Saga of Knights and Magic - Philipp Schumann - E-Book

Saga of Knights and Magic E-Book

Philipp Schumann

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Beschreibung

Im mystischen Land Berondia ist die junge Elementarmagierin Seefa auf der Suche nach einem mächtigen Artefakt, um ihre Kräfte zu steigern und die entführte Königin aus den Fängen eines bösartigen Dämons zu befreien...

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Seitenzahl: 425

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Prolog

Kapitel 1 – Quelle der Macht

Kapitel 2 – Meine Schuld

Kapitel 3 – König von Berondia

Kapitel 4 – Finstere Klänge

Kapitel 5 – Die Mission

Kapitel 6 – Talentsuche

Kapitel 7 – Ein holpriger Ritt

Kapitel 8 – Höhen und Tiefen

Kapitel 9 – Die Belagerung

Kapitel 10 – Magiebrecher

Kapitel 11 – Rote Perle

Kapitel 12 – Herz des Underdogs

Kapitel 13 – Ohne Dich

Kapitel 14 – Folterknecht

Kapitel 15 – Hort der Verdammten

Kapitel 16 – Entfesselte Wahrheit

Kapitel 17 – Unbändiger Glaube

Kapitel 18 – Das Licht der Hoffnung

Epilog

Entstehungsgeschichte

Lieber Leser (ohne :innen und/oder :außen),

Dieses Buch ist 2024 aus der Idee entstanden ein tolles Geburtstagsgeschenk für meine Freundin Seena zu kreieren. Sie wollte schon immer gerne zaubern können, also war mein erster Gedanke: Basteln wir mit K.I.-Hilfe mal ein Bild von ihr, wie sie als Magierin aussehen würde.

Das hat zwar ganz gut geklappt, hat mich aber noch nicht wirklich vom Hocker gehauen. Da wir in unserer Beziehung regelmäßig grandiose selbstgemachte Geschenke füreinander auf die Beine stellen, wollte ich die Idee natürlich etwas ausbauen.

Meine Gedanken kreisten umher und ich begann mich zu fragen, wie sie ihren Alltag als Zauberin wohl verbringen und wie sich dabei der Umgang mit Freunden und Familie ändern könnte. Und was wäre, wenn auch sie alle magische Fähigkeiten hätten?

Um mir das alles besser vorstellen zu können, habe sie ebenfalls als Artwork generiert. Jetzt hatte ich eine breite Kollektion an Bildern von Rittern, Zauberern, sowie einigen mystischen Wesen erschaffen, die mich mit zuckenden Schultern anstarrten. Und was nun? Ich konnte ihr ja schlecht nur das schenken. Zum Glück war es gerade erst Februar, also war der Druck noch nicht sehr groß. Bis Mai hatte ich noch jede Menge Zeit.

Nachdem mich eine Knieoperation im März dazu zwang arbeitstechnisch eine Weile kürzer zu treten, dachte ich intensiv darüber nach eine kleine Kurzgeschichte zu dem Bild von ihr und den Anderen zu schreiben. Ich verbrachte mehrere Tage damit, mir eine kleine witzige Storyline auszudenken und meine neu erschaffenen Charaktere einfach in diese langsam entstehende Welt reinzuwerfen. Jedoch schien es schon nach einigen Stunden darauf hinauszulaufen, dass es nicht bei ein paar Seiten bleiben würde, wenn ich so viele Figuren unterbringen möchte. Es entstanden in den folgenden 2 Tagen etwa 8 Kapitel, weiche maximal 2-3 Seiten haben sollten. Der grobe Inhalt dieses Buches war sogar schon entfernt zu erkennen.

Dennoch wurde mir, während ich ganz oldschool mit einem Bleistift sorglos die ungefähre Storyline auf zwei Blatt Papier kritzelte, eine Sache schnell klar: Ich habe absolut keine Ahnung wie man sowas korrekt strukturiert. Schließlich wollte ich mir ja nicht so viel Arbeit machen und meiner Geliebten am Ende einen Haufen zusammenhanglosen Blödsinn schreiben.

Ich ging also ins nächstgelegene Internet und füllte mein Hirn mit allem Wissenswerten über das Strukturieren eines Skripts. Als ich alles über Einleitungen, Spannungsbögen, Höhepunkte und vieles mehr in meinen Denkapparat gehämmert hatte, setzte ich mich wieder an meine Storyline. Mit breiter Brust überarbeitete ich alles und hatte nach nur wenigen Stunden ein (so dachte ich) finales Konzept mit 10 Kapiteln, mit je fünf A4 Seiten vor mir.

Leider taten sich vor mir nun noch mehr Fragen auf. Wie kriege ich meine Figuren jetzt von A nach B? Was sollen sie sich erzählen und noch viel wichtiger: Wie schaffe ich es, dass es auch noch Spaß macht das zu lesen? Ich war selbst noch nie jemand der gerne Bücher las (Mangas zählen da vielleicht nur bedingt), was mein mittlerweile ohnehin schon ambitioniertes Projekt noch erschwerte.

Mir blieb wieder keine Wahl, als die allmächtigen Götter des Internets nach Erleuchtung zu Fragen. Nach unzähligen Videos, Artikeln und How-To‘s für unerfahrene Volldeppen, wurde mir allerspätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass das was ich qualitativ erreichen wollte, ein hartes Stück Arbeit wird. Ergo verbrachte ich im geweihten Land des Werbung-weg-klickens, die nächsten 3 Wochen damit zu lernen…

Jeden Tag saugte mein Verstand stundenlang alles über Dramaturgie, Charakterentwicklung, Worldbuilding, Protagonisten, Antagonisten, Support-Chars, Magiesysteme, Easter Eggs und noch unzähliges mehr in sich auf. Es fühlte sich an, als würde ich einen völlig neuen Beruf erlernen und das mehr hinter einem guten Buch steckt als die Beschreibung von Explosionen oder cleveres Marketing. (Wobei Explosionen immer gut kommen wie ich finde).

Doch nicht nur diese Hürde musste ich nehmen. Während ich die ganze Zeit an die Couch gefesselt war und sich meine Freundin neben der Arbeit noch liebevoll um mich kümmerte, war es dabei recht knifflig die ganze Sache vor ihr geheim zu halten.

Im Laufe der Wochen, insbesondere wenn wir abends mal einen Film oder eine Serie schauten, platzte unbewusst mein neues Wissen klugscheißerisch mehr und mehr aus mir heraus. Ich kommentierte immer häufiger bestimmte Stilmittel des Drehbuchs, verriet großkotzig schon nach Sekunden wer der Böse ist, was die Charaktere als nächstes tun würden oder wie sie dieses / jenes Problem angehen könnten. Selbst ob und warum ein Ende sich erfüllend oder eher enttäuschend angefühlt hat, konnte ich erklären. Auch wenn es meine Freundin nervte, dass ich ständig meine vorlaute Klappe aufriss, war sie dennoch fasziniert, wie ich das denn immer alles wissen, bzw. vorhersagen könnte.

Da wurde mir bewusst, mein bescheidener Denkmuskel schien zumindest die Grundprinzipien dessen, was er zum Stemmen bekommen hat, endlich begriffen zu haben. Natürlich war ich nicht so dumm zu glauben, ich wäre jetzt ein Meister-Autor. Dennoch war ich wie üblich selbstsicher, dass mein Wissensstand für meinen Plan jetzt erstmal reichen würde.

Der März neigte sich langsam dem Ende zu und bis zu ihrem Geburtstag blieben mir ja auch nur noch 2 Monate. Es war nun an der Zeit “Learning by Doing“ zu praktizieren und einfach loszulegen. Euphorisch, ob meiner neuen Fähigkeiten, war das erste Kapitel bereits in wenigen Tagen geschrieben. Selbstverständlich war ich überzeugt von meiner Arbeit, schwang da aber eventuell auch ein kleiner Teil Überheblichkeit mit.

