich nicht masochistisch.

Da Olaf sich hinter mir bewegte, wusste ich nicht, was auf mich zukam. Erst als ich Druck an meinem Anus spürte, wusste ich, dass es ein Plug werden würde. Mal wieder. Wobei, Vibro-Ei traf es eher, wie ich feststellte, als das Objekt in mir verschwand. Nur einen Moment später schaltete sich die Vibration an.

»Na, da wollen wir mal sehen, wie schnell dich das auf Touren bringt«, hörte ich ihn sagen.

Seiner Stimme nach zu urteilen, machte ihn das alles auf jeden Fall mächtig heiß. Es dauerte nicht lange, da begann sich bei mir ebenfalls etwas zu regen. Ich war schließlich auch nur ein Mann, so sehr ich innerlich dagegen ankämpfte, von seinen Spielchen hart zu werden: Gegen ein Vibro-Ei hatte ich keine Chance. Mein Schwanz wurde hart und quetschte sich gegen sein Gefängnis. Kurz darauf tasteten Olafs Finger daran entlang.

»Na, wer wird denn da munter?«, fragte er mit einem fiesen Lacher.

Er kniff mir heftig in die Haut, die er durch den Käfig zu packen bekam. Ich keuchte in meinen Knebel und bockte auf.

»Na, na, halt gefälligst still!«, wies er mich zurecht und wiederholte das Kneifen so lange, bis er zufrieden war.

Ich hingegen grub die Zähne in den Knebel. Mein Schwanz war so verdammt empfindlich.

»Ich finde, du kannst noch mehr vertragen. Wollen wir mal testen, ob da noch ein Ei reinpasst?«

Was? War das sein Ernst?! Schließlich mussten die später irgendwie wieder raus. Von der Gefahr, dass sie nicht mehr von allein rauskamen, ganz zu schweigen.

»Ich habe allerdings nicht nochmal dieselbe Größe. Das muss auch mit einer Nummer größer passen«, sprach er mit wenig Bedauern.

Schon spürte ich einen Finger an meinem Loch. Der zwängte sich dort hinein und schob das bereits eingeführte Ei weiter vor.

Das Vibrieren hatte aufgehört, trotzdem war es ein seltsames Gefühl, das Ding so weit in mir zu spüren. Schon setzte er das zweite Ei an und führte es ohne Kompromiss ein. Mein Anus fühlte sich an, als würde er reißen. Ich heulte auf, was mir einen Hieb mit der Gerte quer über die Schulterblätter einbrachte.

Ich war fix und alle mit den Nerven, wusste nicht, wohin mit meinen Empfindungen. Erst der Schmerz durch die Klemmen und die Schläge, dann die Lust durch das Ei, und dann wieder Schmerz. Tränen liefen über meine Wangen. Ich bekam nur noch schnaufend Luft. Olaf schien das alles unglaublich anzumachen, denn ich spürte an der Bewegung der Matratze, dass er sich einen runterholte. Arschloch!

Nachdem er abgespritzt und mein Bettlaken mit seinem Samen versifft hatte, prüfte er meinen Schwanz.

»Was ist denn los mit dir? Keine Lust?«, wertete er anhand dessen, dass ich nicht mehr hart war. »Das lässt sich schnell ändern, kein Problem.«

Eine Sekunde später vibrierte es wieder in meinem Arsch. Diesmal aber um ein Vielfaches heftiger. Ich kam nicht umhin, zu stöhnen. Es machte mich automatisch geil. Jetzt vibrierten nämlich beide Eier, was mein Innerstes komplett durcheinanderbrachte.

»Na, das gefällt dir, was? Wusste ich’s doch, rattig bis zum Gehtnichtmehr«, sagte er und lachte trocken. »Aber soll ich dir was sagen? Da hast du jetzt eine ganze Weile was von. Ich lasse die Fernbedienungen für die Dinger hier liegen, dann wird der Empfang auch nicht unterbrochen. Ich fahre jetzt nach Hause, schließlich muss ich morgen für das Gemeinschaftstraining fit sein. Die Batterien werden noch ungefähr eine halbe Stunde reichen. Viel Spaß.«

Ich hörte, wie er den Reißverschluss seiner Hose schloss und sich aus dem Raum bewegte. Bevor die Wohnungstür zuklappte, räusperte er sich nochmal.

»Ach, und Sklave? Die Kamera ist aktiviert, also verarsch mich nicht und lass die Eier, wo sie sind. Du darfst sie morgen früh entfernen, vorher verlässt du das Bett nicht. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

Ich brauchte einen Moment, um diese Ansage zu verdauen. Denn das bedeutete, dass ich auch nicht mehr zur Toilette gehen konnte. Ich war das letzte Mal in der Mittagspause gewesen, da ich danach nicht dazu gekommen war und er mich nicht mehr gelassen hatte. Ich hätte gerne geschluckt, um das blöde Gefühl, was in meinem Hals entstanden war, loszuwerden, aber der Knebel erlaubte mir nur, das Laken zu besabbern.

»Ich habe dich etwas gefragt, du nutzloser Sklave!«, fauchte Olaf.

Schnell grunzte ich bestätigend, auch wenn man das nicht raushören konnte, und nickte matt.

»Geht doch. Den Knebel kannst du meinetwegen gleich entfernen. Der Käfig bleibt, wo er ist. Wird Zeit, dass ich mir für dich einen mit Schloss zulege. Solange muss es auch so gehen. Wehe, du nimmst ihn ab und hast ihn morgen nicht mehr um, wenn ich das überprüfe!«, warnte er noch, bevor ich endlich das Zuklappen der Tür vernahm.

Die Stille, die sich daraufhin ausbreitete, war eine Wohltat. Nach diesem anstrengenden Tag war ich müde.

