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Hanna, eine junge Designerin, sucht in heller Aufregung ihre Tante Leona auf, die in einem romantischen Eifeldorf lebt. Der Grund für Hannas Sorge ist das mysteriöse Verschwinden ihres neuen Freundes, mit dem sie gerade ein paar Urlaubstage im Schwarzwald verbrachte. Der junge Werbefachmann Max war auf der Suche nach dem verschollenen Apparat für virtuelle Realität, mit dem Leona vor Jahren nach eigenen Angaben in ihre Zukunft gesehen hatte. Hanna erfährt erstaunliche Dinge über die seltsamen Begebenheiten der Vergangenheit und nimmt dankbar die Hilfe ihrer Tante Leona an. Die abenteuerliche Reise der beiden Frauen führt in die bekannte Weinregion der Hex vom Dasenstein, einer Gegend voller Sagen und Mythen. Ist die duftende Rose Allebanna der Schlüssel zu einem Geheimnis?
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Seitenzahl: 266
Veröffentlichungsjahr: 2020
Hanna, eine junge Designerin, sucht in heller Aufregung ihre Tante Leona auf, die in einem romantischen Eifeldorf lebt. Der Grund für Hannas Sorge ist das mysteriöse Verschwinden ihres neuen Freundes, mit dem sie gerade ein paar Urlaubstage im Schwarzwald verbrachte. Der junge Werbefachmann Max war auf der Suche nach dem verschollenen Apparat für virtuelle Realität, mit dem Leona vor Jahren nach eigenen Angaben in ihre Zukunft gesehen hatte.
Hanna erfährt erstaunliche Dinge über die seltsamen Begebenheiten der Vergangenheit und nimmt dankbar die Hilfe ihrer Tante Leona an. Die abenteuerliche Reise der beiden Frauen führt in die bekannte Weinregion der Hex vom Dasenstein, einer Gegend voller Sagen und Mythen. Ist die duftende Rose Allebanna der Schlüssel zu einem Geheimnis?
Kapitel
Kapitel
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Kapitel
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In meinen Händen fühlte sich die Blüte der Rose „Elbflorenz“ wie kühle Seide an. Der Duft dieser altrosa blühenden Knospe erinnerte mich an die frischen Himbeeren und Aprikosen aus dem Garten meines Großvaters. Während sich meine Gedanken in die Vergangenheit verloren und durch den Blumengarten auf dem Venusberg spazierten, rief mich das Quietschen des Gartentores wieder in die Gegenwart zurück.
Ich stieß einen kleinen Freudenschrei aus, als ich die junge Frau mit den langen blonden Haaren erkannte, die eilig auf mich zu lief. „Hanna! Wie kommst du denn hierher?!“
Meine Nichte strahlte mich an. „Mit einem der wenigen Busse, die zu dir führen.“
Einen Augenblick später lagen wir uns in den Armen.
„Ich habe gedacht, du bist mit deinem Freund Max im Schwarzwald“, fragte ich sie verwundert.
Das Strahlen verschwand aus ihrem Gesicht. „Das war ich auch. Aber Max ist plötzlich verschwunden. Und dafür gab es überhaupt keinen Grund. Wir haben uns nicht einmal gestritten.“
„Komm erst einmal mit herein. Soll ich dir ein Kaffee kochen? Dann kannst du mir alles gleich in Ruhe erzählen.“
Sie folgte mir ins Haus, stellte ihren Rucksack in die Diele und brach in Tränen aus.
Ich nahm sie in den Arm und streichelte sie. „Was ist denn los, Kleines? Was auch immer passiert ist, ich werde dir helfen.“
Es dauerte einige Augenblicke, bis sie sich wieder beruhigt hatte.
Ich führte sie zu einem Sessel und brachte ihr zunächst einmal ein Glas Wasser.
Sie nahm ein paar Schlucke und holte dann tief Luft.
