Samo - György Szitas - E-Book

Samo E-Book

György Szitas

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Beschreibung

Das siebte, nachchristliche Jahrhundert: Eine Zeit des Umbruchs, des Neubeginns! Das (West-)römische Reich existiert schon lange nicht mehr. Die Hunnen existieren nicht mehr als eigenes Volk, an ihre Stelle sind die Awaren getreten. Die Reiche der Ostgoten und Gepiden existieren nicht mehr. Die Reiche der Byzantiner (Ostrom) und der Merowinger (Franken) haben ihre schwersten Krisen hinter sich gebracht. (Herrschaft des Phokas / Merowingischer Bruderkrieg) Die sogenannten "Alpenslawen" gründen mit Karantanien (heute Kärnten, Steiermark und Niederösterreich) ein eigenes Reich. Auf der arabischen Halbinsel wird der Islam gegründet. Was aber geschah im Bereich des heutigen Bayerischen Waldes, des Böhmer Waldes, den Karpaten und der pannonischen Tiefebene. Hier tritt – wie aus dem Nichts – ein "fränkischer Kaufmann namens Samo" auf, der die westslawischen Stämme vereinigt und gegen ihre "Herren" die Awaren führt. Der vorliegende Roman taucht in diese Zeit ein und verbindet überlieferte, historische Begebenheiten miteinander. Ergänzt um fiktive Ereignisse und Handlungen erzählt der Roman von Samo, einem Mann, der erst durch die Geschehnisse um ihn herum, zu der historischen Gestalt wurde, die er letztlich war.

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Seitenzahl: 655

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis
Teil I – Der Aufstand
Ein Händler aus dem Gau von Senongano
Der Auftrag der Könige
Notburga
Der Zug zu den Wenden
Der Anführer der Slawen
Das Castellum Kunibertis
Die Fallen schnappen zu
Ein besonderer Gefangener
Der Gegenschlag der Awaren
Der sterbende Fürst
Teil II – Nachbarschaftlicher Ärger
Das große Haus des Samo
Großfürst der Slawen
Die Tochter des Komentiolos
Reisende
Liebeleien
Gradec
„Fränkische Händler“
Langobarden
Geschäfte
Ein Bündnis wird bekräftigt
Versprechen werden eingelöst
Teil III – Krieg
Fränkische Unterhändler
Ein großer Krieg zieht auf
Erste Kämpfe
Gefangen
Franken am Fuße der Wogastisburg
Der Sturm auf die Wogastisburg
Alles in diesem Land ist gegen uns!
Im Lande der Baiern
„Wirf sie aus dem Tal!“
Teil IV – Neben- und Miteinander
Erinnerungen
Der Zug der Bulgaren
Mord
Aus Kindern werden Leute
Auf der Jagd
Notburga in Not
Vater und Tochter
Ein Kaufmann aus dem Gau von Sengano
Der Kreis schließt sich
Anhang 1 – Handelnde Personen
Anhang 2 – Auszug aus der Fredegarchronik / Erklärung des Autors
Impressum

Teil I – Der Aufstand

Ein Händler aus dem Gau von Senongano

Im Winter des siebten Regierungsjahres1 des Frankenkönigs Chlothar II bewegte sich eine kleine Karawane von etwa 40 Männern auf ein Gehöft zu, das im Gau von Senonago lag.

Viele Jahre später sollte diese Stadt einmal den wohlklingenden Namen „Sens“ tragen, aber das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Der Anführer der Karawane wurde von allen Leuten nur Samo gerufen und war ein kräftiger junger Mann von 25 Jahren. Seit etwa zwei Jahren war er mit Adelgunde verheiratet, die 20 Winter zählte und mit der er einen knapp einjährigen Sohn, namens Ingvar hatte.

Zuletzt hatte er die beiden im Frühling gesehen, als er sich auf den Weg nach Byzanz machte, um dort feinste Tuche zu erwerben. Denn mit dem Handel bester Weine und Tuche verdiente er seinen Lebensunterhalt. Der eigentliche Name Samos war Samson, aber nur seine Frau nannte ihn bei diesem Namen.

Da er dem Bischof von Paris die Steuern schuldete, hatte die Karawane einen Umweg dorthin gemacht und der ehrwürdige Bischof hatte ihm huldvollerweise bestätigt, dass Samo seine Steuern für die nächsten vier Jahre abgegolten hatte. Für fünf Ballen feinsten Leinens und einem Ballen feinster Seide hatte man das auch erwarten können. Zusätzlich hatten die Männer noch fünf Wegelagerer bei dem ehrwürdigen Herrn vorgeführt, die es mit ihrer Bande von etwa 50 Dieben gewagt hatten die Karawane des Samo anzugreifen.

Der Angriff konnte dank der hervorragenden Bewaffnung von Samos Leuten abgewehrt und die meisten Angreifer erschlagen werden, während nur zwei von Samos Männern kleinere Wunden davon getragen hatten. Die Wertsachen der Wegelagerer wurden ihnen abgenommen und ihre Leichen am Wegesrand liegen gelassen – als Warnung für diejenigen, die ähnliches vorhatten.

Samo sehnte sich danach seine Familie wiederzusehen, er war eigentlich viel zu selten zu Hause und hätte gern wesentlich mehr Zeit mit seiner Frau und dem kleinen Ingvar verbracht.

Den meisten seiner etwa 40 Begleiter, die mit ihrer vortrefflichen Bewaffnung und den kräftigen Pferden – bei schönem Wetter – ein wunderbares Bild abgaben, mochte es ähnlich ergehen. Sie alle stammten aus dem Senonganer Gau.

Kurz vor den ersten Schneefällen hatten sie die Alpen überquert, das Land Burgund erreicht und konnten sich nun nach Orleans wenden. Zum Fest des heiligen Lazarus hatten sie diese Stadt erreicht.

Jetzt – es waren noch zwei Tage zur Wintersonnenwende, also dem Fest der Heiligen Lucia – fiel der Schnee in solchen Mengen, dass sie nur noch beschwerlich vorwärts kamen und sich in ihre dicken Mäntel hüllen mussten.

Alles in allem sah dieser Zug – bei diesem Wetter – nicht danach aus, dass mit ihm die erlesensten Stoffe transportiert wurden, die Neustrien und Burgund in der nächsten Zeit zu sehen bekommen würden. Was aber kein Problem darstellte, denn die Reisenden wollten in erster Linie gesund zu Hause ankommen.

Samo hing seinen Gedanken nach, bald würde er seine schöne Frau wieder in den Armen halten können, sie würden sich lieben und eine Menge zu erzählen haben, als ihn Benno – der als Kundschafter voraus geritten war – unwirsch aus seinen Gedanken riss:

„Alarm – ein Überfall – der Hof von Samo steht in Flammen!“

Samo war sofort hellwach. „Zwanzig Mann mir nach, der Rest bleibt bei den Wagen!“

Dann rammte er seinem Pferd die Fersen in die Flanken.

Samo und die vorderen zwanzig Mann folgten Benno in vollem Galopp zu dem Handelshof und sahen das schreckliche Unglück, das die Flammen dort bereits angerichtet hatten. Einige Bauern aus den umliegenden Gehöften waren dabei das Feuer zu löschen und Samos Männer machten sich sofort daran ihnen zu helfen.

Von den Angreifern fehlte jede Spur.

Samo selbst rannte ins Innere des Hofes, aber ein alter Mann – den er zunächst gar nicht erkannte – hielt ihn davon ab.

„Nein Samo, schau dir nicht an, was diese Goten angerichtet haben.“

„Welche Goten? – Hier? – Weshalb?“

„Adelgunde ist erschlagen und Ingvar – er war doch noch ein Kind…“

Jetzt erst erkannte Samo, seinen Schwiegervater Sigubert der vor ihm zusammengebrochen war.

Jedoch wollte er sich selbst ansehen, was dem Vater seiner Liebsten nicht über die Lippen kommen wollte.

Als Samo im Inneren des Hofes angekommen war, sah er, dass das Fenster des Gemaches, das er sich mit Adelgunde teilte, offen war. Das war ungewöhnlich, da normalerweise die Läden der Fenster während der gesamten kalten Jahreszeit fest verschlossen waren.

Er ging also auf dieses Fenster zu und strauchelte, nur durch einen schnellen Schritt zur Seite konnte er einen Sturz verhindern. Als Samo sah worüber er fast gefallen war, stockte ihm der Atem.

Zu seinen Füßen sah er den geschundenen Körper seines kleinen Sohnes liegen. Das Gesicht Ingvars lag im Dreck, neben seinem Gesicht war der Schnee mit Blut bedeckt, sein linker Arm lugte unter dem Kopf hervor, während der rechte Arm nach hinten verdreht war. Die Beine Ingvars lagen ebenfalls unnatürlich auf dem Boden.

Erst nach einem kurzen Moment, war es Samo möglich sich zu Ingvar zu beugen und dessen, weit aufgerissenen Augen, zu schließen. Ein lauter Schrei drang aus seinem Mund, als er den kleinen Körper berührte.

„Was ist geschehen? Wo ist meine Frau?“ drang es ihm durch den Kopf.

Samo bettete den toten Körper seines Sohnes in eine würdigere Position und betrat – auf das Schlimmste gefasst – das Haus, in dem völlige Dunkelheit herrschte.

Zu seinem Glück kannte er sich hier blind aus, so dass er ohne weitere Zwischenfälle in das Gemach gelangte, dessen Fensterläden weit offen standen.

