Sämtliche Gedichte 2011-2015 - Stefan Habermann - E-Book

Sämtliche Gedichte 2011-2015 E-Book

Stefan Habermann

0,0

Beschreibung

Diese Gesamtausgabe beinhaltet alle 15 Gedichtbände, die zuvor als Einzelausgaben erschienen sind. Außerdem sind über 80 farbige Illustrationen enthalten, die zum allergrößten Teil vom Autor selbst stammen. Neben Gedichten mit traumhaft/albtraumhaft surrealen Inhalten, die eine innere Welt voller Rätselhaftigkeit und fremdartige Begegnungen und Situationen vorstellen, finden sich Gedichte, die durch Erinnerungen und Reflexionen auch biografische Muster sichtbar machen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



In Träumen voller Unterholz

Inhaltsverzeichnis

Jäger steigen nieder vom Wald

Vier Reiter mit Pferden schweigen

Die Ungeduld der Krokodile

mein Heft mein Malerstuhl mein Schränkchen

Die ausgeschnittene Frau

In diesen Traum entfallen meine Augen

Die letzte Lust der Augen

Um mich kein Raum, weniger noch eine Zeit

Der Schilfwald

Die Frau am Strand

Das vorgestellte Liebesspiel

Mein geheimes Jahr

Alle frühen Bilder

Wilde Palmen

Neue Winterreise

Jäger steigen nieder vom Wald

Langgedicht

Unter dem schwarzen Mond

verblutet ein Reh

in stiller Erwartung sieht mich

der dunkelnde Wald

grüngoldene Moose zerfransen

den abfallenden Weg

die Lichtung öffnet sich

Purpurbärentanz über duftenden Blüten

dorthin lege ich mich

bereit zur Atempause

die Nacht beschläft meine Augen.

Ich folge den gestrigen Spuren

tiefer in den Wald

ein Augenpaar verträumt

zwischen Stämmen seinen Glanz

märchenschattengleich

tief hinunter in eine Schlucht

verhallt an einer Wand ein Schrei

hingeworfene Felsen erinnern sich

an die Melancholie einer Berührung

inmitten von taunassen Gräsern

unter den Flügen der Nachtschwalbe.

Die Richtung gibt der dünne Pfad

meine Hände tasten

verstellt von grauen Stämmen

entgleitet meine Silhouette

bei der umgestürzten Pforte

seit Jahren warten Sommerregen

auf die Lüsternheit der Tiere

gegen die Mitternachtsseite

erzittert meine Brust

überwuchern Riesenfarne

im baldigen Verfall.

Findlinge jetzt verworfen über Geröll

endlos langes Steigen in die Schlucht

Gesichter flüstern im Nacken

aus dem Nebel Gestalten erfinden

Tau glänzt in meinem Gesicht

außer Atem schneide ich den Weg

in die angeschwärzte Landschaft

in Momenten leisen Wahnsinns

tiefer in den Grund hinein

helles Blut tropft von den Blättern

eines Zweiges in die Fährte.

Das Bellen eines Rehs aus dem

unermesslich großen Wald

zerbricht die Enge dieser Schlucht

im lichtlos unscharfen Raum

eine bemäntelte Gestalt

besingt der starrende Wald

flüsternd mit seinem Gesang

ich wandere nur so neben mir

dem Reh auf die Spur zu kommen

mit geschlossenen Augen

bin ich mir selbst entfallen.

Der Mond gleitet aus dem Schatten

bestäubt den bleifarbenen Nebel

silber vergraute Tannenäste

Jahr um Jahr verstummt

versteinern im windstillen Tal

der weiche Nadelboden schläft

noch in meiner Erinnerung

Überbleibsel vertrockneter Tage

Bewegungen dort unmerklich

ich lausche bis die zugestellte Nacht

mir was verspricht.

Dichter drängt mattes Laub

in den Pfad hinein berührt mich

schwere Müdigkeit säumt hin

zu meiner Gestalt

weiter geistere ich voran

gleite und schwanke zuerst

im Taumel wünsche ich mir

dass ich gewappnet werde

zum Schutze gegen Stimmen

die meine Erinnerung

in der Dunkelheit verstecken.

