Rescue: Zeig's mir mit Gefühl - Janice Blendell - E-Book

Rescue: Zeig's mir mit Gefühl E-Book

Janice Blendell

4,0

Beschreibung

Karen glaubt, in Tom den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch durch einen Zufall erfährt sie, dass Tom ein skrupelloser Dom ist, der Frauen nur zu seinem Vergnügen quält. Karen, der diese Praktiken bisher völlig unbekannt waren, trennt sich von ihm, was nicht ohne Folgen bleibt. Sie flüchtet zu fast unbekannten Menschen, die zu engen Freunden werden. Dort lernt sie den Dom und Arzt Eric kennen, der selbst ein trauriges Schicksal durchlitten hat. Leider haben beide keine Chance sich näher kennenzulernen. Als sie sich einige Zeit später erneut treffen, weiß Karen um die besondere Bindung zwischen einer Sub und ihrem Dom. Sie lässt sich auf Eric ein, der sie in seine Welt aus Lust, Schmerz und Unterwerfung führt. Doch Karens Vergangenheit holt sie ein und sie beginnt, ihre Gefühle und die Liebe zu Eric in Frage zu stellen. Kann die Liebe zweier Menschen stärker sein als die Schicksalsschläge der Vergangenheit? Ein romantischer BDSM-Roman.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 347

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
4,0 (1 Bewertung)
0
1
0
0
0



JANICE BLENDELL

RESCUE – ZEIG’S MIR MIT GEFÜHL

© 2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-453-5

ISBN eBook: 978-3-86495-454-2

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Epilog

Autorin

Kapitel 1

Karen griff nach dem Kaffeebecher, der auf ihrer Anrichte stand, und trank schnell noch einen Schluck. Sie war spät dran, als sie das Haus verließ. Draußen begann der Tag mit einem wundervollen Sonnenaufgang. Es sollte ein warmer Tag werden. Schade, dass Karen auf dem Weg zu ihrer Arbeit in der Kanzlei war. Lieber hätte sie an diesem Vormittag in einem Straßencafé gesessen und den Menschen auf der Straße zugesehen, wie sie hektisch an ihr vorbeigingen. Stattdessen lag ein arbeitsreicher Tag vor ihr, und wenn sie nach Hause käme, wäre von dem schönen Tag nichts weiter übrig als der Sonnenuntergang.

Sie betrat das Bürogebäude, fuhr mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock, brachte ihre Tasche in ihr Büro und ging dann zum Konferenzraum. An jedem ersten Montag im Monat fand dort die Planungskonferenz statt, und bei diesem Termin mussten nicht nur alle Anwälte anwesend sein, sondern auch Karen, die als Chefsekretärin für die Protokollführung zuständig war.

Sie stellte Kaffeetassen, Gläser und Kaltgetränke bereit, checkte Beamer und Laptop, damit während der Konferenz alles reibungslos verlaufen konnte. Sie war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie nicht bemerkte, wie jemand den Raum betrat.

„Guten Morgen.“

Karen schreckte hoch. „Himmel, haben Sie mich erschreckt.“ Geräuschvoll atmete sie aus.

„Entschuldigung, das wollte ich nicht“, sagte der Mann und lachte charmant.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte Karen und nahm einen Stapel Papiere in die Hand.

„Mein Name ist Tom Watts“, sagte er und streckte ihr seine Hand entgegen.

Karen ergriff sie und erwiderte den Handschlag.

„Dann sind Sie der neue Anwalt. Es freut mich, Sie kennenzulernen. Mein Name ist Karen Waters, ich bin die Chefsekretärin. Sie sind aber sehr früh hier.“

„Ja, an seinem ersten Arbeitstag sollte man pünktlich erscheinen. Bringen Sie mir einen Kaffee mit Milch.“

 Er musterte Karen, bevor er seinen Blick durch den Raum schweifen ließ.

Karen hielt inne, denn so hatte noch niemand in diesem Haus mit ihr geredet. Es war keine Bitte, sondern ein Befehl.

Sie wusste nichts darauf zu erwidern und nickte. „Sicher. Setzen Sie sich, ich bin gleich zurück.“ Auf dem Weg in die Küche fluchte Karen leise vor sich hin.

„Was für ein arroganter Kerl. Was bildet der sich denn ein?“

Der Kaffeevollautomat brummte vor sich hin, und Karen versuchte, ihre Wut über Tom Watts zu drosseln. Sie sagte sich, dass er es vielleicht gar nicht so gemeint hatte, wie es bei ihr angekommen war.

Ein Piepton signalisierte ihr, dass der Kaffee fertig war. Sie nahm die Tasse, gab etwas Milch hinein, ging zurück in den Konferenzraum und stellte sie vor Mr. Watts ab.

„Bitte.“

Er hatte inzwischen seinen Laptop auf den Tisch gestellt und sah konzentriert auf den Bildschirm. Nur kurz sah er zu ihr auf, bevor er sich wieder dem Laptop zuwandte.

Gern geschehen, dachte Karen und ging in ihr Büro, um ihre Unterlagen zu holen. Wenig später kam sie zurück und sah, wie sich ihre Chefs, Michael Meyers und Brandon Wallet, mit Mr. Watts unterhielten.

Mr. Meyers sah zu ihr und winkte sie zu sich. „Karen, darf ich dir Tom Watts vorstellen?“ Er zeigte auf Mr. Arrogant und Karen folgte mit ihren Augen seiner Hand und nickte höflich.

„Wir hatten heute schon das Vergnügen“, antwortete sie und versuchte, so viel Fröhlichkeit wie möglich in ihren Tonfall zu legen, obwohl sie immer noch über seinen Befehlston verärgert war.

„Gut, dann können wir anfangen. Ist für die Präsentation alles bereit?“

„Ja.“

Karen ging zu ihrem Platz ganz vorn und öffnete ihren Laptop, um das Protokoll schreiben zu können.

Die Sitzung zog sich etwas länger hin als sonst, denn Tom Watts wurde den Anwesenden in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Demnach war er zweiunddreißig Jahre alt, ledig und hatte bisher in einer New Yorker Kanzlei gearbeitet. Von dieser hatte man ihn abgeworben und ihn hier als Teilhaber angestellt.

