Rockstar Love: 2 Bände in einem Bundle! - Judy Nolan - E-Book
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Rockstar Love: 2 Bände in einem Bundle! E-Book

Judy Nolan

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Beschreibung

**Schau hinter seine Fassade. Nur dann erkennst du sein wahres Ich** Knisternde Gay-Rockstar-Romantik vor der überwältigenden Kulisse Japans: Hidden Rockstar Love Jo und Minato lernen sich per Zufall über ein Online-Portal kennen. Schnell sprühen nur so die Funken zwischen den beiden, obwohl sie sich von komplett verschiedenen Kontinenten aus schreiben. Doch Minato hat ein großes Geheimnis: Er ist ein gefeierter Rockstar in Japan, dem die Frauenherzen nur so zufliegen. Aber mit Frauen kann Minato so gar nichts anfangen. Sehr zum Leidwesen seines Managements … Healing Rockstar Love J-Rock-Gitarrist Kin freut sich auf den frischen Wind, den die Kooperation mit einer europäischen Band in seinen Rockstar-Alltag bringen soll. Doch Levi, Frontsänger der schwedischen Rockband, sieht das ganz anders. Er und Kin geraten immer wieder aneinander, bis es Kin gelingt, hinter Levis errichtete Schutzmauer zu blicken. Dort entdeckt er nicht nur einen liebevollen Mann, sondern auch dessen dunkles Geheimnis, das niemals an die Öffentlichkeit geraten darf … Leserstimmen zu »Hidden Rockstar Love« auf Amazon: »Mit ihrem Debüt hat Judy Nolan mich absolut umgehauen.« »Ich habe jedes einzelne Kapitel genossen und wollte gar nicht, dass die Geschichte endet.« »Mega tolles Debüt voller Höhen und Tiefen.« »Gönnt euch das Buch, es bringt Sonne ins Herz.« //Dies ist der Sammelband der Gay-Rockstar-Dilogie »Rockstar-Love«. Alle Romane der New-Adult-Buchreihe bei Impress: -- Hidden Rockstar Love -- Healing Rockstar Love// Diese Reihe ist abgeschlossen.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Impress Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH © der Originalausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2022 Text © Judy Nolan, 2021, 2022 Lektorat: Maria Schmidt Coverbild: freepik.com / © tzido / © roshchyn / © rawpixel / © macrovector / © sarawut123456 / twenty20.com / © Rusty / freepik.com / © Phonlamaistudio / © freepik / shutterstock.com / © Roman Voloshyn / © Pooja kumaris Covergestaltung: M. D. Hirt ISBN 978-3-646-60929-5www.impressbooks.de

Impress

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Impress ist ein Imprint des Carlsen Verlags und publiziert romantische und fantastische Romane für junge Erwachsene.

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Judy Nolan

Hidden Rockstar Love (Rockstar-Love 1)

**Wenn deine große Liebe ein noch größeres Geheimnis hat**

Bei einem spontanen Chatroulette lernt Minato den zurückhaltenden Jo aus London kennen. Beide spüren sofort, dass da mehr zwischen ihnen ist. Trotz der vielen Kilometer, die sie trennen, schaffen es Minato und Jo, sich immer näher zu kommen. Als sie sich dann endlich zum ersten Mal in London treffen, sprühen nur so die Funken. Doch Minato hat ein Geheimnis, das er um jeden Preis vor Jo verbergen muss: Er ist ein gefeierter Rockstar in Japan und niemand darf wissen, dass er auf Männer steht …

Wohin soll es gehen?

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Vita

Danksagung

© Anki

Judy Nolan wurde 1989 in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Ihre kreative Ader und Vorliebe für spannende Geschichten führte sie zur Schriftstellerei. Wenn sie nicht gerade schreibt, führt sie ihre Hündin Gassi, liest Bücher aus verschiedenen Genres, fotografiert oder widmet sich dem Erlernen der japanischen Sprache.

Für Kathy

Kapitel 1

Jo

»Was wird das, wenn’s fertig ist?«

Jun platzierte einen Laptop auf dem Tisch, klappte ihn auf, sodass ich den schwarzen Bildschirm sehen konnte, und grinste mir breit ins Gesicht.

»Mona, es geht los!«, rief Colin in die Küche, in der Gläser klapperten.

»Hilft mir mal einer?«, antwortete sie und ich hatte nicht den blassesten Schimmer, was hier vor sich ging.

»Was geht los?«, fragte ich.

»Das siehst du gleich.« Nick legte seinen Arm um meine Schultern und zwinkerte mir zu.

»Was auch immer ihr vorhabt, ich bin dagegen«, sagte ich aus einer üblen Vorahnung heraus.

»Dich hat keiner nach deiner Meinung gefragt.« Colin stellte fünf Whiskygläser auf den Tisch und Mona brachte die dazugehörige Flasche Cotswolds-Single-Malt-Whisky aus der Küche mit. Erstaunt riss ich die Augen auf.

»Euch ist schon klar, dass es erst vierzehn Uhr ist, oder?«

Eine flache Hand tätschelte von hinten gegen meine Wange und drückte danach meine Schulter. »Es ist Samstag und du hast heute nichts mehr vor. Entspann dich«, meinte Colin und wuschelte mir durch die Haare. Reflexartig schlug ich nach seiner Hand.

»Lass das.«

Nachdem Mona alle Gläser gefüllt hatte, schaltete Jun den Laptop ein. Was ich zu sehen bekam, war schlimmer, als ich erwartet hatte.

Die Startseite einer Datingplattform namens First Glance war geöffnet. Ein Foto von mir prangte neben einem Steckbrief, den ich nie ausgefüllt hatte. Ungläubig beugte ich mich vor. »Was zum …« Meine Augen flogen über den Text, der laut der Seite von mir stammte. »Ich liebe Spaziergänge am Strand und den Adrenalinkick beim Bungeejumping«, las ich laut vor. Sprachlos starrte ich auf die Worte. Mona und Jun kicherten neben mir. »Was soll der Mist?« Entsetzt drehte ich mich um. Colin stand hinter dem Sofa, das frei im Raum positioniert war, und hatte schwer damit zu kämpfen, nicht in Gelächter auszubrechen. Ich taxierte jeden Einzelnen von meinen vermeintlichen Freunden und wünschte mir neue herbei. Ich sah Mona an, die zu meiner Rechten auf der Couch saß. »Wie konntest du das zulassen?«

Sie nahm meine Hand und sah mir eindringlich in die Augen. So ernst, dass ich kurz den Atem anhielt. »Es wird Zeit, Jo«, sagte sie und drückte meine Hand ganz fest.

»Zeit für was?«

»Es ist Zeit …« Nicks Hand landete auf meiner Schulter.

»… dass du endlich den Stock aus deinem Arsch ziehst und einen anständigen Mann dorthin platzierst.«

Während sich meine Augen entsetzt weiteten und ich keinen Ton herausbekam, brachen die vier in schallendes Gelächter aus. Selbst Mona konnte sich kaum auf dem Sofa halten.

»So, haben sich alle wieder beruhigt, ja?«, wollte ich wissen, als sie endlich aufgehört hatten, brüllend zu lachen.

Die Antwort auf meine Frage lautete: Nein.

Es ging noch einmal von vorn los. Während sie alle mit hochrotem Kopf vor sich hin grölten wie die Affen im Zoo, überlegte ich ernsthaft, einfach aufzustehen und zu gehen.

»Von dir hätte ich wirklich mehr erwartet«, sagte ich tadelnd zu Mona.

Sie presste angestrengt die Lippen aufeinander und versuchte sich zusammenzureißen, doch das breite Grinsen auf ihrem Gesicht verschwand nicht.

»Sorry, Honey, aber das war echt zu komisch.« Sie strich sich die rote Bluse glatt, fuhr mit den Fingern durch ihr langes dunkelbraunes Haar, um es zu ordnen, und rutschte dann etwas näher an mich heran. »Jetzt beruhigt euch endlich«, verlangte sie von den anderen. Und an mich gewandt erklärte sie: »Wir sind der Meinung, dass es für dich an der Zeit ist, deine Vergangenheit ruhen zu lassen und jemand Neues kennenzulernen.«

»Das sehe ich anders.«

Mona rümpfte die Nase.

Ein Kloß, der so groß sein musste wie eine Gondel des London Eye bildete sich in meinem Hals. Ich wollte niemand Neues. Ich war zufrieden, so wie es war.

»Jo?« Meine Augen wanderten langsam wieder zu Mona.

»Ich weiß, du denkst, alles ist gut, so wie es ist.« Konnte sie Gedanken lesen? »Aber dir fehlt etwas. Du willst es vielleicht nicht wahrhaben, aber so ist es.«

»Ganz genau«, mischte sich Nick ein. »Und deswegen nimmst du jetzt einen Schluck hiervon.« Er reichte mir eines der Gläser. »Und dann werden wir ein paar nette Männer kennenlernen.«

»Wir?« Ich nahm das Glas entgegen.

»Keine Angst, wir lassen dich schon nicht allein.«

Tatsächlich beruhigte mich das. Ich lehnte mich zurück und nahm den ersten Schluck vom Whisky. Er floss meinen Hals hinab, brannte in meiner Kehle und hinterließ eine angenehme Wärme.

»Was genau habt ihr vor?«

»Das wollte ich hören«, warf Colin grinsend ein und setzte sich neben Mona auf die Couch.

