Rosenstich - Anastasia Wiebe - E-Book

Rosenstich E-Book

Anastasia Wiebe

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Beschreibung

Noch einmal von vorne beginnen - das ist Lejlas größter Wunsch, als sie Israel für ein Semester hinter sich lässt und nach Berlin geht. Sie versinkt in der Stadt der grenzenlosen Möglichkeiten, erlebt das ein oder andere sexuelle Abenteuer und verliebt sich, bis die Vergangenheit sie wieder aufholt und sie sich ihren Dämonen stellen muss. Ein brisanter Roman über die Liebe, Vertrauen, Verlust und Gewalt in einer Beziehung.

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Seitenzahl: 380

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

PROLOG

KAPITEL 1

KAPITEL 2

KAPITEL 3

KAPITEL 4

KAPITEL 5

KAPITEL 6

KAPITEL 7

KAPITEL 8

KAPITEL 9

KAPITEL 10

KAPITEL 11

KAPITEL 12

KAPITEL 13

KAPITEL 14

KAPITEL 15

KAPITEL 16

KAPITEL 17

KAPITEL 18

KAPITEL 19

KAPITEL 20

KAPITEL 21

KAPITEL 22

KAPITEL 23

KAPITEL 24

KAPITEL 25

KAPITEL 26

KAPITEL 27

KAPITEL 28

KAPITEL 29

KAPITEL 30

KAPITEL 31

KAPITEL 32

KAPITEL 33

KAPITEL 34

KAPITEL 35

KAPITEL 36

KAPITEL 37

KAPITEL 38

KAPITEL 39

KAPITEL 40

KAPITEL 41

KAPITEL 42

KAPITEL 43

KAPITEL 44

KAPITEL 45

KAPITEL 46

KAPITEL 47

KAPITEL 48

KAPITEL 49

KAPITEL 50

KAPITEL 51

Epilog

PROLOG

““Dämonen weiß ich, wird man schwerlich los.”

Johann Wolfgang von Goethe

„Du bist die Liebe meines Lebens“, die Faust schlägt mit der maximalen Schlagkraft gegen die Wand.

„Du bist das Beste, was mir je passiert ist“.

Ein Loch in der Tür, Blut an der Wand, keine Kontrolle.

„Ich bin nicht gut genug für dich“.

Verbote, es könnte ja jemand besser sein, also gar nicht an sie ranlassen. Alle fernhalten. Schaut sie jemand an? Angreifen, nicht ausweichen, ausrasten.

Ich gehe und liebe und beides zugleich. Und du kommst mit. Unerwartet. Nicht eingeladen. Folgst mir auf Schritt und Tritt.

Predigst mir von der großen Liebe, erstickst mich in ihr

– innerlich weiß ich doch längst es gibt kein “wir”.

Und ich sage nicht nein.

Bin ich zu schwach?

Hab’ ich nur Angst vor noch mehr Krach?

Weiß ich nicht selbst, was ich denn will?

Täum’ ich noch immer von Notting Hill?

Stelle mir vor die süße Romanze, wie ich mit dir unter dem Mondschein tanze.

Wir beide, das glückliche Paar, in vollem Glanze.

Wusste ich nicht schon vom ersten Tag an, dass es falsch ist, oder hat vielleicht genau das mir den Ansporn gegeben. Die Versuchung, das Böse.

Lügen, über Lügen:

„Ich tue alles nur für dich”.

Verdammt, das ist doch lächerlich.

„Du hast mich zu dem gemacht, der ich heute bin.“

Und nein, der warst du ohnehin.

Doch heimlich frag ich mich:

Hab’ ich das wirklich? Ist es meine Schuld? Habe ich den Menschen zerstört, den ich zu lieben glaubte? Es mir zumindest einreden wollte? Oder bin ich an den Falschen geraten? Fragen über Fragen und doch keine Antwort.

Vertrauen – Ja, aber „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

Rammst mir in meinen Träumen hinein das Messer.

Anrufe, Telefonate - ist sie das da hinten?

Warum schaut er sie an, warum spricht sie mit ihm?

Nach außen hin sind wir das perfekte Team.

Versuchte Verbote, die zu eskalieren drohen.

Du willst mich besitzen, über mir thronen.

Denn nein, für mich gibts keine Verbote, zumindest nicht von dir.

Ich mach mein Ding, auch wenn ich Tag und Nacht um Fassung ring.

Ich gehe und liebe und beides zugleich. Und du kommst mit. Unerwartet. Ich sage nicht ja und nicht nein.

Und doch mein Herz schreit nein, aber der Wunsch flüstert ja.

Ich bereue und bin dankbar zugleich.

Mein Herz pocht, meine Hände zittern, die Tränen fließen. Ich weiß nicht wohin, denn du bist da und alles was uns trennt ist die schneeweiße Tür. So unschuldig. Und beide sitzen wir davor, denn ich kann nicht weg – und du gehst nicht weg. Ich stopfe mir meine Decke in den Mund, um meinen Schrei zu ersticken, weiteratmen, leben. Einatmen – ausatmen, wie beim Yoga.

„Mach endlich diese verdammte Tür auf oder ich brech’ sie auf“.

Mein Herz pocht, meine Hände zittern, die Tränen fließen.

„Ich liebe dich, mein Leben ohne dich macht keinen Sinn, du bist das Beste was mir je passiert ist“.

Und nein, ich glaube nicht mehr, ich will raus. Weg. Ich will, dass meine Hände aufhören zu zittern, meine Beine fest sind, ich auf ihnen laufen kann, denn sie brechen mir weg. Brechen weg, bei jedem Schritt. Ich will, dass meine Augen nicht mehr geschwollen sind, von all den Tränen, und doch hören sie nicht auf zu Tränen- denn kein Ende ist in Sicht.

Und du brichst ein in mein Zimmer. Du durchsuchst, durchforstest, jagst Hinweisen hinterher. Und du publizierst sie. Einfach so. Geschichten. Wahr oder nicht wahr? Du publizierst sie. Einfach so. Ohne Wenn und Aber schreist du sie in die große weite Welt hinaus. Und ich genieße den Tag. Denn endlich bin ich geflohen, untergekommen, ein weiteres Mal. Nicht mein zuhause und doch mehr zuhause als dort. And diesem Ort. Und du brichst in mein Zimmer ein. Du durchsuchst. Du durchforstest. Du publizierst. Und ich komme nach Hause, auch wenn ich es nicht mehr mein „Zuhause“ nennen kann. Und wo ist überhaupt mein Zuhause? Und ich erfahre es, dass du durchsucht hast, durchforstet hast, publiziert hast. Und ich schreie. Übelkeit steigt in mir auf.

„Ich liebe dich. Du bist die Liebe meines Lebens, ich habe alles für dich getan“

Publizierte Lügen, alte Geschichten, und doch hast du alles für mich getan. Wie gütig.

„Du Hure“ – mir bleibt nichts mehr übrig. Ich nehme das Einzige was noch geblieben ist: meinen Stolz, und spucke dir ins Gesicht. Ich gehe, nur wohin?