Karen hatte währenddessen genügend Zeit, sich Tom Watts genauer anzusehen. Er war groß und durchtrainiert, soweit sie das sehen konnte, und trug einen maßgeschneiderten Anzug. Sein Hemd saß eng und betonte seine Bauchmuskeln, die sich deutlich darunter abzeichneten. Seine blonden Haare waren sehr kurz geschnitten, er hatte blaugrüne Augen, an deren Seiten kleine Fältchen erkennbar waren. Er macht bestimmt viel Sport, so wie er aussieht, dachte sie.

Karen war einunddreißig Jahre alt und hatte schon ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten in dieser Kanzlei gemacht. Die Kanzlei hatte einen guten Ruf, deswegen hatte sie sich dort beworben. Sie hatte sich keine großen Hoffnungen gemacht, den Ausbildungsplatz zu bekommen, und als sie die Zusage doch bekam, war die Freude groß. Sie wohnte damals in Minneapolis und war aufgrund der Entfernung zwischen Minneapolis und Minnesota, wo sich die Kanzlei befand, nach Minnesota gezogen. Den Abschluss der Ausbildung absolvierte sie mit Bestnoten und seitdem stand ihr Job an erster Stelle in ihrem Leben.

Dabei blieb ihr Privatleben natürlich auf der Strecke. Für eine Beziehung blieb ihr wenig Zeit, und auch in puncto Sex war sie eher unerfahren, was sicher auch an ihrer eigenen Unsicherheit lag. Sie selbst fand sich nicht besonders attraktiv. Ihren Busen fand sie schön, aber ihr Oberkörper war im Vergleich zu ihren Hüften eher schmal, dafür wirkten ihre Beine kräftig, weil sie einen rundlichen Po hatte.

Die anderen Frauen in der Kanzlei waren alle schlank, trugen eng anliegende Kleider und liefen auf Pumps mit derart hohen Absätzen herum, dass Karens Füße schon beim Zusehen schmerzten. Karen trug am liebsten Hosenanzüge mit engen Blusen darunter, die ihren Oberkörper betonten und von ihren Beinen und ihrem Po ablenkten. Ihre Schuhe hatten dezente Absätze, die ihre Beine oft kurz wirken ließen.

Sie war ganz in ihre Gedanken versunken. Plötzlich stieß jemand ein Glas um und das Geräusch holte Karen aus ihren Gedanken zurück. Als sie aufblickte, starrte sie geradewegs in Tom Watts Augen. Er schien sie zu mustern. Sie errötete, steckte verlegen eine Haarsträhne hinter ihr Ohr und senkte den Blick.

Nach der Konferenz gingen alle wieder zurück in ihre Büros, und obwohl es nicht zu ihren Aufgaben gehörte, stellte Karen das benutzte Geschirr zusammen und brachte es in die Küche. Da sie Tom Watts nicht gleich wieder auf dem Flur begegnen wollte, räumte sie die Tassen und Gläser auch noch in den Geschirrspüler. Erst als die Gespräche im Flur leiser wurden, ging auch sie zurück in ihr Büro.

Das Kommunikationsfenster auf ihrem Bildschirm ploppte auf und unterbrach sie bei der Überarbeitung des Protokolls. Alle PCs waren miteinander vernetzt und man konnte mit anderen Mitarbeitern Unterhaltungen führen, ohne das Telefon benutzen zu müssen.

„Hat Ihnen gefallen, was Sie beobachtet haben?“

Karen starrte das kleine Fenster auf ihrem Monitor an, denn die Nachricht kam von Mr. Watts. Auf was wollte er hinaus?

Unentschlossen, ob sie antworten sollte, verstrichen einige Minuten.

„Ich weiß nicht, was Sie meinen.“

„Nein? Dann sollten wir darüber reden. Wollen Sie mich zum Mittagessen begleiten?“

Karen stockte, dann las sie die Nachricht erneut. Es war zwar durchaus üblich, dass die Angestellten die Mittagspause zusammen verbrachten, aber nicht mit einem der Chefs.

„Hat es Ihnen die Sprache verschlagen oder sind Sie wegen heute Morgen, bezüglich des Kaffees, verärgert?“

Karen lächelte. Schnell schrieb sie zurück. „Ich gebe zu, dass ich es nicht gewohnt bin, Befehle zu erhalten, und ein kurzes Dankeschön hätte ich auch für angemessen gehalten, dennoch gebe ich Ihnen die Möglichkeit, diesen Fauxpas bei einem Mittagessen zu korrigieren. Wir können uns um eins unten vor der Tür treffen, wenn es Ihnen recht ist.“ Gespannt wartete sie auf seine Antwort.

„Wunderbar! Bei der Gelegenheit können Sie mir mehr über Ihren Aufgabenbereich und den Ihrer Kolleginnen erzählen. Bisher weiß ich nicht sehr viel über die einzelnen Bereiche und mit welchen Aufgaben ich wen betreuen kann. Ich hole Sie um eins in Ihrem Büro ab. Bis später.“

Das Fenster verschwand und Karen starrte einige Sekunden den Bildschirm an.

Bis zur Mittagspause arbeitete sie an dem Protokoll. Sie prüfte es ein letztes Mal, bevor sie es an ihre Chefs und in Kopie an alle Mitarbeiter verschickte. Plötzlich klopfte es an ihre Tür und Karen sah von ihrem Bildschirm hoch. „Herein.“

Die Tür öffnete sich und Tom Watts stand in ihrem Büro.

„Oh, schon so spät?“ Karen sah auf die Uhr an ihrem Handgelenk. „Ich dachte, wir treffen uns unten?“ Ihre Stimme klang gereizter, als sie es beabsichtigt hatte. Sie wollte nicht, dass sie mit ihrem neuen Chef gesehen wurde, da es so aussehen könnte, als ob sie sich bei ihm einschmeicheln wollte.

„Nein, ich habe geschrieben, dass ich Sie abhole. Ist das ein Problem?“ Fragend sah er sie an.

Karen schüttelte den Kopf. Er drehte sich um und ging aus der Tür hinaus auf den Flur. Karen griff nach ihrer Tasche und folgte ihm.

Rechts neben Karens Büro befanden sich die Fahrstühle. Er drückte den Knopf, um einen der Fahrstühle zu holen. Schweigend warteten sie, bis sich die Türen des Fahrstuhls öffneten. Er machte eine einladende Handbewegung in den Fahrstuhl und ließ Karen den Vortritt. Sie fuhren nach unten und traten vor das Bürogebäude.