Um dieser Charakterschwäche nicht zu erliegen, fragte ich meinen Freund Wolfgang, der seit Jahren in Österreich lebte, ob er mal drüber schauen könnte. Ich schätzte seine Ausdrucksfähigkeiten im schriftlichen Bereich schon seit der Schulzeit. Er half mir sehr gerne, las das Kapitel, zerriss es in der Luft und schickte mir nicht mal eine Woche später meinen Entwurf mit unzähligen Anmerkungen zurück, während ich eigentlich schon mitten im zweiten Kapitel steckte. Wir führten einige Telefonate und tauschten uns über so viele Details aus, die nicht stimmig waren, sodass ich wieder hart auf dem Boden der Tatsachen landete.

Wieder trat ich meine Reise ins ferne Land Internet an und forschte noch mehr über die tiefsten Tiefen des Roman-Schreibens, während ich Kapitel 2 fertig stellte. Es war jetzt Mitte April und anstatt 5 Seiten, hatten meine beiden Kapitel jeweils schon mehr als das Doppelte. Die Grundidee einer Kurzgeschichte wurde nun endgültig beerdigt und auch das Datum der Fertigstellung wackelte bedenklich.

Hinzu kam, dass ich langsam wieder genesen war und meine berufliche Tätigkeit wieder mehr Aufmerksamkeit von mir erforderte. Ich nahm mir vor, dennoch weiterhin zu schreiben und das Geschenk auf Weihnachten zu verschieben. Wenn ich 1-2 Kapitel im Monat schreiben würde, könnte ich das problemlos schaffen, dachte ich. Doch schon in Kapitel 4 kam das nächste Problem auf. Ich hatte mich gefühlt etwas verrannt und wusste nicht, wie ich die Story sinnvoll weiterführen sollte. Meine Blockade hielt mehrere Wochen, in denen praktisch nichts passierte.

Ich brauchte unbedingt jemanden zum Reden, der noch nicht in der Geschichte drin war und dessen unkonventionelle Gedankengänge meinen Tunnelblick aufknacken könnten. An einem sonnigen Nachmittag, als ich mit meinem Cousin Kevin beim Kraftsport war, erzählte ich ihm alles. Er war fasziniert von dem was ich tat, obwohl er bisher genauso wenig Bücher wie ich (freiwillig) in seinem Leben gelesen hatte. Aufgrund seiner wundervoll unbekümmerten Art, warf er mir einfach ein paar Gedanken hin, die mein cerebrales Problem einfach so hinfort wehten. Von da an lies ich auch ihn parallel zu Wolfgang stets mitlesen, wenn ein Kapitel vollendet war.

Die nächsten Kapitel gingen endlich einfacher von der Hand und ich hatte, ähnlich wie beim Kraftsport, das typische Gefühl des “drin seins.“ Leider tat sich (wie sollte es anders sein) bald eine neue Herausforderung vor mir auf. (Soll ja nicht langweilig werden…) Mitte des 5. Kapitels wurden zwei Dinge immer deutlicher:

1. Ich brauchte sehr viel mehr Zeit um meine ganzen Charaktere von A nach B zu schieben, was sowohl meiner Zeitplanung, als auch meinem Skript aus 10 Kapiteln (welches ich nun auf 12 aufgestockt hatte), überhaupt nicht gefielen.

2. Mein Roman wollte sich partout anders entwickeln, als ich das ursprünglich im Skript geplant hatte.

Gegen Ende des 7. Kapitels implodierte meine Storyline dann endgültig und ich musste mir langsam Gedanken machen, wie ich die mittlerweile von meinem Plan doch etwas abweichende Geschichte zum Abschluss bringen konnte.

Es war nun bereits Ende August und die Zeit rannte förmlich. Ich entschied mich dagegen einen neuen Plan zu schmieden, sondern nur noch nach Gefühl zu schreiben, da ich zumindest schon wusste, wo ich am Ende landen wollte. Ich intensivierte meine Arbeit an dem Buch und anstatt ein Kapitel alle 3-4 Wochen zu generieren, steigerte ich meinen Rhythmus auf alle 2 Wochen.

Gegen Ende Oktober, also während Kapitel 11-12 etwa, war mein angedachtes Ende noch nicht mal in Sicht. Ich hatte so viele Charaktere die sich noch entwickeln sollten, kleine Nebenhandlungen, die ich unbedingt noch abschließen wollte, doch schon wieder lief mir die Zeit davon. Ich beschloss meine Schlagzahl noch einmal zu steigern und lieferte nun 1 Kapitel pro Woche ab.

Meine Mitstreiter kamen kaum noch mit dem Lesen und Kommentieren hinterher. Ich bemerkte langsam den Stress, den das Projekt auf mich in dem Tempo ausübte, während ich simultan versuchte meine Arbeit und meine Beziehung wie ein Jongleur mit zu vielen Bällen, irgendwie zu kontrollieren, ohne dass alles dabei herunterkracht.

Immer öfter hatte ich “ganztägige Termine“, die mich zwangen meinen Laptop mitzunehmen, was ich im Normalfall nie tat. Seena wurde misstrauisch und wusste inzwischen, dass ich etwas für sie plante, jedoch hinterließ ich ihr stets nur irreführende Hinweise. Ich fuhr stets zum “Ort ohne Löffel,“ um sie verwirrt zurück zu lassen.

In Wahrheit hockte ich mit meiner vollen Brotdose und meinem eingepackten Salat bei meinen Großeltern in einem Hinterzimmer, wo mich keine Anrufe oder Besucher aus der Konzentration reißen konnten.

Ende November, bei Kapitel 16 etwa, wusste ich, dass das Ende endlich in Reichweite ist, doch ich hatte nur noch eine Woche Zeit. Ich schätzte, dass ich mindestens eine Woche nach dem letzten Kapitel noch für das mehrfache Lesen und das Schließen von Logiklücken, sowie für einen Batzen an sprachlichen Verbesserungen benötigte. Zudem wollte ich noch mehr Artwork reinbringen. Eine gewisse Zeit für das Layout des fertigen Buches, sowie zum Drucken und Versenden des Romans, musste ich ebenso einplanen.

Kurzerhand entschied ich mich meinen Freund Wolfgang in Österreich zu besuchen, um die letzten zwei Kapitel zu schreiben. Während der mehrstündigen Zugfahrt hatte ich das vorletzte Kapitel schon komplett aus meinem Hirn gepresst. Nachdem ich bei ihm angekommen war, warf ich ihm gleich meinen neuesten Entwurf zum Durchlesen hin und zerbrach mir den Schädel über den, für mich wohl wichtigsten Teil des Ganzen: Das Ende.

Ich grübelte die ganze Nacht wie besessen und träumte sogar vom ganzen Setting, bis ich die Lösung förmlich durch meinen präfontalen Kortex zwang. Völlig übermüdet, aber mit entfesselter Energie, dem Ziel so nah zu sein, schrieb ich das letzte Kapitel, inklusive Epilog, an einem einzigen Tag runter und… war tatsächlich zufrieden damit.

Selbst mein sonst so kritischer Freund Wolfgang nickte das Ende ab, auch wenn wir noch den ganzen Abend die letzten zwei Kapitel sprachlich mit seinen Fähigkeiten verbesserten. Glücklich verließ ich am Folgetag das schöne Tirol wieder und ackerte im Zug das Manuskript durch, um so viele Fehler und Logiklücken wie möglich zu beheben.

Besonders beim Thema Rechtschreibung und Grammatik hatte ich aber mittlerweile einen solchen Tunnelblick entwickelt, dass ich meine Ma Andrea um Hilfe bat. Als ehemalige Lehramtsstudentin für Deutsch hatte sie mir schon oft in meinem schulischen und studentischen Leben den Arsch gerettet.

“Kannst du mal schnell?“, für die Korrektur eines ganzen Buches innerhalb einer Woche, war jedoch eine ganz neue Dimension dieser so typischen und ungeliebten Frage. Auch sie ist arbeitstätig und so grenzt es an ein Wunder, dass sie es tatsächlich geschafft hat, den Großteil meiner Uncentillionen Fehler darin in dieser kurzen Zeitspanne zu lokalisieren.