»Es ist eine Art Online-Speed-Dating«, fing Jun an zu erklären. »Du wirst zufällig mit anderen Teilnehmern verbunden. Wenn dir nicht gefällt, wer vor dir sitzt, drückst du einfach auf weiter. Oder ihr unterhaltet euch. Ein Zeitlimit gibt es dabei nicht.«

Dieses Konzept kam mir bekannt vor.

»Ist das die Seite, bei der man ständig …« Ich stockte.

»Ständig was?«, fragte Jun.

»Ständig nackte Typen zu sehen bekommt«, beendete Colin meinen Satz und sie begannen erneut zu lachen.

»Ihr seid schlimmer als Teenager.«

»Trink«, forderte Nick und hob mir das Glas an den Mund.

»Es ist kaum auszuhalten, wie verklemmt du bist.«

»Ja, das ist die Seite«, beantwortete Jun endlich kichernd meine Frage. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie sich auf diesen Teil besonders freute.

Ich nahm einen weiteren Schluck. Diesen Nachmittag würde ich ohne Alkohol nicht überstehen.

»Um das Ganze etwas interessanter zu gestalten, haben wir uns ein Spiel überlegt«, sagte Nick, der links von mir saß.

»Was für ein Spiel?«, fragte ich skeptisch, denn mir schwante Böses.

»Die Regeln sind ganz einfach«, warf Colin ein. »Sobald ihr einen Penis seht, ruft ihr ›Shot!‹ und trinkt.« Er erklärte es mit einer solchen Begeisterung, dass man denken konnte, er spräche von den Olympischen Spielen. Seufzend sank ich tiefer ins Sofa und rieb mir die Augen. Bei solchen Freunden brauchte man wahrlich keine Feinde mehr.

»Shot!«, brüllte Mona plötzlich und ich zuckte vor Schreck zusammen. Die anderen taten es ihr nach und mein Blick fiel auf den Bildschirm. Es war nicht nur ein Penis, sondern auch zwei Nippel. Zwei ziemlich haarige Nippel. Ihr Besitzer massierte sie voller Freude.

»Das ist widerlich«, brüllte ich über das Lachen hinweg und drückte panisch auf weiter. »Ihr hättet mich ruhig warnen können, dass es losgeht«, beschwerte ich mich, während auf dem Bildschirm eine leere Ledercouch erschien. Dahinter hing ein Poster, das den jungen Leonardo DiCaprio als Romeo zeigte.

»Es geht los«, sagte Nick unnötigerweise. »Trink.«

Diesmal kam ich seiner Aufforderung sogar gerne nach. Das hier konnte man anders nicht ertragen.

»Hey, ist da wer?« Jun hatte sich zum Bildschirm vorgelehnt und wollte gerade auf weiter drücken, als eine Stimme blechern aus dem Lautsprecher tönte.

»Sekunde, ich bin sofort da!«

»Bitte hab ’ne Hose an«, flüsterte ich, während ich stur in mein Glas stierte.

»So, jetzt. Oh, hallo.« Die Stimme klang verwundert. Ich hob meinen Blick und musterte den Kerl, der dort saß. Er war sogar ganz süß. Blonde, leicht zerzauste Haare. Helle Augen, deren genaue Farbe ich nicht erkennen konnte. Dreitagebart und ein entwaffnendes Lächeln. Vielleicht war das hier doch keine so schlechte Idee gewesen.

»Wie heißt du?«, wollte Jun wissen.

»Patrick. Sucht ihr alle einen neuen Freund?« Er grinste breit, wobei sich kleine Grübchen bildeten. Er war wirklich hübsch. Langsam begann ich Gefallen an der Sache zu finden.

»Nein, nur unser Freund Joseph hier.« Nick legte erneut seinen Arm um mich und drückte mich demonstrativ an seine Brust.

»Ah, wie schön. Hallo, Joseph«, sagte Patrick und zog seinen Laptop ein Stück näher an sich heran.

»Hi«, brachte ich mit Mühe hervor.

»Wohnst du in London?«, wollte er wissen.

Ich nickte stumm und fragte mich, woher er das wusste. Meine Augen huschten über sein Profil, das mir bei genauerer Betrachtung verriet, dass er ebenfalls in London lebte.

»Du weißt schon, dass es erst um zwei am Nachmittag ist, oder?«, sagte Patrick und ich war überrascht, dass ich getrunken hatte, ohne es selbst zu merken.

Ich lachte verlegen und stellte das Glas vor mir ab.

»Ja, aber es ist Samstag und ich hab nichts mehr vor.«

Wie erbärmlich das klingen musste, bemerkte ich erst, als es zu spät war. Neben mir kicherte es. Ich bedachte Jun mit einem bösen Blick und sie verstummte sofort.

»Du hast also nichts mehr vor? Willst du dann nicht herkommen und wir führen das Gespräch hier fort?«

Er schien keine Zeit verlieren zu wollen.

Ich runzelte die Stirn. Ging das nicht etwas zu schnell?

»Nur eins möchte ich vorher wissen.«

»Was?« Ich war zu perplex, um seine Einladung sofort auszuschlagen, was ich definitiv tun wollte.

»Bist du lieber der aktive oder der passive Partner?«

Ich riss schockiert die Augen auf. Nick und Colin grölten los und Mona tat das einzig Richtige: Sie drückte auf weiter.

Mir wurde keine Sekunde gegönnt, um zu verarbeiten, was gerade passiert war. Kaum hatte Mona den Knopf gedrückt, riefen alle im Chor:

»Shot!«

Sie tranken und ich sprang von meinem Platz auf.

»Was machst du?«

»Muss aufs Klo.«

Mental erschöpft stützte ich mich mit beiden Händen am Waschbecken ab. Wieso brachte mich etwas so Plumpes dermaßen aus der Fassung? Vielleicht hatten sie recht und ich musste dringend lockerer werden? Das Wasser rauschte nicht nur den Abfluss hinab, sondern auch durch meine Ohren. Der Whisky machte sich bereits bemerkbar, indem er die Gedanken leicht wabernd durch meinen Kopf schickte. Nicht mehr lang und es würde zu Schwindel heranwachsen. Ich füllte meine Hände mit Wasser und spritzte es in mein Gesicht. Es half nicht.

Die Rufe meiner Freunde drangen durch die Tür. Sie hatten offensichtlich beschlossen, ohne mich weiterzumachen. Gut so. Wenn ich lang genug hier drinnen blieb, hatten sie vielleicht keine Lust mehr, wenn ich zurückging.

Ein Blick in den Spiegel ließ mich zusammenzucken. Meine Haut war so blass, dass es schon ungesund wirkte, und unter meinen Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab. Zähneknirschend sah ich mein Spiegelbild an. »Was ist nur los mit dir?«, flüsterte ich ihm entgegen. Ein weiterer Schrei riss mich aus dem Selbstmitleid, dem ich in letzter Zeit nur zu gern verfiel.

Dumpf und zaghaft klopfte es an der Tür.

»Jo, ist alles ok?« Es war Mona.

»Ja, ich komme«, gab ich zurück und sah ein letztes Mal in meine Augen. Ich öffnete den obersten Knopf meines Hemdes, um mir mehr Raum zum Atmen zu geben. »Du schaffst das schon«, flüsterte ich mir selbst zu.

Als ich zurück zu den anderen ging, redeten die Mädels gerade mit irgendeinem Fremden, der kaum Englisch sprach. Sein Kopf lag auf einem Kissen. Zumindest glaubte ich das, denn mehr als sein Kopf aus einer seltsamen Perspektive war nicht zu sehen. Man konnte nicht einmal erahnen, ob der Kerl einen Hals hatte.

Ich setzte mich und drückte dabei auf weiter.

»Hey, wir haben uns unterhalten«, beschwerte sich Jun.

»Machen wir das hier wegen euch oder wegen mir?«

Ihre Augen wanderten Richtung Decke. Das taten sie immer, wenn Jun nachdachte.

»Ein bisschen von beidem?« Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern.

»Wenn ihr wollt, dass ich hier mitspiele, dann entscheide ich auch über den Knopf.«

»Übrigens …« Nicks Kopf erschien in meinem Sichtfeld und unterbrach mich.

»Shot!«

Ich zuckte vor Schreck zusammen und rieb über das Ohr, in das er gebrüllt hatte.

***

Wir tranken. Und wir tranken. Es schien, als hätte die halbe Welt nichts Besseres zu tun, als ihr Geschlechtsteil vor eine Kamera zu halten. Warum machten Menschen so etwas? Die wenigen Männer, die auf den ersten Blick seriös wirkten, entpuppten sich schnell als Psychos oder verschüchterte Stubenhocker. Auch wenn die anderen der Meinung waren, dass genau die gut zu mir passen würden, weigerte ich mich, diese Gespräche zu vertiefen. Keiner von ihnen reizte mich auch nur annähernd.

Mit jedem Klick und jedem Penis wurde mein Blick schwammiger. Der Whisky hatte mich inzwischen fest im Griff und ich spürte, dass ich immer mutiger wurde. Zeit, dass ich die Notbremse zog.

