Sacha - Suzie R. - E-Book

Sacha E-Book

Suzie R.

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Beschreibung

Sacha und Mark treffen sich auf einem Frachtschiff. Sie erleben eine Nacht miteinander. Dann trennen sich ihre Wege. Doch das Schicksal will sie prüfen. Werden sie sich wiedertreffen?

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Seitenzahl: 231

Veröffentlichungsjahr: 2018

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C.Rieck

Helsinkierstr.69

18107 Rostock

Danksagung

Damit dieses Buch entstehen konnte, brauchte ich jede

Menge Hilfe.

Ich bedanke mich bei meiner Nichte Claudia, für ihre

Zeit, ihre Geduld mit mir und für ihre praktische

Beteiligung.

Ein großes Danke geht an meine Testleserinnen,

Conny, Ines, Heike und Corina.

Und last but not least an meinen Ehemann.

Ihr seid die Besten!

Bitte folgen Sie mir:

https://www.facebook.com/profi-le.php?id=100011166220759

INHALT

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

CHARLIE

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

CHARLIE

SACHA

MARK

SACHA

MARK

DESIREE

CHARLIE

SACHA

CHARLIE

DESIREE

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

CHRISTIAN

DESIREE

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA

DESIREE

SACHA

MARK

SACHA

MARK

SACHA&MARK

1 SACHA

Leise zog ich die Kabinentür hinter mir ins Schloss. Die Schuhe in der Hand schlich ich den Gang hinunter bis zu meiner Kammer.

Ich dachte: >hoffentlich begegne ich niemandem. Ich schleiche hier herum wie ein Dieb in der Nacht. <

Ich hatte es eilig. Vorsichtig lugte ich um eine Ecke. Endlich hatte ich den Niedergang zum Unterdeck erreicht. Aufatmend schloss ich meine Kajüte auf, ging hinein, und ließ mich auf den kleinen Hocker fallen. Seit drei Wochen bewohnte ich diesen winzigen Raum. Inzwischen hatte ich mich gemütlich eingerichtet.

Neben die bequeme Schlafkoje, auf das Regal hatte ich einige Bücher und ein Foto meines Vaters gestellt.

Diese Reise war das vorgezogene Geschenk von ihm fürs Abitur. Heute war mein letzter Tag an Bord. Mein Blick fiel in den Spiegel. Ich sah aus wie immer. Schmales Gesicht, Pumuckl-rote Haare. Grüne Augen.

Ich hielt mich für durchschnittlich. Halt ganz normal. Nichts Aufregendes. Ich beugte mich näher zum Spiegel. Das verdächtige Glitzern meiner Augen machte mich stutzig. Die Stirn in Falten gelegt, Schaute ich genauer hin. Mit der Hand fuhr ich mir durch die Haare und dachte, >Sacha, da hast du dir einen Bärendienst erwiesen. Welcher Teufel hat dich geritten, dass du dich mit dem Barkeeper einlassen musstest. <

Verdammte Hacke, jetzt bekam ich zu allem Überfluss, auch noch Kopfschmerzen. Millionen Hämmerchen, hinter meiner Stirn tuckerten. Nervös kramte ich in der Tasche, nach einem Aspirin. Es mussten sich doch noch ein paar Tabletten darin herumtreiben.

>Du solltest keinen Alkohol trinken, wenn du weißt, dass du dieses Zeug nicht verträgst. <

Kurzerhand schüttete ich die Tasche aus. Vor mir auf dem Bett lag ein Berg von Wichtigkeiten, die Frau so braucht. Ich durchwühlte den Haufen aus Geldbörse, Tempos, Lippenstift, Haarbürste und holla, da ist es ja, mein Nähetui. Schon lange hatte ich es vergeblich gesucht. Man konnte nie wissen, ob es nicht doch einmal einen Riss oder Knopf anzunähen gab. Alles war da, nur keine Tabletten. Ich seufzte, dann musste es halt so gehen.

Also beschloss ich, erstmal zu duschen. Das warme Wasser würde mir guttun. Außerdem hatte ich unter dem Strahl Zeit, Gedanken und Gefühle zu ordnen. Ich dachte an Mark. Sofort flatterten Schmetterlinge in meinem Bauch.

Frisch, sauber, mit geputzten Zähnen fühlte ich mich besser.

Mein Blick ging zur Uhr: >Was so spät schon! <

Ich musste mich beeilen, wollte ich das Anlegemanöver am Pier miterleben. Wir legten in San Francisco an.

