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Lass Dich fallen in eine musikalische Reise zwischen Realität und Magie. Spüre den Beat der endlosen Liebe... Let´s Rock !!!
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Seitenzahl: 593
Veröffentlichungsjahr: 2016
Michaela Basner
First Love
© 2016 Michaela Basner
Umschlagbild: egal/shotshop.com
Umschlaggestaltung: Michaela Basner
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7345-7891-5
Hardcover:
978-3-7345-7892-2
e-Book:
978-3-7345-7893-9
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Leise drangen die Musikfetzen von „Summer of 69“ an ihre Ohren, während sich Emilia und ihre Freundin Cassandra durch die Menschenmenge in der Altstadt schoben.
Eigentlich hasste Emilia Menschenansammlungen, noch mehr Stadtfeste wo mehr als die Hälfte der Leute schon weit vor Mitternacht betrunken waren. Immer wieder kamen den beiden Mädchen Jugendliche entgegen, die sie von ihrer Schule kannten, doch kaum einer würdigte den zweien eines Blickes. Emilia war dies ganz recht. Sie war groß gewachsen und sehr schlank. Mit 12 hatte sie auf ihrer Schule nur den Spitznamen Bohnenstange, da sie in der 6. Klasse bereits 1,78 cm groß war. Heute – 3 Jahre später – waren die meisten zwar annähernd genau so groß, doch das Mädchen war anders.
Mit ihren kupferroten Haaren zog sie meist die Blicke auf sich, welche sie mit einem vernichtenden Blick aus ihren leuchtend grünen Augen erwiderte, so dass die, die sie ansahen schnell wieder weg blickten. Hinzu kam, dass fast überall wo Emilia war, auch ein schwarzer Kater herumstrich. Dieser Kater war von einem unglaublich intensiven Schwarz, welches je nach Lichteinfall bläulich funkelte. Alfons war Emilias Kater.
Cassandra war eigentlich das Gegenteil von Emilia. Sie war – wie ihre Eltern gern sagten – normal. Normale Größe, weder dick noch dünn, mausbraune Haare, braune Augen. Eben jemand den man übersah.
„Komm“ Cassie zupfte Emilia am Ärmel ihres, wie immer schwarzen, Fledermauspullovers. „Lass uns mal hoch zur Burg gehen, die Musik scheint gut zu sein!“
„Okay“ murmelte Emi. Sie wusste noch immer nicht, was genau sie heute dazu getrieben hatte hierher zu kommen. Ja klar, ihre Freundin, die UNBEDINGT aufs Stadtfest wollte, aber auf GAR KEINEN FALL ALLEINE, nein – es war etwas anderes. Ein Gefühl, eine Vorahnung? Bisher aber, hatte sich nichts ergeben was sie das Rätsel lösen lies. „IHHHHHH guck mal! Leon…“. Cassandras kreischen holte Emilia aus ihren Gedanken zurück. Verwirrt sah sie sich um. Doch dort, tatsächlich, über die Kühlerhaube eines Autos gelehnt, stand ihr Klassenkamerad Leon. Der arme Kerl kotze sich die Seele aus dem Leib. Seine Kumpels johlten und grölten um ihn herum. Sie schienen sich prächtig zu amüsieren. „Jo Leon, jetzt hast ja wider Platz zum weitersaufen!“ „Los Alter – wo gehen wir als nächstes hin?“ Emilia schloss für einen
kurzen Moment die Augen. „Wenn ich die doch nur alle in Kröten verwandeln könnte – aber nein ich bin eine GUTE Hexe, eine weiße Hexe – das tut man nicht!“ schimpfte sie lautlos vor sich hin. „Brumurr“ – Alfons schien ihre düsteren Gedanken zu lesen. Schnell bückte sie sich. Mit gekonnten Griff hob sie ihn hoch. Als sie sich aufrichtete blickte die Gruppe Jungs zu ihnen herüber. „Ooooh, wen haben wir denn da? Black Sabbat mit Plüschtier und Zofe!“ Die angetrunkenen Jungs lachten sich halb schief. Leon schaute einen Moment lang in ihre Augen. Er sah peinlich berührt aus. „Los komm weg“ zischte Cassi. Schnell zog sie die Junghexe durch die Menschen.
Der Hauptweg zur Bühne war überfüllt. Mit Alfons auf dem Arm wollte Emi da nicht durch. „Cas, folge mir, ich kenne einen Weg auf die Burgzinnen, da sind wir ungestört und können diese ganzen Idioten beobachten ohne gesehen zu werden.“ Cassi folgte Ihrer Freundin. Sie wusste nur zu gut über die Begabung der Junghexe Bescheid. Das es verehrende Folgen haben könnte, wenn jemand etwas „falsches“ tat, sagte oder auch nur „falsch“ guckte.
Wie unsichtbar, wanden sich die zwei Mädchen mit dem Kater, an den alten Häusern, die jetzt so still und dunkel die kleine Gasse säumten, vorbei. Blitzschnell, wie Schatten, schlüpften sie zwischen zwei riesigen Felsbrocken hindurch, die – für Normalsterbliche, wie ein zugemauerter, alter Eingang aussahen. Kurze Zeit später, fanden sich die drei, oberhalb der feiernden Menge vor der Bühne, zwischen den Burgzinnen wieder. Die Band spielte grade ein ruhigeres Lied. Emilia setzte Alfons zwischen zwei Zinnen auf die breite Sandsteinmauer. „Brmrrr – sieh mal…“ murrte der Kater. Mit funkelnden Augen, blickte er auf die Bühne. Tatsächlich sah es in dieser Sekunde, so aus, als wenn der Sänger den Gruppe genau zu ihnen heraufsah … doch das war - unmöglich? Blitzschnell zog Emilia ihren Kopf zurück. Knallte gegen Cassandra, die just in diesem Moment sich nach vorne beugte um auch einen Blick nach unten zu werfen. „AUA!“ beide Mädchen rieben sich die Köpfe. „Was ist denn los mit Dir Emi? Hast du einen Geist gesehen?“ frage Cassandra. „Nein, ich …. Ich weiß nicht. Es ist unmöglich, Zufall… die Burg ist seit Jahren gesperrt, niemand kennt den Geheimgang. Niemand kann erwarten uns hier zu sehen – aber dieser Blick…“. Cas schaute ihre, sichtbar verwirrte Freundin, fragend an. „Wer hat was gesehen?“ „Na, der Junge dort, der Sänger, es war als hätte er ganz bewusst zu uns hochgeschaut, als WISSE er, dass wir hier sind. Ali hat es auch gesehen!“ „Brumack – genau – geguckt hat er – gaaaaannnnzzzz tief in uns rein – brrrmmmm“. „Ach Alfi, Emi, das ist doch Blödsinn, sicher die singen und tanzen da unten, ziehen ihre Show ab, aber niemand weiß das wir hier sind! Selbst wenn – es würde niemanden interessieren! So, nun lasst mich auch mal gucken!“ Energisch schob sich Cassandra an Emilia vorbei, um sich neben Alfons auf die Burgmauer zu stützend.
