Salvataggio - Die Rettung - Sabina Salander - E-Book

Salvataggio - Die Rettung E-Book

Sabina Salander

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Beschreibung

Fünf Erzählungen, fünf Schicksale. Menschen, die an einen Punkt gelangen, an dem es nicht weitergeht wie vorher. Was tut der gewissenhafte Strandwächter in „Salvataggio – Die Rettung“, wenn nicht sein kann, was nicht sein darf? Kriegt der alte Mann in „Robert – Wenn einer sich selbst vergisst“ auf seinem Winterspaziergang die Kurve? Und was, wenn eine Frau bemerkt, dass sie die Männer nicht kennt in der Erzählung "Herr Bastian"? Menschen müssen Entscheidungen treffen. Ob sie dies können, bleibt offen. Wie auch die Frage, ob das Leben überhaupt aus Entscheidungen besteht, oder nicht vielleicht aus einer losen Abfolge von Ereignissen.

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Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Sabina Salander

Salvataggio – Die Rettung

Erzählungen

© 2025 Sabina Salander

Lektorat von: Sabina Salander

Coverdesign von: Sabina SalanderSatz & Layout von: Sabina SalanderDruck und Distribution im Auftrag der Autorin:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

ISBN

Paperback978-3-384-16310-3

Hardcover978-3-384-16311-0

e-Book978-3-384-16312-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: Sabine Fliehr, Westendstraße 135, 80339 München, Germany. Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Fünf Erzählungen, fünf Schicksale. Menschen, die an einen Punkt gelangen, an dem es nicht weitergeht wie vorher. Was tut der gewissenhafte Strandwächter in „Salvataggio – Die Rettung“, wenn nicht sein kann, was nicht sein darf? Oder kriegt der alte Mann in „Robert – Wenn einer sich selbst vergisst“ auf seinem Winterspaziergang die Kurve? Menschen müssen Entscheidungen treffen. Ob sie dies können, bleibt offen. Wie auch die Frage, ob das Leben überhaupt aus Entscheidungen besteht, oder nicht eher aus einer losen Abfolge von Ereignissen.

Sabina Salander, 1968 in Fürth geboren, schreibt, tanzt Contemporary Dance und kreiert Klavierim-provisationen. Sie hat einen Sohn und lebt in München, sowie in Cervo an der Ligurischen Küste. Ihr erster Roman, die Dreiecksgeschichte „Goa, kein Traum“, ist 2017 bei tredition erschienen.

„Die Elementarteilchen sind die Form, in die die Energie sich begeben muss, um zu Materie zu werden.“

Werner Heisenberg

Inhalt

Salvataggio – Die Rettung

Robert – Wenn einer sich selbst vergisst

Reinhold oder der Mann in der Straßenbahn

Happy Days

Herr Bastian

Salvataggio – Die Rettung

Der Strandwächter sitzt den ganzen Tag auf einem Sessel, der ihm viel zu groß ist. Es ist ein Klappsessel, wie ihn die Regisseure am Set haben, wichtige Leute, die die Szene überblicken und notfalls eingreifen. Notfalls. Er macht das schon seit Jahren und noch nie ist ihm ein Notfall untergekommen. Die Leute bewegen sich meist nicht weiter als 30 Meter ins Meer hinein. Das ist hier so üblich, oder zumindest hat er in den vielen Jahren diese Beobachtung gemacht. Die Italiener planschen am liebsten dort, wo sie noch stehen können. Nur die Deutschen wagen sich manchmal etwas weiter. Bis dorthin, wo die Mole zu Ende ist, wo die Motorboote und weiter hinten die Yachten und Luxusdampfer fahren.