»Also gut, Leute, ich habe genug. Das führt zu nichts.« Ich hatte bereits die Hand nach dem Laptop ausgestreckt, um ihn zuzuklappen. Doch Mona legte ihre Finger auf meinen Unterarm und stoppte mich. Sie zog den entwaffnendsten Schmollmund, den ich bei ihr je gesehen hatte.

»Nur noch einen«, bat sie mich mit kindlich verstellter Stimme. Auch sie hatte längst einen sitzen.

»Ja, komm, noch einen Klick«, forderte auch Colin und die anderen beiden nickten zustimmend.

»Was findet ihr daran nur so witzig?«

»Das heißt Ja, oder?« Mona drückte meinen Arm.

Seufzend gab ich mich geschlagen.

»Der Letzte«, sagte ich entschieden und drückte auf den Knopf.

Kapitel 2

Minato

»Shot!«

Kin rollte mit den Augen, als ich ihm grinsend zuprostete. Nebenbei drückte ich den Knopf, der mir vermutlich gleich den nächsten nackten Typen zeigen würde.

»Wann verlierst du endlich den Spaß an diesem Mist?«

Jetzt war ich derjenige, der mit den Augen rollen musste. Wann war er so langweilig geworden?

»Komm, setz dich zu mir, das ist witzig«, schlug ich vor.

»Ich hol was zu trinken, willst du auch was?« Er erhob sich von seinem Stuhl, stellte die Gitarre beiseite, auf der er bis eben herumgeklimpert hatte, und verschwand aus dem Raum, ohne auf meine Antwort zu warten. Das halb volle Whiskyglas in meiner Hand wanderte ganz automatisch zu meinem Mund. Kin benahm sich seltsam in letzter Zeit.

»Hallo?« Die Stimme kam aus meinem Laptop. In Gedanken noch immer bei Kin wandte ich mich ihr zu. Er hatte mich so abgelenkt, dass ich vergessen hatte, dass ich noch immer online war.

»Oh, hallo.« Fünf freundliche Gesichter sahen mir, genauso überrascht, wie ich es war, entgegen.

»Wer bist du? Jack Sparrow?«, fragte der Typ in der Mitte. Mit dem weißen Hemd und der schwarzen Stoffhose wirkte er irgendwie spießig. Seine Augen und die vor der Brust verschränkten Arme signalisierten mir Lustlosigkeit und Abwehr. Trotzdem konnte ich nicht leugnen, dass er verdammt attraktiv war.

»Wenn du möchtest, dass ich Jack Sparrow bin, kann ich das gern für dich sein.« Ich grinste breit und die zwei Frauen, die eine blond, die andere braunhaarig, kicherten belustigt.

Sie alle hielten Gläser mit einer braunen Flüssigkeit in der Hand. Ich hob mein eigenes Glas in die Kamera. »Kanpai«, prostete ich ihnen zu. Sie taten es mir nach. Alle außer dem Typ in der Mitte. »Wo kommt ihr her?«, fragte ich und stellte erneut fest, dass mein Englisch ordentlich eingerostet war. Vielleicht hätte ich den Englischlehrer lieber behalten sollen.

»Wir kommen aus London. Ich bin Juna, aber nenn mich ruhig Jun«, sagte die Blonde. »Das hier ist mein Verlobter Nick.« Sie zeigte auf den dunkelhaarigen Typen links neben sich. »Das sind Mona und Colin. Und das hier ist Joseph.« Sie beugte sich nach rechts und umklammerte den Oberarm des süßen Kerls in der Mitte.

»Freut mich. Ich bin Minato«, stellte ich mich vor. »Ich lebe in Tokio.«

»Tokio in Japan?«, warf Nick ein.

»Kennst du ein anderes Tokio?«, fragte ich verwundert.

»Oh, du bist Japaner?«

»Ganz genau.« Ich grinste Mona an, die über beide Ohren strahlte.

»Das ist ja cool. Ich wollte schon immer mal nach Japan reisen.« Ihre Augen wanderten verträumt in die Ferne.

»Wie ist es so, dort zu leben?«

Ich rutschte etwas näher an die Kamera heran und wollte gerade antworten, als Joseph das Wort ergriff:

»Habt ihr denn keinen Radius eingegeben?« Er rutschte vom Sofa und kam so nah an die Kamera heran, dass ich nur noch ihn sehen konnte. Der ernste Blick hätte einen leicht abschrecken können. Mich jedoch machte er umso neugieriger darauf, wie er wohl aussah, wenn er lächelte. Jos grüne Augen wanderten über den Bildschirm, ohne mich auch nur einmal direkt anzusehen. War ich wirklich so uninteressant für ihn?

»Da kann man einen Radius eingeben? Das wusste ich nicht«, sagte eine der beiden Frauen.

»Du kannst sogar eingeben, aus welcher Stadt die Leute kommen sollen, mit denen du verbunden wirst«, klärte ich die Gruppe auf.

»Wieso reden wir dann mit jemandem aus Tokio?«, flüsterte Joseph in Richtung seiner Freunde, wobei er alles andere als leise war.

»Vielleicht, weil ich ein sehr netter Kerl bin, mit dem man sich gerne unterhält?«

Er schien ernsthaft überrascht darüber, dass ich ihn verstanden hatte. Mein Gefühl sagte mir, dass er jeden Moment den Knopf drücken würde. Wie es schien, war ich nicht das, was er hier suchte. Stattdessen seufzte er kurz und setzte sich anschließend zurück auf die Couch, wobei er fast das Gleichgewicht verlor und von Mona gestützt werden musste.

»Trinkt ihr schon länger?«, fragte ich, denn er war offensichtlich angetrunken.

»Nicht lange, aber dafür intensiv«, sagte Mona und ich musste lachen.

»Dein Englisch ist wirklich gut«, stellte Nick fest, was mich ein bisschen stolz machte. Dann brauchte ich den Lehrer wohl doch nicht mehr.

»Danke. Wie gut ist denn euer Japanisch?« Ich grinste breit.

Meine Frage war natürlich nicht ernst gemeint, doch sie alle verstummten für einen Moment, als hätte ich sie bei etwas Verbotenem ertappt.

»Arigatou, Sayounara«, sagte Jo dann und nahm einen Schluck aus seinem Glas. Wir alle begannen zu lachen und ich taxierte ihn mit meinem Blick. Diesmal sah mich Jo direkt an. Unsere Augen verhakten sich förmlich ineinander.

»Damit lässt sich arbeiten.« Ich leerte mein Glas, ohne meine Augen von ihm abzuwenden. Anschließend suchte ich die Umgebung nach der Flasche ab. Ich fand sie unter dem Tisch, wie auch immer sie dorthin gekommen war. Sie war leer.

»Da war mal was drin.« Zur Demonstration hob ich sie vor die Kamera.

»Hast du das alles heute Abend getrunken?« Juns Augen wurden groß. Soweit ich es erkennen konnte, waren sie hellblau. Etwas, das ich in meinem Alltag in Japan eher selten zu Gesicht bekam.

»Wenn es so wäre, könnte ich jetzt nicht mehr mit euch reden. Zumindest nicht auf Englisch«, antwortete ich lachend. »Aber wenn wir schon bei dem Thema sind …« Die Uhr auf meinem Bildschirm verriet mir, dass es bereits elf Uhr nachts war. Wenn ich es richtig in Erinnerung hatte, lag London zeitlich neun Stunden hinter Tokio.

»Euch ist schon klar, dass es bei euch erst vierzehn Uhr ist?«

Sie alle brachen in lautes Gelächter aus. Ein breites Grinsen stahl sich auf mein Gesicht. Ich hatte keine Ahnung, was so lustig war, aber sie waren wirklich unterhaltsam.

»Sag es, Jo!«, rief Mona schrill.

»Es ist Samstag …« Den Rest des Satzes sprachen sie im Chor.

»Und wir haben nichts mehr vor.« Jun und Mona kugelten sich förmlich vor Lachen, Colin hielt sich den Bauch und Nick wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Auch ich lachte herzhaft. Nur einer blieb weiterhin eher verhalten. Jo grinste zwar in sich hinein, doch ich sah ihm an, dass er sich nicht wohlfühlte. Die Neugier in mir wuchs mit jedem Blick, den ich auf ihn warf. Was wohl sein Problem war?

»Wieso siehst du so aus?«, riss mich Jun aus meinen Gedanken.

»Hm?«

»Na, das hier alles.« Sie umkreiste mit ihrem Zeigefinger ihren eigenen Kopf.

»Ach so.« Ich lehnte mich zurück und begann die Tücher auf meinem Kopf zu lösen. Ich hatte sie schon den ganzen Abend um und fast vergessen, dass sie da waren.

»Du kannst sie ruhig dran lassen. Mich interessiert nur, ob es einen bestimmten Grund hat, dass du sie trägst.«

»Ich bin in Tokio. Ich brauche keinen Grund«, erklärte ich, während ich die Tücher abwickelte. Es waren zwei. Ein weißes und ein rotes. Die Stylistin hatte sie so geschickt mit meinen Haaren verknotet, dass ich Schwierigkeiten hatte, sie abzunehmen. Ich sah damit aus wie ein Pirat, der aus Fluch der Karibik geflohen war. Als ich sie endlich abgenommen hatte, wuschelte ich meine Haare zurecht und widmete mich wieder dem Bildschirm.

»Mir fällt erst jetzt auf, wie warm die Dinger waren.«

»Uh, deine Frisur gefällt mir.« Mona musterte mich genau.

