Rhode Island Hearts - Nicole S. Valentin - E-Book
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Rhode Island Hearts E-Book

Nicole S. Valentin

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Beschreibung

Bei unserer ersten Begegnung wäre sie fast schwach geworden- jede Faser ihres Körpers hat es mir verraten. Ihre Abfuhr habe ich lediglich dem Ehering zu verdanken, den sie getragen hat. Jetzt wohnt sie nebenan ... Als Olivia White sich für einen Job in Rhode Island entscheidet, hat sie nicht den Hauch einer Ahnung, auf was sie sich einlässt. Die Aussicht auf ein Appartement in Warwick für sich und ihren kleinen Sohn ringt ihr das Versprechen ab, ein Auge auf das Anwesen Sea Grace und dessen ausnahmslos männliche Bewohner zu haben. Wer hätte denn ahnen können, dass sie ausgerechnet von Zachery Carter in Empfang genommen wird? Der sich nicht nur als der Mann entpuppt, der sie seit einer zufälligen Begegnung durch ihre Träume begleitet, sondern nunmehr auch ihr unmittelbarer Nachbar sein wird. Zach ist sprachlos. Er war davon ausgegangen, sie niemals wiederzusehen. Wie kann es sein, dass diese Frau ab sofort in der Wohnung unmittelbar neben seiner wohnt? Wie soll er damit umgehen, dass sie seinen Puls in die Höhe treibt und seinen Blutkreislauf völlig durcheinanderbringt? Scheidungsanwälte verlieben sich nicht. Nie! Und sie hat ihm bereits einmal einen Korb gegeben … Auch dieses Buch der romantischen "Rhode Island Hearts" Reihe entführt dich auf das Anwesen der vielleicht luxuriösesten Junggesellen-WG der Welt, wo eine Menge Urlaubsfeeling, heiße Nächte und ein zahmer Gänserich auf dich warten. Natürlich wieder mit Happy-End-Garantie – versprochen! Jeder Roman der "Rhode Island Hearts" Reihe ist eine in sich abgeschlossene Geschichte! Die Bücher können in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden.

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Man kann sich nicht von der Lektüre losreißen

Kurzweilig und unterhaltsam, wen auch etwas absehbar!
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RHODE ISLAND HEARTS

ZACH

NICOLE S. VALENTIN

IMPRESSUM

Nachdruck, Vervielfältigung und Veröffentlichung - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages!

Im Buch vorkommende Personen und Handlung dieser Geschichte sind frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt.

Copyright © 2022 dieser Ausgabe Obo e-Books Verlag,

alle Rechte vorbehalten.

M. Kluger

Fort Chambray 

Apartment 20c

Gozo, Mgarr

GSM 2290

[email protected]

PLAYLISTS

Playlist: Spotify - Nicole S. Valentin – Rhode Island Hearts – Zach

Playlist: Spotify - Nicole S. Valentin – Rhode Island Hearts – Lucas

INHALT

Playlists

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Epilog

Rhode Island Hearts - Lucas

Über OBO e-Books

PROLOG

Gutgelaunt werfe ich einen Blick in den Spiegel des Fahrstuhls. Der Friseur hat mein dunkelblondes Haar kunstvoll aufgesteckt, und das knallenge tiefrote Kleid schmiegt sich wie eine zweite Haut an meinen Körper. Zum Glück habe ich die schlanke Figur meiner Mutter geerbt, obwohl meine Brüste gern eine Körbchengröße mehr haben könnten.

Aber ich will mich nicht beschweren.

Immerhin habe ich bereits ein Kind geboren und kann es mir trotzdem noch erlauben, ohne BH vor die Tür zu gehen. Die Tatsache, dass ich dafür noch nicht mal einen Schönheitschirurgen bemühen musste, lässt einige Frauen in meinem Bekanntenkreis vor Neid grün anlaufen.

Ich grinse in mich hinein, zupfe ein letztes Mal an einer vorwitzigen Locke und schiebe das Kleid gerade, ehe sich die Türen des Lifts mit einem Pling öffnen und mir den Weg zum Appartement meiner besten Freundin Summer freigeben.

Summer arbeitet hier in New York für ein angesagtes Plattenlabel und es kommt durchaus vor, dass meine Person als Begleitung für besondere Ereignisse herhalten muss. Ich habe schon mit manchen Superstars auf dem roten Teppich gestanden.

Heute ist es die Restauranteröffnung eines Künstlers, der bei Summer unter Vertrag steht.

Eine Party mitten in Chelsea mit gutem Essen, netter Unterhaltung und der Option, mich mal wieder aufhübschen zu können – mehr war nicht nötig, um Noah, meinen siebenjährigen Sohn, für diese Nacht auszuquartieren, bei Raoul einen Termin zum Spitzenschneiden zu vereinbaren und den roten Lippenstift mal wieder aufzutragen.

Das Kleid mit dem tiefen Rückenausschnitt und Neckholderverschluss habe ich mir gestern erst gekauft, und dass es mir auch heute noch gefällt, bedeutet wohl, dass ich einen Volltreffer gelandet habe.

Summer öffnet mir die Tür und versucht gleichzeitig, einen Ohrring zu fixieren, wohl auch, damit er nicht in den cremefarbenen Hochflorteppich fällt und so auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Sie pfeift durch die Zähne, als sie mich sieht. „Rattenscharf, Schwester. Und damit meine ich nicht nur den Fummel.“

„Das will ich doch hoffen. Phils Kreditkarte glüht jetzt noch.“

Summer grinst. „Sag deinem Ehemann, ich wäre unter bestimmten Bedingungen auch käuflich.“

Ich schnalze mit der Zunge. „Nicht doch, ich gebe dir sein Kärtchen auch so. Du musst nicht erst mit ihm schlafen, um dir ein anständiges Kleid gönnen zu können.“ Ich deute auf den Bademantel, den sie noch immer trägt und unter dem lediglich die schwarze Spitze ihrer Wäsche hervorblitzt.