„Komm setz dich zu mir!“ bat sie mich. „Ich kann das Ganze wirklich nicht verstehen. Max ist einfach verschwunden.“
Ich setzte mich zu ihr, und nachdem sie sich die Nase geputzt hatte, begann sie mit zitternder Stimme. „Wir waren doch so glücklich miteinander. Natürlich kannten wir uns erst ein paar Monate, aber die waren wunderschön. Wir haben uns nie wirklich gestritten, nur öfter einmal miteinander diskutiert. Und jetzt waren wir gerade vier Tage lang in dem gastlichen Hotel in der Nähe von Peterstal und haben täglich schöne lange Spaziergänge gemacht. Am Tag nach unserer Ankunft haben wir uns dann gemeinsam nach dem Neffen von Herbert Fröhlich erkundigt, du erinnerst dich bestimmt noch an ihn.“
Und ob ich mich an ihn erinnere, das war der Pilot, der damals gemeinsam mit Hermann vor dem Zweiten Weltkrieg dieses DVR-Gerät erfunden hatte, diesen merkwürdigen Filmapparat, der so aussah wie ein Fernseher. Wenn ich die Kopfhörer aufsetzte und in die Brille vor meinen Augen sah, begann die Welt rund um mich herum zu leben. Eine fantastische virtuelle Realität spielte sich vor meinen Augen ab. Ich erinnere mich noch sehr gut an die ganze Zeit von damals. Meine ältere Freundin Renate, sie war die Tante meiner Schulkameradin, hatte dieses Gerät von ihrem Mann Hermann gewissermaßen geerbt, nachdem er nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen war. Wir haben damit sehr viel erlebt, das weißt du sicher alles schon von Marlies, deiner lieben Mama.“
„Ja, aber wir haben immer darüber gelacht. Das ist doch alles nur Fantasie. Das gibt es doch in Wirklichkeit gar nicht. Es gibt doch schließlich keine Zeitmaschine. Man kann noch nicht in die Zukunft sehen. Das ist doch wirklich alles Blödsinn! Das war wirklich ein seltsames Gerät. Zum Glück hat sie es auch nicht behalten. Und sie hat mir auch erzählt, dass Renate diesen Apparat dann später an Herbert Fröhlich weitergeleitet hat. Ist er nicht ein Penner gewesen?“
„Als ich ihn das erste Mal gemeinsam mit Renate im Obdachlosenheim besuchte, sah es ganz danach aus, als hätte er den Kampf gegen den Alkohol verloren. Aber nachdem ihn dann seine Nichte auf den Bauernhof nach Peterstal gebracht hatte, konnte er tatsächlich wieder in einem normalen Umgang mit reduziertem Alkoholgenuss leben. Allerdings ist er dann nicht sehr alt geworden, offenbar war seine Leber doch zu sehr geschädigt. Bevor er starb, hat er seiner Nichte die Weisung gegeben, dieses Gerät auf keinen Fall zu verschrotten, sondern weiterzuvererben an den Neffen Jeremias. Das hat die Nichte auch sofort getan, ich erinnere mich. Sie informierte mich in einem Brief, den sie mir gemeinsam mit einem Schwarzwälder Schinken zusandte. Das DVR-Gerät landete also bei einem Jeremias Lechner, der ebenfalls in der Nähe von Peterstal wohnte, und nicht die geringste Ahnung von den Eigenschaften dieses Gerätes besaß. Er hatte lediglich die Weisung, diesen merkwürdigen Apparat aufzubewahren und an seine Kinder weiterzuvererben.“
„Genau das hat mir meine liebe Mama, deine Schwester auch erzählt. Und als mich Max mit diesem Urlaub dort im Schwarzwald überraschte, machte ich den Fehler, ihm die ganze Geschichte zu erzählen. Wie viele Männer ist er natürlich von Technik begeistert, das kannst du dir vorstellen. Und er zeigte sofort wahnsinniges Interesse an so einem Gerät, wovon alle Leute behaupten, man könne damit besondere Reisen machen. Selbstverständlich hielt er das auch für Quatsch, aber er meinte so ein DVR-Gerät, das noch aus der Zeit von vor dem zweiten Weltkrieg stammt, das sei schon etwas ganz Besonderes. Das wollte er sich unbedingt einmal anschauen. Und so hat er natürlich dann überall herum gefragt nach dem Zuhause von Jeremias Lechner. Aber bis gestern hatten wir noch keine Spur.“
„Und was ist dann geschehen?“
„Wir haben im Gasthof zusammen gefrühstückt. Es war alles wie immer, wir haben uns fröhlich unterhalten. Wir hatten geplant, wieder wandern zu gehen, und ich wollte mich noch umziehen und vor allen Dingen bequeme Wanderschuhe anziehen. Er küsste mich auf die Wange, lächelte mich wie immer an und meinte, die Luft sei draußen so schön. Er wollte schon einmal auf der Straße ein bisschen frische Luft schnappen und dort auf mich warten. Nachdem ich mich umgezogen hatte, traf ich in der Eingangshalle die freundliche Wirtin, die mich in ein kurzes Gespräch zog. Sie fragte ein bisschen über unsere Unternehmungen, und ob sie uns vielleicht ein Lunchpaket zubereiten solle. Da ergab so ein Wort das andere, aber das ganze Gespräch dauerte nicht mehr als fünf bis acht Minuten. Und danach bin ich sofort hinausgegangen. Aber von Max war keine Spur mehr zu sehen. Ich habe alles abgesucht, er war wie vom Erdboden verschluckt.“