Durch das hereinfallende, düstere Licht sah er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt:

Adelgunde lag mit zerrissenem Gewand auf dem Bett, das er vor drei Jahren mit eigenen Händen gebaut hatte. Ihre sonst so lebendigen, wunderschönen braunen Augen, die er immer als den Spiegel ihrer Seele bezeichnet hatte, starrten nun leblos die Decke an. Adelgundes schlanke, aber kraftvolle Beine, die Samo so gern an seinem Körper gespürt hatte, lagen gespreizt und leblos auf dem Bett.

Aus ihrem Hals, den Samo so gern mit seinen Küssen bedeckt hatte, lief in einem kleinen Rinnsal Blut heraus, nachdem ihr die Kehle durchtrennt worden war. Ringsum hatte sich eine große Blutlache ergossen.

Samo brüllte seine Wut und seinen Hass auf denjenigen hinaus, der dieses Verbrechen begangen hatte und sein Brüllen ließ die Wände seines Hauses erzittern.

Als nach einiger Zeit seine Wut nachließ und er wieder klarer bei Verstand war, legte er die Beine seiner schönen Frau parallel zueinander, faltete ihre Hände vor der Brust in christlicher Weise und ordnete ihr Gewand so, dass keine Blöße ihres geschundenen Körpers zu sehen war. Dann wickelte er seine Frau in ihren Mantel ein, damit sie nicht frieren würde und bedeckte ihr Gesicht mit einem Leinentuch, das er der Wiege Ingvars entnahm, nachdem er sie auf die Stirn geküsst und eine Locke ihres Haares abgeschnitten hatte.

Anschließend ging er nach draußen und bettete den kleinen Ingvar neben seine Mutter, nachdem er auch dessen toten Körper anständig bekleidet und auch ihm eine Locke abgeschnitten hatte.

Dann bedeckte er das gesamte Bett mit einem Laken aus groben Stoff.

Die abgeschnittenen Haare füllte er in ein kleines Säckchen, das er immer bei sich tragen würde, als Erinnerung an seine ermordete Familie.

Keine Träne rann über Samos Wangen, als er sein Haus verließ – weinen konnte er nicht mehr und von nun an bestimmte nur noch Hass auf den Mörder sein Handeln.

+++

Der Brand des Warenlagers war schnell gelöscht worden, so dass das Feuer nicht allzu großen Schaden hatte anrichten können. Die meisten Waren und Vorräte blieben erhalten, die teureren Weine und Stoffe jedoch fehlten und waren auch nicht dem Feuer zum Opfer gefallen.

Die Kämpfer Samos, die bei den Wagen zurückgeblieben waren, kamen nun mit diesen im Dorf an und sahen eine Menschentraube, die sich um Sigubert – Samos Schwiegervater – gebildet hatte.

Alle wollten wissen was geschehen war. Was Sigubert aber zu berichten hatte, brachte ihr Blut zum Kochen.

Um die Mittagszeit war ein Trupp Goten gekommen, die behaupteten der Bischof von Paris, Céraune habe sie geschickt, die ausstehenden Steuern einzutreiben.

Adelgunde verwies darauf, dass sie Nachricht von ihrem Mann habe, dass er mit mehreren Wagenladungen wertvollsten Tuches in Paris sei, um die Steuern zu bezahlen und dass er voraussichtlich heute ankommen müsste.

Alberich, den Anführer der Goten interessierte das jedoch nicht. Er wies seine Männer an die wertvolleren Gegenstände aus dem Warenhaus zu räumen und es dann anzuzünden, packte Adelgunde an ihren Haaren und zerrte sie ins Haus.

Da die Goten schwer bewaffnet waren und alle Zugänge zu Haus und Hof abriegelten, konnten die Dorfbewohner nur ahnen was nun geschah.

Kurz darauf hörten sie, wie der kleine Ingvar anfing zu schreien, Alberich fluchte und nach einem Geräusch, das an krachendes Holz erinnerte, hörte man kein Kind mehr schreien. Nur noch Adelgunde...

Samo unterbrach mit dumpfer und hasserfüllter Stimme seinen Schwiegervater: „Ingvar lag mit zerbrochenen Gliedern vor dem Fenster. Adelgunde habe ich drinnen gefunden.“

Er wandte sich ab und holte tief Luft, bevor er Sigubert mit ruhigerer Stimme fragte:

„Der Bischof habe sie geschickt, sagten sie?“

Samos Stimme war anzuhören, dass ihr Besitzer mit sich selbst kämpfte.

Siguberts leises, ersticktes „Ja.“ war kaum zu hören.

Samos Züge erstarrten zu Stein, bevor er sich abwandte und sich daran machte vor seinem Haus ein Grab auszuheben.

Benno und Sigubert wollten ihm helfen, aber er lehnte ihre Hilfe ab.

Da der Boden gefroren war, brauchte er für diese Tätigkeit die ganze Nacht und als der Morgen graute, sah man ihn, wie er seine Familie würdig in das frische Grab legte und es wieder mit Erde bedeckte. Ein einfaches Kreuz aus zwei Latten wurde an das Kopfende gesetzt, zum Gedenken an diejenigen, die hier zu finden waren.

Samo dachte in einem kurzen Moment der Ruhe daran, wie er seinen Sohn zuletzt getragen und seine Frau zuletzt geliebt hatte. Er machte sich Vorwürfe, dass er für seine Reise so lange gebraucht hatte und seine Familie nicht hatte beschützen können.

Aber statt in eine hilflose Starre zu verfallen, warf er sich den dicken, dunklen Mantel über die Schultern, bestieg sein Pferd und verließ das Dorf, ohne sich nochmals umzudrehen.

Derjenige, der dieses Verbrechen zu verantworten hatte, würde sich wünschen, nie geboren worden zu sein.

+++

Céraune, der Erzbischof von Paris, hatte am Morgen nach der längsten Nacht des Jahres, die er betend und fastend in der Kirche verbracht hatte, die Messe gelesen und spazierte in seine Audienzhalle, da es jedem guten Christen der Frankenreiche Neustrien und Burgund an diesem Tage gestattet war, seine Anliegen dem erlauchten Erzbischof direkt vorzutragen, damit dieser sich beim König für die jeweiligen Anliegen einsetzen konnte. Wahrscheinlich ging es – wie meistens – um irgendwelche Nachbarschaftsstreitigkeiten, denen der König wenig Aufmerksamkeit zumessen wollte. Hatte er mit seinen Nachbarn und seinem Adel doch genügend Probleme.

Aber dem Bischof waren die kleinen Sorgen der Leute ein Anliegen und ab und zu hatte er sich auch für die einfacheren Leute einsetzen können.

So war an diesem Tag, nach dem Lichterfest der Heiligen Lucia – wie meistens – der Audienzsaal gut gefüllt.

Er nahm an der Stirnseite Platz und sein Seneschall2 rief die Anwesenden auf, ihre Anliegen nun vorzutragen.

Die ersten beiden Fälle waren kleine Familienstreitigkeiten, die damit gelöst werden konnten, dass sich beide Parteien im Beisein eines Mönches, der als Schlichter fungierte, zusammensetzten und miteinander das Problem aus der Welt schafften – das ging dem König beileibe nichts an.

Dann trat jedoch ein Mann im langen Mantel und mit tief in die Stirn gezogener Gugel vor, der Folgendes sagte:

„Schweres Leid wurde mir in Eurem Namen zugefügt und ich verlange Gerechtigkeit!“

„Was ist Euch geschehen?“

„Goten, die in Euren Diensten stehen, haben mein Weib und Kind erschlagen, mein Haus angezündet und Teile meiner Waren gestohlen.“

Ein Raunen ging durch die Menge.

„Wer seid Ihr, dass Ihr eine derartige Behauptung aufstellt?“ war der Seneschall zu hören. Und die Gesellschaft merkte, dass er sich zurückhalten musste, um nicht auf den Ankläger ein zu prügeln.

Aber der Angesprochene war noch nicht fertig, wurde lauter und schritt auf den Bischof zu.

„Das ist ein Dokument aus Eurer Hand – gerade mal fünf Tage alt – in dem Ihr mir bestätigt, dass meine Steuern für die nächsten vier Jahre beglichen wären.“

Da der Kläger nur noch wenige Schritte vom Bischof entfernt war, wollte ihn ein Wächter zurückdrängen, bekam aber einen solchen Hieb, dass er rückwärts zu Boden fiel und regungslos liegen blieb.

„Ihr wollt wissen wer ich bin?“ wandte er sich an den Seneschall. „Ich bin Samson, genannt Samo und Euer Domus hat mir vor fünf Tagen diese Urkunde ausgestellt.“

Mit diesen Worten zog Samo die Kapuze der Gugel zurück, hielt den Seneschall am Kinn fest und schob ihn gegen die Wand, so dass seine Füße in der Luft schwebten, während er ihm die Urkunde zeigte.

Und zum Bischof gewandt, während sein gesamter Körper nach Vergeltung schrie:

„Haltet Ihr immer so Euer Wort? Als ich vorgestern nach Hause kam, fand ich meinen Hof brennend vor, meiner Frau wurde Gewalt angetan, bevor sie ermordet worden war und mein Sohn lag in seinem Blut vor meiner Haustüre – er hat noch nicht mal richtig laufen können! Mein Schwiegervater erzählte mir, dass der Gote Alberich – der wie ich weiß, in Euren Diensten steht – diese Freveltat begangen hat, weil ich meine Steuern nicht bezahlt hätte! - Nun will ich seinen Kopf! Gebt Ihr ihn mir oder soll ich ihn mir selbst holen?“

Sprach’s und ließ den Seneschall los, der zu Boden sackte und nach Atem rang.

