Reset - wer bist du wirklich? - Erin E. Keller - E-Book

Reset - wer bist du wirklich? E-Book

Erin E. Keller

0,0
4,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Alex geht es allem Anschein nach gut – er hat einen Job, Freunde, eine schöne Wohnung und eine Freundin, die seinen Bedürfnissen entgegenkommt. Ein ruhiges Leben ohne Komplikationen. Doch seine Fassade bekommt erste Risse, als Daniel plötzlich vor der Tür steht – der neue Mitbewohner in ihrer WG. Daniel ist attraktiv, warmherzig und offen. Und er bringt Alex dazu, sich den Dingen zu stellen, die ihn vor Jahren dazu zwangen, sich selbst zu verleugnen. Doch ist Alex bereit, diesen steinigen Weg zu gehen? Denn wo wird er am Ende hinführen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 227

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Reset – Wer bist du wirklich

VonErinE.Keller

Aus dem Englischen von Bernd Frielingsdorf

Impressum:

© dead soft verlag, Mettingen 2016

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalveröffentlichung: Eri come sei

Aus dem Englischen von Bernd Frielingsdorf

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© Liukov – shutterstock.com

© Dorota Zietek – shutterstock.com

2. Auflage 2017

ISBN 978-3-96089-066-9

ISBN 978-3-96089-067-6 (epub)

Inhalt:

Alex geht es allem Anschein nach gut – er hat einen Job, Freunde, eine schöne Wohnung und eine Freundin, die seinen Bedürfnissen entgegenkommt. Ein ruhiges Leben ohne Komplikationen. Doch seine Fassade bekommt erste Risse, als Daniel plötzlich vor der Tür steht – der neue Mitbewohner in ihrer WG. Daniel ist attraktiv, warmherzig und offen. Und er bringt Alex dazu, sich den Dingen zu stellen, die ihn vor Jahren dazu zwangen, sich selbst zu verleugnen. Doch ist Alex bereit, diesen steinigen Weg zu gehen? Denn wo wird er am Ende hinführen?

Kapitel1

Die Party war chaotisch, aber das war keine Überraschung, denn jedes Mal, wenn Gabriel eine organisierte, war das Apartment voll von allen möglichen Leuten, vom typischen Geschäftsmann bis zur Frau, die immer noch die Illusion hatte, ein Teenager zu sein. Alex war sogar sicher, dass er ein Mädchen mit zwei blonden Zöpfen gesehen hatte, die hin und her schwangen, als sie mit nichts anderem als einem Paar blauer Unterhosen wegging.

Ja, das war eine typische Gabriel-Party. Die Luft roch nach Bier, Whisky und Rauch und die Musik war so laut, dass die Polizei wahrscheinlich früher oder später vorbeikommen würde.

Alex lag friedlich auf der Couch, beobachtete die Leute um sich herum mit seinen großen grünen Augen, und dachte, dass er eines Tages zu seinem eigenen Wohl zu diesen Partys Nein sagen müsste. Das Bier tat seine Wirkung und er war entspannt, seine Sicht ein wenig verschwommen.

Kate näherte sich ihm schwankend und warf ihm einen vielsagenden Blick zu, bevor sie sich hinunterbeugte und über seine Lippen leckte.

„Wirst du die ganze Nacht hierbleiben oder kann ich auf etwas Besseres hoffen?“, säuselte sie ihm ins Ohr und versuchte einen sinnlichen Ton zu treffen, obwohl sie praktisch schreien musste, um gehört zu werden. Sie ließ eine Hand zwischen Alex’ Beine gleiten, der kicherte und schüttelte den Kopf, ein wenig zu betrunken, um zu reagieren.

„Hast du keinen Spaß, K?“, fragte er mit einem verschmitzten Lächeln, packte ihre Taille und zog sie auf seinen Schoß. Sie verschwendete keine Zeit und beugte sich vor, um seine Lippen für sich zu beanspruchen.

Kate war schön. Sie hatte lange, lockige rote Haare, die vor ihren Augen wie Wirbel tanzten, grüne Augen mit langen schwarzen Wimpern und einen perfekten und kurvenreichen Körper. Sie trug eine enges, smaragdgrünes Kleid, das jetzt auf ihre Oberschenkel hochrutschte, und ihr tiefer Ausschnitt gab eine gute Aussicht auf ihre Brüste frei.

