Revolte RD - Martin Sweda - E-Book

Revolte RD E-Book

Martin Sweda

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Beschreibung

Die Revolte des eigenen Geistes gegen die Ketten einer verkommenen dystopischen Welt

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Seitenzahl: 490

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhaltsverzeichnis

Prooemium

1. Prooemium obscurum

2. Prooemium spei

3. Prooemium ultimum

Revolte RD - Fragment I: AIAS

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Revolte RD - Fragment II: Dyplastoid

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Kapitel XII

Kapitel XIII

Revolte RD - Fragment III: Montes

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

PROOEMIUM

1. Prooemium obscurum

Tief, ganz am Erdboden, und tiefer hinein, steht der weltumgürtende Leidschleier, doloris velum, seit Anbeginn der Zeiten, seit es Menschen gibt, in dessen unsichtbarer Sphär’ allerzeits das Lied des Leides erschallet, mit seiner tränenrührenden, jammerbezeugenden Melodie, die da seit jeher von den Menschen besungen wird, denn sie sind es, sie waren es immer, die doloris velum erhalten, und die dessen Gewebe, stetig flechten, und zwar aus Tränen und Leid, aus Schmerzen und Pein. Vom heißen Süden, wo lebenerfüllte Savannen nur mehr verbrannte Asche toter Wüsten sind, über den fischdurchwimmelten Ozean, aus dessem blauen Wasser wie Schildkrötenrücken millionen kleine Inseln herausragen, ins mäßigere Gefilde voller weiter grüner Flussebenen und kratonbedeckender Wälder, bis weit in die nebelumhangenen Gebirge, dessen hohe Gipfel von düsterblauen Gewölk umringt sind, kann man das Lied erhören, jene trauerzeugende Melodie des Schmerzens und des Leides, wie es da die Wüstenstille durchbricht, oder wie es da einhergeht mit allwährendem Meerrauschen, oder wie es dem Winde gleich durch den Walde weht, oder wie es durchs Gebirge hallt und in den Bergen echót.

Tief, ganz am Erdboden, und tiefer hinein, weben die Menschen den textus des doloris velum, seit Anbeginn der Zeiten, schreiben da immerfort neue Strophen für den Leidgesang, doloris cantus, und das obwohl, wie jeder weiß, Leid als nicht erstrebenswert gilt, ja ganz im Gegenteil, jeder versucht es zu meiden, und niemand will den doloris cantus singen. Was aber erstrebenswert ist, was alle Menschen ausnahmslos begehren, die Unbesonnenen wie die Besonnenen, die Nomaden wie die Sesshaften, ist Glück, prosperitas, und so liegt ja aller Menschen Handlung zugrunde dieses Begehren, denn sie alle wollen glücklich sein.

Doch was für ein Paradoxon (hier heißt es cantus paradoxon), was ein Jammer, das nicht dies Lied des Glücks, carmen prosperitatis, durch die Welt schallend einen Glückschleier bildet, wo doch all Menschen eben dies Lied zu singen sich biegen und dafür kämpfen, sondern das Lied was niemand erstrebt, was keiner begehrt, allerorts klinget, überall hallet, doloris cantus.

Tief, ganz am Erdboden, und tiefer hinein, hängt ein seelenverzehrender Nebel, nebula animos consumens, seit Anbeginn der Zeiten, der da obwohl unsichtbar, allgegenwärtig mit seinem Teufelsdunst die klare Sicht der Menschen trübt, und somit ihr Denken und ihr Handeln beeinflusst, und infolgedessen auch den Lauf der Geschichte. Seelenverzehrend heißt der Nebel, weil je mehr man an den Teufelsdunst glaubt, man mehr und mehr seine Seele an ihn verliert, und wie daran der Nebel wächst und wächst, verkümmert man, bis schließlich man den Teufelsdunst für wahr und richtig hält. Wenn dass der Fall ist, so hat der Nebel die ganze Seele verzehrt, und man ist nur noch ein loser Fleischballen. Und je mächtiger der nebula animos consumens wächst, und folglich mehr seelenlose Fleischklumpen da wandeln, umso schwieriger wirds da für die Menschen die Wahrheit vom Teufelsdunst zu unterscheiden. Und wie da Menschen an den Teufelsdunst glauben, in dessen infernalischen Dämonsglanz, daemonis splendor infernalis, alle Gegebenheiten gar gut und engelsgleich erscheinen (was aber selbstverständlich nur trügerischer Lügenschein ist), entsteht Leid und Jammer auf dieser Welt, und somit, weil willentlich ja niemand dolor singen will, ist der nebula animos consumens die causa proxima (direkte Ursache) des cantus paradoxon.

Tief, ganz am Erdboden, und tiefer hinein, allerorts herrschen verborgene Kräfte, vires occultae, seit Anbeginn der Zeiten, und bringen wundersames hervor. Mater Natura, mit ihren bunten Ungeheuerlichtern in den schwarzen Tiefen des Ozeans, mit ihren Wassertropfen inmitten trockner Wüste, oder ihren magmasprudelnden Vulkanen, ist anschaulich für die vires occultae. Doch sind diese nicht auf sie beschränkt, denn sie existieren ja überall, so auch in den Menschen, wo sie im Alltag zwar meist schlummern, sich aber dennoch in vielen Situationen bergversetzend zeigen, wie zum Beispiel wenn man aufs Äußere gedrängt ist oder für etwas zähnebeissend kämpft, oder aber auch auf Durchhaltevermögen sinnt, denn in solchen Situationen ja, schaffen die Menschen Unvorstellbares, von dem sie später selbst nicht wissen, wie sie das geschafft haben, und woher dazu die Kräfte kamen. Doch leiderzeugend herrschen die vires occultae auch im nebula animos consumens, (wo sie vires nebulae occultae heißen), wo sie da aus seinen verzehrten Seelenschwaden ab und wann Teufel formen, die sie dann in die Welt setzen, oder gar in Menschen einpflanzen. Und weh dem Hain, und weh dem Mensch, dem da so ein Teufel widerfährt, denn kräftezehrend ists sich gegen so einen zu wehren, denn zerstörerisch, und trügerisch sind jene, die da allzeits fortuna versprechen, doch letztlich nur zu dolor führen.

2. Prooemium spei

Hoch, über dem Erdboden, abseits vom sternendurchleuchteten Himmel, in der unendlichen Weite des Universums, hinter milliarden Galaxien, gibt es seit Anbeginn der Zeiten Anweisungen zur leidfreien Welt, orbis terrarum expers doloris, die dort so hell leuchten wie Sterne, so man deren Licht in klarer Nacht gar schauen kann. So die Menschen die Sterne beobachteten, und versuchten die Anweisungen durch immer dickere Gläser abzulesen, vergaßen sie doch immer mehr, dass doch aller Anweisungen Inhalt längst gesaget, vom gesandten Manne der da im nullten Jahre kam, die da lauten, dass für eine orbis terrarum expers dolorisa zwei Wesenszüge der Menschen erforderlich sind.

Der Erste, visus rectus, ist das Erkennen des daemonis splendor infernalis, so man durch ihn hindurch die unverfälschte seraphische Wahrheit sieht, und der zweite Wesenszug, actio recta, ist, dass man auch wirklich nach dieser Wahrheit handelt, und so das Richtige verwirklicht (dass man ja kennet wenn man den ersten Wesenszug innehat).

Diese Wesenszüge müssen gemeinsam in den Menschen innewohnen um deren doloris cantus zu verstummen. Nichts hilft es ja, wenn man das Richtige sieht, aber nicht danach handelt.

Wenn ein Mensch sowohl visus rectus als auch actio recta verkörpert, so heißt dieser homo honestus (tugendhaft).

Somit sind die Tugenden, derer Anzahl Sieben, die Anweisung zur leidfreien Welt, orbis terrarum expers doloris.

3. Prooemium ultimum

Weltbeherrschend tobte seit jeher die seelenumkämpfte Schlacht für eine orbis terrarum expers doloris zwischen den Menschen und den unsichtbaren Klauen des nebula animos consumens, die viele Tote, aber auch viele Helden hervorbrachte. Es waren jene Menschen, an Tugend die Größten, die stets waffeschwingend den seelenverzehrenden Nebel zurückhielten und am Wuchs hinderten, ja zu Blütezeiten gar zum Verkümmern schafften, als sie nicht nur sich von ihm fern hielten, sondern auch ihre Brüder und Schwestern.

Doch die Menschen sind schwach, waren es immer, ja auch die größten Helden unter ihnen, denn wenn auch ihr Geist unbiegsam war, so war es ihr Körper nicht, denn Fleische verdirbt ja. So geschah das Unvermeidliche, was eben dieser Schwäche zuzuordnen ist, dass viele dieser tugendhaften Menschen, homo honestus, starb, während immer weniger Helden geboren wurden.

Dieser tragische Umstand hatte zur Folge, dass irgendwann im 20. Jahrhundert der zweite menschliche Wesenszug, der für eine orbis terrarum expers doloris erforderlich ist, der actio recta, immer seltener wurde, denn als weniger homo honestus die Menschen in der seelenumkämpften Schlacht anfeuerten, wußten diese immer weniger, wie sie handeln sollten. Und ohne actio recta gibt es nichts, was einem in der seelenumkämpften Schlacht als Waffe dienen kann, und somit gilt da nur das Ausweichen. Aber dem nicht genug, denn verbunden sind ja die Wesenszüge, und wie dass actio recta langsam verschwand, begann infolgedessen auch der stets verkörperte Wesenszug visus rectus zu schwinden, bis er schließlich in der Mitte des 21. Jahrhunderts nur mehr eine Seltenheit ward. Ohne visus rectus, dass der Menschen Augen und Ohren in der seelenumkämpften Schlacht war, gab es nichts mehr, was sie vor den Klauen des Nebels schützen konnte, denn wie sollten sie vor ihnen ausweichen, wo sie sie nichteinmal sahen. Und als in den Menschen visus rectus schwand, hielten sie den infernales luceas daemonium für wahr, sodass, der Eigenschaft des nebula animos consumens nach, deren Seelen diesem zukamen.

