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Nur für Erwachsene Paris 1998. Von exzessivem Drogenkonsum gelangweilt und erschöpft begibt sich Olivier auf eine Reise in seine Vergangenheit. Unvermittelt findet er sich im Jahr 1978 wieder; er ist zehn und hat die Erinnerungen eines Dreißigjährigen. Es ist die Zeit der ausschweifenden Partys, der schrankenlosen sexuellen Promiskuität und der mondänen Dekadenz. Die Windungen der Zeit sind außer Kraft gesetzt, es herrscht das Gesetz der Lust und langsam beginnt der Leser den Eros des Bösen zu ahnen, der sich in einer Orgie aus Gewalt und Sex entlädt. Als Olivier wieder in der Gegenwart auftaucht und der Horror in die Erinnerung entlassen wird, verwischen sich alle Gewissheiten über Opfer und Täter, Wirklichkeit und Fiktion. "Retro" ist ein Roman zwischen Traum und Albtraum, ein gefährliches Spiel mit der Zeit und den Schichten der Wirklichkeit; ein Roman,der die Grenzen von Gut und Böse, von Erinnerung und erlebter Vergangenheit überschreitet; ein Roman, der mit der Kindheit, die er preisgibt, restlos alles zur Disposition stellt.
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Seitenzahl: 232
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Titelseite
Impressum
1998
1978
1998
Olivier Bouillère
Roman
Aus dem Französischen von Christian Ruzicska, unter Mitarbeit von Sandro Lutyens
Die Übersetzung aus dem Französischen erfolgte mit freundlicher Unterstützung des Bureau du livre der Französischen Botschaft, Berlin.
Erste Auflage 2010
© 2010 MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbHGöhrener Straße 7, 10437 Berlin, [email protected]
Alle Rechte vorbehalten.
Titel der Originalausgabe:»Rétro«
© 2008 P.O.L éditeur, www.pol-editeur.fr
Umschlaggestaltung: Falk Nordmann, Berlin
eISBN: 978-3-88221-961-6
www.matthes-seitz-berlin.de
Als ich Alain anrufe, habe ich keinen guten Eindruck. Dabei hatte doch er mir eine Nachricht hinterlassen. Vor einigen Stunden, jetzt aber ist seine Stimme verändert. Er kann kaum artikulieren. Er schweigt entweder oder brabbelt kraftlos. Er muss völlig besoffen sein bei sich zu Hause. Ich warte, bis er auflegt. Wenn er sich in diesem Zustand befindet, kann das einige Minuten dauern. Eine beträchtliche Zeit lang höre ich den Hörer auf dem Sockel schleifen.
Vom letzten Mal habe ich noch Geld. Auf dem Weg besorge ich ihm Renutryl, Marlboros und Badoit. Er wird es brauchen, sollte der Anfall vorüber sein. Wenn nicht, wird er mich wieder losschicken, Alkohol zu kaufen.
Rue Saint-Martin, ich klingle und öffne. Ich besitze die Schlüssel ohnehin. Ich gehe durchs Zimmer. Ums Bett herum liegen noch Blechschüsseln. Der Fernseher läuft im Salon. Alain sitzt auf der Couch, bewegungslos, den Arm auf eine ausgebrochene Lehne gelegt. Er schweigt und blickt vor sich hin. Er hat die Pose eines mondänen Portraits eingenommen, allerdings mit durchwühltem Haar, mit Bartstoppeln und halb geöffnetem Bademantel. Sein Fleisch ist weiß und aufgedunsen, wie das eines Ersoffenen. Der kleine Baptiste ist noch immer da, ans andere Ende der Couch gedrückt, soweit wie möglich von Alain entfernt. Er hat seine Jacke anbehalten. In seinen Händen hält er einen Drachen.
Ich stelle die Einkäufe beim Couchtisch ab. Ich frage, was sie seit Baptistes Ankunft gemacht haben. Alain zeigt auf eine Fototasche, als hätte er nicht die Kraft, nach ihr zu greifen. Ich schaue nach. Sie sind zum Eiffelturm gegangen. Alain hat ihm den Drachen geschenkt. Sie haben ihn im Park von Champ de Mars ausprobiert. Sie sind ins Kino gegangen und haben einen unverständlichen Film gesehen: «Irgendwann habe ich geglaubt, wir hätten den Saal gewechselt», sagt Alain. Sie sind durch Les Halles gelaufen, haben Filme und Videospiele gekauft. Baptiste ist seit einigen Tagen hier. Seine Mutter hat ihn die Ferien über nach Paris geschickt. Sein Stiefvater hat ihn nicht gerne an der Backe. Es ist ein Kind, so sagt man, das bei ihm nicht sehr glücklich ist. Er hatte sich darauf gefreut, zu kommen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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