Der Bischof stand gegen Samo auf und erklärte:

„Es tut mir leid, was Euch widerfahren ist, aber glaubt mir, Alberich handelte nicht in meinem Auftrag – im Gegenteil.

Ich habe ihn zum Fest des Heiligen Nikolaus aus meinen Diensten entlassen und er schwor, dass er sich rächen würde. Kurz darauf erschlug er meinen Schwager und dessen Familie und plünderte dessen gesamten Besitz!

Nun hat er das auch bei Euch gemacht, da ich Euch freundschaftlich verbunden bin.“

„Das will ich meinen nach der Menge an Tuchen, die ich Euch kostenlos übergeben habe.“

Samos Zornesader pulsierte und verlangte nach Blut:

„Wo finde ich ihn?“ knurrte er.

„Das weiß ich nicht“, dem Bischof schwankte der Boden unter den Füßen und er sank auf die Knie, als wollte er dem Hass ausweichen, der ihm von Samo entgegen schlug; „ich habe keine Nachricht mehr von ihm. Sobald ich etwas höre, werde ich Euch benachrichtigen.“

Die letzten Worte rief er Samo noch hinterher, aber dieser verließ unwirsch, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, den Saal.

Samo würde von nun an sein gesamtes, beträchtliches Vermögen einsetzen, um den Mörder seiner Familie zu stellen und zu töten.

+++

Laurin betrieb eine kleine Schenke mit Herberge an der Grenze zwischen Austrien und Neustrien, an der Straße, die von Paris nach Reims führte. Es war Winter und die Regierung von König Chlothar II ging ins neunte Jahr. Es waren also etwas mehr als zwei Jahre seit dem Tod von Adelgunde und Ingvar vergangen.

In seiner Schenke bekam Laurin allerlei mit, weil auf diesem Handelsweg sehr viele Leute vorbei kamen, aber in letzter Zeit nahm die Anzahl an zwielichtigen Persönlichkeiten wieder zu. Und es wurde gemunkelt, dass es bald wieder Krieg geben würde. Vielleicht diesmal zwischen König Chlothar und seinem Sohn Dagobert.

Warum mussten sich diese Merowinger auch immer über die Thronfolge uneinig sein, insbesondere, wann diese stattzufinden hatte? Ehrliche Leute konnten dabei nie in Ruhe ihren eigenen Geschäften nachgehen.

„Da hinten sitzt auch wieder so eine zwielichtige Gestalt.“ Dachte er sich, aber der Kerl bezahlte bisher seinen Wein, hüllte sich in seinen dunklen Mantel und hatte die Gugel tief ins Gesicht gezogen. Anhand seiner Kleidung konnte man zwar vermuten, dass er ein Krieger war – auf der Rückseite zu schließende Stiefel, die in einem paar langen, ledernen Hosen steckten und eine halblange Tunika, die zum größten Teil von einem dicken Wollfilzmantel verdeckt wurde. Laurin hatte auch so etwas wie einen Schuppenpanzer3 darunter hervor blitzen sehen.

Gesprochen hatte der Fremde bisher nur das Nötigste.

„Von mir aus kann das auch so bleiben.“ Dachte Laurin weiter, wohl wissend, dass das nicht so bleiben würde. Denn in dem Moment flog die Türe auf und vier Goten marschierten herein, setzten sich grußlos an den mittleren Tisch und bestellten den besten Wein.

„Das gibt bestimmt wieder Ärger“ raunte ihm Ludmilla zu. Sie war aus Karantanien4 hierher verschleppt worden und Laurin hatte sie von einem Sklavenhändler günstig erworben. Mittlerweile war sie aber seine rechte und linke Hand gleichzeitig und er behandelte und liebte sie im Grunde wie seine Ehefrau – die er nie gehabt hatte.

„Der Kerl da hinten macht mir auch Kummer“, meinte er „sitzt da, trinkt seinen Wein und lässt sich sonst nichts anmerken.“

„Aber er zahlt und gibt noch Trinkgeld dazu“, widersprach Ludmilla „von mir aus könnten alle Gäste so sein.“

Nahm den Krug mit Wein und stellte ihn den Goten, mit dem nettesten Lächeln zu dem sie imstande war, auf den Tisch.

Die meisten Goten, die in diesem Gebiet unterwegs waren, ließen sich als Söldner mal von neustrischer, mal von austrischer Seite anwerben, je nachdem, wer besser bezahlte. Blieben sonst aber unter sich. Sofern sie nicht in Lohn und Brot bei einem Kriegsherrn oder „major domus“ standen, lebten sie von Überfällen auf schlecht ausgerüstete Reisende.

Diese vier Exemplare waren in der Beziehung nicht anders, wobei einer davon ein ziemliches Großmaul zu sein schien und immer unglaublichere Geschichten erzählte. Gekleidet waren alle drei, der Jahreszeit entsprechend, in Fellkleidung, Schuppenpanzer und einem langen Mantel darüber.

Ihre rohledernen Sturmhauben hatten sie gleich am Anfang auf den Tisch krachen lassen.

Als das Großmaul anfing zu erzählen, dass er vor etwas mehr als zwei Jahren beim Bischof von Paris gedient hatte, setzte sich der Kerl in der hinteren Ecke etwas um, scheinbar wollte er genauer hören, was dieser Mensch da von sich gab.

Er winkte Ludmilla zu sich her und raunte ihr zu:

„Wenn Dir und Deinem Herrn Euer Leben lieb ist, haltet Euch bei dem was jetzt kommt vom Tisch der Goten, den Türen und dem Fenster fern!“

„Ich hab's doch geahnt“, sagte sich Laurin, nachdem Ludmilla ihm die Warnung des Fremden überbracht hatte und ging hinter dem Tresen in Deckung, wo er zu seinem eigenen Schutz ein altes Spatha5 versteckt hatte.

Ludmilla blieb ebenfalls in der Reichweite des Tresens, nachdem außer dem Fremden und den Goten nur zwei einheimische Bauern in der Schenke waren, war das kein Problem.

Als das Großmaul gerade lauthals erzählte, dass er, nach seinem Dienst beim Bischof von Paris den Hof eines Tuch- und Weinhändlers geplündert und dabei „mehrere bestens bewaffnete Krieger“ zu ihren Vätern gesandt hatte, erhob sich der schweigsame Fremde, ruhig aber kraftvoll.

Er umrundete den Tisch und stellte sich genau gegenüber von dem Großmaul auf.

Ruhig fixierte er ihn, bis dieser ihn anblaffte:

„Willst’ was von mir?“

„Möglich. Kann es sein, dass du Alberich heißt und vor etwas mehr als zwei Jahren im Dienst des Bischofs Céraune von Paris gestanden hast?“

Der Fremde stand dabei mit seiner vollen Körpermasse dem Goten gegenüber.

„Ja, aber was geht’s Dich an? Hab’ ich doch gerade erzählt!“

„Der Hof, von dem Du gerade erzählt hast“, antwortete ihm der Fremde mit einer Ruhe, dass es dem Beobachter einen Schauer über den Rücken jagte.

„Lag der Hof im Gau von Senonago?“

„Ja.“ Kam jetzt zögerlicher zurück.

„Wie viele schwerbewaffnete Gegner hattest Du da gleich noch mal?“

„Weiß nicht mehr. Drei, vier?“

„War es nicht nur einfach ein kleines Kind, das noch nicht mal richtig laufen konnte und eine junge Frau? Das Kind hast Du zum Fenster hinausgeworfen, der Frau Gewalt angetan und sie dann umgebracht!“ dabei war der Fremde ziemlich laut geworden, so dass in der Schenke jetzt endgültig alle Augen auf den Tisch in der Mitte gerichtet waren.

Der Gote stand auf.

„Wenn Du schon alles so genau weißt, warum fragst Du dann noch?“ knurrte er und die Kampfeslust brachte die Luft zwischen den Streitenden zu flimmern.

„Ich wollte nur sichergehen, dass ich den Richtigen vor mir habe. Und jetzt schlage ich vor, Du folgst mir nach draußen. Oder soll ich Dich gleich hier festnehmen und hinter meinem Pferd her schleifen?“

„Und weshalb sollte ich Dir wohl folgen wollen?“

„Du könntest Dich Deiner gerechten Strafe stellen! Es war mein Kind und meine Frau, die Du getötet hast – und zwar vollkommen grundlos. Oder kämpfst Du nur gegen Leute, die sich nicht wehren können?“

Dabei ließ der Fremde seinen Mantel fallen und schob die Kapuze seiner Gugel zurück unter der die langen blonden Haare hervor drangen. In seiner Hand lag eine schwere Streitaxt und seinen Oberkörper bedeckte ein stabiler Schuppenpanzer.

Aber in seinen Augen brannte nun der schlimmste Hass, den sich die Goten vorstellen konnten.

„Wer bist Du?“ fragte Alberich nur noch.

„Ich bin Samo und jetzt solltest Du mit mir nach draußen gehen.“

Sprach’s und ging am Tisch vorbei zur Türe hin. Als er sie erreicht hatte, schrie Ludmilla auf und er duckte sich instinktiv, so dass der Dolch, den Alberich nach ihm geworfen hatte, im Holz der Türe stecken blieb.

„Also doch ein Feigling!“ murmelte Samo und war mit einem Satz beim Tisch der Goten.

