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Vorhang auf für die wahre Liebe – oder ist hinter den Kulissen doch alles nur Fassade?
Der mitreißende New Adult Liebesroman in der Glitzerwelt Hollywoods
Jungschauspielerin Emily James steht kurz davor, ihren Traum zu verwirklichen. Doch die Chance, in Hollywood durchzustarten, bedeutet, ihren Verlobten und ihre Heimat London zurückzulassen. Auf dem Filmset in New York City trifft sie ihren Co-Star, den berüchtigten Frauenheld Julian Baker, der ihr Herz trotz seiner arroganten und mürrischen Art gehörig durcheinanderbringt.
Julian Baker ist fest entschlossen, sich niemals wieder auf eine Frau einzulassen, schon gar nicht auf eine vergebene. Zu tief sitzt sein Schmerz über die Vergangenheit. Dass er sich sofort von Emily, der unbekannten Schönheit am Set, angezogen fühlt, passt ihm daher nicht. Doch mit ihrer liebevollen und offenen Art verdreht sie ihm immer mehr den Kopf. Vorhang auf für die wahre Liebe … oder?
Erste Leser:innenstimmen
„Die Autorin entführt die Leserinnen in die glamouröse Welt Hollywoods und lässt uns hautnah an der leidenschaftlichen Romanze zwischen Emily und Julian teilhaben.“
„Mit einer Mischung aus Romantik, Drama und Herzklopfen hat mich dieser New Adult Roman absolut begeistert!“
„Eine mitreißende Liebesgeschichte, die Hollywoodglanz und echte Gefühle gekonnt miteinander verbindet!“
„Ein fesselnder Enemies-to-Lovers Roman, in dem es knistert und die Vergangenheit für einige Konflikte sorgt.“
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Seitenzahl: 364
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Jungschauspielerin Emily James steht kurz davor, ihren Traum zu verwirklichen. Doch die Chance, in Hollywood durchzustarten, bedeutet, ihren Verlobten und ihre Heimat London zurückzulassen. Auf dem Filmset in New York City trifft sie ihren Co-Star, den berüchtigten Frauenheld Julian Baker, der ihr Herz trotz seiner arroganten und mürrischen Art gehörig durcheinanderbringt.
Julian Baker ist fest entschlossen, sich niemals wieder auf eine Frau einzulassen, schon gar nicht auf eine vergebene. Zu tief sitzt sein Schmerz über die Vergangenheit. Dass er sich sofort von Emily, der unbekannten Schönheit am Set, angezogen fühlt, passt ihm daher nicht. Doch mit ihrer liebevollen und offenen Art verdreht sie ihm immer mehr den Kopf. Vorhang auf für die wahre Liebe … oder?
Erstausgabe September 2023
Copyright © 2025 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten
E-Book-ISBN: 978-3-98778-197-1 Taschenbuch-ISBN: 978-3-98778-562-7
Covergestaltung: ArtC.ore-Design / Wildly & Slow Photography unter Verwendung von Motiven von Shutterstock.com: © Bokeh Blur Background, © kiuikson, © Songquan Deng Lektorat: Tatjana Weichel
E-Book-Version 28.08.2025, 12:34:46.
Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.
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Eine Hommage an New York.
Für Frank.
Du bist mein Gegenstück.
Welcome to New York | Taylor Swift
Legendary | Welshly Arms
Claire de Lune (Piano) | Claude Debussy | Nina Postolovskaya
Trampoline – Jauz Remix | SHAED, Jauz
Believer | Imagine Dragons
Outnumbered | Dermot Kennedy
The End | JPOLND
Africa | BACALL, Malo
Dusk Till Dawn – Bachata Version | DJ Tronky
Girls Like Us | Zoe Wees
Falling | Harry Styles
River | Bishop Briggs
Leave a light On | Tom Walker
The Other Side | Ruelle
Blood in the Water | Empara Mi
Love Me or Leave Me | Little Mix
Seven Devils | Florence + The Machine
Love Me Like You Do | Ellie Golding
Liar | Hooked Like Helen
Nothing Breaks Like a Heart | Miley Cyrus
»Good morning, Ladies and Gentlemen. In wenigen Minuten beginnt das Boarding am Gate 35 für Ihren American Airlines-Flug AA 105 nach New York City, John F. Kennedy International Airport …«, tönte es blechern aus den Lautsprechern.
»Oh je, Leute, das ist wohl mein Stichwort …«
Ein bedauernder Blick auf die Anzeigetafel bestätigte meine Annahme: Ich musste los. Jetzt.
Was sich zuvor wie eine Ewigkeit angefühlt hatte, war nun im Bruchteil eines Wimpernschlags geschehen: Ich musste Abschied nehmen. Und die Tatsache, dass das binnen der nächsten Minuten passieren musste, ließ mich schwer schlucken. Obwohl ich mich wirklich darauf freute, diese einmalige Chance zu ergreifen, würde ich meine Heimat nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen.
Ich schätzte es sehr, dass meine Familie mich zum Flughafen begleitet hatte, um Goodbye zu sagen: Dad, Lucas, mein Verlobter, und Brooke, meine allerbeste Freundin.
Ach, komm schon, drück hier nicht so auf die Tränendrüse, ermahnte mich meine innere Stimme. Du bist nicht aus der Welt!
Aber: Sie waren doch mein Ein und Alles. Meine Felsen in der Brandung. Mein Rückhalt. Sie gaben mir Mut, Hoffnung, Stärke und Liebe. Ohne sie wäre ich nichts. Ich wäre nicht ich.
Jetzt komm mal klar, Mädchen!
Selbstverständlich würde ich ohne sie in New York City klarkommen. Aber trotzdem …
Am Heathrow war heute verhältnismäßig wenig los. Ich würde deshalb nicht lange für die Sicherheitskontrolle anstehen. Ein weiterer, kurzer Blick auf die Anzeigetafel verriet mir, dass die derzeitige Wartezeit weniger als fünf Minuten betrug. Deshalb richtete ich meine Aufmerksamkeit für diese restlichen, wertvollen Sekunden auf meine Begleiter.
»Oh my Gosh, oh my Gosh, oh my Gosh.« Brooke stand kurz vorm Hyperventilieren. »Ich kann es immer noch nicht fassen, dass du gehst!« Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
»Du wirst jetzt nicht heulen, Brooke Stevens!« Ich bedachte sie mit einem strengen Blick.
Stürmisch fiel sie mir um den Hals, schniefte lautstark und drückte mich fest an sich. Puh, für die Tatsache, dass sie so ein kleines und zierliches Persönchen war, war sie ziemlich kräftig.
»Du erdrückst mich noch …«
Aus dem Augenwinkel erkannte ich, dass uns Dad und Luc amüsiert beobachteten.
»Bei wem kann ich mich denn jetzt über die alte Iwanowa beschweren? Und wer hält für mich meine nächtlichen Becher Eiscreme bereit, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann? Oder Liebeskummer habe?«, fragte sie schluchzend.
»Aber Brooke, ich bin doch nicht aus der Welt. Und das Eis bringt dir bestimmt auch deine neue Mitbewohnerin«, versuchte ich mit ein paar aufmunternden Worten, die quirlige Brünette vor mir zu trösten.