Seele für Seele wuchs der Nebel, und auf der Welt wandelten immer mehr seelenlose Fleischballen. So geschah es schließlich, als der Nebel kolossale Ausmaße hatte, dass die vires nebulae occultae, die Schöpfer der Teufel, unsagbar gewaltige Dimensionen erreichten, sodass diese im 23. Jahrhundert, als die seelenumkämpfte Schlacht längst von Menschen verloren, den nebula animos consumens zu einer verheerenden Implosion brachten, woraufhin die in den Seelenschwaden des Nebels lebenden Teufeln alle Welt wie eine Seuche bedeckten. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von doloris cantus. Zwiespalt, Hass und Kriege beherrschten die Welt, bis schließlich aller menschliche Errungenschaft nur mehr Schutt und Asche und Geschichte ward.

Obschon die Implosion Schreckliches hervorbrachte, lag ihr aber auch ein göttlicher Funken zuteil, denn als der Nebel implodierte, silberblendend infernalisch hell, einer Höllensonne am Himmel gleich, und daraus Teufel stoben, geschah etwas, was der fundamentalen Eigenheit der Menschen zugrunde liegt, nämlich dass diese auch mit Herzen wahrnehmen. Als da die Hölle, die Teufel, das Böse, das Schrecken, zu Fleisch wurde, in seiner unsagbaren Abscheulichkeit, derer zu beschreiben es erst Wörter zu erfinden braucht, bewegte sich der Menschen, die da noch Funken Seele hatten, Herzen im Busen, und erweckte den ersten Wesenszug zur Tugend visus rectus, auf dass sich doch ihre Augen öffneten und sie durch den daemonis splendor infernalis die ungetrübte seraphische Wahrheit sahen. Und als Jene da die Wahrheit sahen, die ihnen die grausige Wirklichkeit der Menschheit zeigte, und zwar, wie seelenlose Fleischballen auf Erden Hand in Hand mit Teufeln wandeln, Menschen neben Menschen, und in Oasen leben, wo sie rücksichtslos nur ihren fleischichten Sehnsüchten inneliegen und sich an deren Erfüllung laben, hörte bei einigen gar das Herz auf zu pochen, so schrecklich wars schon auf terra geworden.

Doch Jene, deren Herz da nicht stoppte, und die da nicht verzweifelten oder gar wahnsinnig wurden, fassten denselben Entschluss, actio recta verkörpernd, wie die Helden vergangener Zeiten, und zwar alle Schrecken anzukämpfen, und eine orbis terrarum expers doloris zu erschaffen, indem sie ihre Brüder und Schwestern aus den Klauen des nebula animos consumens retten. So kämpften diese erwachten Nebelbezwinger zähnebeissend gegen die Teufelhorden, doch allzu bald schon merkten sie, als sie in Scharen fielen, dass es dafür zu spät, ihr Entschluss zu gewagt, schon zu unrealistisch war.

Denn in der Realität in der sie sich befanden, war es gar nicht mehr möglich, gegen alle Schrecken zu kämpfen, war doch alles außer Schrecken unreal. Also beschlossen jene tugendhaften Menschen die so Einsicht erlangten, den einzigen Ausweg, der darin bestand, von den Schrecken und Teufeln zu fliehen.

Doch wohin, war die drängende Frage jener Fliehenden, denn die ganze Welt war ja verkommen.

Manche irrten von Ort zu Ort umher, darauf bedacht den verruchten Menschen aus dem Weg zu gehen, manche Wenige fanden gar eine seltene Insel die noch unbewohnt war, und Einigen, die einen innigen Kontakt zum Unendlichen pflegten, wurde seraphische Hilfe zuteil, so ihnen im Traume ein Land geweissagt wurde, wo sie Freiheit und Erlösung finden würden.

Denn obschon alle Welt von Teufeln bedeckt ist, gibt es doch noch einen Ort, wo keine Schrecken und keine Teufel, ja auch kein doloris cantus, existieren, und zwar jenen Ort, der so hoch droben im Norden, dass er gar nicht als von dieser Welt gesehen wird. Jenes magische, eisbeherrschte Gefild, jenen septentriones expertes doloris, wo Schneestaub glitzert.

Revolte RD

Fragment I: AIAS

I.

Der junge Aias hält den Degen im Rahmen, Steinbeisser mit doppel S, auf dass ihm keiner der Wichte zu nahe kommt. Blutgedünkte Schakale sinds, mit schrecklangzähnigen Fratzen und gelbschlangichten Augen, die auf schmieriges Knochenmark aus sind. Zwölf an Zahl haben ihn umkreist, und die Flucht ist unmöglich, denn gediegener Steine sind hier nicht viel, hier draußen in der staubdunstigen Kalkwüste, nirgends eine Scharte, und auch kein Wald, wo man sich verstecken könnt.

Nein, weglaufen kann man hier nicht, weder vor der unnachgiebigen Todesblende am wolkenleeren blauen Himmel, noch vor den menschenhungernden Teufeln.

Seinen knochennagenden Schwierigkeiten muss man sich hier stellen, egal ob der Mut auf wehenden Schwingen in die Ferne rauscht und der schweißtränende Apparat die Grenzwoge läuft.

Wie ein Habicht schnellt Aias nach vor und schlägt den Steinbeisser im Bogen durch drei rauhfellige Dämonen.

Plump fallen die Tierleiber ineinander, und während sie noch gequälte Schreie ausstoßen, werfen sich drei ungemäßigte Schakale auf ihre sterbenden Artgenossen und fressen sie, ehe deren zähes Fleisch von der kalkichten Hitz schwarzverkohlt werden würde. Aber die anderen sieben Schakale haben Aias immer noch in deren gelben Schlangenaugen fest im Blick, jede Sekunde darauf bedacht ihn anzugreifen, denn am liebsten schmeckt ihnen Menschenblut.

,,Kommt her ihr verseuchten Wicht“, schreit Aias, seine Stimme gleich einem Löwenbrüllen.

Angst geschoren weichen die Teufel zurück.

,,Was ist, ihr hinterhältigen Feiglinge? Kommt schon her ihr Peons!“

Kurz überlegen die Schakale ob sie seiner Aufforderung nachkommen, doch im Angesicht seiner ausströmenden Sicherheit und Stärke entscheiden sie sich dagegen. Sie verschwinden, verflüchtigen sich, wie Wassertropfen die in der heißen Sonne verdampfen. Denn anders als Menschen, sind die verseuchten Ödland Dämonen dazu imstande. Sie können sich in Luft auflösen, und dieser öden Wüste jederzeit Lebewohl sagen. Doch anders als die Menschen diese Fähigkeit ausnutzen würden, tun sie das nie, denn das ist nicht ihr Zweck, nein, sie geistern umher, ständig unheilvorbereitend, ständig todsinnend.

Ist man einmal verwundbar, so zögern sie nicht, schnippen mit ihren Krallen, und mit einem aufwühlenden Blitze sind sie aufeinmal da, und springen aus luftiger Höh auf einen nieder um das Fleisch von den Knochen zu reißen. Viele einsame Wüstenbewohner, die in diesem unbarmherzigen Land allein und unrüstig auf weiter Flur marschierten, fanden so den unendlich erlösenden Tod.

,,Ja verzieht euch nur, ihr schleimigen Vielfraße!

Kriecherische Teufel!“

Aias tritt in die zottigen Fleischklumpen und beobachtet wohlblickend ihre Trajektorie, während er die geschmiedete eherne Klinge in den Ledergürtel steckt. Das Übel ist für eine Weile besiegt, und unbeeinträchtigt der scharfzähnigen Plage kann er nun nach Wasseros marschieren, die menschenbewohnte Oase die reich an Wasser und Nahrung ist.

Aias verhüllt seinen Kopf mit einem weißen Tuch aus grobem Stoff, das vor Gehirnverdampfung bewahrt, so dass nur ein Schlitz für die Augen übrig ist, und marschiert los, seinen Schatten hinter sich lassend. Die Todesblende wird bald ihren Zenit erreichen, und dann macht sie ihren Namen alle Ehre; die Temperatur der kalkichten Steinplatten der Wüste wird so arg ansteigen, dass selbst Aias’ wärmedämpfenden Goldsandalen seine Füße nicht vor Hitze schützen werden, und damit ist es so, wie wenn er barfüßig auf brennend Kohlen gehen würde. Mag sich nun aber schlimmer anhören wie es ist, denn wenn man die Kalkwüste gewohnt ist, mit ihren schier endlosen kalkichten Steinplatten und nie endenden wolkenlosen Glühtagen, dann verhält es sich wie mit allen Übeln die man gewohnt ist; denn ist man etwas gewohnt, dann ist es halb so schlimm, der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier.