Ein anderer Gote hatte ebenfalls einen Dolch gezogen, aber bevor er ihn gegen Samo richten konnte, lag seine Hand – abgehackt von Samos Streitaxt – an der hinteren Wand.

Die beiden anderen Goten zogen ihre Schwerter und griffen Samo gemeinsam an, doch dieser wich geschickt aus und konnte dem Ersten einen Schlag gegen das Brustbein beibringen, so dass dieser zusammenbrach, Blut ausspieh und mit weit aufgerissenen Augen zu Boden sank.

Nun drang auch Alberich mit seiner Axt auf Samo ein, aber dieser parierte seine Schläge und setzte seinerseits Alberich zu, dass sich dieser in einer Ecke zurückgedrängt sah.

Samo wollte gerade gegen den Kopf Alberichs schlagen, als dessen letzter Gefährte auf Samo eindrang und ihm einen Stich gegen den Rücken setzte.

Aber die Klinge konnte den Schuppenpanzer Samos nicht durchdringen. Während Samo den Schwung seines Schlages nun gegen den Angreifer richtete und diesem den Schädel spaltete.

Diesen Moment nutzte Alberich und rettete sich durchs Fenster ins Freie.

Samo bemerkte das und sprang ebenfalls durch das Fenster, das wegen der kalten Jahreszeit mit einem Fell verhängt war.

Draußen war es bereits dunkel und es hatte wieder zu schneien begonnen.

Samo wusste nicht wohin Alberich geflohen war, aber eine fliegende Streitaxt, die knapp neben dem Fenster an die Wand prallte verriet ihm die Richtung.

„Alberich! Stell Dich wie ein Mann, Du kannst mir nicht entkommen. Ich bringe Dir sogar Deine Waffe mit!“ rief Samo, holte tatsächlich die Streitaxt Alberichs und lief in die Richtung aus der die Axt geflogen war.

Auf der Mitte der Straße stand Alberich und nicht nur seine Augen verrieten seine Angst. An seinem Bein war er nass und diese Nässe dampfte noch, so dass sie nicht vom Schnee kommen konnte.

Samo trat ihn mit den beiden Äxten entgegen. Legte die Axt Alberichs auf den Boden und schob sie ihm mit dem Fuß zu.

„Mach einmal in Deinem Leben einen ehrlichen Kampf, Alberich, besonders da dies Dein letzter sein wird“, sprach Samo ruhig.

Alberich bückte sich nach der Axt, hob sie und ging in Lauerstellung.

Samo hielt seine Axt kampfbereit in beiden Händen vor dem Körper, so dass er einen Schlag – aus welcher Richtung auch immer – sofort abwehren konnte.

Alberich ging auf Samo zu, fing an ihn zu umkreisen. Samo hingegen blieb stehen, Alberich ständig beobachtend.

Der Gote meinte, nun eine Lücke gefunden zu haben und rannte auf Samo los. Doch dieser drehte seinen Oberkörper zur Seite, stellte dem Goten ein Bein und der Gote landete im Schnee.

Samo veränderte seine Position leicht, wartete bis Alberich sich wieder aufgerappelt hatte und erwartete geduldig den nächsten Angriff seines Gegners.

Der war mittlerweile so wütend und zornig, dass er sofort auf den Franken los sprang um ihm den Schädel zu spalten. Laut schrie er: „Das ist Dein….“

Zum „Ende“ kam er nicht mehr, denn die Wucht des Angriffs hatte Samo genutzt, um ihn wieder ins Leere laufen zu lassen.

Diesmal jedoch schlug er mit seiner Axt auf den Nacken seines Gegners und trennte dessen Kopf vom Rumpf, so dass dieser ein paar Meter entfernt liegen blieb.

Samo lies die Axt herab sinken, fiel auf die Knie und begann zu weinen.

Die Rache, die er am Grab seiner geliebten Frau Adelgunde und seines Sohnes Ingvar geschworen hatte, war vollbracht.

Doch der Schuldige hatte eigentlich zu wenig gelitten.

Der Auftrag der Könige

Samo arbeitete in der Schmiede seines Schwagers Kunobald an seinen Waffen, insbesondere die große Streitaxt, mit der er vor zwei Wochen Alberich und zwei seiner Spießgesellen getötet hatte, brauchte eine neue Griffwicklung. Die anderen Waffen hatte er bereits durchgesehen, aber hier musste nichts repariert werden.

Vor etwas mehr als zwei Jahren, war er noch nicht so sorgsam mit seinen Waffen umgegangen, aber der Überfall Alberichs und der Tod seiner Familie hatte aus ihm einen anderen Menschen gemacht.

Als Adelgunde, seine Frau und Ingvar, sein Sohn noch lebten, gab es für ihn nichts Schöneres als bei ihnen zu sein, auch wenn ihm das Geschrei seines kleinen Jungen manchmal den Verstand raubte.

Aber der gewaltsame Tod seiner Liebsten hatte Vieles verändert.

Keinem Händel ging er mehr aus dem Weg, was aber zu seinem eigenen Bedauern bisher immer darauf hinausgelaufen war, dass er als Sieger daraus hervorging. Er suchte schon fast den Tod, aber der wollte ihn noch nicht bei sich haben.

„Als ob ich noch etwas Besseres vor mir hätte, als das Sterben!“ Dachte er manchmal bei sich und Leere hatte sich in seinem Herzen breit gemacht.

Also zog er durch die Lande, auf der Suche nach irgendwelchen Verbrechern, um ihnen den Garaus zu machen. Immer in dem Bewusstsein, dass es jederzeit auch ihn selbst treffen könnte.

Als er vor etwas mehr als einem Monat die Spur von Alberich wieder aufgenommen hatte, war er auf dieser Fährte geblieben, um ihn dann in Laurins Schänke zu erwarten.

Alberich musste irgendwo bei den Wenden oder Awaren gewesen sein, sonst hätte er ihn schon eher stellen können.

Aber vielleicht war es auch gut so, denn mittlerweile waren seine Sinne und Reaktionen geübt und ausgerechnet Alberich wollte er nicht das Vergnügen gönnen, dass er auch ihm zum Opfer gefallen wäre.

Nachdem nun seine eigene Rache vollendet war, kehrte er in sein altes Zuhause zurück.

Das Warenlager war wiederaufgebaut worden. Sigubert, sein Schwiegervater und Kunobald, sein Schwager, kümmerten sich um die Geschäfte, die sehr gut liefen und ihnen ein gutes Auskommen ermöglichten.

Samos Anteile an den Gewinnen waren so groß, dass auch er sich keine Gedanken über Geld zu machen brauchte. Im Gegenteil, er hatte sich die besten Waffen herstellen lassen können und ein gutes Streitroß zierte seinen Stall.

Samo selbst war das einzige Kind einer viel zu kurzen Ehe, zwischen einem fränkischen Kaufmann namens Balduin und einem jüdischen Mädchen namens Rebecca gewesen.

Das Mädchen, seine Mutter, war bei der Geburt gestorben und sein Vater war von einer Handelsreise auf der Bernsteinstraße6 nicht mehr zurückgekehrt.

So war er elternlos bei Balduins Nachbar Sigubert und dessen Familie aufgewachsen, von dem er das Kaufmannsgewerbe übernommen hatte.

Und Sigubert freute sich schon darauf, dass sein Schwieger- und Ziehsohn wieder als Kaufmann tätig wurde, denn Sigubert wollte sich langsam, aber sicher, zur Ruhe setzen und sein Sohn Kunobald hatte bereits jetzt viel zu viel, zu tun.

Aber für Samo waren diese Zeiten mittlerweile endgültig vorbei. Er wollte noch ein paar Wochen hier bleiben und spätestens, wenn das Wetter wieder besser wurde, aufbrechen. Immer der Nase nach, egal wohin das Schicksal ihn trieb. Die Leere in seinem Herzen würde nur noch größer werden, wenn er weiterhin hier, wo seine Liebsten ihr Ende gefunden hatten, bleiben würde.

Das wusste er genau.

An Waffen verfügte er über eine kurzstielige Franziska7 , mit der er noch nie sein Ziel verfehlt hatte, einem langen Sax8 , mehrere Dolche und eben die schwere, große Streitaxt mit den zwei Blättern, die nicht – wie sonst üblich – über einen Holzstiel verfügte, sondern vom Griff an, vollständig durchgeschmiedet worden war.

Nur der Griff war mit Lederschnüren umwickelt, die er nun erneuerte.

Als er die zwei Ellen9 lange Axt prüfend im Arm wog, ließ ihn das Geräusch von mehreren Reitern aufhorchen, die vor der Türe ankamen.

Ein Mann trat unaufgefordert durch die Türe der Schmiede ein. Der Kleidung nach war er ein Vasall von König Chlothar. Für einen Moment blieben die Augen des Mannes an den langen Haaren Samos hängen.

„Seid Ihr der, den man Samo nennt?“ fragte der Mann barsch.

„Und wer will das wissen?“ antwortete ihm betont ruhig Samo.

„Ich bin Godinus, Sohn des Warnachar. Gundoland, der Hausmeier unseres guten Königs Chlothar, schickt mich, um den zu ihm zu bringen, der sich Samo nennt. Bist Du dieser Samo?“

Der Ton des Neuankömmlings war noch immer sehr unfreundlich, offenbar war es dieser nicht gewohnt, die Befehle anderer Leute auszuführen.

„Ja ich bin Samo! Worum geht es?“ Samo war zu intelligent, als dass er sich auf die Tonlage Godinus herabgelassen hätte.