Ich schüttelte den Kopf. „Das kann ich wirklich nicht verstehen. Was kann denn da nur passiert sein. Wie ich dich kenne, hast du natürlich alles nach ihm abgesucht.“
„Natürlich, das kannst du dir denken. Zuerst habe ich den ganzen Ort abgesucht, natürlich auch überall nach ihm gefragt. Dann war ich im Verkehrsamt und bei der Polizei, die Arztpraxen und Krankenhäuser habe ich natürlich auch alle abtelefoniert. Ich war überall, habe mich bei der Gelegenheit natürlich auch direkt einmal nach diesem Lechner erkundigt, weil ich dachte, vielleicht hat ihn Max zufällig auf der Straße getroffen. Aber über ihn wusste auch niemand etwas. Seine Spur habe ich natürlich nicht weiter verfolgt, denn Max ist mir jetzt im Moment wichtiger. Nachdem ich rund um Peterstal keine Spur von ihm gefunden habe, bin ich heute in aller Frühe mit dem Zug zurück nach Bonn gefahren und habe erst einmal in seiner Wohnung nachgeschaut, ob er vielleicht dorthin zurück gefahren ist. Selbst in meiner Wohnung, ein paar Häuser weiter habe ich nachgesehen, ob da vielleicht irgendeine Nachricht von ihm liegt. In beiden Wohnungen war alles so, wie wir es hinterlassen haben. Mehr ist mir dann dazu nicht eingefallen, und ich wusste wirklich nicht mehr, wo und wie ich nach ihm suchen sollte. In dem Zusammenhang fiel mir dann ein, dass du damals dieser Renate auch sehr geholfen hast, und deswegen habe ich mich dann direkt in Bonn in den Bus gesetzt und bin zu dir ins Dorf gefahren. Ich wollte dich nicht mit einem Anruf erschrecken, ich habe gedacht, persönlich kann ich dir alles viel besser erklären, und wir könnten dabei vielleicht schon etwas Zeit sparen. Ich hoffte, du hättest jetzt vielleicht Zeit für mich und könntest mir weiterhelfen. Immerhin kanntest du dieses Gerät auch. Und wenn Max’ Verschwinden doch etwas mit diesem Gerät zu tun haben sollte, dann bist du die einzige, die darüber wirklich informiert ist. Erinnerst du dich noch daran?“
„Oh ja, ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Wir hatten es sogar mitgenommen, damals auf unsere Reise nach Italien, wo ich Giovanni kennen gelernt habe.“
„Das hat mir Mama auch schon oft erzählt.“ Hanna lächelte. „Und auch, dass ihm von jeher dein Herz gehört hatte, und du trotzdem erst einmal diesen Vinzenz geheiratet hast, von dem du inzwischen geschieden bist. Das ist wohl eine ganz verrückte Sache gewesen. Ich glaube nicht, dass ich so mutig gewesen wäre wie du. Aber, wie verrückt das auch immer sein mag, schließlich ist euer Sohn Vinzenz dann wirklich Arzt geworden, wie du es in diesem visionären Fernseher vorausgesehen hast und konnte vielen Menschen helfen. Meinst du nicht, dass du ihn ein bisschen dorthin getrieben hast, weil du so davon überzeugt warst, dass er einmal Arzt werden würde.“
„Ich habe ihn wirklich nicht nach dieser Prophezeiung manipuliert, das kannst du mir glauben. Auch wenn mir das DVR-Gerät für meine Zukunft diesen Sohn prophezeit hatte, so habe ich doch nichts getan, um ihn in diese Richtung zu drängen. Selbst den kleinen roten Arztkoffer, den mir meine Freundin Renate damals geschenkt hatte, habe ich aufbewahrt und erst dann aus dem Versteck geholt, nachdem mein kleiner Sohn sich solch einen Arztkoffer gewünscht hat. Es ist also alles mit rechten Dingen zugegangen. Der Kleine war schon immer sehr hilfsbereit und sozial eingestellt, da musste ich gar nicht nachhelfen.“
Sie lächelte mich etwas zweifelnd an. „Nach, das ist ja jetzt auch egal. Um das Gerät geht es mir auch gar nicht. Ich glaube nicht an so einen Hokuspokus. Es geht mir jetzt nur wirklich um Max, den ich unbedingt finden muss. Gestern hatte ich noch ein dummes Gespräch mit meiner Freundin Carla. Sie meinte, Max sei einfach abgehauen, irgendwohin, wo ich ihn nicht finden kann. Er habe bestimmt einfach die Beziehung beenden wollen, und sich klammheimlich verdrückt.“
„Und? Was hältst du davon? Hältst du das für möglich?“
Sie schüttelte energisch den Kopf. „Nein, das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wir haben uns so gut verstanden und Max war so lieb zu mir. Ich glaube, es ist ihm irgendetwas passiert. Willst du mir helfen?“
„Du hast Glück! Giovanni ist gerade für eine Woche mit seinem Sohn gemeinsam in Baden-Baden. Roberto hatte dort einen Kongress und hat extra eine Woche Urlaub daran gehängt, damit er sich mit seinem Vater dort treffen kann.“
„Ach ja, das ist sein Sohn aus erster Ehe, nicht wahr?“
„Genau. Ein sehr netter junger Mann. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm. Das ist auch wichtig für meinen Mann, Hanna.“