Also marschiert der Junge, zähneknirschend, staubaufwühlend, durch die Kalkwüste, und während er so marschiert, singt er sich ein Lied:

Klangschallend der Fußabdrücker unter der glimmenden Blende, stark und kräftig, schnell und behende, tötet’ die grünichten, Klauzähn’ und Geier, Feuerstein und Kieselmeer, immer dieselbe Leier.

Und gerade als er fertiggesungen, ertönet jäh eine ihm wohlbekannte grässliche Stimme aus dem Nichts. Sein emsig meuchelnder Begleiter in der unendlichen Einsamkeit der Wüstenwanderungen. Im Klange wie dem letzten schabenden Kehllaut eines an den Stimmbändern zerreissenden Ghuls.

,,Schau Schau Schau Schau“, dröhnt es in seinen Ohren.

Aias bleibt stehen.

,,Wie da, wer da? Zeig dich du Spanner!“, ruft Aias.

Aber bis auf den zerbröselnden Kalk der unter seinen Sandalen knistert, bleibt es still. Aias schüttelt seinen Kopf und geht weiter. Er tuts, wie schon so oft, und wie immer zurecht, als bloße Einbildung ab, und verdammt im Herzen dies kalkichte Land. Doch kaum hat er zehn Schritte gemacht, erklingt sie wieder, die Stimme aus dem Nirgendwo, und diesesmal um Einiges lauter und penetranter.

,,Schau Schau Schau Schau.“

Der Junge bleibt stehen.

,,He da, wo bist du? Werd bloß nicht frech du Teufelsbrut!“, schreit Aias.

Er zückt den ehernen Steinbeisser und dreht sich im Kreise, die geschmiedete Klinge eindrucksvoll androhend schwingend. Aber es ist ruhig. Niemandes Stimme tönt, niemand wird frech.

,,Ich warn dich du Wicht, mach das noch einmal, und du wirst was erleben!“, schreit Aias. Und sowie ers ausgesprochen, wirbelt mit einem Male der Schall um seine Ohren, und das grässliche „Schau Schau Schau“ umringt ihn nervenpochend und schmerzauslösend.

,,WAS WILLST DU“, brüllt Aias in die Wüste rein, und der schmerzhafte Schall erstummt wehement.

,,Zeig dich du Dämon, du nerviger Wicht, kost’ meine Klinge und geh zähneknirschend zu Grunde!“

Der schweißtreibende Apparat springt hoch, an die Decke schlagen die Wogen, auch das adrenalinbetriebene Herzgetriebe, die rundumzuckende Vortexmaschine, schlägt als gäbs kein Morgen mehr.

Links, Rechts, Vorne, Hinten, Aias achtet zugleich auf alle Seiten - augenzuckende Allzeit-Bereitschaft - mit dem allesdurchstoßenden Steinbeisser in seinen kampfdürstenden Händen.

Stille. Weder Kalkknistern noch Atemhauch. Keine Bewegung, nirgendwo, es bleibt tot.

Kalk.

,,Karnier du dünkende Brut, teuflischer Spähhund!“, ruft Aias.

Keine Antwort. Nur Kalk, überall.

Aias bleibt noch für eine Weile in Kampfstellung, jede Sekunde auf einen Angriff aus dem Nichts wartend.

Doch es kommt nichts, selbst nach sandkornzähligen Atemzügen, bleibt alles regungslos und ruhig. Unruhig ist allerdings das geriebene Gemüt Aias’. Verhasst sind ihm kampflose Gefechte, denn sie schieben sich auf, schlummernd wie Benzinkissen in heißumbrannter Kohlenasche. Irgendwann wird die Glut sie erreichen und dann gibt es eine ascheaufwühlende Explosion.

Das Schlimme daran ist, dass er ständig auf der Hutsein muss. Jeden Augenblick muss er bereit sein, den Steinbeisser aus dem Gurte zu reissen, und mit einem Blitzhieb den Teufel niederzustrecken. Unachtsamkeit kommt einher mit dem Tod.

In den nächsten Stunden soll den Wüstensohn Aias jedoch niemand angreifen, und dessen ist er sich sehr wohl bewusst. Denn schon prangt die Todesblende ihren Zenit an, und damit verbunden verwandeln sich allmählich die glühenden Kalksteinplatten in den reisserischsten Dämon, der mit seiner schier grenzenlosen Gewalt und Kraft jeden anderen Teufel in das Zwielicht verdrängt. Die Schakale wie auch die unheilvolle Stimme aus dem Nichts.

Spitzfüßig tippelt Aias in der luftverbiegenden Hitz’, darauf achtend, so wenig und so kurz wie möglich den brennenden Wüstenherd zu berühren. Gleißende Funken stieben, wenn er den Kalk anreibt. In der Ferne stoßen Flammen auf. Grelle Blitze durchzucken den Horizont. Glimmernde Sparten tun sich auf; Intrusion bringt neues Kalk aus der Tiefe hervor. Kein Glück ist Aias gewährt.

Aber existiert Glück überhaupt, hier in der Kalkwüste?

Wo seit jeher kein Regen fällt, wo kein Leben funkelt und niemand selbst seinem schlimmsten Erzfeind wünschte zu verweilen?

Nein, niemals, weder scheint noch gibt es das Glück hier, weder Gestern, noch Heute, noch Morgen, selbst der Gedanke daran kommt nicht auf.

Doch Aias hält an, den Schmerz seiner brennenden Fußspitzen unterdrückend, rennt er wie vom wutroten Stier verfolgt. Und wo normalgebildete Menschenseines Alters jammernd und verkohlend zu Boden sinken würden, singt Aias mit voller Kehle ein Lied:

Heiss der Boden, des Teufels Sitz,

Tippelt der Fußabdrücker durch die Hitz’,

brennend in Funken die Asche hochfliegt,

das Ziel so nah, wer durchhaltet der siegt.

Sein Durchhaltevermögen belohnend, flimmert in der Weite etwas auf, und Aias weiß sofort, was es ist. Die wallenden Steinmauern der bläulich schimmernden, schattenkühlenden Oase Wasseros, eine der wenigen Menschenmagnete der Kalkwüste, und ein Relikt Menschheitsgeschichte aus den Zeiten vor den Kriegen. Sprudelnde Quellen aus der Tiefe geben dort mineralgezuckertes Wasser preis. Eiskaltes, lebenspendendes, auf der Zunge zergehendes Hazweio.

Voller Wonne sprintet Aias zum Horizont hin, und singt, seine glühenden, hautverbrannten Fußsohlen außer Acht lassend, zwei Verse:

Es naht der Fußabdrücker, nehmt euch in Acht,

ihr Teufel die ihr seinen Untergang anfacht,

nicht zu bändigen wer das Wasser es riecht,

seid auf der Hut ihr die ihr kriecht!

Durstig der Treter, der Wühler des Kalk,

sinnend das Wasser, spähend wie’n Falk’,

stürzt er auf’s seichte, auf’s flüss’ge, auf’s Blau,

fließendes Wasser so frisch wie der Tau.

Und als er seine Vorfreude ausgesungen hat, ist Aias am Horizont angekommen, vorbei an den holzichten Zäunen, die aus Schutz vor Schakalen und anderen streunenden Ungeheuern aufgestellt wurden, so er nun im angenehmst kühlenden Schatten der der wallenden, kargen Steinmauern vor dem Tor steht. Aias klopft und ruft die Worte: ,,Seid gegrüßt, ihr gütigen Menschen Wasseros‘! Lasst mich rein, öffnet eurem Bruder das Tor!“ Kurz später ertönt hinter dem schweren Holztor eine schrille Stimme, gar nicht ungleich der grässlichen Stimme aus dem Nichts: ,,Hinfort mit ihm, dem kleinen Wicht, sieht er nicht die Zäune, die sind für ihn bestimmt!“

,,Nein ihr versteht nicht“, versucht Aias zu erklären, ,,Ich bin kein Wicht, sondern ein Sohn der Wüste, euer Bruder! Nun lasst mich doch rein!“

Aias kann hören wie hinter der Mauer die Torwächter flüsternd miteinander ratschlagen. Dann verstummen sie alle, und die schrille Stimme spricht zu ihm die Worte: ,,Wenn das, was er sagt, wahr ist, wenn er einer von uns ist, warum ist er dann außerhalb der Mauer?“ ,,Ich bin ein Wanderer aus dem westlichen Kalk“, antwortet Aias.

Ein Torwächter fragt sogleich: ,,Was macht denn ein Zögling aus dem Westen hier? Was kann denn ein Grund sein, so weit zu reisen? Zu alledem noch alleine?“

Aias hat eine solche Frage erwartet, und im Grunde ist sie auch gerecht im Sinne der stadtbeschützenden Funktion der Torwächter. Doch in dem Maße, wie in der Kalkwüste Gerechtigkeit gebogen ist, bleibt nur eine bittere Empfindung Aias‘ der Frage und dem Fragensteller gegenüber. Mit denselben auswendig gelernten Worten, wie er sie schon sein ganzes Leben lang verschiedenen Torwächtern verschiedener Oasen vorgesprochen hat - immerdar mit verschiedenen Parametern -, antwortet Aias: ,,Nach Osten wandere ich um meine Familie zu besuchen. Nicht gewohnt bin ich des Wanderns, und drum dacht ich, als ich heute Morgen in der nahen Oase Wassera aufwacht, ich würds bis Mittag nach Osten schaffen. Aber wie ihr sehet, war dies ein großer Irrtum. Also habet euch nicht so, und nehmt euch eures unkundigen Bruders an, ich bitte euch!“

Wieder ratschlagen sich flüsternd die Torwächter untereinander, dann antwortet ihm die schrille Stimme, diesmal besonders schrill und nervtötend in den Ohren schallend: ,,Ja wer denkt er eigentlich, wer wir sind, dass wir in eine so offenkundige Falle tappen würden?