Hastig stieg ich in die Jeans. Den Wollpulli zog ich mir beim Hinausgehen über den Kopf.

“Passen Sie doch auf!”

Ein Passagier rieb sich die Schulter. Er schaute mich böse an. “Tschuldigung!“

Ich setzte meinen Dackelblick auf. Der Mann winkte ab. Ich rannte weiter.

Um mir einen guten Aussichtspunkt an der Reling zu sichern, musste ich unbedingt rechtzeitig auf dem Oberdeck sein. Ich liebte Anlegemanöver. Zu Hause fuhr ich, jedes Mal wenn ein Kreuzfahrer einlief, zum Hafen, um zuzuschauen.

An die Reling gelehnt bestaunte ich, die vorüber ziehende Stadtteile von San Francisco.

Frisco, die Stadt der Hügel, Traumstadt schlechthin. Das Schiff fuhr durch die enge Passage an der Skyline vorbei. Ich streckte die Hand aus, als wollte ich die golden in der Morgensonne glänzende Fassade eines Wolkenkratzers berühren. Was natürlich vollkommen unmöglich war. Die Häuser standen viel zu weit entfernt.

Unser Frachter steuerte Port Yerba buena, an. Von hier aus erreichte man die City zu Fuß. Ich freute mich unbändig.

Eine Woche in San Francisco. Jeden einzelnen Tag hatte ich genau verplant. Ich wollte Cable Car fahren, mir die Lombard Street ansehen, in China Town Dim Sum essen und die Seehunde am Pier 39, an der Fisherman´s Wharf besuchen.

***

Aufgeregt kramte ich in den Tiefen meiner Tasche.

>Wo war dieses winzige Ding nur abgeblieben? <

Mit Sicherheit hatte ich die Kamera eingesteckt. Suchend steckte ich bis zur Schulter und mit dem halben Kopf in der Tasche. Endlich fühlten meine Finger etwas Metallenes. Triumphierend tauchte ich, die kleine Nikon in der Hand, wieder auf.

Ich schoss ein paar Fotos. Dabei beschlich mich ein komisches Gefühl. Meine Nackenhaare stellten sich auf.

>Ob mich jemand beobachtete? < Verstohlen sah ich mich um. Einige wenige Passagiere und Crew hielten sich in hier auf.

>komisch!< Mit Schulterzucken tat ich das Gefühl ab, widmete mich weiter meinen Fotos und der grandiosen

Aussicht auf die Stadt.

“Schön, nicht?“

Die Hand vor meine Brust gepresst wandte ich mich um.

“Oh Gott, Sie haben mich erschreckt!“

Vor mir stand ein älterer Herr. Er schmunzelte mich an.

“Das tut mir leid, ich wollte Sie nicht erschrecken.“

Seine Hand zeigte zur Stadt hinüber: “Frisco ist wunderschön. Ich habe mich sofort verliebt. Das war vor vierzig Jahren. Meine Frau habe ich hier

kennengelernt. Seitdem waren wir jedes Jahr gemeinsam hier«, wehmütig setzte er hinzu, "so ist das Leben. Die einen kommen zum ersten Mal und die anderen, um Abschied zu nehmen.”

Zustimmend nickte ich.

“Ja, es ist auch meine Traumstadt. Hätte nie geglaubt einmal, hier zu stehen und das alles mit eigenen Augen sehen zu können.“

Er tippte sich an den Hut und schritt davon.

Einigermaßen erstaunt sah ich ihm nach.

Da nahm ich es wieder wahr, dieses Kribbeln im Nacken. Vorsichtig sah ich mich genauer um, konnte jedoch niemanden entdecken.

2 MARK

Ich stand oben auf meinem Balkon. Seit ein paar Tagen bewohnte ich die Schiffseignerkabine. Ich schaute dem Anlegemanöver zu. Im Gegensatz zu den meisten Passagieren hatte ich einen Logenplatz. Selbst von hier oben konnte ich ihr Gesicht deutlich erkennen. Ihre langen roten Haare flatterten im Seewind.

Nachdenklich versuchte ich, mich an ihre Augenfarbe zu erinnern.

Es wollte mir nicht einfallen. Dafür hatte ich ihr schmales Gesicht vor Augen. Ihre Haut rosig, samtweich, die leicht schräg stehenden Augen und die Sommersprossen über der Nase gaben ihr ein außergewöhnliches Aussehen. Ich musste lächeln. Das Ungewöhnliche hatte mich magisch angezogen. Sie war nicht schön im klassischen Sinn, aber wenn sich ihr roter Mund zum Lächeln verzog, wurde sie zur Schönheit. Sie glaubte, ich sei der Barkeeper. Ich musste sie unbedingt näher kennenlernen. Ich wollte sie küssen.