„Es ist schon unglaublich, wie ihr die vielen Jahre überstanden habt, du und Giovanni, als ihr beide mit anderen Partnern verheiratet wart. Bist du denn jetzt glücklich?“
„Sehr. Giovanni ist so ein herzlicher Mensch. Es geht mir immer wieder so, wenn ich ihn sehe, geht die Sonne für mich auf. Da hat sich nichts geändert. Aber jetzt wollen wir lieber über deine Probleme sprechen, für alles andere haben wir noch genug Zeit. Ich nehme an, du möchtest, dass ich mit dir in den Schwarzwald komme?“
„Das wäre wirklich fantastisch! Ich habe ja sonst schon alles versucht, obwohl mich alle für verrückt halten, weil wir ja nicht einmal verlobt sind. Für die anderen sieht es so aus, als würde ich einem Mann hinterher laufen, der mir weggelaufen ist. Wenn das wirklich so ist, dann will ich das natürlich akzeptieren. Aber ich glaube das nicht. Ich muss ihn unbedingt finden, um ihn zu fragen, warum er weggegangen ist.“
„Natürlich komme ich mit dir. Ich werde auch gleich meinen Koffer packen. Wenn sich dort nicht allzu viel verändert hat, dann kenne ich mich in dieser Gegend von damals noch etwas aus. Magst du denn hier noch etwas essen, oder soll ich direkt packen, und wir essen unterwegs etwas?“
„Wenn du mich so fragst, und es dir wirklich nichts ausmacht, dann würde ich natürlich am liebsten gleich los. Natürlich mache ich mir ziemlich viel Sorge um ihn. Ich spendiere dir gern unterwegs etwas. Sollen wir mit der Bahn oder mit dem Auto fahren, Tante Leona?“
Ich lächelte sie an. „Du kannst das Wort „Tante“ ruhig weglassen! Es klingt so altmodisch. Am besten nehmen wir mein Auto, dann sind wir dort unabhängig und können uns im Umkreis von Peterstal schnell umschauen. Bist du damit einverstanden?“
Sie umarmte mich. „Und wie! Ich habe übrigens meinen Koffer dort im Gasthof hinterlassen. Sie bewahren ihn für mich auf, bis ich wieder da bin. Kann ich dir beim Packen helfen?“
„Helfen nicht, höchstens zuschauen. Ihr habt beide immer noch kein Auto?“
„Nein, in Bonn, im Stadtteil Endenich ist das absolut nicht notwendig. Da ist man in ein paar Minuten in der Innenstadt, und die Busverbindungen sind fantastisch.“
Hanna folgte mir ins Schlafzimmer und schaute mir zu, während ich das Nötigste in einen kleinen Koffer packte.
„Kannst du dir vorstellen, dass das Verschwinden von Max etwas mit diesem DVR-Gerät zu tun hat, Leona?“
Ich überlegte einen Moment. „Das ist schon möglich. Ich habe damals diese Art von Zeitreisen in den Filmen während der Benutzung dieses Gerätes miterlebt. Da mag es für manche ein sehr wertvolles Ding sein. Vielleicht wollte jemand verhindern, dass Max dieses Gerät findet. Damit zu arbeiten ist ein richtiges Abenteuer.“
Sie verzog den Mund. „Diese ganzen Erlebnisse, hast du die dir nicht eingebildet mit einer großen Fantasie, so wie ein Wunschtraum oder eine Art Visualisierung? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles Realität war. Es gibt doch wirklich keine Zeitmaschinen.“
„Ich weiß auch nicht, wie man das nennen soll. Es ist sicherlich keine Zeitmaschine im üblichen Sinn. Wenn es so etwas wie Fantasie ist, dann müsste man sein Leben schon fertig im Kopf haben, damit man einzelne Situationen daraus hervorruft. Es hat sich alles sehr real angefühlt.“
„Du hast also einzelne Szenen aus deiner Zukunft damit gesehen“, versuchte sie zu verstehen. „Nun ja, es gibt ja so etwas wie Selbstprophezeiungen, Wünsche, die sich verselbstständigen. Nach diesem Prinzip könnte es funktionieren. Was du dir ganz fest wünschst, und ebenso fest vorstellst, das kannst du viel leichter verwirklichen. Du und Giovanni, ihr habt euch eben so sehr geliebt, dass ihr beide euch unbedingt wiedersehen wolltet. Und so ist’s doch dann auch gekommen, oder? Ihr seid euch doch nicht zufällig wieder begegnet, oder?“
„Nein, zufällig nicht. Wir hatten schon einen gemeinsamen Freund, durch den wir immer eine lose Verbindung hatten. Und als wir beide dann geschieden waren, haben wir uns wieder öfter geschrieben und auch miteinander telefoniert. So, mein Koffer ist gepackt. Das Nötigste habe ich bei mir. Jetzt wollen wir keine Zeit mehr verlieren. Auf in den Schwarzwald! Und den Max, den werden wir schon finden. Schließlich kann er nicht vom Erdboden verschluckt sein.“
***
Während uns die helle Mittagssonne begleitete, fuhren wir aus dem wie im Schlaf daliegenden Dorf etwa acht Kilometer durch die hügelige Eifellandschaft bis zur Autobahn, der A 61 in Richtung Süden. Links von uns lag das Rheintal, wir überquerten erst das Flüsschen Ahr und etwas später dann in Koblenz die Mosel, die sich tief unter uns zum Rhein schlängelte.
