SAMUEL das kleine Seelenlicht - Marco Späth - E-Book

SAMUEL das kleine Seelenlicht E-Book

Marco Späth

0,0

Beschreibung

Wie sieht ein ideales Leben aus? Was ist unser Lebens- oder Seelenplan? Sind die Dinge tatsächlich immer so, wie sie auf den ersten Blick scheinen? Woran bemessen wir moralisches Handeln? Was kann jeder von uns tun, um unseren Kindern eine neue Weltsicht zu vermitteln? Samuel, das Seelenlicht begibt sich auf die Reise durch das Universum, um Antworten auf diese und ähnliche Fragen zu finden. Dabei erlebt er zahlreiche Abenteuer, lernt Lektionen für's Leben und teilt seine Erfahrungen mit Weggefährten, Gleich- und Andersdenkenden. Doch was hat es auf sich mit dem Flohmarkt der Gefühle, einem magischen Buch, dem Schlüssel der Tugenden und dem Berg der Geschichten? Marco Späth verknüpft geschichtliche und physikalische Themen mit Mystik und Spiritualität. Die Geschichten vom kleinen Seelenlicht regen zum Nachdenken an und ermuntern den Leser, eingefahrene Denkmuster auch mal zu verlassen und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn - der Phantasie, dem Denken und dem eigenen Glauben sind keine Grenzen gesetzt! Es ist die Welt eures Seelenlichtes, das Dinge von der wahrhaft richtigen Seite beleuchten kann.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 313

Veröffentlichungsjahr: 2019

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



»Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maße von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen.«

(Astrid Lindgren)

Inhalt

VORWORT

Einleitung

Die Geschichte vom kleinen Seelenlicht

Das kleine Seelenlicht steckt in der Klemme

Das kleine Seelenlicht und der Berg der Geschichten

Das Seelenlicht erhält Erkenntnisse über die Schlüssel der Tugenden

Das Seelenlicht und der Flohmarkt der Gefühle

Samuel lernt Leela kennen

Samuel und der Blick in das Goldene Zeitalter

Samuel und das Wesen der Wirklichkeit

Maxim und die Statistik über die Seifenblasenwelten

Samuel und die Unterhaltung der etwas anderen Art

Schlusswort

Glossar

Quellenverzeichnis

Ich widme dieses Buch meinen Neffen Max & Tom

VORWORT

Gedanken zum gemalten Bild auf linker Seite (Christa Bothe)

Beim Blick auf die farbenfrohe gemalte Seite habt ihr euch bestimmt gefragt, was genau sie zu bedeuten hat. Zu sehen sind die hebräischen Buchstaben des Namens Samuel. Geschrieben von oben nach unten. Im übertragenen Sinne bedeutet Samuel »der von Gott Erbetene«. Die Farbgestaltung entstand intuitiv, ebenso die Idee, den Buchstaben Zahlen zuzuordnen – heraus kam die Zahl 22.

Um den Namen Samuel und die Zahl 22 näher zu beleuchten, hier ein kleiner Einblick in die Numerologie:

»Zahl ist jedoch Abbild und Gleichnis jeglichen Wesens« (Pythagoras)

»Das nach dem griechischen Philosophen Pythagoras (ca. 570–475 vor Christus) benannte Berechnungssystem ist das in Europa und den USA am weitesten verbreitete System für die Erstellung numerologischer Analysen. Es benutzt die Ziffern 1 bis 9 und ordnet die Buchstaben des Alphabets entsprechend zu«,(1) zum Beispiel:

SAMUEL

Die Grundzahlen von 1 bis 9 und die 0 und die damit verbundenen Wirkkräfte und Gaben sind in uns allen wirksam. (Dan Millman: Die Lebenszahl als Lebensweg)

1: Kreativität und Zuversicht

2: Zusammenarbeit und Ausgewogenheit

3: Ausdruck und Feingefühl

4: Stabilität und Entwicklung

5: Freiheit und Disziplin

6: Vision und Annehmen

7: Vertrauen und Offenheit

8: Überfluss und Macht

9: Integrität und Weisheit

0: Innere Gaben

Doppelzahlen 11, 22, 33, 44 sind Meisterzahlen, sie werden nicht weiter reduziert. Sie zeigen eine Verstärkung der Grundkräfte der ihnen zugrunde liegenden einstelligen Zahl an (11 – 2, 22 – 4, 33 – 6, 44 – 8).

An den Träger einer Meisterzahl werden höhere Erwartungen gestellt, er ist aber auch immer mit den entsprechenden Talenten und Fähigkeiten ausgestattet. (2)

Der 22er (doppelte Zusammenarbeit und Ausgewogenheit) ist ein praktischer Idealist und Internationalist. Er übernimmt, oft über die eigenen Ländergrenzen hinaus, Verantwortung und bringt Ordnung und System in die Welt (Stabilität und Entwicklung). Er ist in der Lage, die Dinge mit Weitblick zu betrachten, und er vermag Projekte zum Nutzen der Menschheit erfolgreich umzusetzen. (3)

Einleitung

Durch die erste Geschichte vom kleinen Seelenlicht wurde Samuel ins irdische Leben gerufen. Samuel ist in diesen Geschichten ein junger Mann, der über den Tellerrand hinausschaut und welcher mit seinem Seelenlicht einige Seelenabenteuer durchlebt hat. Seine Absicht in den Geschichten ist es, die Menschen zum gefühlvollen Nachdenken zu bringen. Er möchte mit dem Leser die Tiefgründigkeit seines eigenen Bewusstseins erkunden und auch dazu beitragen den eigenen Blickwinkel erweitern zu dürfen. Auch will er uns als Leser in seine mystischen Sphären entführen. Es geht viel um Spiritualität und Tatsachen, welche hinter der Fassade zu erkennen sind, worin der Glaube und die Ansichten auf die Dinge immer eine große Rolle spielen können. In dieser Inkarnation will er uns durch seine Seelenabenteuer einige wichtige Botschaften übermitteln und gewährt uns auch tiefe Einblicke auf seine eigene Sicht der Dinge.