Der Strandwächter liebt es, seinen Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Das entspannt und lenkt ab von den Problemen mit dem viel zu geringen Gehalt, das es ihm nicht einmal erlaubt, den tropfenden Wasserhahn in seiner Wohnung reparieren zu lassen. Der Vermieter sieht sich nicht zuständig, hat er gesagt. Aber das ist nicht das Einzige. Lange schon, zu lange, sucht der Strandwächter nach einer Frau, die mit ihm lebt, die ihn liebt. Er betrachtet seine Fingernägel, sie müssten mal geschnitten werden. Er legt die Hände in den Schoß. Seit kurzem gilt Handyverbot für alle, die hier arbeiten. Ihm soll es recht sein. Er schaut sowieso lieber aufs Meer.

Es ist windig, einer dieser Tage im August, die schon vom Ende des Sommers künden, eines Sommers, der heiß und trocken war, so dass aus den Leitungen im Städtchen manchmal kein Wasser kam. Dann gab es auch keinen Kaffee in der Strandbar, die ein paar Meter entfernt liegt. Aber heute funktioniert das Wasser, und er hatte schon seinen ersten Cappuccino. Am Morgen sah es nach Gewitter aus, doch der Wind trug die Wolken davon, landeinwärts, wie so oft, und die Sonne brach durch.

Der Sonnenschirm leuchtet orangerot, genauso wie der Rettungsring. Und das Seil, das auf einer Spule aufgerollt ist. War es jemals abgerollt? Der Volant am Sonnenschirm tanzt im Wind, fast schon hektisch schlägt er seine Wellen im Kreis, und dahinter brechen die Wellen des Mittelmeers in der geschützten Bucht.

Der Typ mit dem Standup-Paddleboard ist jung und muskulös. Er wirft das Board ins seichte Wasser und betritt es mit einem eleganten Schritt, als ob er eine Treppenstufe nimmt. Der Strandwächter versucht die Marke des Boards zu erkennen, aber der Mann verdeckt die Sicht. Er steht wie eine Eins und hat sich im Nu einige Meter fortbewegt. Das Paddel sticht er locker ins Wasser, um vorwärtszukommen und um die Richtung zu halten. Offenbar will er hinaus aus der Bucht, um die Mole herum, ins offene Meer. Das Board sieht teuer aus, es ist eines der größeren und breiteren, das auch bei stärkerem Seegang sicher im Wasser liegt. Der junge Mann scheint das schon öfter gemacht zu haben. Sein Oberkörper und seine Arme sehen trainiert aus. Er bewegt sie mühelos im Takt der Wellen. Der Strandwächter hätte auch Lust, ein SUP auszuprobieren. Bislang hat sich die Gelegenheit noch nicht ergeben. Er könnte jemanden fragen. Oder vielleicht kennt sein Chef jemanden, der ihm eines ausleiht für einen Nachmittag. Es macht sicher Spaß, auch wenn er nicht weiß, ob er vielleicht zu schwach dafür ist. Er hatte Mühe, damals bei der Ausbildung, einen leblosen Körper aus dem Wasser zu ziehen. Von wegen nur Technik, Kraft braucht man auch. Der Standup-Paddler ist schon an der Spitze der Mole angelangt. Das ging schnell. Ein Augenaufschlag, und eine Szene verändert sich vollkommen. So ist das am Meer. Du glaubst, die Wolken da vorn verdichten sich, nehmen dir die Sonne und gleich kommt der Regen. Stattdessen weht der Wind zwei, drei Mal durch sie hindurch und schon sind sie zerstoben. Der Volant am Sonnenschirm spielt verrückt. Er flattert, als ob es kein Morgen gäbe.

Der Strandwächter trägt das orangerote Shirt mit dem Aufdruck ‚Salvataggio‘ auf dem Rücken. Rettung. Für ihn ist es ein Versprechen. Der Wind lässt ihn ein bisschen frösteln. Er reibt sich die Oberarme und schaut sich um. Sein Chef steht an der Theke der Strandbar und versteht seinen Blick offenbar als Aufforderung, ihn anzusprechen. Mauro, schallt es zu ihm herüber. Er kann jetzt nicht, denkt er sich und dreht sich wieder zum Meer.