Die Menschen tanzten ausgelassen in der warmen Sommerluft unter ihnen. Auch auf der Bühne gab es, außer der zugegeben sehr attraktiven Musiker, nichts auffälliges zu sehen. „Komm, setz Dich!“ Cas rutschte ein wenig beiseite, so dass ihre Freundin ebenfalls auf der breiten Mauer Platz nehmen konnte. „Uns sieht keiner, guck, die tanzen, singen, machen Musik – alle sind voll und ganz mit sich beschäftigt. Und …. Schau mal dort auf den Banner, die heißen Jungs da unten auf der Bühne sind gar nicht von hier, also ziemlich ausgeschlossen, dass sie uns hier auf der Burg vermuten. Immerhin stehen überall Schilder BURG MONDAU WEGEN EINSTURZGEFAHR GESCHLOSSEN! Diese Schilder kann man nicht übersehen! Wenn Du dann noch nicht einmal von hier bist, denkst du vielleicht, „Schade“, gehst dann aber weiter. An allen für uns normalen Menschen SICHTBAREN Eingängen wurden ja fiese Metall Tore angebracht.“
„Ja Du hast ja Recht“ seufzte die Junghexe. Behände schwang sie sich auf die rauen Steine. Die Mädchen ließen die Beine baumeln, Alfons saß mit elegant, aufrechter Haltung zwischen den beiden. Sein Blick verfolgte aufmerksam die bewegte Menge. „Oh! Hör mal! Die spielen was von „BON JOVI“! Genial! „It´s my life!“ In diesem Moment geschah es wieder. Alfons Augen blitzten auf und Emilia wäre bald von der Mauer gefallen, denn der Sänger rockte herum, warf seinen Kopf nach hinten und sah ihr GENAU in die Augen! Emilia lief ein Schauer über den Rücken, all ihre Nerven, vom Nacken bis zu den Zehenspitzen waren wie elektrisiert – heiß, kalt, pochend – ihr wurde schwindelig. DAS war keine Einbildung! Er hatte zu ihnen – oder vielmehr zu IHR – bewusst hochgesehen, als hätte er gespürt, dass dort jemand ist. Doch, wie sollte das möglich sein? „Hast Du das gesehen Cas?“ „Hä? Was ?“ Cassi wippte mit den Beinen, summte leise den Text mit. „Der Mann, der Junge – Himmel der Sänger! – hat GENAU zu uns hochgeschaut! Er hat mir GANZ GENAU in die Augen gesehen!“ Cas lachte. „Em` nein, DAS habe ich nicht gesehen! Er tanzt und singt, klar der Typ ist süß, aber glaub mir, er hat weder bewusst hier hochgeschaut, noch hat er DIR, GENAU in die Augen gesehen. Das ist ein Traum – ein Wunsch, schau doch mal, wenn er in dem hellen Scheinwerferlicht steht, der ist doch locker 20 oder älter!“ „Himmel! Nein! Das war schon das zweite Mal, glaub mir!!! ER H A T HIER HOCHGESEHEN!“ Das Hexenmädchen war aufgesprungen, stand nun auf der breiten Sandsteinmauer vor ihrer Freundin. „Emi, setz Dich wieder hin. Sonst sehen bald noch ganz viele, andere Menschen hoch! Nämlich wenn Du runterfällst! Nun gut, dann hat er eben hochgesehen – und????? – Ist die Welt stehengeblieben? Hat er die Wachleute gerufen? NEIN! Und weißt du WARUM? Weil die Band von gut 100 km weit weg kommt. Es weder IHN, noch einen seiner Kollegen interessiert, ob ein paar durchgeknallte Teenies auf der Burg herumklettern oder nicht. Solange keiner runterfällt, die Typen ihre Show machen können und ihr Geld bekommen, interessiert es die Jungs dort unten nicht ob wir hier, dort unten, oder gar nicht da sind!“ Cassandra atmete tief durch. Sie hatte nicht gemein zu ihrer besten Freundin sein wollen. Diese sah sie nur stumm an. Langsam rutschte sie an der Wand hinab, bis sie wieder neben Cassi saß. „Hm…. Jaaaaa…. Du hast bestimmt Recht!“ murmelte Emi. „Brm bru – hat sie nicht!“ mauzte Alfons „ALFIE! Halt die Schnute! Natürlich habe ich RECHT. Nun spiel Miezekätzchen, sei still und roll Dich zusammen!“ Emilia und Alfons blickten sich an. Ihr Blick sagte „Lass sie in dem Glauben, WIR wissen es besser“. Um des lieben Friedens willen, entspannten sich die beiden magischen Freunde etwas und genossen die Musik. Es war sehr gute Musik, nicht so moderner Kram, der durch viel Technik hergestellt wurde. Sondern überwiegend alte Musik. „Was meinst du? Ist das noch 70er Jahre oder noch älter?“ Cassi dachte kurz nach … „Hm, ich glaube das ist irgendwie so Elvis … und meine Mutter fand den ganz heiß als sie Jung war … dürfte dann so Ende der 60er / Anfang der 70er gewesen sein …. Ich glaube meine Alten haben auf dem Dachboden noch SCHALLPLATTEN von dem …. Echt krass – naja ich bin halt das Nesthäkchen …. Aber cool find ich die Musik trotzdem irgendwie.“ „Ja, die Musik geht ins Blut“ „…. Und bisher hat er auch nicht nochmal geguckt – war es doch EINBILDUNG???.....“ „Mrrz nein – es war KEINE Einbildung. Wart mal ab kleine Hexe.“ orakelte der Kater. „Musst du immer in meinen Gedanken lesen?“ fauchte Em. „Was habt ihr denn schon wieder? Alfie? Sei lieb zu Frauchen, ich bin froh, an einem so schönen Sommerabend endlich mal draußen zu sein, Leute beobachten zu können, dazu auch noch halbwegs gute Musik zu hören! Also nimm deinen Kopf aus Emis Gedanken, denn, wenn Sie geht – muss ich mit und ich möchte gern noch bleiben!“ Cassandra lächelte Alfons diabolisch an, dieser funkelte zurück und knurrte „Sie WIRD so oder so bleiben – warte es nur ab!“ sprach es und sprang mit einem gekonnten Satz auf die nächste Burgzinne. Dort setzte er sich kerzengrade hin, so dass der Mond, der grade hinter den dicken Türmen der Burg hervorkam, sein Fell in ein leuchtendes Blau verwandelte. „Mööööönschhh, dein Kater hat aber wieder Starallüren“. „Wieso?“ Emilia sah sich suchend um. Von dem kleinen Geplänkel zwischen ihren besten Freunden hatte sie gar nichts mitbekommen. Ihre Augen lagen auf der Bühne. Eigentlich nur auf einem Punkt der Bühne, der sich aber glücklicherweise bewegte. Sonst hätte man denken können, dass die kleine Hexe in eine Art Trance gefallen war. Emilias Herz klopfte, in ihrem Kopf drehte sich ein bunter Wirbelsturm, DIES war das Gefühl, welches sie hergetrieben hatte, aber WARUM?????
Ein Stoß ließ sie aus ihren Gedanken hochfahren. „Guck mal“ grinste Cas. Emilia zog die Augenbrauen zusammen, kniff anschließend ihre Augen kurz zu um wieder ein scharfes Gesamtbild zu bekommen. „Cool“ grinste sie. Der Bandleader stand jetzt doch, allen Ernstes, mit einem Regenschirm auf der Bühne. Es war eine wunderschöne Sommernacht, kein Lüftchen rührte sich, die Sterne funkelten, der Mond hatte sich nun voll und rund hinter der Burg an den Nachthimmel geschoben. Doch dieser junge Mann, stand dort auf der Bühne, mit einem Schirm! Selbstvergessen bewegte er sich im Takt zu Musik, während er den Song „Umbrella“ zum Besten gab. „Hey! Soll ich?“ Cassi nickte grinsend. Sie wusste ganz genau was ihre Freundin vorhatte, und so ein bisschen Regen, war ja nicht wirklich etwas Böses. Die Pflanzen brauchten das Wasser, zum Beispiel zum wachsen. Emilia war wieder aufgestanden, hatte ihre Hände ausgestreckt, leise murmelte sie etwas vor sich hin, was Cassandra zu ihrem Leidwesen nie verstehen konnte, dabei bewegte sie ihre Finger, wie in dem Kinderlied, von der kleinen Spinne, die bei Regen an einem Faden hochkletterte, als es anfing zu regnen. Ja, es REGNETE. Aber nicht überall. Nicht auf die Menschen. Sondern nur auf der Bühne – exakt über dem Schirm. Die Menge tobte vor Begeisterung! Der Schlagzeuger kam ganz kurz, fast unmerklich, aus dem Takt, der Keyboarder hörte für eine Millisekunde auf zu spielen. Ja und der Sänger? Verwirrt guckte er unter seinem Schirm hervor, sang dann den Refrain gleich zwei Mal. Er sah verwirrt, jedoch belustigt aus. Sobald der letzte Akkord verklungen war, stoppte natürlich auch der Regen. Emilia und Cassandra drückten sich – vorsichtshalber, ganz eng an die Zinnen. Nur Kater Alfons saß auf seiner Zinne und grinste.
„Wir machen nun eine kleine Pause. In 10 – 15 Minuten sind wir wieder für Euch da!“ kündigte der Gitarrist an. Die Leute klatschten, machten sich eilig auf den Weg an die Getränkestände.
