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Ein neuer Planet soll erforscht werden! Peter mit seinen Eltern als Wissenschaftler und ein ausgesuchtes Team werden darauf vorbereitet. Eine Reise in eine andere Welt mit Abenteuern und Gefahren, deren Realität nichts zu wünschen übrig lässt!
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Seitenzahl: 424
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Die Zeit darüber nachzudenken, ob noch anderes Leben im Universum existiert, ist schon längst angebrochen.
Dass wir nicht die „Einzigen“ sind ist mittlerweile vielen klar und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann und wo wir direkten Kontakt bekommen.
Die Zeit ist längst reif dafür, um selbst die Initiative zu ergreifen auch hier einen gewaltigen Schritt nach vorne zu machen.
Die Erlebnisse und Schilderungen von Peter ist erst der Anfang!
Ihr
W. P. Lentz
Kapitel 01
Abenteuerlust
Kapitel 02
Der Countdown
Kapitel 03
Vermisst
Kapitel 04
Angekommen
Kapitel 05
Ab in den Dschungel
Kapitel 06
Das Dorf
Kapitel 07
Vogelsuche
Kapitel 08
Ein neuer Freund
Kapitel 09
Vogelsuche die 2-te
Kapitel 10
Aufbruch ins Hauptlager
Kapitel 11
Suche nach der Wunderwurzel
Kapitel 12
Die Reifeprüfung
Kapitel 13
Marsch zur Basisstation
Wenn ich so zurückdenke, habe ich manchmal das Gefühl, wie wenn alles nur ein Traum war und doch ist alles in Gedanken so real, wie wenn es erst gestern passiert ist!
Also nun zu mir, mein Name ist Peter Hansen! Ich war damals 12 Jahre alt, hatte lockige schwarze Haare und meine Ohren, na ja, die waren etwas weiter weg von meinem Kopf wie wohl geplant, deshalb hänselten mich meine Schulkameraden, worauf ich ab und an sehr sauer reagierte und deswegen von der Lehrerin öfters einen Verweis erhielt. Aber ich hatte mich irgendwie damit abgefunden und versuchte manchmal mit Pflaster an den Ohren über Nacht zu schlafen, damit eine gewisse Normalität irgendwann eintritt. Ich spielte gern Fußball und ansonsten stromerte ich mit Paul dem Nachbarjungen, der in meiner Schulklasse neben mir saß, in der Gegend umher.
Ansonsten wüsste ich nicht, was ich momentan noch von mir sagen sollte, zumindest jetzt nicht!
Mein Vater Hans Hansen, 38 Jahre alt , schlank, dunkelhaarig mit einem kleinen Oberlippenbart war Wissenschaftler in der Bio-Medizin und meine Mutter Monika Hansen, 34 Jahre alt, etwas kleiner als mein Dad, hager mit halblangen brünetten Haaren, war wohl so etwas wie eine Chemikerin. Beide waren in der Forschung tätig und so ergab es sich, dass dadurch das Familienleben nicht immer harmonisch ablief, denn beide hatten ihren Standpunkt, den sie nur all zu oft dem anderen als die perfekte Wahrheit zu erörtern versuchten, was oft in heftigen Streitgesprächen ausartete.
Irgendwie hatte ich mich an diesen Zustand gewöhnt und fand mein Leben eigentlich gar nicht so schlecht, obwohl ich meine Eltern nicht sehr oft sah, wenn diese wegen ihres Berufes spät nach Hause kamen.
Irgendwann, ich glaube es war so im November, hatte ich den Eindruck dass etwas passiert sein musste!
Meine Eltern waren unwahrscheinlich aufgeregt und tuschelten vor sich hin, wie wenn sie vor mir etwas verheimlichen wollten.
„Ist etwas“, fragte ich und bekam aber nur eine abfällige Bemerkung wie, “ nein nichts besonderes!“
Da dieser Zustand aber anhielt und meiner Meinung teilweise sogar extremer wurde, nervte ich meine Mutter andauernd, bis diese mir dann zu erklären versuchte, „weißt du, es ist alles eine geheime Sache und für uns eine riesige Möglichkeit, die wahrscheinlich nicht wieder kommt, aber ich kann dir nur so viel sagen, dass wir für eine besondere Mission ausgesucht worden sind, ich aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sagen kann.
Du erfährst es aber noch früh genug!“
Zufrieden war ich mit dieser Antwort selbstverständlich nicht, aber ich wurde noch neugieriger und versuchte alles was gesprochen wurde zu belauschen.
Dabei fiel mir auf, dass immer öfter die Rede vom Fliegen war.
Fliegen, wie und wohin?
Nachdem dieser Zustand anhielt, ich aber bisher nicht richtig deuten konnte um was es eigentlich ging, wurde meine Neugier endlich, zumindest zum Teil, gestillt.
Es war so zwischen Weihnachten und Neujahr als mich meine Eltern baten zu ihnen zu kommen.
Na endlich, dachte ich! Als ich ins Wohnzimmer kam, saßen beide auf dem Sofa nebeneinander, wie wenn sie sich jetzt einig geworden wären und sagten, ich solle im Sessel Platz nehmen.
„Nun Peter“, begann meine Mutter etwas zögerlich. „du hast sicherlich bemerkt dass wir ziemlich aufgeregt sind und nun ist der Zeitpunkt, mit dir über diese Angelegenheit zu sprechen“.
„Wie du weißt sind wir beide in der Forschung tätig und haben vor kurzem ein Angebot bekommen, welches unser Leben komplett verändern wird.
Da die Angelegenheit als geheime Sache gilt, möchten wir dich bitten über dieses Gespräch niemandem etwas davon zu sagen, können wir diesbezüglich auf dich zählen?“
„Na klar doch, um was geht es eigentlich?“
„Dein Vater und ich sind ausgesucht worden für eine besondere Mission, nämlich zur Erforschung des Weltraumes!“
„Wie, Weltraum? Fliegt Ihr in den Weltraum?“
„Wir sollen an Bord eines Raumschiffes auf einem Planeten landen um dort die Umgebung zu erforschen um vielleicht eine Möglichkeit zu schaffen vor Ort eine Station aufzubauen.
Was das für uns bedeutet, kannst du dir nicht vorstellen!“
„Wie, wir fliegen auf den Mond?“
„Nein, nicht wir und nicht der Mond!“
„Wer denn dann und wohin?“
„Also wir haben gedacht, dass du so lange wir beide weg sind zu deiner Tante ziehst, damit du in der Schule nichts versäumst!“
„Wie, ich darf nicht mit? Nein, ich will nicht zur Tante!
Ich will mit!“
„Nein es geht nicht, du kannst nicht mit, dies würde nie genehmigt werden!“
„Doch, ich will mit! Zur Tante geh ich nicht, dann geh ich auch nicht in die Schule!“
„Peter, sei doch vernünftig, wir können dich nicht mitnehmen, so gern wir dies auch wollten!“
„Dann frag ich halt selber nach, vielleicht kann ich doch mit!“
Nun gut, dieses Gespräch dauerte noch etwas länger, bis meine Eltern es dann etwas erbost abbrachen mit der Bemerkung, „wir werden ja sehen“!
Nun wir werden ja sehen, sagte ich auch zu mir und begann zu recherchieren, wo meine Eltern arbeiteten.
Das war nicht schwer, denn im Büro meines Vaters waren genügend Hinweise und Schreiben vom Institut und eines war von der Raumfahrtbehörde.
Ha, genau das Richtige!
Ich schrieb mir die Adresse auf und ging nach der Schule mit zu Paul Behrens.
Paul mein Schulkamerad, hatte rötliche Haare und ein etwas pausbäckiges Gesicht in dem unendlich viele Sommersprossen zu sehen waren. Er war etwas kleiner als ich und vielleicht nicht ganz so schlank, um das Wort dicklich zu vermeiden, aber ich konnte ihn gut leiden!