Sie sprach mit einem der Passagiere. Zu gerne wüsste ich, was der Mann zu ihr sagte und damit ihr Gesicht zum Leuchten brachte. Einen Augenblick lang glaubte ich, sie hätte mich entdeckt.

Es schien, als beobachtete sie ihre Umgebung. Kurz streifte mich ihr Blick. Schnell trat ich von der Balustrade zurück.

Es klopfte. Unwillig trat ich in mein Arbeitszimmer. Auf dem Tisch stand mein Laptop. Ich hatte, bevor ich auf den Balkon hinaustrat, am Abschlussbericht gearbeitet.

Ich schloss die Datei. Es wäre nicht hilfreich, wenn jemand den Text las. Der Inhalt war zu brisant, als dass der Kapitän davon hätte erfahren dürften. Ich empfand es als Schlimm genug, dass mein Inkognito aufgeflogen war.

“Herein!“

Der Steward trat ein. Er machte einen langen Hals, um meinen Desktop zu checken. Sachas Foto flimmerte über den Bildschirm. Ich hatte vor einigen Tagen heimlich ein Foto von ihr geschossen.

Ich gebe es zu, sie faszinierte mich.

“Was gibt’s?“, fragte ich.

“Herr de Fries, der Kapitän möchte bevor sie Absteigen noch auf ein Gespräch in seine Kajüte bitten. Vorher aber, will er das Anlegemanöver noch selber befehligen.

Wenn es Ihnen recht ist, treffen sie sich danach.“

Ich nickte. “Gut, teilen Sie dem Käpten meine Zustimmung mit.”

Er zeigte auf den Esstisch: “Kann ich abräumen?”

Seit sich auf dem Schiff herum gesprochen hatte, wer ich war, überschlugen sich die Crew und die Offiziere vor Dienstbeflissenheit. Ursprünglich heuerte ich als Matrose an.

Unbehelligt wollte ich meiner Arbeit, die Mannschaft und die Offiziere zu kontrollieren, nachgehen.

Mir ist nach wie vor nicht klar, wie es passieren konnte, dass mein Inkognito aufflog.

Einzig der Zahlmeister war eingeweiht.

Zwei Wochen lang recherchierte ich. Die Crew hielt mich als einen von ihnen. Ich kam mit meinen Beobachtungen voran.

***

Gelegentlich nahmen unsere Frachter Passagiere mit an Bord.

Meistens ältere Menschen, die Zeit hatten und die Ruhe schätzten. Unsere Passagen kamen den Mitreisenden nicht so teuer wie auf den Kreuzfahrern. Dafür reisten die Leute nicht auf festen Routen und sahen mehr von der Welt.

Wie dem auch sei, nach zwei Wochen flog ich auf, zog aus den Mannschaftsquartieren aus und in die Schiffseigner Kabine ein.

Ich trat noch einmal hinaus auf den Balkon, um zu sehen, ob Sacha noch da war. Bevor sie das Schiff verließ, wollte ich unbedingt mit ihr über vergangene Nacht reden.

Im Grunde genommen plante ich sie zu überreden die nächste Zeit mit mir zu verbringen. Ich wollte sie kennenlernen.

3 SACHA

Der Frachter hatte festgemacht. Ich holte, meine Sachen als ich über das Sonnendeck schlenderte, musste ich an meinen nächtlichen Gastgeber, Mark denken. Hier trafen wie uns zum ersten Mal. Das heißt, so ganz stimmte das nicht. Aufgefallen war er mir vorher. Ein Typ wie aus dem Playboy. Groß, muskulös und wie ich gesehen hatte auch noch nett zu den Gästen.

Mein Vater, so dachte ich wäre nicht begeistert von ihm.

Also der perfekte Schwiegersohn. An diesem Tag Lümmelte ich auf der Liege und träumte vor mich hin.

Eben strampelte ich mit meinem Fahrrad über die Hochebene von Nepal. Himalaja, ich musste grinsen, als ob ich jemals mit dem pinken Holländerrad dort hinkommen würde.

>Man wird ja nochmal träumen dürfen.< “Was?“

Ich schob mir die Brille hoch. Er hockte vor mir und schüttelte eine Flasche Sonnenlotion.