Er soll sich verflüchtigen, der Wicht, eher rasch als langsam, bevor wir die Hunde auf ihn loslassen!“

Aias kann nicht glauben was er da hört. In seinen zwanzig Jahren in der Kalkwüste hat er schon vieles erfahren – Verwerfliches wie Verkommenes, Frevelhaftes wie Dekadentes, Grausames wie Unmenschliches. Aber nie, nie erlebte oder hörte er, dass Jemandem der Eintritt in eine Oase verwehrt war.

Schon gar nicht bei zenitichter Todesblende.

,,Nein, dammich! Ich will doch nur trinken. Meine salzverkrustete Kehle befeuchten. Rasten. Ich bin einer von euch, lasst mich doch rein, ich bin ein Reisender, öffnet das Tor, lasst mich hier nicht zappeln!“, ruft Aias verzweifelt und hämmert auf das schwere Holz des Stadttors bis ihm die Fäuste blutig werden. Aber erst als seine Hände vor Schmerzen pochen lässt er davon ab, sackt auf den Boden und jammert fortan. Der verzweifelte Tonfall in seiner Stimme lässt indes die Torwächter hinter der Mauer weiter flüsternd ratschlagen, denn was wenn der Wicht gar wirklich einer von Ihnen, ein Mensch ist? So würden sie sich gar schuldig machen, ihm den Zugang zu verwehren, der ja gemäß dem Stadthalter allen Menschen eigentlich erlaubt ist. Schließlich fassen sie einen Entschluss, und die schrille Stimme ertönt hinter der Mauer: ,,Nun denn, wenn er wirklich einer von uns ist, dann muss er es beweisen.“

Sofort ist Aias wieder auf den Beinen. ,,Beweisen? Ja aber wie, meine Brüder?“, fragt er, von der Hoffnung auf Einlass und der damit verbundenen unmittelbar bevorstehenden Erquickung beseelt.

,,Nach Norden marschierend soll er bringen, was seine Zugehörigkeit beweist!“

,,Aber Brüder, woher soll ich wissen was das ist?“, fragt Aias.

,,Wenn er, wie er behauptet, unserem auserkorenen Kreise angehört, dann wird er es schon wissen“, erklingt es schrill.

Aber Aias hat keine Ahnung, wovon sie sprechen.

Schon bereut er im Geiste seine vor mehreren Tagen getroffene Entscheidung, nach Norden anstelle seines wohlbekannten Südens gewandert zu sein. Nie zuvor war er soweit ins nordichte Kalkland vorgedrungen, und der Grund dafür es jetzt getan zu haben, war derselbige. Hier ist er ein unbeschriebenes Blatt, und eigentlich hat er sich dadurch einen Neuanfang erhofft.

Nicht würde er es zulassen wieder verbannt zu werden, hat er sich beim Aufbruch nach Norden versprochen, er würde diesmal einfach die Augen schließen und sich die Ohren mit Wachs verkleben, wenn er Zeuge unbeschreiblicher Grausamkeit und Ungerechtigkeit werden würde. Aber dass ihm nicht Einlass gewährt wird, beziehungsweise nur unter solch quälenden Umständen – sich auch nur für einen Moment bei zenitichter Todesblende, die all Kalksteinplatten in einen Herd mit brutzelnden Staub verwandelt, kommt einer schrecklichen Tortur gleich -, damit hat er nicht gerechnet.

,,Nun habt euch doch nicht so!“, schreit Aias, ,,Seht ihr nicht wo die Sonne steht? Es ist Mittag, ich kann doch keinen Schritt in die Wüste tun! Ich habs gerade mal so hierher geschafft! So öffnet mir doch das Tor und überzeugt euch selbst! Ich bin euer untergebener Bruder!“

,,Er soll uns nicht weiter zur Last fallen, wir haben gesprochen. Nur unsereins ist der Eintritt in das wasserspendende Wasseros gestattet. Bringt er uns also den Beweis, dass er uns angehört, wird ihm das Tor geöffnet werden. Itzt soll er aber hinfort ziehen, wir sind es leid uns an der Mauer aufzuhalten!“

Aias sieht ein, bei diesen unnachgiebigen Torwächtern hilft kein Rütteln und kein Schütteln. Wer klopft, dem wird geöffnet werden, heißt es, aber nicht in der Kalkwüste. Ein kleiner Funken Hoffnung bleibt ihm jedoch bestehen, wenn auch er nicht wirklich daran glaubt; Vielleicht ist dieser sogenannte Beweis, den sie fordern, gar nicht weit. Ein paar Minuten Marsch würde er schon schaffen. Das heißt, wenn er sich vorher mit zumindest wenigen Schlücken Wasser erquickt. Also ruft er demütig: ,,So will ich also den Beweis holen, meine Brüder. Ich bitte euch nur um ein wenig Wasser, damit ich den Marsch bestehe!“

Empörtes Stimmengemurmel ertönt, dann dröhnt es schrill durch die Mauer: ,,Ja was denkt er denn, der Wicht? Nur unsereins wird das kostbare Hazweio gespendet!“

,,Ein klein wenig nur, für euren untergebenen Bruder, ich flehe euch an! Wie soll ich es denn schaffen, den Beweis zu bringen, ohne ein Quantum Lebensstoff? Ihr hörts doch an meiner Stimme, dass ich dem Verdurstenden Nahe bin!“, ruft Aias.

,,Schweige er, der Wicht! Genug der Worte itzt, er soll ablassen vom Tore nun! Noch ein Wort, und wir lassen die Hunde auf ihn los!“

Aias schweigt. Verzweiflung lodert wie ein schwarzes Feuer in ihm auf, all Hoffnung und Vertrauen verbrennend, doch schnell erlischt ers mit einer waltenden Besonnenheit. Ein Kunstgriff, den er seit seiner Geburt in vielen Situationen verfeinert und sich angewöhnt hat, so dass er ihm gar nicht schwer auszuüben fällt. Insgeheim muss er grinsen ob seines Flehens und Appelierens, und ob der ungeheuren Gefühllosigkeit der Torwächter – Hat er je etwas anderes erwartet? Alle Bewohner der Kalkwüsten sind doch in gleichem Maße kalt und gefühllos, einzig und allein darauf bedacht, ihren eigenen Begehren zu dienen. Diese finstere Wirklichkeit eingestehend, akzeptiert Aias dass die Torwächter ihm nicht öffnen werden. Er hat gar keine andere Wahl, als weiter nach Norden zu marschieren, und nach diesem sogenannten Beweis zu spähen. Also wendet er sich, im angenehm kühlenden Schatten der wallenden Steinmauer spazierend, auf dass der Schatten nach links fällt, und geht bis zum Ende der Mauer, wo er innehält, um seinen Geist für die bevorstehende Tortur zu schärfen.

Schon einige Male ist er von Umständen dazu gedrängt worden, bei zenitichter Todesblende durch das glühende Ödland zu wandeln, und jedes Mal überstand ers, wenn auch mit so manch seelischer und fleischichter Narbe, die nach wie vor wie schrecklich schmerzende Wunden sein ganzes Wesen überziehen.

Und dann, geschieht es. Wie Aias im angenehm kühlen Schatten meditiert, wird mit einem Male Alles still und leise, und plötzlich erklinget ganz nah hinter der Mauer die seraphische Stimme eines wahrhaftigen Engels. O Labsal der lieblichen Klänge, O Wunder der Wunder!

Vergessen ist all Sorge. Wie wenn ein himmlischer Segen seine Schwingen vor die Todesblende, über die Welt breitet, vergeht all Kummer und Leid, und zurück bleiben nur Wonne und Beseligung. Aias steigt empor in das ewige Reich, schwebend, denn wo ist hier noch Schwerkraft, und lauscht den Worten der zarten, melodischen Stimme: ,,Psst, o Fremdling! Nicht verkenn ich dein Leid, aber leider ist es mir nicht gestattet die Tore zu öffnen. Warte kurz!“

Aias dreht sich um, weniger von dem Gesagten als von dem Wohllaut der Stimme belebt, und ruft: ,,Wer ist da?

Wahrlich, ich-“

,,Leise“, unterbricht ihn die melodische Engelsstimme rasch, und ohne ein weiteres Wort fliegt in hohem Bogen Etwas, im gleißenden Sonnenlicht grell schimmerndes, über die Steinmauer, direkt vor Aias‘ verbrannten Füße, und als er erkennt, was es ist, hüpft sein Herz vor Freude, und vollkommene Glückseligkeit erstrahlt golden hell aus allen Wolken des ewigen Reichs. Es ist eine Flasche, durch deren hitzgebogene, durchsichtige Plastikwände ihn klares, fließendes, sprudelndes Hazweio glitzernd anlächelt.

,,O du gute, du selige, du Engel Gottes in meiner größten Not! Ich danke dir!“, flüstert Aias.

,,Trinke schnell, Fremdling, das Plastik schmilzt rasch in der Hitz‘!“, sagt das Mädchen hinter der Mauer.