„Gut, dass morgen Montag ist“, stellte ich fest. „Dann können wir uns morgen auf dem Einwohnermeldeamt erkundigen, wo Jeremias Lechner wohnt. Selbst wenn er aus der Gegend von Peterstal weggezogen ist, wird man uns dort sagen können, wo er jetzt wohnt, vermutlich gegen eine kleine Gebühr. Vielleicht hat er Max zufällig getroffen und mit nach Hause genommen. Auf jeden Fall werden wir diesen jungen Mann einmal nach Max fragen.“
„Das ist eine gute Idee“, freute sich Hanna. „Vielleicht weiß er etwas von Max. Manchmal ist das sogar kompliziert, wenn man jemanden sucht, besonders auch bei den Ämtern. Ich habe es sogar schon erlebt, dass man mir beim Bürgeramt erklärte, ich sei nicht berechtigt, die Adresse einer Freundin zu erfahren. Aber hier ist das sicher etwas anderes. Schließlich waren wir ein Paar, wenn auch nur erst seit ein paar Monaten.“
„Das solltest du auch allen so darstellen“, fand ich. „Wie habt ihr euch denn kennen gelernt?“
„Das ist eine lange Geschichte. Aber bis zum Schwarzwald haben wir auch noch genügend Zeit dafür. Dafür brauche ich bestimmt den ganzen Weg über den Hunsrück und durch die Pfalz bis hin nach Baden-Württemberg.“
Links und rechts neben uns schienen die großen Bäume an uns vorüberzufliegen. Der Verkehr um uns herum floss zügig, nur wenige Lkw verlangsamten das Fahrtempo auf der sonntäglich freien Autobahn.
„Nimm dir aus dem Handschuhfach etwas Schokolade“, forderte ich meine Nichte auf. „Dann kannst du dich für deine lange Geschichte stärken.“ „Später ja, danke! Im Augenblick bin ich zu aufgeregt. Max und ich, wir arbeiten ja schon seit Jahren in derselben Firma. Als ich ihn dort kennenlernte, war er gerade in einer Beziehung mit einer Schauspielerin, die nach Berlin zog, weil sie dort ein gutes Engagement bekommen hatte. Das ging dann bei den beiden nicht gut, sie haben sich, wie er mir erzählte, irgendwie auseinander gelebt. Damals habe ich schon ein bisschen für ihn geschwärmt. Aber dann lernte ich den lebenslustigen Draufgänger Theo kennen, in den habe ich mich sofort verliebt, weil er so unkompliziert und fröhlich war. Das ist immer so erfrischend, so empfand ich das jedenfalls damals. Leider stellte sich dann später heraus, dass er alles sehr locker nahm und auch nicht sehr zuverlässig war. Daran ist dann unsere Beziehung gescheitert. Trotzdem habe ich ihm natürlich erst eine ganze Weile nachgetrauert, wie das immer so ist.“
„Das kann ich mir gut vorstellen, Hanna. Die Gefühle gehen ihre eigenen Wege, da machst du nichts.“ Ich überholte einen Wohnwagen, in dem zwei junge Männer saßen, die uns fröhlich zuwinkten.
„Unser Chef übertrug uns beiden ein gemeinsames Projekt, an dem wir gewissenhaft arbeiteten“, fuhr Hanna fort. „Bei einer kleinen Firmenfeier waren wir vom „Sie“ zum „Du“ übergegangen, trotzdem kamen wir uns keinen Schritt näher, im Gegenteil, wir achteten peinlich genau darauf, immer einen kollegialen Ton beizubehalten.“
„Vermutlich hattet ihr beide noch an den alten Beziehungen zu kauen?“
„Möglich, ja auch, aber wir wollten beide diese schöne Gemeinsamkeit nicht durch etwas allzu Persönliches zerstören. Dabei wohnen wir nur ein paar Häuser weit voneinander entfernt. Der Zufall kam uns zu Hilfe, an einem für Bonn im Winter typischen Regentag beging ich den Fehler, einen kleinen Einkauf in einer umweltfreundlichen Papiertüte unterzubringen. Max stand nicht nur hinter mir an der Kasse, er ging auch hinter mir aus dem Supermarkt auf die Straße. Während unseres Einkaufs hatte sich der harmlose Regen in einen starken verwandelt, was, wie du dir denken kannst, zur Folge hatte, dass meine Tüte augenblicklich durchgeweicht wurde und der gesamte Inhalt zu Boden fiel.“
„Lass mich raten, Max half dir, alles aufzuheben.“
Hanna lachte. „Natürlich. Er deponierte alles in seiner Stofftasche und begleitete mich in meine Wohnung, wo wir die eingekauften Teile auseinander kramten. Dabei stellten wir amüsiert fest, dass wir fast die gleichen Gegenstände gekauft hatten. Da es draußen immer noch wie aus großen Kübeln schüttete, bereitete ich uns einen Kaffee zu und bot ihm Gebäck an, während er sich im Badezimmer mit dem Handtuch notdürftig trocknete. So kamen wir dann ins Plaudern.“
„Und das dauerte dann länger?“
„Sehr lange. Wir entdeckten, dass wir uns eine ganze Menge zu erzählen hatten. Und ob du es jetzt glaubst oder nicht, wir stellten fest, dass wir beide nach dem vielen Quatschen eine Menge Hunger bekommen hatten. Deshalb kam Max auf die Idee, dass wir nun auch mit den gemeinsamen Zutaten gemeinsam etwas kochen könnten. Wir stellten fest, dass wir nicht nur auf unserer Arbeit in der Firma ein gutes Team waren, hantierten Hand in Hand in der Küche herum und ließen uns später eine gelungene Mahlzeit schmecken.“
„Was gab es denn?“
„Handgefertigte Kartoffelecken, Fischfilet in einer pikanten Kräutersauce und überbackenes Gemüse. Es hat uns ausgesprochen gut geschmeckt. Nachdem er mir noch ein bisschen beim Aufräumen geholfen hat, ist er ganz brav nach Hause gegangen. Aber von da an haben wir uns fast jeden Tag zum gemeinsamen Kochen verabredet.“
„Ganz schön romantisch“, fand ich.