»Ja, vielleicht«, murrte sie. »Aber ich kann dich doch nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Zum einen ist da dieser äußerst bescheuerte Zeitunterschied.« Sie schniefte. »Zum anderen bist du bestimmt Tag und Nacht an irgendeinem doofen Set oder sitzt in der Maske oder musst deine Texte üben oder-«
Ich unterbrach sie unsanft in ihrem Redeschwall, schob sie ein kleines bisschen von mir weg und sah ihr fest in die verweinten Augen.
»Hey, stopp! Wir können jederzeit telefonieren oder skypen oder facetimen. Das kriegen wir schon hin! Und wenn es mitten in der Nacht bei mir ist, dann wirst du meine schlechte Laune ertragen müssen, weil du mich geweckt hast. Aber spätestens, wenn ich merke, wer dran ist, ist mir die Uhrzeit doch egal. Du kennst mich doch!« Ich lächelte sie an.
Bravo! Gut gemacht!
»Du wirst mir schrecklich fehlen, Emily.« Sie grummelte und zog dabei eine niedliche Schnute.
»Du mir doch auch! Was denkst du denn?!« Ich zog sie erneut in eine feste Umarmung und strich ihr beruhigend über den Rücken. Als ich das Gefühl hatte, dass sie sich wieder gefangen hatte, löste ich mich von ihr. Mein Dad und Luc warteten geduldig und nachsichtig ob der, zugegebenermaßen, äußerst klischeehaften Mädelsverabschiedung.
»Brooke, lässt du uns auch mal? Es wird Zeit.«
Ich warf Luc einen entschuldigenden Blick zu, den er mit einem lächelnden Kopfschütteln quittierte.
»Wenn es unbedingt sein muss«, entgegnete sie mit schiefem Grinsen, worauf ich sie mit dem Ellbogen leicht anstupste. Ihre Tränen waren mittlerweile versiegt.
»Meine Kleine!« Dad trat an mich heran und drückte mich. Spätestens jetzt war es auch um mich geschehen.
»Ich weiß, ich habe es schon gesagt, aber bitte, pass auf dich auf! Ich weiß, du bekommst mit der Rolle eine riesige Chance und die hast du dir mehr als verdient. Aber denk auch an deinen alten Herrn und treib dich nachts nicht allein in dieser großen Stadt herum. Und zieh nicht mit wildfremden Leuten um die Häuser. Und lass, um Gottes Willen, die Finger von Drogen! Wenn du Probleme hast, ich bin für dich da! Das weißt du. Ich bin nur einen Anruf von dir entfernt.«
»Ach Dad, du bist doch nicht alt.« Ich schniefte an seiner Schulter. »Ich habe dich lieb.«
»Ich habe dich auch lieb, Kleines! Deine Mum wäre so stolz auf dich!«
»Danke, Dad!« Ich schluchzte leise und hörte, wie sich Brooke im Hintergrund lautstark die Nase schnäuzte.
Langsam entließ er mich aus seiner Umarmung. »Ich habe noch eine Überraschung für dich.«
»Eine Überraschung?« Erstaunt hob ich meine Augenbrauen, ehe er aus der Innentasche seines Mantels ein kleines, bunt verpacktes Geschenk herauszog und mir überreichte. »Mach es aber erst später auf, wenn du Ruhe hast, okay, Kleines?«
Ich musterte das Päckchen und nahm die Geschenkbänder prüfend in Augenschein, die total zerknittert und zusammengedrückt am Geschenk klebten. »Okay, danke, Dad!« Völlig überwältigt strahlte ich ihn an.
Er wandte sich ab und nickte Lucas zu. »Brooke und ich werden uns jetzt mal einen Kaffee holen.«
»Was? Nein, danke. Ich möchte keinen Kaffee!« Brooke beäugte meinen Dad mit einem überraschten Blick.
»Doch, möchtest du«, meinte er sanft. »Lassen wir den beiden ein bisschen Privatsphäre.«
Mein Dad liebte meine beste Freundin genauso wie ich. Aber ihm war klar, dass, wenn sie es jetzt nicht schaffte, sich von mir loszureißen, ich hier nie wegkommen, sondern meinen Flieger verpassen würde.
Mit einem Seufzer willigte sie ein. »Ich brauche wirklich dringend einen Kaffee. Mit Schuss!«
Ich sah meinen Vater dankbar an. »Bye, Dad.«
»Bye, meine Kleine«, entgegnete er liebevoll.
Brooke winkte mir zu, drehte sich dann aber noch einmal um. »Wir telefonieren, ja? Und wenn du da drüben auf irgendeinen anständigen Kerl treffen solltest und dieser Kerl auch noch zufällig ziemlich heiß und ein Promi ist, dann besorg mir bitte, bitte seine Nummer.« Sie grinste frech.
»Alles klar! Ich schau mal, was sich da machen lässt«, erwiderte ich lachend und winkte ihr ebenfalls zu, bevor Dad sie sanft am Ärmel mit sich zog.
»Da waren es nur noch zwei …« Ich drehte mich zu Luc um und schlang die Arme um seinen Nacken. Lucas hielt mich an der Taille fest und stützte sein Kinn auf meinem Kopf ab.
»Du wirst mir ganz schön fehlen, Babe«, murmelte er leise in mein Haar.
Als Antwort legte ich meine Lippen auf die seinen und küsste ihn zärtlich. Er quittierte das mit einem heiseren Stöhnen und zog mich enger an sich. In meinem Bauch flatterten sanft die Schmetterlinge. Sein Arm fuhr in meinen Nacken und krallte sich in meinen langen Haaren fest, bevor sein Kuss intensiver und ein wenig forscher wurde.
Ich legte alles in diesen einen Kuss, denn er würde für eine ganze Weile der letzte sein. London und New York waren zu weit voneinander entfernt. Die Strecke konnte man unmöglich ständig pendeln. Außerdem hatte ich in der nächsten Zeit viel zu tun und war mehr als ausgelastet.
»Information zu American Airlines-Flug AA 105 nach New York City, John F. Kennedy International Airport. In Kürze beginnt das Boarding.«
Nun war es wirklich Zeit.
Ich beendete den Kuss und öffnete die Augen. Lucs Nase war nur wenige Zentimeter von meiner eigenen entfernt, er atmete schwer. Dann brachte er etwas Abstand zwischen uns, bevor er mein Gesicht in seine Hände nahm. Er drückte mir ein Küsschen auf die Nasenspitze und betrachtete mich eindringlich.
»Ich liebe dich, Emily James. Mehr als du dir vorstellen kannst.«
»Ich liebe dich auch, Luc«, flüsterte ich lächelnd.
Er löste sich von mir und zauberte eine kleine türkisfarbene Schachtel mit einem weißen Satinband hervor – das unverkennbare Markenzeichen der Tiffany Blue Box. »Ich habe auch etwas für dich.«
Oh, Mannomann!
»Luc …«, stammelte ich.
»Nun mach es schon auf, Ems!« Er drückte mir lächelnd das Schächtelchen in die Hand.