Und ich lache. Und ich strahle. Denn das ist das, was ich habe, und was auch du mir niemals nehmen kannst.

-1-

“We are made of all those who have built and broken us.”

Atticus Poetry – Leave her wild

Lejla

Ich schraube dieses Glas zu. Erinnerungen. Wie gerne würde ich behaupten, es handelt sich um ein Marmeladenglas, das ich mit zuckersüßen Erinnerungen gefüllt habe, an die ich mich mein Leben lang erinnern möchte. Aufmachen, dran schnuppern, zurückblicken, darin schwelgen. Das Seufzen danach, weil es doch so schön war.

Ich schraube dieses Glas zu. Erinnerungen. Ein verdrecktes vergammeltes Glas. Will es nicht mehr anschauen, anfassen, es aus meinem Blickfeld packen, und doch steht es abends auf meinem Nachttisch. Jede Nacht. Und es schaut mich an, der modrige Geruch kommt immer wieder hoch, lässt mich aus meinen Träumen hochschrecken, auch wenn ich täglich denke, ich bin über den Berg. Und ja, eigentlich geht es mir gut, sehr sogar. Ich weiß nicht, wann ich so einen tollen Sommer hatte, und jeder Tag wird besser und besser, einfach “amazing”. Doch wie sagt man so schön: Erinnerungen verblassen, aber nicht vergehen. Also trage ich quasi ein kleines Pflaster auf mir. Zugeflickt, zugenäht. Es ist unsichtbar. Doch manchmal geht es einfach wieder auf, wie eine Narbe, die im Krankenhaus nicht richtig genäht wurde. Die Nähte platzen auf, doch die Ärzte wollen es nicht hören, denn sie haben ihr Werk vollbracht.

Weiter geht’s. Nichts verpassen. Dabei sein. Leben genießen. Du bist nur einmal jung. Alles sehen, alles machen.

-2-

“Auf dem ist kein Segen, der schlecht über seine Familie spricht.”

Jüdisches Sprichwort

Lejla

1 Jahr später

2017

Ich packe meinen Koffer und nehme mit – Auslandskrankenversicherung, Reisepass, ein paar Jeans, Oberteile, Pullis, Unterwäsche, das mit Gold verzierte Medaillon meiner Großmutter, zwei blaue Mikrofaserhandtücher, mein aktuelles Buch “Anna Karenina”, dass ich in einem gebrauchten Buchladen ausfindig gemacht habe – “ganz die Schnäppchenjägerin”, würde meine beste Freundin Elise jetzt sagen.

Mein Blick wandert wie von selbst zu meinem Notebook, den mir Abel zu meinem 20. Geburtstag geschenkt hat, da ich zu geizig war, mir einen neuen zu besorgen. Meiner fiel damals quasi auseinander und auch wenn sich in mir all’ meine Nackenhaare dagegen sträubten, nahm ich das Geschenk doch an. Ich habe alle Dinge, die mich an Abel erinnern, verbannt. Außer meinen weißen Lenovo, der mir nun seit geraumer Zeit pflichtbewusst dient, seien es die seitenlangen Essays für die Uni, oder meine ganz persönlichen Texte. Gedanken, die ich aufschreibe, da ich sonst das Gefühl habe, ich ersticke an ihnen – er ist also nicht mehr wegzudenken.

Abel. Mein Puls fängt wieder an zu rasen, jedes Mal, sobald ich nur seinen Namen in den Mund nehme. Einatmen, ausatmen. Ruhig bleiben, er kann dir nichts mehr anhaben. Du bist sicher hier in Tel Aviv, du hast dein Leben unter Kontrolle. Alles ist so, wie du es dir erträumt hast. Ganz langsam lockere ich meine verkrampften Hände, mit denen ich meinen Oberkörper umschlungen halte. Es ist vorbei. Das vergammelte Marmeladenglas breitet nur noch ab und zu in den einsamen Nächten seinen Geruch in meiner kleinen Studentenwohnung aus.

Das sind die Nächte, in denen ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr kann. Dass ich alleine bin, mich niemand versteht, auch wenn ich es ihnen erkläre, mich ihnen öffne. In denen ich schweißgebadet aufwache, mir Tränen über das Gesicht fließen und ich mich selbst wimmern höre. Und doch kann sich keiner in mich hinein fühlen.

Denn alle kennen ihn als starken, offenen, lebenslustigen Mann, “ein wahrer Gentleman”- höre ich die Frauenstimmen in meinem Kopf tuscheln.

Ich blicke in den Spiegel, vor mir steht eine erwachsene, selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will. Also packe ich meinen Koffer und lasse für ein Jahr mein israelisches Leben hinter mir, ich möchte mehr sehen. Mehr Orte, mehr Kulturen. Endlich habe ich die Möglichkeit, ein Jahr in Berlin zu studieren. Ich bin so aufgeregt, ich könnte platzen. Ich wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin für die Studiengänge Literatur und Philosophie angenommen und da ich das Glück habe drei sprachig aufgewachsen zu sein, werde ich nun auch wieder die Möglichkeit haben, meine Deutschkenntnisse aufzufrischen – zwei Fliegen mit einer Klappe.

Im Bus nach Eilat blicke ich auf die wunderschöne Landschaft meines Landes. Immer wieder bin ich erstaunt darüber, welches Bild die Touristen von Israel und unserer Kultur haben. Wir wachsen mit Waffen auf, gehen in die Armee, werden ausgebildet, lernen mit unseren Waffen umzugehen, und doch ist es nicht alles was uns ausmacht. Wir haben Familie, Freunde, ein Leben. Ja, wir gehen draußen spazieren, wir fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir zeigen auch unsere Haarpracht, tragen Highheels, tanzen in den wildesten Nächten in den angesagtesten Clubs, betrinken uns, lachen, weinen, leben. Denn das ist das einzige Leben, das wir haben. Und das möchte ich in allen meinen Zügen genießen, die ich habe. Grinsend lehne ich mich zurück und denke an das letzte Wochenende im Sputnik mit Elise und unserem schwulen besten Freund Noel, der sich an dem Abend - mal wieder - unsterblich verliebt hat. Was werde ich die beiden vermissen, aber vielleicht kommen sie mich ja besuchen, hoffentlich! Dann können wir gemeinsam Berliner Luft schnuppern – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei meiner Recherche über Clubs und co in Berlin, bin ich natürlich auch auf den Pfefferminzlikör aufmerksam geworden. Wie sagt man so schön: “If you never try you’ll never know”.

Die letzten drei Tage vor meiner Abreise werde ich bei meiner Mutter verbringen. Es waren immer wir beide, deshalb ist unser Verhältnis besonders innig. Ich weiß, dass sie sich über mein Auslandssemester in Berlin freut und stolz auf mich ist. Jedes Mal, wenn sie bei ihren Freundinnen von meinen außerordentlichen Leistungen in der Uni prahlt, glänzen ihre Augen, und genau dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht. Ich habe meine Uni als Priorität dargestellt und doch die ganzen anderen Details so gut es geht verheimlicht. Sie weiß nicht, dass ich immer noch Alpträume habe. Angst habe, dass er mich doch noch finden könnte. Das würde sie nicht verkraften. Ganz zu schweigen von den Joints hier und da, Hauspartys, Abstürzen. Nun ja, ich bin ein gutes Mädchen.