Er war meistens immer gut gelaunt und wir hatten viel Spaß miteinander.
Er und seine Mutter lebten alleine, da sein Vater vor einigen Jahren aus dem Haus verschwand und bisher nicht mehr wieder gekommen war.
Bei ihm zu Hause angekommen fragte ich seine Mutter, Rita Behrens, eine gutmütige etwas füllige, blonde Person, ob sie mich zu meinen Eltern ins Institut fahren könnte?
„Ins Institut?“
„Was willst du dort Peter, deine Eltern kommen doch heute Abend wieder nach Hause?“
„Ich denke schon, aber meine Mutter hat gesagt, wenn ich jemand finde der mich hinfährt, kann ich mal das Institut besichtigen und das wäre doch wahnsinnig interessant, nicht Paul?“
„Au ja, ins Institut zu deinen Eltern! Was ist, Mum fährst du uns? Au ja bitte!“
„Also gut ihr Quälgeister, aber erst nach dem Mittagessen und erst wenn ihr aufgegessen habt!“
Es kam des Öfteren vor, dass ich bei Paul zu Mittag aß und anschließend nach den Hausaufgaben mit ihm spielen durfte, so wie heute.
Ich glaube, so schnell hatten wir unser Mittagessen noch nie gegessen und waren kurz danach abfahrtfertig.
„Wie, ihr seid schon fertig?“ Überraschend hatte es Pauls Mutter registriert und machte sich an, sich für die Fahrt herzurichten.
Da ich die Adresse aufgeschrieben hatte und im Auto ein Navigationsgerät eingebaut war, war es ein leichtes dort hin zu finden.
Die Fahrt dauerte nicht allzu lange, bis wir am Gebäude des Instituts ankamen und nach dem Einparken des Fahrzeuges zum Eingang über die vielen Treppen hinauf liefen.
Ein imposantes Gebäude mit riesiger Glasfassade und einem parkähnlichen Garten.
Beim Pförtner angekommen, einem etwas ergrautem Herrn mit schütterem Haar und grauem Anzug, der uns nach unseren Wünschen fragte, sagte ich, wer ich bin und dass ich zu meiner Mutter wolle.
Der nahm darauf das Telefon in die Hand, wählte eine Nummer und ich hörte wie er sagte: „ja wirklich ihr Sohn, der steht hier vor mir!“
„Deine Mutter kommt gleich, “ sagte er zu mir gewand und schüttelte dabei den Kopf.
Nach einer Ewigkeit, wie mir vorkam, sah ich meine Mutter durch die Innenhalle auf uns zukommen. „Was macht ihr denn hier?“
Mit fragenden Augen schaute sie mich zuerst und dann Pauls Mutter an.
„Peter sagte, wenn ihn jemand hinfahren würde, dürfe er das Institut ansehen!“
„Aber Peter, warum rufst du nicht vorher an?“
„Ich wollte dir eine Überraschung bereiten!“
„Die ist dir geglückt!“
„Monika wenn es dir unangenehm ist, fahren wir wieder!“
„Nein, nein Rita ist schon gut, also dann kommt mal mit!“
Mmmh.. ich glaube meine Mutter war nicht gerade begeistert, aber wenn ich vorher angerufen hätte, dann wären wir jetzt nicht hier!
Also fand ich, war es ein guter Schachzug, oder nicht?
Wir gingen durch eine große lichtdurchflutete Halle, die mit Bäumen und Blumen bepflanzt war zu einem gläsernen Aufzug, der sich an der Außenfassade nach oben bewegte.
Balkonbalustraden türmten sich von Stockwerk zu Stockwerk und die gläserne Außenhaut schien ins Unendliche zu wachsen.
Man hatte den Eindruck in einem riesigen Gewächshaus zu stehen!
Am Aufzug angekommen, drückte meine Mutter die Taste 3 .Stock und oben überquerten wir den langen Gang links, entlang der Balustrade die wohl verhindern sollte, dass jemand in den Abgrund stürzen könnte, zu einer Tür mit der Aufschrift “ Direktion“.
Ohne anzuklopfen öffnete meine Mutter, trat ein, sagte zu einer Dame in strohblond, mit einem enorm großen Busen, die an einem Schreibtisch saß„ guten Tag Silvia, ist der Chef im Büro“ und ging ohne die Antwort abzuwarten schnurstracks auf eine dahintergelegene Tür zu.
Kurz anklopfend öffnete sie diese und ich hörte wie sie sagte, „ Georg, mein Sohn ist mit seinem Schulkameraden und dessen Mutter Frau Rita Behrens draußen und würde gerne das Institut sehen, geht das in Ordnung?“
Ich hörte Schritte und dann wurde die Türe von meiner Mutter freigegeben und es erschien ein kräftiger, gut gekleideter Mann, in hellgrauem Anzug und einer gelben Krawatte in der Türöffnung.
Seine Haare waren blond, halblang und gescheitelt.
Er wirkte entschlossen aber sehr sympathisch.
„Hallo, also du bist Peter“ sagte er und ging auf mich zu, schüttelte mir die Hand und wandte sich an Paul. „Und wer bist du?“
„Ich bin Paul, “ sagte dieser etwas stotternd, wohl nicht mit der Frage rechnend.
„Guten Tag, “ sagte die Mutter Pauls und gab dem Chef meiner Mutter die Hand, „ich hoffe wir kommen nicht ungelegen?“
„Also wenn ihr schon mal hier seid, könnt ihr selbstverständlich das Institut ansehen!“
„Na ja Monika, “ sagte er zu meiner Mutter gewand, „dann zeig mal deinem Besuch, wo du hier arbeitest!“
Also machten wir uns auf die „Socken“ und meine Mutter gab sich redlich Mühe uns zu erklären was das alles zu bedeuten hat und woran hier geforscht wird.
Ich habe alles nur bedingt wahrgenommen, die vielen Büros, die unendlich vielen Leute, die die hinter Glasscheiben irgendeiner Tätigkeit nachgingen, was aussah wie bei uns in der Schule im Chemie und Physikraum.
Unendliche Informationen, die irgendwie durch meine Ohren hindurchgingen, denn meine Gedanken waren ganz woanders.
„Ich muss mal, “ sagte ich zu meiner Mutter, „wo ist hier die Toilette?“
„Also Peter, den Gang runter, gegenüber vom Aufzug sind die Toiletten, wir warten auf dich!“
„Ich finde euch schon, “ hörte ich mich sagen, „wo geht ihr hin?
„Also gut Peter, die blaue Tür dort hinten am Ende des Ganges ist der Aufenthaltsraum, dort warten wir auf dich!“
„Ist gut, bis gleich!“
Also ging ich Richtung Aufzug und Toiletten und drehte mich dabei um, um zu sehen wo meine Mutter, Paul und Pauls Mutter hingingen, bis diese in der beschriebenen Türe verschwunden waren.
Schnell änderte ich meine Richtung und ging zu der Türe zurück wo „Direktion“ darauf stand, öffnete diese, ging durch den Raum an Silvia vorbei, die vor Erstaunen nicht schnell genug reagieren konnte und öffnete nach kurzem Klopfen die Türe zum Büro des Mannes mit der gelben Krawatte.
Im Hintergrund hörte ich wie anscheinend Silvia versuchte von Ihrem Stuhl aufzustehen um so schnell als möglich mir nachzueilen.
Vermutlich um mich am Eintreten ins Büro ihres Chefs zu hindern.
Doch ich war schneller!
„Hallo Peter, “ hörte ich den Mann mit der gelben Krawatte hinter seinem Schreibtisch sagen!