Vorsichtig zog ich an der weißen Schleife, löste den Knoten und hob den türkisfarbenen Deckel an. Es kam eine schlichte silberne Halskette zum Vorschein. An ihr baumelte ein kleiner Herzanhänger samt Mini-Schlüssel.
»Oh, wow, Luc, die ist wunderschön«, entgegnete ich vollkommen berührt. Als ich den Blick hob, sah ich ein stummes Flehen in seinen Augen.
»So kannst du mich immer bei dir tragen. Damit du mich nicht vergisst.«
»Oh, Luc, wie könnte ich das?«
Ein weiteres Mal schlang ich die Arme um seinen Nacken, die Schachtel samt Kette fest in eine Hand gedrückt. Ich gab Luc eilig einen letzten Kuss, packte die beiden Geschenke in meine Handtasche und verabschiedete mich wehmütig. Wenn ich den Flieger und damit die Chance meines Lebens nicht verpassen wollte, musste ich jetzt wirklich aufbrechen.
Uff … Mögen die Spiele beginnen!
In der Ankunftshalle des JFK Airports ging es zu wie in einem Ameisenhaufen. Wo kamen nur all die Leute her?
Ringsherum sah ich Geschäftsleute mit Aktenkoffern, Touristen mit grellbunten Outfits und Rucksäcken, Familien mit schreienden Kindern. Rumstehend, das Handy am Ohr, wild gestikulierend, durcheinanderhetzend. Dazwischen immer wieder schick gekleidetes Flugpersonal.
Wo war ich da bloß hineingeraten?
Überall blinkten mich Werbeplakate, Reklametafeln und Duty-Free-Angebote an. Der Flughafen war regelrecht damit zugekleistert. Auf dem Weg zum Ausgang stach mir eine der Werbeanzeigen besonders ins Auge: die neue Kampagne der Boss Bottled Parfümlinie.
Das war doch Julian Baker! Er trat damit in die Fußstapfen von prominenten Persönlichkeiten wie Chris Hemsworth, Ryan Reynolds oder Gerald Butler. Das Werbeplakat zeigte ihn mannsgroß, breitbeinig, in einem maßgeschneiderten, dunklen Anzug samt halb aufgeknöpftem Hemd. Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, den Blick von schräg unten auf den Betrachter gerichtet – und mit einem absolut unwiderstehlichen Lächeln auf den Lippen.
Oh ja, dieser Kerl wusste definitiv, wie er auf Frauen wirkte.
Aber hallo!
Julian Baker sah gut aus, das musste man ihm lassen. Das durchdringende Azurblau seiner Augen, das perfekt mit seinen dunklen Haaren harmonierte, war unglaublich fesselnd und ließ so manches Frauenherz höherschlagen.
Und das Beste war: Dieser Mann würde in den kommenden Wochen mein Filmpartner sein.
Wie gut, dass dein Herz für jemand anderen schlägt, Mädchen!
Tz! Man wird doch wohl noch schauen dürfen …
Ich hatte grundsätzlich nichts für Promitratsch übrig. Dennoch hatte ich im Vorfeld ein wenig im Internet … sagen wir … nachgeforscht. Ich musste mich schließlich auf meine neuen Kollegen vorbereiten und war nicht scharf darauf, peinliche Überraschungen zu erleben. Oder in vermeidbare Fettnäpfchen zu treten. Laut diversen Klatschseiten ließ Julian Baker auf jeden Fall nichts anbrennen. Angeblich reichte die Liste seiner Verflossenen von Broadwaystars über Models bis hin zu Affären mit seinen Schauspielkolleginnen. Man sollte zwar nicht alles glauben, aber wo Rauch war, war bekanntlich auch Feuer. Zudem sprachen die geschossenen Aufnahmen der Paparazzi für sich.
Die wahrscheinlich bekannteste und am meisten durch die Medien aufgewühlte Klatschgeschichte über Julian war seine langjährige Beziehung zu Jenna Richardson, seinem Ex-Co-Star aus den Kiss & Laugh-Teeniekomödien. Nach ihrer Trennung folgte ein Rosenkrieg, wie er im Buche stand, und seitdem häuften sich die Bilder und Spekulationen über seine Affären. Mich würde man allerdings nicht auf dieser Liste finden.
Ich schob einen der Gepäckwagen mit meinen gestapelten Reisekoffern vor mir her und strebte dabei die gläserne Karusselltür an, um ins Freie zu gelangen. Als ich aus dem Flughafengebäude trat, hieß mich New York City mit tiefstehendem Sonnenschein willkommen. Gleich kramte ich in meiner Handtasche nach meiner Sonnenbrille, um sie mir auf die Nase zu setzen. Die Temperatur war angenehm warm und kündigte den bevorstehenden Frühling an. Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen, lächelte und genoss die sanften Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Ich liebte diese Jahreszeit!
Vor dem Flughafengebäude ließ ich meinen Blick über die volle Taxireihe von Terminal 8 schweifen. Ein pechschwarzer und hochglanzpolierter Range Rover, der zwischen all den gelben Cabs auszumachen war, fesselte meine Aufmerksamkeit. Neben ihm auf dem Gehsteig stand ein Mann im Anzug und hielt ein Schild in den Händen, auf dem Emily James zu lesen war.
Bingo!
Das musste der angekündigte Abholservice sein!
Lächelnd schob ich den schweren Gepäckwagen zu ihm.
»Ms. Emily James?«, fragte er höflich, als er mich entdeckte.
Ich nickte.
»Herzlich willkommen in New York City, Ms. James. Mein Name ist David Porter. Bitte nennen Sie mich David. Ich werde Sie zu Ihrem Hotel fahren.«
»Es freut mich, Sie kennenzulernen, David!« Lächelnd streckte ich ihm die rechte Hand hin, welche er mit einem kräftigen Händedruck schüttelte.
»Nehmen Sie doch bitte schon im Wagen Platz. Ich kümmere mich um Ihr Gepäck.« Dann hob er einen der Koffer vom Gepäckwagen und verstaute ihn im Kofferraum, während ich mich auf die Rückbank setzte.
Wow! Was für ein Auto!
Ich strich mit den Fingern über das glatte, schwarze Leder der Sitze. Es roch alles neu und frisch. Nirgends war ein Staubkörnchen zu sehen.
Es dauerte nur wenige Augenblicke, da nahm David auf dem Fahrersitz Platz und startete den Motor.
»Hatten Sie einen angenehmen Flug, Ms. James?«, fragte er mich, während er im Rückspiegel kurz meinen Blick suchte. Zeitgleich fädelte er den Wagen in den Verkehr ein, und so ließen wir das imposante Flughafengebäude hinter uns.
»Ja, ich bin vom langen Sitzen nur etwas verspannt.« Ich rollte dabei meinen Nacken.
»Ms. Davenport organisiert Ihnen im Hotel bestimmt eine Massage. Wir haben eine etwa einstündige Fahrt vor uns, Ms. James. Bitte bedienen Sie sich gern an der Minibar. Dort stehen gekühlte Getränke und Snacks bereit.«
Eine Minibar? Hier im Auto?