“Lejla, mein schönes Mädchen”, meine Mutter drückt mich liebevoll an ihre Brust, der Geruch von Hibiskus Blüten steigt mir in die Nase und ich weiß, ich bin zuhause.

Mama ist eine wunderschöne Frau, wir könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein. Sie ist blond, ich habe schwarze Haare. Sie ist klein, ich bin groß. Sie ist kräftiger gebaut, ich habe einen schmalen Körperbau mit einigen weiblichen Rundungen. Und doch ist sie mein zuhause.

“Ich habe dir Halvaschnecken mit Zartbitterschokolade und einer Prise Zimt gemacht.”

“Das riecht köstlich Mama, danke.”

“Es sind 80% Kakaoanteil in der Schokolade, perfekt für die Linie, also.”

“Perfekt für die Linie ist etwas anderes, aber gut für die Seele ist es allemal”, gebe ich lachend zurück.

Der gemischte Geruch von Teig, Zuckersirup und Halva steigt mir in die Nase.

Wir verbringen den Abend lachend in der Küche, trinken mindestens acht Tassen schwarzen Tee und essen genüsslich die leckeren Halvaschnecken, die Mama so akkurat zubereitet hat. Dieses Mal hat sie sich besonders Mühe gegeben. Als ich noch zuhause gewohnt habe, war sie, nun ja, sagen wir mal so, keine sehr begnadete Köchin. Das Blatt hat sich anscheinend gewendet, vielleicht hat Eitan auch etwas damit zu tun. Die beiden haben sich beim Red Sea Jazz Festival kennengelernt, die Musikrichtung haben die beiden schon mal gemein. Eitan könnte auch der Grund dafür sein, dass meine Mutter über beide Ohren strahlt und diese ständige leichte Röte im Gesicht hat, wie ein 14-jähriges Mädchen, dass sich zum ersten Mal verknallt hat.

Am Morgen weckt mich der aromatische Geruch von Kreuzkümmel und Harissa. Ich schlendere in meinem schwarz-weiß gepunkteten Pyjama auf unseren Balkon, der eine wunderschöne Aussicht auf das rote Meer zu bieten hat. Für einen kurzen Moment atme ich die frische Luft ein und genieße diesen Augenblick; höre die Vögel zwitschern, das Radio “Please tell Rosie” spielen. Genieße das hier und jetzt und bin wieder dankbar, für alles was ich habe und erleben darf. Als meine Mutter die Pfanne auf den Tisch stellt erwache ich aus meinen Gedanken.

“Guten Morgen, Sonnenanbeterin. Gut geschlafen?” - “Wie ein Stein” - lächle ich zurück. “Hast du alles gepackt?”

“Ja Mama, ich hatte doch nur diesen einen Koffer mit.”

“Hast du an die Jacke gedacht? Berlin ist so furchtbar kalt.”

“Es ist Sommer, Mama”, gebe ich schon etwas gereizt zurück. Ich bin ja keine 13 mehr.

“Und dann ist bald Winter, und du wirst an mich denken und wünschen, du hättest auf deine Mutter gehört.”

“Ist doch super, dann denk ich noch mal mehr an dich – zwei Fliegen mit einer Klappe”, gebe ich grinsend zurück.

“Sturkopf”, Mama schüttelt den Kopf.

Nach dem Frühstück checke ich noch einmal meine Dokumente, Pass, Geld. Ich bin bereit. Wir fahren zum Flughafen und ich sitze grinsend auf dem Beifahrersitz, meine Hände sind ein bisschen feucht vor Aufregung, ich kann es nicht leugnen. Berlin – the place to be. Ich komme!

Am Terminal angekommen drückt Mama mich noch einmal ganz fest.

“Pass auf dich auf Süße”, sagt sie mit erstickter Stimme.

“Mache ich, mach dir keine Sorgen”. Ich nehme meinen Koffer und gehe in den Terminalbereich, schaue noch einmal zurück auf meine Mutter, die mir beinahe hysterisch winkt und sich die Tränen vom Gesicht wischt. Ich merke, wie meine Augen feucht werden, ich kann es nicht sehen, wenn mir nahestehende Menschen weinen. Für einen kurzen Moment zieht sich mein Herz ein kleines bisschen zusammen. Aber es ist ja nur für 1 Jahr. Ich erinnere mich daran, als ich von zuhause auszog. Das war nochmal ein ganz anderes Kaliber. Und Mama hat ja nun Eitan, der ihr die Welt zu Füßen legt. Einatmen, ausatmen, nicht blinzeln, sonst verschmierst du dir noch deine Mascara, du willst doch bereit sein für Berlin City! Let’s go!

Im Wartebereich vertreibe ich mir die Zeit mit Tagebuch Schreiben, und an einem Cappuccino schlürfen, bis es heißt: Das Flugzeug nach Berlin ist nun flugbereit. Die Sitzreihe teile ich mir mit einer älteren Dame aus Köln, die zuerst nach Berlin fliegt, um ihren Sohnemann zu besuchen und anschließend nach Hause fährt. Nachdem sie mir ihre Wochenpläne und ihre Einkaufsrituale inklusive Einkaufsliste mitteilt, mir eine Predigt über cholesterinbewusste Ernährung abhält, von ihrem Treffclub Ü60 erzählt und nicht den Anschein macht, sich mit sich selbst zu beschäftigen, nehme ich ihr diese Entscheidung ab und setze meine großen roten Beats auf. Danke liebe Technologie, für dieses Teil, das nun alle Geräusche um mich herum dämpfen wird und mir den siebenstündigen Flug samt Zwischenstopp in Riga um das zehn-fache versüßen wird. Oh ja, wieder ein Punkt, den ich in mein Tagebuch auf meine Dankbarkeitsliste schreiben kann, es sind die kleinen Dinge im Leben – you know? Wobei die Beats wohl das Gegenteil von klein sind, aber das mal nur so am Rande.

-1999-

Jeden Sonntag holen Mama und ich frische Milch und Eier vom Bauern, einige Straßen weiter.

Jeden Sonntag freue ich mich, die Tiere auf dem Bauernhof anzuschauen, anzufassen.

Jeden Sonntag, sowie auch diesen.

Wir kennen das alte Pärchen schon lange, sind ihre treuen Sonntagskunden, sowie auch diesen.

“Komm, ich zeig dir die Schafe in der Scheune”, lächelt mich der alte Mann an.

Ich schaue Mama erwartungsvoll an, warte noch auf ihre Erlaubnis. Sie freut sich, mir eine Freude an diesem Sonntag machen zu können.

“Geh nur Lejla, ich besorge in der Zeit die Milch und die Eier.”

Ich freue mich, noch nie durfte ich alleine in den Stall mit dem alten Mann. Nicht dass ich mich erinnern kann. Endlich kann ich die Schafe anfassen, ich habe sie dann fast für mich alleine in der Scheune. Nur der alte Mann und ich.