„Gut, wohin gehen wir?“ Fragend sah er sie an.

„Ein Stück die Straße runter ist Billy’s Diner. Es ist ein kleiner Laden, aber das Essen ist gut und bezahlbar.“ Sie zeigte mit dem Finger nach links, in die Richtung, in der das Lokal lag.

„Das klingt nett, ich folge Ihnen.“

Billy’s Diner war um diese Uhrzeit immer gut besucht. Sie hatten jedoch Glück und fanden einen freien Tisch am Fenster. Ein Kellner kam wenige Minuten später an ihren Tisch, um die Bestellung entgegenzunehmen. Karen bestellte einen Salat und Mr. Watts ein Steak mit Pommes.

Es dauerte nicht lange, bis das Essen gebracht wurde. Während sie aßen, unterhielten sie sich zwanglos über die Kanzlei, bis er das Gespräch auf Karen lenkte.

„Erzählen Sie mir etwas über sich. Wo sind Sie aufgewachsen, seit wann leben Sie hier, gibt es einen Mann an Ihrer Seite?“

Sie versuchte, nicht ins Detail zu gehen, denn schließlich war er ihr Chef und sie kannte ihn erst seit heute Morgen. „Ich komme aus Minneapolis und bin aus beruflichen Gründen nach Minnesota gezogen. Da ich sehr viel arbeite, hat ein Mann momentan keinen Platz in meinem Leben.“

„Dass Ihre Arbeit Sie so einnimmt, ist schade und sollte unbedingt geändert werden.“ Er lächelte charmant und sah ihr intensiv in die Augen.

Sie nickte und senkte verlegen den Blick.

Nach dem Essen begleitete er Karen noch zurück in ihr Büro. „Danke für die nette Mittagspause, das sollten wir unbedingt wiederholen.“ Er zwinkerte ihr zu, verabschiedete sich und verließ ihr Büro.

Danach trafen sie sich öfter zum Mittagessen. Karen war nicht wohl dabei, sie wusste nicht, wie die Kollegen darauf reagieren würden. Emma aus der Buchhaltung fragte Karen direkt, ob da etwas zwischen ihr und Mr. Watts laufen würde. Karen wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, und wich der Kollegin aus. Sie musste mit Tom darüber sprechen.

Sie nutzte einen Abend, an dem Tom sie zu sich zum Essen eingeladen hatte, um mit ihm über ihre Bedenken hinsichtlich der Arbeit zu sprechen.

Sie saß auf seiner Terrasse und Tom holte zwei Gläser mit Wein aus der Küche.

„Du siehst heute besorgt aus.“ Er hielt ihr ein Weinglas hin, Karen griff danach und atmete tief durch.

„Ich wurde von einer Kollegin gefragt, ob zwischen uns etwas laufen würde. Das gefällt mir nicht, weil ich nicht in Schwierigkeiten kommen möchte.“ Karen schaute zu ihm auf.

„Ja, Michael und Brandon haben mich heute auch darauf angesprochen.“

„Und? Was hast du ihnen gesagt?“

„Ich sagte, dass ich eine wundervolle Frau kennengelernt habe und sie sich keine Sorgen machen müssen, da sich unser Interesse füreinander nicht auf die Arbeit in der Kanzlei auswirken wird. Lass uns offen mit der Situation umgehen, dann muss keiner hinter unserem Rücken reden.“ Er trat dicht an Karen heran, senkte seinen Kopf und dieser erste Kuss raubte ihr den Atem.

Ein Schauer rieselte über ihre Haut. Er löste sich von ihr und sah ihr tief in die Augen. Sie erwiderte seinen Blick, lächelte und nahm verlegen einen Schluck Rotwein.

Er behielt recht. Je offener sie mit ihrer beginnenden Beziehung umgingen, desto weniger wurde geredet, und der Tratsch endete schließlich ganz.

In den letzten Wochen fühlte sich Karen immer mehr zu Tom hingezogen. Sie mochte seine Art: kompetent und zielstrebig im Büro, liebevoll und fürsorglich, wenn sie bei ihm war. Er war ein guter Zuhörer und gab ihr ein Gefühl von Geborgenheit.

An diesem Wochenende hatte er sie zu einem Kurztrip eingeladen. Einer seiner Freunde hatte ein Ferienhaus in Duluth, direkt an einem See gelegen. Sie fuhren am Samstagmorgen früh los.

Tom parkte den Wagen bei ihrer Ankunft direkt vor der Hütte, stieg aus und öffnete Karen die Autotür. Sie stieg aus und ging ein paar Meter. Die Hütte lag hinter ihr. Sie blickte direkt auf den See.

„Gefällt es dir hier?“ Tom stand hinter Karen, schlang seine Arme von hinten um ihren Körper und verteilte Küsse auf ihrem Hals.

„Ja, es ist wunderschön.“ Sie schmiegte sich mit ihrem Rücken an ihn.

„Komm mit.“ Er zog sie zur Hütte, öffnete die Tür und schob sie sanft vorwärts.

Das Holzhaus war modern eingerichtet. Es gab eine Küche, ein Bad, einen Wohnbereich und zwei Schlafräume.

Tom griff nach ihrer Hand und führte sie in einen der Schlafräume. Dort zog er sie langsam aus und begann, sie sanft zu streicheln. Bisher hatten sie noch keinen Sex gehabt, Tom war in dieser Hinsicht zurückhaltend gewesen und Karen hatte es auch nicht eilig damit. Dass er jetzt einen Schritt weiter gehen wollte, ließ sie erwartungsvoll erschauern, und sie genoss jede seiner Berührungen. Aber als sie nur noch mit Unterwäsche bekleidet vor ihm stand, fühlte sie sich doch etwas unwohl. Schon sehr lange hatte kein Mann sie so gesehen, und sie hatte Bedenken, dass er ihren Körper nicht attraktiv finden würde.

Sie warf einen Blick auf die Beule in seiner Hose, und das reichte, um ihre Bedenken zu zerstreuen. Er war erregt; scheinbar gefiel ihm, wie sie aussah. Mutig griff sie nach seinem Shirt und zog es ihm über den Kopf, dabei verteilte sie Küsse auf seiner Brust. Anschließend öffnete sie auch seine Hose und zog sie nach unten.