„Darf ich Dir einen Drink bringen oder den Rücken einreiben?”

Ich rollte die Augen.

“Wenn das eine Anmache sein soll, hast Du dein Pulver umsonst verschossen. Kein Interesse.”

Ich wedelte mit der Hand: “Geh mir aus der Sonne.”

Er ließ sich auf die freie Liege neben mir fallen und schloss die Augen. “Hm.“, seufzte er genüsslich.

“So ein Sonnenbad ist Entspannung pur.“

Demonstrativ rekelte er sich in der Sonne. Zu allem Überfluss packte er sich meine aufgeschlagene Illustrierte aufs Gesicht.

Entgeistert sah ich ihn an. “Dürfen Sie das?“

Hektisch sah mich um. Niemand schien Anstoß zu nehmen.

Unter dem Journal nuschelte es hervor: “Du musst dich entspannen Schätzchen.”

Wie hatte er mich genannt? Mir fielen fast die Ohren ab.“Schätzchen?“

Ich sah förmlich sein grinsendes Gesicht unter der Zeitung.

“Ich bin nicht Ihr Schätzchen!”, blaffte ich. Merken Sie sich das. Ernsthaft wütend stieß mich seine herablassende Äußerung ab.

Er nahm die Zeitung herunter, ich sah in sein lachendes Gesicht. Niedliche kleine Grübchen hatten sich an seinen Wangen eingegraben.

Einen Moment lang stockte mir der Atem. Seine Augen leuchteten und die Mundwinkel sagten seinen Ohren “guten Tag.” Er erhob sich, strahlte mich an, verbeugte sich formvollendet wie ein echter Gentlemen: “Mein Name ist Mark.”

“Mark-wer?”

“Einfach nur Mark.”

Er nahm meine Hand und sah mir ins Gesicht.

“Sacha.”

Er stutzte. Ich zuckte mit den Schultern, theatralisch setzte ich hinzu: „Sacha, ist die Koseform von Alexandra und ich werde Französisch geschrieben, Sacha, mit c.h.”

"Jetzt, da wir uns kennen, darf ich dich für heute Abend zum Kapitänsdinner einladen? Heute ist der letzte Abend der meisten Passagiere hier an Bord. Es ist eine Tradition, dass der Kapitän zum Essen einlädt.”

Geschmeichelt nickte ich.

***

Ein Offizier trat an uns heran und schnauzte Mark an.

“Matrose, was tun Sie hier? Haben Sie nichts zu erledigen?”

Mark salutierte flapsig, antwortete: “Ich habe eine Einladung überbracht.“

Er zwinkerte mir zu und schritt davon. Über den Brillenrand hinweg schielte ich ihm nach. >schnucklig<, dennoch sah ich keinen Grund, auf seinen Annäherungsversuch einzugehen. Ich beobachtete, wie er mit den anderen Passagieren Smalltalk hielt, dann ließ ich mich auf meine Liege fallen, um mich weiter in der Sonne zu brutzeln.

Mein Tagtraum war noch nicht zu Ende geträumt, ich wollte ihn beenden. So sehr ich mich mühte, es gelang mir nicht.

Stattdessen schlich sich aus meinem Hinterkopf eine Unruhe an. Ein ungutes Bauchgefühl. Ich dachte an Vater, sein seltsames Verhalten bei meiner Abreise beunruhigte mich. Ich liebte ihn innig. Er war mir Vater und Mutter gleichermaßen gewesen. An sie konnte ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Es gab in unserem Haushalt nirgends ein Bild von ihr oder etwas anderes, das ihr gehört hatte.

Früher fragte ich ab und zu noch nach ihr. Später nicht mehr. Weil ich merkte, dass mein Vater nicht gerne über sie sprach. Also ließ ich es einfach bleiben. Im Allgemeinen hatte ich sie auch nie vermisst. Nur, wenn so peinliche Dinge passierten, die ein Mädchen mit seiner Mutter besprach.

Nun ja, dafür gab es ja Charlies Mutter. Charlie meine beste Freundin, eigentlich hießt sie Charlotte Werner.

Wir kannten uns seit der ersten Klasse in der Grundschule. Ich lebte in ihrer Familie. Die Werners hatten mich quasi als ihre Ziehtochter adoptiert.

So sehr ich die Reise genoss, ich freute mich auf Charlie.

Unsere endlosen Talks am Telefon oder über Skype.