Summer beginnt zu lachen. „Ach, wir brauchen keine Kleider. Hatte ich dir etwa verschwiegen, dass es eine Dessous-Party wird?“, zieht sie mich auf und ich hebe eine Augenbraue.

„Ich habe erst gar keine Unterwäsche an, zählt das auch?“

Das bringt sie nur noch mehr zum Lachen. „Gib mir 5 Minuten, dann können wir los.“

~oOo~

Das Lokal ist gerappelt voll und zu meiner Erleichterung sind wir nicht gezwungen, uns an die Bar zu quetschen, um auf unseren Tisch zu warten. Wir haben eine Reservierung des Inhabers und Summer stolziert am wartenden Volk vorbei, folgt der hübschen dunkelhaarigen Angestellten zu unserem Platz.

Der Industriecharme der hohen Decken in Kombination mit der diffusen Beleuchtung der Location, lässt die in dunkelrot gehaltene Tischdekoration der teuren Kirschholztische edel schimmern.

„Livie, ich bin beeindruckt. Die Farbe deines Kleides passt sogar zur Inneneinrichtung.“ Summer nimmt unsere längst bestellten Drinks von der Bedienung entgegen, während ich meinen Blick noch immer bewundernd über das Interieur gleiten lasse.

„Ich hab´s eben drauf.“ Damit pflücke ich ihr meinen eigenen Martini aus der Hand und proste meiner Freundin zu. „Auf einen netten Abend.“

„Den werden wir haben.“ Sie nimmt einen Schluck und sieht kurz an mir vorbei, ehe sie aufspringt und dabei fast ihr Glas fallen lässt. „Oh, da ist Will. Was macht er denn hier?“, fragt sie mich, als wenn ich ihr darauf eine Antwort geben könnte. Dabei habe ich noch nicht mal eine Ahnung, welchen Will sie überhaupt meinen könnte.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihrem Blick zu folgen und den Mann anzustarren, in dessen Armen sie vollends verschwindet.

Groß, blond, sehr gut gebaut.

Also nichts, was ich nicht schon tausendmal an Summers Seite gesehen hätte. Doch es ist eher sein Freund, der mich starren lässt. Das dunkle Pendant zu Will, der sich innig mit meiner Freundin unterhält.

Livie, du bist verheiratet!

Ja, aber gucken ist erlaubt, oder nicht?

Und überhaupt – Phil hat mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr schick ausgeführt. Ist es dann nicht verständlich, dass ich mir woanders Appetit hole?

Die drei kommen auf mich zu und Summer strahlt über das gesamte Gesicht, was mich zunehmend neugierig werden lässt.

Es gibt nicht viele Männer, die Summer zum Strahlen bringen.

„Livie, das ist Will ..., Will, meine beste Freundin Olivia.“

Niemand anderes als das gefühlt einzige männliche Unterwäschemodel der Fifth Avenue steht vor unserem Tisch und streckt mir seine Hand entgegen. „Endlich bekomme ich Livie mal zu sehen.“ Er bedenkt mich mit einem Lächeln, das wahrscheinlich sämtlichen Frauen New Yorks ein feuchtes Höschen bescheren würde. „Ich hatte schon die Befürchtung, Summer hat dich erfunden, wenn sie mir von dir erzählt.“

„So, da hast du mir einiges voraus, denn ich habe noch nie etwas von dir gehört“, gebe ich zurück und drehe meinen Kopf in Summers Richtung, die ihren Will noch immer angrinst.

Was ein wenig albern wirkt, da sie den Kopf weit in den Nacken legen muss.

Schließlich wird sie sich meiner bewusst und legt die Stirn in unhübsche Falten, ehe sie mich ansieht. „Selbstverständlich habe ich dir von Will erzählt. Mein Cousin!“

Ach, dieser Will …

„Du hast wohl lediglich vergessen zu erwähnen, dass er auf jeder Werbetafel in New York zu finden ist.“ Ich grinse, denn Wills Schultern scheinen nur noch breiter zu werden, sofern das überhaupt möglich ist.

Sieh an, offenbar genießt er diesen Auftritt.

„Nicht auf jeder Werbetafel.“ Er hebt ein wenig selbstverliebt den Mundwinkel und ich nippe an meinem Martini.

Was soll ich zu so viel zur Schau gestelltem Testosteron auch sagen?

„Wie außerordentlich schade.“ Ein leichter Hauch von Ironie, die er jedoch nicht herauszuhören scheint.

Es ist sein dunkelhaariger Freund, dessen tiefblaue Augen vor Belustigung aufblitzen, und ich halte einen Augenblick die Luft an. Wenn er auf einige Entfernung bereits gefährlich gut aussah, jagt es mir jetzt einen Schauer der Erregung über die Wirbelsäule, dass er kaum mehr als zwei Schritte von mir entfernt steht.

Ein zynischer Zug liegt um seinen sinnlich geschwungenen Mund. Ein Grübchen ziert sein markantes Kinn. Eine gerade Nase und leicht schrägstehende Augen machen diesen attraktiven Mann zu einer fleischgewordenen Sünde. Die langen schlanken Finger seiner großen Hand umschließen sein eigenes Glas.

Er sieht mich trinken und hebt sein eigenes Getränk gegen die Lippen, von dem ich annehme, dass es sich um Whiskey handelt. Sein Blick fängt den meinen ein und mein Puls erhöht sich augenblicklich.