»Jetzt noch das Make-up runter und dann wissen wir auch, mit wem wir es hier zu tun haben«, schlug Colin grinsend vor.

»Ne, aber mal ehrlich …«, mischte Jun sich ein, bevor ich etwas erwidern konnte. »Warst du auf einer Party oder so?«

Mich ließ das Gefühl nicht los, dass sie keine Ruhe geben würden, ehe ich ihnen einen Grund für mein Outfit präsentiert hatte. Die Wahrheit wollte ich ihnen jedoch nicht sagen. Noch nicht. Hastig suchte ich das Zimmer nach irgendeiner Idee ab. Die Wände vor mir waren dermaßen mit Fanpost zugeklebt, dass man keine Tapete mehr zu sehen bekam. Der Tisch, auf dem mein Laptop stand, war vollkommen mit Zeug überladen. Mehr als die Hälfte davon war Müll. Auf dem Boden und der Couch, die mir gegenüber stand, lagen Klamotten verteilt. Wir sollten dringend aufräumen.

Es musste hier doch etwas geben, mit dem sich etwas anfangen ließ. Doch statt etwas Hilfreiches zu finden, flog ich vor Schreck fast vom Stuhl, als sich die Tür öffnete. Aus dem Laptop drang lautes Gelächter.

»Erschreck mich doch nicht so!«, pfefferte ich Kin auf Japanisch entgegen, als er den Raum betrat.

»Sorry, hätte ich anklopfen sollen?«

Ich schnaufte. »Das hätte mich vermutlich genauso erschreckt.«

Kin trat neben mich und stellte eine Dose Energy auf den Tisch, dann beugte er sich runter und sah in die Kamera.

»Wird das jetzt ’n Gang Bang oder so?«

»Willst du mitmachen?« Ich setzte mein niedlichstes Lächeln auf. Das, bei dem er es nie schaffte zu widerstehen.

»Ne, danke.«

Wirklich nie.

Er ließ sich auf die Couch fallen und fing an, auf seinem Handy herumzutippen.

»Was hat er gesagt?«, wollte Jo wissen und ich war fast überrascht darüber, dass er das Interesse an diesem Gespräch noch nicht ganz verloren hatte.

»Er möchte gern einen Gang Bang mit euch allen machen. Ist doch ok, oder?«

Erneut brachen sie in Gelächter aus und sogar Jo konnte sich diesmal nicht mehr zurückhalten. Er lachte herzhaft auf, verbarg dies jedoch, indem er seine Hand vor den Mund hielt. Wirklich schade.

»Also eigentlich sucht nur Jo nach einem Gang-Bang-Partner«, presste Colin zwischen zwei Lachern hervor.

»Ich suche gar nichts«, protestierte Jo, dessen Mundwinkel sich schlagartig nach unten verzogen. Überrascht über seine heftige Reaktion hob ich die Augenbrauen. »Ihr habt mich gezwungen, das hier zu machen. Abgesehen davon ist Japan ein bisschen weit für einen Gang Bang, meint ihr nicht?« Als er das Wort Gang Bang sagte, zeichnete er mit beiden Händen Anführungszeichen in die Luft.

»Joseph?« Mir gefiel nicht, wie unwohl er sich offensichtlich in dieser Situation fühlte. Das Verlangen, ihn zu beruhigen, überkam mich. Als er seinen Namen hörte, sah er zum Laptop und verstummte. Mist. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte.

»Ja?«

»Was in deinem Leben erfüllt dich am meisten?«

Mein Plan, ihn abzulenken, funktionierte. Kurz nachdem ich meine spontane Frage ausgesprochen hatte, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Er blickte nach unten und seine eben noch deutlich angespannten Schultern sackten Richtung Boden. Er dachte nach. Eine Spur zu lange für meinen Geschmack, doch ich wartete geduldig auf seine Antwort und auch seine Freunde schwiegen, gespannt darauf wartend, was er antworten würde.

»Ich schätze, das Fotografieren«, sagte er schließlich zögerlich.

»Ist das so? Du scheinst dir nicht ganz sicher zu sein.«

»Doch. Eigentlich bin ich sicher.«

»Eigentlich?«, fragte ich.

»Ich bin mir sicher.« Seine Stimme war fest und überzeugend, doch seine Augen sprachen eine andere Sprache. Meine Neugier schrie danach, ihm weitere Fragen zu stellen. Zu erfahren, was passiert war. Was seine Überzeugung ins Wanken gebracht hatte. Doch ich wusste, dass es mir nicht zustand nachzubohren.

»Du hast meine Frage noch nicht beantwortet«, warf Jun plötzlich ein. Es war ihr ebenfalls aufgefallen.

Mist. Fast wäre ich davongekommen.

Verzweifelt gingen meine Augen erneut auf Wanderschaft. Diesmal fanden sie eine Antwort. Kin hatte es sich auf dem Sofa bequem gemacht und sein Handy gegen einen Manga getauscht.

»Ich bin Mangaka«, sagte ich hastig und blickte anschließend in ratlose Gesichter.

»Ma-was?«, fragte Nick.

Ich wollte gerade etwas erwidern, als mir Jo zuvorkam.

»Mangaka ist die Bezeichnung für Mangazeichner. Was ein Manga ist, wirst du ja wohl wissen.«

»Sind das die Comics, die du immer liest?«

»Du liest Mangas?«, warf ich überrascht ein.

»Ja, kenne ich was von dir?«

Verdammt.

»Nein, eher nicht. Ich bin nur ein einfacher, armer Hilfszeichner. Ich habe weder eigene Mangas vorzuweisen noch sonst irgendetwas«, log ich das Erstbeste zusammen, was ihn hoffentlich nicht sofort dazu bringen würde, meinen Namen durch die Suchmaschine zu jagen. So schnell wurden aus einer Lüge zwei. Wie hätte ich ahnen können, dass er Mangas las? Das Börsenblatt hätte optisch eher zu ihm gepasst. »Nun ja, um die Frage endlich zu beantworten: Ich ziehe mich manchmal so an wie die Charaktere der Storys, an denen ich mitarbeite, um mich besser in sie hineinversetzen zu können.« Innerlich ohrfeigte ich mich selbst. Was zur Hölle redete ich da?

»Das ist ziemlich cool. Handelt der Manga von Piraten?«

»Nein, es geht um eine Rockband.« Ich nickte eifrig und bildete mir ein, dass meine Lüge, nun, da sie einen Funken Wahrheit enthielt, weniger schlimm wahr. Kin schnaubte am anderen Ende des Raumes und kicherte in sich hinein.

»Dir wäre auch nichts Besseres eingefallen«, sagte ich zu ihm.

»Es klingt total cool, wenn du Japanisch sprichst«, bemerkte Mona. Ich musste grinsen. Diesen oder ähnliche Sätze hatte ich schon des Öfteren gehört und sie amüsierten mich.

»Ich finde, es klingt cool, wenn du Englisch sprichst.« Ich wackelte mit den Augenbrauen und sie fingen an zu lachen.

»Wie machst du das?«, wollte Jun wissen.

Ich zuckte mit den Schultern.

»Wie ist es so, in Tokio zu leben?«, warf Jo ein und griff damit die Frage wieder auf, die er vorhin unterbrochen hatte.

Ich beantwortete diese und weitere Fragen, stellte eigene und wir lachten viel. Selbst Jo taute langsam auf und redete mehr. Es tat gut, ein normales Gespräch zu führen. Mit den Menschen, die mir gegenüber saßen, auf einer Augenhöhe zu sein. Nicht die ganze Zeit aufpassen zu müssen, was ich sagte, und ob es womöglich falsch rüberkommen könnte. Ich hätte ewig so weiter reden können. Doch schließlich erhob sich Kin vom Sofa und kam zu mir.

»Du hast dein Energy nicht angerührt.« Mein Blick fiel auf die ungeöffnete Dose.

»Stimmt.« Ich griff danach und wollte sie öffnen, doch Kin nahm sie mir weg.

»Wenn du die jetzt noch trinkst, war’s das heute Nacht mit Schlafen.« Er tippte mit dem Zeigefinger auf seine Armbanduhr. Es war bereits halb eins.

»Ich würde gern langsam nach Hause«, merkte Kin an und ich seufzte. Es war definitiv zu spät für Widerworte.

»Leute, ich muss leider aufhören. Der Opa hier will heim.« Ich deutete mit dem Daumen auf Kin, der mir daraufhin mit der flachen Hand auf den Hinterkopf schlug. Sanft natürlich.

»Ich bin nur zwei Jahre älter als du«, beschwerte er sich auf Englisch. Aus dem Lautsprecher drang heiteres Gelächter.

»Du bist gar nicht zu Hause?«, wollte Jo wissen.

»Nein, wir sind noch im Büro«, erklärte ich und Jos Augen weiteten sich. Sie huschten von mir zu Kin und wieder zurück.

»Wohnt ihr zusammen?«, wollte er dann wissen.

»Was? Nein.« Ich wedelte abwehrend mit den Händen. »Ich muss ihn nur auf dem Weg bei sich zu Hause absetzen.«

Jos Gesichtszüge entspannten sich. Seine Reaktion überraschte mich. Was er wohl gesagt hätte, wenn ich seine Frage mit Ja beantwortet hätte?