„Wie kann ich dir helfen?“
„Herr ….?“ „Olsen ist mein Name!“
„Herr Olsen, ich möchte Sie unter vier Augen sprechen!“
„So wichtig?“
„Ja, für mich sehr wichtig!“
„Also, dann erzähl mal!“
„Nun, ich weiß nicht wie ich anfangen soll, aber ich denke sie wissen sicherlich über meine Eltern Bescheid?“
„Was meinst du?“
„Na ja, mit der Mission!“
„Mmmh… , haben deine Eltern mit dir geredet?“
„Na ja, also es ist ja alles so geheim und ich darf nichts sagen, da habe ich mir gedacht, ich frage sie!“
„Also Peter ich bin informiert und weiß Bescheid! Also frage mich!“
„Meine Eltern haben gesagt, dass ich nicht mitkommen kann und ich zur Tante muss.
Das will ich aber nicht, denn ich will mitkommen!“
„Weißt du Peter, diese Mission ist nicht ganz ungefährlich und deine Eltern sind Speziallisten in ihrem Fach, deshalb können wir nur Leute gebrauchen die in irgendeiner Weise spezialisiert sind, damit diese Mission zum Erfolg wird!“
„Aber ich kann doch auch irgendetwas Spezielles machen.
Diese Mission mit einer kompletten Familie ist doch sicherlich auch etwas Wichtiges für die Zukunft und die Forschung oder nicht?
Wenn ich nicht mit kann, gehe ich auch nicht in die Schule!
Ihr Erwachsenen könnt machen was ihr wollt, entweder darf ich mit oder ich, ..ich, ..ich stelle irgendetwas an!“
„Peter, lass mal gut sein, ich werde mit deinen Eltern reden – o.k.?
Wo ist eigentlich deine Mutter?“
„Ich glaube die sucht mich!“
Herr Olsen stand auf, kam um den Schreibtisch und legte seine Hand auf meine Schulter.
Wir gingen auf den Flur hinaus woher ich gekommen war, wo wir auch schon meiner Mutter begegneten, die außer sich vor Wut war.
„Wo warst du, wir haben dich schon überall gesucht, was hast du dir nur dabei gedacht?
Jetzt ist aber Schluss, ich denke ihr fahrt wieder nach Hause und du wartest zu Hause auf mich, hast du verstanden?“
„Nun sei man nicht gar so streng Monika, “ sagte Herr Olsen, „es ist ja nichts passiert!“
„Rita, würdest du bitte?“
„Tut mir leid Monika!“
„Ist schon gut!“
„Tschüss bis heute Abend!“
Ich drehte mich um, schaute kurz Herrn Olsen an und folgte Pauls Mutter zum Aufzug.
Wir verließen das Institut und fuhren wieder nach Hause.
Wow, was wird das heute Abend wohl geben?
Na ja eigentlich ist mir das egal, Hauptsache ich darf mit!
Zuhause angekommen verkroch ich mich in mein Zimmer und wartete auf das mich zu erwartende Ungewitter.
Gegen Abend, es war schon dunkel, rief mich meine Mutter, ich solle zum Nachtessen kommen.
Also ging ich runter ins Esszimmer.
Meine Mutter und mein Vater saßen schon am Tisch.
„Wasch dir die Hände und komm!“
„Hab ich schon!“
„Setz dich hin!“
Ich merkte, dass etwas in der Luft lag und so begann ich vor mich hin zu kauen, ohne dass ich eigentlich etwas schmeckte.
„Nun Peter, du warst heute bei Herrn Olsen und hast ihn genervt, um ihn zu überzeugen, dass du mit willst, sonst würdest du irgendetwas anstellen, richtig?“
„Na ja, so war es auch nicht gerade, aber ich will unbedingt mit, sonst gehe ich nicht in die Schule und schon gar nicht zur Tante!“
„Peter ist dir klar, dass du mit deinem Verhalten unsere Mission gefährdest und wir aus dem Programm gestrichen werden können!“
„Aber was ist den schon dabei wenn ich mitgehe?
Es ist vielleicht auch für die Forschung wichtig, wenn eine komplette Familie diese Mission macht!“
„Peter hier geht es um sehr viel mehr als du dir denken kannst und in diesem Fall müssten die gesamten Aufsichtsratsmitglieder zustimmen, weil dies ein Sonderfall wäre, ist dir das klar?“
„Ist mir egal, ich will mit!“
Na ja diese Diskussion war wieder einmal endlos und unbefriedigend. Zum Schluss ging ich beleidigt auf mein Zimmer, da meine Eltern sich wieder einmal über das „Wenn und Aber“ in die Wolle gerieten.
Ich verhielt mich in der nachfolgenden Zeit reserviert und beleidigt, sagte nur das Notwendigste und zog mich auch bei schönem Wetter auf mein Zimmer zurück!
Alle Versuche mich herauszulocken, auch von Paul, waren erfolglos und somit verging Tag für Tag und Woche für Woche.
Irgendwann, ich denke es war im Februar, kam Herr Olsen zu Besuch.
Herr Olsen bei uns, wann hat es dies schon einmal gegeben?
„Peter kommst du runter, Herr Olsen ist da und möchte dich sprechen!“
Mich sprechen, Herr Olsen?
Also ging ich runter und sagte schön „Guten Tag Herr Olsen“.
Herr Olsen war wie immer sehr korrekt gekleidet, heute in einem dunklen Anzug mit silberner Krawatte.
Sein Gesichtsausdruck war sehr ernst. Er setzte sich an unseren Esstisch und rückte den Stuhl links neben sich zu recht.
„Hallo Peter, ich, wir möchten mit dir reden, würdest du dich bitte hier setzten.“
Er zeigte auf den Platz am Esstisch und meine Eltern setzten sich auch zu uns.
„Wir hatten wegen dir, also der Aufsichtsrat und noch ein paar andere Personen die was zu sagen haben, größere Diskussionen.
Bisher gab es das noch nie, dass ein Kind mitfliegt.
Wir mussten uns einige plausible Ausreden für die Schule und die Behörden einfallen lassen!
Also Peter, du bist nicht davon abzubringen, du willst unbedingt mit?“
„Ja, ja, ich will mit, super ich darf mit!“
„Moment, Moment so schnell geht das nicht, nur unter einer Bedingung!
Du musst uns versprechen, wenn du den gesundheitlichen Anforderungen nicht gerecht wirst, dass heißt wenn du die Prüfungen nicht bestehst, wirst du dies akzeptieren und hier bleiben, versprichst du das?“
„Ja klar, aber ich werde alles bestehen, ihr werdet schon sehen!“
„Also nächsten Dienstag fährst du mit deiner Mutter zum Arzt und zum Institut zur Untersuchung, alles klar?“
„Ja klar, alles klar! Super ich fliege zum Mond, ich fliege zum Mond!“
„Halt Peter, noch eine Bedingung, du darfst niemandem etwas davon erzählen, sonst kannst du nicht mit, o.k.?“
„Na ist doch klar Herr Olsen, ich sage bestimmt niemand etwas!“
Und so nahm alles seinen Lauf!
Am darauffolgenden Dienstag musste ich schon um 6:00 Uhr aufstehen, damit wir den Termin um 8:00 Uhr beim Arzt und im Institut wahrnehmen konnten, ohne etwas zu frühstücken.
Die Fahrt zum Institut dauerte für mich „gefühlte Stunden“ und immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich vor mich hindöste und ab und zu meine Augen schloss. Nur die Aufregung hielt mich wach!
So müde wie ich war und hungrig, untersuchte mich der Arzt, ein etwas älterer Herr mit weißem Kittel, einer dicken Hornbrille auf der Nase und einer kleinen Hasenscharte über der Oberlippe links.
Ich musste husten, Liegestützen machen, Fahrrad fahren und so komisches weißes Zeug trinken, was furchtbar schmeckte.
Danach wurde ich in so eine Röhre gesteckt um mich zu untersuchen.
Während dieser Untersuchung hatte ich jede Menge Kabel um mich herum und an mir dran, wie man im Fernsehen immer sieht, im Krankenhaus in der Notfallaufnahme.
Also ich war total verkabelt.
Dann machten sie noch eine Urin- und eine Stuhlprobe, wie unangenehm!