Ich spüre meine Brustwarzen hart werden und hoffe, dass meine Finger nicht zittern, als ich das Glas senke, unfähig, seinem Blick auszuweichen.

Mein Mund ist mit einem Mal staubtrocken.

Dein Verhalten ist fragwürdig, Olivia!

Mit einem verlegenen Räuspern versuche ich, meine überraschende Erregung zu überspielen.

„Zach. Zachery Carter.“ Er lächelt mich an und ich klimpere einfältig mit den Wimpern, als seine sonore Stimme durch meinen Magen flirrt.

Das hat mir gerade noch gefehlt!

„Olivia White ... Livie.“ Mein eigenes Lächeln wirkt angestrengt und es steht zu befürchten, dass meine Gesichtsmuskeln verkrampfen. Mir bleibt keine Zeit, meinen äußerst verstörenden Empfindungen auf den Grund zu gehen, denn Summer bietet den beiden Männern einen Platz an unserem Tisch an, was sie lächelnd annehmen.

„Warum nicht? Wir sind erst später verabredet.“

Selbstverständlich sind sie verabredet. Männer wie diese verbringen mit Sicherheit keinen Abend in der Einsamkeit ihres Bettes. Sofort versuche ich, mir die Frauen vorzustellen, die den beiden gefallen könnten. Unauffällig sehe ich mich um, doch keine einzige der hier anwesenden holden Weiblichkeit erscheint mir würdig, neben Zach liegen zu dürfen. Keine einzige außer mir.

Das unerwartete Pulsieren zwischen meinen Schenkeln lässt meine Nasenflügel beben. Fast bekomme ich ein schlechtes Gewissen, denn in Gedanken bin ich meinem Ehemann Phil soeben fremdgegangen.

„Man könnte fast annehmen, dass du noch auf jemanden wartest.“ Zachs Atem streift die zarte Haut meines Halses, als er sich zu mir beugt.

Ich drehe ertappt den Kopf. Sein Lächeln wärmt mich von innen heraus und ich unterdrücke den Drang, mir mit einer Serviette kühle Luft zuzufächeln.

„Nein“, ich lege eine Hand auf den Tisch, schiebe mein Glas hin und her, um meine Finger irgendwie zu beschäftigen. „Ich bin heute nur mit Summer verabredet.“ Ich hebe kurz den Blick. Seine irritierend blauen Augen machen mich nervös.

„Womöglich ist das ja mein Glück.“ Er stellt sein Glas neben meines, berührt flüchtig meine Finger. Ein Schauer rieselt mir über die Wirbelsäule, während er fortfährt: „Ich bin für einige Tage in der Stadt. Vielleicht hast du Lust, den morgigen Abend mit mir zu verbringen?“ Ich sehe eine Reihe ebenmäßig weißer Zähne aufblitzen, als er mich anlächelt.

Es steht außer Frage, dass er nicht damit rechnet, dass ich ihm eine Abfuhr erteile. Und ich gebe offen zu, dass ich viel zu neugierig bin, wohin uns dieses Gespräch führen wird.

„Was wird nur deine Verabredung davon halten, dass du dich jetzt schon anders orientierst?“

„Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß, oder?“ Seine Augen funkeln spitzbübisch und ich lehne mich zurück. Verschränke meine Arme vor der Brust.

Er spürt wohl, dass mir dieser Charakterzug nicht gefällt, und rudert augenblicklich zurück. „Es ist Wills Verabredung. Ich kenne die Damen nicht, die wir später hier treffen werden.“ Er leckt sich über die sinnlichen Lippen und meine Augen heften sich auf die glänzende Spur, die seine Zunge hinterlässt. Die Bilder, die unverzüglich meine Fantasie beflügeln, sind weder jugendfrei noch einer ehrbaren Ehefrau angemessen. Ich unterdrücke ein hingerissenes Seufzen.

Zach sucht meinen Blick. „Ich würde dich gern kennenlernen, Livie. Das werde ich meiner Verabredung auch gern verraten, wenn dir das lieber ist.“

Er betont das Wort Verabredung und ich lache leise auf. Diese Einladung lässt mein Herz höherschlagen.

Und führe mich nicht in Versuchung …

Ich zögere meine Antwort hinaus, ohne genau zu wissen, warum. Ich bin verheiratet. Niemals würde ich auf Zachs Angebot eingehen. Doch ich belüge mich auch nicht, indem ich behaupte, dass sein Interesse mir nicht schmeichelt.

„Und was schwebt dir für einen gemeinsamen Abend so vor?“ Ich bin gewillt, meinen Augenaufschlag als verführerisch zu bezeichnen. Auch mein Lächeln ist ein Versprechen. Jedoch keines, das ich einzulösen gedenke.

Nein, dieser harmlose Flirt ist ein Appetizer, den ich mit meinem Ehemann genießen werde.

„Muss ich dir das verraten?“ Schlafzimmertimbre.

Ich stütze meinen Ellbogen auf den Tisch und lege das Kinn auf die Faust. Verliere mich einen schwachen Moment in der Illusion, was geschehen könnte, wenn …

Doch Zachery Carter wird gleich mit Will zu irgendeiner wenig sinnerfüllten Verabredung entschwinden, mit der er eine heiße (un)vergessliche Nacht verbringt. Während ich selbst bei Summer übernachte, da Noah ebenfalls nicht zu Hause schläft.

Wieder dieser verstörende, taxierende Blick aus meerblauen Augen, und mir wird bewusst, dass ich auf seine letzte Frage nicht geantwortet habe.

Wo? Wann? Zimmernummer? Welches Hotel?