Schon hat Aias die Flasche an seine salzverkrusteten Lippen angesetzt, und das erlösende, kühle Wasser fließt wie ein elysischer Kristallbach geschmolzenen Schnees, all Wunden mit sich reissend, seine vertrocknete Kehle hinab. Neue Lebenskraft erfüllt ihn, durchströmt seine blutarmen Adern und seine nervichten Muskeln, und allen voran sein geschaffener Geist erwacht zu neuer Stärke und Kraft. Eine Zeit verharrt Aias in völliger Ekstase, und erst als der erquickende Strom aus der Flasche erlahmt, besinnt er sich, und flüstert: ,,Ich danke dir, o mein Engel, ich werds dir nicht vergessen! Nicht wüsst ich, wie ich ohne deine Hilfe diese Stunden überstehn sollt. Verrate mir doch deinen Namen, auf dass ich ihn für alle Zeiten in mein Herz graviere!“

Es bleibt still hinter der Mauer. Aias wartet noch eine Weile auf eine Antwort, aber schließlich sieht er ein, dass das Mädchen seiner Nähe entschwunden ist. Wie ein Engel, kam sie unangekündigt und brachte Erlösung, und wie ein Engel verschwand sie in einem Augenschlag. Das einzige was ihm bleibt, ist die glückliche Erinnerung an diesen Moment unsterblichen Glückes, und demütig akzeptiert er dessen Ende. Wer weiß, denkt er sich, wenn er nun doch diesen sogenannten Beweis findet, wird er den Engel hinter der Stimme treffen.

Er wirft die Plastikflasche vor sich auf den sonnebeschienenen Kalkherd, wo sie sofort schmilzt und zischend verdampft, und verlässt den angenehm kühlenden Schatten. Die heisse Luft wallt ihm wie ein fester, lodernder Nebel in die Lunge und raubt ihm Verstand und Atem. Kalksteinplatten knistern ringsumher im glühenden Scheine der Sonne, und zerspringen unter der Last seiner Füße wie aufspringende Krusten. Die Todesblende wirft ihre brennenden Strahlen auf sein Haupt nieder wie erzschmelzende Flammen. Doch ungeachtet all dessen, tippelt Aias in hohem Tempo gen Norden, dem flimmernden Horizont zu, stark, kräftig und behände.

Erquickt vom Wasser, und beseelt von seiner Begegnung mit einem Engel, ist ihm erstmals seit Tagen nach Lachen zumute, trotz seines Umstandes. O und wie ihm nach Lachen zumute ist - wie jedem, dem ein wahrhafter Engel geholfen.

Während er also durch die Kalkwüste wandelt, stets nach einem Beweis Ausschau haltend, in Gedanken sich wundernd wie wohl sein Engel aussieht und ob er ihm je begegnen wird, singt er aus voller, wassergesalbter Kehle, ein Lied:

Des Fußabdrückers Engel lebensspendende Gabe,

wertvoller als Gold noch jedwed andere Habe,

erquicket mit Leben, schafft Klarheit und Mut,

durchwallt selbst die Wüste, besiegt jedwed Glut.

II.

,,Schau Schau Schau Schau.“

Immer lauter werdend, dröhnt die verruchte Stimme aus dem Nichts in Aias tuchverhüllten Schädel – scharfe Messerklingen, die an seiner Geistesklarheit schaben. Doch fruchtlos ist des Dämons Bestreben, ihn, den Führer des Steinbeissers, aufzuhalten, während er stetig unter der zenitbesiegten Todesblende durch die Kalkwüste wandelt, denn mächtig an Widestandskraft gewachsen ist Aias, als er in den vergangenen Stunden die fleischverbrennende Hitze des Wüstenmittags überstand.

Drei Tage ists her, als er von den wallenden Mauern Wasseros‘ nach Norden aufbrach um den Beweis zu bringen, aber hinsichtlich dessen war alle Mühe und all der Schweiß bis jetzt umsonst. Nichts als karges Ödland, nichts als ebene, weiße, staubdunste Kalksteinplatten haben seine Augen gestreift, so er allmählich enttäuscht die Hoffnung aufgab, jemals in Wasseros eingelassen zu werden und jenem engelhaften Mädchen zu begegnen. Wenngleich Aias es damals und jetzt auch niemals erahnen würde; hinsichtlich dem Mädchen hält die Zukunft Unglaubliches für ihn bereit. Hinzu der großen Enttäuschung, und der Qual die mit dem Aufenthalt in der Kalkwüste verbunden ist, wars am meisten er selbst, der sich in den letzten Tagen das meiste Leid zufügte, denn seine eigne Stimme hämmerte ihm unangenehmst aufs Gemüt sowie die Ekstase um die Begegnung mit dem Engel verklungen ist. Mit geradezu unmenschlicher Beständigkeit fragte seine Stimme: ,,Was kanns sein? Was kann ich als Beweis bringen? Was kann meine Zugehörigkeit beweisen?“.

Bis an die Verzweiflung hat Aias nach einer Antwort gesucht, aber er wurde nie fündig. Seine Suche nach einer Antwort rang ihm alles an Aufmerksamkeit und Scharfsinn ab, und folglich fand er sich nicht dazu in der Lage, seine unheilvolle Stimme während des Suchens zu verstummen. Wie mit einem Hammer schlug sie weiter auf sein Gemüt ein, immer härter mit jeder Minute die er ohne gefundenen Beweis länger in der fleischversengenden Wüste verweilte, bis er grün und blau vor Hammerschlägen nicht mehr klar denken konnt vor Verzweiflung und letztendlich die Suche nach der Antwort aufgab. Genau das war der Zeitpunkt, als der Dämon aus dem Nichts auftauchte und ihn vernichten wollt. Zu seinem Glück aber ward ihm der Steinbeisser beschieden, so konnt er den Lebensvernichter noch abwehren. Eine Narbe schaffte ihm der Teufel dennoch zuzufügen, die ihn seitdem erinnert, dass er seine eigene Stimme noch mehr fürchten sollt als alles andere - am schwersten verteidigt es sich ja gegen das eigene Übel, das man meistens nichteinmal sieht, und sieht man es, ist es meistens zu spät. Infolgedessen, und die Lehre aus dem inneren Zwist ziehend, hat Aias in der letzten Nacht, als er auf den harten Kalksteinplatten liegend ruhte und seine Narbe befühlte, entschieden, nicht mehr nach einer Antwort zu suchen und nicht weiter nach dem sogenannten Beweis zu spähen. Es ist nicht nötig, sich umsonst zu quälen, ermahnte sich Aias, denn die Torwächter haben ja gesagt, er solle nordwärts gehen, und das hat er ja getan. Außerdem; würde da etwas sein, was ihnen als Beweis genüge, so würd ers ohne jede Augenarbeit erblicken, denn leer und eben ist die Kalksteinwüste, so leer wie weiß wie tot. Einen Stein in der Größe seines Kopfes würde er in meilenweiter Ferne erspähen.

,,Schau Schau Schau Schau.“

Wieder erschallt die unsichtbare Teufelsstimme.

Diesmal schlägt sie Aias, der beharrlich durch die Wüste rennt, noch härter als zuvor. Der unsichtbare Missklang dröhnt schildezersprengend in seinen tuchverhüllten Schädel, und wirkt darin wie eine rostige Messerschneide, die an seinem Verstande wetzt. Mehr und mehr lösen sich seine aufgestellten Schilder die ihn gerade vor solch teuflischen Klängen schützen sollten. Und ohne Schild ist jeder verwundbar, gleich wie mächtig an Widerstandskraft.

Schnell rüstet Aias seine zweite Schildreihe und ermutigt laut brüllend seine Verteidigung: Perseverier, Aias, perseverier! Der Spanner da kann dir nichts!

,,Schau schau sch-“ Die Stimme aus dem Nichts erstummt vehement. Jetzt unterbricht nur das stete Klackern seiner Goldsandalen auf kalksteinichten Boden die Stille. Aias ist beunruhigt ob des einfachen Sieges, denn noch nie verklang sein emsig meuchelnder Begleiter auf diese Weise. Doch da es für eine Weile leise bleibt, immerdar nur klack klack klack macht, entschwindet sein Argwohn. Weh dir, Aias, singt es aus voller Kehle Mitleid aus Áis Reich.

Das Böse weicht dem noch Böserem, und fürchtet sich vor ihm.

Plötzlich knallt es hinter ihm, so laut als würde die Kalkwüste explodieren. Eine todbringende Geißel zerreisst die Luft. Aias dreht sich um, und sofort weiß er, wer sie schwingt; Es ist der stete, mordsinnende Lebensbegleiter, der grausamste und schrecklichste aller Sichelschwinger, den Niemand einem wünscht, nichteinmal seinen ärgsten Todfeinden. Gegen diesen gibt es kein Entrinnen. Nichts kann man gegen ihn ausrichten, nicht kann man sich wehren, weder mit Schild, noch mit Schwert, noch mit Steinbeisser. Wenn dieser grauenhafte Todesbringer Einen mit der Geißel trifft – nichts vergleichbares an Schmerz gibt es -, ist Alles vorbei.

Sowie Aias seines mordhungernden Verfolgers gewahr ist, und den Lufthauch des besonnenheitsraubenden Knallens der Geißel im Nacken verspürt - wo die Tugendlosen bereits in Ohnmacht fallen und sterben-, legt er einiges zu an Gang und rennt noch geschwindter nordwärts. Sinnend auf Perseveranz singt er sich im Geiste ein Lied:

Salverkrustet des Fußabdrückers Lippen,

da er wandelt bis ihm vorstehn die Rippen,

vom Hungertod verfolgt, dem Verstandsverzehrer,

doch nicht kampflos ergibt sich der Wasserverehrer.