Im Institut wollten sie alles Mögliche wissen und fragten mir ein Loch in den Bauch.
Irgendwann gegen Nachmittag, immer noch hungrig, war dann alles durchgestanden, so hoffte ich zumindest, denn ich war müde und fühlte mich irgendwie kaputt.
Mein Magen hatte sicherlich den tiefsten Punkt in mir erreicht und immer noch nichts zu essen!
In diesem Zustand hoffte ich, bald nach Hause zu können um endlich meinen knurrenden Magen zu beruhigen.
Gott sei Dank war die Untersuchung kurz darauf endlich vorbei und wir machten uns auf den Heimweg!
Zuhause angekommen legte ich mich auf die Coach, dachte nicht einmal mehr an Essen und schlief sofort ein.
Meine Träume drehten sich nur um eins, ich im Weltraum mit Aliens zusammen, wow!
Es war so gegen 6:00 Uhr abends als mich meine Mutter weckte und zum Abendessen holte.
„Na, wie war die Untersuchung, “ fragte mein Dad?
„Alles in Butter, “ war meine Antwort, die allerdings nicht so richtig buttermäßig rüberkam.
Ich war immer noch müde und fühlte mich total zerschlagen.
Nach dem Abendessen ging ich sofort zu Bett und führte meinen unterbrochenen Schlaf weiter fort.
Meine Träume drehten sich nur noch um Aliens und fremde Welten, wie in einem Comic, dass ich vor einiger Zeit gelesen hatte. Ich war der Held und besiegte die Bösen dieser fremden Galaxien!
Schweißgebadet wachte ich immer wieder in der Nacht auf und war froh endlich am Morgen aufzustehen, um endlich diese Träume abzuschütteln.
Aufgeregt, in freudiger Erwartung stand ich auf und fragte sofort meine Mutter. „Na, wie ist die Untersuchung gelaufen?“
„Peter die Ergebnisse kommen erst in zwei Tagen, also gedulde dich noch etwas!“ Gedulden? Ich mich gedulden?
Bei dieser Anspannung!
Die zwei Tage waren wie zwei Wochen und ich erwartete meine Mutter abends schon sehnsüchtig.
„Und, “ fragte ich?
„Was und?“
„Na wie ist die Untersuchung gelaufen?“
„Ich bin froh dass ich einen gesunden Sohn habe, aber in Betracht der zukünftigen Ereignisse, weiß ich nicht was ich dazu sagen soll!“
„Was soll das heißen, bin ich nun o.k. oder nicht?“
„Du bist vollkommen o.k. mein Sohn!“
„Juhu, juhuuu ich fliege zum Mond, ich fliege zum Mond!“
„Peter, lass dass und schreie nicht gar so laut, es braucht niemand zu hören!“
„Entschuldigung, tut mir leid! Bin schon still!“
War das eine Freude in mir, ich hätte zerspringen können.
Ich als erstes Kind auf dem Mond.
Die Zeit verging nur allzu schleppend und ich musste mehrmals ins Institut und wurde darauf vorbereitet mit einem Raumfahranzug umzugehen. Sich in diesem Ding zu bewegen war gar nicht so einfach! Ich kam mir vor wie der Michelin-Mann im Film Ghostbusters. Man setzte mich in eine Art rotierende Gondel, die sich im Kreis dreht, um herauszufinden ob es mir schlecht wird. Dann war da noch so ein Raum wo man so eine Art Schwerelosigkeit simulierte, um festzustellen, wie ich damit zu Recht komme. Ha wie beim Jahrmarkt mit Karussell und Achterbahn. Es machte mir richtig Spaß und manchmal war es schade, dass es nicht noch länger ging! Ich bekam jede Menge Zettel und Vorschriften die ich durchlesen sollte.
Wer soll sich das alles merken?
Aber egal, ich tat was ich tun konnte und versuchte mir so viel als möglich zu merken.
Bereits ab dem 25.April mussten wir unsere Ernährung umstellen, das heißt nur noch flüssige Nahrung und zu Trinken gab es so eine Art süßer Sprudel, sonst nichts!
Es solle die Abwehrkräfte stärken und die Verdauung regeln, damit nachher alles mit dem Organismus besser klappen soll, sagte meine Mum, aber verstanden habe ich das eigentlich nicht so ganz.
Dann endlich, ich weiß es noch wie heute genau am 28.April, meinem Geburtstag sollte es losgehen, endlich!
Ich verabschiedete mich von Paul und sagte ihm, dass ich eine Zeit weg muss und aber bald wieder zurück bin.
Auf seine Fragen wohin und warum, sagte ich nur: „meine Eltern müssen beruflich verreisen und ich darf nicht alleine zuhause bleiben, also werde ich die Zeit bei irgendwelchen Verwandten verbringen, bis sie wiederkommen.
Frag einfach nicht weiter Paul, es ist halt so! Also mach`s gut, bis auf bald!“
„Du auch Peter und komme gesund wieder, lässt du mal was von dir hören?“
„Bestimmt und grüße deine Mutter von mir!“
Wir wurden schon am 27.April von einer großen, dunklen Limousine abgeholt und zum Flughafen gebracht.
Eine Sondermaschine wartete schon. Nur wir drei und das Flugpersonal, ohne Gepäck!
Das Flugzeug war sehr klein, aber für uns reichte es aus und die Stewardess war sehr nett.
Während des Fluges bekamen wir zu trinken und zu essen, allerdings nur wieder Flüssiges wie zuhause.
Ich war so aufgeregt, dass ich kaum etwas runter bekam.
Nach ungefähr einer Stunde landeten wir auf einer Militärbasis und wurden nach der Landung sofort in Empfang genommen und in ein großes viereckiges, gläsernes Gebäude gebracht.
Dort warteten schon ziemlich viele Leute, darunter auch ein paar, die mitfliegen sollten.
Mein Dad und meine Mum gaben einigen die Hand und begrüßten diese mit Namen.
Ich habe mir die Namen nicht gemerkt, die ich zu hören bekam, denn es waren zu viele und ich war zu aufgeregt um meine Gedanken ordnen zu können.
Zwischen einer Menge von Leuten und meinen Eltern wurde ich in einen anderen Raum geschoben.
Jetzt waren nicht mehr so viele Leute im Raum!
„Wo sind wir jetzt, “ fragte ich meinen Dad?
„Das ist der Vorbereitungsraum, hier sind nur die Leute die mitfliegen und ein paar, die die Ausrüstung nochmals kontrollieren!“
„Wow, wann geht es los?“
„Heute Abend, wenn die Sicherheitskontrollen nochmals durchgeführt wurden und alles in Ordnung ist!“
Jetzt registrierte ich erst die Schränke die im Raum standen.
Wie Kleiderspinde im Hallenbad, mit Kleidungsstücken und Ausrüstung darin.
Dort hingen auch die Anzüge und dort an einem Spind stand sogar mein Name „Peter Hansen“.
Wir mussten uns in so einer Art Umkleidekabine ausziehen und duschen, das Wasser roch etwas komisch, Desinfektionsmittel wie ich nachher erfuhr, und bekamen neue Kleidungsstücke zum Anziehen.
Danach wurde der Anzug darüber gezogen, wobei mir jemand half, da dies nicht ganz so einfach war.
Ich spürte meinen Herzschlag bis zum Hals, welche Aufregung!
Endlich waren wir alle in den Raumfahreranzügen und schauten uns gegenseitig an.
„Hallo Peter, “ ein hünenhafter Mann mit strohblondem Haar, hellblauen Augen und der Statur eines Bodybuilders, gab mir die Hand.
Ich las seinen Namen auf dem Anzug, John Braun.
„Hallo Herr Braun!“
„John ist mein Name Peter, wir werden über eine längere Zeit zusammen sein und da ist es besser wir behandeln uns wie Freunde, o.k.?“
„Klar Herr Br…, eh John!“
Noch vier Personen waren außer uns mit den Anzügen bekleidet.