»Sehen Sie den kleinen runden Knopf an der Mittelkonsole? Der öffnet die Klappe des Kühlschranks«, erklärte David, mittlerweile vollkommen auf den Verkehr konzentriert.
Ah, das war also ein Kühlschrank! Das hätte ich nie dort vermutet. Der Inhalt konnte sich sehen lassen! Softgetränke, Bier, eine stattliche Anzahl an kleinen Schnapsfläschchen und verschiedene Schokoriegel. Hershey’s! Meine Lieblingsmarke! Einfach unwiderstehlich! Deshalb schnappte ich mir einen davon. Genießerisch ließ ich ihn auf der Zunge zergehen.
»Sie können auch die Temperatur nach Ihren Wünschen einstellen, Ms. James.«
»Nennen Sie mich doch bitte Emily.«
»Das ist leider nicht möglich«, hielt er dagegen und schüttelte den Kopf. Ich seufzte auf.
Na, schön.
Dann eben dieses alberne Ms. James.
Den Kopf ans Autofenster gelehnt, beobachtete ich die vorbeiziehenden Häuser und Straßen und summte währenddessen leise Welcome to New York von Taylor Swift vor mich hin.
In immer kürzeren Abständen gähnte ich, und es dauerte nicht lange, da nickte ich ein.
»Ich fasse es nicht, dass mir Reagan so ein unerfahrenes Ding vor die Nase setzt!« Aufgebracht stapfte ich durch den Raum und massierte mir angestrengt den Nacken.
»Ach, so unerfahren ist die Neue überhaupt nicht, wenn ich mir ihr Showreel so ansehe«, erwiderte Eddy und schlürfte zur Untermauerung meiner maximal schlechten Laune an einem buntgestrudelten Slushgetränk.
»Heißt genau was?« Entnervt warf ich einen Blick zu dem Tablet, welches er in der Hand hielt.
»Na, ihren Referenzen nach zu urteilen, hat Emily gehörig was auf dem Kasten«, erwiderte er schulterzuckend.
»Woher zum Teufel hast du diese Infos?«
»Ein guter Assistent verrät niemals seine Quellen.« Eddys Augenbrauen hüpften spitzbübisch auf und ab. Dann wischte er weiter auf dem Tablet.
Er machte mich wahnsinnig. »Und was ist das für ein ekelhaftes Zeug, was du da literweise in dich hineinschüttest?« Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich meinen Assistenten an.
Eddy schnalzte mit der Zunge. »Ekelhaftes Zeug, dass ich nicht lache! Das ist ein Einhorn-Slushy! Solltest du auch mal probieren, Julian!« Er gluckste und grinste mich durch seine klobige Nerd-Brille an. Eddy war unverbesserlich.
»Lieber nicht. Also, ihre Referenzen?« Ich nickte mit dem Kinn zum Tablet und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Emily James hat sowohl ihren Bachelor als auch ihren Master of Arts an der London Stage & Dance Academy absolviert.«
Ich lachte auf. »Sie hat an der LSDA studiert?«
»Ja, und seitdem mehrere kleine und ein größeres Engagement am Royal National Theatre in London gehabt.«
»Am NT? Was für Rollen?«
»Zuletzt hat sie die Ophelia in Hamlet gespielt, in einer modernen Adaption von Stephan Lewis.«
»Stephan Lewis? Nie gehört.«
»Ist anscheinend ein ziemlich bekanntes Tier in der Theaterwelt im UK.«
Ich schnaubte. »Aber genau da liegt das Problem, Eddy! Theater! Sie war bisher nur am Theater! Ein himmelweiter Unterschied zur Filmbranche!«
»Das mag schon sein, Jules, aber ihr Studienfach an der LSDA war Film und Theater. Sie hat ihre Ausbildung in beiden Fächern absolviert, zumindest theoretisch.«
»Ja genau! Theoretisch.« Ich fing wieder an, hin und her zu tigern. Das durfte doch alles nicht wahr sein! »Ob sie wirklich was draufhat, wird sich zeigen. Und wenn nicht, bring ich Reagan um.«
Denn wer durfte das sonst am Ende wieder ausbaden?
»Miranda und dein Vater werden sich bei der Auswahl des Casts schon was gedacht haben. Vertrau den beiden.«
Miranda Bright war die Casting Director für dieses Projekt. Zusammen mit Reagan hatte sie die Auswahllisten für die zu besetzenden Rollen erstellt, schrittweise spezifiziert und dann die Castings in New York, London und L. A. geleitet. Da Reagan Hayes der Filmproduzent und – nebenbei bemerkt – auch noch mein nichtsnutziger Vater war, hatte ein obligatorisches Vorsprechen genügt und ich die Rolle in der Tasche. Total lächerlich. Als wüsste nicht die halbe Welt, wer mein Vater war und damit seine Finger im Spiel hatte.
Denn Reagan hatte einen Plan: Er wollte meinen Status des Teeniestars in den eines erfolgreichen und ernst zu nehmenden Schauspielers Hollywoods verwandeln.
»Sie hatte ihre Audition in London?«
Eddy nickte vehement. »Jap. Und auch das Callback.« Er blätterte weiter. »Sie wurde durch das Royal Actors Management vermittelt.«
»Typisch UK. Die setzen einfach überall ein Royal vorne dran, und schon klingt es hochtrabend und besonders.«
Meine Laune sank von Minute zu Minute, zumal mir diese bescheuerte Pressekonferenz am morgigen Tag bevorstand. Ich hasste diese Events, bei denen Reagan mit mir prahlte und die Werbetrommel rührte.
»Ja, aber hallo! Wie es aussieht, ist Emily James der Jackpot. Sie ist ein ziemlich heißer Feger und passt optisch perfekt auf die Rolle der Asheena. Willst du sie dir nicht mal ansehen?« Er hielt mir das Tablet hin.
Ich winkte ab. »Also wie jede andere x-beliebige Schauspielerin. Nein, danke. Ich kriege sie noch früh genug zu Gesicht.«
Spätestens morgen.
»Wie du meinst«, meinte Eddy und ließ es dabei bewenden. Er war mit seinem Slush am Ende angelangt und schlürfte die letzten Tropfen aus dem Plastikbecher. Genüsslich leckte er sich über die Lippen, bevor er den Becher auf dem Couchtisch abstellte.
»Du solltest wirklich aufhören, so ungesundes Zeug zu trinken.« Ich schüttelte den Kopf.
»Warum? Es ist lecker! Und es ist Einhorn-Slushy!«
Ich gab es auf und seufzte. In diesem Moment kündigte ein kurzes Vibrieren auf dem Lowboard die Ankunft einer Nachricht an. Eddy fischte nach seinem Mobile und entsperrte den Bildschirm.
»Dein angeforderter Wagen steht bereit«, teilte er mir mit.
Sara Davenport, Reagans Assistentin, hatte mich darum gebeten, meinen eigenen Fahrer für dienstliche Zwecke ausborgen zu dürfen. Man sollte meinen, Hayes Studios würde über genügend eigene Fahrer verfügen. Aber dem war wohl nicht so.