Bis hierher kam ich immer

und legte mich zum Schlafen

zwischen riesigen Samen

eingerollt bei einem Tier

und träumte es zum Morgen

in der Nähe scherzten Jäger

brachen durchs Unterholz

mit Stöcken schlugen sie

und schossen mit Gewehren

heute müsste ich der Nacht

ein letztes Bild entreißen.

Zwischen den riesigen Samen

liege ich wie immer

warte im Stillen auf das Reh

das sonst hier bei mir lag

gelehnt an meinen Rücken.

Wir hörten weit entfernt

die Männer drohend lachen

sie zogen endlich fort

ich gab erneut das Zeichen

in die Wildnis loszuspringen

ungezügelt als ein Teil von mir.

Ich folge einer Spur

Fremdheit soll von nun an

meinen Blick verkleiden

in der Gefährlichkeit

einer dunklen Ahnung

wandere ich hin zu einem Berg

ungesehen von der Meute

ich horche auf den Todesschrei

ich sehe dich mein Freund

mit Angst im Hals

hier noch einmal.

Da in der Entfernung

hör ich ein erstes Raunen

eine unsichtbare Landschaft

fängt an sich zu erinnern

was zwischen Schatten wächst

in einer blassen Fantasie

die zutiefst geborgen

sich selbst umkreist

und leise vor mir wispert

von vergessenem Gestein

im silberhellen toten Raum.

Eine weitere Stunde schon

bin ich umschlungen von Farnen

und entgleite auf totem Holz

unnahbar geworden

der Augenblick erstarrt.

Alleine lag ich unter Samen

während ein Teil von mir im Wald

über Moose sprang

und mich voll Sehnsucht

uns reicher wieder

zu vereinen warten ließ.

Mit dieser Erinnerung

umhüllt von Spinnennetzen

durchstreife ich die Lichtung

die der nackte weiße Mond

nun endlich aus dem Nebel

mit weichen Konturen formt

und fassbar werden lässt

die Knochengerüste des Waldes

umstellen streng und unbegreiflich

die Schattenrisse eines

abgehackten Gartens.

Ein leeres Gesicht fängt

zwischen fahlen Gräsern

meinen Blick berühren

ausgesäte Trümmerstücke

kaputten Lebens meine Hand

in einem öden Feld verträumen

unentdeckt Versteinerungen

jede Zeit die ich einst fand

versiegelte Lippen eines Mundes

nie berührte starre Finger

ein Zauberbann bewahrt sie hier.

Mondhell beleuchtet sieht der Wald

in seiner Vorstellung mich an

entlang der Schemen gleite ich

tiefer in den alten Garten

diesen Ort den es nie gab

hier soll ich ungesehen leben –

einziger Freund – dahinten

in Stein verwandelt steht das Reh

es schläft nun hundert Jahre

Agonie ist sein Triumph

und meines Traumes Schwere.