„Das ist kein Bordell! Warum geht ihr zwei nicht und nehmt euch ein Zimmer?“, brüllte Gabriel, während er vorüberging und Alex‘ Kopf einen Klaps gab.

„Es ist kein Bordell, aber todsicher riecht es wie eins!“ Alex starrte ihn an.

„Dann solltest du dich mehr waschen!“, antwortete Gabriel mit einer Grimasse. „Und überhaupt, woher weißt du, wie ein Puff riecht?“

„Halt die Klappe, Arschloch!“

Ein Kissen flog auf Gabriels Kopf zu, der schnell auswich und seinen Freund amüsiert anlächelte, bevor er ihm den Stinkefinger zeigte und in der Menge verschwand.

Wie viele Leute waren hier? Alex kannte vielleicht ein Viertel von ihnen, der Rest waren Gabriels Freunde oder zumindest Pseudo-Fans seiner Band. Das war das Gute daran, sich die Wohnung mit einem Musiker zu teilen … oder zwei.

Gabriel und ihr Freund Kevin, der andere Mitbewohner, spielten in einer Country-Rockgruppe namens Outlaw, die in Northridge, Los Angeles ziemlich berühmt war. Sie waren einigermaßen erfolgreich und hofften immer noch, mal zu den Großen der Countrymusik zu gehören. Normalerweise traten sie einmal pro Woche auf und Alex genoss ihre Gigs, obwohl er die Leute nicht mochte, die sie anzogen.

Alex kannte die Jungs aus seinem letzten Jahr in der Highschool und sie waren seit Ewigkeiten seine besten Freunde, obwohl sie so völlig verschieden waren. Er war mit ihnen zusammen eingezogen, als er einen Job im selben Teil von Los Angeles gefunden hatte, und er mochte es, mit ihnen zusammen zu leben, auch wenn es manchmal schwierig war, wenn man bedachte, wie unterschiedlich Alex‘ verschlossene Natur gegenüber Gabriels so offener war. Kevin stand in der Mitte; er war wie der Zeiger der Waage und sorgte dafür, dass das Gleichgewicht erhalten blieb.

Alex schloss die Augen und öffnete sie gleich wieder, sah die stumme Bitte in Kates erhitztem Blick. Vielleicht hatte Gabriel recht. Vielleicht sollten sie in sein Schlafzimmer gehen, aber momentan war Alex nicht daran interessiert, Sex mit ihr zu haben. Sie war so schön und sehr sexy, aber er schwelgte in der dumpfen Betrunkenheit, und entspannte sich, trotz des Chaos in der Wohnung.

„Ich gehe mir einen Drink holen“, sagte er schließlich, stand von der Couch auf und schob Kate auf das Kissen neben sich. Sie bedachte ihn mit einem enttäuschten Blick. „Möchtest du etwas?“, fügte er hinzu.

„Nö. Komm bald wieder“, antwortete sie schmollend.

Bevor er in die Küche ging, stattete Alex dem Bad einen Besuch ab, wo er sein Gesicht wusch, um wieder etwas klarer zu werden.

Der Rauch irritierte seine fast unglaublich grünen Augen und Linsen zu tragen machte es nur noch schlimmer. Vielleicht sollte er seine Brille aufsetzen, aber er wusste es besser. Er sah mit Brille aus wie ein Verlierer. Und er war kein Verlierer. Nicht mehr.

Als Kind war er ganz anders als heute gewesen. Er war klein, mollig – eigentlich war er fett – mit einem Paar dicker Brillengläser. Die älteren Schüler verspotteten ihn und auch die in seiner Klasse neckten ihn und nannten ihn Mr. Magoo. Alex hatte versucht es zu ignorieren, aber die Witze verletzten und er fühlte sich furchtbar unsicher.

Nur Ben hatte dafür gesorgt, dass er sich in diesen Tagen besser fühlte, nur Ben schien wirklich interessiert, sein Freund zu sein, oder zumindest war er es für eine Weile gewesen.

