Ruhe bewahren - Jürgen R. Weber - E-Book

Ruhe bewahren E-Book

Jürgen R. Weber

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Beschreibung

Seitdem Jürgen Weber 2007 sein erstes Buch mit Geschichten über das Fahrradfahren veröffentlichte, sind zahlreiche neue Texte entstanden.Sie gehen aus von der Erkenntnis, dass es auch ein Leben ohne Fahrrad gibt, und beschäftigen sich mit dem Leben an sich und dem ganz alltäglichen Wahnsinn, der nur mit Humor zu bewältigen ist. Die Texte handeln von dem einstigen Widerstandsgeist, der sich nur noch beim Zimtsternebacken äußert, von der Idee zu einer Revolutionierung der Schenkpraxis und von dem eingespielten Alltag einer langjährigen Ehe. Das Fahrradfahren kommt natürlich auch zu seinem Recht. Neben neuen Texten sind die besten Radgeschichten erneut aufgenommen. So wird diese Zusammenstellung witziger Texte zu einem Werk, das Zeugnis dafür ablegt, dass Humor und Ernsthaftigkeit zwei Seiten einer Medaille sind.

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Seitenzahl: 231

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Das Buch

Dieses Buch versammelt humorvolle Texte, die zum Teil bereits veröffentlicht wurden. Es besteht aus zwei Teilen, aus Texten aus dem Leben mit Fahrrad und Texten aus dem Leben ohne Fahrrad. Die Erlebnisse und Erkenntnisse, die im ersten Teil des Buches niedergeschrieben sind, haben zwar alle etwas mit dem Fahrradfahren zu tun. Dennoch handelt es sich bei den Texten nicht um ausgesprochene Fahrradgeschichten, sondern um Texte über das Leben und wie man damit umgeht. Insofern richtet es sich keineswegs nur an passionierte Radfahrer, sondern, wie auch der zweite Teil, an alle, die am Leben interessiert sind. Die Texte des zweiten Teiles gehen aus von der Erkenntnis, dass es auch ein Leben ohne Fahrrad gibt, und beschäftigen sich mit dem Leben an sich und dem ganz alltäglichen Wahnsinn, der nur mit Humor zu bewältigen ist.

Der Autor

Jürgen Weber, geb. 1954 in Ludwigshafen am Rhein, ist promovierter Sinologe, Germanist und Musikwissenschaftler. Seit 1980 wohnt er mit seiner Familie in einem Dorf in Schleswig-Holstein. Er arbeitet in der Erwachsenenbildung.

Bisherige Veröffentlichungen: sinologische und germanistische Facharbeiten, Arbeitsschwerpunkt ist die Übersetzung klassischer chinesischer Gedichte aus dem 8. Jahrhundert und Aufsätze zum Themenbereich „Hermann Hesse und China“.

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Humorvolle Texte aus dem Leben mit Fahrrad

Radsport ist eine ernste Sache

Radler-Typen und ihre Fachdiskussionen

Radlos in Todi

Ein denkwürdiges Erlebnis in Italien

Ein Musikerlebnis der besonderen Art

Aufzeichnungen zu einer Reise in den Harz

Männerfantasien

Wenn das die Frauen wüssten

Von der Schwierigkeit, ein Nachtlager zu finden

Eindrücke von einer Radreise nach Bayern

Entlang an Neckar, Rhein, Lahn und Eder

Ein Radtour-Tagebuch

Großväter, Frauen und der angekratzte Radlerstolz

Radsportliche Erlebnisse in Italien

Das Reisen mit der Bahn

Ein Abenteuer für sich

Hundsgemein

Der Radfahrer und der Hund

Humorvolle Texte aus dem Leben ohne Fahrrad

Eheszenen

Der ganz normale Wahnsinn

Die Schenk-Idee

zur Revolutionierung unserer Gesellschaft

Meine Frau sucht einen Parkplatz

eine Lobrede auf die Ehe

Eine musikalische Sternstunde

Ein Erlebnis, das mein Leben veränderte

Wind(ge)jammer

über den Wind in Norddeutschland

Christiane bestellt einen Salat

Szenisches Stück mit positivem Ausgang

Das rituelle Aufstellen des Weihnachtsbaumes

ein dramatischer Bericht

Die Zimtsternrevolte

Die Änderung der Gesellschaft in der Küche

Schwierigkeiten bei der sprachlichen Integration

Was wir Deutschen nicht mehr lernen müssen

VORWORT

Dass das Leben nur mit Humor zu ertragen ist, das habe ich bereits früh erkannt. Schon alleine das völlige Ignorieren meiner ernsten, literarisch motivierten Jugendtexte durch meine Umwelt nötigte mich zu einer solchen Erkenntnis. Erst viele Jahre nach diesen ersten, ernsten Versuchen wagte ich mich wieder an das Schreiben. Ausgangspunkt war nun das Fahrradfahren, dem ich eine ganze Reihe von Texten widmete, deren beste, obwohl bereits veröffentlicht, ich in das hier vorgelegte Buch mit aufgenommen habe.