Wir gehen in die Scheune, ich sehe drei Schafe um uns herumstehen. Der alte Mann geht in die linke Ecke der Scheune. Sein dreckiges, mit Flecken übersätes T-Shirt wird von seinem großen Bauch gestrafft. Er schaut mich an, erwartungsvoll. “Komm Lejla, komm zu mir.” Ich schaue ihn an. “Ich möchte dir etwas zeigen.” ich laufe etwas unsicher zu ihm, wir wollten doch die Schafe streicheln, denke ich mir. Er zieht schnurstracks seine Hose runter und hält seinen dicken großen schlaffen Penis in der einen Hand, mit der anderen Hand fasst er meine kleine Hand und führt sie zu diesem großen Teil. “Fass mal an Lejla, komm streichle ihn mal.” Ich fasse ihn an. Warum wir das machen, weiß ich in dem Moment auch nicht. Mir fällt auf, dass meine Hand ungefähr drei Mal so klein ist wie seine. Mir fallen so einige Sachen dabei auf, seine dreckigen Fingernägel zum Beispiel. Die Haare an dem großen Teil. Und dann ist das Ganze auch vorbei. Er packt das Teil weg, ganz schnell. Schaut mir in die Augen. "Das ist unser kleines Geheimnis, Lejla. Du sagst doch nichts der Mama, ja?”

Nein, in Geheimnissen bin ich gut.

“Na Lejla, hast du die Schafe gestreichelt?”, fragt mich Mama lächelnd. Ich lächle und nicke.

-3-

“Bin nicht sonderlich schön, aber schön sonderlich”

Großstadtgeflüster - Blaues Wunder

Lejla

2017

Ich schaue aus dem kleinen Flugzeugfenster und erblicke die grüne Landschaft und die großen Gebäude, so grün habe ich mir Berlin gar nicht vorgestellt. Aufregung breitet sich in mir aus, bis jede Pore meines Körpers schreit: Ich bin da, ich will raus! Will was erleben, Berlin sehen. Here I come Baby!

Wie immer belegen sich meine Ohren, ich drücke die Nase mit meinen zwei Fingern zusammen und blase die Luft aus den Ohren heraus, der gute alte Tipp, den ich einmal von Elises Mutter erhielt. Bei der Gepäckausgabe habe ich Glück, mein Koffer ist ganz vorne. Ich schnappe mir meinen Koffer, hänge die Handtasche über meine Schulter und spaziere hinaus in die Freiheit. Berlin Tegel haut mich jetzt nicht gerade vom Hocker. Grau, klein, nichts besonderes.

Ich steige in den Bus Richtung Alexanderplatz ein und lasse die Stadt auf mich wirken. Es ist ein sonniger Tag, all’ die Leute sitzen an der Spree, gehen spazieren, lecken an einer Kugel Eis, laufen händchenhaltend durch die Stadt. Es sind so viele Eindrücke auf einmal, dass ich gar nicht weiß, wohin ich zuerst schauen soll.

Vorab habe ich im Internet eine WG ausfindig machen können, 9qm2 Zimmer, 320 Euro Miete. Wuchtige Preise für die Größe, aber man nimmt was man kriegt. Die WG befindet sich bei der Station Charlottenburg. Ich bin super gespannt, wem ich nun in der Wohnung begegnen werde, da ich schon von vornherein mit Mark geklärt hatte, dass er auf mich warten wird, um mir den Schlüssel zu überreichen.

“Neumann, Voigt” lese ich auf der Klingel. Ich drücke. Mein Herz pocht ein kleines bisschen. Ich bin gespannt, mit wem ich mir diese Wohnung nun für ein ganzes Jahr teilen werde. Hoffentlich sind sie nett, hoffentlich verstehen wir uns – geht mir gerade noch so durch den Kopf, als ein Geräusch zu hören ist und die Tür geöffnet wird.

3. Etage. Vor mir steht Mark, Jogginghose, schwarzes T-Shirt, weiße Socken mit einem Loch am Zeh, Adiletten, blondes Haar, braune Augen. Mark ist etwa 1,80groß.

“Hey, du bist dann wohl Lejla, komm rein”.

Mark grinst mich an und lässt mich hinein in die Höhle des Löwen - wobei, viel gibt es nicht zu sehen. Ich sehe einen Flur, weiße Wände, eine kleine DSL-Box vor einem Zimmer, und das war es auch schon.

“Das hier ist das Badezimmer, klein aber fein. Hier haben wir Julias Zimmer, Julia ist gerade nicht zu hause.”

“Was studiert ihr beiden?”, frage ich interessiert.

“Ich studiere Sport auf Lehramt, Julia studiert an der Fachhochschule irgendetwas.”

“Duweißt nicht was?”, frage ich lachend.

“Nee, so oft haben wir uns noch nicht unterhalten”.

“Wie lange wohnt ihr denn zusammen?”

“Naja jetzt etwa vier Monate”

Richtiges WG-Leben also, denke ich mir.

Mark fährt fort mit seiner Wohnungsführung.

“Hier haben wir die Küche, und am Ende des Flurs ist dein Zimmer. Es ist echt nicht groß, aber deine Vormieterin hat eigentlich alles sehr mädchenhaft eingerichtet. Sie hat ganz spontan ihre Sachen gepackt und ist abgehauen. Keine Ahnung wohin, hat es wohl nicht länger hier ausgehalten.”

Mark grinst mich wieder schelmisch an.

Na das kann ja was werden, denke ich mir.

“Also dann, ich bin wieder in meinem Zimmer, wenn du noch was brauchst oder Fragen hast oder so, sag Bescheid”, wirft mir Mark noch hinterher und weg ist er.

Ich schaue mich um, daraus kann man doch etwas machen, ich bin optimistisch eingestellt. Es ist zwar wirklich klein, aber ganz süß. In der Mitte des Zimmers steht ein weißes Doppelbett, das fast den ganzen Raum einnimmt. Platz zum Schlafen ist also genug. An der Wand befindet sich ein großes Fenster mit Aussicht auf ein bisschen grün. Links von der Tür steht noch ein weißer Kleiderschrank mit einem großen Spiegel und ein Schreibtisch inklusive Klappstuhl ist auch noch im Zimmer dabei. Was braucht man mehr, denke ich mir zufrieden. Ich lasse meinen Koffer fallen und lege mich mit dem Gesicht zur Decke aufs Bett. Ich weiß in dem Moment nicht viel, doch was ich gewiss weiß ist, dass ich ganz dringend eine Dusche gebrauchen könnte. Das Badezimmer ist klein und dreckig. Die Waschbecken Armatur ist mit einer dicken Schicht Staub bedeckt. Ich lasse meine Kleidung fallen und betrachte mich im Spiegel. Schwarze Locken, die bis über die Brust gehen, volle leicht rosige Lippen, hohe Wangenknochen, gerade Nase, ein paar Sommersprossen im Gesicht. Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit mir, klar die ein oder andere Delle an den Oberschenkeln, aber wer hat die nicht, außer ein paar Instagram Models, die nach der Photoshop Bildbearbeitung nicht mehr wiederzuerkennen sind. Beim ein shampoonieren meines Haars schaue ich in den kaum sichtbaren Abfluss, bewachsen mit Haaren in unterschiedlicher Länge und Farbe. Auf dem Flur laufe ich noch einmal Mark über den Weg, der verzweifelt an seiner DSL-Box rüttelt.