Die Geschichten bauen aufeinander auf, insofern empfiehlt es sich, sie der Reihenfolge nach zu lesen. Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, das einige der verwendeten Begriffe erklärt.

Die Geschichte vom kleinen Seelenlicht

»Lebenskunst besteht nicht darin, aus dem Vollen zu schöpfen, sondern Quellen zu finden.«

(Thomas Romanus)

Das kleine Seelenlicht Samuel lebte in einer gemütlichen Höhle weit oben auf dem Berg. Es liebte die Sonne, die jeden Morgen in seine Höhle leuchtete. An die Dunkelheit in der Nacht hatte sich das kleine Licht gewöhnt, denn es wusste, mit seiner Gabe konnte es Räume heller machen, indem es herzlicher fühlte. Es war dann reine Energie, die gerne nach oben schwebte. Sowieso war das kleine Seelenlicht gern oben, da war es schön warm und kuschelig, und es konnte mit anderen Seelen spielen und auch Rat erhalten, wenn es etwas nicht wusste.

Nach einiger Zeit aber musste Samuel seine gemütliche Höhle verlassen und ins Tal hinunter schweben. Die Meister hatten ihm auferlegt, erneut eine Lehre in der irdischen Schule zu machen, wo er Sinnvolles dazulernen kann. Jeden Tag lernte Samuel Neues, in Hülle und Fülle erfuhr er seine Lektionen und auch Gaben. Er lernte, dass das »Sehen« eine ganz wichtige Eigenschaft ist. Sehen konnte man mit dem Herzen und dem Verstand. Aber das kleine Seelenlicht hatte keinen Verstand, es agierte aus der reinsten Quelle, welche jedem von uns innewohnt. Es lernte, dass einem auf der Erde auch Illusionen und Visionen geraubt werden können. Dennoch bewahrte es sich die Essenz der Dinge und fand sich damit ab, dass manche Träume wie Seifenblasen platzen können.

Das Seelenlicht erkundete die irdischen Gefilde, lernte den Sumpf und das Moor im Wald kennen und fühlte sich manchmal auch ganz klein und verloren auf dem riesigen Erdball. An einem dieser verlorenen Tage lief ihm sogar Wasser aus seinem Auge und es hatte ein ganz komisches Gefühl, welches es nicht kannte. Es fragte andere Mitspieler und diese erklärten ihm: »Das ist eine Träne – du bist traurig.« Das kleine Seelenlicht war sehr erstaunt. »Eine Träne. Aber ich bin doch reine Energie, pures Licht. Ich kann doch nicht weinen.«

Als das kleine Seelenlicht später wieder in seiner gemütlichen Höhle war, stellte es mit Erstaunen fest, dass ein Gefühl von Traurigkeit auch wieder vorbeigeht. Es spürte die Klarheit im Herzen, welche die Träne ihm mitteilen wollte. Und ab diesem Zeitpunkt leuchtete das kleine Seelenlicht immerzu. Es leuchtete so stark, dass es selbst in seiner Höhle niemals mehr dunkel wurde. Samuel nannte es die »Zeit der Wunder«; diese lässt das Licht auch auf der Erde – in Krisenzeiten und Katastrophengebieten – aufleuchten. Man muss es nur erkennen und nicht immer nur mit den Augen schauen, sondern auch mit dem Herzen. So ging das kleine Seelenlicht beruhigt in sein Bett und machte sich bewusst, dass die Wahrheit oft verschleiert ist und nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Wie der Kern der Kirsche liegt auch die Wahrheit oft im Inneren verborgen. Es dachte daran, dass seine eigene Wahrheit – sein Licht – immer existent ist, und von innen kommt und dass ihm das niemand rauben kann. Das freute das kleine Seelenlicht ungemein, und es schlief nach einem langen Tag zufrieden und glücklich ein.

So flog das kleine Seelenlicht über Meere, Wiesen und Berge und lernte viele andere Seelen kennen. Eines Tages lernte es einen Menschen kennen, der behauptete, er sei die Krönung der Schöpfung. Die Seele ging in sich und überlegte, ob das wirklich sein kann, dass der menschliche Körper die Krönung der Schöpfung ist. Es bemerkte aber auch wunderschöne Farben um den Körper. »Was sind das für Farben?«, fragte es den Körper.

»Das ist meine Aura.«

»Das sind aber meine Farben, sie entspringen meinem Licht«, sagte das Seelenlicht. Dann sprach der Mensch irgendetwas in einer fremden Sprache und meinte daraufhin, das sei die Formel des Lichts gewesen, die sei aber so komplex und es würde ewig dauern, das zu erklären, deswegen die fremde Sprache. Auch erklärte ihm der Mensch, dass es ein Tor nach innen gibt – das Herz ist der Eingang – und ein Tor nach außen – das sind die Seelenfarben, die Geübte wahrnehmen können. Solche Menschen könnten sogar aus der Aura lesen.

Da das kleine Seelenlicht über Gefühle kommunizierte, wollte es mehr erfahren über die Herkunft der Aura und schlüpfte als Seelenlicht in den menschlichen Körper. Dort spürte es sofort, wie sich seine Energie ausdehnte. Ihm wurde bewusst, dass es jetzt auch einen Körper hatte, und es strahlte. Es bemerkte, dass die Farben durcheinanderwirbeln können und der Körper dann manchmal nicht weiß, warum er sich so anders fühlt. Spannend, dachte das kleine Seelenlicht, echt spannend. Insgeheim fragte sich das Seelenlicht, ob es hinter die Formel des Lichts kommen würde, aber es begnügte sich damit, dass der Weg in diesem Leben noch lang genug sei und es selbst in dieser Inkarnation noch eine Seele der Neuzeit war. Vielleicht würde es in späteren Jahren die Antwort oder die Gleichung dafür erhalten.