Es war nun das Ende der zweiten Dezemberwoche und meine Deadline war nur noch 3 Tage entfernt. Mein Organismus hatte mich unterdessen für das Wochenlange überschreiten meiner psychischen und physischen Grenzen mit 40 Grad Fieber bestraft. Nichtsdestotrotz wollte ich dieses Geschenk unbedingt rechtzeitig zum Abschluss bringen. Ich bat also meinen Körper noch um 3 weitere Tage Energie und er gewährte sie mir. Ich schloss das letzte Artwork mit einer handgezeichneten Landkarte ab, kreierte mit Hilfe von K.I. das Buchcover und klärte das finale Layout mit dem Druckteam bei LukDesign ab.

Pünktlich zum letztmöglichen Termin schleppte ich das Projekt über die Ziellinie, lag dann eine ganze Woche flach und versuchte meinen geschundenen Körper zu regenerieren. Der Kreis hatte sich geschlossen, denn ich hörte an derselben Stelle auf, an der ich begonnen hatte: Auf der Couch, eingekuschelt in meine Decke.

Weihnachten 2024 kam und das Geschenk schlug ein wie eine Bombe. Ursprünglich hatte ich das Buch nur für Seena geschrieben. Doch schon kurz Zeit später hatte Sie es verschlungen und war überzeugt: Das müssen wir veröffentlichen!

“SoKaM“ es, dass wir im Folgejahr 2025, (nachdem ich meinen beruflichen Verpflichtungen einige Monate wieder mit angemessener Aufmerksamkeit nachgegangen war) die Veröffentlichung anstrebten.

Leider haben es die Artworks aus Kostengründen nicht in diese Veröffentlichung geschafft. Wir wollten das Buch nicht zu Mondpreisen anbieten, nur um ein paar Bilder mit einzubauen. Es sollte erschwinglich bleiben und wer weiß, vielleicht können wir ja irgendwann einmal eine Special Edition rausbringen, wenn auch andere meine Geschichte mögen und das Interesse entsprechend groß ist.

Bis dahin bedanke ich mich bei dir, ja genau bei dir, der gleich meinen Fantasy Roman lesen wird, dass du Geld in die Hand genommen hast, um dir meine geistigen Ergüsse reinzuziehen.

So, genug Vorgeplänkel von mir, jetzt gehts endlich los!

Ich wünsche dir viel Spaß mit:

Saga of Knights and Magic - Legend of the Pink Orb

Prolog

Königin Kerrigan van Galmori ging an diesem Abend nur langsam in Ihre Gemächer. Sie war erschöpft und musste sich alle paar Meter an den Wänden der Gänge des Schlosses abstützen. Zwei Wachen begleiteten Sie, doch Unterstützung wünschte sie nicht. Zu vielen Menschen hatte sie heute mit ihren Kräften geholfen. Obwohl sie mit den Jahren viel Übung im Umgang mit ihren Fähigkeiten hatte, fühlte es sich seit einiger Zeit immer schwerer an.

Zu langsam regenerierte sich ihre magische Energie, immer länger hätten Ihre Erholungsphasen sein müssen. Doch sie konnte keinen ihrer Untertanen in Not im Stich lassen. Dennoch musste sie sich bei jedem neuen Patienten immer stärker konzentrieren.

Sie erreichte ihre Gemächer und drückte die Klinke herunter. Es dauerte etwas, bis sie die Kraft aufbrachte sie aufzuschieben. Sie drückte so kräftig sie konnte, doch verlor sie dabei den Halt und fiel. Die beiden Wachen wollten ihr aufhelfen, doch sie lehnte wieder ab. Jede Berührung hätte ihr nur noch mehr Bilder in ihren Kopf gesendet. Bilder, die ihr die schlimmsten Momente im Leben jener Menschen gezeigt hätten. Die Kontrolle darüber welche geistigen Leiden sie bei Berührung mit einem Menschen sehen konnte, hatte sie vor einiger Zeit verloren. Doch sie erzählte es niemandem, nicht mal ihrem Mann, dem König.

Den Wachen fiel es schwer ihrer geliebten Königin nicht helfen zu dürfen. Sie waren verdammt mit anzusehen, wie sie ihren bleichen Körper wackelig hochhievte und in ihr Zimmer wankte. Ihre einst so liebliche Stimme war vom letzten Konzert, das sie vor einer Woche gegeben hatte, noch immer geschwächt. So konnte sie den Wachen ihre Anweisungen nur zuflüstern. „Bitte seid so nett und schließt die Tür für mich, ja? Ich ruhe mich jetzt aus.“

„Jawohl Mylady!“, entgegneten ihr die beiden. Während der eine die Tür langsam zuzog, ließ der andere noch den Versuch von ein paar aufbauenden Worten folgen. „Seine Majestät bat mich euch mitzuteilen, dass er gleich zu euch stoßen wird, sobald er und die Heerführerin ihre Besprechung beendet haben.“ Die Königin sah die beiden noch kurz an, bevor sich die Tür hinter ihr schloss und schenkte ihnen ein sanftes Lächeln. Sie schaffte es noch ihr Ehebett zu erreichen und brach dann darauf zusammen…

Kraftlos lag sie da und starrte an die Decke des Zimmers. „Werde ich für irgendetwas bestraft?“, fragte sie sich. „Ich gebe doch mein Bestes um den Menschen zu helfen und trotzdem spielt mir das Schicksal so übel mit…“

Auf einmal hörte sie eine leise Stimme, die ihr etwas mitzuteilen versuchte. „Schwach…“ flüsterte diese etwas undeutlich. Die Königin sah sich im Zimmer um, doch konnte sie nichts erkennen. Die Stimme wurde klarer. „Du bist schwach… und wertlos.“ Ihr Herz begann vor Angst schneller zu schlagen.

„W… Wer ist da?“, fragte sie leise. „Und warum sagst du so gemeine Dinge?“ Die Stimme wurde lauter. „Und weil du schwach und wertlos bist, nutzen dich alle Anderen aus…“ Die Königin versuchte sich aufzurichten

„D…Das stimmt nicht! Jeder im Königreich ist stets freundlich und hilfsbereit zu mir… Wo bist du? Komm heraus aus deinem Versteck!“ Sie hatte sich inzwischen aufgesetzt und musterte jeden Zentimeter im Raum. Das schwache Flackern des Kerzenlichts war nicht genug, um alle Bereiche des Zimmers zu erhellen. Ihr Herz pochte wie verrückt und ihre Atmung war beschleunigt. „Bist… bist du noch hier?“ Doch niemand antwortete…

Sie hörte ein leises Geräusch. Es hörte sich an wie ein Kreischen, dass ihr aus großer Entfernung entgegen hallte. „Bist du da draußen?“, fragte sie, ihren Blick gen Fenster richtend. „Ich kann dir helfen,“ begann die Stimme erneut. Die Königin nahm all ihre Kräfte zusammen und versuchte noch einmal aufzustehen. Ihre Arme und Beine zitterten, während sie versuchte ihren Stand zu halten und auf das Fenster zu zugehen.

Sie erreichte es und legte ihre Hand auf den Riegel der es verschloss. Sie schaute neugierig hinaus in den Nachthimmel. Außerhalb der Schlossmauern konnte man die Stadt erkennen, wie sie vom Licht des Mondes erleuchtet war. „Wobei kannst du mir helfen? Kannst du dafür sorgen, dass es mir wieder besser geht…?“ Langsam zog sich ihre Brust zu. Mehr und mehr krümmte sie sich vor Schmerzen und bekam fast keine Luft mehr.

„H…hilfe…,“ schluchzte sie, doch ihre leisen Worte drangen nicht einmal bis zur Tür vor. Sie hielt sich am Fensterknauf fest, um nicht den Halt zu verlieren.

Plötzlich wurde das Fenster gewaltsam aufgerissen. Das Glas zerbarst und die Scharniere rissen aus ihren Verankerungen. Eine dunkle Fratze sah der Königin in die Augen. Kerrigan konnte nur die Silhouette des bedrohlichen Gesichts erkennen. Der helle Mond schien ihr ins Gesicht und verschleierte das Aussehen der Kreatur.