Dann waren die Jahre verstrichen und Alex hatte begonnen, sich zu verändern. Sein Körper war straffer geworden und gut gebaut, sein Gesicht kantiger und das Erste, was er getan hatte, als er die Chance dazu hatte, war die riesige Brille wegzuwerfen und Kontaktlinsen zu kaufen. Er wuchs zu einem schönen jungen Mann heran und niemand hatte ihn seither verspottet. Also ja, er hatte eine Brille, aber er benutzte sie nur, wenn seine Augen müde oder gereizt waren, oder früh am Morgen.

Alex schüttelte den Kopf, versuchte das Bild auszublenden, das in seinem Kopf aufgetaucht war. Er hatte versucht, diese Erinnerungen in den letzten zehn Jahren zu vermeiden und das war nicht der richtige Moment, in Erinnerungen zu schwelgen, obwohl er es in letzter Zeit gelegentlich getan hatte – und es hatte ihm nicht gefallen.

Er ging in die Küche, wo er Kevin traf, der ein paar Sandwiches zubereitete, und Alex hob eine Augenbraue. Kevin war ein netter Kerl, mit blondem Haar, das er in einem kurzen Pferdeschwanz zusammenhielt. Seine leuchtend blauen Augen waren denen Gabriels sehr ähnlich. Aber sie wirkten eher süß, während Gabriel immer einen schelmischen Blick hatte. Er trug seine übliche lockere Jeans und ein weißes T-Shirt.

„Du bist noch da?“, fragte Alex ungläubig und schaute zu seinem Freund, der mit einem riesigen Haufen von Sandwiches beschäftigt war.

„Na ja, sieht so aus. Und es scheint auch so, dass Gabriel gewissenhaft nur hungernde Menschen zu seinen Partys einlädt. Ich wette, sie essen tagelang nichts, wenn sie wissen, dass sie hierherkommen. Das ist nicht normal. Wir sind keine Zuflucht für Obdachlose!“

„Das ist der Preis für deinen Erfolg.“ Alex kicherte, während er den Kühlschrank für ein Bier öffnete.

„Hör auf, mich zu ärgern. Es wird eine Zeit kommen, wo wir wirklich berühmt werden und du wirst unten an der Bühne stehen und betteln, wenigstens einen Tropfen unseres Schweißes zu bekommen!“

„Gott, das ist ekelhaft, Kevin. Nein. Auf keinen Fall. Schau, ich wünsche dir alles Glück auf der ganzen Welt, aber deine Körperflüssigkeiten sind immer noch eklig. Und ich will nie und nimmer so etwas von dir haben“, sagte Alex schaudernd.

„Körperflüssigkeiten? Interessantes Thema“, meinte eine Stimme hinter ihm.

Alex rollte mit den Augen und sah sich zu Matt um, einem von Gabriels Freunden, genau genommen ein schwuler Freund … zu schwul für seinen Geschmack.

Matt war wirklich schön; es war unmöglich, das abzustreiten. Kleiner als Alex, schlank und zart, mit gewellten schwarzen Haaren und einem beeindruckenden Paar heller, babyblauer Augen. Sein Lächeln war so weiß, dass es jemanden blind machen könnte. Seine Bewegungen waren flüssig und seine schwarzen Hosen so eng, dass man fast die Adern seiner Schenkel erkennen konnte.

„Was? Hast du einen Radar für Dreck? Ist es dein Schwulsein, das dich zu einem Spürhund für diese Dinge macht?“, fragte Alex ihn trocken, bevor er einen großen Schluck Bier nahm.

„Sorry, ich hatte nicht vor, euch zu stören.“ Matt nahm ein Bier aus dem Kühlschrank und seine blauen Augen richteten sich auf Kevin, der vorwurfsvoll zu Alex schaute.

„Hör nicht auf ihn“, murmelte Kevin, während er die Platte voller Sandwiches nahm. „Alex ist ein Arschloch. Aber ich bin sicher, dass es irgendwo in ihm etwas gibt, das es wert ist, geschont zu werden“, sagte er zu Matt mit einem sanften Lächeln. „Möchtest du ein Sandwich?“

Als der Kerl die Küche verließ, wandte sich Kevin an Alex, der immer noch an der Theke mit einem Bier in der Hand lehnte.

„Was ist los mit dir? Irgendwas muss es sein. Matt ist ein guter Kerl.“ Kevin funkelte seinen Freund an. Seine Augen, sonst sanft, wurden eiskalt.

„Und er ist schwul“, murmelte Alex.