Mit ausgetrockneter, staubiger Kehle und erschlaffenden Muskeln rennt Aias weiter, aber als er nichts mit scharfen Augen erspäht in der Wüste, was aus der glatten weißen Kalkebene herausragt, was auch nur im Entferntesten man als Nahrung zerbeissen könnte - weder Wüstenrose, noch Skorpione, noch Holzkrusten, ja nichtmal irgendwelche Steine aus denen man Wasser saugen könnte - , da erahnt ers schon, dass ers nicht schaffen wird. Anfangs tut er diese Ahnung als eigenes Übel, als eigene Stimme der Schwäche und Verzweiflung ab, die er somit gleich zügelt und zum Schweigen bringt. Als er jedoch weiter rennt, die schreckliche Geißel hinter sich immer lauter knallen hört, erkennt er, dass es nicht eigenes Übel ist, dass ihm diese Ahnung durch den Kopf schallen lässt, sondern vielmehr seine Einsicht, die ja stets eine vernünftige Denkensweise darstellt. Aus dieser Erkenntnis heraus, und der damit gewonnenen Klarheit des Geistes, beflügelt hinzu vom errungenschaftsbegleitenden Scharfsinn, entfachet ein wahrer Wirbelsturm an Gedanken in ihm.

Also hätts ja gar keinen Sinn weiterzurennen, wenn ja die Geißel mich einholt, keinen Sinn mich rennend zu quälen tönt eine Stimme in ihm. Gleich darauf schaltet eine andere Stimme: Aber wenn das so ist, dann hätt ja all Leben kein Sinn, da letzten Endes immer der Tod einen einholt, denn zu Leben ist zu Sterben. Wozu also sich quälen? Nur um der guten Zeiten willen etwa, die genauso vergänglich sind wie alles andre auf dieser Welt?

Keine Stimme weiß darauf Antwort, doch unwillkürlich erinnert sich Aias an den zarten, melodischen Engelsklang vor Wasseros, und eine unbestimmte, erfüllende Sehnsucht, die allem einen Sinn zuflößt, lodert ohne jeden Einfluss zu einer allesbezwingenden Stimme heran, die allen Fragen Antwort weiß. Sowie Aias diese Stimme vernimmt, erwacht, alle anderen Gedanken und Stimmen niederdrückend, der lebensklammernde Wüstenbezwinger in ihm, der Verscharrte, der Einsichtsmordende, der Bergeversetzende, der Feuerfressende, der alles zu leisten imstande ist und der das Fleische bis über alle Speichen biegen schafft. Kein Perseveriere, Aias sondern nur das in die Schlacht feuernde Brüllen des Allesbezwingers hallet mehr durch seinen Schädel.

Zu Sehen ist die Wirkung dessen, da Aias sogleich all das Leben ballt das noch in ihm steckt, und in seine tuchumhüllten Beine und sandalenumgürteten Füße steckt, auf dass die Woge seines Laufapparates bis an die Grenze hoch schießt, und er wie ein Blitz durch die Kalkwüste schallt. Er sprintet los, wie von unsichtbarer Gottesstärke durchdrungen, an Schnelligkeit den antilopenreissenden Katzen gleich, an den Horizont, so schnell, dass gar das Knallen der luftzerreissenden todbringenden Geißel leiser wird. Und als er den Horizont erreicht, wo wie überall in kalkichter Sphär in allen Himmelsrichtungen nichts als weiße, staubige Steinplatten glühen, sprintet er einfach weiter - keine Müdigkeit, keine Schwäche, kein Verlangsamen kennend. Der Allesbezwinger, der wie ein iliosbesiegendes Feuer in seinen Augen loht, erfüllt ihn, erlischt all sein Denken, schlägt all seine andren Stimmen nieder, stattet all seine faserichten Muskeln mit unbändiger Stärke aus und treibt ihn wie einen entfesseltes, unaufhaltbares Geschoss vorwärts. Ein Geschoss, welches selbst das Geißelknallen vernichtet, denn weit abgehängt hat er den Sichelschwinger, den Hungertod. Von Horizont zu Horizont und da weiter, besiegt Aias die Kalkwüste, und indes die alte Todesblende amethyschen Traum werfend gen Nadir sich verabschiedet, singt er ein Lied

Gottes Glaubensmacht ungezügelt,

den Wüstenbesieger mit Kraft beflügelt,

drum ruft er in die Anfangsnacht;

ein Herrscher der die Schlacht entfacht.

Während ers singt, beobachtet ihn von weiter Ferne her, hoch vom Himmel, ein Augenpaar aus einem fliegenden Fahrgestell heraus durch baumstammdicke Linsen. Einem Torwächter Wasseros’ gehören sie, der neben seinen Schergen durch ein horizontentschleierndes Fernglas späht. Er spricht schrill zu seinen Lakaien: ,,Seht ihn euch an, den Berserker! Nur gut, dass wir den nicht einließen in unsere Stadt, der ist keiner von uns! Übermenschlich an Kraft rennt er nun am dritten Tage durch die Wüste, der Teufel, wo doch jeder unserer Brüder lange schon zu Boden gegangen wäre! Nur gut, dass wir gestern, als er durch die zenitichte Todesblende taumelte, nicht zu ihm eilten mit unserem schnellen Zeppelin! Was für ein Wicht, dass er selbst da noch uns täuschen wollt. Fast wärs ihm auch gelungen. Weh uns, wenn wir ihn damals reingeholt hätten in unsere Mauern. Die Stadt läg jetzt wohl in Schutt und Asche, denn städtezerstörend sind ja solch listreiche Teufel. Aber denn, das solls sein, der kommt nicht wieder. Jetzt gilts nur das Mädchen noch zu verbannen das die kühne Unverschämtheit hatte, dem Teufel Wasser zu geben und unser Volk so fast ins Verderben zu stürzen. Also, flieg uns heim Fliegermeister, in das wasserspendende Wasseros!“

Hingegen dem Torwächter aber, hat Aias die Oase mit den wallenden Steinmauern schon vergessen. Zu seinem neuen Ziele macht er die Horizonte, und wenngleich es also nicht zu erreichen ist, denn unendlich derer gibt es, so glaubt er dennoch fest daran - beflügelt von der beherrschenden Stimme des Allesbezwingers. Gleich einem mächtigen Herrscher, der sein erzumschientes Heer im Schlachtgetümmel antreibt, oder einem König, der mit seiner rossgewaltigen Armee Toooood! Toooood! Toooood! rufend in das Teufelsheer losprescht - woraufhin die Reiter all Denken hinter sich lassend, nur auf seine ehrerbietende Stimme vertrauend, das Teufelskommando siegreich überrennen-, feuert ihn der entfesselte Allesbezwinger an.

Allmählich zerspringt der violette Abendtraum, und die sterbende Todesblende verglüht, alle Träume verdunkelnd, hinter der Erdkrümmung. Ihre letzten gleißenden Strahlen verglimmen rasch, und auf dem jetzt lilafarbenen, mondleeren Himmel funkelt langsam rieselnder Sternenstaub auf. Anfangs unförmig noch, bilden sich bald daraus Bänder aus Silber und Gold, die aber bald zu Millionen winzigen Kristallen zerfließen, die den ganzen Nachthimmel durchscheinen. Aias labt sich an diesem magischen Naturschauspiel, während er stetig die Wüste bezwingt, und ein Lied anstimmt:

Ewig währt, wer gehen kann,

den einen Weg, im Lichtgesang.

So bald in Händen Wasser wiegt,

wer fußabdrückend die Wüste besiegt.

Er erreicht den Horizont, und macht sich wie zuvor den Nächsten zum Zweck all seines Strebens. Doch anders als erwartet erscheint ihm die Aussicht nun, denn da wo sich stets eine klare gerade Linie zwischen weißer Kalkebene und blauem Himmel abzeichnete, schimmert jetzt ein blauer Streifen unterm verdunkelnden Purpur des sternichten Nachthimmels.

Erst hälts Aias für Einbildung, oder für wahnichte Übel, die sich unbemerkt vorbei am Allesbezwinger in seinen Verstande schleichen, doch als er sich dem blauen Streifen nähert, derweil keinen verräterischen Gedankenzug erkennt, kommt er zu dem Schluss, dass der blaue Streifen wirklich existiert – existieren muss, denn er hat noch nie etwas Vergleichbares gesehen. In Kontrast zu Allem, was er in letzter Zeit blickte –weiße Kalkflächen, nebliger Staubdunst, immerblaues Himmelsgewölb und die Steinmauern Wasseros – hebt sich der blaue Streifen am Horizont für Aias noch deutlicher hervor als in Wirklichkeit, und er fragt sich neugierig, so er sich ihm nähert, worum es sich dabei handelt. Um die wallenden Mauern einer gigantischen, wasserspendenden Oase vielleicht?

Es wird immer finstrer und das letzte Purpurlicht verschwindet. Dem sternichten Himmel entsinkt die Nacht. Der blaue Streifen verliert an Bläue und verschwimmt mit der beherrschenden Dunkelheit.

Während Aias sich ihm nähert, tun sich in den Kalksteinplatten sandgefüllte Sparten auf. Anfangs nur vereinzelt und sehr klein, durchziehen sie alsbald schon den gesamten kalkichten Boden. Seltsame Fäden, die Aias im Dunkel der Nacht nicht identifizieren kann, ragen bis an seine Hüften hoch aus den Sparten empor, und strecken sich dem sternstaubichten Himmelsgewölb entgegen, als wollen sie ein Sternenlicht greifen.