Eine dunkelhaarige schlanke etwa 30 jährige Frau namens Iris Pentow, deren dunkle ausdrucksvolle Augen auf mich gerichtet waren und durch ihr freundliches Lächeln sehr sympathisch wirkte.
Ein kleinerer gedrungener, schon etwas grauhaariger aber doch noch junger Mann namens Rudi Szlesak, dessen seitliche Koteletten sehr weit ins Gesicht reichten.
Ein etwas schwergewichtiger, dunkelhaariger und ernst dreinblickender Mann namens Boris Meier, dessen unsteter Blick permanent umherschweifte, wie wenn er etwas suchte und ein sehr hagerer, vielleicht 30 jähriger grinsender Kerl namens Thomas Jonson mit braunem halblangem Haar, der zu Allem irgend etwas zu sagen hatte und sich anscheinend sehr gern selber reden hörte.
Somit waren wir insgesamt acht Personen, mit mir natürlich!
Alle begrüßten sich nochmals gegenseitig und jeder sagte „Toi, toi, toi“ und „alles Gute für die Mission!“
Nach wie mir schien, unendlicher Wartezeit, wurden wir von einen Mann abgeholt mit einer Uniform und unendlich vielen Abzeichen auf der Jacke, wahrscheinlich ein General?
Mit staksigen Schritten ging er auf eine Tür zu und öffnete diese. Er ging voraus.
Wir mussten durch einen langen Gang gehen, wie ein langer Schlauch mit beidseitiger Verglasung.
Viele Menschen standen links und rechts außerhalb des Schlauches und winkten uns zu.
Ich hörte, „viel Glück, alles Gute, kommt gesund wieder zurück“ und noch einiges mehr, dann waren wir in einem anderen Raum, völlig kahl, nur mit Kunststoffsitzbänken an der Seite.
Acht Raumfahrerhelme lagen dort mit unseren Namen versehen und acht paar Handschuhe, sonst nichts.
Mein Dad und meine Mum schauten mich an, „und wie geht es dir jetzt?“
„Aufgeregt und angespannt, aber super! Mir geht es super gut!“
Eine Stimme ertönte, „bitte die Helme aufsetzen und verschließen!“
Wir halfen uns gegenseitig, damit alles etwas schneller ging und richtig gemacht wurde. Dann zogen wir die Handschuhe über und kontrollierten uns gegenseitig.
Nach einer kurzen Zeit öffnete der „General“ eine Tür in dem Raum und eine Stimme sagte, „Die erste Gruppe mit vier Personen begibt sich bitte auf den Laufsteg zum Aufzug!“
Meine Eltern waren mit mir in der zweiten Gruppe und so mussten wir in dem Raum warten, bis die Ersten im Raumschiff waren!
Unser Begleiter, der die Tür öffnete schüttelte jedem die Hand und wünschte „alles Gute!“
Er schloss die Tür hinter unseren „Mitreisenden“ und wir warteten auf unseren Einsatz.
Es dauerte eine ganze Weile bis wir aufgefordert wurden, auch über den Laufsteg zum Aufzug zu gehen!
Der „General“ wünschte auch uns per Handschlag viel Glück und alles Gute! Die Tür ging hinter uns zu und wir waren alleine!
Jetzt erst sah ich, in welcher Höhe dieser Laufsteg war, denn unter mir sah ich die Rakete, die seitlich rauchte und über mir ein riesig großes Flugzeug, das an der Rakete festgebunden schien.
Ich konnte nur staunen, denn wer erlebt schon so etwas, zumal ich ja erst heute dreizehn Jahre alt geworden war und niemand hatte es bemerkt!
Am Ende des Laufsteges stiegen wir in einen Aufzug, in den wir uns vier hineindrängen mussten, da dieser fast zu klein war um uns alle mitzunehmen. Die Tür wurde geschlossen und ich merkte wie dieser Aufzug nach oben fuhr und kurz danach anhielt. Ich glaube jeder war froh wieder aussteigen zu können.
Wir waren an der Öffnung des Flugzeuges angekommen. Über einen kleinen Steg und eine Leiter durch eine, ich nenne es Dachluke, stiegen wir hinein. Da das Flugzeug mit der Spitze nach oben an der Rakete hing und sich der Einstieg im hinteren Teil befand, mussten wir von hinten nach vorne klettern, um an unsere Plätze zu gelangen.
Die erste Gruppe hatte schon Platz genommen! Es war ziemlich umständlich sich fortzubewegen, denn wir liefen ja nicht den Gang entlang sondern mussten quasi teilweise über die Sitze nach oben klettern und gleichzeitig aufpassen, dass wir an unseren Mitreisenden nicht hängen bleiben, oder gar wieder nach unten stürzen.
Jeder hatte seinen Platz, der durch Namen gekennzeichnet war.
Wir saßen nicht, sondern lagen jetzt in unserem Cockpit und ich kam mir vor wie in einer Achterbahn.
Eine Stimme ertönte, „nehmen sie bitte auf den für sie vorgesehenen Sitzen Platz und schnallen sie sich vorschriftsmäßig an.
Den Gurt über die Schulter, im Brustbereich durch die Verschlüsse einrasten lassen und durch die seitlichen herunterhängenden Gurte straff ziehen!“
Jeder befolgte die Anweisungen!
„Bitte die Einstiegsluke schließen“! Ich hörte ein zischendes Geräusch und dann war Stille.
Die Luke war geschlossen und verriegelt!
Mir war sehr heiß unter dem Helm, aber es machte mir nichts aus, denn ich war viel zu aufgeregt um dies überhaupt richtig zu registrieren.
Jetzt erst sah ich die vielen Armaturen und Instrumente an der Decke, die von den jeweiligen Bedienern leicht erreichbar waren.
In verschiedenen Farben sah ich mit Zahlen und Zeichen versehene Anzeigen.
Das man sich bei so viel verschiedenen Instrumenten überhaupt noch auskennt und weiß welche Anzeige für was sein soll?
Ich hätte da sicherlich so meine Probleme!
Vorne waren zwei Plätze, in der Mitte drei und hinten, wo ich zwischen meinen Eltern saß auch drei.
Zwischen den Vordersitzen waren drei Hebel wie in einem richtigen Flugzeug.
Unsere Sicht war durch die Helme eingeschränkt und wir konnten nur bedingt durch die seitlichen Fenster und das Dach, welches teilweise mit einem Fenster versehen war, etwas sehen.
Jeder Helm war mit Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet, so dass wir uns unterhalten konnten und wenn über die Zentrale eine Anfrage kam, konnten wir auch mit der Zentrale sprechen.
Ich hörte über meinen Lautsprecher, „noch 60 Sekunden bis zum Countdown, 59..58..57..56..55..54..53..“ usw.
Ein leichtes Vibrieren sagte mir, dass es gleich soweit sein müsste.
Ein Dröhnen folgte, welches sich immer mehr steigerte bis „10..9..8..7..6..5..4..3..2..1.. Start!“
Die Sitze vibrierten, das ganze Flugzeug schüttelte sich, ein gigantischer Ruck drückte mich in meinen Sitz und nahm mir fast den Atem.
Welche Kraft musste wohl dahinterstecken um solch einen Giganten in Bewegung zu setzen?
Dröhnen, Schütteln, der Druck gegen den Sitz und ohrenbetäubender Lärm.
Trotz unserer Helme, war das Geräusch deutlich zu hören!
Diesen Zustand mussten wir einige Zeit über uns ergehen lassen und der Druck in meiner Magengegend schien nicht aufzuhören.
Plötzlich wurde schlagartig alles ruhiger und ich hörte über den Lautsprecher ein vielstimmiges Jubeln, „Hurra wir haben es geschafft, sie sind oben, der Start ist geglückt“ und vieles andere mehr.
Außer etwas Unwohlsein, ging es mir recht gut und ich schaute zu meinen Eltern.