Die Musiker griffen ebenfalls nach ihren Getränkeflaschen. Nur der blonde Jüngling stand einen Moment ganz ruhig, gedankenverloren am Bühnenrand. Suchend blickte er sich um. Sein Blick glitt über die lachenden, gestikulierenden Menschen, an der Burgmauer entlang bis zum Eingang. Dort verharrte sein Blick auf dem wuchtigen Metallschild, welches darauf hinwies, dass die Burg schon seit nun mehr fast 9 Jahren geschlossen war. Emilia hielt unwillkürlich die Luft an. Ihr Blick folgte seinem. „Wird er hochgucken? Wird er mich sehen? Kann er etwas wissen?“ überlegte sie. Doch in diesem Augenblick, drehte er sich um, ging langsam zu dem Gitarristen. Leider konnte Emilia nicht hören was dort unten gesprochen wurde, es war aber klar, dass es um den Regen ging. Beide schauten nun in Richtung Burg. Der „Elvisverschnitt“ sagte etwas. Lachend zeigte ihm der Musiker daraufhin einen Vogel. Laut rief er zu dem Rest der Truppe: „Ey Jungs – Unser Babyface glaubt auf der Burg lebt eine Hexe – die den Regen gehext hat!Süß ist er unser Kleiner“. Die drei anderen Musiker brachen ebenfalls in lautes Gelächter aus, klopften dem jungen Mann auf den Rücken. „Man Kleiner, ich hab Dir doch gesagt KEIN Bier vor dem Auftritt!“ feixte der Drummer. „Genau Finny, Du bist noch zu klein für Alkohol!“ grinsend hielt ihm der Bassist eine Wasserflasche entgegen. Bei genauerem Hinsehen konnte man nun, wo die blinkenden Lampen ein konstantes, warm, weißes Licht abstrahlten, erkennen, dass die anderen Bandmitglieder gut und gerne 10 Jahre älter waren als ihr Leader. „Aha – Finny – wohl eher Finn … ein schöner Name“ dachte Emi. „Finn und Emilia … ja …ach ….“ „Hä? Emi, alles gut bei Dir? Was guckst Du denn wie ein Mondkalb?“ Verwirrt schaute Emilia ihre Freundin an. Sie hatte ganz vergessen wo sie war. „Nein, alles gut!“ wehrte sie ab. „Bin wohl etwas müde“ „Brrrm – müde???? Ich hätte da ein anderes Wort für nämlich v….“ „HALT die KLAPPE ALF!“ fuhr die Hexe ihren Kater barsch an. „Ich sag ja nur – mrrrzzz“. Sie blickte wieder auf die Bühne hinab. Sah, wie der Drummer nun auf einem seiner Drumsticks über die Bühne „ritt“, mit dem anderen Stick über Finns Kopf herumfuchtelte. Er wollte wohl eine Hexe, oder vielmehr einen Zauberer darstellen. Emilia sah in Finns Gesicht. Eine heiße Welle Wut schwappte Blutrot über ihr zusammen. „Oh! Oh! Murzz Mau. Cassandra!! CAS!! Du musst was tun! Murrrz JETZT“ „Hm? Was? Ohje!“ Ein Blick auf ihre Freundin, genügte der Sterblichen, zu sehen, dass sich die Energie immer schneller und schneller, in einem gefährlichen Lila rot um Emilia drehte. „Oh Gott! Alfons WAS zur HÖLLE ist passiert?“ „Murrrz, ich weiß es nicht. Sie hat dort auf die Bühne geschaut. Die Musiker haben sich über den Sänger lustig gemacht, nun spielt der eine mit den Holzstöcken Hexe und alle finden das komisch. Schau – selbst die Leute an den Getränkeständen lachen darüber. Normalerweise stört Emilia das nicht. Sie lacht sonst auch darüber, erzählt kleine Hexen Sprüche a la „Eins Zwei Drei – flieg los Karottenbrei.“ Ich weiß nur, dass wir sie ganz schnell in den Burginnenhof bekommen müssen, um sie dort dann ganz, ganz schnell zu beruhigen. DIESE Farbe ihrer Aurenenergie ist nicht gut. Sie ist zu stark für sie!“ „Okay Katerchen!“ Cas nahm ihre Freundin behutsam in den Arm um sie nicht zu erschrecken. Sie wusste nicht wie tief Emilia schon im Strudel steckte. Bei hellblau, Türkis oder Rosa war es kein Problem. Dann konnten sie einander anfassen und je nachdem den Zauber zu zweit ausüben oder etwas bestimmtes sehen. Das was Cassandra jetzt sah, war für sie überraschend. Blaue Augen. Wunderschöne, blaue aber sehr, sehr, traurige, blaue Augen. Verwundert sah sie zu dem Kater. Er konnte in ihren Augen, das Bild sehen welches sie empfing. Eine Millisekunde stutzte er, doch dann deutete er mit dem Kopf auf die Bühne. Dort saß der Sänger nun, allein, am Rand der Bühne, an eine der großen Boxen gelehnt. Er sah tatsächlich traurig aus. Die Mädchen blickten auf die traurige Gestallt hinab. Die sterbliche gab sich einen Ruck. „Emilia! Komm! Wir gehen ein Stück.“ Sie nahm ihre Freundin an der Hand, ohne sich um den Gedankenwirbel, der sich durch Emilias Kraft in ihrem Kopf breitmachte, zu kümmern, zog die Hexe von der Mauer. Wie in Trance ging sie hinter dem Mädchen her. Alfons saß noch immer auf der Zinne. Plötzlich kam Leben in den Vokalisten. Er stand auf, klopfte sich den Staub von den Hosen. Mit einem Satz sprang er von der Bühne, um dann hinter dieser zu verschwinden. „Was zur Hölle hat er vor?“ miaute der Kater. Setzte zu einem kraftvollen Sprung auf die nächsten Erhebungen der Burgmauer an. Mit schnellen Sprüngen folgte er dem Mann, der nun langsamer und dicht an der Burgmauer entlanglief.
Alfons klinkte sich für ein paar Sekunden in Cassandras Kopf ein um zu sehen wie es bei den beiden ungleichen Freundinnen aussah. Da Cas, Emilia immer noch an der Hand hielt, konnte er die Bilder der Gedanken der zwei sehen. Emilias Wirbel war etwas langsamer geworden. Und heller. Es war zwar noch ein starkes Lila, doch Alfons hatte im Augenblick das Gefühl, dass sie ihn nicht brauchte. Er späte über die groben Felsen. Sah wie der Jüngling versuchte die Metallplatten am Eingang wegzuschieben. Alfons setzte sich, guckte den vergeblichen Bemühungen, die schweren Platten zu bewegen, zu.
Nachdem vor Ein, oder Zwei, Jahren ein Junge beim spielen in den Burgbrunnen gefallen war, tagelang verletzt dort drinnen gelegen hatte, hatte die Stadt die Burg WIRKLICH sicher versperrt. Für normal Sterbliche. Der Junge hatte damals Glück im Unglück, es regnete oft, so das er genug Wasser hatte. Wäre Alfons jedoch nicht auf einer seiner Streifzüge dem leisen Weinen gefolgt – der kleine Kerl wäre verhungert. Der Kater hatte damals Emilias Eltern dazu geholt. Diese hatten den Jungen aus seiner misslichen Lage befreit. Emilias Mutter war eine starke, weiße Hexe. Sie hatte den kleinen mit einem „Du-erinnerst-dich-nur-an-das-schöne-Zauber“ belegt, sodass sein Unfall, die Angst, aber auch die Rettung aus seinem Kopf verbannt worden waren. Sie mussten so handeln, denn niemand durfte ihr Geheimnis erfahren. Emilias Mutter arbeitete zwar in ihrem „Beruf“, allerdings auf menschliche Art. Sie war Pflanzliche Heilerin. Wenn sie ihre Kraft einsetzte um Leuten zu helfen, die verzweifelt, mutlos, aufgeregt oder in anderer Weise psychisch belastet waren, nannte sie es Reiki. Das Cassandra hinter Emilias Geheimnis gekommen war, war letztendlich auch nur purer Zufall. Sie war als kleines Kind im Schwimmbad von der Rutsche gefallen, Rückwärts, oben von der Leiter. Emilia hatte sie mit purer, reflexartiger, Gedankenkraft kurz vor dem Boden aufgefangen. Als Alfons dann auch noch lauthals anfing mit Emi vor dem verdatterten Mädchen zu schimpfen, waren ihre Augen immer größer geworden. Da wussten die beiden, das Cassandra a) Alfons verstehen konnte und b) keine Angst hatte vor dem was sie grade erlebt hatte. So nahmen der Kater und das Hexenmädchen die Kleine erstmal mit nach Hause. Als Cassandra auch Emilias Eltern davon überzeugt hatte, dass sie KEINE Hexe war, jedoch auch niemanden etwas sagen würde, durften die drei Freunde sein.