Als mein Fahrradbezogener Erfahrungsschatz erschöpft war, entdeckte ich erstaunt, dass es auch ein Leben außerhalb des Fahrradfahrens gibt. Und so entstanden Texte, die sich mit dem Leben an sich und dem Eheleben im Besonderen beschäftigen und dem alltäglichen Wahnsinn, den wir bereit sind, im Umfeld dieser legalisierten Partnerschaft klaglos hinzunehmen.

Diese Texte, teils in schriftlicher Form verbreitet, teils mündlich vorgelesen, stießen auf ein wohlwollendes Echo, in einem Fall allerdings auch auf das Unverständnis einer öffentlichen Anstalt. Nachdem ich mir durch diverse Veröffentlichungen ohnehin meinen Ruf verspielt habe, zeige ich keinerlei Scheu, die hier versammelten Texte nun auch auf den Marktplatz der Öffentlichkeit zu werfen und sie der kritischen Beurteilung der Leser auszusetzen.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, Texten aus dem Leben mit Fahrrad und Texten aus dem Leben ohne Fahrrad. Die Erlebnisse und Erkenntnisse, die im erste Teil des Buches versammelt sind, haben zwar alle etwas mit dem Fahrradfahren zu tun, dennoch handelt es sich bei diesen Texten nicht um ausgesprochene Fahrradgeschichten, sondern um Texte über das Leben und wie man damit umgeht. Insofern richten sie sich keineswegs nur an passionierte Radfahrer, sondern wie auch der zweite Teil an alle, die am Leben interessiert sind.

Situationen, die für so Manchen alltäglich erscheine, stellen sich bei Licht besehen als witzig dar und verlangen geradezu eine satirische Bearbeitung. So mag auf die Leser ein Funken von dem Humor und Witz überspringen, der mich zu diesen Texten veranlasste und der mir seit vielen Jahren hilft, die Unwägbarkeiten des Lebens einigermaßen schadensfrei zu durchleben. Sollten Leser verständnislos in diesem Buch blättern und mit den dargebotenen Texten nichts anfangen können, so kann ich nicht anders als auf den Satz des unvergleichlichen Philosophen Lichtenberg verweisen, der der Nachwelt die Frage mit auf den Weg gab:

Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?

Ich danke allen, die mich ermuntert haben, die hier versammelten Texte zu veröffentlichen, und ich danke meinen Mitmenschen, die mir immer wieder vor Augen führen, wie lächerlich und nur scheinbar ernst das Leben im Allgemeinen ist. Da ich alles rund um das Buch selbst gemacht habe, brauche ich sonst niemandem zu danken, höchstens mir selbst. Dies will ich nun auch tun in dem Bewusstsein, dass es bestimmt nicht den Falschen trifft.

Jürgen Weber, 2016

HUMORVOLLE TEXTE AUS DEM LEBEN MIT FAHRRAD

RADSPORT IST EINE ERNSTE SACHE

RADLER-TYPEN UND IHRE FACHDISKUSSIONEN

Wer in seinem von Naivität geprägten gesunden Empfinden davon ausgeht, der Radsport erschöpfe sich im Fahrradfahren, der wird, genießt er diesen Sport mit Gleichgesinnten, schon bald eines Besseren belehrt. Die Kräfte raubende und Schweiß treibende Betätigung des Sportgerätes macht nur einen, noch nicht einmal zwingend den größeren Teil der gemeinsamen Aktivitäten aus. Der technischen Ausrüstung gilt bei allen Sportlern ein besonderes Augenmerk und die gemeinsame Erörterung der sich um diese rankenden Fragen nimmt bei den Radfreunden zweifellos mindestens einen ebenso bedeutsamen Platz ein wie das Fahren selbst.

Aus dieser Erkenntnis ergibt sich die Folgerung, dass für eine gleichberechtigte Teilnahme an radsportlichen Gruppenereignissen die körperliche Fitness und die Beherrschung des eigenen Gefährtes bei weitem noch nicht als Qualifikation ausreichen. Um auf der ganzen Front des Radsportes bestehen zu können, bedarf es weitaus mehr. So mancher Neuling hat diesbezüglich schon beträchtliches Lehrgeld zahlen und erkennen müssen, dass man die Wertschätzung der Fahrradfreunde keineswegs alleine durch sportliche Leistungen gewinnen kann.