Vier Reiter mit Pferden schweigen

Langgedicht

Durch den Hohlweg treten unter Gewitterwolken

aus einer fernen Zeit vier Männer mit Pferden

selbstversunken in den Hitzeschleiern des Juli

ohne Seitenblick dem grauen Nachmittag entgegen

zwei von ihnen reitend die anderen führend

mit starrer Miene ganz entrückt folgen sie

dunklen Befehlen die Tiere aus dem Berg zu leiten

unversehrt über Schutt und brüchigem Gestein

den alten Weg entlang schlummernder Gärten

in die ich blicke angelockt durch Flügelschläge

nie gesehener Vögel im rätselhaften Lichtspiel

von Geheimnissen wo eine Schlucht sich öffnet

mit Pflanzen und Dornen bewehrt den Zugang

durch Findlinge verstellt die Pferde schweigen

bepackt mit Satteltaschen darin das ahne ich

verdeckt und überführt ein einsam fernes Leben

versteckte Träume vielleicht oder Versprechen

ich drehe mich zur Seite während die Männer

ohne eine Regung ihre Pferde aus dem Berg

ins Tal gleich Plünderern führen eine verlorene

Weile lang bange ich während der auffrischende

Wind den Berg bestäubt – ein leises Summen

zwischen Zauberblüten ich vergesse mich endlich

bei der Schlucht längs des steinalten Waldes

mit ihren Pferden gleiten blicklos die Männer

in das helle weite Tal geisterhaft verlassen sie

ein Märchen unter des Berges grollendem

Donner ganz benommen schlüpfe ich im Schatten

der Gartenmauern in den Hohlweg ungesehen

zwischen Lichtgesplitter und duftend zarten Rosen

entdecke ich die Fährte bei den riesenhaften

Steinen trunkene Dickichte säumen meinen Blick

mit erstarrten Mienen sind die Männer endlich fort

auf diesem Pfad bleib ich allein – Grabnischen in Stein

gehauen träumen von meiner Gestalt hinter

Oleandergebüschen und Olivenbäumen erwarten

unberührte Blöcke und Reliefgesichter meine

tastenden Hände wo Eidechsen mich beäugen in der

Mittagsglut neben zerbrochenen Säulen welkem Laub

und einmal ein Vogelschrei während ich wandere

durch den hohlen Fels – über Moose taste ich weiter

woher kamen denn die Reiter im Sonnenlicht glänzten

ihre derben Ledermäntel ein Stich geht mir durchs Herz

der Hohlweg zieht mich fort in seine magisch grünen

Schatten die mich verschlucken ich glaube schon

die Reiter sahen erbarmungslos und hart mich an

muss ich an diesem Tag vielleicht schon sterben?