„Und was soll das heißen?“

„Nichts weiter. Es ist nur … er vielzu schwul. Er ist extravagant.“

„Weißt du was, Alex? Manchmal möchte ich dir in deinen Arsch treten! Deine homophobe Seite ist es, die mich am meisten ärgert.“

„Ich bin nicht homophob.“

„Ach nein. Natürlich nicht. Du bist nur ein Arschloch.“

Kevin ließ Alex allein in der Küche, auf seine leere Flasche starrend. Er war nicht homophob, aber es gab Momente, in denen er sich nicht sicher war, wie sein eigener Verstand dachte oder was sein eigener Körper fühlte und das war verwirrend.

Mit einem entnervten Seufzer machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer, wich jemandem aus, der ins Badezimmer lief, und als er an der Tür vorbeiging, klingelte es. Er sah auf seine Uhr, um festzustellen, dass es bereits ziemlich spät war. Wer zum Teufel konnte jetzt noch zur Party kommen? Er schnaubte und als er die Tür öffnete, stand er einem großen Mann gegenüber – ernsthaft, ziemlich groß – der ihn durch einige Haarfransen, die seine Augen bedeckten, anschaute.

Alex hob eine Augenbraue, betrachtete den Mann von Kopf bis Fuß und bemerkte einen Koffer auf dem Boden neben ihm. Der Mann hatte dunkle Haare und klare Augen, blaue vielleicht, oder grau. Er trug ein schwarzes T-Shirt über locker sitzenden Jeans.

„Ja?“ Er setzte eine weitere Flasche Bier an seine Lippen.

„Hmm. Sind Sie Gabriel?“, fragte der Fremde.

„Nein. Gott sei Dank, nein. Wer sind Sie?“

„Daniel.“

„Ich kenne Sie nicht. Was wollen Sie?“

Alex war nicht wirklich ein geselliger Mensch.

„Ich – ich möchte Gabriel sprechen. Ist er da?“

„Gabriel Hayes?“, sagte Alex mit einem halben Lächeln. „Ja, der ist hier. Sind Sie ein Fan?“

„Ein was?“

„Fan. F.A.N. Wissen Sie, diejenigen, die in der Regel einen Schauspieler/Sänger/was auch immer bewundern/mögen/lieben?“

„Oh, Fan. Sicher. Nein. Warum? Sollte ich ein Fan sein?“

Alex seufzte, schon gelangweilt.

„Kommen Sie herein und finden Sie ihn selbst.“

„A-aber … ich kenne ihn nicht.“

„Und warum suchen Sie ihn dann?“ Alex sprach mit dem Mann, wie mit jemandem, der sehr langsam dachte, lehnte sich gegen die Tür und schnaubte.

„Ein gemeinsamer Freund hat mir gesagt, Sie hätten ein Zimmer frei und suchen einen Mitbewohner. Er sagte mir, ich solle ihn fragen.“

Die Benommenheit durch den Alkohol verschwand umgehend und Alex stellte sich aufrecht hin. „WAS?“ Er starrte den Fremden an.

„GABRIEL!“, schrie er, dann deutete er irgendwo in den Raum hinter sich. „Beweg deinen betrunkenen Arsch hierher!“

Gabriel erschien ein paar Momente später, richtete seine blauen Augen auf Alex und Daniel, der in diesem Augenblick seinem verlegenen Ausdruck nach eindeutig verschwinden wollte.

„Was war das?“, fragte Gabriel, die Arme öffnend.

„Er war das.“ Alex deutete auf Daniel.

„Hm, Gabriel? Hallo, ich bin Daniel Cornell. Vielleicht hat Jason über mich gesprochen“, flüsterte der Fremde mit der Andeutung eines Lächelns.

Gabriel schlug sich gegen die Stirn und Alex hob eine Augenbraue.

„Wenn ich du wäre, würde ich härter schlagen“, murmelte er.

„Heiliger Strohsack. Ich habe vergessen, es dir zu erzählen!“

„Oh, wirklich?“, sagte Alex sarkastisch.

Kevin schloss sich ihnen direkt danach an, schaute auf den Mann an der Tür, bevor er sich auf seine Freunde konzentrierte.