„Das kann ich Dir nicht sagen – ich habe nur den Auftrag Dich zu Gundoland zu bringen.“

Godinus merkte scheinbar, dass er mit seiner gereizten Tonlage Samo nicht aus der Reserve locken konnte.

„Lass mich hier meine Arbeit zu Ende bringen, dann folge ich Dir.“

Von diesem Kerl zum König geschleppt zu werden, konnte nichts Gutes bedeuten, aber Samo blieb bewusst ruhig und seine Sinne waren umso schärfer.

„So sei es, aber beeile er sich!“ Godinus bekam wieder Oberwasser und trat vor die Schmiede.

+++

Eine kurze Zeit später setzte sich der Tross wieder in Gang. Ihr Ziel war Paris, wo der König sich derzeit mit seinem Sohn Dagobert aufhielt.

Samo war zwar schnell bekleidet gewesen, jedoch vorsichtig genug nicht alle Waffen sichtbar zu tragen, obwohl er sein gesamtes Waffenarsenal bei sich hatte.

Sollte er durchsucht werden, hätte der Suchende seine wahre Freude, da in jedem seiner Ärmel und in jedem Stiefel ein Dolch seinen Platz hatte. Nachdem er aber über ausreichende Kraft und Geschicklichkeit verfügte, hätte er einen unachtsamen Gegner nötigenfalls mit der bloßen Faust zur Strecke bringen können.

Sie kamen gut voran, so dass sie gegen Abend in Paris eintrafen. Während der Reise hatte Samo kein weiteres Wort mit Godinus gewechselt, nachdem dieser wirklich nicht wusste, worum es bei dieser Reise ging.

Im Königsgut angekommen wurden die Pferde von Burschen übernommen, die die Sättel abnahmen und die Pferde trocken rieben, während Godinus, Samo und ein Teil ihrer Begleiter in einen Saal geleitet wurden, wo sie von den Hausmeiern Warnachar und Gundoland empfangen wurden.

„Schön dass ich Dich einmal kennenlerne Samo, ich habe schon viel von Dir gehört. Meistens Gutes – aber zuletzt auch etwas Schlechtes – zumindest für uns“, trat ihm Gundoland – der Jüngere der beiden – entgegen, während sich Warnachar mit seinem Sohn unterhielt.

Samo war überrascht so freundlich empfangen zu werden, er hatte mit weitaus Schlimmeren gerechnet.

„Wir haben in Beisein der Könige einige Dinge zu besprechen. Komm bitte mit.“ Gundoland ließ Warnachar und dessen Sohn unbeachtet stehen und schob Samo durch eine kleine, mit einem Vorhang verhangene Türe, die Samo im ersten Moment gar nicht wahrgenommen hatte.

In dem Raum dahinter stand ein Tisch, an dem zwei Männer saßen. Anhand ihrer Haartracht konnte man sofort erkennen, dass es sich um Männer aus königlichem Hause – also Nachfahren des Merowech – handelte.

Der Ältere von beiden musste Chlothar und der Jüngere sein Sohn Dagobert sein. Der Ältere war etwa zehn Jahre älter als Samo, während der Jüngere eher als „junger Bursche“ von fünfzehn Jahren bezeichnet werden konnte.

„Wir haben Dich bereits erwartet“ richtete der Jüngere von beiden das Wort an ihn. „Wie kommst Du dazu, unseren besten Kundschafter umzubringen?“

Die Abneigung die aus diesen Worten sprach war fast sichtbar.

„Wen meint Ihr?“ fragte Samo zögerlich.

„Alberich, den Goten“ antwortete ihm Dagobert. Die Worte flogen wie Pfeile in Samos Richtung.

„Hätte er ein Schild an seinem Hals gehabt, auf dem gestanden hätte, dass er Euer Kundschafter ist, hätte ich ihn in Ketten zu Euch gebracht und dann seinen Kopf gefordert. Da er aber meine Familie auf dem Gewissen hatte und kein derartiges Schild trug, war es rechtens was ich getan habe.“

Samo stellte die betont sachlich fest, wohl wissend, dass ihn eine derartige Rede schnell seinen Kopf kosten konnte. Doch er wollte diesem jungen Burschen nicht zu schnell nachgeben.

„Was rechtens ist und was nicht, entscheidet immer noch der König!“ Chlothars Zurechtweisung sorgte für ein Zucken in Dagoberts Mimik.

„Sicherlich war es nicht rechtens, dass Alberich Eure Familie umbringt, aber er hatte von uns einen wichtigen Auftrag angenommen, der immer noch ausgeführt werden muss. Da Du Alberich daran gehindert hast, seinen Auftrag zu Ende zu bringen, wirst Du diesen Auftrag nun übernehmen.“

„Der Auftrag kann nicht so wichtig gewesen sein, wenn Ihr keinen Besseren dafür gefunden habt, als dieses Großmaul“ antwortete Samo schnell und wurde dafür mit einem wütenden Blick des Königs bestraft.

Nach einer Pause des Nachdenkens fügte er vorsichtig hinzu: „Was war denn sein Auftrag?“

„Er sollte die Wenden, die man auch Slawen nennt, zu einem Aufstand gegen ihre Herren, die Awaren aufstacheln. Damit die Awaren in ihren Ländern bleiben und nicht wieder gegen uns zu Felde ziehen, wie sie es vor zwölf Jahren getan haben“, erklärte ihm nun wieder Gundoland.

„Alberich hat herausgefunden, dass sich die Slawen nicht mehr alles gefallen lassen wollen und die Awaren vielleicht angreifen würden, wenn sie von uns, Unterstützung bekämen. Aber ihre Fürsten sind untereinander zerstritten und brauchen eine einheitliche Führung, sonst kommen sie nicht weit“, erklärte Gundoland weiter.

„Und dieser Führer hätte Alberich sein sollen?“ lachte Samo laut auf, während er sich heimlich eingestand, dass diesmal wieder seine Zunge schneller war, als sie es hätte sein sollen.

„Ja, warum nicht?“ fragte Dagobert verdutzt zurück.

Samo versuchte sachlich zu bleiben: „Seit wann kann es sich ein guter Anführer leisten, in einer Schänke mit seinen Kämpfen zu prahlen, besonders wenn diese Kämpfe gar nicht stattgefunden haben?“

Samo sah den Prinzen direkt an, was diesem noch einen Stich versetzte.

Nach einer Kunstpause fragte Samo weiter: „Und wie habt Ihr Euch die ganze Sache nun vorgestellt? Soll ich etwa zu den Slawen reiten und ihnen sagen: ‚Der König Chlothar schickt mich und Ihr sollt gegen die Awaren kämpfen.’? Sie werden mich fragen: ‚Mit welchen Waffen? Und was haben wir dann davon? Soll Chlothar unser neuer Herr sein?’ Was soll ich dann antworten?“

„Es soll so sein, dass Du zu ihnen reitest, im Geheimen einen Aufstand vorbereitest, die Slawen bei diesem Aufstand unterstützt und ihnen versicherst, dass ihnen unter meiner Führung kein Leid zugefügt wird.“ Erklärte nun Chlothar selbst in aller Ruhe.

„Und was ist mit Waffen? Sollen die Wenden zu Fuß, mit Knüppeln und ohne Rüstungen gegen gut ausgerüstete Kataphrakten10 antreten?“ hackte Samo nach.

„Was denkst Du, was Du an Waffen brauchst?“

„Mindestens Schwerter und Streitäxte, Speere und Lanzen, Bögen und Pfeile, Helme, Leder- und Schuppenpanzer und Kettenhemden für ungefähr achthundert Krieger. Dazu Pferde und Maulesel um diese Waffen zu ihnen zu bringen.“

„Das ist zu teuer!“ schrie Dagobert entrüstet dazwischen.

„Geht Ihr etwa davon aus, dass sich die Awaren kampflos ergeben, nur weil die Wenden plötzlich zu schreien beginnen?“ wies ihn Samo zurecht.

„Zusätzlich brauche ich natürlich eine Eskorte von 100 Mann, die ebenfalls bestens ausgerüstet und ausgebildet sind. Außerdem müssen diese Männer auch noch in der Lage sein, neue Kämpfer zu unterweisen. Sonst könnt Ihr die Sache gleich aufgeben.“ Zählte Samo weiter auf.

Chlothar und Gundoland sahen sich Stirn runzelnd an und nickten sich zu.

„So sei es!“ meinte dann Chlothar „Aber die Männer suchst Du Dir selbst. Und wenn irgendetwas von diesem Gespräch an dritte Ohren weiter gegeben wird, lassen wir Dich von Pferden zerreißen. Die Waffen liefern wir Dir zur Kräuterstadt Uburzis11 . Dort tritt demnächst der neue Herzog der Mainlande, Hruodi sein Amt an. Wie und mit wem Du die Waffen aber zu den Wenden bringst, ist Deine Angelegenheit. Wir wissen von nichts.“

„Darüber hinaus beanspruche ich alle von mir eroberten Gebiete für mich oder die Wenden.“ setzte Samo obendrauf, „ich brauche ein Lockmittel für sie, sonst kämpfen sie nicht mit.“

Samos Verstand arbeitete nun schnell und präzise, so dass sich bereits eine Idee entwickelte.

„Auch das geht in Ordnung, jedoch bleibst Du unser Untertan und ziehst nicht gegen uns. Darauf wollen wir Deinen Eid!“ konterte Chlothar.