Finn war nun ein paar Schritte weiter gelaufen, dorthin wo sich am Rande der Mauer ein paar Felsbrocken auftürmten. Er versuchte auf diese Steine zu klettern, auch dieses Unterfangen, wusste Alfons, war aussichtlos. Denn selbst wenn er es schaffen sollte bis auf den obersten der Felsen zu kommen, musste er noch fast 2 Meter bis zur Burgmauer überbrücken. Sollte man dies tatsächlich schaffen, käme er aber nicht hoch, da es auf den sehr breiten Schießscharten keinerlei Möglichkeiten gab sich festzuhalten.
„Was denkt der Kerl nur? Er muss uns gesehen haben… aber WARUM dreimalschwarzer Kater, interessiert er sich für uns???“ Alfons machte die Augen zu, konzentrierte sich auf Finn. Zu Emilia und Cassandra konnte er selbst in der allergrößten Ablenkung Gedankenkontakt aufnehmen. Bei Unbekannten musste er sich jedoch anstrengen. „Blöder Mist! Scheiß Steine! Warum verrammeln die den Eingang so? Die Kleine ist auch da reingekommen….“ „Aha!“ Alf hatte den Kontakt aufgenommen und schmunzelte. „Er hat uns also gesehen! Nur… warum will er nun unbedingt zu uns?“ „Scheiße! AUA“ – Nein dies waren keine Gedanken, das war deutlich. So deutlich, dass der Kater spürte, wie Emilia sich von Cassi trennte und schnell in seine Richtung kam. Nun musste er sich entscheiden. Der Bandleader lag unten am Rand der Felsbrocken. Er sah zwar wütend aus, doch nicht unbedingt verletzt. Nur sollte er nun noch einmal Emilia sehen, würde er sicherlich rufen oder etwas anderes unüberlegtes tun. Also – Emilia aufhalten! Kurz dreht sich Alf um sich selbst, um genau zu sondieren aus welcher Richtung Em kam. Dann stürzte er los. Just in dem Moment, wo sie um die Ecke des Wandelganges bog, an deren Stelle unten sich Finn befand, sprang Alfons ihr gegen die Brust. „Aua! Alfons du dusseliger Kater was sollte das?“ Wütend blitze Emi ihren schwarzen Freund an. Cas kam um die Ecke gehechtet. In ihrer Eile wäre sie beinahe über die beiden, die durch die Wucht des Sprunges zu Boden gegangenen waren, gestolpert. „Tut mir leid!“ keuchte sie sichtlich außer Atem. „Mensch Em, du kannst doch nicht so losrasen…. Geht es dir gut?“ „MIR geht es gut! Habt ihr denn den Schrei nicht gehört?“ „Doch, mein Hexlein. Haben wir. Aber glaube mir – brrrrm brrrur – Du solltest dich jetzt besser nicht sehen lassen. Murz mack!“ „WIESO NICHT? Alfons? Wieso?“ „Nun, mrrrrm, ich weiß nicht. Er hat dich – uns – gesehen, das ist schon mal sehr merkwürdig, denn eigentlich müssten wir hier oben geschützt sein, und nun ja – er scheint nach uns zu suchen… Ich denke wir sollten uns still verhalten und so unauffällig wie möglich verschwinden. Brrrruzack.“ „Was?“ fassungslos starre Emi ihren Kater an. Dann sprang sie zur Mauer, ehe einer von ihren Freunden sie daran hindern konnte und schaute hinunter. Doch – da war nichts. Niemand.
In diesem Moment setzte die Musik wieder ein. „Oh, hört mal. Sie spielen „Angels“ von Robbie Williams“. Cas lächelte. Tatsächlich erfüllte sich die Luft mit den magischen Klängen der Instrumente, sowie der kraftvollen, doch in einem Unterton, traurigen Stimme Finns. Man konnte spüren wie er den Song lebte, ja liebte. Darin aufging. All seine Gefühle lagen in diesen Textzeilen.
„Komm, lass uns runter gehen. Wir mischen uns zwischen die Leute.“ Alfons warf einen kurzen Blick auf Emilias Aura – sie leuchtete wieder normal Rosa. „Okay, aber wir bleiben in Deckung!“ Die drei gingen auf dem Burgwall entlang, zu den steinernen ausgetretenen Stufen und schlüpften wieder, einer nach dem anderen, durch die Felsspalte. Cassandra drehte sich um. Die Felsen sahen so aus wie immer, ein kleiner Spalt von etwa 3 cm war zu sehen. „Ich kann es nie glauben, dass wir da durch passen, eine dicke Maus würde dort schon stecken bleiben…“ „Tja, das ist MAGIE!“ grinste Emilia. Das Mädchen erweckte den Anschein, wieder die Ruhe in Person zu sein. Als wären die letzten Minuten nie gewesen. „Und nun lass uns tanzen gehen!“ Schnellen Schrittes glitt sie, den Freunden voran, an der Mauer entlang Richtung Tanzplatz. „Hey, warte mal!“ Alfons sprang vor sein Frauchen als sie den Rückwärtigen Teil der Bühne erreicht hatten. „Deine Haare – sie sind zu auffällig!“ „Wie bitte ????“ „Ich mein ja nur, es ist dunkel, es gibt Scheinwerfer ….“ Der Kater ließ die Aussage in der Luft hängen. Emilia blinzelte ihn wütend an, doch dann besann sie sich. „Ja du hast Recht.“ Erneut murmelte die Junghexe etwas auf Latein. Nur ein paar Sekunden später hielt sie ein Schwarzes Baseball Cap in der Hand. Mit geschickten Fingern wand sie ihre langen, roten Haare zu einem Zopf, setzte sich die Mütze auf. „Besser?“ „Besser!“ antworteten Alfons und Cassandra wie aus einem Mund. „Dann kommt!“ Die drei gingen am Rand der tanzenden Menschenmenge vorbei, bis sie das hintere Drittel des Marktplatzes erreicht hatten. Hier standen die Leute etwas auseinander. So das die kleine Gruppe sich einen guten Platz suchen konnten. Die meisten Menschen hier hinten, wippten nur zur Musik, unterhielten sich aber und tranken dabei Wein oder Bier aus richtigen Gläsern, nicht aus Plastikbechern.
Finn schien jetzt seinen Spaß an der Musik wieder gefunden zu haben, denn er stimmte nun das Lied „Let meentertain you“ an. Geschmeidig bewegte er sich mit seinem Micro über die Bühne. Die Menge vorne genoss die Show, johlte, klatschte, tanzte. Emilia wippte auch leicht mit, sah sich aber mit wachen Augen um. Ganz vorne in der ersten Reihe tanzten SEHR ausgelassen Fünf Mädchen, beziehungsweise Frauen. „Ich glaube die Fünf Frauen dort vorne habe ich noch nie hier gesehen, ihr?“ Cassandra schaute in die angegebene Richtung. „Nein, ich glaube nicht, aber wir können ja nicht jeden hier kennen“ „Da hast du Recht, aber trotzdem – so hübsch wie die sind, wäre man der ein oder anderen schon mal begegnet. Vergiss bitte nicht, ich bin mit der Gabe gestraft mir jeden zu merken“ „Dann sind sie halt von außerhalb, wen kümmert es?“ Ja, wen kümmerte es? Warum fielen grade diese fünf Emilia so auf? „Egal!“ Der Song war vorbei, die Menge klatschte wie wild, als die Jungs auch schon zu ihrem nächsten Hit von Elvis ansetzten: „Devil inDisguise“. Alfons hatte sich einen kleinen Ahornbaum gesucht, wo er nun in der schwankenden Krone, lustig beleuchtet von einer Lichterkette, saß und zuschaute. „Der Boden war mir zu gefährlich, nachher trampelt mir noch jemand auf meinen Schwanz.“ Emilia hielt nichts mehr. Der Rhythmus ging ins Blut, sie schloss die Augen für einen Moment, gab sich völlig der Musik hin. Die Junghexe war eine fantastische Tänzerin. Das hatte sie von ihrer Mutter. Besonders begabte weiße Hexen konnten traumhaft tanzen. Einige von ihnen waren große Balletttänzerinnen, andere spielten in großen Hollywoodfilmen die Tanzszenen. Tanzen lag solchen Hexen einfach im Blut. Emis Mutter sagte immer „Kind, Du weißt wenn Du den richtigen Mann getroffen hast, wenn Du mit ihm tanzen kannst“. Emilia hatte dies stets belächelt. Als wenn man die Liebe von einem Tanz abhängig machen konnte. Im schlimmsten Falle, hatten sie und Cassi sich ausgemalt, würde irgendwann ein buckliger, unförmiger, pockennarbiger Gnom vor ihr stehen, der traumhaft tanzte – und den sollte sie dann heiraten? Nein! Im Leben nicht. Die zwei Mädchen hatten sich oft und lange über dieses Bild amüsiert.