Aus diesem Grund musste ich jetzt den Chauffeurservice des Dumont Hotels in Anspruch nehmen.
»In Ordnung, dann sollten wir fahren. Ich will nicht den nächsten Streit mit Reagan provozieren, weil ich ein paar Minuten zu spät komme.«
»Na klar!« Gut gelaunt sprang Eddy von der Couch auf, packte das Tablet in seine Umhängetasche und schnappte sich seine Jacke. »Von mir aus können wir!«
»Gut, dann auf!« Ich zog meine Lederjacke über, und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Wagen.
Ich wurde erst wieder wach, als David mich erneut ansprach. »Ms. James? Wir erreichen The Dumont in fünf Minuten.«
»Vielen Dank, David.« Ich gähnte und hielt mir schützend die Hand vor den Mund. Am Rande nahm ich wahr, dass im Hintergrund leise Legendary von Welshly Arms lief.
»Die Fahrt hat aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens etwas länger gedauert als angenommen. Ms. Davenport wird vermutlich bereits auf Sie warten.«
Müde nahm ich die Informationen von David zur Kenntnis. »Okay.« Ich legte den Kopf an der Nackenstütze ab und blickte seitlich aus dem Fenster.
Als mein Blick an einem vorbeiziehenden Gebäude hängenblieb, war ich plötzlich hellwach. Türkisfarbene Flaggen und Markisen zierten die sonst relativ schlicht und in grau gehaltene Fassade des Gebäudes. Eine antike und grünliche Atlas-Figur, die eine Wanduhr über sich trug, thronte oberhalb des Eingangs. War das etwa das eine berühmte Tiffany, welches durch den Film Breakfast at Tiffany’s mit Audrey Hepburns sagenhafter Rolle als Holly Golightly seinen Kultstatus erlangt hatte?
»David? Wo sind wir gerade?«, fragte ich den Fahrer völlig aufgeregt.
»Wir sind eben auf die Fifth Avenue eingebogen und steuern auf direktem Weg das Hotel Dumont an.«
Oh. Mein. Gott. Ich fuhr in diesem Moment die wohl berühmteste Straße New Yorks entlang. War das zu fassen?! Ich griff nach Lucs Kette, die ich mir im Flugzeug um den Hals gelegt hatte, und lächelte selig. Ich liebte Tiffany. Schon immer. Und seit ich die britische Stilikone und mein größtes Vorbild Audrey Hepburn in diesem Film gesehen hatte, noch gleich viel mehr.
David schlängelte sich durch den dichten Verkehr auf die rechte Fahrspur, verlangsamte das Tempo und hielt schließlich vor einem bemerkenswerten Gebäude an.
»Wir sind da, Ms. James.« Er stieg aus, umrundete den Wagen und öffnete mir die Autotür. Auf der Straße rauschten Fahrzeuge vorbei.
Und wow! Oh wow!
Jetzt stand ich vor einem hohen Gebäude im Beaux-Arts-Architekturdesign, dessen Außenfassende aus reich verzierten Kalksteinen bestand. Der dunkelgraue Pavillon über dem imposanten Eingang schützte die Gäste vor Sonne und Regen, darüber wehten die amerikanische und die französische Flagge.
Während ich das Gebäude fasziniert bestaunte, eilten schon die ersten Pagen mit einem Kofferwagen herbei und luden meine Habseligkeiten aus dem Geländewagen aus.
»Die Koffer werden in Ihre Suite gebracht, Ms. James«, teilte mir David mit. »Ich werde mich an dieser Stelle von Ihnen verabschieden. Ms. Davenport wartet in der Lobby auf Sie.«
»Vielen Dank, David. Es war mir eine Freude, Sie kennenzulernen.« Ich lächelte.
»Die Freude war ganz meinerseits«, sagte er, und ein leichtes Zucken in seinem Mundwinkel machte sich bemerkbar. Die erste positive Gefühlsregung, die ich bei dem Kerl sah. Bevor er einstieg und wegfuhr, nickte er mir zum Abschied nochmals zu. Ich winkte kurz. Und seufzte. Am besten ließ ich Sara Davenport nicht noch länger warten!
Ich betrat das Dumont durch eine gläserne Karusselltür und fand mich in einer Lobby wieder, die durch ihre hellen Marmorsäulen und die ausgewählte Farbgebung mit gedeckten Creme-, Silber- und Schokoladentönen eine zeitlose Eleganz ausstrahlte. Absolut überwältigend!
Ein Pianist stimmte im Hintergrund leise die ersten Töne von Debussys Claire de Lune an.
»Guten Abend, Madame! Willkommen im Hotel Dumont«, empfing mich der adrette Mann mit graumeliertem Haarkranz und Henriquatre-Bart an der Rezeption. »Mein Name ist Ted Benedict. Ich bin der Hotelmanager. Was darf ich für Sie tun?« Er lächelte mich freundlich an.
»Hallo, ich bin Emily James.«
»Ah, Ms. James. Ihre Suite ist bereits für Sie vorbereitet. Ich bräuchte nur noch Ihren Reisepass. Den Rest hat Mr. Hayes schon für Sie erledigen lassen.«
Ich reichte ihm meinen Pass über den hochglanzpolierten Rezeptionstresen, und nach kurzer Überprüfung gab er ihn mir direkt wieder zurück. »Mit Ihrer Schlüsselkarte gelangen Sie in all unsere Einrichtungen«, erklärte er. »Unser Haus verfügt über ein exklusives Spa, ein eigenes Fitness-Center und ein Schwimmbad. Sollten Sie einen besonderen Wunsch haben, steht Ihnen unser Zimmerservice rund um die Uhr zu Diensten. Gerne begrüßen wir Sie aber auch in unserem Café Le Parisien, in unserem Restaurant Le Voyage oder in unserer Hotelbar Le Pinot Noir, die täglich ab 17:00 Uhr geöffnet hat. Ab 22:00 Uhr steht Ihnen zusätzlich unsere Rooftopbar 360 degrés zur Verfügung, die einen herrlichen Blick auf die New Yorker Skyline bietet. Unser Haus verfügt zudem über einen erstklassigen Chauffeurdienst, welcher Sie gerne überall hinbringt und natürlich auch wieder abholt. Sollten Sie mich einmal nicht an der Rezeption antreffen, können Sie sich vertrauensvoll an einen der drei Clefs d’Or-Concierges wenden, welche sich bemühen, Ihnen sämtliche Wünsche zu erfüllen. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?«, ratterte er fröhlich herunter und sah mich dann abwartend an.
Uff … Völlig überfordert schüttelte ich den Kopf »Im Moment nicht, nein. Vielen Dank.«
»Dann wünsche ich Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserem Haus. Ich werde Sie jetzt noch zu Ms. Davenport bringen. Sie erwartet Sie bereits. Bitte folgen Sie mir!« Mit einer ausladenden Handbewegung wies er mich in den hinteren Teil der Lobby, der von einer vielseitigen Auswahl an modernen Kunstwerken, maßgeschneiderten Sitzmöbeln und hochwertigen Teppichen gesäumt wurde.