Nach einiger Zeit erkannte das kleine Seelenlicht, dass sie zu dritt waren – nämlich Körper, Seele und ein mächtiger Geist. Letzterer konnte wandeln und Dinge auch bewusst lenken. Als Samuel den Geist einmal traf, fragte er ihn nach der Formel des Lichts. Der Geist sagte: »Du bist nur der Körper mit Verstand, mit dem Verstand kannst du es nicht erfassen. Ihr seid nur winzige Brotkrumen im großen Universum. Das wahre Wissen vom Universum würde euer Denken sprengen und eure Seelen verwirren.« Damit gab sich Samuel zufrieden und wandelte von nun an hellleuchtend aus seinem neuen Körper umher. Das kleine Seelenlicht hatte die Fähigkeit, in allen Farben zu strahlen, nach innen und nach außen. Das konnten nicht viele, darauf war es sehr stolz.

Die einzige Kenntnis, die in jedem System einleuchtend ist, ist die, dass Kinder immer ihr eigenes Seelenlicht haben, das Frieden ist, Frieden lebt und Frieden bringt. Wenn man Kinder anschaut – sie können schreien, nerven, dickköpfig und unartig sein etc., aber das alles nur, weil sie ihr eigenes kleines Licht am Leuchten halten wollen. Und das ist selbstverständlich in den Stürmen des Alltags mit all den äußeren Einwirkungen nicht immer einfach. In allen Kinderaugen kann man dieses, jedem Kind innewohnende Licht leuchten sehen, mit Ausnahme vielleicht in denen von Kindersoldaten und schwerkranken Kindern.

Kindergedanken wuseln wie Freudenblitze durch die Atmosphäre und stecken immer mehr mit Freude an. Klare Gedanken sind leicht und kennen keine Grenzen, sie können alles erreichen, all ihre Essenz kann materialisiert werden. Sie haben kein Gewicht und schwingen auf einer sehr hohen Frequenz. Unschöne Gedanken hingegen sind schwer und träge und machen unseren Seelenrucksack schwer. Sie können sich an schwach ausgebildeten Wesen festsetzen, Krankheit und Schwermut verursachen. Auf jeden Fall wuseln auch einige weniger schöne Gedanken durch das Nullpunktfeld. Daher ist es immer wichtig, dass wir uns auch in schwierigen Zeiten Zeit nehmen, um Ruhe zu finden, in uns gehen und immer wieder versuchen, das kleine Licht von damals zu entdecken und zu spüren.

Denn wie wir wissen, ist es stark und mächtig.

Das kleine Seelenlicht steckt in der Klemme

»Gedanken wollen oft – wie Kinder und Hunde –, dass man mit ihnen im Freien spazieren geht.«

(Christian Morgenstern)

Es war Frühling geworden. Das kleine Seelenlicht Samuel fand das Leben auf der Erde sehr schön, es hatte viele Freunde gefunden und fühlte sich in seiner Seelenfamilie sehr wohl. Samuel interessierte sich besonders für das Universum und das Weltall. Er wollte alles über unseren unendlichen Kosmos wissen. Je mehr Bücher er gelesen hatte, desto bewusster wurde ihm, wie einzigartig das Leben und die Schöpfung doch sind. In der Siedlung, wo er wohnte, hatte er eine Dachterrasse, auf der ein großes Teleskop stand. Mit diesem Teleskop beobachtete er oft Planeten, Sternbilder, die Milchstraße und auch andere Galaxien. Tief in Samuels Herz brannte immer noch die Frage nach der »Formel des Lichts« und er wollte unbedingt wissen, wo im Universum der Teil ist, welchen wir Himmel oder geistige Welt nennen.

Die Erde mit ihrer schönen Natur, den Wäldern und Seen hatte das Seelenlicht bereits ausgiebig erkundet. Vor allem jetzt im Frühling traf er sich gerne draußen mit seinen Erdenfreunden. Er war aber auch genauso gern allein an schönen Orten in der Natur, um zu philosophieren. Vor allem freute er sich auf den Sommerurlaub mit seinen Freunden aus dem Kletterverein, bisher waren sie noch nie zusammen im Urlaub gewesen. Die Reise sollte nach Mexiko gehen, dort hatten sie mit der Gruppe eine Hütte gemietet, idyllisch gelegen mitten im Wald an einem schönen Bergsee. Das kleine Seelenlicht war schon sehr nervös wegen des langen Flugs, aber als es endlich soweit war, lief alles wie am Schnürchen.

Es war der 20. Juni 2015 und es war sehr heiß in Mexiko. In sechs Tagen hatte das Seelenlicht Geburtstag, es wurde in diesem Leben 22 Lebensjahre jung, obwohl seine Seele schon fast neuntausend Jahre alt war und somit in die Zyklen der reifen Seelen einzuordnen ist. Diese Zahl hatte ihm seine Uroma mal genannt, die eine Schamanin war. Der Urlaub war sehr schön, es gab viel zu entdecken. Sie hatten geangelt, auch Fische gefangen und diverse Höhlen und Bergkämme erkundet. Insgesamt waren es zehn Jungen und zwei Mädchen sowie drei Erzieher, von den Kletterern »Guides« genannt. Abends saßen alle am Lagerfeuer und erzählten sich Geschichten, man lernte sich dadurch noch besser kennen und erfuhr aus jedem Leben etwas Einzigartiges.