den einen Menschen aber werd ich jetzt nie finden

die Ranken und Farne streifen mich und hängende

Moose zwischen gestürzten Stämmen da verschläft

ein Bild ein ganzes Leben und darüber wächst der Fels

meine Arme meine Schultern berühre ich betaste

mein Gesicht in den gewaltigen Laufgängen des lang

entschwundenen Giganten waren Menschen gewesen

sie passierten still den Lichtkeil der das Blätterdach

auf die steilen Felsen zeichnet ich sehe mich um

und suche plötzlich und begreife ganz langsam

was wollten die Reiter hier was raubten sie dem Berg

ihre Läufe schlugen die schlanken Pferde blutig

ermattet der Spur ergeben mit stumpfen Blicken

trabten sie über die Trümmer jäh erstarrter Zeit –

jetzt verfallene umwucherte Mauern zwischen den

Hohlwegen immer wieder Ausblicke in die bewaldete

einsame Schlucht geöffnete schmiedeeiserne Tore

ziehen mich heran im Schatten vernarbter Bäume

flattern Krähen in Gebüsche ein verlassener Winkel

überwachsen von Lianen in gleißendem Licht – dann

Wildnis deren Schlund sich öffnet ich schlüpfe erneut

in den Weg zu einem engen Spalt fransigen Lichts

wölben sich samtgrüne Steinskelette viele Meter über

mir ich taste nun über Steine weiter hinauf wurden

hier die Pferde geführt wo jeder Angstschrei für immer

in den gehauenen Wänden sich einritzt und Zeichen

setzt umkehren sollte ich das einstürzende Wetter

bricht an der jenseitigen Schlucht eine Schneise –

da seitwärts öffnet sich der Weg zum Abgrund hin

verwischt sind lange schon die Gärten im böigen

Wind erhebe ich die Hand und winke hinüber in einen

Gedanken in dem ich bleibe die Reiter und ihre Pferde

sind hier entlanggezogen mit einem kostbaren Gut

durch Klüfte und Felsentreppen führt steigend der Weg

zu einem Durchlass zwischen Farnen und Wasserläufen

wie konnten dort mit ihren Pferden die Reiter ziehen

Nebenwege seh ich keine umschlossen von rauen Felsen

ist der stille Durchgang der sich windet ich warte

unter Steinvorsprüngen momentlang und versuch mich

zu erinnern an den Riesen der hier lebte in dem Bauch

des steilen Berges schritt er leise durch den hohlen Weg

ein stummes Leben schlief er ungesehen oben bei der

Kuppe dieses Felsens bewachte die Erinnerungen

eingegraben zugeschüttet die ich vor Jahren übergab

der Riese hütete in ungeheurem Schlaf ein Bild von mir

in einer tiefen Kluft aus Felsgestein erklimme ich den

Ausgang aus der Rinne niemals war ich hier gewesen

die Landschaft brütet ohne Spur von Gegenwart –

ich verletze mich beim Eintritt in das schmale Areal

in Terrassen gehauen umrahmt die Wasserquelle

ein uralter Brunnen neben einer tiefen Wanne

für ein kühles Bad seit hundert Jahren fließt über

gewaschene Ränder das Wasser mit Mooshaaren

die in der Strömung grüngolden schimmern sie

gleiten zu den Seiten schwenken im wiederholten

Rhythmus schwebend über funkelndem Grund ich

seh meine Hand durchs Wasser ziehend mich um

wie fein und zierlich da Olivenbäume wachsen

Zäune silbrig grau verwittert und zerbrochen

seit Jahren führen mich zum Rand des steilen

Hanges … noch ein Garten … sage ich der letzte

des Weges von Zauberhand gemalt am Abgrund

einer Schlucht ein heimliches Versteck umrahmt

von Hecken süßer Pflaumen niedrige Bäumchen

mit Orangen gedeihen hier an diesem Zauberort

der uralte Riese den ich vor langen Zeiten traf

in diesem unermesslich großen Berg liegt zwischen

den Terrassenbändern wie ich nun sehe zu Stein

verwandelt ohne jede Regung ist sein Schlaf längst

eingetaucht in Todesdämmer mit ihren Pferden

waren hier die Reiter in den Garten führen Spuren

zu diesem Ruheort sie fanden ihn versteinert ohne

Gegenwehr eine Skulptur aus Fels Geträumtes

hat er so gehütet und vor Äußerem bewahrt wie viele

Jahre schon in treuem Freundesdienst zu beschweren

meine Träume und sicher da zu halten hat er den

Stein gewählt statt seines Lebens statt Lebendigkeit

und Kampf zu spüren verbarg sein ganzer Leib den

Eingang in die Erde zu jenen anvertrauten Bildern –

erstarrt in Lethargie entdecke ich den Riesen und

unter ihm ein Loch im weichen Boden ausgehoben

dunkel bricht über dem Berg das Gewitter ein mit

Schauern brüllen Wolken ihre Donner in die

Schlucht unmöglich noch zu bleiben Blitze zucken

hinter Bäumen in der Sekunde des Erkennens

werd ich von hier vertrieben Sturmwind peitscht den

Berg ich flüchte aus dem Garten längs des Brunnens

wieder durch die Öffnung dem hohlen Weg entgegen

flinke Bäche die zwischen Felsen stürzend meinen

Rückweg überspülen formt der wütende Regen

munter quellen Ströme durch Spalten und Ritzen

treiben mich unter grellen Blitzen ängstlich

rückwärts blickend dem ersehnten Ausgang zu –

durch jähe Schuld getroffen kann ich nicht weiter laufen

an diesem Ort ich weiß muss ich versteckt erst noch

verweilen – die Grabnische dort drüben in den Fels

gehauen lockt unerbittlich in die dunkle Höhlung

fremder Müdigkeit verhaftet will ich die Zeit unendlich

lange bergen und ohne Mut betäubt mich halten –

nach aussichtsloser Flucht nimmt mich die Nische auf

die Beine angezogen warte ich in Totenstellung.

Die Ungeduld der Krokodile

Gedichtfolge

IN DIE LAUE NACHT GLEITE ICH in süßem Traume

der helle Mond verspricht mir hundert Augen

die mich umstellen verstrickt im Dickicht

greifen meine Hände durch Spinnennetze

nach längst vertrockneter Beute.

Die Duftspur langer Schatten zieht heran

versucht mich blind zu machen

zwischen giftigen Tentakeln wandert Grauen

wie tastende Finger unter Angstgeschrei nur

entkomme ich der Dunkelheit.

Die wilde Zärtlichkeit der Nachtdämonen

zieht mich hin zu weichen Mulden voller Schlaf

wo der Tod versteckt in Schatten etwas sagt

im Dschungel formen blaue Nebel

undurchsichtig mein Gedächtnis.

In der Morgenluft würden schillernd kleine Schuppen

von Insektenflügeln schweben

niemand weiß wohin ich gehe nur die Käferlarve

horcht verloren unter einem Rindenstück

auf Geräusche in der Nacht.

Der Wahnsinn lacht mich aus zwischen Gräsern

lachen hundert Augen wenn die Nacht

im Regen stürzt kämpfe ich in Träumen

voller Stacheln bis ein anderes Gesicht

mir meine Maske nimmt.

Die Fesseln die ich spüre flüstern zarte Worte –

ein Liebeswerben in trunkener Stille

bis sich auch diese Nacht in meinem Kopf versteckt

ich schlafe ein so wurde mir befohlen

ein neues Wort in andrer Zeit zu sagen.