“Sag mal, hast du heute Abend schon was vor? Einer meiner Kumpels schmeißt ‘ne Hausparty ein paar Straßen weiter. Wenn du Lust hast bist du herzlich eingeladen.”

Mark scheint ein wirklich Netter zu sein. Und ja, warum nicht... Die eine Party heute wird mich schon nicht umhauen, ich habe ja noch ein paar Tage Zeit bis die Uni beginnt.

“Ja wieso nicht, bin dabei”, erwidere ich grinsend.

“Super, lass uns so um 22 Uhr los, wir können die Tram nehmen.”

Meine Entscheidung fällt auf eine blaue Skinny Jeans und einem weißen Top mit Ausschnitt, die roten Sneakers passend zum knallroten Lippenstift runden das Outfit ab.

Die Altbauwohnung befindet sich im dritten Obergeschoss. Wir betreten das Reich der Haschischoase, die wir schon vom Erdgeschoss aus erschnuppern konnten. Robin, Fabi, Marc und ich teilen uns einen Tisch mit Larissa und Daniel.

Die beiden sind ein Paar seit drei Jahren, doch Daniel wird nun für ein

Erasmussemester nach Dänemark gehen. Die Lovestory sieht auch nach mehr Schein als Sein aus, zumindest meinte Marc das vorhin.

Zwei Stunden später bin ich so dicht, dass ich gerade noch meinen Studiengang, Name und Alter korrekt angeben kann. Alles andere lalle ich mehr, als dass ich es erzähle. Robins Hand landet wie von selbst auf meinem Knie unter dem Tisch, auf dem wir unsere Schnapsgläser gewissenhaft nachfüllen, während wir “Ich hab’ noch nie spielen.”

“Ich hab’ noch nie in der Öffentlichkeit einen fahren lassen”.

Wir trinken alle, bis auf Larissa, de arme sitzt mit einem roten Kopf ganz verhalten neben uns.

“Ich hab’ noch nie in der Öffentlichkeit masturbiert”, verkündet Daniel.

Robin ist der Einzige, der trinkt.

“Scheiße man, wo denn das?”, fragt Fabi.

“Das ist jetzt schon ein bisschen creepy”, stimme ich zu.

Schlagartig muss ich an den Mann an der Busstation denken, der sich selbst befriedigte und mich dabei innig ansah.

“Naja, es war im Kino. Ich saß in der hintersten Reihe, war ohne Begleitung da und vor mir saßen ein paar Senioren, da habe ich es mir selbst besorgt. Wisst ihr was, das solltet ihr auch mal ausprobieren. Es gibt einem den gewissen Kick, erwischt werden zu können und so.”

Robin schmunzelt und schenkt mir ein verschmitztes Lächeln, während er die Worte ausspricht. Er sieht gut aus, nicht ganz mein Typ, aber ein attraktiver Mann. Das leicht hochgestylte Haar bringt sein symmetrisches Gesicht ideal zur Geltung. Er hat braune Augen und Grübchen im Gesicht. Während seine Hand langsam mein Bein hochwandert, ertappe ich mich jedoch ständig dabei, wie ich meinen Blick nicht von Fabi abwenden kann.

“Ich hab’ noch nie einen Dreier gehabt.”

Nun ist mein Sitznachbar Robin der Einzige, der den Alkohol fließen lässt. Er befeuchtet seine Lippen mit der Zunge und hebt sein Glas.

“Auf die wilden Zwanziger.”

Er grinst in die Runde.

Fabis und mein Blick treffen sich, er schaut mich etwas verunsichert an, wohingegen mein Blick schon der unanständigeren Kategorie zugeordnet werden könnte. Mein Blick wandert von Fabi zu Robin und wieder zurück. Ich weiß was ich will, und ich kriege auch das was ich will.

Theoretisch.

Nach dem mehr oder weniger erfolgreichen “Ich hab noch nie”-Spiel gehen wir über zu Tabu.

Fabi, Robin und ich bilden eine Gruppe und versagen kläglich, während Marc gemeinsam mit Larissa und Daniel schnurstracks mit ihrem Spielmännchen auf die Ziellinie zulaufen. Der Dank gilt hier vor allem den Insidern des jahrelangen Pärchens.

“Wir gehen dann mal, ist schon echt spät und ich muss morgen arbeiten”.

Larissa und Daniel scheinen keine wirklichen Draufgänger zu sein. Ich tippe auf eine eingeschlafene Beziehung, zusammen aus Gewohnheit. Während Larissa einige Male versuchte, verzweifelt seine Aufmerksamkeit zu gewinnen, ließ Daniel sie wie eine heiße Kartoffel zappeln und schenkte ihr kaum Beachtung – Traumpaar des Jahres. Welch’ Glück, Single zu sein!

Auch mein Mitbewohner Mark verabschiedet sich eine halbe Stunde später mit Magenkrämpfen, ich hoffe es ist nicht schlimmes.

“Gute Nacht”, sagen wir drei im Chor. Und dann waren es nur noch wir, der Kern dieses Abends.

Im Hintergrund höre ich Frank Sinatra spielen. Robin hebt sein Glas und begibt sich in die Mitte des Wohnzimmers, wo er auf dem karierten Teppich anfängt, seine Hüften leicht zur Musik zu schwingen und passend zum Takt mit dem Fuß tippt.

“Fill my heart with song and let me sing for ever more . You are all I long for. All I worship and adore.” Ich grinse, während er seine Hand nach mir ausstreckt. “In other words, please be true. In other words, I love you.”

Wir singen den Text aus vollem Halse. Wie von selbst landet seine Hand auf meinem unteren Rücken, ich spüre die Wärme durch mein Top hindurch, die sich nicht nur an meinem Rücken ausbreitet.

Seine Lippen wandern zu meinem Hals, hinauf zu meinem Ohr.

“Du gefällst mir Lejla”, raunt er mir zu.

Wir wippen unsere Hüften zur Musik, während Fabi immer noch verunsichert an seinem Glas nippt, sich höchstwahrscheinlich Mut antrinkt. Fabi ist schön, wirklich schön.

Er sieht jung aus, vielleicht jünger als ich.

Er hat blondes Haar, blaue Augen, in denen man zu versinken droht. Aber ich nicht. Ich versinke nicht. Nicht noch einmal.

Langsam begibt auch er sich in unsere Mitte und gemeinsam bilden wir einen Tanzkreis, der zu einer eng umschlungenen Dreierkonstellation resultiert. Erneut blicke ich von Fabi zu Robin und ziehe ganz langsam mein weißes Top aus. Weiß, wie die Unschuld, könnte man meinen. Fabi mustert mich, in seinen Augen funkelt etwas – Lust, Begehren? Er geht einen Schritt auf mich zu, packt mein Gesicht mit beiden Händen und küsst mich, zärtlich und wild zugleich, innig und intensiv...