Das größte Highlight stand Samuel und fünf seiner Freunde jedoch noch bevor. Am 24. Juni wollten sie mit zwei ihrer Guides den Cobre de Perote, einen erloschenen Schildvulkan im Gebirgszug der Sierra Madre Oriental zwischen Xalopa und Perote erkunden. Der Vulkan war 4282 Meter hoch. Das wird bestimmt eine spannende, anspruchsvolle und interessante Exkursion, dachte Samuel. Sie brachen sehr früh auf und kamen gut voran. Mittlerweile hatte Samuel erkennen dürfen, dass auch alle anderen kleine Seelenlichter in sich trugen, das war eine schöne und wichtige Erkenntnis. Die Bergpfade wurden im weiteren Verlauf zum Teil sehr steil und waren mit Geröll bedeckt. Das war auch der Grund, warum nur die sechs ältesten und größten Jugendliche der Gruppe mit auf den Vulkan durften. Die zwei Guides waren sehr angespannt, da auch sie nun erkannten, wie gefährlich das Gelände war. Zum Teil waren Seilketten in den Berg eingeschlagen, woran man sich festhalten musste. Auf ihrem Weg nach oben blickten sie immer wieder in tiefe Abhänge und Schluchten.

Es war bereits Mittag, die Gruppe hatte ca. zwei Drittel des Weges geschafft. Samuel lief zügig voran, und da passierte es. Er übersah einen großen Stein, stolperte und flog in eine tiefe dunkle und finstere Schlucht. Das Fallen kam ihm komischerweise wie in Zeitlupe vor, er sah die Felsen an sich vorbeiziehen, spürte die kühle, fast eiskalte Vulkanluft. Er fiel und fiel und fiel, immer tiefer. Von weit weg vernahm er die ängstlichen Schreie seiner Weggefährten. Irgendwann schlug er auf einem Felsvorsprung auf, zum Glück war dieser aber mit Moos bewachsen. Samuel wunderte das und er staunte, dass ihm nichts geschehen war. Um ihn herum waren nur dunkle Felswände und sonst nichts. Nichts, was einen Ausweg aus dieser Situation erwarten ließ. Es vergingen Stunden, er weinte und vermisste seine Freunde. Da fiel ihm plötzlich ein, dass er von der Pfeife Gebrauch machen könnte. Eine Oma seiner Seelenfamilie hatte ihm vor sehr langer Zeit eine Pfeife geschenkt, er trug sie seitdem immer an einer Messingkette um den Hals. Seine Oma hatte ihm damals erzählt, dass er mit der Pfeife seinen Schutzengel rufen könnte. Wenn es nötig sei, würde er sich dann sogar materialisieren können.

Unsere Schutzengel sind immer bei uns, so ca. anderthalb Meter von uns weg, meist hinter oder über uns. Allerdings dürfen sie nur mit Ausnahme und unter Einhaltung gewisser Regeln aktiv in unser Leben eingreifen.

Samuel nahm alle seine Luft aus den Lungen zusammen und pustete in die Pfeife. Er selbst hörte nichts davon, doch er spürte die Wellen und die Stärke der hohen Frequenz des Pfeiftons. In Gedanken bat er seinen Schutzengel um Hilfe. Doch es passierte nichts. Er konzentrierte sich erneut: Hilf mir, bitte! Auf einmal spürte er eine unfassbare Wärme und er begann zu leuchten. Dann hörte er eine leise Stimme: »Komm mit, kleines Licht. Du brauchst keine Angst zu haben, fürchte dich nicht, ich bin bei dir.« Mit Erstaunen bemerkte Samuel, dass ihn eine Nebelwolke schweben ließ. Er spürte auch eine unglaublich wohltuende Wärme, und einen überwältigenden Frieden, der ihn von allen Seiten umschloss. Sein Verstand fragte sich, was hier wohl vor sich ging. Dann wurde ihm klar, dass sein Schutzengel ihn mitnahm; zusammen schwebten sie in einer warmen Wolke. Samuel vernahm die Worte: »Fürchte dich nicht! Dir wird ein Geschenk gemacht.« Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall, so laut wie ein Ultraschallknall. Es machte »Pfuff« und dann war es komplett dunkel.

Derweil machten sich oben auf dem Berg alle große Sorgen. Die Guides hatten die Bergwacht gerufen, diese seilte sich bereits mit Lampen und Ausrüstung in die Spalte ab. Es war dunkel geworden und die Menschen beteten für Samuel. Überall wurde mit großem Suchtrupp und hellen Leuchten nach Samuel gesucht. Nach drei Stunden kamen die Kletterer aus der Spalte, und meinten, dass da unten niemand zu finden sei. Sie hatten alle Ecken, Hohlräume und Spalten abgesucht und ausgeleuchtet – ohne Ergebnis. Sie haben niemanden entdecken können. Die fünf Freunde weinten, die Guides bekamen es mit der Angst zu tun.

»Er hat doch bald Geburtstag …, kann doch nicht sein, dass er den nicht mehr erlebt«, sagte einer der Guides. Spät, weit nach Mitternacht, wurde die Suche vorerst abgebrochen. Mit Sonnenaufgang stieg der Suchtrupp erneut in die Schlucht hinab. Nach einiger Zeit jedoch dieselbe Enttäuschung – es war wie verhext, Samuel war nicht zu finden, sondern wie vom Erdboden verschluckt. Andernorts schlug Samuel die Augen auf und war überwältigt. Er blickte in einen orangefarbenen Himmel mit blauen Sternen, die funkelten, wie er es noch nie gesehen hatte. Er meinte zu hören, dass sich die Sterne miteinander unterhielten und kleine Funken der Kommunikation sprühten. Er schaute sich um – unglaublich – die Blumen tanzten im Rhythmus der Sternenmusik. Die Wiese, auf der er lag, war mit saftig grünem Moos und Gras bewachsen, er lag so weich wie in einem Bett. Samuel rieb sich die Augen, weil ihm das alles wie ein Traum vorkam. Doch als er seine Augen wieder aufschlug, war alles genau so wie vorher. Bunte Schmetterlinge und Libellen flogen umher, Bäume waren so groß, wie er es noch nie gesehen hatte, ihre Kronen reichten fast bis in die Wolken. Auch schien es, als ob die Bäume sangen. Auf jeden Fall leuchteten die Farben so unglaublich schön, dass man das mit Worten gar nicht umschreiben konnte. Er lauschte diesem himmlischen Gesang und hörte den Vögeln zu. Hier schien alles in Harmonie miteinander zu sein.