Mein Dad saß rechts und er strahlte mich durch seine Augen an, „na Sohnemann alles o.k.?“
„Klar Dad, alles Bestens, “ sagte ich und sah zu meiner Mutter.
Auch sie strahlte mich mit ihren Augen an und fragte, „geht’s dir gut Peter?“
„Ja Mum, es geht mir gut!“
Ein kurzes Rucken sagte uns, dass die erste Brennstufe (eine Antriebsrakete) abgeworfen wurde.
Nach weiteren langen Minuten dann ein zweites Rucken, die zweite Stufe!
Jetzt waren wir im Raum über der Erde und konnten erstmals unseren Planeten seitlich unter uns sehen!
Wunderschön die blauen und weißen Strukturen, mit einem großen braunen Fleck, wie ein Gemälde!
…plötzlich ein wildes Geschrei!
“Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday dir Peter, Happy Birthday to you!”
Sie haben es doch nicht vergessen! Mit Stolz und Freude schaute ich nach meinen Eltern und konnte nur noch stammeln, „danke euch allen, ich danke euch!“
Welches Gefühl, ich kann dies niemandem beschreiben, es war einfach umwerfend.
„So meine Herrschaften, “ meldete sich John Braun, „wenn wir uns in der Umlaufbahn befinden, werden wir uns versuchen abzuschnallen und unser neues Zuhause erkunden. Ich sage euch wenn es soweit ist und dann einer nach dem anderen.
Helft euch gegenseitig und denkt daran, wir sind nicht auf der Erde sondern im schwerelosen Raum, also aufgepasst, damit ihr euch den Schädel nicht anhaut!“
Ein verhaltenes Gelächter übers Mikrofon und dann auch schon die Anweisung.
„Also zuerst die Personen in der Mitte, los jetzt!“
Nach und nach schnallten sich die drei in der Mitte ab und schwebten zur Decke.
Mit den Händen dirigierend tasteten sie sich zu der Bodenöffnung im hinteren Teil. Dort befanden sich im unteren Deck die anderen Räumlichkeiten.
Danach waren wir an der Reihe!
Mein Dad half mir mich aus dem Sitz zu befreien und hielt mich fest, damit ich nicht gleich zur Decke abhob.
Wow was für ein Gefühl, endlich fliegen zu können!
Mit Händen und der Hilfe meines Dad‘s hangelte ich mich ins Unterdeck, gefolgt von meiner Mum.
Eine Leiter führte nach unten, damit man sich festhalten konnte und man gezielt vorwärts kam.
Im unteren Deck waren die Schlafgelegenheiten, ähnlich wie auf einem Schiff, zumindest habe ich dies so schon oder so ähnlich im Fernsehen gesehen, allerdings hatten wir die Möglichkeit diese Schlafkoje durch eine Schiebetüre zu verschließen.
Neben jeder Schlafkoje waren kleinere Schränke, die durch Riegel verschlossen waren.
Hier wurde im oberen Fach, so wurde uns gerade mitgeteilt der Helm untergebracht, den wir jetzt durch Anweisung von John abnehmen sollten.
Gar nicht so einfach, denn der Helm ist jetzt sehr leicht und man muss aufpassen, damit er nicht wegfliegt, um diesen dann ins obere Fach legen zu können.
Geschafft, ohne Helm ist es doch etwas angenehmer.
„Jetzt eure Anzüge wechseln, “ sagte John!
„Also die Anzüge vom Flug ins mittlere Fach und der Anzug der darin ist bitte anziehen, also los jetzt!“
Welcher Spaß! Man ziehe sich um in dem man fliegt!
Wer kann das schon so ohne Probleme, auch wenn die Raumhöhe sehr begrenzt war und wir manchmal den Kopf einziehen mussten?
Ich lachte schallend, weil alles so komisch aussah.
Da war meine Mum, die zwar das Oberteil das mit dem Unterteil an einem Stück war, bereits ausgezogen hatte, aber beim Ausziehen der Hose verfing sich ein Fußteil im Oberteil und meine Mutter schwebte plötzlich im Raum, strampelte und versuchte das andere Fußteil auch los zu werden, was aber nur gelang weil mein Dad ihr half.
Ein anderer, ich glaube es war Rudi Szlesak, hatte zwar seinen Anzug bereits ausgezogen, aber beim Anziehen des anderen Anzuges machte er mehrere Loopings, bis er endlich im Anzug steckte.
So erging es auch mir, ich musste dabei so lachen, dass es mir nicht gelang den neuen Anzug fachgerecht anzuziehen, denn ich hatte die Hosenbeine verwechselt.
Ohne die Hilfe meines Dad`s hätte ich wahrscheinlich jetzt einen Knoten im Anzug.
So nach und nach waren alle umgezogen und wir hatten herzlich gelacht über die Missgeschicke der anderen und über sich selbst.
„So, hat jeder seinen Schlafplatz, “ hörte ich John fragen?
„Alles klar“, war die vielseitige Antwort!
„Wir gehen jetzt schlafen und wechseln uns mit jeweils zwei Mann im Wechsel und im Cockpit ab, ich mache mit Tom die erste Wache, dann Monika mit Boris, Iris mit Rudi und du Hans als Letzter, kommst du damit klar?“
„Kein Problem, “ sagte mein Dad „und ich, “ fragte ich John? „Du kannst schlafen oder wenn du willst deinem Dad zur Seite stehen, o.k. Partner?“
„Ja Sir!“ Meine Freude kannte keine Grenzen. Ich und mein Dad als Wache in einem Raumschiff - wow!
Jeder der nicht zur Wache eingeteilt war, versuchte sich in seine Koje zu legen um die Anstrengungen der vergangenen Stunden und Tage etwas zu vergessen und um auszuruhen. Im unteren Deck war alles sehr eng und man musste aufpassen, dass man den anderen nicht anrempelt, um an ihm vorbeizukommen.
Zuerst Zähne putzen und abwaschen mit einem Waschlappen in einem sehr, sehr engen Waschraum.
Der Raum hatte am Boden montierte Fußschlaufen, damit man nicht alles im Schwebezustand verrichten musste. Er war so eng, dass man sich kaum bewegen konnte und beim Zähneputzen musste man die Zahnbürste und Zahnpasta festhalten, damit nicht alles davon schwebte. Ausspucken war nicht, es wurde geschluckt, was weiter allerdings nicht schlimm war, da man anscheinend medizinisch alles so vorgesehen hatte und der Geschmack sehr angenehm war.
Beim Waschen mit einem feuchten Waschlappen musste man sich ziemlich verrenken um nicht permanent irgendwo anzustoßen.
Die Utensilien wurden dann in Klappfächern neben dem in der Mitte montierten Spiegel untergebracht. Ich war froh endlich fertig zu sein und schlüpfte in meine Bettkammer.
Ich zog die Türe zu, schnallte mich mit den dafür vorgesehenen Gurten ans Bett und schlief sofort ein!
Durch sanftes rütteln wurde ich geweckt.
„Hei Sohnemann, auf zur Wache!“
„Ja Dad, “ sagte ich verschlafen und versuchte aus der Schlafkoje zu klettern.
Dank meines Vaters, der mich gerade noch festhielt, schwebte ich nicht davon und konnte durch Festhalten am Bett und der Leiter nach oben ins Cockpit gleiten.
Hier setzte ich mich nach vorne links neben meinen Dad und staunte über die unendliche Weite, die sich mir vor meinen Augen darbot.
Eine unendliche schwarze Weite mit hellen, fast weißen und farbigen unterschiedlich großen Punkten, den Planeten und Sternen im Universum.
Ein Schauspiel das man in seiner Grenzenlosigkeit kaum zu beschreiben vermag.
Das Bild, das sich mir in meine Erinnerung einbrennen würde, für Ewig!
Da links, ein Kometenschwarm zieht vorbei wie in Zeitlupe, welch ein Schauspiel.