„Ich bin verheiratet.“ Spröde hebe ich die beringte Hand. Niemals vorher schien der in Weißgold gefasste Diamant größer zu sein. Zachery Carter greift nach meinen Fingern, betrachtet das Schmuckstück. Sein Daumen streicht über meine Handfläche, lässt mich regelrecht erbeben. Mein Herz klopft mir in den Hals und die Atmung fällt mir zunehmend schwerer.

„Ausgesprochen bedauerlich.“ Ein niederschmetternd schönes Lächeln lässt eine Reihe ebenmäßiger weißer Zähne aufleuchten. „Aber nichts ist bekanntlich für die Ewigkeit, Olivia White.“ Seine Lippen berühren fast meine Fingerspitzen und Feuchtigkeit sammelt sich zwischen meinen Schenkeln. „Dann vielleicht beim nächsten Mal.“

Ein sehnsuchtsvolles Kribbeln durchfährt mich unvermittelt.

Frustriert leere ich mein Glas, als Zach meine Hand wieder loslässt, um auf eine Frage zu reagieren, die Will ihm gestellt hat.

Ich nutze die Gelegenheit, um zu den Waschräumen zu fliehen.

Verfluchte Scheiße!

Offenbar brauche ich Sex.

Dringend.

Ich überfliege die Zeitspanne, die seit meinem letzten Stelldichein mit meinem Ehemann vergangen ist, und höre mein inneres Aufstöhnen, als sich die Tage oder auch Nächte auf eine unfassbar hohe Zahl summieren.

Wirklich?

Wann haben Phil und ich aufgehört, jeden Tag zu vögeln?

Oder besser gefragt, warum haben wir nach Noahs Geburt nicht irgendwann wieder damit angefangen? (Noah ist sieben, Möglichkeiten gäbe es genügend.)

Eine Situation, an der ich unbedingt etwas ändern sollte.

Als ich zurückkomme, sind die Männer verschwunden und Summer schiebt mir eine Visitenkarte über den Tisch. „Nicht, dass du einen Scheidungsanwalt brauchen würdest, aber Zach hat darauf bestanden, dir seine Karte zu geben. Er hätte gern auf dich gewartet, aber Will hat ihn regelrecht hinausgezerrt.“

Sie grinst dämlich und ich nehme die Karte, schiebe sie in meinen BH, ohne auch nur einen Blick darauf geworfen zu haben. Sie brennt regelrecht Löcher in meine Haut und knapp drei Stunden später verabschiede ich mich von meiner besten Freundin.

Auch wenn ich ursprünglich bei ihr übernachten wollte: Heute Nacht treibt mich die Sehnsucht zu meinem Ehemann.

Erwähnte ich, dass ich ein Händchen für Überraschungen habe?

1

„Was soll das bedeuten – du lässt dich scheiden?“ Meine Mutter ist hysterisch.

Das ist sie oft und gern. In der Regel lasse ich sie toben, überreiche ihr anschließend ein Glas des guten Brandys, der extra für diese Fälle in der Bar steht, und schon beruhigt sie sich wieder.

Doch dieses Mal ist es komplizierter.

Ich bin der Grund ihres Ausbruchs.

Oder vielmehr ist es die Situation, die ich heraufbeschworen habe. Wie ein kleinliches, dummes Kind - sie wird nicht müde, es zu betonen.

Mich verlässt langsam die Geduld.

„Mom, beruhige dich. Du reagierst über.“

„Ich?“ Sie schreit und ich kneife die Augen zusammen. „Du lässt dich scheiden, nur weil dein Mann dich einmal … ich wiederhole – einmal betrügt, und ich reagiere über?“ Sie fächert sich Luft zu und lässt sich schwer in den Sessel fallen, der rein zufällig gut positioniert hinter ihr steht.

An meiner Mutter ist eine großartige Hollywood-Diva verlorengegangen. Leider lebt sie in New York und ihr Publikum ist entsprechend weniger leicht zu beeindrucken.

„Mom, er hat mich nicht einmal betrogen, sondern über einen langen Zeitraum mit derselben Frau. In unserem Ehebett.“

Ja, das war eine Überraschung. Nicht nur für mich.

Als ich an besagtem Abend unverhofft in unserem Haus aufgetaucht bin, lief seine Auserwählte nackt von meiner Küche in mein Schlafzimmer, um sich auf meiner Seite des Bettes unter meiner Decke zu verstecken. Vor mir.

Und hätte Phil es gewagt, mir zu versichern, dass es nicht das ist, wonach es aussieht, ich fürchte, ich hätte beide mit meinem Kissen erstickt.

Er war jedoch so taktvoll, die nötigsten Sachen einzupacken, einschließlich seines Betthupferls, um mit ihr das Haus zu verlassen.

Ich bin freiwillig in Noahs Zimmer gezogen, in der leisen Hoffnung, dass sie es in diesem Raum nicht getrieben haben.

So weit, so gut.

Diese unschönen Ereignisse sind mittlerweile sechs Wochen her und so langsam muss ich darüber nachdenken, wie es weitergehen wird. Für Noah, für mich.

„Ich habe einen Termin und bin eigentlich nur gekommen, um dich zu bitten, Noah vom Schulbus abzuholen. Ich weiß nicht, wann ich wieder zurück sein werde.“

Sie hört auf, mit der Hand wild vor ihrem Gesicht zu wedeln, und sieht mich abschätzend an. „Was für einen Termin hast du denn? Etwa mit einem Scheidungsanwalt? Ach du liebes bisschen!“

Gerade als sie Schwung holen möchte, um mit dem Fächern fortzufahren, bekomme ich ihr Handgelenk zu fassen. „Mom, bitte. Ich habe einen Termin mit meinem Schuldirektor. Ich möchte mehr arbeiten und deshalb treffe ich mich mit ihm.“

„Du willst mehr arbeiten?“ Wieder ein schriller Unterton und ich seufze, bedauere nicht zum ersten Mal, dass wir uns gegen ein Au-pair-Mädchen und für meine Mutter als Babysitter entschieden haben.