Wir fanden immer etwas, um zu quatschen, selbst wenn wir uns kurz zuvor gesehen hatten.

Wenn mein Vater auch keine Hilfe war, was Mädchensachen betraf, so unschlagbar war er im Organisieren von Ausflügen. Einmal monatlich machten wir einen kurz Trip. Meistens eine Fahrt ins Blaue. Wir nahmen eine Umgebungskarte, ich tippte mit geschlossenen Augen darauf, schon kannten wir unser Ziel. Wenn´s ans Tippen ging, schmulte ich durch die Wimpern. Am meisten mochte ich die Fahrten mit dem Fahrrad. Dabei nahmen wir immer einen Picknickkorb mit, ließen uns an einem Waldrand, See, einer Wiese nieder, um zu essen.

Wenn wir eine Burg, ein Schloss besuchten, dann erzählte mir Vater regelmäßig spannende Geschichten aus der Vergangenheit der Gemäuer. Meine überbordende Fantasie erledigte dann den Rest.

Später, verlagerten sich, die Interessen von mir auf andere Gebiete. Unsere Ausflüge wurden seltener, bis wir sie ganz einstellten.

Mein Vater begann zu kränkeln. Er sprach mit mir nicht, aber ich bemerkte, wie sich die Menge der Tabletten, die er einnahm, steigerte. Da er offensichtlich nicht mit mir reden wollte, spielte ich Vogel Strauß und tat als sei alles in schönster Ordnung.

Nur gelegentlich beschlich mich ein dumpfes Angstgefühl. Genauso, wie es mich gerade überkam.

Da es nichts mehr mit dem Träumen wurde, beschloss ich, damit aufzuhören. Ich sammelte meine Utensilien zusammen und machte mich davon.

4 MARK

Ich nahm mir vor, Sacha noch eine Weile im unklaren darüber zu lassen, wer ich bin. Es hatte mir Spaß gemacht, sie zu necken.

Ich spazierte auf das Sonnendeck, um ein wenig Sonne abzukriegen und in Ruhe mit meinem Bruder Christian zu telefonieren. Sie lag da, und sah so niedlich aus. Ich hatte den Eindruck, als befände sie sich weit weg von hier. Ich konnte nicht leugnen, dass sie mir auf den ersten Blick gefiel. Sie war mir am ersten Abend auf dem Schiff aufgefallen. Einzige sie erschien nicht nach dem Essen an der Bar, um einen Absacker zu nehmen.

Die meisten Passagiere fanden sich nach dem Dinner, an der Bar ein, um Musik zu hören, sich zu unterhalten und zu trinken. Nur sie nicht. Sie war auch, die einzige Alleinreisende. Dennoch machte sie nie den Eindruck, sonderlich einsam zu sein.

Ich hatte sie beobachtet. Meistens saß sie in eine Decke gehüllt bis spät in der Nacht oben auf dem Sonnendeck und schaute hinaus aufs Wasser. Ich versuchte tagsüber, wenn ich über Deck ging, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Manchmal saß sie in der Lounge und las.

Meistens eines dieser Bücher mit buntem Deckel, einem eng umschlungenen Paar darauf. Als Crewmitglied war es mir natürlich verboten, mich ohne triftigen Grund in den Passagierbereichen aufzuhalten. Aber die gab es genug, nur die Gegenwart andere Leute störte, was es mir erheblich erschwerte, mit ihr zu flirten. Leider war ich durch meine Arbeit als Barkeeper gezwungen, in eben dieser Bar zu sein, anstatt ihr Gesellschaft leisten zu können.

Deshalb lud ich sie zum Abschlussdinner an den Tisch des Kapitäns ein. Schade nur, dass der Erste vorbeikam und den Chef raushängen ließ. Natürlich machte ich sie an. Und natürlich fand ich meine Anmache reichlich plump. Mir fehlte die Zeit, ich sah keinen anderen Weg, mein Inkognito zu wahren.

Beim Obersteward meldete ich sie als zusätzlichen Gast an. Ich hoffte, sie ließ es sich nicht nehmen, zum Essen zu erscheinen.

Einige Zeit später betrat ich meine Kajüte. Ich holte mein Telefon aus der Tasche, stöpselte es an meinen Rechner an. Dann lud ich das heimlich geschossene Foto von ihr auf den Desktop. Da war sie. Sie sah so unschuldig, engelsgleich, einfach bezaubernd aus. Mein Herz flatterte. Ich holte tief Luft. Erregung schoss durch mich hindurch. Mein bestes Stück machte sich bemerkbar. Sodass ich mich ernstlich zur Ordnung rufen musste. Ich wollte sie um jeden Preis näher kennenlernen. Mädchen wie sie gehörten sonst nicht zu meinem Beuteschema.