Unsere Zungen spielen miteinander ihre eigene kleine Private Party, bis wir von Robin unterbrochen werden, der ziemlich angetörnt davon zu sein scheint. Küsse führen zu Berührungen. Berührungen führen zu nackter Haut, nackte Haut führt zu aufsteigender Lust.

Ich liege auf einem rechteckigen smaragdgrünen Hocker während Robin hinter mir hockt und ich langsam, aber sicher, meinen Kopf nach hinten neige und seinem Schwanz meine Aufmerksamkeit schenke. Währenddessen kniet Fabi vor mir und küsst vorsichtig, sanft meine Oberschenkel. Stufenweise wandert er das Tal hinauf, bis seine Lippen auf meiner Perle landen. Er umgreift mit seinen kräftigen muskulösen Armen beide Oberschenkel und zieht mich näher zu sich heran, ein leises Stöhnen durchfährt mich. Dann umkreist er meine Perle langsam mit seiner Zunge, baut immer höheren Druck auf, fester, stärker, schneller. Fabi schaut mich an, nicht nur meinen Augen ist die lodernde Lust abzulesen.

“Hör nicht auf”, zische ich ihm zu.

Ich begebe mich weiter an mein zweitrangiges Ziel, es Robin zu besorgen, der sich kaum mehr unter Kontrolle hat. Meine Blase Künste haben wohl nicht nachgelassen.

Die Konzentration verlässt jedoch nach und nach Robins Hab und Gut und wandert ständig zu Fabis Zungenkünsten.

Ich stöhne laut auf, gebe auch meine letzte Kontrolle meines Körpers ab, zucke und ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Fabi lächelt mir zu, triumphierend.

“Nochmal?”, fragt er mich erregt.

-4-

“I can remember when the air was clean and sex was dirty.”

George Bruns

Lejla

“Na Lejla, wilde Nacht gehabt?”.

Mark schaut mich mit einem vielsagenden Blick an.

“Geht es dir besser?”, ich grinse ihn an.

“Dein Gemütszustand scheint jedenfalls nicht zu toppen zu sein”.

Mein vielsagendes Lächeln spricht Bände. Ich klatsche mein Rührei auf den Teller und verschwinde in mein kleines neues Reich. Ganz so aufregend habe ich mir meine erste Nacht in Berlin dann doch nicht vorgestellt. Aber hey, ich habe die Nacht, beziehungsweise den Morgen zuhause verbracht, somit Prinzipien nicht über Bord geworfen. Und ich bin ganz auf meine Kosten gekommen. Oh ja, und wie ich auf meine Kosten gekommen bin. Meine Gedanken wandern erneut zu Fabi, abgesehen von seinen Zungenkünsten kann ich nicht aufhören, an seine blauen Augen und seinen stahlharten Körper zu denken. Sie haben die Farbe des Ozeans. Halt, Stopp. Schluss damit, ich bin hier, um zu studieren und Spaß zu haben – keine Verpflichtungen, keine Regeln, keine Bindungen. Hoch lebe das Single da sein!

Ich schlendere in meinem gelben Blumenkleid durch Berlin und klappere die Sehenswürdigkeiten ab. Die Sonne scheint mir ins Gesicht (Sonnenschutz nicht vergessen!) und ich lasse die Stadt auf mich wirken. All’ die bunten Farben und Geräusche, der Mix an Menschen, Kulturen, Generationen, Kleidungsstile aus einer mir vollkommen anderen Welt. Die Museumsinsel ist voll von Leuten in meinem Alter. Ich setze mich im Schneidersitz ins Gras und höre gebannt den Straßenmusikern zu. Berlin, du bist wunderbar.

-5-

Er wird am Wochenende nach Hause kommen, ich weiß es. Der Gedanke fühlt sich an, wie ein Schlag in die Magengrube.

“Wir müssen reden, wenn ich da bin”, doch es gibt nichts mehr zu reden. Das gibt es seit Wochen, nein seit Monaten nicht mehr. Es gibt nur noch eins, diese Wohnung. Es ist keine Pärchen Wohnung mehr, es ist ein Zusammenschluss einer Wohngemeinschaft, wie ich es pflege zu sagen. Mein Zimmer ist nun ein provisorisches Schlafzimmer, Matratze auf dem Boden, Tisch und Stuhl zum “Lernen”- wenn man bei dieser Atmosphäre überhaupt noch einen klaren Gedanken fassen kann. Der einzige Grund, weshalb ich mir das Zimmer kurzerhand geschnappt habe, ist ein Edelstahlschlüssel. Während meine Kommilitonen sich in den Seminaren über anstehende Klausuren unterhalten, schwirren mir Gedanken wie Frauenhaus, Umzug, Kaution im Kopf herum. Während andere über Müdigkeit klagen, sitze ich mit tiefen Augenringen im Hörsaal, unfähig das Gesprochene aufzunehmen, zu filtern. Ich trage eine Maske, die mich dazu bringt, weiter zu atmen. Wenigstens so tun, als ob. Die Fassade aufrechterhalten, für mich, damit ich nicht selbst durchdrehe. Für meine Mutter, die meinen Schmerz nicht verkraftet. Für meine Zukunft, die ich mir trotz allem blumig ausmale.

Ich komme “nach Hause”.

Auf dem Couchtisch steht eine Flasche Rotwein. Geöffnet. Vor mir steht ein Mann im Anzug.

“Lass uns zusammen ein Glas Wein trinken und uns unterhalten”.

“Du trinkst doch gar keinen Wein, es gibt auch nichts, worüber wir uns unterhalten könnten”.

“Nun komm schon Lejla, nur das eine Glas. Nur reden, nichts mehr. Ich will dir nichts tun”.

Ich setze mich auf die Couch. Benommen. Es gibt keinen Ausweg. Er schenkt uns ein, wir stoßen an, ich nippe an dem Weinglas und warte ab, wobei ich gar nicht abwarten möchte. Ich möchte, dass dieser Mann, der mir mein Leben zur Hölle gemacht hat, verschwindet, sich in Luft auflöst.

“Ich habe etwas für dich”, er packt ein gebasteltes Fotoalbum heraus. “

Mit all’ unseren schönen Erinnerungen. Schau mal, da haben wir uns den Sonnenaufgang auf der Masada angeschaut. Und da waren wir in Haifa unterwegs und waren in dem Garten.”

Er blättert weiter durch sein Kunstwerk, schaut mich hoffungsvoll an.

“Warum genau hast du das jetzt für mich gebastelt?”

“Für die schönen Erinnerungen”.

“Abel, ich habe dir sehr oft gesagt, es ist vorbei. Bitte versteh das endlich.”, versuche ich ihm ruhig zu erklären.

Doch er versteht nicht, mal wieder nicht.

“Das kannst du nicht tun”, wimmert er.

Und ich frage mich, wann das aufhört, wann dieses Schauspiel ein Ende nimmt, ein für alle Mal.