»Leute, es hat mich echt wahnsinnig gefreut, hier auf euch zu stoßen. Danke für den netten Abend.«

»Uns hat es auch sehr gefreut, Minato. Ich hoffe, das war nicht das letzte Mal«, sagte Jun und zauberte mir damit ein Lächeln aufs Gesicht.

»Das hoffe ich auch.« Ich lehnte mich ein Stück nach vorn und fixierte Jo. Es war fast, als wäre nur er am anderen Ende der Leitung. »Ich speichere dein Profil. Ich hoffe, wir sehen uns wieder und du bist beim nächsten Mal etwas gesprächiger.«

»Klar, der braucht nur etwas Zeit zum Auftauen.« Nick klopfte Jo mit der flachen Hand auf die Schulter, woraufhin dieser mit den Augen rollte.

Kin stand bereits mit Jacke und geschulterter Gitarre neben der Tür. Sein Blick lastete genervt und abwartend auf mir.

»Also, ich muss jetzt wirklich los.« Ich winkte in die Kamera und alle außer Jo winkten zurück.

»Matane«, verabschiedete ich sie. Und bevor ich ihnen erklären konnte, dass Matane »Bis bald« bedeutete, hatte ich auch schon aufgelegt.

Kapitel 3

Jo

Minatos Gesicht verschwand vom Bildschirm. Der Videoanruf war beendet und ich war froh, dass die Seite uns nicht automatisch mit dem nächsten verband.

»O mein Gott, war der süß«, rief Jun euphorisch.

»Wahnsinn, also sorry, Schatz, aber wenn du nicht wärst, würde ich den nehmen«, bestätigte Mona.

»Ich dachte, der ist schwul?«, sagte Nick. Und während ich die Worte meiner Freunde in den Hintergrund schob, loggte ich mich aus und klappte den Laptop zu.

»Nein!«, brüllten Jun und Mona plötzlich synchron und ich zuckte zusammen.

»Was ist?«

»Hast du ihn gespeichert?« Jun warf sich vom Sofa auf den Boden und klappte den Laptop wieder auf.

»Nein, hätte ich das tun sollen?«

»Wenn du ihn nicht speicherst, verschwindet sein Profil und es könnte ewig dauern, bis du ihn wiederfindest. Wenn überhaupt.« Ihre Fingernägel hämmerten nervös auf die Tischplatte, während sich die Seite erneut öffnete. Mona setzte sich neben sie und stierte auf den Bildschirm.

»Scheiße, er ist weg. Wie willst du denn jetzt wieder mit ihm reden?« Mona hatte entsetzt die Augen aufgerissen. Ganz so, als zweifle sie ernsthaft an meiner Zurechnungsfähigkeit.

»Wieso sollte ich wieder mit ihm reden wollen?«

Sie alle schwiegen und starrten mich fassungslos an.

»Das ist jetzt nicht dein Ernst?«, durchbrach Colin die Stille.

»Hat er dir etwa nicht gefallen?« Juns Augen glitzerten enttäuscht.

Ich seufzte genervt. »Er hat mir an sich schon gefallen.«

»Na also, dann ist doch alles klar«, fiel Nick mir ins Wort.

»Gar nichts ist klar. Ich weiß nicht, was das bringen soll. Was ihr euch davon erhofft.« Ich erhob mich von meinem Platz und sah auf meine Freunde herunter. »Ich schätze mal, euch ist nicht entgangen, dass er in Tokio wohnt. Wenn ihr mich schon dazu zwingt, einen Mann kennenzulernen, dann doch bitte wenigstens einen, der auf demselben Kontinent lebt wie ich. Können wir uns darauf einigen?«

»Wann hast du aufgehört zu trinken?« Nick musterte mich mit glasigem Blick.

Ich seufzte und wandte mich ab, um meine Schuhe anzuziehen und zu gehen. Es reichte für heute. Dieses Gespräch hatte sowieso viel zu lange gedauert. Ja, ich musste zugeben, dass Minato wirklich extrem hübsch war. Die schulterlangen, schwarzen Haare, die dunklen Augen und die weichen Gesichtszüge, die schon fast feminin wirkten, trafen sehr meinen Geschmack. Dazu war er lustig und soweit ich es beurteilen konnte, sehr emphatisch und intelligent. Und verdammt weit weg. Es machte keinen Sinn, meine Zeit mit einem Typen zu vergeuden, der am anderen Ende der Welt saß und damit unerreichbar für mich war.

»Hey, warte mal!«, hielt Jun mich auf, die mir in den Flur gefolgt war. Die anderen waren uns ebenfalls gefolgt und drückten sich in den schmalen Gang.

»Ich bin wirklich durch für heute. Tut mir leid.« Die Enttäuschung in ihren Gesichtern, besonders in Juns, war schon fast herzzerreißend. Ich ließ resignierend die Schultern sinken.

»Wir können es nächste Woche erneut versuchen, ok?«, bot ich in der Hoffnung an, dass sie mich dann in Ruhe lassen würden. Sie taten es nicht.

»Bitte versuch es noch mal mit Minato.« Mona umklammerte Juns Oberarm und nickte eifrig.

»Ich dachte, sein Profil ist weg?«

»Es muss eine Möglichkeit geben, ihn ausfindig zu machen«, murmelte Jun vor sich hin.

»Versucht bitte, den Nebel in eurem Kopf zu ignorieren, und denkt scharf nach«, bat ich. »Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Minato jemals im echten Leben begegnen werde, liegt bei null Prozent.« Ich sprach extra langsam, weil ich das Gefühl hatte, dass sie alle längst zu betrunken waren, um mir folgen zu können.

Für mich war nach dem ersten Glas Whisky Schluss gewesen. Alkohol tat mir nicht gut. Zum einen vertrug ich nicht viel davon und zum anderen brachte er eine Seite von mir zum Vorschein, die ich ganz tief in mir festhalten wollte. Dort, wo sie niemand entdecken konnte.

Die anderen waren so auf den Japaner fixiert gewesen, dass sie nicht mitbekommen hatten, dass mein Glas nicht leerer wurde. Er hatte wirklich etwas Besonderes an sich gehabt. Etwas, das einen direkt in seinen Bann zog. Keine Ahnung, was es war. Ich hatte auch nicht vor, es herauszufinden.

»Du kannst nicht wissen, ob die Chance bei null liegt, wenn du es nicht versuchst. Liebe überwindet jede Distanz, wenn sie echt ist.« Monas Stimme zitterte und drohte dank der vom Alkohol verursachten Lähmung zu versagen. Eine Träne kullerte über ihre Wange. Schockiert über die Heftigkeit ihrer Gefühle riss ich die Augen auf.

»Was? Wovon redest du? Ich kenne den Typen gar nicht und du sprichst von wahrer Liebe?« Ich musterte sie. »Meine Güte, wie viel hast du getrunken?«, fragte ich dann, als mir auffiel, wie starr und ziellos ihr Blick an meinen Augen vorbeiging.

Colin umfasste von hinten ihre Schultern. »Alles okay, Schatz?«

Sie entriss sich seiner Berührung und schaffte Distanz zwischen sich und uns.

»Nein, es ist nicht alles in Ordnung. Seit Monaten versuchen wir, dich aus deinem Loch zu ziehen. Aus dir wieder unseren Jo zu machen. Aber du sträubst dich mit aller Macht dagegen und ich bin es langsam leid.«

»Ich sträube mich n-«, setzte ich an, doch sie brüllte mir fast entgegen:

»Doch, das tust du!«

Meine Augen wanderten hilfesuchend zu Colin, doch der zuckte nur mit den Schultern.

»Sie hat schon irgendwie recht«, pflichtete Nick ihr bei.

In meinen Fingerspitzen begann es zu kribbeln, mein Puls schoss in die Höhe und ich schnappte nach Luft. Protest lag mir auf der Zunge, saugte sich jedoch daran fest wie ein Scheibenputzerfisch. Ich bekam kein einziges Wort über die Lippen. Schweigend zog ich meine Schuhe an. Es reichte. Ich musste hier raus. An die frische Luft. Im Vorbeigehen angelte ich meine Jacke von der Garderobe, verließ ohne ein Wort Colins und Monas Wohnung und hastete die Treppen hinunter.

Wärme empfing mich, als ich vor die Tür trat. Warum hatte ich eine Jacke mitgenommen? Sonnenstrahlen kitzelten in meiner Nase und ich musste sofort niesen. Dreimal hintereinander. Wie immer. Der Sommer war in vollem Gange und dieses Jahr besonders schön. Es hatte seit einer Woche nicht mehr geregnet.

»Hey, Jo!«

Colin war mir gefolgt und kam auf mich zu.

»Was willst du?«

»Soll ich dich nach Hause bringen?« Zur Bekräftigung seines Angebots wedelte er mit seinem Autoschlüssel vor meiner Nase herum.

»Bist du irre? Du hast viel zu viel getrunken.«

Er seufzte. »Ja, ich weiß, ich brauchte nur einen Grund, um dir zu folgen.« Er grinste verlegen.

»Hör mal, sei Mona nicht böse, ja?«

»Wenn überhaupt bin ich euch allen böse.«

Colin legte einen Blick auf, der jedem traurigen Welpen Konkurrenz gemacht hätte.

»Ist schon gut, ich will nur nach Hause und für heute meine Ruhe haben.«

»Klar, wie du willst. Aber wir wollen nachher zum Karaoke, also denk noch mal drüber nach.« Seine Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen.