Ich bevorzugte Ladys, gelangweilt vor allem aber, verheiratet. Ich wollte keine Probleme.

Bei ihr fühlte es sich anders an. Mein Herz klopfte, ich interessierte mich für sie. Mein Jagdinstinkt erwachte.

Ich dachte laut vor mich hin: Sacha,

>du bist mir ins Herz gesprungen. < Ich seufzte tief, lies mich in den Sessel fallen und rief endlich meinen Bruder an.

5 SACHA

Verzweifelt stand ich vor meinem Spind. Denn als Schrank konnte man dieses schmale Gebilde beileibe nicht bezeichnen, und sah meine Kleider durch.

Viel gab es da nicht zu gucken. Ich hatte mich auf Praktisches verlegt. Also Jeans, in jeder Form, T-Shirts.

Schließlich fuhr ich nicht auf einem Luxusliner, sondern auf einem Containerfrachter über den Ozean. Da stand ich probierte aus und verwarf wieder. Es war zum Mäusemelken, ich fand nichts, was für diesen Abend passend wäre.

Außerdem Kapitänsdinner auf einem Frachter? Was sollte das sein? Das Eisbombendefilee, welches ich in Filmen, die auf Luxuslinern spielten, gesehen hatte, würde es bestimmt nicht geben. Mein Magen grummelte. Ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmte, ganz und gar nicht stimmte. Hoffentlich war es nur ein etwas größeres Abendessen. Ich hatte keinen blassen Schimmer davon, was mir bevorstand. Vor allem hatte ich keine Ahnung, was von mir erwartet wurde. Viel lieber wollte ich in der Mannschaftsmesse meine Spaghetti mit Tomatensoße essen. So stand ich ziemlich nervös in meiner Kammer herum und vertrödelte die Zeit.

Das Essen sollte um 20 Uhr beginnen, jetzt war es Viertel vor und ich noch immer kein Stück weiter.

Entschlossen zog ich meinen schwarzen Stiftrock und die weiße Rüschenbluse an.

Diese Bluse und den Rock hatte ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung eingepackt. Ich hatte die zwei Teile noch nie getragen. Mein Vater schenkte sie mir. Er glaubte wohl, so etwas wäre modern und chic.

Ein Blick in den Spiegel sagte mir, -Oma- bestenfalls Sekretärinnen Look.

Zum Umziehen blieb mir keine Minute mehr, ich kam eh viel zu spät.

Also Augen zu und durch. Oder. Ich machte es wie Julia Roberts in Pretty Women, immer Lächeln, auch wenn die Situation noch so vertrackt erschien.

***

Mit fliegenden Fahnen verließ ich mein Quartier. Kurz vor dem Aufgang stoppte ich abrupt. Siedend heiß durch fuhr mich die Erkenntnis. Dinner, Besteck-Reihenfolge- keine Ahnung! Entschlossen machte ich kehrt. Es war sowieso schon alles egal. Ich kam zu spät.

Da machten ein paar Minuten mehr oder weniger, den Kohl auch nicht mehr fett.

Ich nahm mein Smartphone, gab in den Browser »Dinner und Besteckreihenfolge« ein. Es dauerte, bis sich die Seite aufbaute. Ich stand mitten im Aufgang und vor allem, Allen im Weg. Nervös kaute ich an meinen Fingern. Allmählich brach mir der Schweiß aus.

Ich schwitzte immer, wenn ich unter Stress stand.

Endlich! Schnell scrollte ich durch die Einträge, bis ich fand, was ich suchte. Erleichtert machte ich mich auf, zum Essen. Der Frachter war groß und die Gänge lang.

Ich hatte auf dem Weg zur Offiziersmesse Zeit genug mir einzugestehen, dass ich nicht zum Kapitänsdinner gehen wollte. Meine Schritte wurden immer langsamer und langsamer, bis ich schließlich ganz stehen blieb.

Entschlossen kehrte ich um.

6 MARK

Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass Sacha meine Einladung ausschlagen würde. Ich hatte mich in den Smoking geworfen. Der Kapitän hatte semiformelle Kleidung für das Essen vorgeschrieben. Das bedeutete Abendanzug oder Uniform für die Herren, die Damen kamen bitte im Kleid. Ich hoffte, Sacha würde das wissen, extra hatte ich es nicht erwähnt.