Je näher Aias dem Streifen kommt, desto höher und dichter aneinander geschmiegt wachsen diese Fäden, und die sandgefüllten Sparten, die Meilen zuvor noch klein und unbedeutend waren, verwandeln die ewige, weiße Ebene aus Kalksteinplatten allmählich in einen Sandboden, bis schließlich seine Endlichkeit verlautend kein Kalke mehr den Grund besprenkelt, und Aias zum ersten Male in freier Natur etwas anderes als harte, fleischverbläuende Kalksteinplatten unter seinen goldsandalenumgürteten Füßen spürt.

Er fühlt sich wie als hätte er eine völlig andere Weltbetreten, und vielleicht hat er das, im Dunkel kann ers nicht ausschließen.

So er weiter auf dem feinen, weichen Sande marschiert, erhört Aias ein leises Rauschen. Zunächst hält ers für den sandaufwühlenden Wind, doch da er nicht den geringsten Lufthauch verspürt, kommt er zum Schluss, dass es keiner sein kann. Obwohl das rauschende Klingen die Nacht erfüllt, bleibt die Luft still stehen als würde sie unbewegt der Quelle lauschen.

Was könnts denn sein, fragt sich Aias, und blickt angestrengt nach vorne. Aber selbst wenn hier das Ende der Welt wäre, würd ers nicht erblicken, denn Alles hat die Nacht in ihre Schwärze gehüllt.

Nichteinmal seinen eignen Körper schafft Aias zu schauen, so verzehrend ist die Dunkelheit. Lediglich der Nachthimmel mit dem funkelnden Sternenstaub zeichnet sich über seinem Haupt vom Schwarz der Erde ab.

Es rauscht lauter und der Sand unter Aias‘ Füßen verändert seine Beschaffenheit, so er bei gleicher Härte angenehmer unter seinen Füßen nachgibt. Immer lauter rauscht es, und als das Rauschen schließlich zum Angreifen nahe ist, kommts ihm plötzlich; eine kühle Brise, salzig auf der Zunge und im Geruch – ganz anders als der gewohnte Kalkduft, der ihm seit der Geburt die Nasenhöhlen verkrustet. In heller Aufregung ob des Lufthauches, geht Aias vorwärts, und sowie er einen großen Schritt macht, schlägt ihn eine Feuchtigkeit, wie er sie noch nie erlebt hat, und er tritt mit den hitzegegerbten Goldsandalen in kaltes, in flüssiges, in lebenschenkendes Hazweio.

III.

Wie alle Bewohner der Kalkwüste, die ihrem kärgsten Herzen entspringen, hat Aias das kalkichte Ödland stets für unendlich gehalten. Er hat auch nie daran gezweifelt oder überhaupt einmal etwas anderes erwägt. Warum hätte er auch – die weiße Ebene zieht sich über eine beinahe erdumspannende Fläche, und kein Lebender dem er je begegnet ist, hat je etwas anderes erfahren als den ewigen Kalkstaub. Zwar wussten die Geschichtenerzähler über mehr zu erzählen als die Wüste, aber gleich wie für deren Zuhörer waren das auch für sie nur Märchen und Fantasien.

Jetzt nicht mehr für Aias.

Der Wüstensohn steht knietief im lindernden Wasser, und wird sich der Endlichkeit der Kalkwüste bewusst.

Die alten Geschichten kommen ihm unwillkürlich in den Sinn – Geschichten von fernen Ländern, hinter einem Meer von Hazweio, wo es gar grün vor Leben trieft und wo es sogar Wasser vom Himmel regnet. Er hat, wie jeder echte Wüstensohn, nie an diese Geschichten geglaubt; gab es doch so weit man gehen konnte nur blauen Himmel und weißen, staubigen Kalkstein zu spähen. Doch er steht jetzt im Wasser, und da er seinen Atemzug für wirklich hält, glaubt er auch an das Ende der Welt die er kannte.

Dieser unglaublichen Feststellung folgend überfällt ihn mit einem Male dieser aufregende, vibrierende, herzerschütternde Schauer, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggerissen und er aller Kraft beraubt werden würde, der jeden Menschen überkommt, wenn etwas erreicht wird, was all Weltansicht, all Vorstellung, und all Denken zu Nonsens macht, und plötzlich augenöffnend alles möglich werden lässt.

Wie er doch litt, auf der brennenden Kalkebene, unter der flammenden Sonne, der Trockenheit und Dürre; der Todesvisur der Kalkwüste. Wie er doch litt, unter seinen Brüdern und Schwestern den Wüstenbewohnern, die ihn stets leiden ließen, als sie ihn so oft aus ihren wasserspendenden Oasen verbannten, weil er niemals an ihren verkommenen Gewohnheiten teilhaben gedachte und stets seine Überzeugung vertrat, die sich immer anfechtend gegen deren tugendlose Meinung und frevelhaftes Tun richtete. Wie er doch litt, unter der festen Annahme einer unendlichen Kalkwüste und der damit verbundenen Schreckenserkenntnis, dass er niemals rauskommen würde aus diesem teufelsübersäten Todesland, das ihm stetig Hoffnung und Freude, Leben und Kraft forderte.

Alles Nonsens jetzt.

Aias springt, von Euphorie elektrisiert, kopfüber in das fleischgewordne Glück. Das Wasserglas zerbricht tropfensplitternd, und das kühle, nasse, erlösende, lebenschenkende Hazweio füllt seine Poren aus. Das Wasser versetzt ihn auf eine unsichtbare Wolke und lässt seinen staubgeschundenen, hitzegegerbten, salzverkrusteten Körper in Seligkeit gleiten, weit, weit weg vom Leid, hoch im Himmel, vom Engelheer besungen.

Aber nur kurz währt der Glücksmoment, denn als die euphorische Ekstase abgeklungen ist, und Aias den Mund öffnet um seine trockene Kehle mit dem erquickenden Gottessaft zu durchfluten, kommt ernüchternd die unschöne Wahrheit des Ozeans, die er nicht kannte - nicht kennen konnte-, und zwar in salziger Pest, die sich in seinen Mund beisst. Spuckend, prustend, würgend steigt Aias hoch aus dem Wasser und schüttelt die bittere Enttäuschung übers Salzwasser wie die Nässe von seinem Haar ab. Aber er wär kein Wüstenbesieger, wenn er sich davon wirklich berühren ließe. Die Enttäuschung ernüchtert lediglich seine Freude und holt ihn aus dem Rausch in die Wirklichkeit zurück. Aias weiß es zu schätzen, denn er denkt; weh dem, der in der Rauschgrube ohne Seile zurückbleibet.

Trotz der verzehrenden Leere im Magen und der Müdigkeit nach dem Wüstensprint besinnt sich Aias, und so es ihm gelingt, kommen aus der Tiefe seines Denkapparats alte Weisheiten hervor. Er erinnert sich an einen alten Kniff, von den ihm einmal ein Wasserschöpfer erzählt hat.

,,Wenn er im Hazweio Übelschmeckendes - wie Salz - oder Trübmachendes findet“, sagte ihm der Wasserschöpfer, ,,so muss er das Hazweio in Rauch überführen, und diesen Rauch dann einfangen. Denn dieser Rauch ist das reine, klare, gute Hazweio. Das Übelschmeckende, Trübmachende bleibt unverdunstet zurück.“

Im Grunde also ganz einfach, denkt sich Aias, aber gleichzeitig auch nicht, erkennt er, als er überlegt, wie ers anstellen sollt.

Als wasserverdampfende Hitzequelle würd ihm die Todesblende gute Arbeit leisten, doch er bräuchte etwas, womit er den aufsteigenden Dampf einfangen könnt. Aber was würde ihm hinsichtlich dessen nützlich sein? So sehr er sich auch anstrengt, nicht findet Aias eine Antwort darauf. Zumindest jetzt nicht, im Dunkel der Nacht. Aber vielleicht erscheint im Tageslicht ihm eine Lösung, denkt er sich, und kommt weiter zum besonnenen Schlusse, dass er damit dem Wachsein ein Ende setzen sollt, um wenigstens einem Verlangen des müden Fleisches nachzugeben.

Also legt sich Aias aufs weiche Sandbett zu ruhen und entschlummert den rauschenden Meereswogen und dem sternichten Nachthimmel. In dieser Nacht träumt er von fernen Ländern voller zauberhafter Orte mit seltsamen Gebilden, und die ganze Zeit über begleitet ihn in seinem Traume das melodische Klingen jener seraphischen Stimme des Mädchens, in Form eines purpurnen Lichtes.

Als die dämmernde Morgenröte erwacht, weckt ihn die rosane Sonne mit warmen Strahlen. Aias öffnet die Augen und ist zugleich erstaunt und im Herzen bewegt ob des ehrfurchtgebietenden, wunderschönen Bildes, das sich ihm bietet, wo doch er sein Leben lang nur die wenigen Farben der Kalkwüste gespähet; Azures Wasser das in Wellen dunkleren Marinblaus zerfließt, leicht rötlich schimmernd in den Rosenfingern der Frühe. Hazweio, so weit das Auge schauen kann. Links wie rechts, bis an den Horizont, über dem noch vereinzelte Sterne glimmen – blauer Ozean.