Langsam verschwanden die vage beleuchteten Umrisse um sie herum und wichen mehr und mehr einer schier unendlichen Dunkelheit. Vor ihrem geistigen Auge erschienen Bilder ihrer schlimmsten Alpträume und traumatischsten Erinnerungen. Verzweifelt auf dem Boden kauernd, schnappte die Königin panisch nach Luft und griff an ihre schmerzende Brust. Kurz bevor sie dem Schmerz nach gab und das Bewusstsein verlor, leuchtete die Iris der Kreatur vor ihr rot glühend auf und sie konnte erneut die Stimme ihrer Gesprächspartnerin hören.

„Ich werde dich befreien… Dein Leid wird mir zu Diensten sein!“

Die Wachen hatten das Geräusch des zu Bruch gehenden Glases natürlich bemerkt und stürmten unverzüglich in das Zimmer. Sie sahen das zerstörte Fenster, rannten mit ihren Schwertern im Anschlag darauf zu, schauten hinaus und suchten das Gestirn ab.

Doch alles was sie noch erkannten, war ein fliegendes Wesen in einiger Entfernung, das kreischend in den Nachhimmel flog…

Kapitel 1 – Quelle der Macht

Die Abenteuerin Seefa hatte bereits die Zeit verloren, in der die junge Elementarzauberin mit ihrem Begleiter, dem Schallmagier Reni Sorrek, zielstrebig, immer tiefer in das labyrinthartige Geflecht aus dunklen Gängen gelangte. Einzig die Glimmersteine, welche in unregelmäßigen Abständen ein mattes rotes oder gelbes Licht in die Gänge warfen, zeigten ihr an, wo sie langgehen und welche Abzweigung sie als nächstes wählen mussten. Ab und an überschnitten sich zwei Lichtscheine und schufen ein blasses Orange.

Einfachere Leute hätten diese Lichter und Farben beeindruckt. Aber nicht Seefa. Aufgrund Ihrer ausgezeichneten Ausbildung, wusste sie genau woher die Glimmersteine ihre fluoreszierenden Fähigkeiten bezogen. Selbst das Farben- und Schattenspiel hätte sie bis ins Detail erklären können. Vor einer weiteren Gabelung hielt sie kurz inne.

„Spürst du etwas?“, flüsterte ihr langer, hagerer Begleiter. Sie schloss die Augen und begann sich zu konzentrieren. Der grüne Orb an der Spitze ihres langen hölzernen Zauberstabes begann schwach zu leuchten. Reni sah, wie sich darin erst ein, dann immer mehr verschiedene kleine orange-rote Lichter zeigten, welche wie Glut durch die Gänge schwebten. Seefas Augen sprangen unter ihren Lidern hin und her.

„Ich habe bisher noch kein Ende des Labyrinths gefunden und in fast allen Gängen sind schürfende Goblins. Sie schlagen mit ihren steinharten Klauen in das Gestein, als wenn es um ihr Leben ginge. In mehreren Gängen sind schon einige vor Erschöpfung zusammengebrochen. Sie scheinen tief und fest zu schlafen. Es wirkt so, als ob ich mit meiner Vermutung richtig lag.“

Reni wurde etwas unruhiger. „Also können wir ja jetzt nach Beron zurückkehren und Verstärkung anfordern. Jetzt wissen wir ja, dass es sich lohnt die königliche Armee herzubeordern.“ Die Zauberin zog abwehrend ihre Stirn zusammen. „Du weißt, dass die Streitkräfte zur Zeit im Südwesten des Landes auf Mission sind! Außerdem sehe ich alles um uns herum mit meinen kleinen Lichtkugeln. Wir sollten also unentdeckt bleiben. Zudem müssen wir absolut sicher sein dass…“ stoppte Seefa ihre Worte. Die Anzahl verschiedener Bilder in Ihrem Orb reduzierte sich bis auf eines. Eine Lichtkugel schwebte an einigen vor Erschöpfung eingeschlafenen Kreaturen vorbei und drang in ein riesiges, von vielen Schluchten und Vorsprüngen durchzogenes Gewölbe vor. Die Magierin konnte Ihren Augen nicht trauen.

Hunderte von Goblins hämmerten auf die Wände ein. Eine kleine Anzahl von ihnen huschte mit Karren hin und her und brachte Metalle, seltene Steine und andere nützliche Materialien zu einer größeren Lagerfläche in die Mitte des Gewölbes. Dort aufgetürmt und von einigen mit Speeren bewaffneten, großgewachsenen Troll-Wachen, befanden sich schon viele erbeutete Schätze. Seefas kleine Lichtkugel bewegte sich unauffällig auf das Lager zu. Sie kam näher und näher heran bis…

Die Zauberin öffnete ruckartig ihre Augen. „Komm, wir müssen hier entlang,“ sagte sie aufgeregt, während sie sich rasch in Bewegung setzte. Reni war verwirrt, hatte sich das Bild im Orb plötzlich in Nichts aufgelöst. „Was ist passiert?“, wollte er neugierig wissen. „Etwas hat meine Lichtkugel getroffen. Vielleicht herabfallendes Geröll oder eine Flederratte. Aber ich habe, kurz bevor das Bild verschwand, auf der Spitze der Treppe, die vom Lager auf eine erhöhte Plattform führt, ein grünes Leuchten gesehen.“

Trotz seiner schlanken Statur, hatte er zu tun mit seiner kräftigen Kameradin mitzuhalten, die nun aufgeregt durch die Gänge eilte. „Du meinst sie könnten einen Orb gefunden haben?“ Seefa war ganz in Gedanken versunken. Sie schien etwas unachtsam und konzentrierte sich nicht mehr genügend darauf den Lärm ihrer Bewegungen auf ein Minimum zu reduzieren. Reni hakte erneut nach. „Und denkst du, er könnte noch mächtiger sein, als der, den du schon hast“? Die Zauberin sah ihn mit ihren vor Euphorie glitzernden, braunen Augen an. „Er strahlt heller als ich je einen habe leuchten sehen...“

Aufgeregt vergaß sie alles um sich herum. „Falls er noch mächtiger als meiner ist, dann hätten wir vielleicht eine Chance damit meine Kräfte so weit zu verstärken, dass ich helfen kann die Königin zu fin...“ „Stopp!“ zischte Reni mit energischer Flüsterstimme. Er hielt seine Kameradin an der Schulter fest und zog sie ruckartig zurück. „Was ist de…?“, stockten ihre Worte, als sie sah, wie er sich konzentrierte. Sie sah an ihm herunter und erkannte, dass er mit zittrigen Fingern über die kleine Trompete strich, die er stets mit sich trug. Sie riss ihre Augen auf und ließ ihren Kopf zügig in alle Richtungen schwenken. Leider war in den dunklen Gängen nur schwerlich zu erkennen, was weiter als ihre Hände von ihnen entfernt war. Seefa wusste, dass das Instrument ihres Begleiters neben wunderschönen Klängen, auch eine andere Funktion inne hielt. Besonders in dieser Situation war ihr bewusst, wie effektiv seine magischen Fähigkeiten dadurch wurden.

Dann hörte sie etwas in einiger Entfernung. Das Geräusch war zunächst nicht genau zu deuten. Reni sah ihr in die Augen und zog eine seiner Augenbrauen leicht nach oben. Kleine, in die Trompete eingearbeitete Orbstücke, begannen sanft gelb zu schimmern. Anstatt Töne von sich zu geben, entwich aus seinem Instrument nur Stille. Jedoch wurde das Geräusch in der Nähe für die Ohren der beiden Abenteurer lauter und deutlicher.