Dass sie es vorzog, nicht zu erscheinen, kam einer Beleidigung gleich. Ich war mir sicher, dass sie sich dessen nicht bewusst war.

"Wollten sie heute Abend nicht einen Gast mitbringen?"

Der Kapitän sah mich an, und zwinkerte vielsagend zum freien Platz neben mir. Ich kam mir dämlich vor, als ich eingestand: "Das dachte ich auch. Ich habe keine Ahnung, wo die junge Dame bleibt. Der Steward wollte sie abholen. Er kam zu spät. Sie war schon weg."

Hämisch grinsend verbarg sich der Erste hinter der Abendkarte.

Ich hörte, wie er seinem Nachbarn zu raunte, das käme davon, wenn der Kapitän die Crew zum Essen einlüde, dann blieben Stühle leer.

Ich musste mich zusammenreißen, um diesem aufgeblasenen Tropf nicht gleich hier und jetzt am Tisch die Meinung zu geigen. Der Kapitän räusperte sich laut, woraufhin der Erste sofort verstummte.

Trotzdem blieb, für mich die Frage im Raum stehen.

Wo war Sacha?

Ich fühlte mich enttäuscht und besorgt zugleich. Zudem beunruhigte mich die Tatsache, dass wenn ich Sacha kennenlernen wollte, ich keine Gelegenheit mehr haben würde.

7 SACHA

Ich hatte es mir anders überlegt. Es war nicht nett von mir, eine Einladung auszuschlagen. Außer Puste kam ich vor der Offiziersmesse an. Gerade hob ich die Hand, um anzuklopfen, als die Tür aufgestoßen wurde und ein Steward mit Geschirr beladen rückwärts den Raum verließ.

Geistesgegenwärtig sprang ich zur Seite, um dem Mann den Weg frei zu geben.

Mein Blick fiel auf den großenTisch in der Mitte der Messe. Er war leer.

Oh Sch…, ich hatte das Essen vertrödelt.

In mir machte sich Erleichterung breit, gleichzeitig schämte ich mich auch. Hin- und hergerissen zwischen meinen widerstrebenden Gefühlen kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Ratlos stand ich im Gang. Was sollte ich bloß tun?

Zu allem Überfluss knurrte mein Magen laut und vernehmlich. >Na prima. < dachte ich. >Hunger hast du auch noch ich auch noch. <

Ich überlegte mir, dass eine Entschuldigung angebracht wäre. Was mich zu der Frage führte:

>wo finde ich Mark? < Mein erster Anlaufpunkt, das Oberdeck. Hier hatte ich ihn öfter stehen sehen. Hoffentlich hielt er sich da auf, das würde mir die Sache mit der Entschuldigung ungemein erleichtern.

Leider, Pech gehabt. Es wäre auch zu schön gewesen, ohne Publikum. Mir blieb nichts weiter übrig, als mein Glück an der Bar zu versuchen.

Wie ich es nicht anderes erwartet hatte. Als ich hereinkam, stand er hinter dem Tresen. Schnell tat ich einen Rundumblick. Die Bar schien gut besucht zu sein. Sämtliche Tische, waren besetzt. Einer der Gäste verließ den Raum. Ich ließ mich auf dem frei gewordenen Platz nieder.

Mark blitzte mich aus zusammengekniffenen Augen an.

“Einen Martini, bitte.“ Seine Augenbraue verschwand fast unter seinem Haaransatz, er spöttelte.

“Gerührt oder geschüttelt?“

Ich kannte den Spruch und erwiderte: “Geschüttelt!“

Mark nickte. “Natürlich geschüttelt.”

Fasziniert, sah ich zu wie er die verschiedenen Getränke in den Behälter tat und den Shaker schüttelte. Nicht so ein einfaches hin-und her, sondern mit Hüftschwung im Rhythmus der Musik.

Wortlos stellte er das Glas vor mir ab.

Misstrauisch beäugte ich den Inhalt. Ich hatte noch nie Cocktails getrunken. Mir war so schnell kein anderes Getränk eingefallen, das ich hätte bestellen können. Der Zeitpunkt erschien mir günstig, für meinen ersten richtigen Drink.

Vorerst begnügte ich mich mit der Olive, die aufgespießt im Glas hing.

Vorsichtig nippte ich. Hm,-irgendwie Lecker. Der Alkohol brannte sich seinen Weg durch die Speiseröhre.