„So! Nun will ich Euch ALLE HÖÖÖÖÖÖRRRREEEN!“ Der junge Sänger lachte in die Menge. Die ersten Takte von „Sweet Home Alabama“ klangen durch die Luft. Und tatsächlich, als der Refrain begann, sangen alle Menschen, die auf dem Marktplatz versammelt waren, im Chor lauthals mit. Es war einfach ansteckend. Wie die Band die Leute dazu brachte, einfach magisch. „Der Kleine hat es echt drauf!“ schrie Cassandra. Ja, das hat er wohl, bestätigteEmilia in Gedanken.
Es folgten noch viele Lieder, die Stimmung war grandios. Kaum zu glauben, dass dieser junge Mann vorhin so traurig war. Emilia bald in Rauch aufgegangen wäre. Alle waren gelöst, tanzten wild durcheinander. Emilia horchte kurz in sich, ja, dies war das Gefühl, dieses Gefühl welches sie heute dazu veranlasst hatte hier her zu gehen. Die beiden Freundinnen hatten gar nicht gemerkt wie sie beim tanzen, immer weiter nach vorne gekommen waren, bis sie plötzlich mit einer blonden – wunderhübschen jungen Frau zusammen stießen. „Verzeihung“. Emilias Augen weiteten sich.
„Ach Du schreck!“ Schnell zog sie sich das Cap tiefer über die Augen. Reflexartig griff sie nach Casˊ Hand, „Komm, wir müssen hinter“. „Aber warum denn?“ Ja, warum eigentlich? Die Band machte ihr Programm, keiner achtete auf sie. „Na gut, aber bleib in meiner Nähe“ „Klar“. Die Musik setzte kurz aus. „So Ladies and Gentleman, nun kommt unser letzter Song für diesen Abend“ „Buh! Buh! Zugabe!“ kam es aus allen Ecken. „Ja mal sehen, über eine klitzekleine Zugabe können wir vielleicht noch reden!“ feixte Finn auf der Bühne, der Applaus und das Pfeifen war Ohrenbetäubend. „Aber…“ Der Jüngling grinste über beide Ohren, „erstmal spielen wir nun diesen Song, auf den ich schon den ganzen Abend Lust habe!“ Sein Lächeln wurde noch breiter wenn dies möglich war. „Nur – müssen wir noch 3- 2- 1- Sekunden, warten… Denn JETZT ist es nach 22 Uhr! Jetzt spielen wir : „SEX ON FIRE !!!!!!“ Die Musiker begannen zu spielen, gaben alles, lauter als bisher, wenn dies technisch möglich war, zumindest kam es Emi so vor. Finn war wie elektrisiert. Er rockte über die Bühne. Seine Haare klebten schweißnass an seiner Stirn, das weiße Hemd, welches alle Musiker trugen war durchsichtig vom Schweiß. Emilia wusste nicht ob sie ausflippen und sich mitreißen lassen sollte, oder ihn wie gebannt anstarren. „Sex on Fire“ hieß der Song. Und ja, Emilia hatte das Gefühl zu brennen. Ihr war heiß und kalt. So mussten sich die Hexen früher auf dem Scheiterhaufen gefühlt haben. Der Leader brachte wirklich puren Sexappeal auf die Bühne. „Wow“ und eine Millisekunde später „Achtung!“ Cassi packte Emilia am Arm, zog sie schnell ein paar Reihen tiefer zwischen die umherwirbelnden Menschen. Finn war von der Bühne gesprungen, rockte nun hemmungslos mitten im Publikum. Er wirbelte herum. Griff nach der blonden Schönheit, mit der Emilia zusammengestoßen war, zog sie nah an sich. Emilia’s Herzschlag drohte auszusetzen. Finn sang die letzten Zeilen des Refrains, mit dem letzten Wort beugte er sich über die hübsche Frau. Der Kuss, den er ihr gab, war mehr als leidenschaftlich. Die Menschen pfiffen, grölten, applaudierten, doch in Emilias Kopf schien sich alles zu drehen, ihr Herz fühlte sich heiß und kalt an, schlug als würde es jeden Augenblick von einem Werwolf in 1000 Stücke zerfetzt werden, sie meinte ihre Beine nicht mehr zu spüren. Mit letzter Kraft, griff das Hexenmädchen nach Cassandras Hand, riss diese blind mit sich weg. Weg vom Marktplatz, weg von den Menschen. WEG! Cassandra ließ sich hinterherziehen. Sie wusste gar nicht was passiert war, warum ihre Freundin nun so schnell rannte. Im Augenwinkel hatte sie gesehen wie der schwarze Kater vom Baum gesprungen war und ihnen jetzt mit weiten, ausholenden Sprüngen folgte. „Em! Emi! Emilia … bleib – bleib stehen! Ich kann nicht mehr!“ keuchte Cassandra. Es dauerte noch ein paar Sekunden, bis Emilia ihr überirdisches Tempo verringerte. Die Häuser der kleinen Stadt hatten sich gelichtet. Vor Ihnen warfen die Bäume des Waldes dunkle Schatten auf den spiegelglatten See. Ihre Schritte wurden langsamer, sie hörte das unregelmäßige Schnaufen ihrer besten Freundin, spürte ihren kraftvollen Herzschlag. Langsam löste sie ihre Hand von Cassandras. Erschöpft sank Emilia auf dem weichen Waldboden in die Knie. Urplötzlich war sie müde. So schrecklich müde. Emilia wollte nur noch die Augen schließen. Allein sein. Allein hier im Wald liegen bleiben. Alfons hatte die beiden Mädchen erreicht. Er strich um Emilias Beine. „Hey, kleine …“ „WAS?“ vollkommen entkräftet schaute sie ihren Kater an. Cassi legte ihre Hand auf Emilias Schulter. „Hey, ….“ Emilia sah zu ihren beiden Freunden. „Was war das?“ „ Was meinst Du?“ fragte Alfons vorsichtig. „Ich, ich weiß nicht. Ich, wir waren so glücklich und er war so traurig und dann auch so glücklich und dann diese Frau und der Kuss ….“ Das Mädchen rollte sich eng zusammen. Ihr ganzer Körper verkrampfte sich. Haltlos fing sie an zu weinen. Der Kater und die Sterbliche blickten einander an. „Gibt es bei Euch Hexen solche Gefühle?“ fragte Cassandra leise. „Ich meine, ganz normale, sterbliche Gefühle?“ „Hm brrrm, ich weiß nicht. So etwas habe ich noch nicht erlebt, brrrm. Eigentlich finden Hexen ihre Gefährten auf andere Art und Weise. Sie wissen wann jemand bestimmt für einander ist. Und ich kenne keine Hexe die mit einem normalen Menschen leiert ist … denkst Du etwa…?“ „Naja für mich sieht es zumindest danach aus. Aus rein MENSCHLICHER Teenager Sicht würde ich sagen, Emilia hat sich verliebt…“ „QUATSCH!“ Emilia fuhr mit einem Ruck hoch, wischte sich die Tränen mit den Ärmeln ihrer Strickjacke vom Gesicht. „Wie kommst Du denn auf denn auf einen solchen Blödsinn?“ Ihre Augen funkelten im Mondlicht. „Naja Mäuschen, erst oben auf der Burg, Du hast den Jungen gesehen, warst fest davon überzeugt, er hätte DICH auch gesehen…“ „Er HAT uns gesehen! Deshalb bin ich noch lange in niemanden verliebt!!!!“ „Ja, wie auch immer.“ Cassandra rollte mit den Augen. „Dann hat sich Deine Aura so stark verändert und …“ „Vielleicht habe ich ja einen Magischen Schub?! Ich bin JUNG Hexe, meine Magie entwickelt sich noch, so etwas soll vorkommen!“ „Bru brm, Emi Liebes, eine magische Entwicklung findet nicht einfach so statt, irgendwo allein bei einem Ausflug, brrrrm“ „Ach! Trotzdem QUARK! ICH BIN NICHT VERLIEBT!!!“ Erneut wischte sie sich die Nase und die Tränen ab. Es war wie verhext. „Irgendetwas stimmt nicht mit mir… vielleicht war der Hexenunterricht heute Nachmittag zu viel, oder, oder …. Oder es liegt am VOLLMOND! Jawohl! Wir haben heute mit Edelsteinen gearbeitet, Mutter und ich. Da habe ich wohl zu viel Energie aufgenommen. Wir haben Amethyst Ketten angefertigt, die werden mit Mondlicht aktiviert. Vielleicht hatte ich noch Amethyst Staub an mir …..“ Emilia blickte zu ihren Freunden. Die beiden sahen aus, als wollten sie etwas sagen, ließen es dennoch. „Komm Kleine, ich denke wir gehen nach Hause.“ Alfons blickte zu den Mädchen, auf sanften Pfoten setzte er sich in Bewegung. Der schwarze Kater schlug den schmalen Pfad, welcher in den Wald hineinführte ein. „Meinst du das ist ein guter Weg? Wir sind keine Katzen und können kaum die Hand vor Augen sehen.