»Ms. Davenport?«, machte Mr. Benedict auf uns aufmerksam und unterbrach eine Frau, die auf einer der hinteren Couches über ihr Tablet gebeugt saß. Diese sah auf. »Ms. James ist soeben eingetroffen.«
»Vielen Dank.« Sie nickte ihm zu, ehe sie sich erhob und auf mich zutrat. Vor mir stand eine gertenschlanke Frau in einem beigefarbenen Kostüm. Ihre ellenlangen Beine steckten in mörderisch hohen Stilettos. Die glatten, dunklen Haare hatte sie zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden. Obwohl ich mich mit meinen stolzen 175 Zentimetern nicht als Zwergin bezeichnen würde, überragte sie mich damit um ein beachtenswertes Stück.
»Emily, na endlich!« Übertrieben freundlich hauchte sie mir Küsschen auf beide Wangen. »Du musst ja ziemlich erschöpft sein. Setz dich doch!«
»Hallo, Sara. Tut mir leid, dass du warten musstest.«
»Ach, schon gut. Ich hatte eh zu tun.« Ihr Lächeln wirkte aufgesetzt.
»Darf ich den beiden Damen noch irgendetwas bringen?«
»Möchtest du eine Kleinigkeit essen? Oder etwas trinken?«, fragte sie mich.
Ich schüttelte müde den Kopf. »Nein, danke. Gerade im Moment nicht.« Vielleicht später. Aber jetzt lag mir noch der Schokoriegel im Magen.
»Ich habe auch noch, vielen Dank«, informierte Sara den Hotelmanager, indem sie mit dem Kinn auf die halbvolle Tasse Kaffee wies, woraufhin Mr. Benedict mit einem höflichen Nicken verschwand.
Ich unterdrückte ein Gähnen. Mittlerweile war ich hundemüde, und mir schwirrte der Kopf von all den Eindrücken und Informationen.
»Nun, Emily, wir haben noch einiges zu besprechen. Fangen wir doch mit den Basics an. Deine gesamten Unterlagen hat mir zum Glück längst dein Management übermittelt. Du musst wissen, du genießt als Schauspielerin von Hayes Studios gewisse Privilegien. Dazu gehört zum Beispiel ein umfassender Versicherungsschutz. In den Drehpausen kannst du in deiner freien Zeit machen, was du willst. Ganz in der Nähe des Hotels findest du beispielsweise verschiedene Sehenswürdigkeiten.«
Interessiert merkte ich auf: »Welche denn?«
»Direkt ums Eck sind der Central Park Zoo oder das Met. Du willst bestimmt auch zum Times Square.« Dabei zog sie ihre Nase kraus. »Als echte New Yorkerin meide ich den natürlich.«
»Ich bin das erste Mal in Big Apple. Selbstverständlich werde ich mir den Times Square ansehen!«
»Wie gesagt, in deiner Freizeit kannst du tun und lassen, was du willst. Eine Bedingung besteht dennoch: Dich wird stets einer unserer geschätzten Securities begleiten!«
»Security? Ist das wirklich nötig?«
»Ja!«, entgegnete sie und nickte. »Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft Schauspieler und Promis von Paparazzi oder Fans belagert und verfolgt werden. Die Security soll dir nur einen gewissen Schutz gewährleisten. Sie wird dich nicht überwachen.«
»In Ordnung«, brummte ich.
Sie lächelte. Fast könnte ich es als verständnisvoll interpretieren. »Du wirst dich daran gewöhnen. Und egal, wohin du willst, zusätzlich zum Chauffeurservice des Hotels steht dir auch der Fahrservice der Firma, die euch täglich zum Filmstudio bringen wird, zur Verfügung. Ab morgen erwartet dich ein sehr straffer Zeitplan. Du lernst deine Kollegen und das Filmstudio kennen. Ihr seid die erste Zeit mit dem Drehbuch beschäftigt, danach kommt das Kampfsport- und Schusswaffentraining. Reagan Hayes sieht darin optimale Voraussetzungen für den Dreh, nicht zuletzt, weil dadurch eine Bindung zwischen den Darstellern hergestellt werden kann. Und erst danach starten die Dreharbeiten.« Sie fixierte mich. »Reagan Hayes erwartet von dir das höchste Maß an Professionalität. Das kriegst du hin, nicht wahr?«
»Ja, selbstverständlich. Ich freue mich auf diese großartige Chance.«
»Sehr gut! Hast du noch irgendwelche Fragen?«
»Wie sieht es mit der Verpflegung aus?«
»Es kommt jeden Tag ein Catering ans Set, aber selbstverständlich kannst du auch die Angebote des Hotels in Anspruch nehmen oder dir etwas vom Zimmerservice bringen lassen. Kost und Logis des Hotels sind in deinem Vertrag inbegriffen. Darauf hat dein Vater bestanden, obwohl das bei Hayes Studios natürlich Standard ist.« Sie zuckte etwas hochnäsig mit der Nase. »Wenn du keine Fragen mehr hast, werde ich dir jetzt deine Suite zeigen.«
»Nein, keine Fragen mehr.« Dabei unterdrückte ich abermals ein Gähnen.
»Na, dann los! Du scheinst müde zu sein.« Sie erhob sich, und schwerfällig trottete ich ihr hinterher.
»Damit dich der Aufzug in das Stockwerk deiner Suite bringt, musst du dich immer erst mit deiner Schlüsselkarte autorisieren.« Sie zeigte mir den etwas versteckten Schlitz, der für die Schlüsselkarte vorgesehen war.
Wir fuhren hoch zu den Penthouse-Suiten. Leise, angenehme Fahrstuhlmusik erklang aus den Lautsprechern an der Decke.
Ehrlich gesagt, wollte ich nur noch in mein Bett.
Oben eilte Sara durch den Flur. Mit kleinen Schritten tippelte sie dabei vor mir her. Plötzlich deutete sie auf eine der Türen. »In der Penthouse-Suite Louis nächtigt Julian. Du wohnst in der Henri-Suite.«
»Sind alle Schauspieler hier einquartiert?«
»Nein. Sie sind auf verschiedene Hotels aufgeteilt.« Sara öffnete mit der Schlüsselkarte die Tür zu meiner Suite, trat ein und hielt sie mir auf.
»Danke!«
Gespannt betrat ich mein Zuhause für die nächsten Monate. Durch einen kleinen Vorraum gelangte ich in die überdimensionale Suite.
Und wow!
Oh wow!
Eine perfekte Mischung aus klassischen, zeitgenössischen und globalen Designelementen, die eine Atmosphäre von zeitlosem Luxus schuf, empfing mich. Ich bestaunte den großzügig geschnittenen Wohnbereich mit Kochinsel und bewunderte die raffinierten Einzelstücke, die im Raum verteilt standen. Eine durchdachte Farbgebung rundete das Gesamtkonzept ab.
Ein Blick aus den bodentiefen Fenstern zeigte mir eine spektakuläre und atemberaubende Aussicht auf die Weiten des Central Parks und der Upper East Side, die von den letzten Sonnenstrahlen des Tages in ein weiches Licht getaucht wurden. In einiger Entfernung war sogar das Empire State Building auszumachen.