Ich entfernte den Knebel, der mit einem Riemen am Hinterkopf festgeschnallt war, wischte mir den Speichel vom Kinn und bewegte den Kiefer vorsichtig hin und her. Endlich konnte ich mich entspannen.

Problem an dieser Entspannung war, dass sich prompt die Blase meldete. Na ja, zur Not würde ich ins Bett pinkeln. Was sollte ich machen? Ich bezweifelte, dass ich es bis zum Morgen aushielt, da ich von innen mit den Eiern gefüllt war. Aber immerhin hatte ich einen weiteren Tag mit Olaf überstanden. Das war mein einziger Trost.

Steffen

»Täusche ich mich, oder sieht Renko irgendwie krank aus?«, fragte Kai, während wir uns für das gemeinsame Training aufwärmten. Ausdauerlauf stand auf dem Plan. Eine Disziplin, in der Kai und ich immer gut abschlossen. Renko normalerweise auch. Aber Kai hatte recht: Er machte keinen fitten Eindruck.

Wir waren ein gutes Stück entfernt von ihm und seinem Teampartner am Aufwärmen, aber trotzdem sah man ihm an, dass er nicht ganz auf der Höhe war. Seine Bewegungen waren steif, wirkten vorsichtiger und bedachter als sonst.

»Hm«, brummte ich in meiner sorgfältigen Betrachtung.

»Wollen wir zu ihm gehen und fragen?«, überlegte Kai. Nebenbei machte er weitere Kniebeugen.

»Hm. Weiß nicht, sein Partner steht direkt daneben. Gestern im Büro hatte ich das Gefühl, dass er nicht so gern über sich redet, wenn der anwesend ist«, sprach ich.

Kai sah mich an und zog eine Augenbraue hoch. »Ach? Das ist aber seltsam. Gerade seinem Partner sollte er doch bedingungslos vertrauen.«

Ich zuckte nur mit den Schultern und wärmte mich ebenfalls mit Kniebeugen auf.

»Na, vielleicht kannst du ihn ja während des Laufs kurz ansprechen. Ich schätze, du kommst näher an ihn dran als ich.«

Bevor ich Kai darauf hinweisen konnte, dass während des Laufs mit Sicherheit nicht genügend Luft zum Sprechen da war und nur zu Seitenstechen führen würde, pfiff ein Schichtleiter, der das Training anführte, durch seine Pfeife und rief uns damit auf, in Startposition zu gehen.

Wir waren in etwa dreißig Leute, die an dem Ausdauerlauf teilnahmen. Es galt, in der vorgegebenen Zeit so viele Runden wie möglich auf der Aschenbahn zurückzulegen. Fünfundvierzig Minuten waren angesetzt.

Nach zwanzig Minuten hatte ich mich eingelaufen und war zufrieden mit mir. Kai hatte ich bereits hinter mir gelassen, denn er hatte die Taktik, am Ende nochmal Gas zu geben und Runden aufzuholen, während ich lieber kontinuierlich dasselbe zügige Tempo bevorzugte. Meistens waren wir zum Schluss wieder gleichauf. Ich fokussierte meinen Blick nach vorne und stellte fest, dass ich mich Renko annäherte. Obwohl es den Eindruck gemacht hatte, als würde es ihm nicht gut gehen, war er unter den Schnellsten mit dabei. Noch. Dass ich ihn aber nach der Hälfte der Zeit einholte, war unüblich, also war er wohl doch nicht so fit, wie er wirken wollte.

Mein Blick tastete die vor mir laufenden Kollegen ab, aber an Herrn Häuser, Renkos Partner, musste ich wohl schon vorbeigelaufen sein. Oder war er nach mir gestartet?

In der nächsten Runde war ich schließlich mit Renko auf einer Höhe.

»Na, alles fit?«, fragte ich, mit dem Risiko, Seitenstechen zu bekommen.

Renko blickte mich flüchtig an und nickte knapp. Er war vernünftig und sprach nicht. Ich musterte ihn von der Seite. Sein Gesicht war nass geschwitzt, seine Stirn zusammengezogen, als hätte er Kopfschmerzen. Seine Augen waren zusammengekniffen, als würde er in der Ferne irgendetwas suchen. Irgendwie gefiel mir das Bild nicht. Eigentlich war der Lauf für trainierte Leute ein entspanntes Training. Es passte nicht, dass er so angestrengt aussah.

»Wirklich alles gut?«, hakte ich daher ruhig, aber ernst nach.

Er biss die Zähne zusammen, was ich an seiner Kieferlinie sehen konnte, doch antwortete er mir nicht.

»Renko? Ehrlich jetzt. Du übernimmst dich. Lass uns mal ein Stück langsamer laufen«, redete ich weiter und spürte das erste Stechen in der Seite. Ich ignorierte es. Renko tat Selbiges mit mir.

»Verdammt, guck mich wenigstens mal an, damit ich sicher sein kann, dass alles okay ist!«, fauchte ich. Es war zwar keiner direkt vor oder hinter uns, aber ich wollte trotzdem keine Aufmerksamkeit erregen.

Nach diesen Worten wandte er den Kopf ruckartig zu mir. Wir sahen uns an, während wir weiter unser Tempo hielten. Seine Augen zeigten Trotz, aber da war noch mehr.

Mir fiel sofort auf, dass seine Wangen nicht vom Schweiß feucht waren. Es waren Tränen. Und dann erkannte ich es. Den unterdrückten Schmerz in seinen Augen.

Augenblicklich, bevor er sich dagegen sträuben konnte, packte ich seinen Arm und sorgte dafür, dass wir an den Rand der Bahn kamen. Dort drosselte ich das Tempo, bis wir schließlich standen.