“ wagte Cassandra zu bedenken. „Ach, brurr, folgt mir einfach. Es ist der kürzeste Weg zu unserem Haus. Der Mond leuchtet so hell und klar, dass auch ihr beide alles sehen werdet!“ „Na gut.“ Ein Stückchen liefen die drei schweigend. Der Mond beleuchtete den Weg wirklich ausgezeichnet. Cassi, die am Anfang zögerlich gegangen war, ging nun entspannt neben ihrer Freundin her. „Du, Maus …“ setzte sie an „… ich glaube irgendwie schon, dass Du menschliche Gefühle hast. Ich weiß nicht warum und woher, aber Du hast heute Abend, als Du mich abgeholt hast, doch selbst gesagt – dass da etwas ist, was Du nicht einordnen kannst – vielleicht WUSSTEST Du das Du Dich heute Abend verliebst und als er dann die andere gek…“ „NEIN!“ Emilias Augen leuchteten gefährlich grün, als sie sich langsam zu Cassandra umdrehte. Alfons blieb stehen, sah erschrocken zu seiner Hexe hinauf. „NEIN! Es ist NICHT möglich! Er ist STERBLICH! Und er hat eine Sterbliche! Vielleicht hatte er Bauchweh und war deshalb bei der Pause so anders – es gibt eine Erklärung! Eine die NICHTS, aber rein gar nichts, mit mir zu tun hat! OKAY?“ Ihre Augen flackerten noch einmal, dann blickte sie zu Boden. Sah den schwarzen Kater mit ihren ganz normalen Augen an. „Und Du, mach Dir keine Sorgen um mich! Es ist alles okay. Ich habe mich durch die vielen Menschen, Emotionen und Auren um mich herum etwas verwirren lassen. Mutti sagt immer dass ich gut aufpassen soll, denn wo so viele Personen aufeinander treffen, treffen auch viele Gedanken – Gutes und Böses – aufeinander. Nur eine sehr starke Hexe, kann dies alles von sich fernhalten. Ich war wohl zu offen, zu befreit, einfach zu unvorsichtig. Vielleicht habe ich etwas aufgenommen, etwas das nicht zu mir gehörte, aber nun ist alles gut. Ich bin weg, ich bin im Wald, ich bin geerdet. Nun lasst uns bitte schnell nach Hause, ich bin nämlich dazu noch Hundemüde!“. Alfons sah seine Herrin an, brummte so etwas wie „Wenn Du denkst…“ Lief dann allerdings zwischen den beiden Mädchen friedlich her, bis sie auf der kleinen Lichtung an das wunderschöne gemütliche Holzhaus kamen in denen Emilia mit ihren Eltern lebte. Das silbrige Licht des Mondes spiegelte sich im Teich, den Emilias Eltern vor einiger Zeit angelegt hatten. Es war kein großer See, doch hatten ein paar Enten dort ihr zu Hause gefunden. Müde quakten sie, waren die Tiere doch in ihre Nachtruhe gestört worden.
Das Haus war nur durch einen kleinen Waldweg zu erreichen. Kaum einer wusste, dass es hier stand. Verirrte sich mal ein Pilzsammler, oder ein paar Wanderer hierher, dachten sie, es sei ein Forsthaus. Wenn sich dann jemand traute zu klopfen, wurde er meist herzlich empfangen. Emilias Mutter buk täglich Kuchen oder Plätzchen. Sie hatte immer frischen, heißen Kräutertee griffbereit in Ihrem großen, schmiedeeisernen Teekessel auf dem urigen Holzofen. Das Häuschen lag still, fast dunkel da. Nur ganz oben, durch das kleine Runde Giebelfenster fiel ein schwacher Lichtschein. Emilias Mutter war also noch in ihrem Hexenlabor. Die drei betraten das kleine Haus. In der Küche roch es verführerisch nach Plätzchen. „Hm Walnuss – ich hab gar nicht bemerkt wie hungrig ich war!“ Emilia stürzte an den Backofen, zog das Blech heraus. Beinahe hätte sie sich die Finger verbrannt, weil sie so gierig war. „Autsch! Verdammt!“ Emi schaute auf ihre Hand. Es war nichts passiert, also schnappte sie sich nun die Plätzchen vom Blech und schon die Ofentür mit dem Fuß wieder zu. Cassandra stellte zwei Teller, sowie Gläser auf den Tisch. Sie nahm die kleine blaue Schale von der Spüle. Alfons leckte sich das Schnäuzchen. „Brmmm, lecker, frischer Rahm!“ Mit flinken Händen gab Cas ein Schlückchen Rahm in das Schälchen, stellte diese auf Alfons Platz am Tisch. Der Kater sprang behände auf seinen Stuhl. Sofort fing er an, den sahnigen Rahm mit seiner kleinen rosa Zunge aufzulecken. „Göttlich“ schnurrte er zwischen zwei Zungenschlägen. Am Anfang hatte sich Cassandra darüber gewundert, dass die Katze einen eigenen Platz am Tisch hatte und auch an den Mahlzeiten teilnahm. Mittlerweile hatte sie sich daran gewöhnt, zumal Alf wirklich ausgezeichnete Tischmanieren hatte. Emilia stellte die warmen Plätzchen auf den Tisch. Cas gab Milch in ihre Gläser. „Es gibt doch nichts besseres, als einen Mitternachtssnack mit Milch und warmen Keksen“ grinste sie. Leise Schritte näherten sich auf der Treppe. Sogleich schaute Emilias Vater um die Ecke. „Hab ich es mir doch gedacht, die drei ausgehungerten Naschkatzen sind von ihrem Ball wieder zu Hause.“
Das Konzert war zu Ende. Die Menschenmenge hatte sich verteilt, die einen waren nach Hause gegangen, andere wiederum hielten sich eisern an den Getränkeständen auf. Die Fünf Musiker hatten ihre Sachen zusammen gepackt und trafen sich nun, mit ihren Freundinnen, ebenfalls noch auf ein Bier. „Mensch Alter, das war echt geil! Wir werden von Mal zu Mal besser!“ „Jupp. Und die Show die unser Milchbubi abzieht, macht die Fangemeinde auch nicht kleiner! Hahaha …“ „Aber sach mal Bubi, wie hast n das mit der Regenwolke gemacht? Das war echt krass!!!!“ Alle starrten Finn an. Dieser zuckte mit den Achseln, „Das war ich nicht!“ „ Ne, Kleiner spinn mal nicht rum, war ne coole Überraschung! Zum Glück hast ja auch nur DU das Wasser abbekommen, aber echt mal - wie hast Du das gemacht? Und warum hast Du uns nicht eingeweiht?“ „Ich war es echt nicht! Ich war genauso baff wie ihr. Keine Ahnung woher die Wolke kam!“ Finn guckte die anderen ernst an. Seine Freundin, die schlanke Blondine, die ihre Reize sehen lassen konnte, kicherte angeheitert „Ach Schnuckibärchen, verrat uns doch Dein kleines Geheimnis! BÖÖÖÖTTTTEEEEE!“ Sie schmiegte sich noch näher an ihn. Mit ihren langen Fingernägeln, wuschelte sie, in seinen, durch den Auftritt verschwitzen Haaren. Doch irgendwie war Finn diese Nähe plötzlich unangenehm. Er rückte, kaum merklich, ein kleines bisschen von ihr ab. „Linda, wenn ich es doch sage – ICH WAR ES NICHT! Ich kann doch nicht…“ sein Satz blieb ihm im Hals stecken. Sein Herz klopfte auf einmal schneller, der Puls raste, was war nur los? „…hexen.“ Beendete er mühsam seinen Satz. „Hihihi Finny Häschen, natürlich kannst Du zaubern!“ Linda schmiegte sich nun sehr eng an ihn. Ihre großen, geschminkten Augen blickten ihn von unten herauf an. „Ich weiß doch genau, wenn wir beide nachher zu Hause sind, holst Du Deinen Zauberstab heraus und verhext mich.“ Sie drückte sich nun sehr provokativ an ihren Freund. Die anderen der Gruppe grinsten wissend. „Ähm, ich muss mal kurz zum Klo. Bestell Dir noch so ne Blubberbrause… Schatz…“ Schnell zog sich der smarte Sänger von seiner Freundin zurück, drehte sich um, lief erstmal in Richtung WC Schild. Er brauchte eine Atmen Pause. Sonst störte ihn die Nähe überhaupt nicht, genoss das, was seine Freundin nach jedem Gig abzog sozusagen als Vorspiel, doch heute… Finn lief weiter. Linda guckte ihm verwundert hinterher „Ach – Männer, los Mädels, noch ne Runde Schampus für alle!“.