Er streifte Schuhe und Hose von seinen Füßen und nahm sie in den Arm. Sein Penis drückte durch den Stoff seiner Boxershorts an ihren Bauch. Wieder küsste er sie, dabei schob er sie rückwärts, bis ihre Beine das Bett berührten und sie mit dem Rücken darauf sank. Sie rutschte in die Mitte, er legte sich neben sie, öffnete ihren BH, streifte ihn ab und warf ihn zu Boden. Dann griff er nach ihren Handgelenken und führte sie über ihren Kopf.

„Egal, was ich mache, lass deine Hände über deinem Kopf, verstanden?“ Seine Stimme klang rau, erregt, und Karen nickte.

Er küsste sie, leckte dann über ihre Nippel, saugte und knabberte an ihnen, bis sie ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken konnte. Sein Mund wanderte über ihren Bauch hinab zu ihrem Slip, und sie spürte seinen heißen Atem durch den Stoff auf ihrer Scham.

Krampfhaft versuchte sie, ihre Arme nicht zu bewegen, als Tom ihr den Slip auszog und seine Erkundungstour mit dem Mund fortsetzte. Er verteilte federleichte Küsse auf ihrem Venushügel, strich mit der Zunge sanft über ihre Schamlippen und knabberte leicht daran, bevor er seinen Mund auf ihre Klit legte, um daran zu saugen. Erst leicht, dann immer fester, bis sie wimmerte. Er leckte durch ihren Spalt, seine Zunge drang leicht in sie ein.

Karen wollte ihn berühren und hob einen Arm, er fing ihn jedoch mit seiner Hand ab und presste ihn zurück auf die Matratze. Seine Hand hatte ihre Arme fest im Griff. Kurz blickte er auf und sein stürmischer Blick traf ihren. Ein Schauer rieselte über ihren Körper und ließ sie vor Verlangen zittern. Er senkte seinen Kopf und begann von vorn. Wieder Küsse und leichte Bisse, bis er seinen Mund auf ihre Klit presste und fest saugte und leckte.

Karen stöhnte und bog ihren Rücken durch.

„Gott, Tom, hör bitte nicht auf“, bettelte sie.

Er brachte sie bis kurz vor einen Orgasmus, dann hörte er auf und nahm ihren Mund in Besitz. Karen schmeckte sich selbst auf seinen Lippen, und ein berauschendes Gefühl breitete sich in ihr aus. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so ein Verlangen nach Erlösung gespürt zu haben.

„Dreh dich um, Karen, streck mir deinen Po entgegen, ich will dich jetzt ficken!“, befahl er ihr.

Wie in Trance tat sie, was er sagte, und nahm voller Erwartung die gewünschte Position ein. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Tom seine Boxershorts abstreifte, zum Nachttisch neben dem Bett griff und ein Kondompäckchen aufriss. Sie hörte, wie er es über seinen Schwanz zog, bevor er mit einem Stoß tief in ihr versank.

„Karen, du bist so verdammt eng“, keuchte er und stieß erneut in sie.

Berauscht von dem intensiven Gefühl baute sich in Karen eine Welle  auf, die unaufhaltsam auf sie zurollte. Tom nahm sie hart, griff in ihr Haar und stieß immer schneller zu. Karen kam seinen Stößen entgegen, seine Hoden klatschten an ihren Po. Das Geräusch erregte sie noch mehr und nach wenigen weiteren Stößen schrie sie ihren Orgasmus in den Raum. Sie hörte ihr eigenes Blut in ihren Ohren rauschen und kleine Blitze flogen vor ihren Augen hin und her.

Mit einem lauten Stöhnen kam Tom nur wenige Sekunden nach ihr. Er brauchte einen kleinen Moment, ehe er in der Lage war, seinen Schwanz aus ihr zu ziehen.

Karen legte sich erschöpft auf den Bauch.

„Bleib liegen, ich entsorge nur das Kondom, bin gleich wieder bei dir.“ Tom stand auf und ging in das Badezimmer.

Karen hatte die Augen geschlossen und bewegte sich nicht. Sie spürte, wie sich die Matratze bewegte, als Tom sich wieder neben sie legte. Er griff um sie herum und zog sie dicht an seine Brust. Karen lächelte ihn verliebt und glücklich an.

An diesem Wochenende hatte Karen mehr Sex als in den letzten zehn Jahren. Tom übernahm jedes Mal die Führung, er bestimmte jedes Mal, wo er sie ficken wollte, wann und wie. Karen fand Gefallen daran. Manchmal hielt er dabei ihre Hände fest und befahl ihr, ihn anzusehen, wenn sie ihren Höhepunkt erreichte. Seine dominante, aber zärtliche Art gefiel ihr und sie genoss jeden Moment.

Das Wochenende veränderte alles, denn Karen hatte sich verliebt und auch Tom gestand ihr seine Liebe. Er sagte ihr nun fast täglich, wie hübsch und begehrenswert sie in seinen Augen sei, und die Beziehung zwischen ihnen wurde immer inniger. Nach nur vier Monaten bat Tom Karen, bei ihm einzuziehen.

Er hatte ein Penthouse über zwei Etagen gekauft. Das Gebäude, in dem sich die Wohnung befand, lag außerhalb des Stadtzentrums, inmitten von Feldern und Wiesen, sehr idyllisch und sehr ruhig. Das Penthouse war sehr geräumig und bot genügend Platz, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Die anderen Wohnungen in dem Haus waren größtenteils Zweitwohnsitze und die Eigentümer nur unregelmäßig anwesend.

Kapitel 2

Tom arbeitete sehr viel. Nach den ersten Monaten in der Kanzlei bekam er öfter die Aufträge der Mandanten zugeteilt, deren Firmensitze über die ganze USA verteilt waren. Er war oft tagelang unterwegs und nur an den Wochenenden zu Hause.

Heute war Sonntag, und Karen wusste, dass Tom am nächsten Morgen nach New York fliegen sollte, um einen Mandanten zu beraten. Sie saß im Wohnzimmer auf der Couch, als Tom hereinkam. In seiner Hand hielt er zwei Gläser und eine Flasche Champagner.

„Gibt es etwas zu feiern?“ Überrascht sah sie zu ihm.

Er schlenderte auf sie zu, stellte den Champagner und die Gläser auf dem Couchtisch ab. „Nein, aber bevor ich morgen wieder eine Zeit lang von dir getrennt bin, möchte ich noch einen schönen Abend mit dir verbringen“, sagte er und küsste sie innig. Er löste sich von ihr und trat einen Schritt zurück.