Nun konnte Seefa erkennen, um was es sich handeln könnte. „Da schnarcht einer,“ flüsterte sie. Reni schaute etwas ängstlich zu ihr.. „Es sind sogar mehrere. Sie liegen hier einfach überall in den Gängen rum und ruhen sich aus. Wir hatten sie doch eben durch deine Lichtkugeln gesehen.“ Seefas Blick wandte sich beschämt ab. „Ich… ich…war abgelenkt…“ „Mach dir keine Sorgen, ich habe die Lautstärke unserer Schritte und unserer Gespräche mit meiner Schallmagie fast auf null gedrosselt. Doch ich kann nichts tun, wenn du versehentlich auf einen drauf trittst. Dann ist hier in ein paar Sekunden die Hölle los.“

„Tut mir leid,“ sagte sie leicht errötend. „Gibt es keinen anderen Weg den wir nehmen können?“, flüsterte ihr Begleiter. Die Zauberin schüttelte nur den Kopf. „Bisher habe ich noch keinen entdeckt. Auch wenn ich im Gewölbe einige weitere Ausgänge gesehen habe, könnte es Stunden dauern, bis wir einen Weg dahin gefunden haben. Und wer weiß, was hier unten noch so alles auf uns lauert…“

Reni war nicht wohl bei dem Gedanken. Allerdings gefiel ihm die Option, noch mehr Stunden durch dieses Labyrinth zu wandern, um vielleicht auf noch größere Gefahren zu stoßen, als ein paar Goblins, noch deutlich weniger. Seefa versuchte ihm Mut zu zusprechen. „Keine Sorge, wenn du mit deiner Magie unsere Geräusche unterdrückst, dann können wir problemlos an denen vorbeischleichen.“

Mit etwas mehr Bedacht setzten sie ihren Weg fort. Sie näherten sich den kleinen, schlafenden Kreaturen. Die meisten von ihnen lagen an den Wänden der Gänge und schnarchten mit offenen Mäulern vor sich hin. Sehr vorsichtig bewegten die Beiden an ihnen vorbei. Zwar wurden ihre Geräusche durch Renis Magie unterdrückt, aber ihre Bewegungen hätten trotzdem gesehen werden können. Reni schluckte nervös, als sie die ersten von ihnen passierten.

Nicht nur ihre harten, übergroßen Klauen, mit denen sie schließlich Steine zertrümmern konnten, ließen seinen Puls schneller werden. Vor allen die vielen winzigen, aber rasiermesserscharfen Zähne machten ihm Sorgen…

Im schwachen Schein der Glimmersteine schlichen sie nach und nach an den Kreaturen vorbei, bis vor ihnen ein kleines Problem auftauchte. An einer engen Stelle des Ganges lagen mehrere der Goblins mitten im Weg und versperrten ihnen den Durchgang. Reni zeigte seiner Begleiterin an, dass sie doch lieber umkehren und einen anderen Weg in das Gewölbe finden sollten. Die Magierin schüttelte aber den Kopf und war fest entschlossen. Mutig stieg sie über die am Boden verteilten Kreaturen.

Besonnen setzte sie jeden Schritt genau in die kleinen Lücken zwischen den Körpern oder abgespreizten Gliedmaßen. Stück für Stück bahnte sie sich durch die schnarchende Meute, bis sie ein paar Meter weiter mit einem kleinen Satz erfolgreich hindurchgekommen war. Die erleichterte Magierin drehte sich um und signalisierte Reni, dass er ihr folgen solle. Seine Beine zitterten etwas, doch er wollte seiner besten Freundin beweisen, dass er auch dieses Abenteuer mit ihr zusammen bestehen würde. Er fasste sich ein Herz und ging denselben Weg wie sie.

Schweißperlen rannen von seiner Stirn, während er versuchte seine Schritte ruhig und gezielt zu setzen. Einer der Tropfen fiel hinunter und traf ausgerechnet einen der Goblins. Starr vor Angst sah er mit an, wie die kleine, auf dem Bauch liegende Kreatur, sich zu regen begann. Seefa nahm ihren Zauberstab hoch und bereitete sich auf einen Kampf vor. Reni stand wie erstarrt zwischen den Beinen des Goblins. Dessen Klaue wanderte nach hinten, in Richtung des jungen Schallmagiers, nur um knapp daran vorbei zu gleiten und sich vulgär am Hintern zu kratzen. Danach fiel der Arm danach wieder regungslos zu Boden. Seefa senkte beruhigt ihren Stab. Reni atmete gelöst aus und bewegte sich zügig an den letzten Schnarchern vorbei. Bei seiner Begleiterin angekommen stützte er sich auf seinen Knien ab und schnaufte mehrmals tief durch. Seine Kameradin klopfte ihm stolz auf die Schulter und lächelte ihn an. Sogleich drehten sich beide um und wollten ihren Weg gerade fortsetzen, als sie sofort schockiert erstarrten.

Nur einen Meter vor ihnen stand ein gerade angewatschelter Goblin und guckte die Abenteurer verwundert an. Renis Herz sprang ihm fast aus der Brust, als der Kleine sein Maul aufriss, seine Zähne fletschte und einen lauten Schrei entfesseln wollte. Gedankenschnell unterdrückte Reni mit einem kurzen Griff an seine Trompete das Geräusch der Kreatur. Diese versuchte es erneut, brachte jedoch keinen Ton heraus. Wütend wollte sich der Goblin auf die beiden Abenteurer stürzen.

Seefa schaltete schnell, ließ den grünen Orb in ihrem Stab etwas aufleuchten und setzte ihre Erdmagie ein. Ein faustgroßer Stein kam von der Seite des Ganges angerauscht. Er traf das Viech wuchtig am Kopf und ließ es sofort bewusstlos zu Boden gehen. Dank der Magie des Schallmagiers bekamen die anderen seiner Art nichts davon mit und schliefen unbekümmert weiter.

Seefa und Reni beschlossen keine Zeit zu verlieren und ihren Weg fortzusetzen. Die junge Elementarmagierin konzentrierte sich wieder auf ihre Lichtkugeln, die weiter durch die Gänge schwirrten und ihnen den Weg wiesen. Endlich erreichten sie den von ihr entdeckten Eingang in das große Gewölbe. Schnell versteckten sie sich hinter einem Felsvorsprung und schnauften kurz durch.

Reni war schon etwas erschöpft, hatte der längere Einsatz seiner Magie zur Geräuschunterdrückung ihn einiges an Energie gekostet. Seefa war durch ihre langjährige Magierausbildung viel besser trainiert. Ihre Elementarkräfte beherrschte sie gut und konnte die Konzentration auf die vielen verschiedenen Lichtsonden problemlos aufrechterhalten. Körperlich hingegen war sie nicht so fit wie ihr Begleiter. Trotz ihrer Euphorie in Erwartung eines mächtigen Orbs war sie, aufgrund ihrer beleibteren Natur, auch außer Atem. Um nicht zu lange am Eingang des Gewölbes zu verweilen, setzten sie dennoch zügig ihren Weg fort. Unbemerkt von den arbeitenden Kreaturen, bewegten sie sich an den Felsvorsprüngen entlang, immer weiter in Richtung des Lagers.

An einem kleinen Steinwall oberhalb der postierten Höhlentroll-Wachen konnten sie keinen weiteren Schleichweg mehr entdecken. So verschanzten sie sich dort vorerst und beobachteten die Gegend. „Die grauen Klopse sind ja hässlich wie die Nacht“ murmelte Reni. Seefa hielt sich die Nase zu, denn ihr machte viel mehr deren Gestank zu schaffen. Ihr Blick wandte sich ab von den muskelbepackten, in Metallrüstung bekleideten Wächtern und schweifte durch die Gegend. Nur einige kleine Wege führten zum Lager, wo sie allerhand seltenes Material entdeckten, für welches die kleinen Wesen seit Wochen oder sogar Monaten geschürft haben müssen. Seefas Blick wanderte zügig die Treppe dahinter hinauf, als sie ein grünes Schimmern von einem steinernen Turm im Zentrum des Lagers wahrnahm. Auf der Spitze erblickte sie nicht einen, sondern sogar fünf hellgrüne Orbs, alle größer und strahlender als ihr eigener. „Unglaublich,“ rutschte es Reni ehrfürchtig heraus.