Samuel lief auf der weichen Wiese den Bach entlang und staunte über die Tiere, die er sah. Sie waren überhaupt nicht scheu. So hüpfte plötzlich ein knallbunter Frosch vorbei, guckte ihn mit großen Augen an, quakte und hüpfte weiter. Samuel kniff sich fest in den Arm, sein Körper reagierte, er war also nicht tot, oder etwa doch? Oder ist er im Himmel oder einer anderen Dimension gestrandet? Allmählich bekam er wieder Angst, doch da hörte er nicht weit weg Kinderlachen und Wassergeplätscher, es hörte sich an wie viele spielende Kinder. Er lief weiter, folgte der Kurve und überquerte schließlich einen kleinen Steg über den Bach. Da erblickte er die schönste Lagune, die er jemals gesehen hatte: türkisblaues Wasser, warmer Sandstrand und Delphine, die mit den Kindern spielten. Ihm war klar, dass das auf jeden Fall eine andere Dimension sein musste oder surreal sei. Seine Oma hatte ihm früher vom Himmel erzählt, sie hatte ihm erklärt, dass das unsere wahre Heimat sei, wo wir herkämen und immer wieder hin zurückkehren. Ist er etwa doch im Himmel oder in einem Teil der geistigen Welt? Die anderen Kinder tollten im Wasser herum, sangen und pfiffen dabei. Die Delphine auch. Samuel war zwar nicht so groß, aber ein recht guter Schwimmer, dennoch rief er den Kindern vorerst ein »Hallo« zu. Sie reagierten nicht und plötzlich bekam Samuel das Gefühl, in Gedanken mit ihnen zu kommunizieren. Auf dieses Weise bekam er sofort eine telepathische Antwort zurück: »Komm zu uns, Samuel, wir erwarten dich.« Woher kannten sie nur seinen Namen?

Aus Erzählungen von seiner Oma wusste er, dass man sich im Himmel mit der Kraft der Gedanken fortbewegt. Und plötzlich saß er bei den Kindern, lachte und tobte mit ihnen. »Was macht ihr hier?«, fragte er.

»Wir lernen die Sprache der Delphine und imitieren ihren Gesang, sie verstehen uns, auch deswegen sind sie bei uns.« Da sahen die Kinder Samuels Kette mit der Pfeife. »Gell, du bist mittels der Schutzengelpfeife hierhergekommen, oder?«

»Ja, genau!« Ihm fiel wieder ein, dass er ja die Pfeife benutzt hatte, bestimmt war er deshalb hierher teleportiert worden, anders konnte er es sich nicht erklären. Die Farben des riesigen Sees waren gigantisch, überall kleine idyllische Inseln mit Häusern darauf, wie auf einem ruhigen Meer. Überall Sandstrände, und direkt daneben auch ein Berg, auf dem Schnee lag, wo einige Kinder Schlitten und Ski fuhren, lachten, Spaß hatten und zufrieden waren. Das glaubt mir keiner, dachte Samuel. So flog er umher, und erkundete alles. Zeitgefühl hatte er keines mehr. Raum und Zeit existierten ja in der geistigen Welt nicht. Auf seiner Reise sah er Naturgeister, Nymphen, Feen, Zwerge sowie kleine Kobolde, die Schabernack trieben und immer laut lachten. Telepathisch unterhielt er sich mit ihnen und erfuhr so einige Geheimnisse. Er unterhielt sich auch mit den Bäumen und den Feen. Es war schön im diesseitigen Jenseits oder wo auch immer er war. Samuel wusste es ja nicht genau, dennoch war er wunschlos glücklich und innerlich zufrieden.

Mittlerweile war der 30. Juni und Samuel blieb verschollen. Seine Freunde aus der Pfadfindergruppe waren sehr traurig und stellten Kerzen an der Schlucht auf. Sie beteten für ihn und erinnerten sich gern an Sams Geschichten und Weisheiten. Sie stellten ihm ein Kreuz auf, worauf gefaltete betende Hände eingraviert waren, der Spruch über den Händen hieß: Der Glaube gibt uns Kraft. Die Zeit verging, der Urlaub war vorbei, die Trauer legte sich ganz langsam, das Leben ging weiter, leider ohne Samuel.

Ein Jahr später, am 26.06.2016, pilgerten die fünf Freunde wieder zusammen an den Ort, stellten Kerzen auf und beteten zu Gott. Sozusagen am 23. Geburtstag von Samuel. Sie baten um ein Zeichen, wie es viele tun, wenn sie für »Verstorbene« beten. Just in diesem Moment kam so ein starker Windstoß, dass es plötzlich alle Kerzen ausblies, es war wie ein Orkan, dann fing es für kurze Zeit heftig an zu regnen, dass sie es mit der Angst bekamen. Doch plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, riss der Himmel auf, kam die Sonne heraus und es zeigte sich am Firmament ein wunderschöner Regenbogen.

Der immense Sonnenstrahl fiel genau auf das vor einem Jahr aufgestellte Kreuz und beleuchtete den Spruch darauf »Der Glaube gibt uns Kraft.« Zum Erstaunen der fünf Freunde fingen die Kerzen, welche vom Regen eigentlich total nass waren, von alleine wieder an zu brennen. Den fünf Kumpels lief es eiskalt den Rücken hinunter.