Mir schossen Tränen in die Augen, während er in meinen Magen floss. Aber daran gewöhnte ich mich.

Im Handumdrehen hatte ich das Glas ausgenippt. Der Drink schmeckte. Gleich bestellte ich noch einen Martini nach. Sofort hatte ich auch diesen Aperitif ausgeschlürft.

Es dauerte nicht lange und ich fühlte mich klasse, so wunderbar leicht förmlich aufgekratzt.

Ein paar von den Erdnüssen, die Mark in einem Schälchen hingestellt hatte, ließ ich in meinen Mund rieseln. Sie dämpften den Hunger, der in meinem Magen rumorte. Beschwingt sprang ich vom Hocker, tänzelte zur Musikbox.

8 MARK

Sie betrat die Bar. Mein Herz klopfte wie wild in meiner Brust. Ich hatte zu tun, eine gleichgültige Mine zur Schau zu tagen. Wie jeden Abend während dieser Reise stand ich hinter dem Tresen.

Die Mannschaft und die Gäste trafen sich hier all abendlich auf einen Drink. Sie stand da, und schaute sich um.

Ich gab dem Typen am Ende des Tresens einen Wink, der kapierte und verschwand.

Sacha setzte sich, bestellte großspurig einen Martini.

Erst dachte ich, ich hätte mich verhört. Also kam ich mit dem blöden Spruch geschüttelt und nicht gerührt rüber. Sie ging darauf ein.

Erstaunlich. Sacha trank den Cocktail, als wäre er Wasser und bestellte sofort den nächsten nach. Auch diesen schlürfte sie weg, wie Bonbonwasser. Sie schob mir ihr Glas zu: "Noch einen."

Zu allem Überfluss hopste sie vom Hocker und schlenderte Hüften schwingend zur Musikbox. Sie übertrieb fürchterlich.

Ich nahm das Getuschel der Männer ringsumher wahr.

Sie suchte sich eine Rumba aus. Sie bewegte sich zur Musik.

Mit langsamen fast lasziven Bewegungen animierte sie einen der Jungs, mit ihr zu tanzen. Sie hatte sich ausgerechnet unseren Benjamin, ausgesucht. Mir tat der Schiffsjunge ein bisschen leid.

Er würde es später nicht leicht haben. Die Matrosen würden ihn hänseln, aber wahrscheinlich gehörte auch das zum Erwachsen werden in einer Männergesellschaft mit dazu.

Die Männer schlugen sich auf die Schenkel und feuerten ihn an. Einer von Ihnen rief: "Ich glaub’s, nich der Kleine hat sich getraut die scharfe Tussi zu rocken."

Der Tanz war zu Ende. Beide traten zu mir an die Bar.

Der Matrose bestellte:, "Ein Bier und für die Lady, noch einmal das selbe.“

Er zeigte auf das Glas in dem noch ein Rest vom Martini den Boden bedeckte.

Sacha widersprach. "Ich möchte auch ein Bier."

Ich schüttelte den Kopf. Und stellte ihr trotzdem das Gewünschte hin. Schließlich war sie erwachsen und wusste, was sie tat.

Er zog sie eng an sich.. Sacha rückte von ihm ab.

Hastig schüttete sie, sich das Bier in den Hals.

Sie schlenderte zum Türstock. Dort lehnte sie sich dagegen, reckte sich in die Höhe, rutschte mit Hüftschwüngen daran entlang, als wäre die Tür eine Tanzstange. Ihr Rock rutschte nach oben und gab einen ausgiebige Sicht auf ihre Schenkel frei. Sie ließ ihre verschleierten Blicke in die Runde schweifen.

Es lag eine gespannte Stimmung im Raum. Die Luft geschwängert von Alkoholdunst und dem Geruch von Schweiß.

Der Matrose umarmte Sacha besitzergreifend, er legte sein Gesicht in ihre Halsbeuge. Er presste sie mit seinem Körper an den Türpfosten. Mit ihren Händen auf seinen Schultern versuchte sie, sich aus seiner Umklammerung zu befreien. Er wollte sie küssen. Sie drehte den Kopf zur Seite, er traf ihre Wange.

Der Kerl rückte ihr zudringlich auf die Pelle. Als er auch noch Sachas Brüste begrapschte, hatte ich endgültig die Nase voll.

Ich schob ihn zur Seite und bugsierte sie hinaus.

Die Tür fiel hinter uns ins Schloss. Wir waren allein.