Ich arbeite nur als Urlaubsvertretung in einer Middleschool und bisher war das die perfekte Lösung.

Bisher.

„Ja, Mom, stell dir vor, ich werde mich um eine Vollzeitstelle bewerben. Noah ist alt genug und ich habe Zeit.“

„Zeit? Wo nimmst du sie her? Du bist Mutter und Ehefrau.“

„Zukünftig werde ich eben Mutter und Lehrerin sein.“ Ich lächle zuckersüß und meine Mutter schnappt nach Luft. Mit einem flüchtigen Blick auf meine Armbanduhr wiederhole ich die Frage. „Also, wärest du so freundlich, Noah heute am Schulbus abzuholen? Sonst rufe ich die Mutter eines Klassenkameraden an, ob sie ihn …“

„Das wird nicht nötig sein, ich habe immer Zeit für Noah.“

Diesen unterschwelligen Vorwurf in meine Richtung überhöre ich mit der mir von Gott gegebenen Ignoranz. Womöglich habe ich sie auch von meiner Mutter geerbt.

Wer weiß das schon so genau?

„Sehr gut. Ich hole ihn dann später ab.“

Noch ehe sie mich mit weiteren Nettigkeiten segnet, verlasse ich mein Elternhaus.

Die Verhandlungen gestalten sich zäh und ich merke, wie meine Konzentration langsam nachlässt. Ich lege den Stift auf die Scheidungsvereinbarung und sehe mich am Tisch um. Die Parteien – mein Mandant, ein Großfabrikant in den Sechzigern, und seine Noch-Ehefrau sowie deren Anwältin Tess … nein, ich meine natürlich Miss Knight.

„Wir sollten eine Pause machen. Miss Knight, Sie sollten diese Zeit nutzen, Ihrer Mandantin unmissverständlich klarzumachen, dass es nur diese eine Möglichkeit für sie gibt. Mein Mandant wird ihr keinen Cent mehr zusprechen, als aus der Vereinbarung hervorgeht. Denn“, ich sehe Tess` Mandantin, eine aufgetakelte, aufgespritzte Schnepfe in den Dreißigern, mit einem unerbittlichen Lächeln an, „das hat sie unterschrieben und ihr Einverständnis bereits erklärt. Ansonsten“, mein Blick wandert von der Noch-Ehefrau zu Tess zurück, „sehen wir uns vor Gericht.“ Mit einem Nicken an Grant Flanning, meinen Mandanten, erhebe ich mich und er folgt mir mit gesenktem Blick aus dem Besprechungszimmer.

Susan, meine Assistentin, scheint auf diesen Moment gewartet zu haben, denn das Tablett in ihren Händen verrät mir, dass sie bereit ist, unsere Gäste mit neuem Kaffee zu versorgen.

„Mr. Carter, vielleicht sollte ich ihr doch …“

Der Zweifel in Mr. Flannings Stimme ist nicht zu überhören und ich hebe die Hand. Unterbreche ihn, noch bevor er seinen Gedanken in Worte gefasst hat.

„Mr. Flanning, bitte, was Sie im Anschluss an unsere Verhandlungen tun oder lassen, interessiert mich nicht. Aber hier, an diesem Tisch, bestimme ich, was geschieht. Ihre Frau hat einen Ehevertrag unterschrieben, und mit ihrem Entschluss, diese Ehe zu beenden, greift diese Vereinbarung zu Ihren Gunsten.“ Meine Stimme ist energisch. Kompromisslos.

Mr. Flanning sieht mich mit dem Blick eines geprügelten Welpen an, doch ich halte ihm nur die Tatsachen vor Augen. „Oder wollen Sie mir weismachen, dass es Ihnen nichts ausmacht, dass sich Ihre Frau demnächst mit ihrem Toyboy auf der Jacht räkelt, die Sie mit Ihrem sauer verdienten Geld finanziert haben?“ Ich nutze absichtlich diese saloppe Redeweise, damit er nicht vergisst, warum er mich engagiert hat. Denn das ist die Sprache, die der neue Freund von Mrs. Flanning spricht und die auch sie neuerdings bevorzugt, wie mir mein Mandant erschüttert gebeichtet hat. Niemals hätte er vermutet, dass seine Frau blablabla …

Ich habe es ihm und auch mir erspart zu erwähnen, dass ein glücklich verheiratetes Paar wohl niemals vermutet, irgendwann an meinem Besprechungstisch zu enden.

Und doch passiert es.

Ständig.

Mr. Flanning fährt sich durchs Haar, legt die Finger über seinen Mund und starrt blicklos aus dem Fenster über die Skyline von Providence.

Er kann wirklich von Glück sagen, dass er mich hat.

Um Gottes willen, ich möchte gar nicht wissen, wie viele Jahre ihn diese Frau bereits manipuliert. Jetzt will sie die Scheidung und die Jacht, denn – man höre und staune – ihr zukünftiger Ehemann würde doch so gern die Flitterwochen mit ihr auf dem Meer verbringen.

Wahrscheinlich um sie sofort über Bord zu werfen.

Da Mr. Flanning leider niemals vorher auf die Idee gekommen ist, sich dieses raffgierigen Weibes auf diese Weise zu entledigen, kann ich ihm jetzt wenigstens dazu verhelfen, seiner Noch-Ehefrau nicht mehr von seinem Vermögen zu überlassen, als ihr tatsächlich zusteht.

Nämlich lediglich das Haus und ein läppischer Unterhalt von einer halben Millionen pro Ehejahr. Mithin einen Gegenwert von fast 6 Millionen Dollar.