„Was ist passiert?“

„Passiert ist, dass das Genie hier vergessen hat, uns zu sagen, dass wir einen neuen Mitbewohner suchen, der, nebenbei bemerkt, hierherkam, weil – dasselbe Genie hier – mit Jason über diese Sache gesprochen hat, statt mit uns!“, sagte Alex und hob die Arme, während seine Stimme mit jedem Wort anschwoll.

„Ich gehe vielleicht besser wieder.“ Daniel beugte sich herab, um die Tasche vom Boden aufzuheben. Er war mehr als sichtlich verlegen und sein Gesicht schimmerte rot.

„Ja, in der Tat!“

„Nein!“

Gabriel und Alex hatten zugleich gesprochen und Daniel, der gerade gehen wollte, blieb stehen.

„Schauen Sie“, sagte Gabriel zu ihm und hob seine Hände. „Können Sie hier einen Moment warten, bitte? Ich muss mit meinen Freunden sprechen. Es ist meine Schuld. Ich habe vergessen, sie zu warnen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Probleme geben wird.“

„Ihr Freund scheint eine Menge Probleme zu haben“, murmelte Daniel und blickte zu Alex, der mit Kevin stritt.

„Ja, es ist wahr. Er hat viele Probleme. Und Sie kennen nicht einmal die Hälfte davon!“ Gabriel lachte, aber sofort danach wurde er wieder ernst. „Hören Sie. Wirklich, ich muss nur mit ihnen sprechen. Jason erzählte mir von Ihnen, er sagte, dass Sie ein netter Kerl sind, und wir brauchen eine weitere Person, die uns mit der Miete hilft. Die Wohnung ist groß genug für vier Personen und selbstverständlich kostet es eine Menge, so viel Platz zu haben.“

„Okay, ich werde hier warten.“ Daniel seufzte und lehnte sich an die Wand auf dem Flur.

* * * *

Draußen in der Halle schloss Daniel die Augen und atmete tief durch. Als Jason ihm über diese Freunde von ihm erzählt hatte, über diese Möglichkeit, hatte ihn seine innere Stimme gewarnt, es nicht zu versuchen. Aber er brauchte einen Ort, an dem er bleiben konnte. Nachdem seine Beziehung mit Jake in die Brüche gegangen war, hatte er keinen Bleibe mehr, und er konnte nicht zu seinen Eltern nach Santa Barbara zurückgehen, nicht jetzt, wo er einen festen Job als Lehrer hier in Northridge hatte. Die Mietpreise waren so hoch, dass schon der Gedanke daran, allein eine Wohnung zu finden, verrückt war, und so hatte er Jasons Vorschlag in Betracht gezogen. Doch sein erster Impuls war richtig gewesen.

Er war gerade dabei, diese Sache zu beenden und nahm seine Tasche auf, als die Wohnungstür geöffnet wurde und so viele Menschen gleichzeitig aufbrachen, dass Daniel sich nur noch wundern konnte, wie groß diese Wohnung tatsächlich war.

Ein Mann mit den blauen Augen starrte ihn für einige Sekunden an, bevor er seinen Kopf mit einem Lächeln und mit einem Hauch von Röte auf den Wangen senkte. Daniel reagierte zurückhaltend auf dieses Lächeln und bedauerte, dass der Junge nicht einer der drei vielleicht zukünftigen Mitbewohner war. Gabriel schien ein netter Kerl zu sein, aber was die beiden anderen betraf, war er sich nicht sicher.

Die letzte Person, die das Haus verließ, war ein Mädchen mit roten Haaren, die den betrunkenen und gereizten Kerl küsste, der deutlich gemacht hatte, dass er ihn nicht dort haben wollte.

Sobald die Parade vorbei war, sahen die drei Jungs vom Eingang zu ihm und Gabriel winkte ihm näherzukommen.

„Wir haben beschlossen, dass es in Ordnung ist. Du kannst bei uns bleiben.“ Gabriel lächelte und Kevin nickte und nahm Daniels Tasche.

Daniel sah sich um. Er war sich nicht sicher, ob er bleiben wollte: Die Wohnung sah aus wie ein Schlachtfeld und es stank wirklich richtig. Gabriel schien zu verstehen, was ihm durch den Kopf ging, denn er beeilte sich, die Flaschen und überquellenden Aschenbecher einzusammeln.