„Dort“, sagte mein Dad, „siehst du den orangefarbenen Ring um den Planeten, das ist der Saturn!
Die vielen Sterne dort, das ist die Milchstrasse und der bunte Planet, das ist unsere Erde!“
Ich starre wie gebannt auf das Schauspiel das sich mir darbot!
„Wie viele solche Sterne gibt es eigentlich Dad?“ „Oh, das kann wohl niemand beantworten, mein Sohn!
Die Erforschung des Weltraumes steckt erst in den Anfängen und von der Erde aus kann man nicht alles sehen, dazu ist das Weltall viel zu groß!“
„Wie lange fliegen wir?“
„So genau wissen wir das noch nicht. Es wird eine sehr lange Zeit dauern, bis wir an dem Planeten angekommen sind, zu dem wir wollen.
Sicherlich ungefähr 14 Monate oder etwas länger!“
„So lange?“
„Ja so lange!“
„Haben wir dann auch genügend zu essen und zu trinken mitgenommen?“
„Oh ja, das reicht sicherlich für die nächsten Jahre, so viel wie wir geladen haben!“
„Aber, da braucht man doch so viel Platz?“
„Nein, es sind meistens Trockensubstanzen, die mit Wasser angemacht werden, damit wir diesen Platz nicht brauchen!“
„Und wenn wir mal auf die Toilette müssen?“
„Wir haben eine an Bord, du wirst schon sehen!“
Wir wechselten noch einige Worte und ich starrte wie im Traum ins schwarze Nichts, umgeben von Sternen, Planeten und Kometen.
Der Tagesablauf an Bord gestaltete sich mit sammeln von Informationen, überprüfen verschiedener Messgeräte und Kontaktgesprächen zur Erde.
Nur ich musste meine Schulaufgaben machen, ich hatte es Mom versprochen!
Es waren jede Menge Bücher in meinem Spind, die Schule hatte mich wieder!
Unser Essen, welches wir von Zeit zu Zeit einnahmen, mussten wir in flüssiger Form aus geschlossenen Bechern über einen dicken Strohhalm zu uns nehmen.
Genauso wie die Getränke die wie Brause schmeckten!
Ähnlich wie wir es bereits zu Hause schon gemacht hatten.
Es gab wirklich eine Toilette an Bord. Das war vielleicht komisch!
Ein sehr enger Raum wo man die Füße in am Boden befindliche Schlaufen stecken musste, damit man nicht abhob und wenn man sich auf die Toilette setzte, dann hörte man ein Geräusch, wie bei einem Staubsauger und alles war weg.
Papier gab es nicht, dafür eine Wasserspülung mit Absaugung, welch komisches Gefühl!
Rechts und links an der Wand waren Griffe angebracht, wo man sich festhalten konnte.
Am zweiten Tag beorderte John alle Beteiligten ins Cockpit mit den Worten, „alle Gegenstände verstauen, alle ins Cockpit und anschnallen bitte, wir verlassen unsere Route in bereits voraus berechneter Fluglinie!“
Jeder von uns war bemüht seinen Platz im oberen Deck einzunehmen, wenngleich es durch den engen Raum zu etwas „Verkehrsstau“ kam.
Als alle angeschnallt waren, erfolgte ein kurzer Kontakt zur Erde mit dem Hinweis, „wir verlassen jetzt unsere Flugbahn wie berechnet, 10..9..8..7..6..5..4..3..2..1..Zündung!“
Kaum war dieses “Zündung“ ausgesprochen, wurden wir alle in unsere Sitze gedrückt.
Mit einem enormen Schub durch den Antrieb der Raketen wurden wir ins Weltall katapultiert.
Kurz danach wurde der Antrieb wieder abgeschaltet, aber wir flogen nach wie vor mit ungebremster Geschwindigkeit ins schwarze Nichts hinein.
„So jetzt bilden wir zwei Teams zur Überwachung, “ hörte ich John sagen, „das erste Team besteht aus den ersten beiden Teams der Nachtwache und das zweite aus dem Rest, o.k.?
Also die, die nicht Wache halten müssen können wieder nach Unten gehen, alles klar?“
Ohne weitere Worte verließ ich mit dem Team, welches momentan keine Wache hatte das Cockpit um ins Unterdeck zu schweben.
Hier vertrieben wir unsere Zeit mit Reden, Lesen oder an einem kleinen Monitor versuchte immer irgendjemand Informationen, Filme, Bilder die ins All gesendet wurden zu empfangen.
Ein müßiges Unterfangen, das nur selten mit Erfolg gekrönt war.
Aber es gab auch Filme, die über einen Computer gespeichert waren und die wir ansehen konnten.
Es wurde viel geschlafen und abgewechselt mit dem Wachdienst. Die Langeweile war irgendwann unser ständiger Begleiter.
Meine Schularbeiten musste ich dennoch machen, da gab es kein wenn und aber. Mein Vater oder meine Mutter überprüften, was ich gelernt oder geschrieben hatte. Es gab kein Entrinnen!
Bei den ständigen Untersuchungen an der Crew durch die Ärztin Iris Pentow, wollte man sicher gehen, das es allen gut geht und so war es auch, zumindest einige Tage oder Wochen, denn das Zeitgefühl verflüchtigte sich zunehmend und man war sich nicht mehr sicher, war es jetzt Tag oder Nacht?
Der Bordkalender wurde sehr genau geführt und auch das Bordbuch per Computer wurde mit allen Begebenheiten des täglichen Ablaufs gefüttert.
Nur so war es möglich, eine Zeitbestimmung zu machen und genau zu sagen, was für einen Tag und Monat wir derzeit haben.
Ich erinnere mich noch, irgendwann, es müssen Wochen und Monate her gewesen sein, war der Kontakt zur Erde abgebrochen, wir waren auf uns alleine gestellt!
Boris, als Funkspezialist versuchte sein Möglichstes um wieder einen Empfang zu bekommen, aber alles was er versuchte, war zum Scheitern verurteilt.
Eine bedrückende Stille bereitete sich aus, niemand wollte etwas sagen, jeder grübelte vor sich hin.
So flogen wir Tag für Tag ins schwarze Nichts!
Die Stimmung an Bord war oft gereizt und alle versuchten eine gewisse „Normalität“, wenn man überhaupt davon reden konnte, wieder herzustellen.
Streitereien waren an der Tagesordnung und jeder war, glaube ich, einmal beleidigt, weil er zu Unrecht wegen irgendetwas beschuldigt wurde.
So ging es jetzt bestimmt schon Monat für Monat, wir feierten jeden Geburtstag, damit das Zeitgefühl zumindest in diesem Punkte nicht verschwand und einmal war auch ich wieder dran.
Also waren wir bereits 1 Jahr unterwegs und es war noch kein Ende abzusehen.
Irgendwann, irgendein Geburtstag wurde wieder einmal gefeiert, bekamen wir ein Problem mit der Elektrik.
Das Licht flackerte und die Instrumente setzten teilweise aus.
Hektik entstand und eine Panik drohte auszubrechen, doch John beruhigte alle mit energischen Worten, „seid ruhig und vernünftig, wir werden den Fehler schon beheben, also verdammt noch Mal, seid endlich ruhig!“
Tom als Bordtechniker, überprüfte die Bordelektrik und konnte den Fehler nach längerem Suchen beheben.
Das Flackern hörte auf und das Licht im Raumschiff war wieder konstant. Allen war wieder wohler zumute!
Gott sei Dank!
Nach weiteren Wochen oder auch Monaten, bekamen wir ein Lüftungsproblem.
Die Luft im Raumschiff wurde stickig und der Sauerstoffgehalt verringerte sich zunehmend.
Sofort wurde fieberhaft nach dem Fehler gesucht.
Tom konnte nichts finden und Boris, für die Rundfunktechnik zuständig, beteiligte sich auch an der Suche.