»Ich habe keine Ahnung, wieso du glaubst, dass mich das umstimmen könnte.« Ich schüttelte verständnislos den Kopf. Wenn ich eins weder konnte noch mochte, dann war es singen. Ja, ich hörte gern Musik und hatte sogar eine Zeit lang selber Gitarre gespielt, doch singen war ein rotes Tuch für mich.

»Hätte ja klappen können.« Er zuckte die Achseln.

»Hätte es nicht.«

»Meld dich, ja?«

»Na klar.«

Colin klopfte mir zum Abschied auf die Schulter.

***

Mental und auch ein wenig körperlich erschöpft ließ ich mich auf meine Couch fallen. Die Abendsonne war heute so schön gewesen, dass ich es nicht übers Herz gebracht hatte, in die U-Bahn zu steigen. Zwei Stunden hatte ich gebraucht, um nach Hause zu laufen. Die frische Luft und das Vitamin D hatten gutgetan. Genauso wie die vielen Menschen, die durch Londons Straßen streiften und dafür gesorgt hatten, dass ich nicht die nötige Ruhe hatte, um in Gedanken zu versinken.

Als sich mein Magen knurrend zu Wort meldete, schleppte ich mich mit schmerzenden Beinen zum Kühlschrank. Dieser Marsch hatte mich ganz schön hungrig gemacht. Bei jedem Schritt hatte ich mich innerlich für das gut ausgebaute U-Bahn-Netz bedankt. So schnell würde ich diesen Spaziergang nicht wiederholen.

Während eine Tiefkühlpizza im Ofen aufbackte, starrte ich aus dem Fenster. Der obere Teil des London Eye ragte über den Gebäuden auf. Es war inzwischen dunkel und das Riesenrad drehte sich hell erleuchtet. Ich liebte diesen Anblick. Generell war das London Eye eins meiner liebsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Obwohl ich wegen meiner Höhenangst noch nie damit gefahren war und es auch nicht vorhatte, gab es mir ein Gefühl von Freiheit. Das Gefühl, dass man alles schaffen konnte. Über diesen Gedanken musste ich selbst grinsen. Wenn man wirklich alles schaffen konnte, würde ich jetzt nicht einsam in meiner Wohnung sitzen und mich fragen, was aus mir geworden war.

Das Vibrieren meines Handys auf dem Esstisch lenkte meine Aufmerksamkeit weg vom Selbstmitleid. Eine Nachricht von Jun. Sie schickte mir die Zugangsdaten für First Glance und bat darum, es mir noch einmal zu überlegen. Warum nur war ihnen das so wichtig? Genervt klickte ich die Antwort weg, um Sekunden danach in eine Schockstarre zu verfallen. Eine zweite Nachricht ploppte genau in diesem Moment auf dem Display auf. Von Allan.

Mein Puls fing augenblicklich an zu rasen. Meine Beine, die sowieso schon am Rande der Erschöpfung waren, drohten unter mir wegzuknicken. Das Handy in meiner Hand wackelte so stark, dass ich kaum etwas erkennen konnte, als ich die Nachricht öffnete. In letzter Sekunde besann ich mich und warf das Smartphone auf den Esstisch, bevor ich auch nur ein Wort erfasst hatte. Scheiße. Was sollte ich tun? Die Nachricht lesen? Nein, darin konnte nichts Gutes stehen. Aber was, wenn er sich entschuldigen wollte? Sich vielleicht mit mir treffen wollte, um zu reden? Ich ließ mich auf einen Stuhl sinken und schüttelte den Kopf. Nein, es musste einen anderen Grund haben. Was sollte ich tun? Jun kam mir in den Sinn. Was würde sie sagen? Dass ich die Nachricht ungelesen löschen sollte? Aber was, wenn er doch reden wollte? Meine Gedanken sprangen wie ein Flummi durch meinen Schädel und verursachten mir Kopfschmerzen.

Das würde erst aufhören, wenn ich diese Nachricht gelesen hatte, soviel war mir klar.

Einen tiefen Atemzug später griff ich nach dem Telefon und entsperrte den Bildschirm. Seine Worte sprangen mir sofort ins Gesicht.

Hey, Jo, sag mal, hast du noch die Fotos, die du auf Bali von mir gemacht hast? Ich finde sie nicht und würde sie gern posten.

Das war alles. Mehr stand da nicht. Kein »Hallo« oder »Wie geht es dir?«. Kein »Ich hoffe, du bist ok« oder wenigstens ein paar Grüße am Ende der Nachricht. Nichts.

Das konnte nicht sein Ernst sein. Nach allem, was passiert war. Nach all der Zeit, in der wir nichts voneinander gehört hatten.

Es hatte mich Monate gekostet, bis ich es geschafft hatte, nicht mehr pausenlos an ihn zu denken. Und nun brachte er meine mühevoll errichtete Mauer mit so einer Nachricht zum wanken? Ob ich diese Scheißurlaubsbilder noch hatte?

Wut stieg in mir auf und trieb mir Tränen in die Augen. Dieser elendige Scheißkerl. Erneut flog das Handy aus meiner Hand, diesmal im hohen Bogen. Nur durch Glück landete es auf dem Sofa und zerschellte nicht an der Wand.

Natürlich hatte ich die Fotos noch. Was für eine Frage. Aber ich würde sie ihm nicht schicken. Das würde bedeuten, dass ich sie suchen und auch angucken musste. Das würde ich nicht tun. Zu meinem eigenen Schutz. Niemals.

Der Geruch nach Verbranntem stieg mir in die Nase und ließ mich innehalten.

»Nein, nein, nein«, flehte ich, doch es war zu spät. Die Pizza war am Rand bereits schwarz. Nur ein kleiner Teil in der Mitte schien noch einigermaßen genießbar zu sein. Vor Frustration fast überschäumend, pfefferte ich sie in den Mülleimer und verbrannte mich dabei natürlich. Was auch sonst. Diesen Tag wollte ich am liebsten aus allen Kalendern streichen.

Eine Stunde später saß ich mit einer Lieferpizza auf dem Sofa und sichtete die Urlaubsfotos. Ja, ich hasste mich in diesem Moment dafür, und ja, es war falsch, was ich da tat. Doch ich konnte nicht anders. Es war, als hätten meine Hände den Laptop angeschaltet und den Ordner geöffnet, bevor mein Gehirn etwas davon mitbekommen hatte.

Allan vor einem Wasserfall, Allan im Infinity-Pool, Allan mit einem Cocktail in der Hand. Es gab kein einziges Foto von oder mit mir. Ich war der Mann hinter der Kamera gewesen. Nicht nur beim Fotografieren, sondern in der ganzen Beziehung. Ich legte den Kopf in den Nacken und seufzte, sondierte das Wohnzimmer, um nach einer Ablenkung zu suchen, und verharrte am Bücherregal. Es war vollgestopft mit Mangas und Comics. Richtige Bücher waren weniger mein Fall. Wenn ich drei davon im Jahr las, war das viel. Dafür verschlang ich einen Manga nach dem anderen.

An was für einem Manga Minato wohl gerade arbeitete? Aus irgendeinem Grund hätte ich gern gewusst, wie sein Zeichenstil aussah. War dieser tätowierte Typ, der bei ihm gewesen war, sein Kollege? Ich hätte ihm diese Fragen gleich stellen sollen. Nun war es zu spät. Aber war es das wirklich? Kurzerhand öffnete ich den Browser, tippte die Adresse der Datingseite ein und meldete mich mit den Daten an, die Jun mir in weiser Voraussicht geschickt hatte. Nur eine kurze Nachricht, damit ich die Mangas, an denen er mitgewirkt hatte, suchen konnte. Mehr wollte ich nicht. Keinen Videocall und auch keinen langen Chat. Nur seinen Namen.

Sein Profil war nicht auffindbar. Dafür ein Hinweis der Seite, dass ich einen Premium-Account für 9,99 Pfund im Monat abschließen konnte, um die Profile meiner letzten Kontakte zu sichten.

»Ihr wollt mich doch wohl verarschen.« Wütend schlug ich den Laptop zu. Ganz sicher würde ich dafür kein Geld bezahlen.

»Elendige Abzocker«, murmelte ich vor mich hin. Meine Beine zitterten, als ich mich ins Bad und danach ins Bett schleppte. Morgen konnte nur besser werden.

Kapitel 4

Minato

Bunte Lichter umgaben mich. Eine gigantische Leinwand, auf die Videoclips von Kin und mir projiziert wurden, trennte mich von der grölenden Menge. Die Intensität der Rufe nahm schlagartig zu und ich wusste, dass der Countdown angefangen hatte. Mein Fuß wippte wie jedes Mal nervös auf und ab, während ich versuchte, die richtige Position zu finden. Das Dach des Schrottwagens, auf dem ich saß, war rutschig, und es war nicht leicht, darauf Halt zu finden. Zum Glück musste ich nicht lange hier sitzen. Yuri kam auf mich zu, das Mikro ihres Headsets wie immer vor dem Mund. Sie redete vermutlich mit irgendeiner Redaktion oder einem Fotografen. Keine Ahnung, wie sie es schaffte, bei diesem Lärm irgendetwas zu verstehen. Im Vorbeigehen warf sie mir eine Wasserflasche zu, die mich fast vom Autodach fegte.