„Es ist nicht immer so“, versicherte ihm Kevin. „Nur wenn Gabriel beschließt, eine Party zu schmeißen. Und, oh, das passiert nicht sehr oft. Normalerweise ist dies eine normale Wohnung, wirklich.“

Daniel lächelte, fühlte sich gleich ein bisschen entspannter. Doch der Blick des gereizten Kerls hielt ihn an Ort und Stelle. Hm, ob seine Augen wirklich so grün waren oder trug er irgendwelche farbigen Kontaktlinsen?

„Danke“, sagte er schließlich, reichte Kevin eine Hand. Der schüttelte sie und stellte sich vor. Er tat das Gleiche mit Gabriel, auch wenn sie sich bereits vorgestellt hatten, und am Ende wandte sich Daniel an Alex, noch immer lächelnd.

„Schön, dich zu kennenzulernen. Ich bin Daniel.“

Alex sah für ein paar Sekunden auf seine Hand, dann streckte er seine eigene Hand mit gespielter Begeisterung aus.

„Ja, ist mir ein Vergnügen. Ich bin Alex“, nuschelte er, allen den Rücken zudrehend. „Ich werde jetzt schlafen gehen. Ich überlasse dich den Gastgebern, habe momentan nicht die Kraft, den Fremdenführer zu spielen“, sagte er und streckte sich, bevor er in sein Zimmer verschwand.

Nach einigen Momenten der peinlichen Stille brachten Gabriel und Kevin Daniel in das, was sein Schlafzimmer sein würde. Es war groß und frisch gestrichen, auch wenn es bis auf ein großes Bett in der Mitte und eine Kommode an der Wand ganz leer war. Daniel nahm sich sofort vor, am nächsten Tag einige Möbel zu kaufen. Nichts Besonderes, nur das Wesentliche: eine Kommode, einen Schreibtisch, einen Stuhl und vielleicht ein paar Regale.

Er sprach mit den beiden anderen Männern über die Höhe seines Anteils an der Wohnungsmiete. Danach schloss er die Tür hinter sich und lehnte sich dagegen.

Mit allen zusammenzuleben würde schwer werden, da war er sich sicher.

Kapitel 2

Alex kroch am nächsten Morgen aus dem Bett und fühlte sich wie ein Zombie. Gabriels Partys hauten ihn immer um, aber er wollte die Arbeit nicht schwänzen, auch wenn er alle seine Kraft daransetzen musste, sich umherzuschleppen.

Er arbeitete in einer Tierhandlung in der Nähe der Mall. Er war der, der den Laden öffnete und schloss, und er würde die Tiere nie ohne Nahrung lassen. Er liebte seine Tiere. Und er war sich nicht sicher, ob Karl, der Besitzer des Shops, wusste, wo alles in seinem eigenen Laden zu finden war.

Er fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und schob seine Brille auf die Nase. Es war unmöglich, Kontaktlinsen zu tragen, direkt nach dem Aufwachen, und es war ihm egal, ob seine Mitbewohner ihn so sahen – obwohl das sehr selten passierte. Er ging ins Badezimmer, benutzte die Toilette und ging dann noch in Pyjamahose und T-Shirt durch den Flur in Richtung Küche. Gähnend kratzte er sich am Kopf. In diesem Moment schnappte die Haustür auf und Alex zuckte zusammen. Seine Reflexe waren zu benebelt und er zog nur sein Shirt enger an seine Brust, um einen Angstschrei zu unterdrücken.

Der Schock verging innerhalb von zehn Sekunden, sobald er erkannte – ja, er brauchte ein wenig Zeit –, dass die Person, die das Haus gerade betreten hatte, dieser Daniel war. Alex starrte ihn ein paar Sekunden schweigsam an und der Kerl starrte zurück. Daniel war joggen gewesen, das war offensichtlich. Er trug eine Trainingshose und ein weißes Shirt. Und er war sichtlich am Schwitzen, sein dunkles Haar klebte an seiner Stirn.

„Oh.“ Daniel blinzelte zweimal, als ob er aus einem Traum erwachte.

„Nun gut …“, antwortete Alex intelligent und räusperte sich. Na und? Es war früh am Morgen und er hatte in der Nacht zuvor besoffen. Er musste sich noch von einem Kater erholen. Hatte er nicht etwas Mitleid verdient?