Davon sollte sie sich eine eigene Jacht leisten können. Zumindest eine kleine.

„Wissen Sie, als ich Jessica damals kennengelernt habe, hätte ich niemals damit gerechnet, dass eine Frau wie sie Gefallen an einem alten Mann wie mir finden könnte.“

Dein Geld war ein durchaus bestechendes Argument, darauf möchte ich wetten.

Mit Zynismus komme ich hier nicht weiter. Nicht zum ersten Mal fällt mir seine zusammengefallene Schulterpartie auf, während er noch immer mit dem Rücken zu mir steht.

Jäh überkommt mich Mitleid mit diesem Mann, der während der andauernden Trennungsverhandlungen bestimmt um weitere 10 Jahre gealtert ist. Das bestärkt mich einmal mehr in meinem Entschluss, mich niemals auf eine Ehe einzulassen.

„Ich bin kein Psychologe, Mr. Flanning, und auch kein Eheberater. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich meinen Job verstehe. Daher müssen Sie mir schon vertrauen.“

Er dreht sich zu mir um und in seinen Augen liegt nun mehr Entschlossenheit, als er nickt. „Das tue ich, Mr. Carter.“

„Gut.“ Ich wähle Susans Durchwahl. „Würdest du der Gegenseite sagen, dass wir für heute unterbrechen?“ Mein Mandant hebt seine Augenbrauen und ich bedenke ihn mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Genau, ein neuer Termin in der kommenden Woche. Danke, Susan.“

„Aber, Mr. Carter, …“

Mit einem Kopfschütteln begleite ich ihn kurze Zeit später zum Aufzug. „Es wird keine Jacht für Ihre Frau geben, Mr. Flanning.“

Seufzend lockere ich meine Krawatte, als sich die glänzende Tür des Lifts hinter ihm schließt und nach unten befördert.

„Das hast du dir ja fein ausgedacht. Mich abfertigen, als wäre ich eine unerfahrene Collegeabsolventin? Nicht mit mir, Zach.“

Ich drehe mich um. „Tess. Ich dachte, meine Assistentin hat einen neuen Termin mit euch vereinbart.“

Sie sieht mich aus schmalen Augen an. „Oh, das hat sie. Aber ich wollte dir persönlich ins Gesicht sagen, was ich von dir und deiner hochmütigen Arroganz halte, die du selbst vermutlich als eloquent und smart erachtest.“

„Das hast du hiermit getan.“ Mit einem Grinsen beuge ich mich vor. Ihr teures Parfum hüllt mich ein, erinnert mich an andere Gefechte, die ich mit ihr ausgetragen habe. „Ich entsinne mich an Situationen, in denen du diese Attribute sehr an mir geschätzt hast.“ Ich lege ein Timbre in meine Stimme, das sofort in ihrem Höschen landen wird. Ihr Hals beginnt prompt, rötlich zu schimmern, und mein Grinsen vertieft sich.

Ich selbst schätze unsere Intermezzi als das, was sie sind. Süße kleine Episoden, um Druck abzubauen.

Sex ohne Verpflichtung.

Tess ist, weiß Gott, eine schöne Frau, doch niemals könnte sie mehr für mich sein.

Keine Frau könnte das.

„Du bist ein unverschämter Scheißkerl, Zachery Carter.“

Sie bringt Abstand zwischen uns und ich straffe meine Schultern. „Ich hoffe, dass du das niemals vergisst und deiner Mandantin dringend abrätst, es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen zu lassen.“ Mit einem Nicken verabschiede ich mich von ihr. „Miss Knight, wir sehen uns in der kommenden Woche, meinetwegen vor Gericht.“ Mit einem anzüglichen Grinsen füge ich zwinkernd hinzu: „Ich lade dich sehr gern ein, meinen anschließenden Sieg gebührend mit mir zu feiern.“

Ja, ich bin ein chauvinistisches Arschloch.

Aber ich kann es mir erlauben – in jeglicher Hinsicht.

2

„Es tut mir leid, Olivia, aber ich kann Ihnen keine Teilzeit-, geschweige denn eine Vollzeitstelle anbieten. So sehr ich Ihren Einsatz und Ihre Arbeit schätze! Aber die Schule hat erst zwei neue Vollzeitkräfte zugeteilt bekommen.“ Sam Rodriguez, mein Direktor, scheint es zu bedauern, dass er keine erfreulicheren Nachrichten für mich hat. „Ich habe mich letztens noch mit einem Freund unterhalten. Er ist Direktor der Park View Middle School in Cranston. Er sucht händeringend nach Lehrkörpern. Und ich habe zu viele an meiner Schule.“ Mit einem Kopfschütteln über diese vermeintliche Ungerechtigkeit sortiert er die Unterlagen auf seinem Schreibtisch.

„Cranston? Rhode Island?“ Meine Haut beginnt zu prickeln. Eine wahnwitzige Idee jagt für den Bruchteil einer Sekunde durch meinen Kopf.

„Ja, genau.“ Er sieht auf, betrachtet mich irritiert.

Ein Neuanfang …

„Es soll hübsch dort sein.“

Er nickt. Langsam und mit schmalen Lippen. „Sogar ausgesprochen hübsch.“

„Würden Sie mir die Kontaktdaten Ihres Freundes überlassen, Sam?“

Eine tiefe Falte zeigt sich über seiner Nasenwurzel. „Jetzt sagen Sie nicht, Sie denken darüber nach, New York zu verlassen?“

„Sie wären meine erste Wahl gewesen, doch ich möchte gern wieder arbeiten.“ Ich sehe ihn an, lächle entschuldigend und auch ein wenig wehmütig.