„Das will ich beschwören!“ antwortete ihm Samo feierlich. Er kannte die Merowinger gut genug, dass im Zweifelsfall eher die Könige der Franken ihre Verträge brachen, als dass er das hätte tun müssen. Eid hin oder her!

„Eines habe aber ich noch“, mischte sich nun Dagobert ein. „Ich habe eine noch unverheiratete Tochter, namens Notburga, die Du zur Frau nehmen wirst, selbstverständlich nur pro forma, da sie erst ein Jahr alt ist. Damit gehörst Du dann offiziell zu unserer Familie.“

„Was das wert ist, haben die Kriege der letzten 70 Jahre gezeigt“, brummte Samo. Die Frage, was er auf einem Kriegszug mit einem Säugling sollte, schluckte er bedächtig hinunter.

„Mein Sohn hat, trotz seines noch jungen Alters tatsächlich bereits eine Tochter gezeugt. Um jedoch eine standesgemäße Verbindung eingehen zu können, wirst Du auch die zugehörige Mutter mitnehmen“, erläuterte Chlothar abschließend, jedoch rang er ob seines Sohnes mit der Fassung.

„Damit habe ich nicht nur einen Säugling am Hals, sondern auch noch das Kebsweib12 dieses Knaben“, dachte sich Samo, vermied aber einen Kommentar.

Die Waffen sollten bis zum Osterfest geliefert werden, bis dahin sollte auch Samo seine Leute bereit haben. Hruodi würde nicht in die Sache eingeweiht werden, sollte aber Samo nach besten Kräften unterstützen, ihnen Quartier und die Möglichkeiten für Kampfesübungen geben.

Samo kehrte noch am selben Tag, ohne Begleitung, zu seinem alten Hof zurück, bei dem er gegen Mitternacht ankam.

Deshalb also, hatte ihn der Tod noch nicht haben wollen. Wenn er jetzt Krieg gegen die Awaren führen sollte, würde dieser umso reichere Ernte einfahren können – egal ob es sich dabei um Awaren, Slawen oder Franken handeln würde.

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Während Samo zum Hof seines Schwiegervaters zurückkehrte, fuhr Dagobert seinen Vater an, Gundoland hatte sich inzwischen ebenfalls zurückgezogen:

„Weshalb vertraut Ihr diesem Menschen?“

„Was meinst Du?“ fragte ihn der König zurück.

„Habt Ihr seine Haartracht gesehen?“

„Ja. Und?“ antwortete der König ruhig.

„Er wagt es in unserer Gegenwart seine Haare lang zu tragen! Wärt Ihr nicht anwesend gewesen, hätte ich ihm den Kopf abgeschlagen!“ schrie Dagobert seinen Vater an.

„Bleib ruhig mein Sohn.“ antwortete dieser ihm. „Zum Einen wäre ein Mann wie Samo darauf vorbereitet gewesen und zum Anderen gilt das Verbot der langen Haare nach wie vor. Aber wir tragen unsere Haare in erster Linie deshalb nicht kurz, damit man nicht sieht, dass wir die Male, die unser Urahn am Rücken unserer Vorfahren hinterlassen hat, nicht mehr tragen. Oder treten die Male bei Dir wieder auf?“

Dagobert schluckte für einen Moment, dann antwortete er: „Nein. Ich habe diese berühmten Male nicht an meinem Rücken.“

„Siehst Du, ich auch nicht. Aber jeder unserer Vorfahren, einschließlich meines 'Vaters' Chilperich hatte diese Male. Was also könnte das bedeuten?“

Chlothar ließ die letzten Worte bedeutsam in der Luft hängen und beobachtete genüsslich die Gedankengänge seines Sohnes.

„Das ist nicht Euer Ernst“, platzte es nach einem Moment aus Dagobert heraus.

„Doch. Wahrscheinlich sind die Gerüchte, die Fredegunde – meine Mutter – so streng verfolgte wahr, nämlich, dass ich nicht der leibliche Sohn Chilperichs bin. Und um diesen Mangel zu verdecken, tragen wir unsere Haare lang und verbieten es allen anderen!“ endete Chlothar seine Rede.

„Aber warum lasst Ihr es dann bei diesem Samo durchgehen?“ bohrte Dagobert weiter.

„Ganz einfach. Ich habe mit Céraune gesprochen und einiges über unseren Freund erfahren. Er hat in den letzten beiden Jahren mehr Diebe und Mörder gestellt, als unsere Büttel. Und das nur, weil er sich zum Ziel gesetzt hat, den Mörder seiner Familie aufzutreiben. Dieser Mörder war wohl Alberich. Jetzt haben wir ihm eine Aufgabe gestellt, von der er wahrscheinlich nicht zurückkehren wird. Da kann er seine Haare ruhig offen und lang tragen!“

Für Chlothar war damit die Diskussion beendet.

Aber sein jugendlicher Sohn hackte nochmals nach: „Aber die Waffen die er verlangt...“

„müsstest Du sowieso herstellen lassen, wenn Du gegen die Awaren ziehen willst. Und so trägt er die Kosten für seine Söldner selbst. Sonst müsstest Du diese Kosten auch noch tragen! Willst Du etwa den Schatz, den ich Dir als König von Austrien anvertraue, so schnell wieder ausgeben?“ fragte Chlothar seinen Sohn und fuhr fort:

„Stell Dir mal vor, dieser Samo hat Erfolg, dann müsstest Du Dir nur seine Gefolgschaft sichern und kannst das Reich der Merowinger ganz leicht nach Osten erweitern. Das Risiko und die Kosten tragen Samo und die Wenden, während Du Deine Macht in Austrien festigen kannst. Du musst Dich erst einmal gegen die Adeligen in Austrien durchsetzen, die mich dazu zwingen, Dich zu ihrem König zu machen. Einen schwächlichen Knaben – in ihren Augen.“

„Aber ich bin der König von Austrien!“ begehrte Dagobert auf.

„Ja, der Form nach!“ antwortete ihm Chlothar ruhig und sachlich. „Wenn Du Dich aber weiterhin über zu lange Haare aufregst, wirst Du auch nur ein formeller König bleiben und tun, was Deine Adeligen von Dir verlangen. Ich musste, wegen dieses unseligen Krieges13 , den meine Frau Mutter angezettelt hat, vieles von meiner Macht, an meine Adeligen abgeben. Aber ich erwarte von Dir, dass Du diese Macht wieder zurückholst. Und zusätzlich darfst Du auch nicht vergessen, dass einer Deiner Vorgänger fast durch die Schwerter der Awaren gestorben wäre.14 Also, bewähre Dich als König von Austrien, bevor Du Dir Ansprüche auf mehr ausrechnest.“

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Ein paar Tage später setzte Samo sich mit Benno, seinem erfahrensten Kundschafter aus den Handelsreisezeiten zusammen und erzählte ihm, dass er einen größeren Auftrag hatte, zu dem er ungefähr 100 waffenfähige Männer bräuchte.

Um was für einen Auftrag es sich dabei genau handelte, sagte er ihm nicht. Nur dass diese Männer keine Familie haben dürften, zuverlässig sein mussten und sich bis Mariä Lichtmess in Uburzis einzufinden hätten.

Außerdem stehe noch nicht fest, wie lange dieser Auftrag dauern würde. Es könnte aber gut sein, dass neben satten Gewinnen auch noch reiche Beute zu machen wäre.

Benno zog die Augenwinkel nach oben und rümpfte die Nase: „Und nach Ostern soll die ganze Geschichte losgehen?“

„Ja“, erklärte Samo, „und außerdem sollten die Männer nicht allzu redselig sein. Zusätzlich wäre es mir wohler, wenn nicht allzu viele Leute etwas davon mitbekommen.“

„Das auch noch! Das muss ja eine ziemlich teure Fracht sein, die wir da zu bewachen haben. Aber schön, dass Du Dich doch wieder dem Kaufmannsgewerbe zuwenden willst“ brummte Benno.

„Was ich aber nicht ganz verstehe, ist, weshalb die Ware erst um Ostern herum in Uburzis in Empfang genommen werden soll?“

„Die Ware wird von einem befreundeten Händler dorthin geliefert und nachdem es sich bei den Männern, wohl eher um grüne Jungs, als um erfahrene Kämpfer handeln wird, brauche ich einige Zeit der Vorbereitung. Deshalb Lichtmess“, schloss Samo.

Er ging nach draußen. Sie hatten sich in Bennos Haus getroffen. Dessen Kinder spielten im Schnee und seine Frau war dabei, das Essen zu machen.

„Benno, ich werde Dich nicht mitnehmen können. Du bist hier gebunden. Deine Frau und Deine Kinder sollten Dir jetzt das Wichtigste sein.“

„Ich weiß, nur ungebundene Männer. Ich habe nur keine Lust, Dich mit irgendwelchen Strauchdieben – noch dazu 100 Mann – alleine los ziehen zu lassen.“

„Dann kläre doch mit Deiner Frau folgendes: Du kommst bis Ostern mit und bildest die Kundschafter aus. Danach kehrst Du aber wieder hierher zurück und bleibst bei Frau und Kind!“

„Da wird sie sicherlich zustimmen – ich gehe ihr nämlich schon lange genug auf die Nerven. Du bleibst aber noch zum Essen? Burgiswintha hat sich so viel Arbeit damit gemacht – wäre schade, wenn wir das alles an die Schweine verfüttern müssten.“

Das Letzte fügte er grinsend hinzu, da er noch nie hatte Essen an die Schweine verfüttern müssen, wenn Samo zu Besuch war.

Samo blieb natürlich.