Zunächst ist festzustellen: Wenn man mit Radbegeisterten Menschen gemeinsame Touren unternimmt, kann man eine Menge über die Technik und die notwendige Mindestausstattung des Sportgerätes lernen. So weiß beispielsweise der gebildete Radler, dass Produkte von Campagnolo nicht nur viel europäischer sind als die von dem japanischen Hersteller Shimano, sondern auch grundsätzlich besser; er weiß, dass Ultegra ein Schaltungs-Ritzel-Satz ist und dieser besser ist als Tiagra aber gleichzeitig nicht so gut ist wie Dura-Ace. Zur Grundbildung eines Menschen, der als Fahrradfahrer ernst genommen werden will, gehört auch zu wissen, dass es sich bei einem Umwerfer nicht um einen handgreiflichen Mitradler handelt; ebenso wenig hält er eine Kurbel für ein Gerät, um das Fahrrad wie einst einen R4 oder 2CV zu starten. Dem informierten Radler ist es des Weiteren auch geläufig, dass der früher Tachometer genannte Gegenstand am Lenker nunmehr Radcomputer heißt und er weit entfernt davon ist, lediglich die Geschwindigkeit des Rades anzuzeigen. Diesem Gerät obliegt es vielmehr, exakte Auskunft zu geben über Trittfrequenz, Herzschlag, Luftdruck und die gerade erreichte Höhe über dem Meeresspiegel.

Will sich der gemeine Radler in fachlichen Erörterungen unter Radfreunden nicht bis auf die Knochen blamieren, dann hört er am besten aufmerksam zu und streut hin und wieder eine der oben als sicher eingestuften Erkenntnisse ein. Dies führt dazu, dass er als einigermaßen ernst zu nehmender Gesprächspartner angenommen und in das Gespräch hin und wieder mit einbezogen wird. Diesen Status kann er jedoch auch schnell wieder verlieren, wenn er nämlich einen Fachbegriff an unpassender Stelle benutzt oder durch einen spontan nicht rechtzeitig unterdrückten ratlosen Gesichtsausdruck zu erkennen gibt, dass er der Konversation nicht zu folgen imstande war. Wer beispielsweise bei der Erwähnung von SPD-Pedalen energisch auf politische Neutralität in der Gesprächsführung insistiert, ist in der Rangordnung derart im Keller, dass es wieder ein gehöriges Maß an vertrauensbildender Maßnahmen bedarf, wieder mit am Tisch sitzen zu dürfen.

Will sich der unerfahrene Radler an solchen Gesprächsrunden beteiligen, muss er zuerst wissen, dass Humor hier völlig fehl am Platze ist. Über Schaltungen oder Kettenöl macht man keine Witze, dafür ist die Materie viel zu ernst. Dann ist es schon besser, sich ganz aus der Konversation zurückzuziehen, selbst auf die Gefahr hin, völlig vereinsamt als radsportlicher Einzelgänger dazustehen, der lediglich aus einem einzigen Grund Fahrrad fährt, nämlich weil es Spaß macht.

Ich habe in den unterschiedlichsten Situationen derartigen Fachgesprächen beigewohnt. Dabei habe ich mich stets über die große Ausdauer der Kombattanten gewundert, die in der Lage waren, mehrere Stunden pausenlos über Ritzel, Carbon-Rahmen, Schaltungsseile, Hydraulikbremsen und Alulenker zu diskutieren, ja zu streiten, und nicht müde wurden, sich über neueste Erkenntnisse, gewonnen aus den einschlägigen Fahrrad-Spezialzeitschriften, auszutauschen. Unterbrochen wurde das engagierte Diskutieren lediglich vom Beschaffen eines neuen Getränkes und dem dadurch bisweilen notwendig gewordenen Gang seiner Beseitigung. Bisweilen kam in mir der Gedanke auf, dass das Ereignis einer Fahrradtour oder Wettfahrt einzig und allein als Vorwand für eben diese danach folgenden Fachgespräche über die Technik des Fahrrades angesehen werden muss. Man fährt offenbar nicht um des Sportes willen, sondern um sich anschließend darüber zu unterhalten.

Besonders bei den Freizeitradlern, deren Tun nicht über Goldmedaillen, Meistertitel oder erste Preise und damit auch über wirtschaftliches Wohlergehen der Sportler entscheidet, können derartige Unterhaltungen hin und wieder befremden. So entbehren manche Erörterungen nicht einer gewissen Komik, wenn beispielsweise deutlich übergewichtige Radler, die vergeblich ihren Bauch im engen, figurbetonten Gerolsteiner-Trikot zu verstecken suchen, über 100 Gramm Gewichtseinsparung diskutieren, die durch eine neue Bremse oder Kurbel oder Schaltung zu erreichen sei. Als unbedarfter Zuhörer gewinnt man den Eindruck, dass Fahrradfahren nur eine Frage der technischen Ausstattung sei und der Erfolg des Tuns lediglich von der richtigen Zusammensetzung der einzelnen Komponenten abhänge. Wer jedoch jemals mit einem Fahrrad ganz gleich welcher Güteklasse mit einem Berg mit 15% Steigung konfrontiert war, der wird erfahren, dass es ohne Muskelkraft eben nicht geht. Ob Campagnolo oder Shimano, ob Carbon oder Aluminium, treten muss man schon selbst und wer keine Kraft hat, kommt keinen Berg hoch.