„Ja, das fanden wir auch. Und wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, uns auf der Arbeit nichts anmerken zu lassen. Und dann ging es wirklich ganz schön kitschig weiter. Gleich um die Ecke befindet sich die Springmaus, das ist ein kleines Theater für Veranstaltungen, und direkt gegenüber ein ganz altes Kino, das Rex-Filmtheater. Dorthin hat mich Max eingeladen, und wir haben uns wie fröhliche Kinder Popcorn besorgt und es geknabbert. Wir haben dann über alte Filme und alte Kinoerinnerungen gesprochen, wie das so früher dort zuging. Natürlich auch darüber, dass sich die Paare dort früher immer heimlich küssten, weil sie sich das früher draußen in der Öffentlichkeit nicht trauten. Tja, da ist es dann passiert, wir haben uns dort auch zum ersten Mal geküsst.“
„Wirklich romantisch! Und wenn ich jetzt darüber nachdenke, kann ich auch keinen Grund finden, warum er sich gerade jetzt mitten im Urlaub plötzlich von dir entfernt haben soll. Schließlich kanntest du ihn als Arbeitskollegen schon länger, und an eurer Beziehung kann ich momentan auch keine Fehler entdecken. Also, ein Heiratsschwindler scheint er schon mal nicht zu sein. Gab es sonst irgendwelche Probleme in eurer Beziehung?“
Sie schüttelte leicht den Kopf. „Es hat sich bei uns alles ziemlich langsam entwickelt. Auch nach dem Kuss hat es noch eine ganze Weile gedauert, bis er bei mir übernachtet hat. Das lag allerdings daran, dass er an dem Kinoabend einen Anruf von seinem Bruder erhielt, der in der Nähe von Köln mit seinem Auto liegen geblieben war, und den er dann noch in der Nacht abgeholt hat. Erst zwei Tage später hat er mich zu sich eingeladen und mir als Entschuldigung einen riesengroßen, bunten Blumenstrauß geschenkt. Da haben wir uns dann wieder geküsst, und er hat mich ins Schlafzimmer getragen, wo er überall Blütenblätter verstreut hatte, wie für eine Hochzeitsnacht. Er ist unglaublich zärtlich und liebevoll. Und das hat sich auch in den ganzen Monaten nicht geändert, seit Januar.“
„Da kann ich mir vorstellen, dass du unruhig bist und dir Sorgen machst. Wie sieht das denn mit einer Handyortung aus? Könnte man ihn nicht auf diese Art und Weise finden?“
„Sein Handy lag noch in unserem Zimmer. Er nimmt es nie mit auf unsere Spaziergänge. Ich habe mit meinem Anbieter immer einen besseren Empfang, deshalb nehmen wir dafür immer mein Handy mit. Er hat lediglich sein Portmonee mit seinen Ausweisen dabei, mehr nicht. Am besten lassen wir morgen ein paar Zettel kopieren, Suchbilder mit seinem Foto darauf. Die bringen wir dann überall in der Umgebung an Laternenpfählen und öffentlichen Gebäuden an.“
„Das ist eine gute Idee, Hanna! Irgendjemand muss ihn doch auf der Straße gesehen haben. War er auffällig angezogen?“
„Nicht besonders. Er hatte Jeans an, wie die meisten Männer im Urlaub. Und seine dunkelblaue Jacke sieht auch nicht spektakulär aus. Seine grauweißen Sportschuhe gibt es dutzendfach. An seiner Haarfrisur ist auch nichts Außergewöhnliches, er trägt sein dunkles Haar recht kurz in einem der üblichen Herrenschnitte. Der Blick seiner dunklen Augen glänzt in der Regel freundlich, seine schmale Nase ist etwas gebogen, seine Lippen sind zum Glück nicht zusammen gekniffen und schmal, sondern sensibel und schön geschwungen. Und seine Figur? Ja, er ist knapp ein Meter und achtzig groß und schlank, insgesamt ziemlich unauffällig.“
„Immerhin, du kannst ihn gut beschreiben, das ist schon mal ein Vorteil.“