Der junge Mann schob sich durch die Menschen. Ganz hinten, am Ende des Marktplatzes, drehte er sich noch einmal um. Seine Freundin und Kumpels, die ganze Gruppe stand dort, lachte ausgelassen. Linda hatte eine neue Flasche Champagner besorgt. Großzügig schenkte sie allen ein. Diese ekelige Blubberbrause, bah! Morgen früh hätte er von dem Zeug so oder so wieder Kopfschmerzen bekommen. Finn war, wenn er überhaupt etwas trank, eher der Bier Typ. Er konnte sich aber durchaus einen ganzen Abend an ein und derselben Flasche festhalten. Alkohol war nicht so seins. Ein Laster hatte er allerdings, er rauchte. Der Gedanke an eine Zigarette überkam ihn in diesem Moment mit voller Wucht. Hektisch suchte er seine Taschen ab. Bis ihm einfiel, dass er seine Sachen ja in Lindas Handtasche hatte, wie bei jedem Auftritt. „Mist!“ fluchte er. „Was n los Kumpel?“ quatschte ihn da ein, sichtlich betrunkener Mann an. Erst wollte er nicht antworten, doch dann antwortete Finn: „Keene Kippen.“ „Ach, Kleener – wenn det alles is. Hier haste!“ Der unbekannte Mann reichte ihm eine Schachtel Zigaretten. „Geile Show habt ihr jemacht – die Regenwolke war die Wucht!“ Einerseits nervte es Finn von allen und jedem immer als „Kleiner“ betitelt zu werden, doch besann er sich auf seine gute Kinderstube und antwortete „Danke schön. Ihr wart auch n super Publikum.“ Warum er nun grade hier stand, mit einem stark angetrunkenen Mann überhaupt sprach, wusste er nicht so genau. Irgendwie war grade alles besser, als zurück zu den Bandmitgliedern mit dazugehöriger Groupie Schaar zu gehen. Allen voran Linda. Finn wunderte sich über sich selbst. Linda war seit Jahren seine Freundin. Er liebte sie. Doch ließen ihn diese Augen nicht los. Er war sich sicher, dass dort oben, auf der Burg, ein Mädchen gewesen war. Mit wunderschönen, grünen Augen. Fast wie Katzenaugen. Er starrte zu der Burg hinauf. Vor seinem geistigen Auge sah er sie wieder. Die Augen, ihre Blicke, wie sie sich trafen, Bruchteile von Sekunden nur, dann war sie weg. Doch es hatte etwas in ihm ausgelöst, etwas, was er nicht zuordnen konnte. Etwas, dass Lindas Nähe unerträglich werden ließ… „Hey, Kumpel!“ Der angeheiterte Mann klopfte ihm auf die Schulter. „Ich hab Dich was jefracht!“ Finn brauchte einen Wimpernschlag um aus seinen Überlegungen zurückzukommen. Er sah den Mann an. „Wie habt n dat jemacht? Mit m Regen?“ Der Berliner guckte den Sänger fragend an. „Äh, ja … äh…“ Finn wusste nicht was er sagen sollte. „Bandgeheimnis“, fiel ihm dann ein. Er grinste entschuldigend. „Muss jetzt auch los. Danke für die Kippe, Mann!“ Schnell entfernte er sich. Ein paar Schritte später fiel ihm auf, dass er nun zwar eine Zigarette, allerdings noch kein Feuer hatte. Suchend blickte er sich um. Dort der kleine Ahornbaum, da funkelte doch etwas …. Langsam ging er näher. Tatsächlich, dort in den Zweigen glitzerte etwas. Finn streckte sich, mit seinen 1 Meter 80 war er kein Riese, jedoch auch kein Zwerg. Mit den Fingerspitzen zog er vorsichtig an einem dünnen Ast und – „pling“ – hielt er etwas Glänzendes in der Hand. Eine Kugel, nein da war ein kleines Loch drin, also ein Anhänger? Ratlos drehte er das Ding zwischen den Fingern, steckte es dann ein. Es fühlte sich warm, irgendwie lebendig an. Angenehm. Finn drehte sich herum und wäre beinahe in den Drummer der Band gelaufen. „Na Babyface, hier sind aber keine Toiletten. Deine Puppe verzehrt sich nach Dir. Komm mit, oder suchst Du immer noch Hexen?“ Er feixte Finn an. Dieser kapitulierte, ja Sven hatte wohl irgendwie Recht. Oder auch nicht. „Du, lass mal, ich hol Linda, dann hau ich ab. Ich bin irgendwie total kaputt, wahrscheinlich hab ich mir ne Erkältung eingefangen.“ Finn ging los, doch Sven hielt ihm am Arm zurück – „Ey, mach kein Scheiß Junge!“ Mehr sagte er nicht. Er ließ Finn so urplötzlich los, dass dieser fast ins straucheln geraten wäre. Als er sich wieder gefangen hatte, sah er auf einem Tisch Streichhölzer liegen. „Cool!“, Erleichtert schnappte Finn sich das Briefchen, zündete die Zigarette an. Erst nach zwei tiefen Zügen ging er zurück zu den anderen. „Hey Goldkehlchen, warst aber lange weg!“ wurde er begrüßt „Ja, ich hab mir schon Sorgen gemacht, Bärchen. Du warst auch in der Pause schon so komisch….“ Linda sah ihn mit einem gekonnten Augenaufschlag an. „Ach weißt Du Linda ….Mäuschen, ich hab grad zu Sven gesagt, ich bin irgendwie kaputt. Krieg glaub ich eine fiese Erkältung….“ „Ach Schmusihasi, da weiß ich ein super ZAUBERmittel dagegen – wo man viel schwitz und gaaaaaaaaannnnnnzzzz viele Glückshormone ausschüttet….“ „Ne, ….Maus…. Du, sei mir nicht böse, ich fahr jetzt heim. Ich brauch mal n bisschen Ruhe. Die Jungs nehmen dich sicher gerne mit zurück. Ich ruf mir n Taxi.“ Lindas Gesichtszüge entgleisten ungläubig. Finn versuchte ein Lächeln zustande zu bringen, doch er spürte selbst, wie ihm dies gründlich misslang. Er wandte sich zum gehen. Grade noch rechtzeitig fiel ihm ein, dass er seine Sachen noch in Lindas Tasche hatte. Seine Freundin starre ihn sowieso grad an als käme er vom Mars, oder hätte plötzlich feuerrote Locken und dazu einen mega dicken Bauch. „Äh, Linda, ich brauch meine Sachen.“ „WAS?“ Linda schien nun langsam mitzukriegen, dass Finn wirklich im Begriff war, ohne sie, zu SICH nach Hause zu fahren. „WAS willst Du?“ „Mein Portemonnaie, Zigaretten, Feuerzeug und Haustürschlüssel. – BITTE!“ Allmählich wurde es dem süßen Sänger zu bunt. Er wollte einfach nur weg, keine Diskussionen, nur seine Ruhe, schlafen, überlegen was passiert war… Vielleicht sah ja morgen schon alles wieder ganz anders aus? Linda griff nach ihrer Tasche, steckte eine Hand hinein um sie gleich wieder heraus zu ziehen. „NEIN!“ „Wie - nein?