An den Fahrrad-Fachgesprächen nehmen erfahrungsgemäß unterschiedliche Typen von Fahrradfahrern teil, die ihr liebstes Hobby jeweils mit anderen Schwerpunkten betreiben und präsentieren.

Da sind z. B. die Fanatischen:

Sie reden pausenlos ohne Punkt und Komma über ihr Lieblingsthema. Sie zerlegen ihr Sportgerät verbal in sämtliche Einzelteile, wägen diese akribisch bezüglich Funktionalität, Langlebigkeit, Gewicht und Preis genauestens mit anderen in Frage kommenden Produkten ab und kommen in der Regel zu dem Ergebnis, dass das von ihnen selbst gewählte Produkt allen anderen vorzuziehen sei. Die körperliche Energie, welche diese Fahrradfreunde bei ihren Debatten aufwenden, steht dabei der beim tatsächlichen Fahrradfahren kaum nach. Diese sympathischen Radfanatiker könnten niemals verstehen, dass sich jemand einfach auf sein Fahrrad setzt und nur so zum Spaß damit losfährt. Sie sind aus dem Holz geschnitzt, aus dem man Überzeugungstäter macht und eignen sich besonders gut als hartnäckige Interessenvertreter ihrer Sache. Wenn ihr Gesprächspartner nach rund drei Stunden Fahrraderörterungsmarathon schlapp macht und sich erschöpft zurückzieht, schauen sie völlig verständnislos und fragend in die Runde, begleitet von einem Gesichtsausdruck, der besagt: „Was hat der denn plötzlich?“

Hat der Radfanatiker an seinem Sportgerät seit dem letzten Zusammentreffen mit den Freunden eine technische Änderung vorgenommen oder diesem gar ein neues Bauteil hinzugefügt, so setzt er seine Gefährten unaufgefordert davon in Kenntnis und zeigt es vor. Dabei zeugen sein Gesichtsausdruck und seine Körpersprache von einem Stolz und Glücksgefühl, wie man sie in gleicher Weise lediglich von Kindern kennt, wenn diese nach Weihnachten den Freunden die erhaltenen Geschenke präsentieren. In solchen Momenten ist auch für den weniger aufmerksamen Mitradler ersichtlich, dass das Fahrrad, seine technische Ausrüstung und die praktische Fortbewegung desselben der entscheidende Lebensinhalt dieses Typus von Radfahrern ist.

Es bedarf kaum einer Erwähnung, dass dessen Sportgerät immer blitzsauber an den Start geht, ein Umstand, den ich stets mit großer Bewunderung zur Kenntnis genommen habe, ist es mir doch bisher auch bei bestem Willen niemals gelungen, mein Fahrrad in einem derart quasi fabrikneuen Zustand erstrahlen zu lassen. Nun, ich tröste mich und kompensiere meine Minderwertigkeitskomplexe mit der Gewissheit, dass die bewunderten Radfreunde wahrscheinlich zu Hause ihre Musik-CDs dafür nicht akkurat nach Geburtsdatum der Komponisten sortiert und nicht alle Musikstücke in einer detaillierten Datenbank erfasst haben. So hat eben jeder seinen Spleen.

Dann gibt es die Sportlichen:

Diese legen zwar Wert auf eine gediegene technische Ausstattung, setzen sie jedoch als optimal bei ihrem Gefährt voraus und halten sie kaum der Erörterung für wert. Ihnen ist stattdessen das sportliche Fahren am wichtigsten. Diesen Schwerpunkt dokumentieren sie durch die ausgiebige Rückschau und Erörterung der gerade absolvierten Fahrt sowie Erzählungen aus ihrem vielfältigen Radfahrerleben. Da dürfen die staunenden Mitfahrer an mancher radsportlichen Großtat teilhaben, mit dem erzählenden Sportler die unterschiedlichsten Regionen der Erde bereisen und die Bewältigung extremer Steigungen und kaum glaubhafter Distanzen bestaunen. Auch die Teilnahme an Großereignissen wissen die Sportlichen ihren Kumpanen nicht vorzuenthalten; je nach Temperament geschieht dies im posaunendem Stolz oder im bescheidenen Understatement in beiläufiger Erwähnung.

Eine Sonderform des Radsportbegeisterten ist der Gourmet.