Im nächsten Moment glättet sich seine Stirn und er schreibt mir seufzend eine Telefonnummer auf einen Zettel. „Es würde mir sehr leidtun, Sie zu verlieren, Olivia“, sein Lächeln ist nicht weniger wehmütig, „aber für Thomas wären Sie ein wahrer Glücksfall.“

Oder er meiner …

Mit einer feierlichen Geste überreicht er mir die Notiz. „Ich schreibe Ihnen gern eine Empfehlung.“

„Ich werde bestimmt darauf zurückkommen. Vielen Dank, Sam.“

In New York würde ich sicher auch eine Anstellung finden. Doch vielleicht ist eine Luftveränderung genau das richtige.

Mit gemischten Gefühlen tippe ich Thomas Mansinis Nummer in mein Handy, nur um etwa 20 Minuten später mit einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch und der Aussicht auf eine Festanstellung als Lehrerin in Rhode Island jubelnd in die Luft zu springen.

Noah ist bei meiner Mutter gerade sehr gut aufgehoben, also mache ich noch einen Abstecher zu Summer ins Label.

~oOo~

Die Mitarbeiter am Empfang lassen mich ungehindert zu Summers Büro durchgehen, nachdem ich mich vergewissert habe, dass sie in keinem Meeting steckt. Die Flasche Schampus ist ein kühles Gewicht in meiner Hand, als ich in ihr Büro trete. „Ich hoffe du hast Gläser hier. Wir haben etwas zu … feiern.“ Fast hätte ich mich an dem letzten Wort verschluckt, denn Summers Cousin Will steht vor der ausladenden Fensterfront und dreht sich lächelnd zu mir um.

„Eine Party? Da bin ich ja gerade richtig gekommen, wie mir scheint.“

Summer sieht ihn an, verdreht die Augen und kommt auf mich zu. „Sag nicht, es hat geklappt mit dem Job?“ Erwartungsvoll nimmt sie mir die Flasche ab und presst sie sich vor die Brust.

Sofort beginne ich wieder zu strahlen. „Ja und nein.“

Sie stutzt und ich muss über ihren Gesichtsausdruck lachen. „Nein, denn Sam hat keine freie Stelle für mich, aber ja, ich habe dennoch ein Vorstellungsgespräch.“

„Wo und wann?“

Ich sehe ihr die Freude über meine Neuigkeiten an. „An der Park View Middle School. Am kommenden Dienstag.“

Sie überlegt offensichtlich, wo sich diese Schule befindet, als ihr Will zu Hilfe kommt.

„Etwa in Cranston?“

Verdutzt sehe ich ihn an. „Genau. Woher weißt du …?“

„Ich habe ein Häuschen in Rhode Island. In Warwick, das liegt ganz in der Nähe.“

Summer lässt die Flasche sinken. „Rhode Island? Livie, das ist … aber weit weg.“

Ich atme seufzend ein. „Drei Stunden mit dem Auto.“

„Die du sicherlich nicht jeden Morgen fahren möchtest“, gibt sie zu bedenken.

„Nein. Ich bin einfach einer Eingebung gefolgt, als Sam mir von seinem Freund erzählte, der dringend Lehrkörper für seine Schule sucht. Und jetzt sieht es so aus, als könnte es tatsächlich mit einer Anstellung klappen.“

Sie hebt die Augenbrauen in die Stirn und drückt Will die Flasche in die Hand, damit er sie öffnen kann. „Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt noch darüber freuen kann.“

„Summer, noch ist nichts entschieden und ich beginne auch erst mit der Wohnungssuche, wenn ich eine positive Rückmeldung der Park View Middle School habe.“

Plötzlich wird Will hellhörig. „Ich könnte behilflich sein. Mein Freund Liam ist Makler in Rhode Island und hat vielleicht eine nette Immobilie im Angebot.“

Summer winkt ab, nimmt drei Wassergläser aus einem Wandschrank. „Will, die Immobilien, die Liam vermittelt, wird man sich schwerlich mit einem kleinen Lehrerinnengehalt leisten können.“

Ich öffne meinen Mund, doch Summer schüttelt vehement den Kopf. „Auch dann nicht, wenn Phil Unterhalt zahlt, Livie. Die Preise dort sind widerlich. Selbst für New Yorker Verhältnisse.“

„Ich werde schon etwas finden. Noah und ich brauchen nicht viel. Unser Haus war immer schon zu groß für meinen Geschmack.“

Wir haben das Eigenheim in Tribeca, einem Vorort von New York, gekauft, als Noah unterwegs war.

Du wirst es lieben, Liebling. Ich höre noch Phils süß gesäuselte Worte, doch jetzt gerade bescheren sie mir lediglich eine Gänsehaut von der unangenehmen Sorte. Dieses Haus scheint mich längst zu ersticken, ebenso wie die Erinnerungen an die nackte Geliebte meines Mannes, die durch diese Mauern geistert.

Nein, dieses Gebäude ist für mich keinen Pfifferling mehr wert.

„Nun, die freie Wohnung in Sea Grace wird sich Olivia leisten können.“ Will grinst seine Cousine an, die schnaubend ein Wasserglas Schampus von ihm entgegennimmt und an mich weiterreicht.

„Sea Grace?“, frage ich interessiert.

Summer schnaubt erneut. „Sein Häuschen in Rhode Island. Mit Stallungen, riesigem Grundstück, eigenem Zugang zum Strand.“ Provokant sieht sie ihrem Cousin ins Gesicht. „Sie bringt ihren Sohn mit.“

So, wie sie Noah ins Spiel bringt, haben ihre Worte etwas von einer Drohung und ich wüsste zu gern, was Summer damit bezweckt. Ich sollte beleidigt sein. Noah ist ihr Patenkind. Und Wills Angebot ist mehr als nur verlockend, das muss ich zugeben.