Mit dem jähen Tatendrang, der durch die Verwirklichung nie für möglich gehaltener Vollkommenheit aufkommt, steht Aias behende auf, und macht sich sogleich daran gestrige Frage zu beantworten, und eine salzentferndene Wasserapparatur zu bauen, denn schmerzend erinnert ihn bei jedem Atemzug seine trockne Kehle an den Durst.

Nach Verwendbaren spähend folgt er dem Strand nach Osten, aber wie er es gewohnt ist aus der Kalkwüste, ist nichts zu erspähen auf dem eintönigen Boden.

Nichts ragt heraus oder hervor aus den leeren Dünen soweit sein Auge schaut. Also lässt er ab von dem Sand, um wie auf Engelsfüßen durch das Wasser zu waten, und wird überrascht: Sowie er im Meer steht, erblickt er durch den ständig wechselnden Schimmer der Meerhaut ein Funkeln am Grund des seichten Wassers, gar nicht weit entfernt. Von Neugier gepackt watet er darauf zu, und sieht, dass es sich um große perlmuttschalige Muscheln handelt, die am sandigen Grund das einfallende Sonnenlicht reflektieren.

Manche sind tellerförmig, manche stachelig, andere wiederum schüsselförmig und hohl. Die Natur hat Wunderliches vollbracht, und die großen Kriege haben es wunderlich verzerrt, denkt Aias, und hofft inbrünstig, dass er den Schalen etwas Essbares abringen kann. Er greift sich gleich ein paar, woraufhin schalenklappernd die Muscheln vor ihm zu fliehen versuchen und das Wasser brodelt. Aber umsonst ist ihr Versuch, denn weit überlegen ist ihnen der Mensch. Dann bekommt er eine Eingebung.

Wie von Geisterhand gemalt zeichnet sich vor seinem Auge ein Bild einer salzentferndenen Vorrichtung ab, als er eine riesige tellerförmige und eine schüsselartige Muschel hält, und mit einem Male weiß Aias genau, was zu tun ist: Zuerst gräbt er im weichen Sand am Ufer ein tiefes Loch, mit einer Erhöhung in der Mitte – so tief, bis das Bodenwasser ellenhoch pegelt.

Anschließend stellt er die schüsselartige Muschel auf die Erhöhung, bedeckt das Wasserloch mit der Tellermuschel, und begutachtet zufrieden sein Werk.

Die kommende Hitze wird das Bodenwasser verdampfen, der Dampf wird sich an der Tellermuschel in Tropfen sammeln, welche dann, wenn die Todesblende weltkühlend gen Nadir verschwindet, die Wölbung hinabrinnen, und von der Mitte in die schüsselartige Muschel tropfen. Es muss funktionieren.

Jetzt heißt es zu warten.

Während der Tag vergeht und die Todesblende zenitbesiegend den schimmernden Ozean in eine blendende Fläche verwandelt, labt sich Aias am zarten und weichen Muskelfleisch, das auf seiner Zunge zerfließt wie Honig. Indes sinnt er über seine Zukunft nach, und je tiefer seine Gedanken führen, desto klarer und deutlicher tönet in seinem Kopf die Stimme des

Abenteuers, die erwacht ist durchs sehen des Unmöglichen; Mit Leben durch und durch gefüllte Länder warten hinter dem blauen Ozean auf dich.

Wie sehr möchte Aias doch diese Länder besuchen, schneidet ihm doch der Staub und die Hitze der Kalköde wie eine scharfe Schneide aufs Seelenheil.

Aber wie sollt ers ohne Schwimmkunst oder Schiff anstellen, den Ozean zu überqueren, fragt er sich, und schließt, dass es unmöglich ist. Zermürbend dröhnt ihm diese Tatsache im Geiste, die beinahe droht seine Hoffnung fahren zu lassen; zeigend, er habe das Ende der Wüste erreicht, könne sie aber gar nicht verlassen.

Denn gefangen scheint er zu sein, gehalten, von den rasselnden Ketten der Unmöglichkeit. Aber schnell besinnt er sich, Hoffnung schöpfend aus der jäh aufkommenden Erinnerung an den Engelsklang. Es wird sich schon etwas ergeben, tut es das nicht immer, irgendwie?

So er, den blauen Ozean verträumt schauend, in der weichen Sanddüne sitzt und sich an der Fülle des Muschelfleisches freut, singt er ein Lied

Befrei mich aus dem Wüstengriff,

horizonttüröffnend schick mir ein Schiff,

so ich fortkomm, ins unbekannte,

elysion schon im Geist genannte,

wo Kalke fremd wie Zweifel gilt,

und Wälder maln das Augenbild.

Als ers ausgesungen, döst Aias ungewollt ein im weichen Sandbett, aller angesammelten Müdigkeit letzter Wochen Wüstenmärsche wegen, und schläft, bis die Morgenfrühe ihn mit Rosenfingern weckt.

Mehr vor Neugier als vor Durst überprüft er sogleich das Wasserloch, und siehe da, welch Glück: die schüsselartige Muschel ist gefüllt mit Wasser. Doch langsam geht Aias weiter vor - mit dem Argwohn jenes im Leben Geschundenen, der stets für alles zähnebeissend kämpfen musste, wagt ers noch nicht zu jauchzen. Wie oft war ihm doch solch Glück vor Augen gehalten, ja in die Hände gegeben, das sich dann aber herzzerbrechend und argwohnzeugend als bitteres Leid entpuppte. Dennoch wagt ers enttäuscht zu werden, denn dieser Schritt ist unumgänglich um Glück zu erhalten. Er setzt die Perlmuttschale vorsichtig an die Lippen, und gleich wie er den ersten Schluck auf die Zunge fließt, und das Hazweio den Mund krustenheilend mit Leben füllt, ist ihm all Zweifel genommen. Salzfreies Hazweio, o Wonne!

Als ers ausgetrunken, erquickt er sich noch mit Muscheln und marschiert los. Obwohl er hier eigentlich scheinbar Alles zum Leben hat, obwohl ihm die Geißel des Hungertods nichts kann weil er in Muschelfleisch und Wasser schwelgt, reichts doch nicht zum Überleben, denn er besteht nicht nur aus Fleisch und Knochen, sondern noch aus Geist und Seele, und woran das Fleische sich nährt, kann die Seele vernichten.

Also wandelt er den schmalen Grad der Strandlinie entlang, wo zur Linken weiße Kalkwüste, und zur Rechten blauer Ozean bis an den Horizont reichen, und späht beiderseits nach Erhebungen, nach Konturen menschlichen Seins. Aber er erblickt nichts, weder an diesem Tage, noch am Nächsten.

Es vergehen Wochen und Monate, die Aias stets spähend die Strandlinie entlangwandelt, bekräftigt an Muschelfleisch und nie durstend, weil er Wasserlöcher gräbt. Doch niemals sieht er etwas, was aus der ebenen, blauen und weißen Fläche herausragt, und langsam fühlt er, der er viele Tage und Wochen alleine wandelte, und doch nie sich einsam fühlte deswegen weil er immer ein Ziel hatte, an dessen Verwirklichung er schweißtreibend arbeitete, wie sich Einsamkeit in sein Gemüt schleicht. Immer stärker werdend, lässt dies triste Gefühl all Welt durch einen transparenten Schleier völliger Traurigkeit und Leids erscheinen, auf dass innerlich ihm nur die düstersten Gedanken entstehen, denn der Mensch, genauer, dessen Seele, verzehrt sich nach anderen Seelen, ohne die sie verkommt, wie ein in der Wüste freigelassner Wassertropfen, der in den Scharten des Wüstensandes versinket und verdampft.

Allein seine Stimme ist ihm ein zuredender, zunehmender Freund in der Einsamkeit, so er in der siebten Woche, während er unter der zenitichten Todesblende im Wasser sich kühlt, ein Lied anstimmt: Traun, übertriffts die Geißelpein, und Hautbrennen im Flammenschein, wie Einsamkeit den Geist befällt, und alles einem niemehr gefällt.

Als er das Lied gesungen, von Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit zeugend, und weil er schon allzu lange den selben eintönigen Strande gewandert, ohne auch nur kleinste Veränderungen zu erleben, trübt er sich schon in Gedanken, bis ans Ende zu wandeln, den Strand entlang, der schon der Kalkwüste unendliches Ausmaß abgelöst hat, doch dann erblickt er etwas. Über dem Ozeanshorizont, an der flimmernden Linie, wo azures Meer sich mit hellblauem Himmel trifft, ragt undeutlich etwas hervor. Vielleicht ein Schiffsmast, oder gar eine Insel? Oder nur eine Luftstauchung, ein Phänomen, das Aias in den letzten Wochen schon so oft beirrte.

Hastig eilt Aias ins seichte Wasser, faltet seine Faust zum Fernglas, damit einfallendes Sonnenlicht nicht blendend die Augen täuscht, und erkennet dort eindeutig etwas. Was genau es ist, vermag er nicht zu deuten - vielleicht ein Küstenstreifen, vielleicht ein Schiff. Aber Tatsache ist, es is weit entfernt, und Aias weiß nicht, ob ein Mensch überhaupt soweit schwimmen kann. Außerdem; wer weiß, was für Gefahren außer seinem fleischichten Unvermögen lauern? Von menschenfressenden Fischen hat er in Geschichten gehört, Megalodons genannt, was wenns diese auch wirklich gibt? Im Wasser könnt er sich schlecht wehren, sein Steinbeisser wäre ihm unnütz.

Und was, wenn das tatsächlich ein Schiff ist? Er würd es niemals erreichen, wo es doch selber in Bewegung ist, sodass er am Ende auf hoher See verschollen.