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Geboren in den 1963ern., Arzthelferin, examinierte Krankenschwester und im Sicherheitsdienst tätig gewesen, Buchautorin, freiberufliche Journalistin, freiberufliche Vortragsrednerin über geschichtliche Ereignisse und historische Schlösser und Burgen. Wie eine ins Dunkle ausgestreckte Hand, in der Hoffnung, dass ihr eine andere Hand begegnet., ist ein Buch.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Vorwort
Der dritte Ritter und der verborgene Schatz
Der Fluch des Drachen
Himmelsgold
Die drei Ringe
Tischsitten im Mittelalter
Die Rauschenburger Ritter
Vom Knappen zum Ritter
Es war einmal
Ritterspiel um den versteckten Schatz
Römer-Ritter-Rauschenburg
Märchen
Sagen
Danke
Nachwort
Bilderverzeichnis
Quellenverzeichnis
Liebe kleine und große Märchenfreunde!
Die Märchenfiguren, die Euch in diesem Buch begegnen, sind bei der Rauschenburg in Olfen, im Münsterland, zu Hause. Edelfrauen und Ritter werden um die schon viele Jahrhunderte wildromantisch, wie verwunschen daliegende Schlossruine lebendig. Das lange Zeit leer stehende und im Dornröschenschlaf befindliche Schloss, mit seiner bewegten Geschichte als prächtige Residenz für manchen Adeligen, bot durch Lage, Architektur und Historie, genau die Kulisse für den Schauplatz, an dem sich die Comtesse Charlotte und Ritter Valentin, als er noch Page am Hof war, begegnet sind.
Wie fast alle alten Burgen und mittelalterliche Ruinen, ist auch die Rauschenburg an der Lippe ein sichtbares Zeugnis vergangener Epochen mit historischer Bedeutung.
Die Römer waren in der Zeit von 11 bis 7 vor Christus im heutigen Olfen unterwegs und kontrollierten den Flussübergang über den Lippefluss, eine wichtige logistische Landmarke der römischen Eroberer, deren Schutz die Rauschenburg seit ihres Bestehens mit übernahm. Seit dem Hochmittelalter bis in die Neuzeit gehörte die im 11. Jh. erstmals erwähnte Rauschenburg zum Hochstift Münster und befand sich im sog. Hexenkessel des westfälischen Vierländerecks, in dem die Interessen von vier Landesherren aufeinanderprallten, die der Bischöfe von Münster, der Grafen von der Mark, der Grafen von Dortmund und der Bischöfe von Köln, die über das Vest Recklinghausen herrschten.
Im 14. Jh. n. Chr. war der Bischof von Münster in die Grafschaft Mark eingefallen und fügte der märkischen Umgebung u. a. durch Brandschatzungen sehr großen Schaden zu. Die Angreifer wurden von den märkischen Rittern zurückgetrieben und bei der Rauschenburg an der Lippe geschlagen. Ritter führten damals ein sehr stressiges Leben. Immer wieder kam es zu heftigen Unruhen. Auch im 16. Jh. ließ eine Fehde die Gegend um die Rauschenburg zum Schauplatz feindlicher Zusammenstöße werden und den Boden um die Burg erzittern.
Auf diesem historischen Fleckchen Erde, wo einst die Ritter von der Rauschenburg herrschten, hat man heute die Möglichkeit, sich eine gemütliche Kaffeepause mit einem frischen Stück Kuchen zu gönnen, im Hofladen der Familie Tenkhoff, die schon seit Generationen an der Rauschenburg beheimatet ist. Heute steht die Rauschenburg nicht mehr für Ritterkriege, sondern für Spargel und Erdbeeren. Ihr Name ist jetzt mit dem beliebten, dort angebauten Rauschenburger Spargel und den Rauschenburger Erdbeeren verbunden. In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden der Burg befindet sich der Spargelhof Tenkhoff. Während der Spargelzeit hat man im dortigen Hofladen die Möglichkeit, sich neben umfassendem Gemüse, Brot, Eiern und Wurstwaren, täglich auch mit leckerem, frischem Spargel, und während der Erntezeit mit frischen, fruchtigen Erdbeeren einzudecken. Es gibt dort alles, was zum Einkaufen auf dem Bauernhof dazu gehört. Auch ein guter Tropfen Wein wäre nicht zu verachten, der dort zum Genuss erworben werden kann. Wenn der Spargel wächst und als erster kulinarischer Frühlingsgruß von den Feldern rund um die Rauschenburg geerntet wird, lädt Stefanie Tenkhoff zum beliebten Spargel-Event in ganz besonderem Flair ein. Denn dann heißt es wieder: Gala-Dinner und Spargel-Buffet an verschiedenen Tagen, zu dem auch die frisch geernteten Rauschenburger Erdbeeren u. a. für die Dessert-Variationen gereicht werden. Infos und Karten gibt es zur eröffneten Spargelzeit im Hofladen Tenkhoff.
Was aber geschieht, wenn die Phantasie von Zeit zu Zeit in geheimnisvollen Bildern durch längst vergangene Welten erhabener Orte streift, und wenn alte Schlösser und Burgen uns ferne, unbekannte Zeiten und phantastische Persönlichkeiten offenbaren?