Die beiden Männer blieben noch einige Minuten draußen stehen, bevor sie nach drinnen gingen, um das Essen von Bennos Frau zu genießen. Es gab reichlich und Burgiswintha war eine gute Köchin.

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Etwas mehr als zwei Wochen vor Lichtmess traf Samo, im Gefolge des Hruodi, in Uburzis ein. Er gab sich als Kaufmann aus und ihm wurde als Quartier ein Bauernhof im Wald, etwa einen halben Tagesmarsch westlich von Uburzis zugewiesen. Die dortigen Bauern hatten ihre Höfe wegen Überfällen von Räubern und Krankheiten aufgeben müssen.

Samo suchte sich als Quartier das Haus aus, das am wenigsten verfallen war und stellte zu seiner Überraschung fest, dass es im Eingangsbereich eine großzügig eingerichtete Schmiede enthielt.

Wenn jetzt hier ein Schmied wäre, könnte der gleich mit der Arbeit anfangen.

Nach und nach trafen nun die Männer ein, die von Benno beauftragt worden waren, sich hier einzufinden. Benno selbst kam am Lichtmesstag selbst an. Samo und der Teil der Männer, die schon früher angekommen waren, hatten in der Zwischenzeit die anderen Häuser soweit hergerichtet, dass sie als Quartiere dienen konnten.

Nachdem einen Tag nach Samos Ankunft ein fähiger Schmied eingetroffen war, der die Schmiede gleich in Beschlag nahm, herrschte nun reges Treiben in dem ehemals verlassenen Bauerndorf.

Mit Benno waren neun Männer angekommen, die man durchaus als „alte Hasen“ ansehen konnte.

Gumbert und Sigismund waren ausgewiesene Schwertkämpfer. Arnulf ein geübter Kundschafter, Childerich und Ansgar stellten sich als Meister mit dem Speer vor. Chronobert’s Waffe war der Bogen. Cozbert und Adiolf schwangen ihre Äxte mit einer Gewalt, dass einem Gegner von diesem Anblick schon das Herz stehen blieb. Zum Schluss kam noch Willibald hinzu der sich bestens mit dem Beladen von Mauleseln und Pferden auskannte, auch die Herstellung und Reparatur von Sätteln und Zaumzeug war sein Spezialgebiet.

Einhundert Männer bewohnten nun das kleine Bauerndorf und wurden in zehn Gruppen, zu jeweils zehn Mann Stärke eingeteilt.

Die Männer, die Benno mitgebracht hatte, wählten sich jeweils zehn Mann aus, um ihre Fertigkeiten weiterzugeben. Der restlichen zehn Männer, nahm sich Samo persönlich an, sie waren für das Bauen von Lagern, Reparieren von Waffen und Werkzeugen und Überbringen von Nachrichten zuständig. Es versteht sich von selbst, dass bei diesen Leuten Kunibert der Schmied war, der seinen Bereich im Wesentlichen selbst leitete und sich dabei von niemandem hineinreden ließ. Nur von Samo hörte er sich ab und zu einen Einwand an.

Samo war das nur Recht, denn dadurch konnte er sich um Dinge kümmern, die über die Ausbildung von Kriegern und Kundschaftern hinausgingen.

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Schon bei seiner Ankunft hatte Samo erfahren, dass sich am Main, etwa einen Tagesmarsch von Uburzis entfernt, Wenden oder Slawen angesiedelt hatten, die noch gute Kontakte zu ihren ehemaligen Fürsten hatten.

Also machte sich Samo am Tag nach Lichtmess, während im restlichen Lager fleißig gearbeitet und der Umgang mit Waffen geübt wurde, mit zwei Leuten seiner Gruppe auf den Weg zu diesen Wenden.

Da sie mit Pferden unterwegs waren, kamen sie nach einem halben Tag dort an.

Samo hatte seine Begleiter und die Pferde im Wald versteckt zurückgelassen und marschierte zu Fuß in das Dorf, das an einer Furt lag durch die Ochsen15 getrieben werden konnten. Er wurde zum Dorfältesten gebracht und fragte diesen frei heraus, was er von den Awaren halten würde.

Der Dorfälteste erschrak, erklärte aber dann, dass er wegen dieser Landplage seine Heimat verlassen und sich hier angesiedelt hätte. Samo erklärte ihm kurz, dass er mit einem Zug von etwa einhundert Mann und einigen mit Waffen beladenen Mauleseln ins Land der Slawen fahren wollte und dass die Awaren von diesem Zug nicht all zu viel mitbekommen sollten.

Der Älteste nickte und versprach mit einem seiner Enkel zu reden, damit dieser den Zug begleiten sollte, da er ihn hin und wieder zu seinen Verwandten schicken würde. Seinem ehemaligen Fürsten, einem Mann namens Wogast, wäre der Enkel, namens Ladislaus, bekannt und sie würden dort sicherlich auf Freunde stoßen. Samo sollte einfach mit dem gesamten Tross bei ihm vorbeikommen und Ladislaus käme dann mit.

Außerdem könnte er ganz gut mit einem Messer umgehen, so dass er sich seiner nicht zu schämen bräuchte, fügte der Dorfälteste noch grinsend hinzu.

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Die Ausbildung die Samos Männer erhielten, umfasste für alle Männer das Werfen der Franziska, den Kampf mit dem Schwert und der Streitaxt und das Schießen mit einem Bogen, sowohl zu Fuß als auch vom Pferd aus. Darüber hinaus wurden die einzelnen Krieger, je nach Art der Einheit, der sie angehörten, zusätzlich in speziellen Fertigkeiten ausgebildet.

So mussten die Kundschafter sich zum Beispiel lautlos anschleichen oder einen Beobachtungsposten verlassen können, ohne das dort Spuren von ihnen zu finden waren, beispielsweise abgebrochene Zweige an einem Busch oder Ähnliches.

Bestimmte Horn- und Geheimsignale wurden festgelegt und bei einmal täglich stattfindenden Kampfübungen geprüft, ob die einzelnen Fertigkeiten tatsächlich beherrscht wurden.

Samos Männer übten hart und so fiel es gar nicht auf, dass es nur noch zwei Wochen bis zum Osterfest waren, als ein Bote von Hruodi bei dem Dorf „Brunnen im Wald“ eintraf und Samo sprechen wollte.

Dieser hatte sich gerade von Ladislaus – den die Neugier nicht mehr im Dorf an der Ochsenfurt gehalten hatte – eine Karte zeichnen lassen, die den Verlauf des Main, dahinter den Verlauf der Elbe, der Eger, der Moldau, der March, südlich davon der Donau und ihrer Zuflüsse, sowie der dortigen Bergketten darstellten. In dieser Karte waren auch die Dörfer und Burgen eingezeichnet, in denen die einzelnen Stammesfürsten der Slawen wohnten. Außerdem erklärte Ladislaus, dass er fast alle Fürsten in diesem Gebiet kennen und Samo und seine Leute sicher zu ihnen geleiten würde.

Samo grinste als er das hörte und dachte bei sich „Ein schlauer Kerl!“

Der Bote trat ein: „Ich bringe Euch Kunde von Eurer Braut Notburga, der Tochter des Dagobert, und soll Euch zu ihr geleiten.“

„Brüllt das doch bitte gleich im ganzen Gau herum, dass jeder gleich weiß was los ist. Denkt Ihr vielleicht, wir haben uns hierher zurückgezogen, um unsere Waffen zu polieren?“ fuhr ihn Samo an.

„Ich werde Euch begleiten, wenn Ihr aber noch einmal sagt, dass Ihr vom Sohn des Königs geschickt worden seid, reiße ich Euch Eure Ohren ab.“

Samo hob drohend den Finger, doch der Bote ließ sich nicht beirren.

„Dagobert wurde zum Unterkönig in Austrien ernannt und Ihr als sein Schwiegersohn habt damit sicherlich höhere Rechte und Pflichten, als in einem Bauerndorf auf irgendwelches Pergament zu starren“, verkündete der Herold.

„Kunibert!“ rief daraufhin Samo „komm herein und brenne diesem Idioten etwas Gehirn in seinen Schädel.“

„Geht klar!“ meine der Gerufene nur, packte den Herold und zerrte den verdutzten Kerl in Richtung der Schmiede.

„Nein! Was tut Ihr?“ war von diesem zu hören.

„Lass gut sein, Kunibert. Aber Euch sollte es eine Lehre sein, Euren Schnabel nicht so weit aufzureißen. Sonst verbrennt Ihr Euch irgendwann einmal Euer Mundwerk richtig!“

„Gebt mir ein bisschen Zeit, dann begleite ich Euch nach Uburzis.“ Fügte er noch hinzu.

Gesagt getan – kurze Zeit später befand sich Samo, in Begleitung des Heriolds, zu Pferde auf den Weg nach Uburzis, wo er seine künftige Braut Notburga kennenlernen sollte. Die offizielle Vermählung sollte am Ostersonntag stattfinden und Tags darauf sollte der Zug zu den Wenden beginnen.

Von einer tatsächlichen Hochzeit konnte natürlich keine Rede sein, da das Mädchen mit knapp einem Jahr noch keine Frau war, sondern ein kleines Kind. Wobei natürlich in Adelskreisen auch Kinderhochzeiten üblich waren, die mit Liebe nichts zu tun hatten, weil sie zur Verbesserung der Politik geschlossen wurden.

Notburga

Die Tochter des neuen Unterkönigs von Austrasien Dagobert, lag auf dem Arm ihrer Mutter in einer Kemenate der Burg von Uburzis, die für die beiden eingerichtet worden war. Vor einigen Tagen waren sie hierher verschleppt worden.

