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Achim, ein Mann ohne jegliche sexuellen Interessen, trifft auf Michael.
Was fasziniert ihn so an ihm, woher kommen diese unerwarteten
Gefühle und welche Geheimnisse verbergen sich hinter diesem dunklen Engel?
Eigentlich eine ganz gewöhnliche Liebesgeschichte, könnte man glauben.
Aber nichts ist wie es scheint.
Bitte beachten, wer keine Homoerotik lesen möchte, sollte besser zu einem anderen Buch greifen : )
>abgeschlossen<
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Danke an Sitala Helki - für ihren Kampf gegen meine phantasievolle Rechtschreibung.
Ein besonderer Dank auch an Caro Sotar - für das von ihr wunderschön gestaltete Cover.
Heute war so ein schöner Tag, warum ihn auf dem Friedhof verplempern?
Zumindest seine Familie war dieser Meinung. Er aber liebte diesen alten Friedhof. Die Stimmung änderte sich je nach Tages- oder Jahreszeit. Doch immer konnte er einen tiefen Frieden empfinden. Die alten Bäume hatten etwas Erhabenes, die verwitterten Gräber schienen in ihrem eigenen Zeitgefüge versponnen. Manchmal, in seltenen Sekunden, hatte er das Gefühl diese Atmosphäre mit all seinen Sinnen aufnehmen zu können. Sie zu erspüren ... und noch mehr dahinter zu erahnen. Die Welt schien sich ein klein wenig zu verrücken, irgendwie zu ändern. Zartere Farben, die Geräusche waren gedämpft, ein leises Wispern schien die Luft zu erfüllen. Doch bevor er es richtig greifen konnte, war der Moment vorbei. Die Welt rückte wieder zurecht und fast fühlte er sich erschlagen von der Intensität des alten Zustandes. Seit er sich zurückerinnern konnte, hatte er solche Zaubermomente, wie seine Oma es lächelnd nannte.
Daher wählte er für seine Besuche gerne die blaue Stunde. Die Dämmerung, nicht mehr ganz Tag, aber auch noch keine Nacht, wenn die wenigsten Besucher hier waren und das Konzert der Vögel am schönsten. Sie hatte ihre ganz eigene Mystik.
Angefangen hatte seine Faszination von diesem Ort schon, als er ein kleiner Junge war. Seine Oma nahm ihn oft mit, wenn sie das Grab des Großvaters pflegte, den er leider nie kennen gelernt hatte. Sie wusste oft von den Menschen, an deren Gräber sie vorbeikamen, zu erzählen. So wurden die Toten fast wie alte Bekannte.
Viel zu früh kam der Tag, an dem auch seine geliebte Oma hier beerdigt wurde. Manchmal schien es ihm als sei sie die Einzige gewesen, die ihn verstanden und nicht als Spinner abgestempelt hatte. Ihre Umarmungen fehlten ihm, selbst heute noch.
Gemächlich schlenderte er über die verwaisten Wege und hing seinen Gedanken nach. An einer Gabelung stand eine alte Trauerweide. Die Bank darunter war sein Lieblingsplatz. Er setzte sich mit einem tiefen Aufatmen, schloss die Augen und lehnte mit den Schultern entspannt zurück.
Langsam senkte sich der Friede in seine Seele. Seine Glieder wurden schwer. Fast hatte er das Gefühl, wie eine Feder leicht über seinem Körper zu schweben. Lächelnd genoss er die Leichtigkeit seines Seins. Er saß eine ganze Weile so da. Doch ein Kribbeln an der rechten Seite irritierte ihn, sodass er die Augen öffnete und sich verwirrt umschaute.
Der Mann, der neben ihm auf der Bank saß, ließ ihn zusammenzucken. Seine Gedanken überschlugen sich. Er musste eingeschlafen sein. Wieso sonst hatte er ihn nicht kommen hören? Möglichst unauffällig musterte er seinen Sitznachbarn. Augenscheinlich genoss auch dieser die Stille, denn seine Haltung war der seinen ähnlich. Wortlos zurückgelehnt mit geschlossenen Augen. So konnte er ihn genauer betrachten, ohne zu aufdringlich zu erscheinen.
Groß, eher schlaksige Figur, vielleicht etwas zu elegant gekleidet mit einem dunklen, anthrazitfarbenen Anzug, einem weißen Hemd und dunkler Krawatte. Möglicherweise war er auf einer Beerdigung gewesen, aber zu so später Stunde?
Die Haare des Fremden waren schwarz, kurz gehalten, nur an der Stirn hatten sich einige vorwitzige Strähnen aus der klassischen Frisur herausgewagt. Sein Profil zeigte klare, markante Linien, eine gerade Nase und soweit er sehen konnte einen schön geschwungenen Mund.
Moment - einen schön geschwungenen Mund? Wo war denn dieser Gedanke auf einmal hergekommen?