„Bis jetzt habe ich das Gefühl, außer dir hat mich keiner wirklich ernst genommen. Alle, die ich gefragt habe, sahen mich etwas mitleidig an, so, als ob ich einem verlorenen Traum hinterher jage. Natürlich darf ich diesen Gedanken nicht ganz von der Hand weisen. Es gibt Menschen, die sich eine Weile ganz normal verhalten, und dann plötzlich durchdrehen und ihr Leben total verändern. Ich hatte sogar schon den Gedanken gehabt, seine Ex sei plötzlich aus Berlin aufgetaucht und habe ihn in einem schicken, teuren Sportwagen mit zu sich genommen. Sie heißt übrigens Michaela, Michaela Wendt mit bürgerlichem Namen. Aber ihr Künstlername ist Michaela Miller. Das klingt irgendwie blöd, finde ich.“
„Es passt tatsächlich nicht. Das klingt komisch. Wann haben die beiden sich denn das letzte Mal gesehen? Weißt du das zufällig?“
Sie überlegte. „Das ist jetzt schon fast fünf Jahre her, und so, wie er mir erzählt hat, haben sie auch keinen Kontakt mehr. Ich habe übrigens etwas sehr Schlimmes getan. Ich hoffe, er ist mir deswegen nicht böse.“
„Was denn? Hat das etwas mit seinem Verschwinden zu tun?“
„Ja, genau deswegen habe ich es getan. Als ich in seiner Wohnung nach ihm gesucht habe, dachte ich, ich könnte vielleicht wichtige Anlaufstellen aus seinem Adressbuch heraussuchen. Er hat nämlich noch so ein ganz altmodisches neben seinem Festnetz auf seinem Schreibtisch liegen. Das hat er mir immer stolz gezeigt, seine Mutter hat es ihm geschenkt, also er noch zur Schule ging. Und da sind nun alle Adressen drin, sogar teilweise mit Telefonnummern. Es ist sogar die Adresse von Michaela eingetragen, die aus Berlin, falls sie dort immer noch wohnt. Aber ich habe mich nicht getraut, bei ihr anzurufen. Ich wollte erst einmal mit dir alles besprechen.“
„Das mit Michaela können wir erst noch einmal lassen, denke ich. Denn sollte er dort sein, hast du vermutlich wenige Chancen, ihn zurückzubekommen. Aber ich glaube das nicht wirklich. Wenn alles mit euch so gut lief, dann bestand überhaupt kein Grund für ihn, diese Beziehung so plötzlich zu beenden. Ich bin auch dafür, dass wir ihn erst einmal selbst suchen, und zwar im Schwarzwald, dort, wo du ihn zuletzt gesehen hast. Und wir werden bestimmt ein paar Leute finden, die uns dabei helfen.“
Das Handy in meiner Handtasche meldete sich. „Bist du so lieb und schaust einmal nach, wer mich da erreichen möchte?“ bat ich Hanna.
Sie griff in meine Handtasche und holte das Handy heraus. „Es ist Giovanni“, sagte sie mit einem Blick auf das Display. „Soll ich vielleicht dran gehen?“
„Das wäre ganz lieb von dir.“
Sie nahm das Gespräch an und meldete sich mit: „Hanna Kirst, am Apparat von Leona Licata.“
Ich hörte Giovannis Stimme. „Ciao Hanna, schön, dich zu hören! Bist du zu Besuch bei meiner Frau?“
„Nicht direkt. Ich habe deine Frau zu einer kleinen Tour überredet. Wir sind gerade auf dem Weg in deine Richtung. Unser Ziel ist gar nicht so weit weg von Baden-Baden. Ich habe gehört, dass du dort ein paar Tage mit deinem Sohn bist. Vielleicht können wir uns einmal treffen?“
„Oh! Meine Frau ist mit dir unterwegs? Davon weiß ich ja noch gar nichts. Aber wenn ihr gerade in Richtung Baden-Baden fahrt, dann würde ich mich wirklich freuen, wenn wir uns einmal treffen können. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Ich glaube, das war bei unserer Hochzeit. Und die ist nun auch schon ein bisschen länger her. Sollte das jetzt eine Überraschung für mich werden?“
Sie lachte. „Eine Überraschung wird es auf jeden Fall. Ich habe gehört, du bleibst ein paar Tage dort mit deinem Sohn. Dann wird es bestimmt mit einem Treffen klappen. Zuerst entführe ich deine Frau aber erst einmal in einen anderen hübschen kleinen Ort in deiner Nähe, der schon im Gebiet des Schwarzwaldes liegt. Es geht ja so ein bisschen um Nostalgie, weißt du.“
„Nostalgie? Schwarzwald? Muss ich da etwa eifersüchtig werden?“ fragte er scherzend.