Du bist im Himmel!
Wortwörtlich!
»In welcher Etage sind wir?«, fragte ich Sara, den Blick durch das Fenster auf die Straßen unter uns gerichtet.
»In der 28.«
Puh, beachtlich hoch. Aber was für ein Ausblick!
Ich drehte mich zu Sara um, die abwartend an den wenigen Stufen zum Vorraum stand.
»Dort hinten findest du unter anderem noch dein Schlafzimmer, das Badezimmer, den begehbaren Ankleideraum und ein Gästezimmer. Und wenn du doch noch etwas essen möchtest, solltest du den Zimmerservice nutzen. Der Wagen holt dich morgen um 8:30 Uhr ab und bringt dich zur Pressekonferenz.«
»Alles klar.«
»Schlaf gut, Emily. Bis morgen, und herzlich willkommen in New York.«
»Vielen Dank, Sara, und bis morgen!« Müde blickte ich Sara hinterher, wie sie die Suite verließ.
Ich würde mein kleines Reich morgen genauer unter die Lupe nehmen. Jetzt wollte ich nur noch schlafen. Gähnend schnappte ich mir einen der Koffer und zog meinen Kulturbeutel und das erstbeste Shirt heraus, das ich in die Finger bekam.
Ich schaffte es gerade noch, mich bettfertig zu machen, bevor ich fix und fertig in das imposante King-Size-Bett fiel und prompt einschlief.
Am nächsten Morgen hatte mich ein Fahrer pünktlich am Dumont abgeholt. Im Gegensatz zu David Porter hatte er mir seinen Namen nicht verraten und war insgesamt äußerst wortkarg, kein Vergleich zum gestrigen Tag und zu dem höflichen David.
Die Fahrt zum Lincoln Center dauerte nur kurz an. Ich hatte kaum Zeit, die vorbeiziehenden Straßen zu bewundern. Später würde ich mir alles eingehend und in Ruhe ansehen. Momentan fühlte ich mich von den vielen, neuen Impressionen der fremden Stadt überfordert. Geschätzt die Hälfte der Informationen und Eindrücke versickerten ohne jede emotionale Verarbeitung.
Was mir gar nicht gefiel.
Wir stoppten direkt vor einem großen Gebäudekomplex. Sara stand davor und hielt ihr Tablet vor der Brust.
Ich stieg aus dem schwarzen Escalade. »Guten Morgen, Sara.«
»Hallo, Emily. Hast du gut geschlafen in deiner ersten Nacht in New York?« Ohne auf Antwort zu warten, fuhr sie fort: »Ich stelle dich gleich deinen Kollegen vor. Komm bitte mit.« Und damit machte sie auf dem Absatz kehrt und stöckelte vor mir her. Wieder einmal.
Puh.
Ich folgte ihr in ein länglich geschnittenes und modernes Atrium, in dem Stehtische mit weißen Hussen verteilt standen. Dabei kamen wir an einem vertikalen Garten vorbei, eine große Wandfläche, die über und über mit grünen Pflanzen bepflanzt war. Sehr beeindruckend!
Sara führte mich zu einer kleinen Gruppe von Personen, einer Mischung aus Darstellern aus dem Haupt- und Nebencast, wie sich herausstellte. Sie stellte mich vor – und ging danach wortlos weg.
Verblüfft schaute ich ihr nach, wurde jedoch direkt abgelenkt.
»Hi, ich bin Ricardo. Ricardo Luna. Aber alle nennen mich eigentlich nur Ricky«, begrüßte mich einer der Schauspieler, während er näher an mich herantrat und mir seine Hand entgegenstreckte.
Ein breites und charmantes Lächeln, das vermutlich so manch ein Frauenherz höherschlagen ließ, umspielte seine Lippen. Er zählte mit seinen dunklen Augen unter den dunkelbraunen Locken definitiv zu den attraktiveren Artgenossen der männlichen Spezies.
»Hey, ich bin Emily.«
»Ich weiß! Bist du neu hier?«
»Wenn du wüsstest, wie neu!« Ich lachte. »Das ist mein erster Film.«
»Tatsächlich?!« Er grinste zurück. »Meiner auch!«
»Was hast du bisher gemacht?«
»An ein paar Theatern erste Erfahrungen gesammelt.«
»Dann sitzen wir im selben Boot!«
Ich verstand mich von der ersten Minute an blendend mit dem Argentinier. Ricky hatte einen total witzigen Humor und war genauso froh wie ich, dass er auf jemand Unerfahrenes traf, mit dem er sich austauschen konnte.
Nathaniel Hansen hatte sich sehr knapp vorgestellt – er wünschte, Nathan oder Nate genannt zu werden –, und war für die Rolle des Antagonisten namens Malagant Drashi gecastet worden. Man munkelte, dass zunächst Charlie Hunnam für diese Rolle im Gespräch gewesen war. Sein Management hatte aber abgelehnt, und so war Hansen in die nähere Auswahl gerückt und im endgültigen Cast gelandet. Unter anderem mit Sicherheit wegen der optischen Ähnlichkeit.
Dann tauchte April Hastings auf. »Hallo, ihr Süßen! Ach, wie schön, euch endlich kennenzulernen«, trällerte sie.
April war eine Schauspielerin, die schon Erfahrung im Filmbusiness gesammelt hatte. Ich kannte sie aus den Medien.
Ohne Zweifel war sie eine hübsche Frau, doch alles an ihr schien unecht, vor allem ihr Lächeln. Und schon bald stellte sich heraus, dass sie auch eine unmögliche Person war. Ihr gehörte die Welt, und das ließ sie jeden mit ihrem eingebildeten, von sich überzeugten und überaus schnippischen Verhalten wissen. April hatte zwar bisher nur kleinere Rollen in verschiedenen Filmen gespielt, dadurch aber den Status eines B-Promis erlangt. Mit Stars wie Julian Baker oder Nathaniel Hansen konnte sie dennoch nicht mithalten.
Jeden von uns begrüßte sie persönlich und verteilte fleißig flüchtige Wangenküsschen. Als sie bei mir ankam, betrachtete sie mich mit einem skeptischen Blick von oben bis unten.
»Nun gut«, meinte sie, lächelte gekünstelt und küsste mich noch flüchtiger als die anderen rechts und links. Und ließ mich ohne ein Wort wieder stehen.
Völlig irritiert blinzelte ich Ricky an. Er versteckte sein Lachen hinter vorgehaltener Faust und rollte mit den Augen. Das war eindeutig.
Ich grinste zurück.
Diese Frau war eine Nervensäge und ging mir tierisch auf den Keks! Jetzt schon.
Was nahm sie sich heraus? Ich hatte schließlich die Hauptrolle ergattert, nicht sie.
Aber vielleicht war genau das ihr Problem …
Die Pressekonferenz fand im nahegelegenen Lincoln Center an der Upper West Side statt. Auf der Fahrt dorthin passierten wir die Südspitze des Central Parks. Was würde ich jetzt darum geben, dort eine Runde zu joggen. Aber zum Teufel, nein, ich musste auf diesen verfluchten Pressetermin.