Die Rauschenburg ist einer dieser magischen Orte. Man muss nur ganz genau hinschauen, dem Wind lauschen und dabei seiner Phantasie freien Lauf lassen.
Rauschenburg 1908
Es war einmal eine große Burg. Sie hatte den Namen Buddenburg und lag direkt neben dem Fluss Lippe. In der Burg wohnte ein reicher, angesehener Baron mit seiner Familie. Der Baron war Ritter im Zeichen der drei silbernen Ringe und bei allen Menschen sehr berühmt. Er war ein Edelmann, der für die Sorgen und Nöte der Bauern, die seine Ländereien bewirtschafteten, immer ein offenes Ohr hatte. Seine drei Söhne waren jeweils zwei Jahre auseinander und so grundverschieden, wie man unterschiedlicher kaum sein konnte. Der älteste, Viktor, war der mutigste, er war sehr temperamentvoll, impulsiv, hatte überall etwas mitzureden und präsentierte sich als der geborene Anführer. Beim zweiten Sohn, Vincenz, zeigte sich dieser Eifer schon etwas verhaltener, und der dritte und jüngste Sohn, Valentin, war von äußerst sanftem Gemüt. Die Brüder mochten sich, doch ihren Eigenarten entsprechend, kam es dennoch häufig zu Rivalitätskämpfen. Von Haus aus ging es gerecht zu, und die Eltern bevorzugten keinen von ihnen. Doch Valentin fühlte sich seinen Brüdern, die ihm gegenüber regelmäßig als Anführer auftraten, meistens unterlegen. Oft machten sie sich lustig über ihn, wenn er sich lieber der Literatur und Musik zuwandte, oder in der Natur den Vögeln und deren Gesang lauschte, während sie sich auf dem Burghof in der Schwertführung übten, um einmal angesehene Ritter, wie ihr Vater einer war, zu werden. Dazu verwendeten sie ungefährliche Schwerter aus dünnem Holz, deren Nutzung der Baron ihnen genehmigte.
Als er sieben Jahre war, wurde der Älteste als Page zu einer nahen Ritterburg, die auch am Lippefluss lag, geschickt. Graf Theodor von der Rauschenburg lebte dort mit seiner Tochter Charlotte, der Dogge Gilda und zahlreichem Personal. Seine Frau war bei der Geburt des einzigen Kindes gestorben und Charlotte wuchs ohne Mutter auf. Sie hatte eine Kinderfrau, die sich um das Wohlergehen des Mädchens kümmerte. Graf Theodor, der wie der Baron von der Buddenburg dem Ritterorden der drei silbernen Ringe angehörte, trug eine große Verantwortung, denn er bildete die heranwachsenden Edelknaben zu echten Rittern aus. Ihm gehörten zahlreiche Ländereien, und er sorgte dafür, dass seine Bauern die Felder bestellten und abernteten, die Wiesen mähten, die Wälder rodeten und die Gegend um die Rauschenburg pflegten und hegten.
Auf der Rauschenburg sollte Viktor nun Kraft und Geschicklichkeit erwerben. Er lernte dort das Reiten und Schießen mit der Armbrust und übte den Gebrauch von Schwert, Lanze und Schild. Auch die höfischen Sitten wurden ihm beigebracht, und das Singen und Spielen der Lyra. Seine Geschicklichkeit im Wettkampf war besser, als die im Zupfen der Leier. Auch Singen mochte er nicht gern und übte sich lieber im Kräftemessen auf dem Burghof.
Zwei Jahre später folgte ihm sein jüngerer Bruder auf die Rauschenburg, um sich ebenso ausbilden zu lassen. Wie sein Bruder Viktor bevorzugte auch Vincenz es, draußen auf dem Burghof mit den anderen Knappen Ritter zu üben. Er und sein Bruder trainierten viel. Als ihr jüngster Bruder auf die Rauschenburg kam, um seine Ausbildung anzutreten, waren beide bereits hervorragend in der Schwertführung und gefürchtete Wettkampfgegner.
Als er vierzehn Jahre war, wurde der Älteste zum Knappen befördert. Es war ein Etappenschritt zum ersehnten Ziel, einmal ein großer Ritter zu werden. Auf der Rauschenburg richtete man ein großes Fest aus, zu dem auch der Baron, Ritter der drei Ringe von der Buddenburg mit seiner Gemahlin erschien, um dem ältesten Sohn an seinem Ehrentag beizustehen. Es war ein besonders feierlicher Moment, als Ritter Theodor von der Rauschenburg Viktor sein eigenes Kurzschwert übergab. Sein Bruder Vincenz sah dabei zu und träumte davon, schon bald an der Stelle seines älteren Bruders zu stehen. Nur der Jüngste wäre lieber im Park geblieben, um dort an seiner Laute zu zupfen und der schönen Comtesse Charlotte beim Spaziergang mit ihrem Hund zuzusehen. Manchmal sang sie mit ihrer glockenhellen Stimme, die er besonders gern hörte, ein Lied. Sie inspirierte ihn dazu, sich Melodien einfallen zu lassen, die er dann auf der Laute spielte. Schon manches Mal war Charlotte zu ihm gekommen, hatte sein Lautenspiel bewundert und die Klänge mit ihrer Stimme begleitet, was ihn sehr stolz machte.