Ein Motorboot fährt an der Mole entlang. Diese Typen. Immer kommen sie so nah. Das ist nicht in Ordnung, das ist gefährlich. Die Sonne hat nun fast ihren höchsten Punkt erreicht. Ein besonderes Licht. Es ist so hell, dass es wieder dunkel wirkt. Klingt seltsam. Der Strandwächter versucht, es sich so zu erklären: Das Licht sticht gleißend ins Meer, wird so sehr reflektiert, dass alles andere drumherum, die Steine der Mole, die Angler, ihre Angeln, die Köpfe der Badenden, dunkel erscheint, fast schwarz. Es ist eine schmerzhaft schwarze Helligkeit, die er nur mit Sonnenbrille erträgt. Er schiebt sie sich etwas höher auf die Nase.

Ihre Wege werden sich gleich kreuzen, die des Standup-Paddlers und die der zwei Jungs im Motorboot. Jungs, ja Jungs, aus dieser Entfernung sehen sie sehr jung aus, schmal und schlank. Sein Chef ist nun zu ihm gekommen, er baut sich vor ihm auf, scheint etwas zu wollen. Er kann sich schon denken, was. Er soll die Wochenendschichten übernehmen. Die mag er nicht, weil es da so viel aufzupassen gibt, so viele Leute, so viele Kinder. Ja, die Kinder, sie sind immer wild und unbedacht und in Gefahr. Er ist froh, wenn beide Eltern dabei sind und die Großeltern, die ein Auge auf sie haben. Doch er nickt seinem Chef zu, ohne genau zuzuhören. Im Prinzip ist es ihm egal, dann arbeitet er eben zwei Wochen durch, es wartet ja niemand auf ihn. Sein Chef hat offenbar gedacht, es wäre schwieriger, ihn zu überreden. Er steht aufgeplustert da. Aber mit jedem Nicken von ihm fällt sein Chef allmählich in eine entspannte Haltung zurück, die wiederum ihn dazu bewegt, sich in seinem Klappsessel zurückzulehnen. Der Wind ist abgeflaut, die Luft wird heiß.

Er blickt aufs Meer. Das Motorboot hat sich ein gutes Stück entfernt, es fährt außerhalb der Bucht an der Mole entlang. Doch was ist das? Es sitzen jetzt drei Männer im Boot. Er blinzelt, streicht sich über die Augen. Es sind immer noch drei Männer. Hat er vorhin einen übersehen? Er geht mit dem Blick zurück nach links bis zur Spitze der Mole, dort wo sich die Wege von Motorboot und Standup-Paddler gekreuzt haben. Der Paddler ist nicht mehr da. Er ist auch nicht weiter draußen und nicht weiter links. Wo kann er so schnell hin gepaddelt sein? Ah! Dem Strandwächter geht ein Licht auf. Sie haben ihn an Bord genommen. Er fixiert das Motorboot. Ein Mann sitzt hinten, die anderen zwei stehen am Ruder und klatschen sich mit hoch erhobenen Händen ab. High Five. Wie man es tut, um einen Erfolg zu feiern. Er meint, ihr Lachen zu hören. Aber das kann nicht sein, der Motor ist zu laut. Er folgt ihnen noch eine Weile die Küste entlang, nimmt auch sein Fernglas hinzu. Alle drei sehnige Typen mit dunklen Haaren. Sie wollen bestimmt zum nächsten Ort, dort gibt es ein paar Discos und Bars. Vorher gehen sie bestimmt etwas essen.

Er war schon lang nicht mehr abends aus, seine Freunde haben Freundinnen, seitdem ist nichts mehr mit ihnen anzufangen. Da fällt ihm ein, dass er nicht weiß, was er nachher kochen soll. Muss er einkaufen? Er hat keine Ahnung, was im Kühlschrank ist. Der Volant des Sonnenschirms schlägt nur noch hin und wieder.