Mein Fahrer setzte Eddy und mich direkt vor dem Center ab. Auf dem Weg ins David Rubenstein Atrium passierten wir die berühmte Wasserfontäne, kurz danach kam Eddy abhanden.
Ich schmunzelte leicht. Der Kerl schaffte es immer wieder, mich zu überraschen. Er war in der Tat der beste Assistent, der jemals für mich gearbeitet hatte. Kein Wunder: Im Gegensatz zu all den Pfeifen davor hatte ich Eddy höchstpersönlich eingestellt. Seitdem war er mir ein treuer Begleiter. Er kümmerte sich um meinen Kram und verwaltete meine Termine. Eddy war mein zweites Gehirn für all die Dinge, für die ich keine Kapazitäten übrighatte. Und er verfügte über ausgezeichnete Spionage-Fähigkeiten. Eddy war wirklich klasse und mir mittlerweile ans Herz gewachsen. Aber natürlich würde ich ihm das so niemals sagen!
Im Atrium suchte ich mir ein abgelegenes Plätzchen etwas abseits der Meute. Mit verschränkten Armen ließ ich meinen grimmigen Blick über die kleinen Grüppchen schweifen, die aufgeregt miteinander tuschelten.
Ich entdeckte viele mir bekannte Gesichter. Einige Kollegen und Kolleginnen des Filmteams hatte ich bei früheren Filmen kennengelernt, ihnen nickte ich grüßend zu.
Reagan stand auf der leicht erhöhten Bühne und beantwortete die Fragen einer Reporterin.
Mitten aus der umherstehenden Menge steuerte ein Mann auf mich zu. »Hallo, Bruder«, begrüßte Ryan mich, ehe er in meinen ausgestreckten Arm griff. Unser Begrüßungshandschlag.
»Hi, Ryan.« Ich lächelte ihn an.
Mein Bruder war zwölf Jahre älter als ich und überragte mich um ein kleines Stück, aber wir hatten die gleichen dunklen Haare. Nur bei ihm ergrauten sie mittlerweile an den Schläfen, und im Gegensatz zu mir hatte er braune Augen.
»Bereit für den großen Auftritt?«
Ich schnaubte. »Hör bloß auf, Mann! Ich habe so dermaßen keinen Bock, für Reagan die Marionette zu spielen.«
»Jules, Dad versucht nur, deine Karriere zu pushen. Willst du nicht endlich ernsthafte Rollen spielen? Oder reicht es dir, in unbedeutenden Teenie-Romanzen mitzumachen?«
Ich seufzte. »Du hast ja recht. Aber die Tatsache, dass Reagan da seine Finger im Spiel hat, geht mir einfach sowas von gegen den Strich. Ich würde es gern auch allein schaffen.«
»Das verstehe ich. Aber wenn der Film erfolgreich wird – wovon ich ausgehe –, hast du es geschafft, egal wie. Dann steht dir absolut jede Tür offen, und du kannst selbst entscheiden, welche Rollen du annimmst«, stellte er tadelnd fest. »Jane Burke hat mit dem Drehbuch eine hervorragende Arbeit geleistet.«
»Ich weiß, ich hab’s gelesen.«
»Mr. Hayes? Mr. Baker? Darf ich vielleicht ein Foto von Ihnen beiden machen?«, unterbrach uns ein Journalist, der mit seiner Kamera vor uns stand.
Selbstverständlich durfte er, immerhin war das eine Pressekonferenz. Und lehnten wir ab, würde das nur zu negativen Schlagzeilen führen.
Lässig fuhr ich mir mit der Hand durch meine etwas längeren Deckhaare, die so gestylt waren, dass sie gewollt ungewollt in alle Richtungen abstanden. Der Quiff Cut war laut der Stylistin der neueste Trend. Whatever. Hauptsache pflegeleicht und modern.
Ryan und ich positionierten uns nebeneinander und lächelten leicht. Kurz darauf hörte man das stakkatoartige Klicken der großen Spiegelreflexkamera. Der Pressemann überprüfte kurz die Bilder auf dem Minibildschirm und nickte uns zu. »Vielen Dank, meine Herren!«
Ryan redete direkt wieder auf mich ein, kaum dass der Typ weg war. »Die Rolle von Prinz Naeric passt einfach perfekt zu dir, Jules. Und vor allem unterscheidet sie sich komplett von deinen bisherigen Filmrollen. Sie könnte wirklich dein großer Durchbruch werden. Dann ist der Ruf des Teeniestars endlich Geschichte.«
Ich brummte und presste die Zähne aufeinander. Das würde eine äußerst anstrengende Zeit werden. Ich hatte Bock auf die Rolle, aber die Aussicht, mit meinem Vater zusammenzuarbeiten, verdarb all die Freude.
In diesem Augenblick kam besagter Vater durch die Menge auf uns zu, ein aufgesetztes Lächeln auf den Lippen. »Julian, mein Sohn! Wie geht es dir?«
Ich vergrub die Hände tief in den Hosentaschen und hob beide Augenbrauen. »Interessiert dich das wirklich oder fragst du nur, weil Reporter und Kameras in der Nähe sind, Reagan?«
Mit seinen längeren, nach hinten gegelten Haaren und der Designerbrille auf der Nase wirkte er auf mich wie Matthew McConaughey für Arme. Dieses schmierige Gesamtkonzept wurde durch einen maßgeschneiderten Tom Ford-Anzug abgerundet. Ein Styling, auf das ich selbst nur zu besonderen Anlässen zurückgriff und nicht zu einer stinknormalen Pressekonferenz.
»Jules!«, zischte Ryan.
Währenddessen scannte Reagan mit erschrockener Miene die Umgebung nach irgendwelchen Lauschern und lachte affektiert auf: »Aber, aber, wo denkst du wieder hin?!« Und in einem leiseren Tonfall fauchte er: »Sei verdammt noch mal froh, dass ich dir diese Rolle besorgt habe, du undankbarer Bastard! Andere Schauspieler würden für diese Möglichkeit über Leichen gehen.«
»Du meinst, so wie du?«
»Ich habe dich gestern schon gewarnt. Treib es nicht zu weit, Sohn. Wenn ich dir das Zeichen gebe, bewegst du deinen Arsch auf die Bühne, beantwortest die Fragen und führst die Show deines Lebens auf! Haben wir uns verstanden?«, herrschte er mich wütend an.
»Du lässt mir ja keine andere Wahl. Dad«, gab ich gepresst zurück.
»Nein, da hast du recht, Julian. Und ich rate dir, mich nicht weiter zu provozieren. Sonst lernst du mich von einer ganz anderen Seite kennen.« Er warf mir einen letzten grimmigen Blick zu, nickte dann kurz Ryan zu, der kein einziges Wort mehr gesagt hatte, und stapfte mit wütenden Schritten zurück in Richtung Bühne.
»Dein Ernst, Julian? Ich dachte, auch ich hätte mich gestern und eben klar ausgedrückt.«
»Ryan.« Er reagierte nicht. »Ryan, verdammt!«, rief ich ihm hinterher, aber er ignorierte mich und steuerte ebenfalls die Bühne an.
Na, großartig!