Der Countdown war bereits bei fünf angekommen, als ich hastig die Flasche aufdrehte und einen Schluck daraus trank. Ein letzter Blick zu Kin, der mir lächelnd zunickte, dann fiel die Leinwand schlagartig zu Boden.

Hunderte Male hatte ich das hier erlebt. Hunderte Male stand ich kurz vor einer Panikattacke. Und genauso viele Male schickte mein Körper das Adrenalin genau im richtigen Moment durch meine Venen.

***

Froh darüber, dass wir unseren eigenen Pausenraum in der Konzerthalle hatten, ließ ich mich auf einen Stuhl sinken und legte meine Beine auf einem anderen ab.

»Willst du nicht erst mal duschen? Du stinkst.« Kin rümpfte die Nase und zog sein Shirt über den Kopf. Mein Blick glitt über die Tattoos, die seinen gesamten rechten Arm bedeckten, und dann zu den Muskeln an seinem Bauch. »Hast du in letzter Zeit mehr trainiert?«, rutschte es mir verwundert heraus. »Du gehst ja wohl zuerst duschen, so wie’s aussieht«, schickte ich schnell hinterher, um davon abzulenken, dass ich ihn angestarrt hatte.

»Du könntest auch mitkommen«, witzelte er mit einem Zwinkern.

Ein unsicheres Lachen entfuhr mir, bevor ich es daran hindern konnte. Schnell drehte ich mich zu meinem Laptop und tat, worauf ich schon den ganzen Tag gewartet hatte. Ich öffnete First Glance und starrte auf ein leeres Postfach. Ok, das hatte ich mir anders vorgestellt.

Die Liste der gespeicherten Profile war überschaubar. Lediglich Jos Bild war dort zu sehen. Er war der Erste, bei dem ich mir vorstellen konnte, es zu einem zweiten Gespräch kommen zu lassen.

Nichts passierte, als ich auf das Bild klickte.

»Was?«

Zweimal Klicken, dreimal. Nichts. Er hatte mein Profil nicht gespeichert.

»Warum?«, brüllte ich fast in den Raum und Kin, der inzwischen nur noch eine Unterhose trug, musterte mich mit gerunzelter Stirn.

»Alles klar bei dir?«

»Er hat mich nicht gespeichert!« Mein Finger klickte wild auf der Maus herum, ganz so, als würde sich dadurch etwas ändern.

»Wieso nicht?«

»Vielleicht steht er einfach nicht auf dich.« Kin zuckte mit den Schultern.

»Was? Ne, das kann ich mir nicht vorstellen.« Ich klickte noch ein paarmal auf das Bild, dann gab ich auf. Was hatte ich falsch gemacht?

Kin legte seine Hand auf meine Schulter. »Wieso ist dir das so wichtig, hm?«

Ich drehte mich zu ihm und fiel fast vom Stuhl, als mein Blick direkt auf seinem Schritt landete. Er stand immer noch in Unterhose da und hielt sich den Bauch vor Lachen. Der dünne Stoff zeigte definitiv mehr, als ich in diesem Moment sehen wollte. Hastig legte ich meine Hand auf seinen Bauch und drückte ihn von mir weg. Waren seine Muskeln schon immer so hart gewesen? Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht schoss, und wandte den Blick ab.

»Jetzt tu nicht so, als würdest du das zum ersten Mal sehen«, prustete Kin nach Luft schnappend.

Dann steckte er seine Daumen unter den Bund seiner Shorts. Er wird doch nicht …? Ich griff nach dem ersten Gegenstand, den ich zu fassen bekam, und warf ihn nach ihm. Der leere Plastikbecher prallte gegen seine Brust und fiel zu Boden.

»He, was soll das?«, protestierte Kin, doch sein Lachen wurde nur noch lauter. Meine Wangen glühten. Sicher war ich rot wie eine Tomate.

»Was treibt ihr hier?« Yuri stand in der Tür und grinste breit. Wann war sie reingekommen?

Sie hatte noch immer dieses Mikro vor dem Mund. Wenn ich einen Moment drüber nachdachte, konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wann ich sie das letzte Mal ohne gesehen hatte.

»Jungs, ihr wart wieder großartig.« Ihr Lächeln wurde noch strahlender und sie kam auf uns zu. Als sie direkt vor uns stand, verschwand es jedoch. Sie rümpfte die Nase und ihre Augen weiteten sich kurz bevor sie sich zu Schlitzen verengten. Sie sah aus, als wäre sie gegen eine Wand gelaufen.

»Meine Güte, geht duschen. Hier riecht es wie in einem Pumakäfig.« Sie hielt sich die Nase zu und sah sich im Raum um. »Wann habt ihr das letzte Mal aufgeräumt?«

»Keine Zeit für sowas.« Ich zuckte mit den Schultern.

»Hier sieht es schlimmer aus als im Zimmer meines Neffen, wenn meine Schwester sich zwei Wochen weigert, ihm hinterher zu räumen.«

Ich folgte ihrem Blick und musste zugeben, dass sie recht hatte. Überall lagen Klamotten, Hefte und anderes Zeug herum. Der Schreibtisch war so vollgemüllt, dass man die Tischplatte nicht mehr sehen konnte, und auf dem Couchtisch standen leere Energydosen und Geschirr.

»Meine Güte, wieso räumt das keiner auf?«, fragte ich ernsthaft entsetzt. Ich war in letzter Zeit so abgelenkt gewesen, dass ich nicht einmal mitbekommen hatte, wie es hier aussah.

»Wie wäre es, wenn ihr beide euren Dreck selbst aufräumt?«

Kin und ich hoben synchron die Augenbrauen und schwiegen. Es dauerte nicht lange, bis Yuri genervt aufstöhnte und beschwichtigend die Hände in die Höhe hielt.

»Schon gut, ich kümmer mich drum.« Sie rollte mit den Augen. Dann wandte sie sich wieder an mich.

»Nächstes Mal warnst du mich bitte vor, wenn du planst, die Windschutzscheibe mit deiner Gitarre zu zertrümmern. Dann bekommst du dafür eine günstigere.« Sie zeigte mit ihrem Handy in meine Richtung, als wäre es ihr verlängerter Finger. Die andere Hand kniff immer noch ihre Nasenflügel zusammen.

Ich lehnte mich im Stuhl zurück und verschränkte meine Arme vor der Brust.

»Vorwarnen? Yuri, ich hab es dir schon mal erklärt, sowas plane ich nicht, es passiert.«

Kin bemühte sich im Hintergrund nicht erneut in lautes Gelächter auszubrechen.

»So teuer wird die schon nicht gewesen sein.« Ich machte eine wegwerfende Handbewegung, um meine Aussage zu unterstreichen.

Yuri verzog das Gesicht.

»800.000,00 Yen.«

Ich schluckte. »Ach, die war das.«

Nun konnte sich Kin nicht mehr halten und brach in Gelächter aus. Yuri drehte ihren Kopf blitzschnell in seine Richtung und strafte ihn mit einem wütenden Blick, der an ihm herunterwanderte und an seinem Bauch hängen blieb.

»Hast du in letzter Zeit mehr trainiert?«, platzte es aus ihr heraus.

»Hab ich«, antwortete er zwischen zwei Atemzügen, um danach im Bad zu verschwinden.

»Bekomme ich eine neue Gitarre?«

Yuri schnappte nach Luft, soweit das in ihrem engen Rock überhaupt möglich war.

Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Schloss ihn wieder. Seufzte.

»Klar, ich kümmer mich drum.«

Ich schenkte ihr mein breitestes Lächeln.

»Vielen Dank.«

»Na klar, wofür bin ich auch sonst da?«

Bevor ich etwas erwidern konnte, drehte sie sich um und stöckelte auf ihren viel zu hohen Absätzen zur Tür. Sie war auch ohne diese Schuhe um einiges größer als ich und ich vermied es, öfter als nötig neben ihr zu stehen, um nicht wie ein Zwerg zu wirken.

»Ach, und Minato?« Sie stoppte in der Tür und schaute mich über die Schulter hinweg an.

»Hm?«

»Spiel nicht wieder die halbe Nacht Penisbingo, morgen ist Studiotag und du musst fit sein.« Die Tür knallte zu und ich war allein. Woher wusste sie vom Penisbingo?

***

Egal wie oft ich das Gespräch in meinem Kopf überdachte, ich konnte keinen Grund finden, weshalb er mein Profil nicht hätte speichern sollen. Wir hatten geredet, wir hatten gelacht, ich war wie immer unwiderstehlich gewesen. Was verdammt noch mal war passiert?

»Was ist los mit dir?« Kin riss mich aus meinen Gedanken.

»Ich frage mich, was ich falsch gemacht habe«, antwortete ich, während ich weiter aus dem Seitenfenster starrte.

»Habe ich irgendetwas Dummes gesagt? War mein Outfit zu verrückt? Ist mein Englisch vielleicht doch zu schlecht?«

Kin seufzte auf. »Ich verstehe wirklich nicht, wieso dich das so beschäftigt.« Wir bogen auf die Shibuya-Kreuzung ein. Alles war hell erleuchtet und obwohl es schon nach Mitternacht war, tummelten sich zahlreiche Menschen auf der Straße. Ich sah nach oben. Auf einigen Reklamewänden war mein Gesicht zu sehen. Auf manchen war Kin an meiner Seite. Mein Blick wanderte die Hochhäuser hinab, zurück auf die Straße. Wie es wohl war, abends einfach um die Häuser zu ziehen? Von Bar zu Bar zu gehen und mit Freunden Spaß zu haben? Einfach so jemandem zu begegnen und sich zu verlieben?