Samuel hatte inzwischen neue Freunde gefunden. Sein Freund Lucky, ein kleiner grüner Glückszwerg, und dessen Begleiter, der Kobold Loki, erzählten ihm, dass sie die Aufgabe hätten, ihn an einen geheimen Ort zu bringen. Eine Fee flog die ganze Zeit vor ihnen her und zauberte den Gefährten einen Weg. Samuel kam die Reise ewig vor. Auf einmal sah er einen großen See mit hellgrünem Wasser und einem großen Wasserfall. Sonst war an diesem Ort keiner, keine Kinder, keine Tiere, niemand. Lucky und Loki gaben ihm zu verstehen, dass er jetzt durch den Wasserfall musste, ihre gemeinsame Reise zu Ende sei und sie wieder zurück in den Wald müssten. Er dachte sich in den Wasserfall hinein und sah beim Hineinfliegen noch einen großen Schwarm von Elstern, es waren mindestens 33 Stück. Komisch, dachte er …

Plötzlich gab es wieder einen ohrenbetäubenden Knall. Samuel spürte wieder seinen Schutzengel und wie er ihn wie eine warme weiche Wattewolke umgab. Sie schwebten sehr schnell geradeaus durch eine helle Höhle, an deren Ende ein kleiner Spalt offen war, ähnlich einer ovalen Tür oder einem kleinen Dimensionsfenster. Sie flogen immer schneller und schneller, fast Lichtgeschwindigkeit, so kam es Sam vor, und dann kam er sehr hart auf. Er hatte sich aber nicht verletzt. In etwa fünfzehn Metern Entfernung sah er Leute stehen und Kerzenschein. Auf diese Leute ging er zu. Er erinnerte sich, dass dies die Schlucht war, in die er gefallen war. Er wusste zwar nicht, wie er auf einmal wieder hierhergekommen war, aber es war ihm, als hätte der Vulkan ihn wieder ausgespuckt. Ja genau, sein Schutzengel hatte ihm aus der Klemme geholfen. Da erkannte er, dass die Leute, die da standen, seine fünf Kletterer-Freunde waren. »Hallo, meine lieben Freunde!«, rief er. »Ich bin wieder da! Mein Schutzengel hat mir geholfen.« Alle fünf waren erschrocken, wurden ganz blass und schauten ihn mit großen Augen an. Fast wie im Chor riefen sie: »Sam, wo kommst du denn her?«

»Heute ist doch mein Geburtstag, meint ihr wirklich, den lasse ich mir entgehen?« Sam erzählte seinen Freunden in Kurzform seine Geschichte und ließ sie daran teilhaben, was er Mystisches erlebt hatte. Die Freunde zeigten auf das heutige Datum auf einer mitgeführten Zeitung und berichteten, dass das Unglück genau vor einem Jahr und zwei Tagen passiert sei, und dass sie damals mittels Bergrettern und anderen Helfern vergeblich nach ihm gesucht hatten. Sie alle empfanden eine so große Freude, dass sie sich wieder hatten, und umarmten und drückten sich ganz fest. Wie eine Football-Mannschaft, die die Meisterschaft gewonnen hatte. Samuel blickte auf das Kreuz: Der Glaube gibt uns Kraft. Da lachte Samuel innerlich und sagte zu seinen Kumpels: »Cooler Spruch, der hätte von mir sein können.« So waren alle Seelenlichter wieder vereint, und konnten es kaum erwarten, diese Geschichte ihren Eltern, Freunden und der weiten Welt zu erzählen.

Diese Geschichte wäre eigentlich passend für das Buch »Grimms Märchen«, doch sie birgt meiner Meinung viel zu viel Wirkliches in sich, deshalb bildet euch eure eigene Meinung. Einige Menschen in alten Mythen haben Ähnliches schon mal erlebt und fragten sich: Worum handelt es sich, was war das? Eine Nahtoderfahrung, eine außerkörperliche Erfahrung, ein Teleport in eine fremde Dimension, ein Eintritt in einen Zeitriss oder einfach nur ein Ausflug in die geistige Welt ohne Zeit und ohne Raum? Ja, was war es nun …

Folgt uns weiter auf der Reise von Samuel – er wird noch viel Spannendes und Mystisches erleben!

Das kleine Seelenlicht und der Berg der Geschichten

»Wenn euer Lehrer wirklich weise ist, fordert er euch nicht auf, ins Haus seiner Weisheit einzutreten, sondern führt euch an die Schwelle eures eigenen Geistes.«

(Khalil Gibran)

Das kleine Seelenlicht Samuel hatte in letzter Zeit viel dazu gelernt und war immer noch dabei, neue Erkenntnisse zu erforschen und zu erfahren. Beim Wandern durch Feld und Flur konnte Samuel immer gut mit sich und auch dem Kosmos kommunizieren. Oft bekam er auf seine komplizierten Fragen sehr weise Antworten von oben. Das gefiel Sam sehr. Auch freute er sich, wenn er anderen Weggefährten begegnete und sich mit ihnen austauschen konnte. So machte er sich auch an diesem Tag auf eine längere Reise. Dabei dachte er wie so oft über den Effekt der Sprache nach und kam zu der Erkenntnis, dass Gefühle die Sprache der Seele sind, Worte und Ideen die Sprache des Geistes, und Taten die Sprache des Körpers. Und Sam selbst war der Bediener des innerlichen Fließbandes, welches die Aktionen wandelte oder manchmal auch gewisse Aktionen unterließ.

Dadurch, dass Samuel schon oft über diesen Effekt der Sprache nachgedacht hatte, wurde ihm auch bewusst, wie wichtig es war, sich ab und zu innerlich zu reinigen oder bestimmte energetische Anhaftungen zu transformieren, um weiter wachsen zu können. Das tat er oft durch Meditieren oder Sprechen von passenden Gebeten, aber auch mit Hilfe einiger Tricks, die er in schlauen Büchern gelesen hatte. Gerne schlief er bei warmer Sommerluft unter dem offenen Himmelszelt, das voller Sterne und Planeten war. Dabei ergriff ihn oft das Gefühl, mit allem eins zu sein und mit dem Universum zu verschmelzen. Dieses Gefühl fand er riesig.