ZWISCHEN VERLETZTEN REHEN fand ich mich

kopfüber gegen Felsen schnitt eine Kerbe

in mich dort jemanden abschütteln

meine Tarnung gab ich auf das was ich wusste

zerkratzte ich auf Spiegeln.

Ein Schmetterling erzählte seinen Flug

er war über Jahre gealtert

durch den Schlaf entkomme ich hinunter zum Fluss

sieben Tage ohne Sprache

Worte und Sätze waren ausgefallen.

Ich hätte sterben können mit den Rehen

in den Nächten des Monsun

etwas wuchs heran gegen mich

immer Gefangener indem ich mich entfernte

war ich erstmal in Sicherheit.

ICH ENTDECKE MICH NEBEN MIR

sehe mich dort hinten – zwischen Jaguaren

die ihre Krallen schärfen an meinem Rücken

Bewegungen im Dickicht verwandeln die Nacht

ungesehen warte ich neben dir und mir

im Gewirr der Blätter und Lianen schlafen nun

hunderte Gesichter.

Die Nacht ist kalt und voller Scharmützel duftend

schweigt der Fluss wo die großen Welse patrouillieren

könnte ich mich still zum Boden legen

und den Gräsern lauschen müsste nicht

mit Jaguaren kämpfen hinter riesenhaften Bäumen

deren Wurzeln wuchern bis zum Morgen.

Die Jaguare gähnen voller Erinnerung

zerbeißen sie die Luft – sie werden bei mir liegen

bis ich mich zurückverwandelt habe

das Grauen gebiert ein neues Ungeheuer

niemals schlafen Jaguare wenn der Wald

in dunklen Nächten lautlos schreit

ihre Krallen schärfen sie an meinem Rücken.

ICH ERKANNTE ZWISCHEN GRÜNGOLDENEN MOOSEN

ein letztes Zeichen und später

unter den Flügeln eines Insekts

vergaß ich alle Gesichter aus Stein

und den Gesang von Flöten.

Verbrannte Nächte zeichnen Ringe aus Rauch

ich kämpfe mit Schmetterlingen

während durch Strudel Wellen zerstampfend

Elefanten ziehen ziehen Ringe aus Rauch

taumelnd hin zu Verstecken.

ERINNERUNGEN SITZEN ZWISCHEN FELSEN IN RITZEN

Spinnfäden umwoben gleich Beutetieren in Kokons

fallend in Dämmerung drehe ich mich um

mit dem Lächeln der Jungen wäre es geschafft

deine knöcherne Hand aber lasse ich nicht los.

Grün bemalte Wolken drücken mich zu Boden

während ich stolpere über gewebten Grund

beim Ufer wartet etwas versteckt mit flachen Augen

schwammen hier Geflechte aus Blumen und Gras

als der Tag endlich anbrach und niemand mich sah?

IN MEINEN TASCHEN NISTEN schwarze Käfer

und bleiben versteckt in Fußabdrücken

neben mir verstaubt ein Schattenbild

aus dem ich als ein Anderer verschwinde

in den Nächten voller Reptilien fand ich Schlaf.

Dieser Regen hinter Bambushütten schimmert

gleich nassen Haaren gegen die Dämmerung

als hier die schwarzen Hunde gierig fraßen

nistete in ihren Augen die Bleifarbe

des umgestürzten Abends.

Verzweifelt spannte die Nacht ihren Rücken

ohne Berührung bedeckte mich ein Laubblatt

ich blieb noch bei den Hunden musste doch nur warten

beim Todesschrei von Tieren im Wald

eine Form gestalten ich sah mich aber nicht.

EIN SCHLAFTRUNKENES BILD FLUORESZIERT

in tiefen Fußabdrücken unscharfe Spuren

im Schlamm flüstert der Nachtregen

während meine Augen den Boden betasten

streife ich durch Farne und giftige Dornen

herumgeirrt seit Stunden sehe ich erneut

die zurückgelegten Schritte vor mir liegen.

In jedem Tritt schimmert mir ein Bild herauf

aus Fußabdrücken schweigen Bilder leuchten Streifen

bunte Flecken – mit dem Regen schwimmt mein Blick

weiche Gesichter eines Menschen den ich kannte