„Worauf hast du Hunger?“ Karen überlegte einen Moment. „Wie wäre es mit Sushi? Das hatten wir schon lange nicht mehr.“ Fragend sah sie ihn an.

„Gut, ich bestelle uns etwas.“ Tom nahm sein Handy und bestellte eine kleine Auswahl an Gerichten.

Es dauerte nicht sehr lange, bis der Lieferservice die bestellten Speisen brachte. Karen hatte in der Zwischenzeit den Tisch gedeckt und eine Kerze angezündet.

Sie liebte romantische Abende, weil diese meistens mit exquisitem Sex endeten. Tom zeigte ihr, dass Sex mehr war als nur die Missionarsstellung. Sie ließ sich gelegentlich auch von ihm fesseln, und auch Sexspielzeuge baute er in ihr Liebesspiel mit ein. Sie vertraute ihm dabei blind.

Bevor Tom am Montag das Haus verließ, bat er Karen darum, nach Feierabend seine Anzüge aus der Reinigung abzuholen. Sie versprach es, fuhr am frühen Abend zur Reinigung und gab dem Angestellten den Abholschein.

Wenige Minuten später reichte er ihr die Anzüge über den Tresen. „Diesen Zettel haben wir in einer der Anzugtaschen gefunden.“ Er lächelte freundlich und reichte Karen das Stück Papier.

„Danke“, sagte sie und lächelte zurück. Sie nahm die Anzüge und hängte sie in ihr Auto, damit sie nicht zerknitterten. Das Papier legte sie auf den Beifahrersitz und fuhr direkt nach Hause.

Als sie am nächsten Morgen in ihr Auto stieg, sah sie den Zettel auf dem Beifahrersitz, den sie dort abgelegt hatte, und steckte ihn in ihre Handtasche. Im Büro hörte sie das Vibrieren ihres Handys und griff in ihre Tasche, um es herauszuholen, dabei zog sie den Zettel mit raus. Er fiel zu Boden und Karen warf einen Blick darauf.

Es war eine Auftragsbestätigung für einen Tisch von der Firma Mysterious Design, deren Inhaber ein Ron Marshall war. Sie wendete das Papier, aber da stand nichts weiter drauf. Sie hatten sich doch erst neu eingerichtet und die letzten Möbel waren gerade vor kurzem geliefert worden.

„Hm“, dachte sie laut. Sie war sich sicher, wenn Tom einen neuen Tisch bestellt hätte, hätte er mit ihr darüber gesprochen.

Abermals schaute sie auf das Blatt in ihren Händen. Die Auftragsbestätigung war definitiv auf Tom ausgestellt. Sein Name stand handschriftlich geschrieben darauf und weiter unten war ein Stempel mit dem Firmenlogo, der Unterschrift des Inhabers und der von Tom.

Am Abend suchte Karen im Internet nach der Firma. Sie wollte in Erfahrung bringen, was das für eine Tischlerei war, aber bis auf einen Eintrag im Firmenregister der Stadt konnte sie nichts finden. Es war schon fast Mitternacht, als sie zu Bett ging.

Am Mittwoch gab es in der Kanzlei viel zu tun, denn eine Kollegin war im Urlaub, eine andere krank. Karen arbeitete die Mittagspause durch, in der Hoffnung, pünktlich aus dem Büro zu kommen, weil sie sich vorgenommen hatte, bei der Tischlerei vorbeizufahren. Sie war etwas neugierig, weil Tom ihr nichts von dem Tisch erzählt hatte, und weil der Name der Tischlerei ein wenig geheimnisvoll klang. Trotz ihrer Bemühungen musste sie noch eine Stunde länger im Büro bleiben, aber sie hoffte, dass sie noch jemanden in der Tischlerei antreffen würde.

Nach der Arbeit stieg sie in ihr Auto und fuhr direkt aus der Stadt. Laut ihrem Navi musste die Tischlerei an der Auto Club Road in der Nähe des Minnesota River liegen. Es machte sie stutzig, dass eine Tischlerei so weit außerhalb lag.

Nach ein paar Kilometern lenkte sie ihren Wagen auf eine lange Zufahrt, an deren Ende ein Landhaus mit einer Scheune stand. Sie bremste ab, dabei wirbelten ihre Reifen den Sand vom Weg auf und eine Staubwolke zog an ihrem Auto vorbei. Sie schaute sich um, aber nichts deutete auf eine Tischlerei hin. Prüfend schaute sie auf die Adresse.

Sie parkte den Wagen, stieg aus und schloss die Tür. Langsam ging sie auf die Veranda des Landhauses zu. Auf einem kleinen Klingelschild neben der Tür stand der Firmenname. Mit leicht zittrigen Fingern drückte sie auf den Klingelknopf und einen kurzen Moment später waren feste Schritte zu hören und die Tür öffnete sich.

Karen wäre fast einen Schritt zurückgestolpert. Sie riss erschrocken die Augen auf, als ein großer Mann vor ihr aufragte. Seine Statur ähnelte einem römischen Gladiator. Seine Augen waren stahlblau und bildeten einen starken Kontrast zu seinen kurzen, dunklen Haaren. Er musterte sie einen Moment mit einem Blick, der sich in ihre Augen bohrte. Karen fiel sein kantiges Gesicht auf, dem ein Bartschatten zusätzlich ein raues, maskulines Aussehen verlieh. Sie schätzte ihn auf Mitte, Ende dreißig. Er trug eine dunkle Jeans und ein schwarzes Longsleeve, unter dem seine Muskeln deutlich erkennbar waren.

Karens Hände wurden feucht. Sie leckte sich unbewusst über ihre Lippen und fluchte innerlich. Was habe ich mir nur dabei gedacht, alleine hierher zu fahren?

„Kann ich etwas für Sie tun, Mrs. …?“ Seine tiefe Stimme riss sie aus ihrer Starre.

„Ja, äh … hi, mein Name ist Karen Waters und ich bin auf der Suche nach Ron Marshall.“ Ihre Stimme klang unsicher.

Der Gladiator schien ihre Unsicherheit zu bemerken, denn seine Haltung lockerte sich. Er lehnte sich entspannt an den Türrahmen und antwortete freundlich: „Den haben Sie gerade gefunden.“ Sein Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln und ihre Anspannung ließ etwas nach.