Nun war ich es, der seufzte. Sehnsüchtig.

»Erklär’s mir.«

»Hm?« Endlich riss ich meinen Blick los und sah ihn fragend an. Seine Augen huschten kurz zu mir, dann wieder auf die Straße.

»Warum beschäftigt dich das so sehr? Und wieso überhaupt diese ganze Internet-Dating-Sache? Hast du denn nicht alles, was du brauchst?«

Ich schnaufte. »Keine Ahnung, ich fühle mich eben oft allein.« Die Ehrlichkeit meiner Worte überraschte mich selbst. Mit niemandem außer Kin könnte ich je so offen sprechen.

»Allein? Du bist der begehrteste Junggeselle in ganz Japan. Wenn einer nicht einsam zu sein braucht, dann du.«

War das sein Ernst?

»Das ist doch genau das Problem.« Ich richtete mich im Sitz auf und drehte mich zu ihm.

»Wie soll ich unter all diesen Fans, Neidern, Promis und der Presse jemanden finden, der wirklich mich meint? Diese Leute profitieren entweder von meinem Ruhm oder sie denken, dass sie mich lieben, weil sie die Person lieben, die ihre Fantasie aus mir gemacht hat.«

»Du hast Probleme.« Kin lenkte sein Auto in die Einfahrt der Tiefgarage. Ich verharrte in meiner Position und starrte ihn an. In diesem Moment fiel mir einmal mehr auf, wie unterschiedlich wir uns entwickelt hatten. Der Kin, der hier neben mir saß, war nicht mehr der, den ich vor 14 Jahren kennengelernt hatte.

»Wieso rufst du nicht einfach mich an, wenn du dich einsam fühlst?« Er sprach leise und öffnete dabei kaum den Mund.

»Das ist nicht das Gleiche«, druckste ich herum und ließ mich zurück in den Sitz fallen.

»Ach, nein?« Das erste Mal seit wir losgefahren waren, drehte er seinen Kopf zu mir. Dabei stellte er den Motor aus. Unsere Blicke verhakten sich ineinander und ich erkannte Schmerz in seinen Augen. Schmerz, den ich schon zu oft darin sehen musste.

»Ich dachte, das Thema wäre erledigt?« Mein Puls schoss in die Höhe und ließ meine Worte harscher als beabsichtigt klingen.

Etwas in seinem Gesicht veränderte sich schlagartig. »Ist es auch.« Kurz darauf heulte der Motor wieder auf und er wandte sich ab.

»Ich würde dann gerne«, sagte er.

Mein Herz hämmerte noch immer wie verrückt gegen meine Brust. War er sauer? Mist. Die Jahre hatten mich gelehrt, wann es besser war, Kin in Ruhe zu lassen. Dies war genau so ein Moment. Jedes weitere Wort würde die Situation nur verschlimmern.

Kaum war ich ausgestiegen, fuhr er auch schon davon.

In meiner Wohnung ließ ich mich vollkommen erschöpft bäuchlings aufs Bett fallen. Nur mit Mühe schaffte ich es, meine Kleidung auszuziehen und mich unter die Bettdecke zu kuscheln. Kins Worte spukten durch meine Gedanken und hielten mich wach. Hatte er etwa noch immer Gefühle für mich?

»Nein, nein, nein«, nuschelte ich ins Kissen und schlief endlich ein.

Kapitel 5

Jo

»Ich bin dann jetzt weg!«, brüllte Ellen einmal quer durchs Studio. Bevor ich etwas erwidern konnte, knallte die Tür zu.

Augenblicklich entspannten sich meine Schultern und auch alle anderen Muskeln in meinem Körper lockerten sich. Endlich allein. Das war der schönste Moment eines jeden Tages. Abgesehen von dem Moment, in dem ich selbst diese Tür hinter mir zufallen ließ. Der Terminkalender kündigte mir nur noch eine weitere Kundin für heute an. Ich hatte noch eine halbe Stunde Zeit, bis sie eintreffen würde, und erfahrungsgemäß verspätete sie sich um mindestens eine weitere halbe Stunde.

»Erst mal einen Kaffee«, murmelte ich vor mich hin und stapfte in die Küche. Die Kulisse hatte ich bereits vorbereitet. Ein Greenscreen, um später einen pompösen Hintergrund einbauen zu können, und zur Deko ein paar Wasserbälle neben einem Silbertablett. Später würde ich die Cocktails darauf platzieren, die im Kühlschrank auf ihren Einsatz warteten. Das Motto des Shootings lautete: Poolparty.

Am liebsten hätte ich die Drinks selber getrunken, doch da würde mir die Kundin zuvorkommen.

Einzig das Röhren der Kaffeemaschine sorgte dafür, dass ich nicht im Stehen einschlief. An diesem Tag war es im Allgemeinen sehr ruhig gewesen. Ruhig und langweilig. Die Zeit wollte partout nicht vergehen, egal wie oft ich die Uhr auch anstarrte. Gähnend stellte ich die Kaffeetasse auf den Tisch, zog mein Smartphone aus meinem Rucksack und setzte mich. Ich öffnete die Nachricht, die mein Handy anzeigte, und erstarrte augenblicklich. Sie war schon wieder von Allan.

Klopf, klopf, denkst du an die Bilder?

»Dieses blöde Arschloch«, entfuhr es mir. »Das gibt’s doch wirklich nicht.« Ich griff nach der Kaffeetasse, die gefährlich wackelte, als ich sie zum Mund führte, und trank einen Schluck. »Was fällt dem ein?« Noch einen Schluck. »Schieb dir deine Scheißfotos in den Arsch.« Die Tasse schwebte kurz vor meinem Mund, als die Türglocke ertönte und ich vor Schreck so stark zusammenzuckte, dass sie mir aus der Hand fiel. Der heiße Inhalt ergoss sich über mein weißes Hemd. Die Tasse prallte an mir ab, stürzte zu Boden und zerschellte in viele Einzelteile.

»Ach, komm schon!«, stöhnte ich etwas zu laut. Hastig sprang ich auf, sah an mir herunter und öffnete das Hemd zur Hälfte in der Hoffnung, die Hitze damit zu vertreiben. Mit diesem riesigen Kaffeefleck konnte ich unmöglich vor die Kundschaft treten. Wenn ich Pech hatte, würde mich das meinen Job kosten. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich daran, dass es kein Verlust wäre, gekündigt zu werden. Dann erinnerte ich mich, dass ich auf dieses Geld angewiesen war.

Das Klingeln der Tresenglocke schellte mir in den Ohren. Wer auch immer draußen wartete, drückte sie nicht nur, sondern hämmerte darauf herum.

»Eine Sekunde«, rief ich ins Foyer hinein und hastete über einen Umweg ins Studio, wo die Requisiten standen. Irgendetwas würde ich bestimmt hier finden. Mein Puls war bereits auf 180 und erschwerte es mir, das Hemd vollends aufzuknöpfen. Meine Augen flogen über die Outfits, die feinsäuberlich auf einem Ständer aufgehängt waren. Fast alle Kleidungsstücke waren für Frauen.

»Hier muss doch irgendwo ein Hemd sein.« Mit nacktem Oberkörper wühlte ich mich durch die Stoffe. Glitzerkleid. Neongelbes Kleid. Verboten kurzes Kleid.

»Das gibt es doch nicht.«

»Na, wenn das mal kein netter Anblick ist.«

Ich fuhr herum. Vor mir stand Olivia Walker. Top gestylt wie immer und einen ihrer zwei Möpse in der Hand. Was für ein fettes Ding.

»Ihr Termin ist erst in einer Stunde«, stotterte ich perplex.

»Nein, mein Termin ist genau jetzt.« Sie streckte mir ihre Rolex entgegen und tatsächlich war es schon halb fünf. Sie war zum ersten Mal pünktlich, seit sie hier Kundin war.

»Ist alles in Ordnung, Schatz?«, drang die Stimme eines Mannes von außen zu uns. Kurz darauf erstarrte ich schon wieder vor Schreck. Ich kannte den Mann, der in den Raum trat und den zweiten von Olivias Möpsen auf dem Arm trug. Ich hatte ihn nur kurz gesehen und wenige Worte an ihn gerichtet, doch ich war mir zu einhundert Prozent sicher. Die blonden Haare, die hellen Augen. Es war Patrick. Der Typ von First Glance, der mich gefragt hatte, ob ich der aktive oder der passive Partner im Bett bin.

»Ist das normal, dass die Fotografen hier oben ohne arbeiten? Kein Wunder, dass du so gern herkommst«, sagte Patrick, der mich offensichtlich nicht erkannt hatte.

»Es tut mir schrecklich leid. Ich wollte mir grad etwas anziehen.« Ich wirbelte zu dem Kleiderständer herum und zog das erstbeste hervor, das nicht wie ein Kleid aussah. Es war ein schwarzer Pullover, der für meinen Geschmack viel zu eng saß. Besser als halbnackt war er jedoch. Dieser Tag konnte nicht mehr schlimmer werden.