Er gehört zwar unzweifelhaft zu den sportlichen Radfahrern, betreibt diesen Sport jedoch hauptsächlich, um eine Veranlassung zu haben, ohne schlechtes Gewissen leiblichen Genüssen zu frönen. Der Gourmet beginnt keine Tour, bevor nicht geklärt ist, wo und wann eine Essenspause geplant ist, und besteigt umso bereitwilliger sein Rad, je mehr sich die Speisefolge bereits vor Antritt des Vorhabens konkretisieren lässt. Will man sein Vertrauen gewinnen, verwende man lediglich ab und zu das Wort „Rotwein“, mit diesem immer gültigen Passwort erschließt man sofort sein Inneres.

Wenn der Gourmet zugegebenermaßen auch nicht viel weniger erlebt hat als die anderen Sportskameraden, so konzentrieren sich doch seine Wortbeiträge bei der gemeinsamen Diskussionsrunde auf Essen und Trinken, die er mühelos mit der tatsächlichen Nahrungsaufnahme in Einklang zu bringen imstande ist. Möchte der Gourmet gemeinsame Erlebnisse zur Sprache bringen und in Erinnerung rufen, dann fällt es ihm nicht ein, auf besondere Gipfel, malerische Städtchen oder geschichtsträchtige Kathedralen, an denen die Radfahrt vorbeiführte, hinzuweisen, seine Markierungsbojen im Meer der Erinnerungen sind die Restaurants und die darin präsentierten Gaumenfreuden. Wenn der Sportler eine bestimmte Örtlichkeit mit dem Hinweis, dass dorthin eine steile Serpentinenabfahrt endet, charakterisiert, erinnert sich der Gourmet an den wohl abgehangenen Schinken, das Fladenbrot und den kräftigen Rotwein.

Hin und wieder verirrt sich in die Radsportkreise auch ein Typus, den ich aufgrund seiner Andersartigkeit als den Exoten bezeichnen möchte. Dieser fährt Fahrrad, weil es Spaß macht und hatte vor dem Treffen mit seinen Freunden der Überzeugung gehuldigt, Fahrradfahren sei abhängig vom eigenen Treten. Der Radsport dominierten Diskussion folgt er etwas hilflos, weil er seine bisherige Überzeugung durch die Beiträge der anderen zutiefst erschüttert sieht. Mit bewundernswerter Geduld harrt er Stunden aus und wohnt meist stumm der Unterhaltung bei, in der Hoffnung, die Sportfreunde mögen bald wieder normal werden.

Alle diese Typen sind zwar bisweilen etwas nervig, aber insgesamt doch harmlos. Anders sieht es aus mit dem Perfektionisten. Wenn er bei der Diskussion beteiligt ist, wird es heikel. Bei ihm handelt es sich um einen Technikfreak und absoluten Fachmann im Bereich Fahrradtechnik, der nichts dem Zufall überlässt. Dieser weiß nicht nur alles rund ums Fahrrad, er hat auch einen missionarischen Eifer, der für den gemeinen Radler gefährlich werden kann. Ich habe schon so manchen radsportlich Interessierten arglos in seine Fänge geraten sehn, weil er unbedacht und nur beiläufig den theoretischen Wunsch geäußert hatte, sich vielleicht eine neue Schaltung oder ein drittes Ritzel oder eine sonstige Neuerung an seinem Fahrrad zulegen zu wollen. Kaum hat der Experte diesen Wunsch vernommen, kennt er kein Halten mehr. Er rückt auch schon mit seinem Notebook an, auf dem sich allerlei Spezialprogramme befinden, die in der Lage sind, exakt die richtige Komponente für den Radler zu ermitteln. Begleitet von einem Grundsatzreferat über die Wirkungsweise der Software und die komplizierten Zusammenhänge der verschiedenen zu berücksichtigenden Werte erfragt der Experte von dem Kunden die für die Berechnung notwendigen Angaben. Diese sind derart detailliert, dass man sich nicht wundern würde, wenn auch noch die Schuhgröße der Großmutter oder die Parteimitgliedschaft des Schwagers dritten Grades erfragt würden. Auch der zaghafte Einwand des Kunden, er habe ja den Wunsch nur so dahin gesagt und wolle es eigentlich gar nicht so genau wissen, nutzt jetzt nichts mehr. Wer A sagt, muss auch B sagen, da muss er jetzt durch. Wer allerdings das Durchhaltevermögen besitzt, dem Treiben des Experten bis zum Ende standhaft beizuwohnen, der hat einen nicht unerheblichen Nutzen. Tatsächlich kommt eine hilfreiche Empfehlung heraus, die das Fahrradfahren für die Zukunft wesentlich leichter macht. Nach dieser Erkenntnis lässt sich mit gutem Gewissen noch ein Bier mehr trinken.