Sie hielt ihm den Zettel hin. „Ich habe den Auftragszettel bei den Anzügen meines Lebensgefährten gefunden. Ihr Firmenlogo und sein Name stehen darauf. Ich war etwas neugierig und wollte mir den Tisch ansehen, wenn das möglich ist?“

Er nahm den Zettel und las den Namen. Irritiert schaute er wieder zu ihr und danach noch mal auf den Zettel. „Sie sind mit Tom Watts liiert?“, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Ja, wir leben schon eine Weile zusammen.“

„Kommen Sie rein, da können wir besser reden als hier draußen.“ Mit einer einladenden Handbewegung bat er sie in den Flur und schloss die Tür hinter sich.

Karen drehte sich um. Ihr Herz klopfte.

„Kommen Sie, wir gehen in die Küche.“ Er führte sie den Flur hinunter. „Ich bin gleich wieder bei Ihnen, bitte setzen Sie sich“, sagte er und rückte ihr einen Stuhl zurecht.

Karen nickte und sah ihm nach, als er den Raum verließ.

Ron lief über den Hof zur Scheune, in der Marc, sein Freund und Mitinhaber, an einem Andreaskreuz arbeitete. Mysterious Design stellte hochwertige und handgefertigte SM-Möbel her. Auch spezielle Kundenwünsche erfüllten sie.

„In unserer Küche sitzt die Lebensgefährtin von Tom Watts“, sagte er gereizt.

„Was? Du nimmst mich auf den Arm!“ Marc legte sein Werkzeug beiseite und sah Ron überrascht an.

„Nein, das ist mein Ernst. Sie hat es mir eben gesagt. Sie kam mit unserer Auftragsbestätigung her.“ Ron hielt ihm den Zettel hin.

Marc las den Namen und sah wieder hoch.

„Sie hat den Zettel in seinem Anzug gefunden, ist neugierig geworden und wollte sich den Tisch ansehen“, fuhr er fort.

Marc sah ihn ungläubig an und schüttelte verwundert den Kopf.

Tom Watts war in ihren Augen ein Schläger und mittlerweile auch kein Unbekannter mehr in der BDSM-Szene. Mehr als einmal hatte er während einer Session die Kontrolle verloren. Er hielt sich nicht an die gängigen Regeln beim BDSM und spielte nach seinen eigenen Regeln. Er fand Gefallen daran, Frauen zu schlagen, zu misshandeln und für seine Befriedigung gefügig zu machen. Leider hatten Ron und Marc das zu spät erkannt.

Neben der Werkstatt führten Ron und Marc auch einen privaten SM-Club im Keller des Landhauses. Beide legten sehr großen Wert auf die Sicherheit aller Beteiligten. Sie hielten sich streng an die SSC-Regeln, damit alles sicher, vernünftig und in beiderseitigem Einvernehmen geschah. Sessions von Neulingen fanden unter Beobachtung statt. So stellten sie sicher, dass sich alle an die SSC-Regeln hielten.

Tom war vor einiger Zeit bei Ron und Marc aufgetaucht. Ein Mitglied des Clubs hatte Tom in einer Bar von der Tischlerei und dem Club erzählt. Erst hatte Tom sich nur nach den Preisen für die Anfertigung eines Bondagetisches erkundigt, wenig später hatte er einen Tisch in Auftrag gegeben. Ron hatte ihm damals schon gesagt, dass er viele Aufträge habe und es einige Zeit dauern werde, bis sein Tisch fertig sei. Damit war er einverstanden gewesen.

Einige Wochen später hatte er dann nach einer Session gefragt. Er gab seine Vorlieben an und wollte wissen, ob Ron und Marc eine Sub wüssten, die bereit wäre, einen Abend mit ihm zu verbringen. Ron fragte Susan. Sie war oft im Club, hatte keinen festen Partner und ihre Vorlieben deckten sich größtenteils mit denen von Tom. Ron hatte ihm auch erklärt, dass es bei seiner ersten Session im Club nicht infrage komme, ihn mit einer Sub allein zu lassen, da sie ihn zu wenig kannten. Tom akzeptierte das jedoch nur widerwillig.

An dem verabredeten Abend wirkte Tom nervös, was aber nichts Ungewöhnliches war. Zu Beginn der Session ging er respektvoll mit Susan um, traf Absprachen und gab ihr ein Safeword. Es schien alles in Ordnung zu sein. Ron, der die Session überwachte, verließ kurz den Raum, da sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte und er den Anruf entgegennehmen wollte. Nach einigen Minuten hörte er Susan schreien und lächelte noch, denn offensichtlich bekam sie das, was sie wollte und mochte. Dann veränderte sich plötzlich ihre Tonlage, und Ron konnte deutlich hören, wie sie ihr Safeword in den Raum schrie. Er beendete schnell das Gespräch und lief zurück.

Wieder im Nachbarraum sah er Tom, der ungeachtet des Safewords, das sie laut und deutlich schrie, mit einem Rohrstock auf sie einschlug. Sein Blick war starr auf Susan gerichtet und Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Er holte mit weit ausgestrecktem Arm aus und ließ den Rohrstock auf Susans Po sausen. Er bemerkte nicht mal, dass Ron zurückgekommen war. Ron entriss ihm sofort den Rohrstock, und es kam zu einer kleinen Rangelei, die Ron für sich entschied.

Ron ging zu Susan, die am ganzen Körper zitterte. Er nahm sie in den Arm und versuchte, sie zu beruhigen, bevor er sich ihren Po ansah, der einige blutige Striemen hatte. Ron schaute Tom finster an und stellte ihn zur Rede, aber der spielte das Ganze runter. Er fuhr sich durch die Haare und gestikulierte mit den Händen, dann steckte er sein Hemd, das ihm aus der Jeans gerutscht war, wieder in die Hose. Er trat an Susan heran und entschuldigte sich lapidar bei ihr.

Danach begleitete Ron Tom nach draußen und gab ihm deutlich zu verstehen, dass er ihn nie wieder auf seinem Grundstück sehen wollte. Tom fluchte und beschimpfte ihn, aber er ging.

Seit dem Vorfall hatte Ron nichts mehr von ihm gehört. Der Tisch, den er in Auftrag gegeben hatte, stand unfertig in der Scheune.

„Und, was hast du ihr gesagt?“, wollte Marc wissen.