Doch da war noch etwas. Aus einer verschlossenen Truhe dahinter konnte die Zauberin ein sanftes, rosafarbenes Licht erkennen. Ihre Augen weit aufgerissen, zottelte sie aufgeregt an Renis brauner Lederjacke. „Siehst du das?“ Er nahm ihre Hand und spürte, wie ihr Puls vor Aufregung raste. „Denkst du etwa diese hässlichen Viecher haben einen dieser legendären magischen Orbs entdeckt, nachdem unsere Zwerge im Süd-Westen schon seit so vielen Jahren suchen?“

Seefa zog ihre Hand weg und hielt ihren Stab zwischen Reni und sich. „Ich war immer zufrieden mit meinem Orb. Seine Macht hilft mir meine Kräfte zu kanalisieren und zu bündeln. Es ist der hellste, den unser Königreich bisher von dieser Sorte gefunden hat.“ „Von dieser Sorte?“, fragte Reni verwundert. Die Magierin haderte etwas. „Nun ja, die Wahrheit ist, weiße Orbs zum Beispiel gibt es in Hülle und Fülle. Neben vielen kleinen habe ich auch schon welche von der Größe einer Melone gesehen. Einer heller und strahlender als der Andere. Leider helfen die ja nur Medizinern und Schamanen ihre Kräfte zu verstärken. Für meine Elementarmagie brauche ich allerdings einen Grünen. Je heller, klarer und strahlender, desto besser.“ Reni sah Seefa verdutzt an. „Hmmm ja… Orbkunde war noch nie so meine Stärke… Ich weiß nur, dass gelbe Orbs bei allen klangbasierten Magietypen helfen…“ Die gut ausgebildete Zauberin rollte nur mit den Augen. „Wenn man natürlich keine Lust auf eine Magieausbildung hat und lieber den ganzen Tag Musik macht, dann kann man sowas auch nicht wissen…“

Reni sah traurig zu Boden nach dieser Schelte. Seefa bemerkte schnell, dass sie etwas zu forsch war und legte kurz ihre Hand auf seine Schulter, um sich zu entschuldigen. Reni konnte ihr nicht lange grollen und so fragte er interessiert weiter. „Und was hat es jetzt mit diesem legendären Orb auf sich?“ Seefa seufzte kurz. „Das kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen. Bisher gibt es nur Gerüchte und Legenden darum. In unserer Bibliothek werden diese nur flüchtig erwähnt und der letzte wurde vor Hunderten von Jahren gesehen. Es sollen aber die Mächtigsten von allen sein.“ Ihr Begleiter schluckte vor Ehrfurcht. „Also wie ist der Plan?“, fragte er sie. Seefa ließ Ihren Blick durch das Gewölbe schweifen und überlegte, wie sie sowohl unbemerkt an den Wachen vorbeikommen, als auch die Höhle im Anschluss wieder sicher verlassen können.

Es war ungewöhnlich heiß, obwohl sie sich tief unter der Erde befanden. Schweiß lief ihr von der Stirn und sie musste sich ihre schwarze Brille mehrfach zurecht rücken, damit sie ihr nicht von der Nase rutschte. Auch Reni sah sich um. Er blickte an der Seite ihres Vorsprungs die Schlucht herunter und erkannte, wie sich ein Strom aus kochender Lava einen Weg um die Felsen bahnte. Ihm war nicht wohl von so vielen Dingen umgeben zu sein, die ihn potenziell umbringen könnten. Um sich zu beruhigen, wandte er sich wieder seiner Kameradin zu. Sein Herz begann aufgeregt zu pochen, als er sie kurz betrachtete, wie sie in Gedanken mit Ideen spielte und dabei ihre dunkle Haut wie Ebenholz im Licht des rötlichen Lavastroms schimmerte.

Dieser für ihn wundervolle Moment wurde abrupt von ihrem Einfallsreichtum beendet. „Ich habe einen Plan!“, berichtete sie stolz und zog Reni vom Abgrund auf die andere Seite des Walls. Sie linste mit ihm zusammen über die Kante des Sichtschutzes und zeigte auf eine Stelle, etwas weiter entfernt vom Lager.

Dort war eine größere Ansammlung von Goblins zu sehen, welche von einem zirka 2,5 Meter großen Höhlentroll überwacht wurden. Dieser knurrte die kleinen Kreaturen unentwegt an schneller zu graben. Die Goblins zischten zwar zurück, fügten sich aber stets den Befehlen ihres Aufsehers.

„Die Stimmung dort ist angespannt. Wenn wir es schaffen, dass die Situation eskaliert, dann sind vielleicht auch die Wachen abgelenkt und wir können unbemerkt über die Lagerfläche die Treppe hochlaufen. Dann packen wir schnell alle Orbs ein und verschwinden von hier.“ Reni hatte einen unsicheren Gesichtsausdruck, während sie sich wieder hinter den Wall zurückzogen. „Und wie willst du das anstellen? Ich renne da bestimmt nicht rüber und spiele den Lockvogel.“ Seefa schloss Ihre Augen und konzentrierte sich. Ihr grüner Orb begann zu leuchten. „Keine Angst, ich brauche dich an meiner Seite.“ Reni sah errötent zu Boden. „Ohne dich und deine Fähigkeit mit Schallmagie unseren Bewegungslärm zu verringern, kann ja jeder unsere Schritte hören,…“ fügte sie noch hinzu. Renis Augen verloren ihren eben noch schillernden Glanz und ließen ihn etwas ernüchtert zurück. Um schnell auf andere Gedanken zu kommen, ließ er seinen Blick durch die Gegend schweifen und erkannte, worauf Seefa sich konzentrierte.

Aus allen Tunneln drangen die von der Elementarmagierin zu Beginn Ihrer Mission ausgesendeten Lichtkügelchen ins Gewölbe. Sie bewegten sich langsam, aber sicher in Richtung der Stelle, an welcher der Troll über die Goblins wachte. Die kleinen Arbeiter waren zu beschäftigt, um sie zu bemerken und der Troll wedelte mit seiner großen Pranke umher, um die für ihn wie kleine Leuchtkäfer wirkenden Plagegeister zu vertreiben. Seefa öffnete ihre Augen und linste wieder über die Kante.

Reni folgte ihr etwas lethargisch. „Sobald die Wachen dorthin stürmen, müssen wir geschwind unsere“… sie suchte kurz nach dem bestmöglichen Wort „…“Bergung“ durchführen. Danach nichts wie weg hier!“. Er nickte etwas ungläubig, während die zuversichtliche Zauberin ihren Stab über die Kante hob. Sie konzentrierte sich und wartete auf den richtigen Zeitpunkt. In der Ferne schubste der Troll mit seinem Fuß einen vor Erschöpfung ausgelaugten, langsam schlurfenden Goblin. Dieser fiel zu Boden und einige andere um ihn herum fauchten den herzlosen Antreiber an. Seefas Iris begann grün zu schimmern. Plötzlich zuckte eine der schwebenden Lichtkugeln in einer einzigen Bewegung in Richtung des Trolls und zerschellte an seinem Hinterkopf. Wütend sah er sich um. Die Arbeiter um ihn herum starrten ihn grimmig an. Er wollte gerade ein wütendes Gebrüll von sich geben, da traf ihn ein weiterer Schlag an seinem Rücken. Sein wütender Blick wanderte durch die Reihen der kleinen Kreaturen, bis er einen von ihnen entdeckte, welcher einen Stein in seiner Klaue hielt.

Erzürnt grunzte er mit tiefer Stimme, während er eine eingerollte Peitsche von seinem Gürtel nahm. Er holte aus und traf den Kleinen genau im Gesicht. Dies brachte das Fass vor Ort zum Überlaufen und die Goblins attackierten auf einmal alle zusammen den Troll. Die Eskalation blieb den Wachen am Lager nicht verborgen und so rannten sie umgehend los, um den Aufruhr zu unterbinden.

„Jetzt“ rief sie Reni leise zu und sprang auf die Kante des Walls. Sie streckte fokussiert Ihren Stab nach vorn und einige umherliegende lose Steine schwebten los, um sich vor ihren Augen zu ein paar, in der Luft stehenden Stufen, zusammenzuschließen. Sie liefen herunter und erreichten das Lager. Trotz der vielen verschiedenen Schätze, ließen sie sich nicht beirren und eilten schnell die Treppe hoch.

Keuchend kamen die beiden oben an und konnten die fünf Orbs endlich aus der Nähe betrachten. Im grünen Leuchten der Artefakte ging Seefa neugierig an ihnen vorbei, direkt auf die Truhe dahinter zusteuernd. Sie beugte sich herunter und nahm vorsichtig den Deckel ab. Ein gleißendes rosa Licht blendete sie und überstrahlte das Grün der anderen Orbs fast vollständig. Ihre Augen funkelten und sie zitterte vor Aufregung.