Zwei Hände, die mir die Luft zum Atmen nehmen, zudrücken. Mein Kehlkopf schreit. Sauerstoff, gib mir Sauerstoff, bitte. Ich frage mich, ob es vorbei ist. Ob er dem ganzen nun ein Ende bereitet, mein Ende.

Er weiß genau, wo die Halsschlagader ist, ein Spiel.

Spiele spielt er gern. Ein Grinsen auf seinem zuvor noch wimmernden Gesicht, loslassen.

Drei Sekunden andauernde Freiheit, Schlafzimmer.

Mit zitternden Händen abschließen.

Schreie, Tritte.

In meinem Herzen bricht etwas, erneut.

Nein es ist nicht die Liebe, es ist der Bruch meiner Selbst.

Wo zur Hölle befindet sich der Ausweg aus diesem Drama, wann endet es? Endet es überhaupt?Was ist aus mir geworden? Ich sitze mit bebender Stimme auf meiner Matratze und rufe Mama an, weine, schluchze. Kann meine Gedanken nicht zu Worten fassen. Doch keiner kann mir helfen. Ruhe bewahren. Und wieso habe ich sie wieder angerufen. Sie ist nicht da, sie kann mir nicht helfen. Außer dass ich nun zwei Personen das Leben schwieriger mache, mir und ihr. Ein Fehler, denn nun kann auch sie kein Auge zudrücken. Ich verbringe die Nacht zusammengekauert auf der Matratze, presse mich an die Wand, immer bei mir mein Pfefferspray- auch wenn es mir nicht helfen kann. Ich halte es wie ein Damoklesschwert ständig in meiner Hand, auch wenn er nicht da ist, in meinen Gedanken ist er immer da. Und wenn ich einmal einschlafe holt er mich in meinen Träumen ein, bis ich tränenüberströmt wieder aufwache.

08.32 Uhr. Ein Klopfen an meiner Tür. Ein Zettel der durchgeschoben wird:

“Guten Morgen Sonnenschein”.

Ich öffne vorsichtig die Tür. Vor mir steht auf dem Boden eine Tasse schwarzer Kaffee. Ich schüttele den Kopf, fassungslos. Was für eine Art von Mensch ist es, mit dem ich die letzten Jahre meines Lebens verbracht habe?

Abschaum ist das Einzige, was ich empfinden kann.

Tinder, meine momentane Abendbeschäftigung für die einsamen Nächte auf meiner Matratze. Nur mal durchscrollen. Schauen ob man jemanden kennt. Ablenken, von diesem Grauen, in dem ich mich befinde.

Wir gehen am Meer spazieren, essen Eis, unterhalten uns. Noel sieht unfassbar gut aus, die App taugt ja doch zu etwas.

“Wollen wir noch zu dir?”

“Nein tut mir leid”.

“Wieso denn nicht? Komm schon, wir können uns einen Film bei dir anschauen”.

Ich weiß, worauf er hinauswill. Der oberflächliche Grund meiner Absage ist die Wohnung mit dem Expartner, der tatsächliche Grund jedoch: Möchte ich das? Ich muss mir erst einmal im Klaren sein, worauf ich Lust habe. Eine flotte Nummer?

Zwei Wochen später, wir treffen uns wieder. Meine Entscheidung habe ich getroffen. Spaß, mehr nicht. Ich brauche Ablenkung von meiner aussichtslosen Situation. Außerdem kommt Abel am Wochenende wieder. Ich halte diesen Terror nicht länger aus, brauche einen Fluchtort.

Seine Eltern besitzen ein Wellnesshotel, er verspricht mir Erholung im Whirlpool und ein leckeres Dinner. Ich weiß, warum ich hier bin, ich bin nicht blöd. Und es ist ja auch das was ich will, oder? Was will ich überhaupt? Abschalten, Ablenkung. Wir sitzen im Whirlpool.

“Komm zu mir Süße.”

Ich stelle mich ein wenig schüchtern, heute mal die Süße. Er steckt mir seine Zunge in den Hals, das Wort Leidenschaft ist für ihn ein Fremdwort. Anhand eines Kusses ist viel abzulesen, er wird nicht die 10/10 sein. Seine Hand rast hinab zu meinem Bikinihöschen. Sie gleitet nicht runter, sie rast mit 500PS auf meine Perle zu. Ich weiß nicht ob, er sich das Lied von RAF Camora und Bonez MC verinnerlicht hat und sich nun wie Rocky fühlt. “Warte mal. Nicht so schnell.”, drücke ich ihn sanft zurück.

“Jetzt komm schon, du willst es doch auch.”

Ich winde mich aus seiner Umarmung und positioniere mich an die gegenüberliegende Seite des Whirlpools. Wie ein Hai kommt er auf mich zu. Und wieder schießt seine Hand zu meinem Höschen. Er bohrt seinen Finger mit seinen abgekauten Fingernägeln tief in meine Vagina. Rein, raus. So tief, dass ich das Gefühl habe, der Finger kriecht mir gleich aus dem Mund wieder raus.

“Hör auf damit, ich will das nicht” .

“Jetzt hab dich nicht so, ich weiß doch, dass du es willst.”

“Nein, ich meine es ernst. Ich möchte das wirklich nicht.”

Einige Male noch, rein raus, rein raus. Ein Versuch mich anzutörnen, während ich versuche meinen Ekel zu verbergen. Steif sitze ich im Pool, gebe kein Geräusch von mir. Rein Raus. Sieht er denn nicht, dass es mir nicht gefällt? Ich habe es ihm doch gesagt. Er beendet seine Fingerspiele und wir steigen aus dem Whirlpool.

“Hat es dir gefallen?”, fragt er mich ernsthaft.

Ich starre ihn ungläubig an.

“Ich habe dir doch gesagt, du sollst aufhören. Ich wollte das nicht.”

“Ich hatte nicht das Gefühl, dass es dir nicht gefallen hat.”

Fassungslos. Ich habe es ihm doch gesagt. Dass er aufhören soll, es beenden soll. Dass es mir nicht gefällt, dass es weh tut.

Ich ekele mich – vor ihm, von dieser ganzen absonderlichen Situation, in die ich mich doch selbst hineingebracht habe. Bin ich schuld? Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt? Und wollte ich es nicht? Ich habe mich mit mir selbst auf ein bisschen Spaß geeinigt. Aber habe ich als Mensch nicht das Recht, nein zu sagen? Auch im letzten Moment? Auch währenddessen? Habe ich nicht das Recht, es zu beenden, wenn und wann es mir passt?

Ich will nur noch nach Hause, was auch immer mein Zuhause ist.

Duschen, all’ diese ekelhaften Berührungen abwaschen, so lange meine Haut abrubbeln, bis sie rot ist und sich die Hautschuppen von ihr lösen, ich den Abend vergessen kann.

Ich drücke meine Hände fest auf die Augen, presse sie so fest, dass die Tränen keine Chance haben durchzusickern.

-6-

“Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage”

Willian Shakespeare, Hamlet

Lejla

Die Universitätsbibliothek ist gigantisch.