„Noch gar nichts. Sie wirkt auf mich nicht, als ob sie wüsste, um was für ein Möbel es sich bei dem Tisch handelt.“

„Welchen Eindruck macht sie dann auf dich?“

„Eher schüchtern und unsicher, würde ich sagen. Sie macht auf mich nicht den Eindruck, als ob sie wüsste, dass Tom Watts eine andere Vorstellung von Sex hat als sie.“

Marc zuckte die Achseln. „Wie ist ihr Name? Wie sieht sie aus?“

„Sie heißt Karen Waters, ist mittelgroß, praller Hintern, braune Haare und sie hat ein hübsches Gesicht.“

„Denkst du, er wollte den Tisch für sexuelle Spielchen mit ihr?“ Marc warf einen flüchtigen Blick auf das Möbel, das hinten in der Scheuen stand.

„Keine Ahnung. Aber ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache, irgendwie passt da was nicht.“ Bei Ron schrillten die Alarmglocken. Er hasste nichts mehr als gewalttätige Männer, die sich unter dem Deckmantel von BDSM an Frauen ausließen. „Ich werde mit ihr reden. Rausfinden, ob sie eine Ahnung hat, um was für einen Tisch es sich handelt, und mal sehen, wie sie darauf reagiert, wenn sie es erfährt. Ich hole sie, dann kannst du dir selbst ein Bild von ihr machen.“

Karen saß schon eine Weile in der großen Küche und kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Irgendwas stimmt hier nicht!

Als sie aufstehen und gehen wollte, kam Ron in die Küche zurück. „Kommen Sie, ich würde Ihnen gern den Tisch zeigen.“

Karen sah zu ihm auf und nickte. Sie stand auf und folgte ihm nach draußen, über den Hof zu der Scheune. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, denn sie fühlte sich in der Nähe dieses Mannes unwohl, obwohl es dafür keinen wirklichen Grund gab.

Ron machte die Tür zur Scheune auf, und ihr Blick fiel auf einen zweiten Mann, der nahe bei der Tür stand. Abrupt blieb sie stehen. Ron lief in sie hinein und Karen stolperte ein Stück nach vorn. Der andere schnellte vor, griff blitzschnell nach ihrer Schulter und bewahrte sie damit vor einem Sturz.

„Hoppla“, sagte er und ließ sie erst los, als sie wieder sicher stand.

Himmel, noch so ein Gladiator, ging es ihr durch den Kopf. Sein Aussehen stand dem von Ron Marshall in nichts nach. Er war zwar nicht so muskulös, wirkte aber ähnlich dominant und bedrohlich auf sie. Er trug eine schwarze Jeans und ein weißes T-Shirt. Seine schwarzen Haare hingen ihm lässig in die Stirn. Sein Gesicht war nicht so kantig wie das von Ron Marshall, seine grünen Augen funkelten wie Smaragde, und als sich ihre Blicke trafen, verlor sie sich in seinem. Wie ein Raubtier musterte er sie, selbstsicher und gefährlich.

Karen überlief eine Gänsehaut.

Er streckte seine Hand aus und reichte sie ihr. „Hi, ich bin Marc Stuart.“

Karen brauchte einen Moment, ehe sie den Handschlag erwidern konnte. „Karen Waters“, sage sie zaghaft.

„Kommen Sie!“ Ron machte eine Handbewegung und zeigte in dem Raum auf einen Tisch, der an der Wand ihnen gegenüber stand.

Der Tisch war so groß, dass acht Personen bequem daran sitzen konnten, und Karen fragte sich, wo Tom dieses Monstrum platzieren wollte. Er passte so gar nicht zu den anderen Möbeln. Aber das war nicht die einzige Frage, die sie sich stellte. Das Monstrum hatte überall Metallringe, und an beiden Enden konnte man etwas rausziehen, das aussah wie eine Ablage. Der Tisch sah aus wie ein Requisit aus einem Folterkeller in alten Ritterfilmen. Karen befiel mit einem Mal ein ungutes Gefühl und sie fröstelte. Der Tisch wirkte keinesfalls einladend auf sie, und als sie den Kopf hob, um sich in der Scheune weiter umzusehen, entdeckte sie noch ganz andere Möbel.

Ihre Augen wurden immer größer, als sie ein Andreaskreuz entdeckte, das bedrohlich an der linken Seitenwand stand und mit großen Schrauben an der Wand befestigt war. Sie schluckte und sah schockiert zur anderen Seite. Böcke mit Fesseln standen sauber aufgereiht an der Seite, und nach einigen Sekunden sickerte die Erkenntnis in ihr Bewusstsein, dass es sich hier nicht um eine normale Möbeltischlerei handelte. Das hier waren definitiv Möbel für perverse Sexspiele.

Der Raum fing an, sich zu drehen. Ihr wurde schwindelig und sie taumelte leicht.

Ron griff sofort nach ihren Armen. „Hey, nicht doch.“ Er setzte Karen auf einen Stuhl und ging neben ihr in die Hocke. „Karen, sehen Sie mich an!“ Er sagte es ruhig, selbstsicher, und Karen reagierte darauf und sah ihm direkt in die Augen.

„Ihr baut Foltermöbel“, stieß sie hektisch hervor. „Ich muss gehen.“

Sie wollte aufstehen, aber Ron legte seine Hände auf ihre Oberschenkel und hinderte sie daran. Marc trat um sie herum und stand jetzt dicht hinter ihr.

Ron tauschte kurz einen Blick mit Marc.

„Du brauchst keine Angst vor uns zu haben“, versuchte Marc sie zu beruhigen. Kannst du aufstehen? Wir würden dir drüben im Haus gerne etwas zeigen.“

Karen sah zwischen den Männern hin und her. Dass die Männer sie plötzlich duzten, wirkte beruhigend auf sie. „Ich möchte jetzt lieber gehen.“

„Es hat etwas mit Tom zu tun, bitte schau es dir an.“

„Ich weiß nicht, es ist schon spät, denke ich“, sagte sie nervös und Ron lächelte freundlich.

„Keine Sorge, es dauert nicht lange.“

Karen haderte einen Moment. „Gut, ich komme mit.“ Sie stand auf.

Zu dritt verließen sie die Scheune und gingen über den Hof in das Haupthaus.

„Das, was wir dir zeigen möchten, befindet sich im Keller. Alle Türen bleiben offen, und selbstverständlich darfst du gehen, wann immer du willst, hast du mich verstanden?“

Karen verstand gar nichts. Warum sollte sie plötzlich gehen wollen?