“ Finn blickte sie verdattert an. „NEIN, ich gebe Dir Deine Sachen nicht! Wenn Du krank bist, kommst Du jetzt mit zu mir. Ich zeige Dir wie man ganz schnell wieder gesund wird!“ Was als Anmache gedacht war, klang in Finns Ohren grade wie eine Drohung. „Du spinnst ja!“ sagte er barsch, drehte sich um. Mit schnellen Schritten lief er die Gasse vom Marktplatz hinab, ignorierte das wütende Kreischen hinter ihm. Kopflos rannte er um die Ecke. Im nächsten Augenblick schlug er unsanft auf dem Boden auf. „Was zur Hölle ….?“ Finn drehte seinen Kopf, rappelte sich langsam auf. Am Boden saß der Mann, von dem er vorhin die Zigarette bekommen hatte. „Entschuldigung!“ sagte Finn. Der Mann lächelte „Nich dein Tach heut, wa?“ Da hatte der gute Mann wohl leider Recht. Wobei, Finn wusste nicht wirklich weiter. Irgendwas war anders, an ihm? Seid er diese Katze auf der Burgzinne gesehen hatte, dann noch diese grünen Augen … der Regen…. Er war verwirrt. Laut sagte er „Hab n bissl Stress mit meiner Freundin.“ „Die süße rothaarige?“ fragte der Mann. Finn stutzte „Äh, nein, Linda ist blond….“ „Ach so, ich dachte die kleine Süße, die erst mit ihrer Freundin und der Katze auf der Burg war und dann so nah an der Bühne getanzt hatte wär Deine Freundin, sah so aus als wenn ihr zusammen gehört….“ „Äh, …..“ Finn wusste nicht was er darauf sagen sollte. Also erstmal bedeutete das, was ihm dieser Fremde grade erzählte, dass er nicht spontan verrückt geworden war, weil TATSÄCHLICH Jemand mit einer Katze auf der Burg gewesen war. Aber dass, dieses Mädchen an der Bühne gewesen sein sollte …. Hatte er nicht mitbekommen. Er hatte aber auch, um ehrlich zu sein, nicht darauf geachtet. Ab und zu hatte er noch zur Burg hoch geschaut, sie war ihm nach der Pause irgendwie dunkler als vorher vorgekommen. Dann waren Linda und die Mädels der anderen Jungs aufgetaucht. Hatten ihre „Tanzshow“ vor der Bühne abgezogen…. „Was wissen Sie über das Mädchen und die Katze?“ „Kannst Du sagen, ich bin Kalle. Noch ne Kippe?“ „Danke, ja gern, Kalle. Ich bin Finn. Meine Freundin hat all meine Sachen. Schlüssel, Geldbörse, Kippen – alles.“ „Weiber!“ Kalle grinste. „Was haste denn nu vor Jüngelchen?“ Das war in der Tat eine gute Frage. Mondau lag knapp 100 km von Gurham entfernt. Ohne Geld ein Taxi zu bekommen, welches er ohne Schlüssel auch nicht aus seiner Wohnung holen könne …. „Tja, weiß nicht.“ Finn guckte etwas verloren. „Lass Dir mal vom Kalle n Rat geben, Du gehst jetzt da hoch zu Deiner Maus, tust einen auf ganz lieb. Machst fein Männchen, da stehn die Weiber drauf. Fährst mit ihr nach Hause.“ Finn wollte ihn unterbrechen, doch Kalle hob die Hand … „Junge, ich sehe viel. Und das DU heute erstmal nach Hause gehörst steht fest. Ohne deine heiße Flamme, is der Weg n büsschen weit. Und wenn Du dann erstmal zu Hause bist, dann nimmst du die Kugel aus deiner Hosentasche…“ Finn riss die Augen auf. Doch Kalle sprach unbeirrt weiter. „…Suchst Dir ne ruhige Ecke. HEUTE ist vorbei – und ich sach Dir nur eins – Du wirst die richtige Entscheidung finden. Du bist n Prachtkerl, ich weiß Du gehst deinen Weg!“ Damit stand Kalle auf, warf Finn das angefangene Päckchen Zigaretten hin und ging. Finn rappelte sich hoch. „Kalle ! Kalle warte!“ Doch Kalle war einfach so, verschwunden.
Einen Moment stand Finn durcheinander da. Er hob die Zigaretten auf, fingerte eine aus der leicht zerdrückten Packung. „Mist!“ schon wieder, oder immer noch, kein Feuerzeug. Da fielen ihm die Streichhölzer wieder ein. Er hatte das Briefchen in die Tasche mit der Kugel geschoben. Als er nun in seine Tasche griff, kam ihm der Stein ziemlich heiß vor. Vorsichtig, mit den Fingerspitzen zog er ihn heraus. Versonnen betrachtete er die kleine Kugel. So auf der flachen Hand, war sie nicht heiß. Es war eine wunderschöne kleine Steinkugel. Glänzend schwarz. Man konnte fast denken dass sich das Mondlicht darin spiegelte. Sanft strich Finn mit dem Zeigefinger darüber. Wieder hatte er das Gefühl von einer Kraft überschwemmt zu werden. Energisch steckte er die Kugel in seine Tasche zurück, zog dafür die Zündhölzer heraus. Er besah sich die Zeichnung auf der Packung. Ein kleines Windschiefes Häuschen war darauf gemalt. Darunter stand – „REIKI – ich komme auch zu ihnen“. Und eine Telefonnummer. Finn grinste, mit diesem spirituellen Zeug konnte er irgendwie nichts anfangen. Er zündete sich seine Kippe an und ging dann, eine Hand in der Hosentasche mit der Steinkugel, wieder hinauf zum Marktplatz. Seine Leute standen noch genau dort wo er vor – ja wie lang war es her – wo er verschwunden war. Sie lachten. Sven, der Drummer, hielt Lindas linke Pobacke mit seiner einen, mit der anderen Hand die Pobacke seiner Freundin Laura fest im Griff. Normalerweise war Finn ein kleiner Hitzkopf. Er hätte sich, bei solch einem Benehmen eifersüchtig auf Sven gestürzt, aber jetzt war es ihm irgendwie gleichgültig. Er ging zum Tisch und sagte laut „Ey Leute, ich schmeiß ne Runde!“ Die Kumpels klopfen ihm auf die Schulter. „So muss das!“ Finn setzte er seinen „Plüschbärblick“ auf, lächelte Linda an. „Wenn ich mein Geld von meinem Engel bekomme“. Mit den Augen blinkernd streckte er Linda seine Hand entgegen. Diese errötete leicht, wischte mehr auffällig als unauffällig Svens Hand von ihrem Hintern, zog lasziv Finns Geldbörse aus ihrer Tasche. „Hier mein Schatz!“ Sie lächelte zuckersüß. Was hatte Kalle gesagt? „Machst auf ganz lieb…“ „Danke Zuckerhasi! Komm mal her meine Schnecke. Du es tut mir wirklich unendlich leid – ich weiß nicht was mit mir los war, ja Schnuckihasi… Bist mir nicht mehr böse, Zaubermaus?!“ So wie seine Worte seinen Mund verließen, kam sich Finn verlogen vor, doch wie hieß es noch gleich? Der Weg führt zu Ziel. Und sein Ziel war es für heute nach Hause zu kommen. So wie Kalle es gesagt hatte.