Vor ihm lag nun eine lange Reise zu einem hohen Berg, welcher aber gut zu erreichen war, da momentan noch Sommer war und kein Schnee lag. Am nächsten Morgen kamen ihm drei junge Wanderer mit großen Rucksäcken entgegen. Sie unterhielten sich angeregt. »Hallo, meine Freunde«, sagte Sam. Erst da bemerkten sie ihn und stellten sich vor. Sie hießen Silas, Barnabas und Ezechiel und kamen vom Gipfel des Berges. Dort wohnte ein alter weiser Mann in einer Hütte und hatte ihnen tolle Geschichten erzählt. Wow, dachte Samuel, genau das musste wohl der Sinn und das Ziel seiner heutigen Reise sein: Neues zu erfahren, Neues zu lernen. Gemeinsam entschieden sie sich, am Fuß des Berges eine Rast einzulegen und zusammen zu essen, da sie alle hungrig waren. Sie hatten frisches Brot, Bergkäse, leckere gesammelte Waldbeeren und viele andere feine Sachen dabei. Samuel steuerte seinen Teil aus seinem Proviant dazu bei und sie genossen in idyllischer Umgebung ihr gemeinschaftliches Wanderer-Mahl.

Sam wollte natürlich wissen, was für Geschichten der weise Mann denn so erzählt hatte. Daraufhin erzählte ihm Ezechiel, so hieß der Älteste der Gruppe, eine der Geschichten nach. Die Geschichte hieß »Der Wolf, den du fütterst«

Ein alter indianischer Schamane unterrichtete seine Enkel in der Kunst des Heilens. Er erzählte ihnen davon, dass in ihnen, wie in jedem anderen Menschen, zwei Wölfe lebten und miteinander kämpften. Einer der Wölfe ist derjenige, der Krankheit erzeugt. Er ernährt sich von Angst, Wut, Eifersucht, Neid, Selbstzweifeln. Der andere Wolf erhält die Gesundheit. Dieser Wolf ernährt sich von Liebe, Mitgefühl, Demut, Selbstvertrauen, Glück, Freude und Wohlgefühl. Die Enkel des Schamanen hörten sich das an und schrieben fleißig mit. Nach einer Weile wollt der Schamane mit dem Unterricht fortfahren, da meldete sich einer der Enkel: »Einen Augenblick bitte, Großvater. Du hast uns nicht verraten, welcher der Wölfe den Kampf gewinnt.« Da antwortete der Schamane: »Aber ist das nicht offensichtlich? Es gewinnt immer der Wolf, den du fütterst.« (1)

»Wow, tolle Geschichte«, sagte Sam. Die drei Wanderer erzählten ihm noch, dass der alte Mann manchmal in einer seltsamen Rätselsprache sprach und sie nicht immer alles verstanden hätten. Dann verabschiedeten sie sich voneinander und jeder ging wieder seiner Wege. Sam freute sich schon darauf, diese Hütte zu erreichen. Er stellte sich einen alten Mann vor, mit weißen Haaren und einem langen weißen Bart, der an einem Stock ging. Und er sah bereits in der Aura kristallklare und indigofarbene Felder. Da dieser Mann anscheinend schon viel erlebt hatte, wusste er mit Sicherheit, worauf es im Leben ankam. Da fiel ihm auf, dass sie gar nicht über das Äußere des Mannes gesprochen hatten. Aber das spielte ja auch keine so große Rolle. Sam ging frohen Mutes seinen Weg weiter. Nach einer Abzweigung entdeckt er einen Steg an einem schönen Bergsee; er leuchtete in grünen Farben und die Bäume spiegelten sich in ihm. Diese Ruhe in der Natur liebte Samuel sehr. Und wenn man genau hinhörte, konnte man diese heilige Ruhe der Natur sogar sehr leise hören. Samuel setzte sich vorne auf diesen Steg, welcher ein Stückchen über den See ragte. Er war zufrieden mit der ganzen Welt und versuchte, eins zu sein mit dieser wunderbaren Schwingung der Natur. Es war einfach ein herrlicher Tag.

Oft erfuhr Sam diese Quintessenz des Hellhörens, wenn er sich an schönen Orten in der Natur seiner Meditation hingab. Dort entdeckte er die schönsten Farben und Gefühle, er lernte diese Stille auf seinen Reisen sehr zu schätzen. Die Tiergeräusche im Hintergrund waren wie sanfte Meditationsmusik für sein feines Gehör. Manchmal wurden ihm dann in dieser Stille auch durch Intuition und Hellfühlen viele Antworten klarer formuliert, wodurch er spirituelle Weitsicht bekam, auf die er sehr stolz war. Sam lief nach dieser kurzen Pause weiter bergan und dachte über die Geschichte mit dem Wolf nach, und wie wahr sie doch war. Er wusste aus Büchern, dass jedes Gefühl, was man haben kann, seinen Ursprung entweder im Baum der Angst oder im Baum der Liebe hat. Auf diese Weise hatte er bereits vieles zu deuten gelernt und übte sich stets in seinem eigenen Denken und Handeln, Achtsamkeit anzuwenden und seinen Geist sauber zu halten. Dazu gehörte, nicht alles und jeden zu beurteilen, sondern einfach mal im Flow des Chi zu sein, ohne andauernd auf das Äußere zu reagieren.

Die Geschichte illustriert eine der wichtigsten Weisheiten des Lebens. Nämlich, dass wir unser Schicksal zu einem bedeutenden Teil selbst in der Hand haben. Auch wenn jeder von uns Menschen diese zwei Wölfe oder Bäume in sich beherbergt, so ist es unsere eigene Entscheidung, welchen der beiden Wölfe wir füttern oder welchen der Bäume wir gießen, pflegen und gut behandeln. Wir selbst entscheiden mit unserem inneren Fließband, wie Samuel es zu Anfangs der Geschichte erklärte, welchen Empfindungen wir Raum geben, welche wir nähren oder auch bewusst nicht unterstützen.