Er zuckt mit den Schultern. „Ich mag Kinder.“

Summer schließt kurz die Augen, ehe sie mich eindringlich ansieht. „Glaube mir einfach, wenn ich dir versichere, dass du dort nicht wohnen möchtest, Livie. Das ist kein Ort, um ein Kind großzuziehen.“

„Warum?“

„Darum!“ Sie nimmt einen tiefen Schluck aus ihrem eigenen Glas.

Will prostet mir zu. „Meine Cousine befürchtet wahrscheinlich, du würdest in Sea Grace verlottern. Du wärest die einzige Frau unter sechs Männern. Allerdings leben nur drei von ihnen regelmäßig im Haus. Ich selbst habe nämlich ein Appartement hier in New York, Adam lebt über seiner Praxis in der Remise auf dem Grundstück in Warwick – er ist Tierarzt, musst du wissen, und Drake wohnt nur zeitweise im Gästehaus.“

„Das klingt interessant.“ Ich hebe mein Glas an die Lippen, schiele Summer kurz an, ehe ich das Wort wieder an Will richte. „Nun, gesetzt den Fall, ich bekomme die Stelle an der Schule, …“

„… könntest du - auch mit einem läppischen Lehrerinnengehalt“, richtet er sich siegessicher an seine Cousine, „in die freie Wohnung einziehen. Und weißt du was? Ich würde dich sogar fast mietfrei dort wohnen lassen, wenn du dafür …“

„HA! Ich habe es gewusst.“ Summer dreht ihm den Rücken zu und atmet tief in den Brustkorb. „Jetzt kommt sein ABER! Pass auf, was ich dir sage!“

Ich lächle verstehend. Summer kennt Will – im Gegensatz zu mir. Und sie kennt die Lebensumstände im sogenannten Sea Grace. Doch ich bin leider viel zu neugierig. Sollte es so sein, dass sich alle meine Vorsätze und Wünsche an einem einzigen Tag erfüllen?

Ich gebe Will zu verstehen, dass er mit seinen Ausführungen fortfahren darf.

„Solltest du Lust haben, für die verbleibenden … ich nenne sie mal Jungs, hin und wieder etwas zu kochen, und wenn du dich eventuell ein wenig um die Terrasse und die Gemeinschaftsräume kümmerst, ist die Wohnung für dich reserviert.“

Ich spitze die Lippen. Kochen muss ich sowieso. „Was für Gemeinschaftsräume?“

Summer stöhnt auf.

Ich beachte sie nicht.

„Wir haben ein Kino und ein Billardzimmer. Eine große Küche, die du dann wohl selbst nutzen wirst, einen Fitnessraum, den du sehr gern nutzen kannst, der jedoch nicht in deine Zuständigkeit fallen würde. Und die Treppen.“ Er sieht gegen die Decke. „Es gibt leider verdammt viele Treppen in diesem Haus.“

Ich nehme noch ein Schlückchen Schampus. „Ich mache weder eure Wäsche, noch putze ich eure Appartements.“

Er schüttelt bestätigend den Kopf, als wäre das eine handelbare Bedingung gewesen. „Und du musst auch nicht feucht durchwischen. Lucas – er wohnt im Haus und tüftelt gern. Er hat sich dieses Problems bereits angenommen.“

Summer sieht mir ins Gesicht und weiß augenblicklich, dass meine Entscheidung gefallen ist. „Nein! Nein, Livie, nein! Sag ihm, es kommt nicht in Frage.“

Ich nicke Will zu. „Abgemacht. Sollte ich also den Job an der Schule bekommen, nehme ich die Wohnung.“

~oOo~

„Rhode Island, Olivia?“

„Ganz genau.“

Phil streicht sich über sein Kinn und legt den Kopf in den Nacken, ehe er mich ansieht. „Nun gut, ich kann an deiner Entscheidung wahrscheinlich nichts mehr ändern.“

„Nein“, teile ich ihm knapp mit.

Mein Vorstellungsgespräch war ein voller Erfolg.

Mr. Mansini hat mit einem Lächeln gebeichtet, dass er Sam bereits unmittelbar nach unserem Telefonat für die Vermittlung gedankt hat. Auf seine Frage, ab wann ich zur Verfügung stehen könnte, habe ich ohne zu zögern angeboten, mich in Providence beim Departement of Elementary and Secondary unverzüglich um die notwendige Lehrerlizenz für Rhode Island zu kümmern.

Eine reine Formsache, immerhin habe ich alle notwendigen Abschlüsse, Weiterbildungen und ein Empfehlungsschreiben meines letzten Direktors.

„Wann?“

„So schnell wie möglich.“

Er schnaubt.

„Phil, dieses Gespräch ist überflüssig. Ich bitte dich nicht um Erlaubnis, sondern setze dich in Kenntnis. Was im übrigen“, ich sehe ihn an, „ausgesprochen zuvorkommend von mir ist.“

Er schließt die Augen, doch er ist auch klug genug, mir nicht zu widersprechen. „Wo werde ich euch erreichen?“

„Wir wohnen in Warwick. Summers Cousin hat ein Haus dort und er stellt Noah und mir eine Wohnung zur Verfügung.“

„Wie nett von Summers Cousin.“ Er betont nett ausgesprochen ironisch und ich suche mein Chi, um ihn nicht anzubrüllen.

Das würde nur Energie kosten.

Meine Energie.

„Ja, nicht wahr?“, entgegne ich stattdessen leicht schnippisch. „Wie außerordentlich nett, dass du es auch bemerkst.“ Mit einem Blick auf die Uhr hebe ich die Schultern. „Es tut mir leid, aber ich muss los.“