„Rasch Seefa“ rief er ihr zu. „Wir haben nicht viel Zeit!“ Doch sie war gebannt von dem legendären Licht. Wie hypnotisiert starrte sie in den, wie ein Stern anmutenden Kern des pinken Orbs, ungläubig ob der Sache, die sie dort wahrhaftig vor sich liegen sah. „Seefa, wir müssen hier weg! Los jetzt!!!“ Er rüttelte an ihr und versuchte sie so wieder aus Ihrem Sog befreien zu können.

Sie schüttelte sich kurz, um wieder einen klaren Kopf zu haben und packte zügig den Orb in Ihren Rucksack. „Tut mir leid. Ich… Es… Das ist mit Worten kaum zu beschreiben,“ murmelte sie. Reni versuchte ihr einen verständnisvollen Blick zuzuwerfen, doch seine Furcht davor entdeckt zu werden, war ihm ins Gesicht geschrieben. „Na gut, jetzt nur noch schnell die anderen fünf bergen und dann geht’s nach Hause,“ flüsterte sie aufgeregt.

Sich ihnen nähernd, sah die Magierin, wie eine Wache die Treppe hochstampfte. Ihre Blicke trafen sich. Erschüttert blickte Seefa in die blutunterlaufenen Augen des Trolls. Dieser holte tief Luft und war im Begriff ein markerschütterndes Gebrüll von sich zu lassen, als Reni geistesgegenwärtig seine Hände über die Druckknöpfe der Trompete gleiten ließ. Die Zähne des Trolls geiferten, während er aus voller Lunge brüllte… jedoch ohne auch nur einen Ton von sich zu geben. „Seefa schnell, wirke einen Zauber.“ Ihr Kopf rauchte förmlich, aber ihre vielen gleichzeitigen Gedanken erdrückten sie geradezu.

Der Troll war kurz verwirrt, warum er keinen Laut von sich geben konnte. Er sah das rosafarbene Schimmern, welches aus dem Rucksack der Zauberin entwich und griff erzürnt nach einer großen Keule auf seinem Rücken. Er holte aus und schwang sie in Richtung der beiden Abenteurer. Seefa fing sich wieder, warf sich in Richtung des erstarrten Reni und riss ihn aus dem Weg. Die Waffe des Wächters schlug nur wenige Zentimeter neben den beiden ein. Von dem Aufprall erschüttert, breitete sich der Schall durch das ganze Gewölbe aus. Auf dem Untergrund liegend sah Reni, wie der Troll zu einem neuen Angriff ausholte. Er nahm seinen Mut zusammen, setzte seine Trompete an seinen Mund und blies so stark hinein, wie er nur konnte.

Die gelben Orbs an seiner Waffe leuchteten hell auf und eine unsichtbare Schallwelle traf den Troll. Diese schleuderte ihn mitsamt seiner Keule die Treppe hinunter und ließ das gesamte Lager vibrieren. Einige Steine lösten sich von der Decke der Höhle und fielen überall auf den Boden. Die beiden Abenteurer standen so schnell es ihnen möglich war wieder auf und sahen sich hektisch um.

In der Kürze der Zeit hatte Reni den lauten Knall des Keulenaufschlags nicht unterdrücken können und so war der gewaltige Krach den anderen Kreaturen nicht unbemerkt geblieben. Alle Goblins und Wächter stürmten erzürnt in Richtung Lager. Reni schlotterten vor Angst die Knie. Seefa kramte in Ihrem Kopf nach einer Lösung. „Ich muss kurz nachdenken,“ schnaufte sie während ihre Augen hin- und her huschten. „Du hast vielleicht eine Minute bevor die ersten uns erreichen. Gegen so viele kann ich mit meiner Schallmagie nichts ausrichten. Zumal die Höhle auch nicht mehr viele meiner Angriffe auszuhalten scheint. Und ich will hier nicht lebendig begraben werden.“ Seefa schloss kurz ihre Augen und pflügte durch ihre Gedanken. Reni rüttelte an ihrer Schulter „Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, die sehen echt wütend aus…“

„Das ist es!“ rief sie erleichtert und öffnete ihre Augen wieder. „Wenn ich es dir sage, rennen wir beide die Treppe hinunter und nehmen denselben Weg zurück, den wir gekommen sind.“ „Bist du irre???“, maulte er sie an. „Nein, hör zu. Das Lager ist doch von dieser Schlucht umgeben.“ Reni nickte. „Und unten befindet sich Lava.“ Seefa zückte Ihren Zauberstab und ließ dutzende Sphären aus Wasser erscheinen. Um sie herumschwebend klatschten zwei auf ihre Körper und durchtränkten sie. Die Lippen ihre Begleiters liefen sofort blau an, ob der Kälte, die er am ganzen Körper spürte.

Die Elementarmagierin sah, wie die Kreaturen das Lager erreichten und sich durch die Schätze den Weg zur Treppe bahnten. Genau jetzt feuerte sie alle übrigen Wassersphären wie Kanonenkugeln in die Schluchten hinab. Ihr Begleiter hörte ein lautes Pfeifen, während nur einen Moment später eine riesige heiße Wand aus Dampf aus den Schluchten emporschnellte und das gesamte Lager in einen undurchsichtigen Schleier hüllte.

„Jetzt!“ rief sie und rannte zusammen mit ihm los. Die Treppen herabeilend näherten sie sich der Lagerfläche und konnten die Schmerzensschreie der Kreaturen hören, die im kochend heißen Dampf umherirrten. Die beiden Abenteurer tauchten in die Wolke ein und rannten hindurch. Es fiel ihnen trotz der präparierten Kühlung schwer, die Augen offenzuhalten, während sie an sich windenden Goblins und wütend umherfuchtelnden Trollen vorbei eilten.

Sie schafften es bis an den Felsvorsprung, von dem sie zuvor hinabgestiegen sind. Seefa schwang mit Ihrem Stab und ließ erneut einige Steinstufen entstehen. Beide sprangen diese geschwind hoch und kletterten über die Kante des Walls aus der heißen Schleierwolke heraus. Dahinter fielen sie auf den Boden und lagen atemlos und verschwitzt nebeneinander. „Wir müssen… weiter!“ keuchte Reni. „Ich hasse… rennen… Dafür… ist… mein Körper… nicht gemacht,“ schnaufte seine Begleiterin genervt, aber doch zustimmend. Der Schallmagier lächelte ihr zu und setzte sich wieder auf. Plötzlich ergriff eine große Pranke die Kante des Walls. Ein großer Troll mit verbrannter Haut zog sich daran hoch. „Schnell Reni, blas ihn weg! Gib alles was du hast!“ Voller Furcht konnte Reni sich für einen kurzen Augenblick nicht rühren. Der Troll fletschte mit den Zähnen und riss seine Keule zum Schlag empor.

„Reniiiiii!“, schrie Seefa ihren Kameraden an. Ängstlich schloss er seine Augen, zückte aber dennoch seine Trompete, setzte sie an und jagte eine intensive Schallwelle auf den Torso des Trolls. Von der Wucht seines eigenen Angriffs überrascht, wurde nicht nur sein Gegner, sondern sogar er selbst davon zurückgeworfen. Die Wellen breiteten sich aus und trafen auch die Decke des Gewölbes. Das Gestein hielt dem Druck nicht stand, brach auf und prasselte zu Boden. Seefa sprang auf, zog ihren Kameraden hoch und beide rannten in Richtung Ausgang. Sie erschuf dabei einige helle Lichtkugeln und schickte sie vor, um den Gang zu erhellen und ihnen den schnellsten Weg an die Oberfläche zu zeigen.