Notburga sollte einem Unterhändler ihres Vaters anverheiratet werden, aber wie sollte ein einjähriges Mädchen verstehen, was hier vorging, wenn ihre Mutter das schon nicht verstand.

Für die Mutter des Mädchens sah diese Sache ziemlich traurig aus. Der König Dagobert hatte das Mädchen an seinen Untertanen verkauft, damit dieser sich verpflichtet sah, zu tun, was der Vater und der Großvater des Mädchens von ihm verlangten. Als weiteren Ansporn sozusagen. Er gehörte ja zur Familie.

Aber was konnte ein erwachsener Mann, ein Krieger – auch wenn er hier als Unterhändler auftrat – von einem Kind, einem Säugling gar, wollen?

Dieser Mann war schwer vom Schicksal getroffen worden, wie sie gehört hatte. Er hatte Frau und Kind verloren und seitdem erfolgreich gegen Räuber gekämpft. Das mochte ihn zu einem ehrbaren Mann machen, oder war das nur Schein. Wie würde dieser Mann mit ihrem Kind umgehen, nachdem er seine eigene Frau gegen Räuber im Stich gelassen hatte, um auf Handelsreisen zu gehen. War er wirklich nur ein Tuch- und Weinhändler gewesen oder hatte er auch mit Sklaven gehandelt.

Hildegunde – die Mutter – weinte bei dem Gedanken ihr Kind einem Sklavenhändler zur Frau geben zu müssen. Sollte dieser Mann dem Kind etwas Böses antun, würde sie das Mädchen und danach sich selbst umbringen.

Die Türe öffnete sich und schnell trocknete sie ihre Tränen. Der Bote hatte die Tränen bemerkt, sprach sie aber nicht darauf an, sondern vermeldete, dass der Unterhändler Samo eingetroffen war und seine Braut ihn kennenlernen sollte.

Also erhob sich Hildegunde und kleidete Notburga an, damit sie einigermaßen gut aussehend ihrem „Bräutigam“ begegnen würde.

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Samo war in eine Kammer geleitet worden, in der er sich umziehen und waschen konnte, außerdem könne er die nächste Nacht hier verbringen, da für den Abend – trotz der momentanen Fastenzeit – ein großes Gelage vorbereitet war.

Mit Erschrecken hatte die Dienerschaft auf der Burg festgestellt, dass er seine langen, blonden Haare offen trug, da dies doch den Mitgliedern des Königshauses vorbehalten blieb. Es waren schon Männer wegen weniger geköpft worden.

Aber dieser „Kaufmann“ machte sich daraus offenbar nichts – im Gegenteil, er verlangte ein zusätzliches Tuch, damit er seine Haare waschen und trocknen konnte, bevor er seiner Braut entgegentreten würde.

Der nicht gerade glückliche Bräutigam, zog sein Reisegewand aus, wusch sich vollständig und legte ein etwas besseres Gewand an. Die mitgeführten Waffen verbarg er in der ihm zugewiesenen Kammer, mit Ausnahme von zwei Dolchen, die er offen am Gürtel trug.

Das Reisegewand bestand aus dem üblichen, hüftlangen Wams aus grobem Leinen, der ledernen Hose und den knielangen, ledernen Stiefeln, die auf der hinteren Seite geschnürt wurden.

Das bessere Gewand bestand aus einer hellen Leinenhose, einer langärmeligen, knielangen Tunika, die mit silbernen Fäden durchwirkt war und knöchelhohen, ledernen Schuhen. Dazu trug er einen feinen, ledernen Gurt in dem die beiden Dolche links und rechts eingesteckt werden konnten.

Nachdem Samo sich umgezogen hatte nahm er ein Päckchen mit feinstem Tuch unter seinen Arm, das er Notburga oder vielmehr ihrer Mutter schenken wollte und begab sich in das herzögliche Audienzzimmer, wo er „seine Braut“ das erste Mal treffen sollte.

Wohl war ihm bei dieser Angelegenheit nicht – was sollte er mit einer Frau auf der Reise die ihm bevorstand, noch dazu einem kleinen Kind.. Im schlimmsten Fall würde es dazu führen, dass seine Männer unruhig werden würden und über die Mutter herfielen.

Was hatte sich Dagobert dabei gedacht? Eine Frau hatte auf einem Kriegszug nichts zu suchen und ein Kleinkind von einem Jahr schon dreimal nicht. Dieser leichtfüßige, junge König sollte erst einmal von seinen Kebsinnen weg und auf einen richtigen Kriegszug gehen, dann würde er schon wissen worauf es auf so einer Fahrt ankäme. Eine Frau war da – auch für einen Anführer – nur hinderlich.

Und Samo selbst würde wohl nie wieder eine Frau so lieben können, wie seine Adelgunde.

Als er seine Kammer verließ umfasste er kurz das Leinensäckchen mit ihren Haaren, das er immer um seinen Hals trug und gedachte ihrer im Stillen.

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Die zukünftigen Eheleute wurden im Audienzzimmer einander vorgestellt, dann geleitete man sie in den Burghof, wo sie unter Aufsicht der „Magd“ Hildegunde einen Spaziergang unternehmen sollten „um sich persönlicher kennenlernen zu können“.

„Besser kennenlernen?“ dachte sich Samo, „Das Mädchen hat zwar ein herzerfrischendes Wesen, und als Tochter hätte ich mir so ein Kind bestimmt gewünscht, aber als Braut….“ Samo wollte gar nicht daran denken.

Die „Magd“ Hildegunde war überrascht. Mit dem was ihr über diesen Mann erzählt worden war, hatte sie sich ein anderes Bild von ihm gemacht.

Die jungen Männer, die ihr selbst bisher ihre Aufwartung gemacht hatten, waren im Vergleich zu diesem Mann, obschon sie alle von höherer Geburt waren, regelrechte Bauerntrampel gewesen – einschließlich des Erzeugers von Notburga.

Außerdem sah er gut aus, kräftig, aber kein Koloss, groß, aber kein Riese und seine langen blonden Haare flatterten im Wind. Was wiederum seinen Mut gegenüber dem Herrschergeschlecht der Merowinger zeigte, die es ihren Untertanen unter Strafe verboten hatten, langes Haar zu tragen.

Diesem Mann schien das egal zu sein!

Sie kamen an einen Weg, der aus der Stadt heraus, an der Burg vorbei nach Westen in den Wald führte und spazierten auf diesem weiter. Sie hatten sich bisher über alle möglichen Kleinigkeiten unterhalten, nur um ein Gespräch zu führen, während die eigentliche „Braut“ schlafend an der Brust der Mutter hing. Nun war Hildegunde verstummt und hing ihren Gedanken nach.

„Was habt Ihr?“ riss sie die Frage Samos aus ihren Gedanken.

„Kann ich Euch vertrauen?“ fragte sie Samo.

„Sicherlich, worum geht es?“

„Diese Ehe ist nicht richtig! Was wollt Ihr, ein erwachsener Mann, mit einem kleinen Kind? Aus diesem Grund habe ich einen Entschluss gefasst, von dem ich mich nicht abbringen lasse.“

„Und der wäre?“ fragte Samo, fast schon erschrocken nach.

„Solltet Ihr auf einer Hochzeitsnacht bestehen, werde ich Notburga und mich selbst umbringen“ erklärte ihm Hildegunde, selbst überrascht, dass sie so ruhig darüber sprechen konnte.

„Und wozu soll das gut sein? Ich will Notburga eigentlich auch nicht heiraten, noch dazu, da sie ein Säugling, aber keine Frau ist. Der Tod meiner Frau hat jede Liebe in mir gelöscht. Ich könnte keine Frau mehr lieben. Den Auftrag der Könige zu diesem Kriegszug gegen die Awaren, habe ich in erster Linie angenommen, um dort den Tod zu finden.“ Eröffnete ihr Samo, der dieses Geheimnis bisher streng für sich behalten hatte.

„Wenn diese Ehe nicht geschlossen wird, bringt Dagobert uns drei um“, schüttelte die Kebsin den Kopf.

„Es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich werde mich und Notburga umbringen!“

Samo dachte einige Minuten nach, dann eröffnete er ihr seine Gedanken.

„Und was wäre“, begann er, „wenn Ihr beide vor der Hochzeit auf nimmer Wiedersehen verschwinden würdet? Ihr könntet als Nonne in ein Kloster gehen oder Euch als Eremitin versteckt halten. Sicherlich wäre das auch gefährlich, aber immer noch besser als sich umzubringen. Oder? Und das Mädchen könntet Ihr als Eure Tochter ausgeben, deren Vater Euch im Stich gelassen hat.“

Jetzt war es Hildegunde die nachdenken musste.

„Und was ist mit Euch? König Dagobert wird Euch umbringen lassen. Und eine neue Frau an Eurer Seite, könnte ich mir gut vorstellen.“

„Wenn ich nicht mehr da bin, wenn der König davon erfährt, passiert mir gar nichts. Und eine neue Frau an meiner Seite? Die wäre mir nur hinderlich. Ich habe einen Kriegszug mit einhundert Männern vor mir, die seit einigen Wochen keine Frau mehr zu Gesicht bekommen haben. Was glaubt Ihr, was passiert, wenn ich so ein hübsches Ding wie Euch, anschleppen würde? Es gäbe sicherlich einen Aufstand – und das kann ich mir momentan nicht leisten.“ Erklärte Samo seine Situation.