Die Teilnahme an radsportlichen Diskussionen ist also nicht ohne Gefahren, so manche Klippe ist da zu umschiffen und jeder Beteiligte sollte sich bereits im Vorwege Gedanken machen, wie er für die Unversehrtheit von Körper und Psyche Sorge tragen kann. Aber es soll hier auch nicht dramatisiert werden, nichts läge mir ferner. Mit einem schlüssigen Konzept, einem Grundstock an Fachwissen, der Erinnerung an eigene Radsporterlebnisse und einer durchaus antrainierbaren Flexibilität und Schlagfertigkeit lassen sich derartige Diskussionen unbeschadet überstehen, so dass man ohne nennenswerte Verletzungen zu den nächsten radsportlichen Ereignissen anzutreten in der Lage ist.

RADLOS IN TODI

EIN DENKWÜRDIGES ERLEBNIS IN ITALIEN

Verteidigende Vorrede

Das im Folgenden berichtete Erlebnis widerfuhr mir auf einer der Gruppenreisen, welche ich mit einem bayrischen Radsport-Veranstalter mehrmals in Italien unternahm, genauer gesagt in dem kleinen Städtchen Todi in Umbrien, durch dessen wunderschöne Landschaft die Radtouren der kommenden Woche führen sollten.

Die Fahrt zu dem für die Tour durch Umbrien festgelegten Ausgangspunkt dauerte fast den ganzen Tag. Es war schon später Nachmittag, als wir etwas erschöpft aber guter Dinge in Todi ankamen, das eine Woche lang unser Heimatort sein sollte. Die jeweiligen Tagestouren gingen alle entweder von unserem Hotel aus bzw. endeten dort oder begannen in der näheren Umgebung, wohin uns dann der Bus bringen sollte. Wir konnten uns also in unserem Hotel richtig häuslich einrichten. Als erstes stand denn auch der Bezug der Zimmer an. Nun verhielt es sich derart, dass ich mit meinen beiden Freunden anreiste. Da keine Drei-Bett-Zimmer zur Verfügung standen, musste einer von uns ein Einzelzimmer beziehen. Die Wahl fiel auf mich, was ich nicht weiter bedauerte, ist das Alleinsein für mich seit jeher doch eher ein begrüßens- denn ein beklagenswerter Zustand. Und dass ich nicht ganz verloren sein würde, dessen konnte ich mich schließlich durch die Anwesenheit meiner Freunde sicher sein. Das nachfolgend berichtete Ereignis wird allerdings verdeutlichen, dass dieses beruhigende Gefühl trog und meine Bekanntschaft mir nichts nützte. Neben einigen zufällig wieder getroffenen, von früheren Touren flüchtig bekannten Radlern, waren meine beiden Freunde auch die einzigen Personen, die mich kannten. Das ausgiebige abendliche Essen und die noch etwas schleppend dahin fließende Konversation mit den angetroffenen Mitradlern war im übrigen nicht dazu angetan, die noch bestehende Fremdheit in nennenswertem Umfang zu beseitigen oder aufzuweichen. Da die Tour durch Umbrien bereits meine dritte Reise mit diesem Radsport-Veranstalter war, wusste ich nicht nur vom programmmäßigen Ablauf der Reise, sondern auch von der üblichen gruppendynamischen Entwicklung, die ich zu gewärtigen hatte. Somit war mir klar, dass eine richtige Bekanntschaft und ein interessanter Austausch erst dann möglich sein würde, wenn frühestens am ersten Tag nach Ablieferung der radsportlichen Leistung eine virtuelle Rangordnung einigermaßen sichtbar und durch das bisweilen eigenartige Verhalten einzelner Personen auch deren intellektuelle, moralische, religiöse, ja politische Einordnung möglich gemacht worden sei.

Diese Ausführungen dienen an dieser Stelle vorrangig dem Zweck, meine Mitreisenden angesichts des kommenden Ereignisses von jeglicher Form der Verantwortung freizusprechen. Nach dem ersten Abend kann niemand verlangen, dass sich ein fremdes Gesicht der Gemeinschaft nachhaltig einprägt, zumal wenn es sich bei dessen Träger um eine derart zurückhaltende und unscheinbare Person wie die meinige handelt. Nein, einen Vorwurf darf ich auch im Rückblick niemandem machen, bedenkenswert sind die Umstände des Erlebten gleichwohl.