„Nein. Wir wollten nur mal nachschauen, ob es dieses alte DVR-Gerät noch gibt, in dem Leona vor vielen Jahren gesehen hat, dass sie dich einmal heiraten wird. Vielleicht lebt es ja noch. Bei der Gelegenheit können wir dann auch einmal nachschauen, ob es noch in guten Händen ist.“
„Ach so, dieser getarnte Fernseher, der die magischen Fähigkeiten besitzen soll“, er lachte. „Ich glaube auch lieber, dass es Leonas Herz war, das in die Zukunft schauen konnte. Ich habe diesen komischen Kasten nie zu Gesicht bekommen. Meine Frau hat mir nur davon erzählt, nachdem wir uns wieder gefunden hatten. Sag ihr, dass ich sie liebe!“
„Das mache ich gern. Aber sie hat dir auch zugehört, ich hatte das Telefon auf „Laut“ gestellt. Ich halte ihr es einmal hin, etwas näher. Dann kann sie dir darauf antworten.“
„Ciao, Giovanni! Ich hoffe, es geht dir gut. Wenn ich meine Mission mit Hanna beendet habe, werden wir dich gern besuchen, und deinen Sohn natürlich auch, falls ihr nicht lieber die Zeit zu Zweit genießen wollt.“
Er protestierte. „Du weißt doch, dass ich dich am liebsten immer bei mir habe, tesoro. Komm, sobald du kannst, amore! Ich vermisse dich die ganze Zeit. Aber jetzt will ich dich nicht vom Autofahren abhalten und dich nicht ablenken, ich möchte dich wieder ganz gesund in meine Arme schließen.“
Ich lächelte. „Darauf freue ich mich auch schon. Und ablenken kannst du mich wirklich ganz schön, du weißt, welche Wirkung du auf mich hast.“
Er lachte laut. „Dabei bin ich schon ein alter Mann. Aber du gibst mir immer noch das Gefühl, dass ich so jung bin wie damals, als wir uns kennenlernten. Grazie, amore!“
Auch Hanna lächelte. „Dann werde ich mal dieses Gespräch trennen, ich weiß ja, dass euch das nicht wirklich schaden kann. Eure Verbundenheit kennt keine Grenzen. Bis bald, Onkel Giovanni!“
Er wünschte uns noch eine gute Fahrt und verabschiedete sich.
„Es ist wirklich einmalig mit euch beiden“, meinte Hanna lächelnd. „Ich habe es meiner Mama nie geglaubt, wenn sie mir diese romantische Geschichte von euch zu überschwänglich erzählt hat. Dass ihr beide wirklich immer noch so verliebt seid! Das gibt es nur im Film und im Märchen.“
Ich lachte. „Außerdem lieben wir beide das Theatralische. Ich glaube, ich habe mein Leben immer wie ein wunderschönes Theaterspiel angesehen, in dem ich eine bestimmte Rolle habe, die mir genügend Spielraum zum Improvisieren lässt. Giovanni und ich, wir können auch Kleinigkeiten im Leben genießen und feiern. Ein kleines Blatt, eine kleine Blüte, eine Wolke am Himmel, all das sind für uns schon kleine Wunder, an denen wir uns erfreuen. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, dann verbindet dich und Max auch eine ganze Menge.“
Hanna nickte und sah traurig zu mir herüber. „Das habe ich auch immer gedacht.“
„Es ist ganz wichtig, dass du auch daran glaubst. Ich habe in all den Jahren immer an unsere Liebe geglaubt, ja, besonders an die Liebe zu ihm, die ich fühlte. Und ich habe gespürt, solange ich diese Liebe für uns beide in mir finde, solange habe ich eine Chance.“
Sie seufzte. „Ja, irgendwie klingt das einleuchtend. Irgendwie glaube ich auch daran, dass ich Max wiederfinden werde. Ich glaube nicht, dass er die Beziehung zu mir beenden wollte. Deswegen werde ich jetzt auch alles versuchen. Und ich bin so froh und dir dankbar, dass du mir helfen willst. Übrigens, ich habe deinen Giovanni ja etwas angeschwindelt. Ich habe ihm nicht verraten, dass du mir helfen willst, Max wiederzufinden. War das jetzt schlimm oder falsch von mir?“
„Nein, mein Schatz! Das hast du ganz richtig gemacht. Es ist gut, dass Giovanni nichts von dem Verschwinden weiß. Er würde sich sonst zu sehr aufregen, und das ist für sein Herz überhaupt nicht gut. Es ist so völlig in Ordnung, mach dir deswegen keine Gedanken!“
Hanna öffnete das Handschuhfach, griff nach der Schokolade, löste das Papier an einer Ecke und brach sich einen Riegel ab. „Wahrscheinlich hast du Recht, Schokolade tut jetzt gut für die Nerven. Schließlich haben wir noch eine ganze Menge vor uns.“