Hinter ihnen war zu sehen, wie sich die Kreaturen langsam vom Schleier befreiten und die Verfolgung aufnahmen. Überall prasselten die Steine wie Geschosse auf den Boden und begruben einige Goblins unter sich. Die beiden Abenteurer hatten alle Mühe den Trümmern auszuweichen. Sie erreichten den Gang aus dem sie gekommen waren und eilten weiter. Von vorn konnten sie wildes Geschrei hören. Ein Goblin mit einer Platzwunde an der Stirn kam auf sie zu geprescht und sprang ihnen klauenwetzend entgegen. Geistesgegenwärtig nutzte Seefa erneut ihre Erdmagie, um der Kreatur einen weiteren Stein an den Kopf zu schleudern. Er prallte ohnmächtig gegen die Wand und blieb regungslos liegen. Die laute Wucht des Aufpralls und das Vibrieren des Bodens durch das einstürzende Gewölbe hinter ihnen verbreitete sich in Windeseile durch den Gang. Kurz darauf kamen ihnen die aufgewachten Goblins wie von Sinnen entgegengestürmt.

„Hast du denn die Geräusche nicht unterdrückt?“, schrie sie ihn an. „Ist dir nicht aufgefallen, dass wir um unser Leben rennen?!

Das hab ich in dem ganzen Stress leider vergessen. Einen Höhleneinsturz von dieser Größe kann ich sowieso nicht abdämpfen mit meiner Magie…“ Seefa rollte kurz unbedacht mit den Augen, schaltete dann jedoch schnell und erschuf mit Ihrem Stab einen kräftigen Windstoß, welcher durch die Reihen der Kreaturen fegte und diese mit einiger Wucht gegen die Wände des Ganges schleuderte.

Benommen und desorientiert konnten sie nur zusehen, wie die beiden Abenteurer an ihnen vorbeirannten. Im Gegensatz zum Hinweg, mussten sie nicht mehr jeden Tunnel benutzen. Seefa hatte den Ausgang bereits durch eine ihrer Lichtsonden entdeckt und führte sie auf dem schnellsten Wege dorthin. „Wir haben es fast geschafft Seefa, ich kann schon das Sonnenlicht da vorn erblicken.“

Die Füße der Magierin wurden schwerer und schwerer. Sie schnaufte erschöpft und konnte das Tempo nicht mehr mithalten. Reni drehte sich entsetzt um, als er das Trampeln eines Trolls hinter ihnen wahrnahm. Seefa stoppte erschöpft und zog ihn zu sich. „Hfhf… Wir müssen… verhindern…hfhf, dass die hier rauskommen…hfhf…“

Sie riss sich zusammen und beide bäumten sich noch einmal auf, um sich dem tobenden Troll entgegen zu stellen. „Auf Drei nutzt du nochmal all deine Magie, bläst aus voller Lunge in deine Trompete und springst dabei in die Luft, verstanden?“ Reni nickte hektisch und ohne weitere Nachfrage, während der Troll immer näher kam. Er vertraute ihr voll und ganz. Mit Gebrüll pflügte das Ungetüm auf die beiden zu. Die Elementarzauberin wartete bis sie das Weiße in seinen wütenden, blutunterlaufenden Augen sehen konnte.

„JETZT!!!“, schrie sie und beide sprangen hoch. Der schlotternde Reni nahm seinen ganzen Mut zusammen und gab noch einmal alles. Der Schallangriff, beengt durch den schmalen Gang, richtete sich mit voller Wucht gegen den Angreifer, während die Magierin so stark wie sie noch konnte, mit ihrem Stab schwang und einen immensen Windstoß erzeugte.

Renis Druckwelle ließ das Gestein von den Wänden platzen und wie Geschosse auf den Troll einschlagen. Der enorme Rückstoß, in Kombination mit Seefas Windstoß sorgten dafür, dass die beiden mit einem riesigen Satz aus der Höhle katapultiert wurden.

Sie landeten unsanft auf dem Waldboden, während sie beobachteten, wie der Tunnel hinter ihnen zusammenbrach und ihre Widersacher unter sich begrub…

Kapitel 2 – Meine Schuld

Die Staubwolke umgab den gesamten Eingangsbereich der Höhle, von der kleinen Lichtung davor, bis zu den ersten Laubbäumen des Waldes, die sich darum erhoben.

„Alles in Ordnung mit dir Seefa?“, erkundigte sich Reni, als er sie wild husten hörte. „Uiuiuiuiui, mein armer Hintern... Zum Glück habe ich genug Fleisch dran,“ feigste sie, während sie sich beim Aufsetzen ein zumindest leicht schmerzverzerrtes Gesicht, nicht verkneifen konnte. „Bei dir auch alles in Ordnung?“, fragte sie ihren Begleiter, während sie sich etwas Schmutz von ihren schwarzen, lockigen Haaren, ihrem grünen Gewand und schwarzroten Umhang abklopfte. Reni wedelte etwas mit seiner Hand in der Luft herum, um den Staub in unmittelbarer Nähe weg zu fächeln. Er überlegte kurz und fasste sich ans untere Ende des Halses. „Ich fühle mich, als hätte ich tagelang ohne Pause meine Schallmagie genutzt. Das Atmen tut weh und mein Körper fühlt sich schwer und kraftlos an.“

Seefa beobachtete, wie sich der Staub langsam verzog und der eingefallene Eingang zur Höhle wieder deutlicher wurde. Er schien komplett verschlossen zu sein. Ihre Stirn zog sich zusammen. Sie schloss die Augen und ging nochmal das eben Erlebte vor ihrem geistigen Auge durch. „Sag mal, wann hast du das letzte Mal etwas von der Größe eines ausgewachsenen Höhlentrolls weggeschleudert?“

Reni sah langsam hinab auf seine kleine Trompete. Trotz jahrelanger Übung mit seinen Fähigkeiten und der Erfahrung einiger Abenteuer, die er bereits mit seiner besten Freundin bestritten hatte, konnte er sich an keine Situation erinnern, bei der er jemals so viel magische Kraft freisetzen konnte. Sein Blick wanderte zu Seefa, die dabei war ihren Rucksack von ihrem Rücken zu nehmen. Sie stellte ihn vor sich, zögerte einen Moment und öffnete ihn schließlich.

Obwohl es noch recht hell war, leuchtete der pinke Orb so intensiv, dass er die Umgebung in ein betörendes rosa Licht tauchte. „Ich fühle mich auch wie ausgelaugt... Wäre es möglich, dass der Orb unsere Kräfte verstärkt hat, auch ohne, dass wir direkt Kontakt mit ihm als Medium hatten?“ Reni zuckte nur mit den Schultern, während seine Kameradin weiter laut nachdachte. „Falls das der Fall sein sollte, dann kann er anscheinend nicht nur eine bestimmte Art von Magie verstärken, sondern mindestens zwei verschiedene… oder sogar mehr... Wie auch immer, damit können wir sicherlich endlich die entführte Königin finden.“

Reni musterte aufmerksam Seefas Gesichtsausdruck, der einen fließenden Übergang von Trauer und zugleich Hoffnung widerspiegelte. Sie packte das Artefakt wieder in Ihren Rucksack und rappelte sich auf. „Komm, hier in der Nähe ist ein kleiner Waldsee. Lass uns dort für die Nacht ein Lager aufschlagen und morgen früh direkt nach Beron zurückkehren.“ Reni erhob sich, während seine kurzen braunen Haare mächtig staubten. Er klopfte sich etwas Dreck von seiner hellbraunen Weste und seiner dunkelbraunen Hose und setzte sich mit seiner Begleiterin in Bewegung. „Oh ja, ich freue mich schon auf die wundervolle Ungefährlichkeit unserer Hauptstadt. Keine Monster und viele Wachen überall. Das ist genau meine Welt.“ Seefa lachte. „Ja genau. Ich freue mich auch schon auf ein heißes Bad und mein weiches Bett.“

Wie sie durch den sonnendurchfluteten Wald liefen, der langsam aber sicher immer mehr in ein angenehm warmes, orangenes Abendlicht getaucht wurde, begrüßten die beiden jeden einzelnen Sonnenstrahl, der ihre Haut berührte. Die angenehme Frühlingsluft trug feine Blütendüfte um ihre Nasen und ließ sie nach dem aufregenden Tag, etwas geistige Entspannung finden. Sie genossen diesen Augenblick der Ruhe und des Friedens zu zweit. Reni sah immer wieder zu Seefa hinüber und wandte sich stets schnell wieder ab, wenn sie es bemerkte.