„Okay.“ Sie knetete ihre Hände, bevor sie ihre Arme um ihren Körper schlang.

„Komm.“ Marc ging vor und öffnete eine große, schwere Holztür. Dahinter befand sich eine Steintreppe, die in den Keller führte.

Sobald er durch die Tür gegangen war, ging automatisch ein schwaches Licht an. Am Fuß der Treppe führte ein steinerner Weg, ähnlich einem in einer alten Burgruine, weiter in den Keller hinein. An den Wänden waren elektronische Fackeln angebracht, die jetzt ebenfalls leuchteten und den Gang erhellten.

Karen zog die Augenbrauen hoch und folgte Marc die Treppe hinunter. Ron war direkt hinter ihr. Sie fröstelte und schlang die Arme fester um ihren Oberkörper.

Von dem Gang gingen mehrere Türen ab. Als er eine Tür vor ihr öffnete, stand Karen in einer Art Gewölbe, das einem Folterkeller ähnelte. Erschrocken hielt sie die Luft an.

An einer Wand hingen Peitschen, Gerten, Stöcke und Dinge, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatte. Böcke und Andreaskreuze standen in Nischen mit Rundbögen. Die Atmosphäre wirkte erdrückend und bedrohlich. So etwas hatte sie schon mal auf einer Internetseite gesehen. In ihr zog sich alles zusammen, und der Drang, zu flüchten, wurde übermächtig. Hektisch blickte sie zur Tür.

Marc bemerkte ihr Unbehagen und trat dicht an sie heran. Er berührte ihre Schulter.

Karen zuckte zusammen und wagte es nicht, sich zu bewegen. Starr wie eine Salzsäule stand sie da.

„Du befindest dich in unserem Privatclub. Ron und ich praktizieren schon lange BDSM. Wir sind Master und dominieren Frauen, die das wollen. Ich kann verstehen, wenn dich das beunruhigt, aber ich kann dir versichern, dass weder ich noch Ron eine Gefahr für dich sind. Du kannst jederzeit gehen, wenn du das möchtest. Versuch, dich etwas zu entspannen, es ist alles in Ordnung.“ Marc redete beruhigend auf sie ein.

Karen hatte schweißnasse Hände, sie verstand nicht, was er ihr damit sagen wollte. Aber sie konnte sich etwas entspannen. Der Knoten in ihrer Brust löste sich. Sie glaubte ihm, dass weder er noch Ron ihr etwas antun wollten. „Warum zeigt ihr mir das alles?“

„Damit du das, was wir die gleich erzählen werden, besser verstehen kannst. Hinter der Tür dort hinten links ist ein kleines Büro. Komm mit, dort können wir uns hinsetzen und reden.“ Ron ging vor und machte ihr die Tür auf, Marc folgte ihnen.

In dem Raum standen ein Schreibtisch, ein Drehstuhl und ein weiterer Tisch mit zwei Stühlen. Marc rückte ihr einen Stuhl zurecht und setzte sich ihr gegenüber, Ron nahm den Drehstuhl und setzte sich ebenfalls an den Tisch.

Er erzählte ihr dann ohne Umschweife von Tom und der Session mit Susan. Marc beobachtete Karens Reaktion darauf. Sie schüttelte mehrfach den Kopf, riss die Augen auf und wollte anscheinend das Gesagte nicht wahrhaben.

„So ein Blödsinn“, schnaubte sie.

„Karen, bitte, es ist die Wahrheit, ich war dabei“, versuchte Ron, seine Aussage zu untermauern.

„Ich kenne Tom schon eine Weile, und er hat mir nie in irgendeiner Weise wehgetan oder etwas gemacht, was mir nicht gefiel.“

„Vielleicht will er dich in Sicherheit wiegen. Keine Ahnung, ich weiß es nicht, aber ich habe gesehen, zu was er fähig ist.“

„Ich kann das nicht glauben.“ Sie sah die Männer entrüstet an.

„Welche Erklärung hast du denn für den Tisch, den er bei uns in Auftrag gegeben hat?“, versuchte Marc zu intervenieren.

„Praktizierst du mit Tom BDSM?“, fragte er weiter.

„Nein! Ich habe keine Ahnung davon. Ich bin nicht … also … ich habe keine Erfahrung mit derartigen Spielen.“ Gereizt sah sie die Männer an und rieb sich über ihre Stirn. „Hört zu, ich habe keine Erklärung für den Tisch, aber es gibt sicher eine. Ich vertraue Tom, und es gibt für mich auch keinen Grund, warum ich das nicht tun sollte. Er ist momentan auf Geschäftsreise, aber wenn er am Wochenende nach Hause kommt, werde ich das mit ihm klären.“ Karen verschränkte die Arme vor ihrer Brust.

„Karen, ich bin mir sicher, dass Tom Watts gefährlich ist“, versuchte Ron es erneut.

„Danke für die Fürsorge, aber wie schon gesagt, das glaube ich nicht. Ich werde jetzt gehen.“ Sie stand auf und wollte zur Tür raus, als Ron sie zurückhielt.

„Warte.“ Er kramte in einer der Schreibtischschubladen und holte eine Visitenkarte hervor, auf die er seine und Marcs Handynummer schrieb, bevor er sie ihr reichte. „Du wirst sicher das Richtige tun, aber ruf an, wenn du noch Fragen hast oder Hilfe brauchst.“

„Gut, wenn es euch beruhigt.“ Karen griff nach der Visitenkarte und ging aus dem Büro. Marc und Ron folgten ihr.

In dem Kellerraum blieb sie kurz stehen und schaute sich noch einmal um. Alles, was sie sah, war erschreckend und faszinierend zugleich. Ron verfolgte jeden ihrer Blicke und ihre Reaktion auf die Möbel und Schlagwerkzeuge, die sich in dem Raum befanden.

„Neugierig geworden?“, fragte er scherzhaft.

Karen bekam roten Wangen, schüttelte den Kopf und Ron lachte.

„Komm, ich bringe dich zu deinem Wagen.“

Kapitel 3

Auf dem Weg nach Hause gingen Karen tausend Gedanken durch den Kopf. Welchen Grund hätten die beiden, ihr Lügen zu erzählen? Ist vielleicht doch etwas Wahres an den Aussagen dran? Bei dem Gedanken umfasste sie ihr Lenkrad so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.