Ich befinde mich mitten im Paradies, umgeben von unzähligen Büchern, Literaturwerken en mass. Reihenweise stapeln sich die Schriften von Lyrikern, Philosophen, Wissenschaftlern. Zu meiner linken stoße ich auf Shakespeares Arbeiten – Hamlet, Othello, Macbeth, Rome und Julia…wie ich diese Tragödie vergöttert habe. Ich erinnere mich an ein Kunsttheaterprojekt in der Schule, an dem wir obligatorisch teilnehmen mussten. Unsere Klasse wurde in sechs Gruppen geteilt. Die Besatzung bestand aus Romeo, Julia, der Amme, den Eltern, Lorenzo und Tybalt. Ich hatte das große Glück, für die Hauptrolle Julia auserwählt zu werden. Ich erinnere mich noch genau an das weiße flatternde Kleid und die Worte:

“Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern.

Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche,

Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;

Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort.

Glaub', Lieber, mir: es war die Nachtigall.”

Welch’ Ironie. “Es war die Nachtigall und nicht die Lerche” beschreibt meine Beziehung zu Abel ganz gut, sie trifft es haargenau auf den Punkt. Und schon wieder driften meine Gedanken zu ihm ab.

“Aus dem Weg”, ein Mädchen in meinem Alter steht vor mir, in der einen Hand hält sie einen Kaffeebecher, in der anderen stapeln sich Bücher, die sie gekonnt mit ihrem Kinn fixiert. Das Mädchen ist blond, gerades Haar, spitzes Näschen, gerötete Wangen. Ihr Kleidungsstil ist äußerst stilbewusst, sie trägt einen schwarz-weißen Karo Rock und schwarze Strümpfe à la böses Schulmädchen. Dazu hat sie schwarze Overknees mit Absatz an. Das Mädchen kann was.

“Ey, pass doch auf. Scheiße man.”

“Ee..e..e.e..e..s tut mir so leid, wirklich. Was kann ich tun? Soll ich dir einen neuen Kaffee besorgen?”, stammelt der Junge mit rotem Kopf, der sie angerempelt hat.

Gleichzeitig schauen die beiden mich und meinen Kaffeefleck an, der eine komplette Brust von mir einnimmt.

“Pass doch mal besser auf, das kann doch wirklich nicht wahr sein. Komm zisch ab.”

Der Junge rennt wortwörtlich davon, nachdem er uns noch einige Entschuldigungen zuruft.

“Ich bin Arina, und du hast da einen echt großen Fleck”.

“Lejla”, erwidere ich.

“Es tut mir echt leid für deine Bluse, ich hoffe sie war nicht neu. Komm, Umkleide. Sofort.”

Sie packt mich am Arm und führt mich heraus aus der Bibliothek. Wir laufen direkt auf die Frauentoilette zu.

“So schlimm ist es nicht, du kannst ja nichts dafür.”

“Keine Widerworte.” Sie öffnet die Tür zur Frauentoilette.

“Ausziehen” befiehlt sie mir. Wow, die Frau ist ganz schön herrisch.

“Wirklich... Arina, es ist kein Problem. Ich bin sowieso durch mit der Uni für heute”, stammele ich.

“Liebe Lejla, ich sagte doch: Keine Widerworte”.

Ich ziehe mir mein Shirt über und stehe unsicher im BH vor ihr. Sie schnappt sich ihre Tasche und zieht ein kleines Fläschchen heraus, dass aussieht wie Shampoo.

“Wollen wir mal schauen, was das Zeug taugt.”

Dann fängt sie an, wie eine Wahnsinnige zu schrubben. Das tut sie nicht zum ersten Mal ... und wieso hat die Frau Shampoo mit in der Uni. Doch ich komme gar nicht wirklich zum Nachdenken.

Arina schaut mich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck an. “Geht doch, sieht aus wie neu. Nichts geht über Rei”.

Fragend blicke ich sie an, während sie ihr weißes Top auszieht. Darunter verbirgt sich ein weiteres Kleidungsstück: ein weißer Spitzenbody. Die Frau hat es ja faustdick hinter den Ohren.

“Hier, nimm das”, sie reicht mir ihr Top.

“Nein wirklich, du hast genug getan”. Ich schaue sie ungläubig an.

“Lejla, du solltest dir angewöhnen gute Taten zu akzeptieren und Dinge anzunehmen”. Arina zwinkert mir zu.

Da sie sowieso keine Widerworte akzeptiert, nehme ich ihr das Top aus der Hand und streife es über meinen BH.

“Braves Mädchen”, sie grinst mich an.

“So, und jetzt noch einmal. Ich bin Arina. Magst du Kaffee, Lejla?”, Arina schaut mich wie ein braves Kind an, dass auf die Erlaubnis ihrer Eltern wartet, den Süßigkeiten Schrank zu plündern.

Ich lache und erwidere: “und wie ich Kaffee mag, Kaffee und ich, wir haben da eine ganz besondere Beziehung.”

“Wir verstehen uns. Na dann nichts wie los”, sie schreitet zügig voran und öffnet mir die Tür. Wir spazieren nebeneinander die Straße “Unter den Linden” entlang, und mir fällt auf ein Neues auf, wieviel Trubel hier herrscht.

“Bist du neu hier?”

“Woher weißt du das?”

“So wie du den Blick nicht von den Geschäften und Menschen abwenden kannst, tippe ich ganz stark drauf, dass du nicht aus Berlin kommst. Berliner erkennt man meistens.”

“Erwischt. Ich bin momentan für ein Auslandsjahr hier, eigentlich komme ich aus Israel.”

“Wow... ich wollte schon immer mal nach Israel.” Arina schaut mich fasziniert an, sie scheint sichtlich beeindruckt zu sein.

“Es ist wirklich ein wunderschönes Land, komm auf jeden Fall mal vorbei, wir haben auch guten Kaffee! Bist du Berlinerin?”

“Nein, nicht wirklich. Ich komme aus Russland, ich bin mit meinen Eltern mit sechs Jahren nach Berlin gekommen. Wir sind russlanddeutsche.”

“Und was studierst du?”, frage ich sie interessiert.

“Slavistik mit Politik. Es ist nicht einmal wirklich das, was mir gefällt. Aber ich wüsste auch nicht, was ich ansonsten studieren soll. Eine Ausbildung fällt bei uns leider raus.”

“Wieso denn das?”

“Meine Eltern predigen mir von klein auf: Ohne Bildung bist du nichts. In der Schule waren meine Noten das beliebteste Thema. Waren sie mal nicht so gut, gab es zwar keine Strafen, aber enttäuschte Blicke. Was soll nur aus unserer Tochter werden? Dafür sind wir nicht hergekommen. Nach meinem Abitur wäre ich gerne auf eine Design Fachhochschule gegangen”. Arina schaut traurig zur Seite.

“Design, das hätte ich mir gleich denken können, bei deinem Outfit! Du siehst wahnsinnig toll aus, vor allem diese Kombi mit dem Rock und den Overknees.”

“Danke schön”, sie lächelt mir berührt zu.

“Was ist aus der Idee mit der Fachhochschule geworden?”