Das gilt natürlich nicht für die menschlichen Gegebenheiten in den Drittweltländern oder anderen Problembezirken. Dort haben nicht alle eine Wahl, sich positiv zu entwickeln, geschweige denn die Möglichkeit, wichtige Grundversorgung zu haben. Es ist also nicht überall auf der Welt gleich schön, dafür sollten wir in der westlichen Welt dankbar sein, und dies auch immer bewusst schätzen, im besten Fall auch versuchen, das zu ändern – durch Spenden, gemeinnützige Arbeit oder auch durch das Sprechen von Gebeten für diese Menschen und deren Leben. Das ist nicht zu viel verlangt, jeder kann ein klein wenig dafür tun.

Fazit ist: Der Körper lässt sich nicht von der Seele trennen. Die Seele hat einen Körper, nicht der Körper hat eine Seele, alles ist eins! Sam war jetzt schon 5 bis 6 Stunden bergauf gegangen, er hoffte, dass er bald diese Hütte erreichte und dass der alte weise Mann ihm Unterschlupf für eine Nacht gewährte. Innerlich war er sich sicher, dass er dort übernachten durfte, denn er wusste, dass in einer weisen Seele auch Gutmütigkeit, Barmherzigkeit und Fürsorglichkeit wohnten. Nach einer weiteren Stunde über Stock und Stein sah Sam entfernt am Berghang eine Berghütte stehen, mit Schieferabdeckung und einer schönen Terrasse. Richtig idyllisch lag die Holzhütte dort und sanfter Lichtschein drang aus den schönen Fenstern. Das muss die Hütte sein, dachte er. Er ging näher ran und entdeckte sogar ein Klingelschild, auf dem wie folgt zu lesen war: »GSL a TOM g?2« Sam drückte die Klingel, es ertönte ein lautes Hommmmm, wie beim Meditieren, und wieder ein Hommmmm, das war der Klingelton. Lustig, dachte Sam. Nach kurzem Warten wurde ihm die Tür geöffnet. Sam sah einen Mann, der nicht allzu groß war und ohne langen weißen Bart. Er sah irgendwie knuffig aus, trug Hosenträger, hatte einen rundlichen Bauch, war nur ungefähr 1,60 Meter groß und hatte zerzaustes blaues Haar. Auf seiner Nase ruhte eine dieser Schlauberger-Brillen. Da wusste Samuel, hier bin ich richtig, das musste der Mann sein.

»Hallo, kleiner Wanderer«, begrüßte der Mann Samuel mit netter Stimme. »Du bist ja auch schon eine reife Seele, das kann ich an dem Schimmer deines Seelenlichtes erkennen. Du bist mindestens schon über 8.500 Jahre alt.«

»Ja, das ist richtig. Ich bin vor einigen Tagen aber erst 23 Erdenjahre jung geworden, doch Aspekte meiner Seele existierten bereits seit Äonen von Jahren. Ich heiße Samuel und bin das kleine Seelenlicht.«

Irgendwie sah der Mann aus wie dieser Doctor Snuggles von früher aus dem Fernsehen. »Komm rein, mein kleines Seelenlicht, du hast bestimmt Hunger und Durst, du kannst auch hier übernachten, für Wanderer und gute Seelen steht meine Tür immer offen. Ich freue mich immer über Besuch, wenn Wanderer diesen Berg der Geschichten erkunden.«

Sam erzählte ihm, dass er drei Wanderer am Fuß des Berges getroffen hatte und diese ihm die Geschichte vom Wolf erzählt hatten. »Ach ja, du meinst die drei Propheten! Richtig, die waren gestern hier. Schön, dass sie mit dem Weitererzählen der Geschichten gleich angefangen haben. Das freut mich immer riesig, wenn meine Geschichten die Menschen zum Nachdenken bringen und sie endlich auch wieder mit ihrem Herz und nicht nur mit dem Verstand denken. Nicht wahr, Fragezeichen hoch zwei.« Fragezeichen hoch zwei hatte er ausgesprochen. Samuel gab ihm Recht.

»KKSL WEEW«, sagte der Mann.

»Was meinst du und wie heißt du überhaupt, großer Meister?«, fragte Samuel.

»Die Abkürzung an meiner Klingel GSL a Tom g?2 heißt übersetzt: Ich bin das Große Seelen-Licht auch Tom genannt. Und Fragezeichen hoch 2 ist nur ein Hinweis auf weitere Dimensionen – ich existiere nicht nur hier in den bekannten vier Dimensionen, sondern auch in anderen. Später erkläre ich dir mehr, falls Zeit dazu bleibt.«

Sam dachte, das kann ja anstrengend werden, wenn dieser Tom jetzt schon in Rätseln spricht. Aber vielleicht kennt er ja die Formel des Lichts. Wenn er wirklich so schlau und belesen ist, müsste er sie ja kennen.

»KKSL Weew«, sagte Tom wieder und schaute Samuel fragend an.

»Was meinst du?«, erwiderte Samuel und schaute ihn mit großen Augen an.

»Oh, entschuldige, ich habe die Angewohnheit, ab und zu mal in Wörter-Abkürzungsrätseln zu sprechen. Ich meinte natürlich: Komm, Kleines Seelenlicht. Wir essen erstmal was.«

»Ah, okay, großer Meister Tom, dazu sage ich nicht nein.« Sie deckten zusammen den Tisch.

Die Hütte von Tom war sehr gemütlich eingerichtet. Nach einer Weile war der Tisch mit vielen Leckereien gedeckt: Bergkäse, Trauben, Beeren, frisches Bauernbrot, Tomaten und Marmelade. Alles, was das Herz begehrte. Sie speisten gut und philosophierten über Ansichten und Gedanken zu den großen Dingen und Themen dieser Welt. Im Gespräch stellte Samuel fest, dass dieser Tom nicht nur wie ein Professor aussah, sondern auch genauso studiert und belesen war. Tom