„Habe ich dich erschreckt?“ Daniel schloss die Tür hinter sich. „Tut mir leid, das wollte ich nicht.“

„Na ja. Aber nein. Du hast mich nicht erschreckt“, murmelte Alex, bevor er in Richtung Küche ging.

„Ich denke schon. Du bist zusammengezuckt und –“

„Okay, stopp. Du kannst Mr. Guten-Morgen sein, aber ich bin es nicht. Ich habe keine Angst, ich hab mich nicht erschreckt und ich will mich nicht unterhalten.“

Daniel biss sich auf die Lippen und nickte stirnrunzelnd.

* * * *

Daniel war total verblüfft, als er Alex mit Brille sah. Und warum hatte Alex ihn so angestarrt? Er hatte den Drang unterdrückt, einen Blick an sich hinunter zu werfen, um zu prüfen, ob vielleicht etwas mit seiner Kleidung falsch war, wie Hundescheiße auf seinem Shirt oder so etwas. Er trug eine Trainingshose, also war auch sein Hosenstall nicht offen.

Schweigend folgte er Alex in die Küche und fragte sich, ob es möglich sei, sich mit diesem Mann zu unterhalten.

„Was machst du da?“, fragte Alex trocken, als er Daniel neben sich in der Nähe der Küchentheke bemerkte.

„Ich – ich hole mir ein Glas Wasser“, meinte Daniel unsicher, fast ein wenig ängstlich.

Alex antwortete etwas Unverständliches und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein, den er direkt in einem Zug hinunterschluckte.

Daniel schaute wieder kurz zu ihm und versuchte jeden Gedanken zu unterdrücken, dass Alex hinreißend war, trotz der Tatsache, dass er so unfreundlich war. Das war Unsinn.

Er war ganz süß, weil sein honigblondes Haar in alle Richtungen abstand, sein Gesicht war noch ein wenig ausdruckslos vom Schlafen und diese Brille hatte Daniel schockiert und sehr, sehr angenehm überrascht. Und zuguterletzt – das tiefe Grün seiner Augen war beeindruckend.

„Du trägst eine Brille“, sagte er und verfluchte sich im gleichen Moment, als der Kopf seines Mitbewohners sich ihm zuwandte.

„Nicht wahr“, murmelte Alex trocken.

„Sorry, was? Du trägst sie gerade … jetzt“, sagte Daniel mit der Andeutung eines Lächelns und zeigte mit dem Zeigefinger auf Alex’ Gesicht.

„Ja, aber ich in der Regel trage ich sie nicht.“

„Ich finde es etwas schwer, die Bedeutung deiner Worte zu verstehen.“

„Na ja, lern meine Sprache, okay?“ Alex brummelte und nahm seine Brille ab, wie ein störrisches Kind, das beweisen wollte, recht zu haben.

Okay, er war ein Arschloch, aber das machte ihn noch hinreißender, und Daniel musste, trotz Alex’ ablehnender Haltung, ein weiteres Lächeln verbergen.

Er musste sich auch zwingen, ein paar Augenblicke später nicht in Gelächter auszubrechen, als Alex sich zum Gehen wandte und in die offene Tür des Schranks lief.

„Shit!“, schnappte er und legte seine Hände auf seine Leiste. Ohne Brille war er blind wie ein Maulwurf, selbstredend.

„Alles in Ordnung?“, fragte Daniel mit erstickter Stimme im Bemühen, nicht zu lachen.

„Fick dich!“, war Alex’ höfliche Antwort, als er ging, aber Daniel hatte das Gefühl, er war zorniger auf die Tür als auf ihn.

„Dir auch einen schönen Tag!“, rief Daniel ihm mit einem Lächeln nach, während Alex auf seinem Weg durch den Flur war, aber darauf achtete, seine Brille wieder aufzusetzen. Daniel beobachtete, wie er eine Geste mit dem Arm machte. Vielleicht wollte er „Dir auch einen schönen Tag“ sagen. Vielleicht.

Daniel machte sich fertig für seinen Job in der Schule und versuchte, so leise wie möglich zu sein, denn Gabriel und Kevin waren noch im Traumland und er wollte Alex nicht noch mehr stören, als er es schon getan hatte.