Das Ereignis

Doch genug der Vorrede, das ist passiert: Nach einem ausgiebigen Nachtmahl, etwas Wein und ein bisschen smalltalk ging ich recht zeitig in mein Zimmer und legte mich schlafen. Da ich mir meistens selbst nicht ganz traue, hatte ich mir zur Sicherheit am Abend meinen Wecker gestellt. Den herbei gesehnten ersten Radsporttag in Umbrien wollte ich schließlich nicht verschlafen. Wie immer war diese Vorsichtsmaßnahme völlig grundlos, vor entscheidenden Ereignissen wache ich immer pünktlich auf. So war ich bereits hell wach, als der Wecker seinen Dienst versah. Ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass der beginnende Tag meiner positiven und optimistischen Stimmung das passende Umfeld zu geben in der Lage sein würde: Italien, Mitte Mai, blauer Himmel, Sonnenschein. So soll es sein, was kann an einem solchen Tag schon schief gehen?, dachte ich im Stillen.

Um halb sieben stand ich auf und begab mich in mein Badezimmer, das fensterlos zum Inneren des Gebäudes lag. Da ich alleine im Zimmer war, wäre es nicht nötig gewesen, die Tür zum Bad zu schließen, allein es war mein Ordnungssinn, vielleicht auch die Befürchtung, es könnte Wasser ins Zimmer laufen, die mich dazu bewogen hatten, die Tür zu schließen. In der Regel ist eine derartige Entscheidung, die Tür zu schließen oder nicht, nicht von berichtenswerter Tragweite, für mich wurde sie jedoch zum Verhängnis und die gravierendste Fehlentscheidung meines Urlaubs. Wie in manchen Hotels bestand der Türgriff aus einem großen Knopf, der mittels einer kräftigen Feder den Schnäpper ins Schloss befördert, ein Mechanismus, der in deutschen Landen zwar eher unüblich ist, aber durchaus seine technische Berechtigung hat. Ich schloss die Tür, die mit einem kräftigen Knacken einrastete.

Nachdem ich die üblichen Tätigkeiten der Morgenhygiene absolviert hatte, es war mittlerweile kurz vor sieben, wollte ich ablaufgemäß die Stätte meiner Reinigung wieder verlassen, allein die Tür verwehrte mir dieses Ansinnen. Der Türknopf ließ sich zwar drehen, er weigerte sich jedoch, die mit der Drehung bestimmungsgemäße Funktion zu versehen. Die Tür blieb zu. Ich prüfte, ob möglicherweise eine zusätzliche Verriegelung angebracht wäre oder das Schloss ein sonstiges technisches Geheimnis beherbergte. Das schien jedoch nicht der Fall zu sein. Ich versuchte das Öffnen erneut und immer wieder unter Anwendung sämtlicher überhaupt denkbarer Varianten, den Türknopf zu drehen. Nichts passierte, die Tür blieb geschlossen.

Da ich weder von klaustrophobischen Ängsten betroffen bin noch unter sonstigen, in solchen Situationen ausbrechenden psychischen Defekten leide, wurde ich nicht hektisch, sondern versuchte, Ruhe zu bewahren und die Situation zu analysieren: Ich war allein eingeschlossen in einem fensterlosen Raum, der noch dazu eine Eigenschaft aufwies, die man in Zimmern anderer Hotels durchaus begrüßen würde, er war nämlich gut isoliert. Da offenbar die Metallfeder des Türschlosses gebrochen war, hatte ich demnach nur zwei Möglichkeiten: entweder mir würde es gelingen, durch irgendwelche Lebensäußerungen auf mich aufmerksam zu machen oder aber ich würde es schaffen, die Tür aufzubrechen.

Zunächst versuchte ich das nahe Liegende, ich betätigte die Klingelschnur, die anzubringen zur Sicherheit des Hotelgastes wohl vorgeschrieben ist. Ich gestehe, ich hatte kaum Hoffnung, dass diese Vorrichtung tatsächlich funktionierte und das nötige Signal an die Rezeption weiterleiten würde. Falls dieser Klingelmechanismus allerdings wider Erwarten funktionieren würde, so rechnete ich mir aus, würde der Diensthabende an der Rezeption bestimmt denken, dass mal wieder so ein dummer Hotelgast aus Spaß an der Schnur gezogen hat, und würde nichts unternehmen. Ich täuschte mich nicht. Ganz gleich, welche Überlegung nun richtig war, auf mein Klingeln hin geschah jedenfalls nichts. Da ich nicht unnötig Aufmerksamkeit auf mich ziehen wollte, versuchte ich es also mit der gewaltsamen Lösung. Ein Anrennen mit der Wucht meines Körpers, wie es mutige Männer in Fernsehkrimis in vergleichbaren Situationen immer erfolgreich praktizieren, brachte neben einem dumpfen Knall mir lediglich einen schmerzhaften blauen Fleck an der Schulter ein. Die Tür bewegte sich nicht, das Schloss schien Wertarbeit zu sein. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich noch genügend Zeit hatte, mein Problem zu lösen, es war erst viertel nach Sieben, ich war gut in der Zeit. Außerdem war ich noch in dem Glauben, irgendwer, zumindest aber meine beiden Freunde würden mich beim Frühstück vermissen und fürsorglich meinem Verbleiben nachspüren. Später sollte ich erfahren, dass mein Nicht-Gesichtetwerden beim Frühstück durchaus kurzzeitig Gegenstand der morgendlichen Erörterung meiner Freunde gewesen sei, man sich jedoch mit der Erklärung beruhigte, mein Übereifer habe mich frühzeitig frühstücken und bereits wieder das heimische Zimmer aufsuchen lassen.