Für diesen Ernstfall gab es eine Notversorgung über eine Zusatzleitung und Tom aktivierte diese, allerdings auf geringster Stufe, damit der Sauerstoffvorrat nicht zu schnell verbraucht wird.
Trotzdem ging die Suche weiter, denn der Defekt musste gefunden werden, da der Vorrat nur für eine begrenzte Zeit ausreichte.
„Hei Boris, hast du was gefunden?“ „Nein und du?“ „Auch nichts! Sieh mal nach dem Filter, vielleicht ist der verstopft oder undicht!“
„Mach ich sofort, aber ich glaube es liegt an der Luftzufuhr für den Verteiler, lass mich den zuerst überprüfen!“
„O.k. aber mach hin, damit wir von dem Sauerstoffvorrat nicht zu viel verbrauchen!“
„Mach ich ja schon, aber ich kann auch nicht hexen!“
Die Suche war leider erfolglos und so wurde der Filter überprüft.
Auch hier war anscheinend alles in Ordnung, aber wo ist der Fehler?
Die Kontrollinstrumente gaben darüber leider keinen Aufschluss, also musste weitergesucht werden.
Auch nach längerem Suchen konnte kein Fehler gefunden werden und beide waren ratlos über die nächsten Schritte die unternommen werden mussten, um den Defekt zu finden.
John zitierte beide zu sich und legte, eher heftete, einen Konstruktionsplan auf eine Ablage im unteren Deck, wo alle drei sich den Plan eindringlich anschauten, um über andere Möglichkeiten die es geben könnte zu diskutieren.
Sämtliche mögliche Ursachen wurden durchgespielt, aber jedes Mal schüttelte jemand mit dem Kopf.
„Unmöglich, kann nicht sein, “ war dann die Antwort und es wurde weiter gerätselt.
„John, John ich glaube ich hab`s, “ sagte Tom!
„Hier sieh doch die Leitung unter dem Rumpf im Stauraum, hier könnte der Defekt sein, denn nur hier können wir den Luftzugang nicht überprüfen.
Vielleicht ist eine Dichtung am Zulauf vom Filter zum Verteiler undicht und die Frischluft kann nicht konzentriert ins System gelangen?“
„Und wie sollen wir das prüfen Tom, fragte John?“
„Ich muss versuchen übers Unterdeck in den Zwischenraum zu gelangen! Vielleicht kann ich etwas erreichen und das Leck abdichten, bis wir es entsprechend reparieren können!“
„Also los, und beeil dich!“
Tom und Boris lösten Schrauben einer Platte vom Boden des Unterdecks, verstauten diese in einer Ecke und Tom zwängte sich, mit einer Taschenlampe bewaffnet, die ihm Boris vorher zugesteckt hatte, in diese rechteckige Öffnung.
Nach und nach verschwand sein Körper in der Öffnung und wir hörten nur das schabende Geräusch unter unseren Füssen, wo Tom versuchte an die undichte Stelle unseres Luftzufuhrsystems zu gelangen.
„Und Tom, “ fragte John, „siehst du schon etwas?“
„Bin gleich soweit, kam stöhnend die Antwort und kurz danach, ich hab` s!“
„Kannst du` s reparieren?“
„Mal sehen, gib mir mal das Bordset wo die Schlüssel drin sind!“
„Moment, die rote Tasche mit dem schwarzen Kreis darauf?“
„Ja, gib sie mir schon!“
John reichte die Tasche durch die Bodenluke in Richtung Tom, dabei versuchte er sich flach auf den Bauch zu legen, damit er Tom erreichen konnte, was allerdings nur deshalb gelang, weil Boris mit seinem Eigengewicht versuchte John nach unten zu drücken.
Es sah alles etwas komisch aus, aber angesichts dieser Situation konnte keiner lachen.
Man hörte Tom da unten hantieren und fluchen, bis er kriechend und schnaufend wieder in der Luke erschien und zwar mit den Füssen zuerst, wie er hineingekrochen war.
Boris und John zogen ihn an den Füssen haltend langsam aus dem Schacht.
Verschwitzt und verschmiert, wie ein Mechaniker hörte ich ihn keuchend sagen: „nur ein Provisorium, wir müssen das bald in Ordnung bringen, sonst haben wir das gleiche Problem wieder!“
„Mmmh, “ sagte John, „wie lange wird es wohl halten?“
„Kann ich nicht sagen, “ meinte Tom! „Ein paar Tage oder Wochen?“
Nachdenklich verschwand John im Oberdeck und ich hörte ihn mit irgendwelchen Karten hantieren.
Nach einer endlos scheinenden Zeit rief er die ganze Mannschaft zusammen mit den Worten, „Kommt alle mal her, wir müssen was bereden!“
Er schwebte wieder zu uns ins Unterdeck und heftete eine Karte mit vielen Kreisen und Linien auf die Ablage.
„Nun seht mal her, die Karte muss nicht unbedingt richtig sein, aber wenn ich das richtig deute, haben wir noch mindestens zwei bis drei Monate vor uns, also was tun?
Mein Vorschlag, wir versuchen irgendwo zu landen, damit wir die Reparatur von außen durchführen können. Dann haben wir allerdings danach weniger Treibstoff zur Fortführung unserer Mission.
Oder wir lassen es darauf ankommen und versuchen unseren Zielplaneten ohne Zwischenlandung zu erreichen.
Wie seht ihr das?“
Tumultartiges artikulieren, ein Durcheinander von verschiedenen Meinungen folgte, bis John mit einem sehr lauten „ Hey zusammen“, die Ordnung wieder herstellte und er mit lauten aber eindringlichen Worten sagte, „Nun, es gibt nur zwei Möglichkeiten!
Die Erste, wir landen auf einem Planeten, machen die Reparatur und starten wieder zu unserer Mission.
Dabei verbrauchen wir aber Einiges an Treibstoff der uns unter Umständen fehlen könnte, obwohl wir genügend Reserve haben.
Die Zweite ist, wir gehen auf Risiko und fliegen weiter, mit der möglichen Notwendigkeit einer nochmaligen Reparatur und der Hoffnung, dass diese wieder gelingen wird!
Also, wie steht`s, was habt ihr darauf zu sagen? Halt, Halt, bevor ihr wieder durcheinanderredet besprecht das in kleinen Gruppen und dann stimmen wir ab, o.k.?“
Mein Dad nahm mich und meine Mutter zur Seite und sah uns mit sehr ernster Mine an, „also, was sagt ihr dazu?
Monika, was würdest du tun?“ „Also Hans, ich glaube ich würde weiterfliegen, denn irgendwo landen können wir doch immer noch, oder?“
„Na ja, ganz so einfach ist das sicherlich nicht, “ sagte mein Vater, „denn wenn die gleiche Situation eintritt sind wir vielleicht nicht in der Nähe eines anderen Planeten und wir müssten versuchen den Luftvorrat so zu drosseln, damit eine äußerst lange Luftversorgung mit dem Mindestmaß an Sauerstoff vorhanden ist, falls die nochmalige Reparatur nicht gelingt!“
„Aber wenn wir irgendwo landen und nachher der Treibstoff nicht ausreicht, “ sagte meine Mum?
„Die Reserven sind ausreichend, aber es dürfte dann nicht mehr allzu viel passieren. Das heißt eine nochmalige Notsituation wie diese wäre problematisch, Monika!“
„Trotzdem aber hätten wir diese Option wenn wir weiterfliegen und ich denke eine Landung wäre dann immer noch möglich, oder nicht Hans?“
„Also gut Monika, du hast dich fürs Weiterfliegen entschieden und du Sohnemann?“
„Na ja Dad, was soll ich sagen? Ich glaube Mum hat recht und wir sollten weiterfliegen, oder nicht?“
„Wenn das eure Entscheidung ist, ist es auch die meine, also wir fliegen weiter!“
Kurz danach rief uns John und fragte, „und, wie habt ihr euch entschieden?“