Daniel liebte seinen Job, liebte seine zweite Klasse an der Lorne-Grundschule und die Kinder liebten ihn auch. Er war ein fürsorglicher Lehrer, er war sehr geduldig, obwohl er streng sein konnte, wenn nötig. Er sprach viel mit seinen Schülern, es war nicht nur ein Job, er nahm an ihrem Leben teil, kümmerte sich um sie und ihre Familien und sehr bald war er einer der beliebtesten Lehrer an der Schule geworden.

An diesem Tag hatte er zum Mittagessen ein Sandwich mitgenommen und als er am Nachmittag die Arbeit beendete, hielt er an einem Ashley Furniture Homestore an, um einige Möbel für sein Zimmer zu kaufen. Er kaufte sich eine Kommode, einen Schreibtisch und einen Stuhl, ein paar Regale und andere Dinge und ließ sie sich umgehend liefern.

Sobald die Leute vom Lieferservice gegangen waren, begann er zu arbeiten, um die neuen Anschaffungen unterzubringen.

Es war niemand zu Hause und Daniel fühlte sich ein wenig wohler. Kevin und Gabriel waren freundlich, aber Alex machte ihn unruhig, auch wenn er sich nicht sicher war, warum. Natürlich war es eine Tatsache, dass er ein Arschloch war, aber Daniel war unsicher, ob das der einzige Grund war, vor allem, weil er das Wort ‚hinreißend‘ nicht aus seinem Kopf bekommen konnte, was ihm immer wieder in den Sinn kam, wenn er an ihn im Pyjama dachte oder wie verlegen er wegen der Brille gewesen war.

Kevin und Gabriel waren die Ersten, die am Abend nach Hause zurückkehrten. Sie arbeiteten beide in einem Café und Daniel konnte nicht umhin zu denken, dass ihr Chef wohl sehr nachsichtig war, wenn er ihre verrückten Pläne berücksichtigte. Sie kamen kichernd und sich schubsend über den Flur, im Gespräch über den Abend, der auf sie wartete.

Sie hielten an der Tür und Daniel lächelte, während er sich Schweiß von der Stirn wischte.

„Wow!“, sagten sie zur gleichen Zeit, als sie auf die Möbel sahen.

„Das ist wirklich gut, Daniel! Nun ist es das, was ich ein Zimmer nenne“, sagte Gabriel, als er hereintrat. Er sah sich um und reckte den Hals, um auf den Computer auf dem Schreibtisch zu schauen. „Nettes Spielzeug.“ Er nickte zufrieden.

„Ich benutze ihn für die Arbeit“, meinte Daniel lächelnd. „Es ist viel einfacher, meinen Unterricht damit vorzubereiten.“

„Denke ich mir. Jason hat mir gesagt, du bist Lehrer. Du musst echt viel Geduld haben.“

Ja, das stimmte. Und er hatte es bereits bei Alex bewiesen, genau genommen.

„Ich tue mein Bestes.“

„Gut, gut. Ich mag, wie du das Zimmer eingerichtet hast. Es ist … edel. Guter Geschmack. Oh, Kevin und ich haben einen Gig heute Abend in einem Pub nicht weit von hier. Willst du auch kommen? Kannst auch ein paar Freunde mitbringen. Oder eine Freundin.“ Gabriel wackelte mit den Augenbrauen.

Daniel errötete leicht und nickte.

„Ich würde gerne. Ich kenne nicht viele Leute hier, abgesehen von ein paar Kollegen, und ich denke, es ist zu spät, um zu fragen, ob sie kommen wollen. Und nein. Keine Freundin.“

„Keine Freundin?“, fragte Gabriel, die Augen überrascht aufgerissen. Kevin kicherte hinter seinem Freund und schüttelte den Kopf.

„Oh, das müssen wir in Ordnung bringen. Letzte Nacht war hier ein Haufen Frauen. Du hast sie gesehen, nicht wahr? Es gab eine, die praktisch nackt umherlief. Mann, die kannst du nicht verpasst haben!“, rief Gabriel aus.

„Ja, aber –“

„Aber was? Komm schon! Du bist ein hübscher Kerl. Was ist es? Hast du seltsamen Ausschlag in deinen unteren Bereichen? Hast du fiesen Mundgeruch? Was? Ich kann das echt nicht glauben.“

Daniel errötete jetzt bis zu den Spitzen seiner Ohren und er fing Kevins Blick ein, der seinen Kopf zur Seite legte und die Augen zusammenkniff.