Nachdem die brutale Methode kläglich gescheitert war, sollte es also nun die technische Lösung bringen. Als handwerklich nicht ungeschickter Mensch untersuchte ich hoffnungsfroh den Aufbau des Schlosses und des Drehknopfes und entdeckte zwei Schrauben, deren Entfernen mich meinem ersehnten Ziel näher zu bringen mir verhieß. Unglücklicherweise mangelte es mir an einem Schraubenzieher oder einem ähnlichen den Zweck erfüllenden Gegenstand. Dies mir als Versäumnis vorzuwerfen, empfand ich jedoch als unstatthaft, ist es doch allgemein unüblich, zum Duschen einen Werkzeugkasten mit ins Bad zu nehmen. Ich beschloss, dieses Verhalten für die Zukunft zu überdenken. Eine Nagelfeile und eine Minischere waren leider kein gleichwertiger Werkzeugersatz, außer dass sich beide verbogen, brachte ihr Einsatz keine entscheidende Wende in meiner Lage. Mein Gleichmut und meine Besonnenheit begannen einer Gefühlsregung zu weichen, die mit Wut noch am ehesten beschrieben werden kann. Nachdem es nunmehr schon gegen acht Uhr zuging, begann ich mir auch in Gedanken vorzustellen, was passieren würde, wenn ich bis zur geplanten Abfahrt der Gruppe um neun Uhr nicht aus meinem Gefängnis befreit werden würde. Undenkbar, so weit durfte es nicht kommen. Also, die harte Nummer. Ich beschloss, die Tür gewaltsam aufzubrechen, ein Vorgehen, das meinem sanftmütigen Naturell völlig widerspricht, diesem zuwider zu handeln ich mir jedoch auf Grund der außergewöhnlichen Notlage mir ohne größere Gewissensbisse genehmigte. Mit einem für den Zweck des Türaufbrechens vorgesehenen Werkzeug konnte ich wie gesagt nicht dienen, die einzigen Gegenstände im Inventar des Badezimmers, die eine gewisse Härte und Festigkeit aufwiesen, waren eine Plastikclobürste und meine hölzerne Haarbürste, die mitzuführen der Zustand meines Haupthaares zum damaligen Zeitpunkt noch rechtfertigte. Mit aller Gewalt versuchte ich, die Tür einzudrücken und steckte in den so entstandenen Spalt als Keil die beiden Gegenstände, in der Hoffnung, die Spannung möge dazu führen, dass die Tür aufspringen würde. Doch es geschah nichts. Das einzige Ergebnis, das ich der Aktion zuordnen konnte, war, dass ich schweißgebadet und längst wieder reif für die Dusche war.

An eine unauffällige Lösung des Problems war also nicht mehr zu denken, jetzt musste ich spektakulär auf mich aufmerksam machen. Ich trommelte gegen die Tür und rief mehr oder weniger geeignete, Hilfe erheischende Worte in die Tiefe des Raumes. Aus der Richtung des Flures und angrenzender Zimmer vernahm ich Geräusche, die von der Anwesenheit weiterer Menschen zeugten, dies versetzte mich in die Hoffnung, irgendjemand möge mein Klopfen hören und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen. Doch ich wurde enttäuscht. Auch hier schien der bei allen Menschen wohl angeborene Mechanismus der Verdrängung um sich gegriffen zu haben. Wie ich nämlich später erfuhr, hatten einzelne Mitfahrer sehr wohl irgendwelche Geräusche gehört, hatten diese jedoch eher einem, in Italien nicht unbedingt unüblichen impulsiven Lebensstil eines Hotelgastes zugeschrieben und sich nicht weiter um die Ursache des Gehörten gekümmert. Nun, so sehr mich meine Hilflosigkeit ärgerte und mich das Ausbleiben einer Reaktion meiner Mitmenschen enttäuschte, bewegte sich meine Gefühlsverfassung dennoch nicht in Richtung einer Verzweiflung, in der um die Existenz zu fürchten sei. Dem in der Zeitung immer wieder zu lesenden Schicksal älterer Menschen, die monatelang unbemerkt tot in ihrer Wohnung liegen, musste ich, da war ich mir sicher, nicht entgegensehen. Also ergab ich mich in mein Los und begann, mich häuslich einzurichten, immer noch in der Hoffnung, mein Fehlen würde noch vor Beginn der Tour bemerkt werden.